Kunden em pfehlungen
Rezensionen von kabo16:
Neue spannende Reihe
Stille blutet von Ursula Poznanski
Mir gefällt die neue Reihe von Ursula Poznanski um die Ermittlerin Fina Plank. Sie ist die einzige Frau bei der Wiener Mordkommission und muss einige Widerstände überwinden und sich Geltung verschaffen. Einen Macho gibt es immer und überall. Allerdings sollte sie ihre Minderwertigkeitskomplexe in den Griff bekommen.
Es nervt ein wenig, wenn sie sich bei jedem Essen Gedanken darum macht, was andere denken, oder ob sie dadurch dicker wird. Das Klischee, Frauen taugen nur zum Kaffee kochen, passt nicht mehr in die heutige Zeit. Auch in Österreich nicht.
Die Idee, die eigenen Tode selber bekannt zu geben, um dann auch wirklich ermordet zu werden, fand ich interessant. Nicht immer ist alles gleich verständlich und logisch erklärbar, aber das tut der Spannung keinen Abbruch.
Potenzial ist da, jede Menge bei Fina. Wäre toll, wenn ihre Rolle in dieser Reihe an Kraft und Stärke gewinnen würde.
Das Cover zeigt durch die kräftigen Farben, auf jeden Fall Stärke.
Eine Reise zu dem letzten Ursprungsvolk, den Sàmis
Das Leuchten der Rentiere von Ann-Helén Laestadius
Dieser Roman nimmt den Leser auf eine Reise in den hohen Norden mit. Es geht zu den Sàmis, oder auch Samen, die versuchen ihren Platz auf dieser Erde zu behalten.
Der erste Teil dieses Buches beginnt mit der 9 Jahre alten Elsa im Jahr 2008. Sie hat ihre ersten eigenen Ski und fährt damit das erste Mal alleine zu ihrem Rentier "Nàstegallu".
Sie trifft dort auf ihr totes Ren und den Mörder. Er gibt der Kleinen unmissverständlich zu verstehen, was passiert, wenn sie ihn verrät.
Der Leser erlebt 10 Jahre Kindheit in einer samischen Familie mit. Ihre Kultur, die Natur, ihre Alltagsprobleme, Umweltveränderungen, sowie das Versagen der Behörden und die Stellung der Frau in dieser Gemeinschaft.
2018 und 2019 das Ende dieses großartigen Romans, der die Stimmungen so berührend, grausam, liebevoll beschreibt, wie es wohl auch nur jemand kann, der selber aus diesem Volk stammt.
Mich hat es sehr erschüttert, dass die Geschichte nicht vor 50 Jahren spielt, was an sich genau so schlimm wäre, aber heute, das beschäftigt mich noch immer. Wenn man dann selber etwas im Internet recherchiert, kann ich nur sagen: Saatanan perkele!
Das Glossar ist selbstverständlich auch im Buch.
Bis jetzt mein Lese-Highlight des Jahres 2022.
Mit einer schweren Schuld leben
Der Sturm von Jane Harper
Das Cover und die LP haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Denn wenn jemand 12 Jahre mit einer schweren Schuld lebt, wie hier Kieran, dann macht das ja etwas mit diesem Menschen.
Nun kommt er mit seiner kleinen Familie nach Tasmanien zurück, und bemerkt, dass er von einigen Menschen immer noch komisch angeschaut wird.
Als dann eine junge Frau am Strand ermordet aufgefunden wird, scheint seine Familie wieder im Fokus zu stehen. Jeder kennt jeden in diesem kleinen Küstenort, warum passiert ein Mord, so kurz nach Kierans Ankunft?
Alle Figuren sind sehr authentisch beschrieben, viele können sich an den großen Sturm von damals noch gut erinnern. Aber keiner scheint so recht zu wissen, was in dieser Nacht wirklich geschah. Wie es in kleinen Orten so üblich ist, gibt es viel Gerede und Getuschel. Jeder meint etwas bemerkt zu haben, oder auch gesehen zu haben. Offen geredet wird dafür selten, auch in Kirans eigener Familie nicht. Heimlichkeiten, etwas nicht sagen, Zweideutigkeiten, dafür hat die Autorin ein Händchen.
