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Rezensionen von PeWie:
Ein neuer Anfang
Scarlet von Genevieve Cogman
Die französische Revolution hat ihren Höhepunkt erreicht, der König ist tot, die Königin und ihre Kinder sind gefangen. Aus England macht sich eine Gruppe um Scarlet Pimpernel auf den Weg sie zu befreien. Scarlet Pimpernel ist eine Buchfigur von Baroness Orczy schon 1903 erfunden. Nun erlebt er eine Renaissance in diesem Roman.
Der listige Pimpernel hat schon viele Adelige und Vampire vor der Guillotine bewahrt. Mit bei seiner Truppe ist Eleanor eine junge Bedienstete, ehrgeizig und klug. Sie wurde von ihrer Arbeitgeberin, einer Vampirin freigestellt, für besondere Aufgaben. Welche das sind bleibt zu Anfang ein Geheimnis. Immer wenn Eleanor etwas Neues oder Wissenswertes erfährt, erfahren wir Leser es auch, nicht eher.
Ein Stilelement das ich auch schon von anderen Büchern der Autorin kenne und mittlerweile liebe. Es ist schön wenn man den Protagonisten immer einen Schritt voraus ist, aber spannender empfinde ich es, wenn ich raten kann, Vermutungen anstellen, mich überraschen lassen muss. Diese Aha - Erlebnisse und warum ist Eleanor nicht darauf gekommen, wenn ich es erraten habe, machen einen großen Teil des Unterhaltungswerts für mich aus.
Bei allen verständlichen Gründen für die Revolution, war sie doch zu blutig und die Opfer taten mir leid. Dadurch komme ich jetzt zu dem Fantasy Teil, die Vampire spielten lange Zeit in dem Buch eine untergeordnete Rolle, was sie darin zu suchen hatten, zeichnete sich erst gegen Ende ab. Denn dieses Buch ist erst der Beginn einer Trilogie, also haben wir in diesem Bereich noch eine Menge zu erwarten. Denn wie im Klappentext erwähnt gibt es noch eine dritte Gruppe die mitmischen will.
Etwas irritierend ist der Klappentext und das Cover. Hier stehen die Vampire und Magier mehr im Vordergrund als das Buch nachher erzählt. Aber was nicht ist, kann noch werden.
Mir hat im gegenwärtigen Band die Entwicklung von Eleanor gefallen. Von dem einfachen Dienstmädchen, das Blut gibt für ihre Dienstherrin, ( sehr vornehm wird es abgezapft und dann stilvoll in einem Glas der Vampirin serviert ) zu einer taffen jungen Frau die ihre eigene Meinung hat, selbstständig handelt und auch ihre Kameraden aus der Bredouille hilft.
Das sie Scarlet Pimpernel in die Liga aufnimmt, als zweite Frau ist nur folgerichtig.
Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Fantasy, Historie und Abenteuergeschichte. Im Grunde ist für jeden Leser etwas dabei, die Betonung liegt auf etwas, darauf muss man sich einlassen können. Dem einen fehlen die Aktionen der Vampire, dem anderen ist zu wenig Geschichte dabei, dann wird wieder ein Leser klagen das Abenteuer ist nicht tief genug erzählt. Für mich hat es die Mischung gemacht, vor allem aber kenne ich die Autorin von ihrer Serie um die unsichtbare Bibliothek und ich hoffe, dass ich am Ende der Trilogie sagen kann diese Bücher sind meiner geliebten Serie ebenbürtig.
Gefühlt zwei Bücher
Die Halbwertszeit von Glück von Louise Pelt
Drei Frauen zu unterschiedlichen Zeiten, es sind die Geschichten von Johanna, 1987 im Grenzgebiet der DDR, Holly, 2003 in Los Angeles und Mylene, 2019 in Paris. Wie passen sie zusammen, haben sie etwas gemeinsam oder versucht die Autorin nur eine Zeitreise. Auf dem ersten Blick haben die Frauen nichts gemeinsam, erst am Ende erfährt man mehr über die Verbindung zwischen ihnen, die eine echte Überraschung war.
