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Rezensionen von boek33:

Wunderbares Debüt

Greta und Jannis von Sarah Kuratle

Sarah Kuratle erzählt leise. Es sind die Zwischentöne, Gefühlsregungen und Sinneseindrücke, die in ihrem Schreiben Raum bekommen. Fein beobachtet und einfühlsam werden die Wahrnehmungen der Charaktere und die Atmosphäre der Landschaft beschrieben. „Greta und Jannis“ erzählt mehr als nur eine (unmögliche) Liebesgeschichte im starren gesellschaftlichen Rahmen eines exemplarischen Bergdorfs.

Angelehnt ans Märchen verortet die Autorin das Geschehen in einem überzeitlichen, unserer Welt entrückten Raum. Die Schauplätze – Geröllfelder, Gebirgswiesen, graue Stadtviertel – sind dabei genauso elementar wie die Erfahrungen und Erlebnisse der Personen. Tief empfundene Kindheitsfreundschaft, erste Liebe, Ausgrenzung, Ablehnung und Grenzüberschreitung sind auch unserer Welt nicht fremd.

Und so ist die Geschichte der beiden Nachbarskinder Greta und Jannis, ihrer Liebe und Leidenschaft sowie der Ablehnung derselben durch gesellschaftliche Normen eine, die auch heute mitten unter uns spielen könnte. Ebenso zeitlos sind die Nebenhandlungen. Mit Greta leben auch ihre zurückgezogene Großtante Severine und drei ausgestoßene, beeinträchtige Kinder. Die Geschichte ins Rollen bringt ein seltsamer neuer Nachbar, der so gar nicht ins engstirnige Dorf passen will und stur sein eigenes Ding durchzieht und so lebt, wie es ihm gefällt.

Neben den Menschen sind es Landschaft, Natur und Tiere, die in Sarah Kuratles Debürtroman eine Stimme bekommen, hör- und spürbar werden. Sie künden auf geheimnisvolle Weise vom gewaltvollen Eingriff des Menschen. Erst als die ausgestorbenen Steinböcke von den Bewohnern wieder ins Gebirge zurückgebracht werden, verstummen die Signale und die Natur ist scheinbar wieder hergestellt. Indem Sarah Kuratle das Geschehen ins Fantastische entrückt und so lyrisch davon erzählt, wie in Frühzeiten der Literatur auch die Prosa gedichtet wurde, schafft sie zauberhafte Traumbilder, lässt den Lesenden Innehalten und für den Moment ganz in ihren Wortbildern verweilen. Ein Buch, das ein außergewöhnliches Leseerlebnis schenkt.

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