Spannung ja, aber für mich kein Thriller. Da hätte auf fast 400 Seiten mehr passieren müssen.
Was mir gefehlt hat, war ein bisschen mehr über Tasmanien so nebenbei zu erfahren. Bis auf die Höhlen, Ebbe und Flut, und ein paar Möwen, war da nichts.
Kleine Kritikpunkte, der Roman ist lesenswert.
Geister und die digitale Welt
SpooKI: Den Geist aufgeben gibt's nicht! von Ruth Rahlff
SpooKI ist der erste Band einer spannenden Abenteuerserie für Jungen und Mädchen. Hier trifft die digitale Welt auf Geister, eine sehr ungewöhnliche Kombination.
Im Mittelpunkt steht Robert, der kein Geist ist, zumindest behauptet er dies. Allerdings besteht der Rest seiner Familie aus Geistern, dazu gehört auch der Wolfshund "Unfug", ein Irischer Wolfshund.
Robert hat es mit dieser, für fast alle, unsichtbaren Familie und einer steinalten Villa nicht einfach, alles normal wirken zu lassen. Das macht ihn auch sehr liebenswert, nur nicht für seine Mitschüler, die ihn regelmäßig verspotten und ausgrenzen.
Eine neue Mitschülerin steht ihm dafür aber zur Seite. Isabella ist eine Computerspezialistin, ganz im Gegensatz zu Robert, der weder Handy noch Computer sein eigen nennen kann.
Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Vernetzung in unserer modernen Welt sind nichts für Geister. Und doch schafft die Autorin hier eine glaubhafte Verbindung, die Kinder auf die Gefahren hinweist, die diese mit sich bringen können.
Witzige Dialoge und tolle Illustrationen machen dieses spannende Buch lesenswert.
Auf dem Cover leuchten die Geister sogar im Dunkeln.
Aufregende, magische Ferien
Zehn Wünsche, sieben Abenteuer und eine sprechende Katze von Lissa Evans
Bei diesem Buch macht schon das Cover gute Laune, denn der Titel verspricht dem Leser schon einiges: Abenteuer, Wünsche und eine sprechende Katze, das kann ja nur spannend werden. Und wirklich, der junge Leser wird nicht enttäuscht.
Die Geschwister Ed und Roo können in diesem Jahr nicht in den Ferien-Club fahren, da dort die Toiletten übergelaufen sind.
Ihre Eltern arbeiten und so sollen die beiden zu der langweiligen Miss Filey, die in der Nachbarschaft ein Haus hat. Diese bezaubernde ältere Dame hat nur eine stinkende Katze und hält das WLAN für eine Kekssorte. Hört sich also nach total öden Ferientagen an. Da haben sich alle Beteiligten getäuscht. Zuerst lernen sie den witzigen Willard im Garten kennen, er ist so alt wie Ed und gerade erst hierhergezogen.
Dann beginnt nicht nur für die Kinder sondern auch für die Katze Attlee und ihre Besitzerin eine magische, spannende Zeit.
Was wünscht man sich am Allermeisten? Wie einigt man sich, wenn nur noch eine Wunschkerze übrig ist?
Um Freundschaften zu schließen, spielen weder Alter noch Behinderungen eine Rolle. Akzeptanz, selbst einer stinkenden, schlechtlaunigen Katze gegenüber, zahlen sich am Ende aus.
Eine tolle Autorin mit ganz viel Fantasie haucht allen Figuren Leben ein und macht sie so liebenswert.
Spannend und ein bisschen irre
Wer mit den Toten spricht von A. K. Turner
Mit diesem gelungenen 2. Teil um die Assistentin der Londoner Rechtsmedizin, Cassie Raven, taucht der Leser in die Vergangenheit ein. Dieser ganze Band dreht sicht fast ausschließlich um ihre Familie und Freunde. Okay, wer das erste Buch gelesen hat, der weiß, dass es nur ganz wenige Freunde und eigentlich auch keine Familie mehr gibt.
Denn bis auf ihre Oma, sind ja alle tot. Nun erfahren wir aber, dass Oma gelogen hat.
Sehr spannend wird nun auseinander klamüsert was vor über 20 Jahren wirklich passiert ist.