Ich hatte das Gefühl ich habe zwei verschiedene Bücher gelesen.
Die Charaktere waren außer Johanna dermaßen egozentrisch, kindisch und sich wenig an die Wahrheit haltend dargestellt, das sie sehr unsympathisch für mich waren. Gleichzeitig waren die Recherchen zur Geschichte der DDR mangelhaft und das war unverständlich, denn die neuere deutsche Geschichte ist leicht zu recherchieren und für mich als geborene Westdeutsche waren die Fehler schon zu viel, wie geht es denn Lesern die in dieser Zeit dort gelebt haben. Für sie muss es wie Geschichtsklitterung wirken.
Nun zum zweiten Teil meiner Meinung.
Die Autorin hat einen wunderschönen Schreibstil. Gedanken zum Glück und seiner Vergänglichkeit, zu den kleinen Freuden des Lebens, die Spannung durch die verschiedenen Frauen und Zeiten das alles war wunderschön zu lesen. Einige dieser Textstellen habe ich mir rausgeschrieben um sie bei passender Gelegenheit weiter zu geben.
Mir ist die Diskrepanz zwischen diesen beiden Meinungen sehr bewusst, aber das Buch wirkt so auf mich. Im Grunde muss ich akzeptieren das die Autorin für mich schreckliche Figuren geschaffen hat, kein großes Interesse an Recherche hatte, aber sehr gut mit der Sprache und den Worten umgehen kann.
Fiktion und Historie
Die Windsor-Akte von Dirk Husemann
Ajax Doggerton soll für den Britischen Geheimdienst beim abgedankten König Edward in Paris die Augen offen halten. Denn Edward steht im Verdacht mit den Nazis zu Sympathien. für die Nazis zu empfinden und dementsprechend auch zu handeln. Da er als Student wenig über Spionage weiß ist er mit dem Job ziemlich überfordert.
Die temporeiche Entwicklung dieser Geschichte hat es in sich. Denn das glamouröse Paar Edward und seine amerikanische Ehefrau Wallis Simpson sind zwar in England Persona non grata, aber deshalb können sie trotzdem noch nicht machen was sie wollen.
Ständig stehen sie unter Beobachtung aller Geheimdienste in Paris.
Dieses berühmte Liebespaar bildet den Hintergrund für diesen Roman. Ältere Leser kennen das Paar noch aus der Boulevardpresse in denen sie jede Woche abgebildet waren. Sie sind das Sinnbild für eine große Liebe denn er gab für sie den englischen Thron auf.
Mit Ajax betritt ein junger sympathischer Schotte die Bühne, er ist zu Beginn noch etwas unbedarft hat aber das Herz auf dem rechten Fleck. Am Ende ist er über sich selbst hinaus gewachsen und ist noch liebenswerter geworden als zu Beginn. Er hat sehr sympathische Unterstützer und auch genauso unsympathische Gegenspieler. Genau die haben sehr unterschiedliche Gründe für ihre Handlungen. Dadurch ist die Geschichte sehr bunt geworden. Beim Lesen musste ich teilweise den Atem anhalten um nicht vor Aufregung vom Stuhl zu fallen.
Die Mischung aus Fiktion und Geschichte ist gelungen. Einiges weiß man aus dem Geschichtsunterricht, anderes vom Hörensagen. Die Erlebnisse des fiktiven Helden passen sich reibungslos in diesem Rahmen ein. Einen kleinen Abstrich gibt es für die Einlagen die ein wenig an die Slapstick Komödien aus den sechziger Jahren erinnern.
Die Details ordnet der Autor in einem ausführlichen Nachwort ein.
Ein Cold Case
Düstergrab von Romy Fölck
In einem frischen Grab wird eine weitere Leiche entdeckt. Ein junges Mädchen seltsam für die heutige Zeit gekleidet.. Ist das Mädchen eins der Kinder die vor Jahren verschwunden sind. Wenn ja, wo war es die ganze Zeit, wer trägt die Verantwortung für das Verschwinden, den Tod und wo ist das andere Kind geblieben? Alles Fragen die Frida und ihr Team an die Grenzen bringt.
Selbst Bjarne und sein Cold Case Team wird hinzu gezogen. Es gibt einige Personen die sich verdächtig machen aber es ist erstmal nie etwas Belastbares an Indizien oder Informationen dabei.
Sehr vertraute Personen ermitteln in diesem 6. Band von Romy Fölck in der Marsch. Wenn man wie ich alle vorherigen Bände gelesen hat, ist es wie ein nach Hause kommen, obwohl es immer im Vordergrund um ein Verbrechen geht. Denn Frida Paulsen und ihre Kollegen haben neben der Arbeit auch noch Freunde und Familie. Die sind mit einbezogen in die Geschichte, sie tauchen nicht nur am Rand auf, sondern gestalten das Geschehen mit. Die Eltern wissen über die Menschen in der Gegend Bescheid, die Nachbarn und Freunde reden eher mit bekannten Gesichtern bei der Polizei als wenn Fremde auftauchen, auch Polizisten müssen Essen und Trinken, Schlafen und es wirkt realistischer wenn sie es in einer normalen Umgebung machen. Dadurch ist der Fall das Besondere und nicht wieviel Ehen beim Ermittler gescheitert sind oder wieviel Alkohol er verträgt. Denn je extravaganter das Leben im Umfeld der Morde ist, desto uninteressanter ist der Fall. Ich persönlich will den Fall lösen, mich mit der Auszeit im privaten Bereich erholen.
Denn mit raten kann anstrengend sein und dann den Hund in Gedanken auch kraulen, ist auch für mich als Leserin Entspannung.
Dieses Miteinander gelingt der Autorin hervorragend. Ihre Figuren sind mit vielen Facetten ausgestattet, sie entwickeln sich, haben nachvollziehbare Gefühle und ihre Handlungen sind verständlich. Auch die Guten haben und machen Fehler. Es gibt immer eine Besonderheit in ihren Romanen, die Frau Fölck einfügt. Mal ist es ein Thema aus der Geschichte oder wie hier eine andere Form des Zusammenlebens. Sie fügt diese Informationen nahtlos in das Geschehen ein. Es sind kleine Tupfen die das Buch bunter machen. Wer mag kann sich dann weiter informieren, als Grundstock reicht das Gelesene vollkommen aus.
In ihrem Dank am Ende des Buchs richtet die Autorin das Wort an uns Leser, aber im Grunde haben wir zu danken, für gute Unterhaltung.
Sehnsucht
Immer am Meer entlang von Franziska Jebens
Josi weiß seit ihrer Kindheit das sie ein Jahr lang mit einem Auto ( Bulli) an der Meeresküste entlang fahren will. Sie spart schon lange darauf. Jetzt mit dreißig ist es soweit. Paul entscheidet es ganz spontan, durch einen Vortrag den er zufällig sieht, erkennt er das ist es was in seinem Leben fehlt.
Geld genug hat er als erfolgreicher Architekt. Er fährt mit einem umgebauten Landrover. Unterwegs treffen die beiden sich. Sie haben grundsätzlich verschiedene Ansichten und Lebensentwürfe. Bei jedem Treffen erst zufällig dann auch mal geplant verstehen sie sich besser.
Es ist ein wunderbarer Traum, ein Jahr lang los gelöst von allem was einen einengt. Kein Job, keine Familie, Freunde immer allein. Im ersten Moment klingt es phantastisch aber bei näheren Überlegen wäre es nichts für mich. Ich würde all das zu sehr vermissen. Vor allem meine Bücher. Vielleicht habe ich deshalb das Buch gern gelesen.