Cassie ist natürlich an der Aufklärung mit beteiligt, genau wie DS Phyllida Flyte. Über Letztere erfährt der Leser endlich auch, warum sie so ist - wie sie ist.
Es ist nicht nur Vergangenheit, die aktuelle Geschehnisse werden nicht vergessen: Die hohen Mietpreise in London, gefährliche Computerspiele bei Jugendlichen, die zum Tode führen.
Bei all den Themen kommt der Blick in der Gerichtsmedizin nicht zu kurz. Ohne Cassie würden die Hinterbliebenden nicht erfahren, woran die Toten gestorben sind. Nicht jeder Tod hat eine natürliche Ursache, manchmal wurde nachgeholfen.
Dieser würdevolle Umgang mit dem Tod, der nicht überall üblich ist, fällt mir auf. So sollte es nicht nur in Büchern zugehen.
Das Cover ist richtig schön und passt zu dieser Geschichte.
Hurrikan, Voodoo und viele Tote
Todesspiel. Die Nordseite des Herzens von Dolores Redondo
Ich war sehr gespannt auf diesen Thriller von Dolores Redondo, denn ihren Roman "Alles was ich dir geben will", fand ich einfach großartig.
Auf über 600 Seiten die Spannung zu halten, die ich bei einem Thriller erwarte, ist eine große Herausforderung. Aber im großen und ganzen ist dies der Autorin gelungen, ich fand nur den Anfang etwas schleppend.
Es sind zwei Ebenen auf denen die Handlungen spielen. Zum einen die Vergangenheit von Amaia Salazar, der angeblich besten Kommissarin, die das FBI je hatte. Der Leser kehrt immer wieder zurück, nach Spanien, in die Kindheit von Amaia und ihrer Familie. Aber die Haupthandlung spielt in New Orleans im Jahr 2005. Der Hurrikan Katrina mit seinen vielen Toten, Verwüstungen und Überschwemmungen spielt hier die Hauptrolle, dazu kommt der Komponist, ein gnadenloser Serienmörder, der bei solchen Katastrophen zuschlägt.
Die Stimmungen vor und nach dem Hurrikan fand ich sehr eindrucksvoll beschrieben und nahmen, trotz der Suche nach dem Killer, viel Raum ein.
Dann gibt es noch den Special Agent Dupree, der mit seinen eigenen Geistern in New Orleans zu kämpfen hat, und die teilweise auch aus der Vergangenheit kommen.
Mit Voodoo und Geistern ist es noch eine Zutat, die diesen Thriller besonders machen.
Nur gut, dass dieses Buch, ein Teil von einem Romanzyklus ist, denn es gibt noch so viel zu erzählen und zu erfahren.
Der Titel, Todesspiel, die Nordseite des Herzens ist mehr als passend und irgendwie auch schön. Ich glaube, jeder Mensch hat eine Nordseite.
Aktueller Agenten-Thriller
Die Cellistin von Daniel Silva
Dieses Buch ist wie eine Lawine, der Anfang reisst einen noch nicht gleich um, allerdings dann. Mit jeder Seite wird man weiter und tiefer in das Geschehen stürzen.
Erst beim Lesen wurde mir klar, dass dies schon der 21. Teil der Serie um Gabriel Allon ist. Da habe ich wirklich etwas verpasst, aber der Leser findet eine abgeschlossene Geschichte in der Welt der Geheimdienste vor.
In London wird der ehemals reichste Russe Viktor Orlov ermordet. Er lebte hier im Exil. Gabriel, der Leiter des israelischen Geheimdienstes, spürt die angebliche Mörderin auf.
Es dreht und wendet sich alles um den Kreml, seinen Präsidenten und die dahinter stehenden Kleptokraten. Also ein sehr aktuelles Thema. Auch auf die Corona-Lage wird in dem jeweiligen Land hingewiesen. Aber nur am Rande, wenn es z.B. um die Einreisebedingungen geht.
Mich haben die irren hohen Geldbeträge geschockt, die überall über Banken gewaschen werden. Schwierige Themen immer verständlich für den Laien erklärt. Die Zusammenarbei der Geheimdienste, die Verschwörungen brisante und interessante Themen. Langweilig wurde es wirklich auf keiner Seite.