Der Erzählstil wirkt frisch und anders. Abwechselnd erzählen Josi und Paul ihre Reise. Über die Zusammen Treffen darf mal der eine dann die andere berichten. Der jeweils andere erzählt im Anschluss noch einmal seine Gefühle und Eindrücke. Manchmal werden dadurch die Szenen doppelt beschreiben, doch durch die andere Sichtweise wird der Blickwinkel erweitert. Es wirkt objektiver, die eigene Meinung zu den verschiedenen Themen bekommt mehr Grundlage.
Es ist leicht zu lesen, vor allem die schöne Kulisse macht viel Spaß. Auch die Nebenfiguren sind sehr sympathisch, im Grunde kann ich mir vorstellen alle Personen im wahren Leben kennen zu lernen und mit ihnen eine schöne Zeit zu verbringen. Das ist auch das Positive an diesem Roman, selbst eine gefährliche Geschichte wird durch Selbstvertrauen und Mut aufgelöst.
Fast ein Märchen
Melody von Martin Suter
Martin Suter ist seinem Schreibstil und seinen Charakteren meiner Meinung nach treu geblieben. Geheimnisse, eine besondere Liebe, treue Angestellte und ein Mann der lieber studiert und in den Tag hinein lebt als arbeiten zu gehen. Intelligent, angenehmes Äußeres, charmant und hilfsbereit, Tom ist der perfekte Mann, wenn er nur nicht so arbeitsscheu ist.
Wenn nur das liebe Geld nicht wäre. Seine Quelle ist versiegt, also muss er für den alten Nationalrat Stoltz dessen Biografie schreiben. Eine interessante Aufgabe, gut bezahlt und auch das Umfeld stimmt.
Der alte Herr hat Unmengen an Unterlagen, Zeitungsausschnitten und ähnliches gesammelt. Tom hat muss nun sichten und mit seinen eigenen Recherchen verbinden. Es soll ein freundliches Bild ohne irgendwelche Makel entstehen. Aber es gibt einen großen Bruch im Leben des Nationalrats. Seine große Liebe Melody verschwand vor der Hochzeit und wurde nie wieder gesehen. Auch zu diesem Thema forscht Tom und kommt zu anderen Ergebnissen als seine Vorgänger.
Für Martin Suters Figuren gibt es viele Vorbilder. Er mischt sie gern, etwas Felix Krull, ein bisschen von seinem eigenen Allmen und wir Leser mögen Tom Elmer.
Genau so geht es mit dem Butler, der Haushälterin oder dem alten Freund.
Ich mag es alte Freunde in neuen Gewändern zu begegnen, Durch Melody ist eine neue Figur aufgetaucht, was ist ihre Geschichte und was wissen alle Beteiligten und was wird Tom noch herausfinden.
Lass dir Zeit
Weite Sicht von Thorsten Pilz
Eine Empfehlung die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht: " Lass dir Zeit". Zeit für die Trauer, Zeit für das Abschiednehmen, Zeit für alte Freundschaften, Zeit für neue Bekanntschaften, Zeit für die Familie und vor allem Zeit für dich selbst.
Nach fünfzig Jahren verliert Charlotte ihren Ehemann, nach seinem Tod kommen Dinge ans Licht mit denen sie nicht gerechnet hatte.
Damit muss sie sich allein auseinander setzen. Sie muss Entscheidungen treffen ohne die vielen wohlmeinenden Ratschläge zu beachten.
Da sind auch noch die alten Freundinnen Bente und Sabine, und auch ihre Schwester Gesine. Alle vier Frauen kämpfen mit ihren ganz persönlichen Dämonen.
Charlotte ist die beherrschende Figur in diesem Roman, an ihr werden alle anderen gemessen. Sie ist schon älter aber mit siebzig noch lange nicht unfähig für sich selbst einzustehen. Das müssen ihre Kinder noch lernen.
Alle Frauen sind ungefähr im gleichen Alter. Sie haben sehr verschiedene Charaktere, dadurch ist die Geschichte so vielseitig und spannend.
Sehr emotional erzählt der Autor 242 Tage lang, wie die Frauen durch ihren Alltag gehen, sich neu erfinden und die alten Freundschaften, die teilweise schon fast vergessen waren, wieder neu aufleben lassen. Wie die nachkommende Generation ihnen Respekt zollt.
Es ist ein Buch über Frauen für Frauen, von einem Mann geschrieben. Dafür verdient der Autor Respekt und Dank. Ein gelungenes Erstlingswerk.
Glaubenskrieg
Die brennenden Kammern von Mosse Kate
Carcassonne, 1562: Minou Joubert wächst als Tochter eines katholischen Buchhändlers auf. Eines Tages erhält sie einen versiegelten Brief mit den Worten: "Sie weiß, dass Ihr lebt." Noch bevor sie herausfinden kann, was hinter der mysteriösen Botschaft steckt, wird die Begegnung mit dem jungen Piet Reydon ihr Leben für immer verändern.
Denn der Hugenotte hat eine gefährliche Mission, und er zählt auf Minous Hilfe, um aus der Stadt zu fliehen.
Meinung
Wie dreihundert Jahre vorher herrscht in Carcasonne und Umgebung ein Glaubenskrieg. Katholiken gegen die Hugenotten auch diesmal sind die Katholiken in der Überzahl und haben auch bedeutend mehr Macht.
Vor diesem historischen Hintergrund erzählt die Autorin spannend wie die einzelnen Personen agieren und was sie antreibt. Geld und Macht sind eine große Triebfeder für die einen, aber auch das Andenken zu bewahren und einfach nur das Richtige zu tun sind die treibenden Kräfte für die Hauptpersonen.
Es ist eine grausamen Zeit, obwohl Krieg und Folter zum täglichen Geschehen gehören, ist Kate Mosse sehr sparsam mit den Beschreibungen umgegangen. Was ich als sehr angenehm empfand.
Sehr detailliert waren dagegen die Beschreibungen der damaligen Lebensumstände, Landschaften und Städte.
Als Leserin bekam ich einen genauen Eindruck und konnte das Schicksal der fiktiven Personen gut nachvollziehen.
Alle Akteure ob wichtig für das Geschehen oder nur eine Randfigur wurden zutiefst menschlich dargestellt bis ins letzte Detail, dass machte das Buch lebendig.
Mit einer kurzen Erklärung zu den Hugenottenkriegen, einer kleinen Karte und einem Personenverzeichnis bekömmt der Leser Informationen die eventuelle Fragen zum Geschehen im Voraus erklären.
Raffiniert ist der Prolog der dreihundert Jahre später spielt und auf seine Auflösung warten lässt. Denn das Buch ist der erste Band einer Triologie.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung auch wenn es noch etwas dauern wird.
Ein spannendes Abenteuer
Mörtel und Maus wollen hoch hinaus von Michael Engler
Mörtel ist ein kleiner Wichtel mit einer heimlichen Freundin, einer Maus. Sein Vater sagt Mäuse fressen Wichtel, er sagt auch, das Laufen draußen ist gefährlich, er findet das Mörtel die Staubsorten lernen soll und sich sonst unauffällig verhalten soll. Aber Mörtel will das alles nicht, er will ein Held sein.