Gefehlt hat mir ein Personenregister/Glossar hinten im Buch. All die vielen Namen fand ich zeitweise erschlagend, wer gehörte zu welcher Organisation. Aber dies wäre mir wohl nicht passiert, wenn ich die 20 Bände davor gelesen hätte.
Wunderbarer Frauenroman
Die versteckte Apotheke von Sarah Penner
Bei diesem Debütroman von Sarah Penner weiß ich gar nicht, wo ich mit dem Loben anfangen soll. Ihr Schreibstil gefällt mir, er lässt sich so schnell lesen, ist trotzdem nie oberflächlich - sondern detailreich, spannend, absolut fesselnd, egal ob man sich in der Vergangenheit oder in der Gegenwart befindet.
Es gelingt der Autorin fließend von einer Zeit in die andere zu wechseln.
Normalerweise packe ich in eine Rezension keine Cover-Beschreibung, denn jeder hat einen anderen Geschmack, aber hier mache ich eine Ausnahme, weil es so gelungen ist. Nicht nur die Blüten, Tiere und der Flakon auf dunklem Untergrund sind passend zum Inhalt, sondern auch der Einband darunter. Auf dunkelblauer Farbe erscheinen die Blumen wieder. Selbst die Seiten sind dicker und fassen sich gut an, inclusiv ein lila Lesebändchen.
Am Anfang befindet sich eine Karte von London von ca. 1781, so kann sich der Leser besser orientieren, wenn der Roman ihn lässt.
Am Ende gibt es teuflische Rezepte, von denen Frau die Finger lassen sollte, denn die Gerichtsmedizin arbeitet gründlich. Aber selbst für die Gegenwart gibt es Rezepte aus der versteckten Apotheke.
Alles dreht sich um drei Frauen. Caroline erzählt ihre Geschichte aus der heutigen Zeit. Dabei trifft sie in London zufällig bei einer "Mudlarking", einer Schatzsuche im Schlamm, auf einen alten Gegenstand. So kommt der Leser in das Jahr 1791 und lernt Nella und Eliza kennen.
Volle 5 Sterne für einmalige Lesestunden.
Silberstreifen gibt es überall auf der Welt
Ich bin Joy von Jenny Valentine
Joy Applebloom ist ein stinknormales Mädchen, bis auf eine Ausnahme, sie geht das erste Mal, mit ihren 10 Jahren auf eine richtige Schule. Außerdem wohnt ihre Familie nun für unbestimmte Zeit bei ihrem Großvater in England, alle unter einem Dach. Ihr Opa ist gestürzt und braucht etwas Unterstützung.
Bis zu diesem Tag, sind Joy und ihre ältere Schwester Claude, zusammen mit ihren Eltern durch die ganze Welt gezogen. Die Geschwister wurden vom Vater unterrichtet, der als Koch arbeitet, die Mutter als Krankenschwester.
In vielen Ländern waren sie zu Hause, sie fanden schnell neue Freunde, lernten andere Kulturen und Tier-Pflanzenwelten kennen. Den Plastikmüll im Ozean haben sie mit eigenen Augen gesehen.
Nun, mit einem Schlag ist Joys ganzer Alltag in ein starres Korsett gepresst. Mit Regeln, die nicht immer leicht für dieses abenteuerlustige Mädchen sind.
Obwohl sie immer einen "Silberstreifen" am dunklen Himmel entdeckte, aber diesmal fällt es ihr hier, sehr schwer.
Aber ein so kluges, weltoffenes Kind geht ihren Weg und stellt die Regeln auf den Kopf, passt sich teilweise an und kämpft für Dinge, die ihr wichtig sind.
Witzig und abwechslungsreich geschrieben, mit tollen Zeichnungen zwischendurch.
Alles toll, bis auf das Ende.
Da gab es für mich kein lesbares zufriedenstellendes Ergebnis. Das finde ich für junge Leser enttäuschend.
Auch hätte ich den Steckbrief von Joy am Anfang besser gefunden. Am Schluss brauchte ihn keiner mehr.