Das Buch ist in vierzehn kurze Kapitel eingeteilt, alle haben ein Abenteuer beschrieben, z. B.: „Bei den Kellerwichteln“ oder „Schwimmen will gelernt sein“. Es gibt viele detaillierte mit viel Liebe zum Thema gezeichnete Bilder die den Text aufnehmen. Das fordert zum Innehalten auf,um die Bilder ganz genau an zu sehen, das hat mir sehr gut gefallen, es beschreibt das Gelesene noch einmal und dadurch bleibt mehr in der Erinnerung. Die Geschichte ist spannend und abwechslungsreich geschrieben, zum Held sein gehört die Angst überwinden dazu oder neue Freunde findet man mit Freundlichkeit, Unbekanntes ist nicht unbedingt gefährlich. Diese versteckten Tipps für den Umgang miteinander werden auf eine nette Art vermittelt. Zu Beginn heißt es „ Dieses Buch lesen ... &...“ Das vermittelt beim Vorlesen ein schönes Wir Gefühl, das Kind und Mama, Opa oder andere. Das Buch ist auch mit einem Lesebändchen ausgestattet, als Stopp geeignet, macht es das Vorlesen etwas einfacher, bis hier hin und nicht weiter, morgen wird weiter vorgelesen. Hier könnte man sagen das Buch hat entschieden, anders als wenn ich sage es reicht. Die Mit Mach Aktionen wie die Sticker für gelesene Kapitel die man vorn wie bei einem Leiterspiel einklebt, oder die Spiele, wie Papierflieger basteln, am Ende des Buchs machen für Kinder deutlich: Lesen ist mehr als das aneinander reihen von Buchstaben, lesen ist Abenteuer, schöne Erlebnisse und Spaß.
Familie
Flüchtiges Glück von Ulla Mothes
Milla ist sehr behütet aufgewachsen, Mutter, zwei Ziehväter, Großeltern alle lieben sie über alles und haben Unheil von ihr fern gehalten. Nun ist sie mit Navid zusammen, er stammt aus Afghanistan und ist ein Kriegsflüchtling, zusammen erwarten sie ein Kind. Wer Millas Vater ist hat ihre Mutter immer verschwiegen.
Nun fragt Navid immer wieder nach, er findet es wichtig das alle Komponenten der Vergangenheit offen liegen. Denn nach seiner Erfahrung kann es nur böse ausgehen wenn es Geheimnisse innerhalb der Familie gibt. Millas Familie stammt ursprünglich aus der DDR gab es dort Ereignisse die die Gegenwart belasten, gibt es deshalb keinen leiblichen Vater?
Milla und Navid sind ein sehr junges liebenswertes Paar, wie sie mit einander umgehen; sorgsam, fürsorglich und sehr liebevoll, ist großartig aber anspruchslos. Die anderen Figuren sind dagegen vielschichtiger. Franz, Agnes, Jola, Renate, Raik usw.. Sie tragen als Ältere mit mehr Lebenserfahrung viel mehr Altlasten mit sich herum.
Dazu kommen die Themen Umweltschutz und natürlich das Leben in der DDR.
Das Buch erzählt wechselweise von dem Leben im heutigen Berlin und von den Jahren in Wolfen DDR. Die Autorin erzählt sehr emotional wie die Menschen miteinander lebten, was ihnen wichtig war und warum viele sagen es war nicht alles schlecht. Grundsätzlich muss jeder akzeptieren, dass für die Menschen, egal in welchem Teil sie gelebt haben es gute und schlechte Erfahrungen gab.
Die Geschichte ist nicht schwarz weiß, es gibt unendlich viele Grauabstufungen, das macht das Buch ungeheuer spannend.
Es zwingt uns Leser:innen sich mit unseren eigenen Gedanken und Vorurteilen auseinander zusetzen. Wir verurteilen bestimmtes Handeln, aber hätten wir es in der Situation anders gemacht?
Das habe ich an der Figur von Agnes bemerkt. Am Anfang fand ich sie kalt und absolut passend in ihrer Rolle. Doch je mehr ich über sie gelesen hatte, desto sympathischer wurde sie mir, ich bekam Verständnis für sie und konnte sie am Ende vollständig akzeptieren.
Der Themenmix war gelungen, es wurde ein weiter Handlungsbogen gespannt bis zu einem logischen versöhnlichen Ende.











