Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Hej Birgit:
Eine Geschichte über das Loslassen ohne Schwermut
Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Geraghty Ciara
Als ich den Klappentext vom Roman "Das Leben ist zu kurz für irgendwann" gelesen habe, dachte ich mir: puh… wie wird die Autorin Ciara Geraghty sich diesem „schweren“ Thema wohl annehmen? Aber es war alles andere als ein schwerfälliger Zugang. Im Gegenteil, flüssig geschrieben, den Text zwischendurch immer wieder mit Sätzen und Momenten, die zum Schmunzeln anregen, garniert, bringt sie eine wundervolle Geschichte zu Papier von zwei Freundinnen, die in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderstehen und versuchen, einander beizustehen.
So wie es eben Terry für ihre beste Freundin Iris macht. Iris, an MS erkrankt, möchte in der Schweiz ihrem Leben ein Ende setzen. Terry, schockiert über ihre Entscheidung, versucht mit ganzer Kraft sie davon abzubringen. Als sie sie zuhause nicht antrifft, fährt sie ihr hinterher und kann sie im Hafen von Dublin einholen. Mit dabei ihr demenzkranker Vater, der ob einer lästigen Schädlingsbekämpfung aus dem Heim kurzfristig ausziehen musste. Und so bleibt Terry nichts anderes übrig, als ihren Vater mit auf die Reise zu nehmen. Terrys Mann und ihre beiden Töchter sind derweilen auf sich alleine gestellt und verstehen zu Beginn nicht, warum sie diese Reise unternimmt. Während dieser Zeit entdeckt Terry Seiten an ihr selbst, die sie wahrscheinlich nie entdeckt hätte. Sie ist mehr als nur Mutter und Ehefrau, die das Leben der Familie organisiert. Sie bricht mit diesem unvorhergesehenen Roadtripp aus ihrem Alltag aus und lernt dabei vieles von sich aber auch vieles von und über Iris kennen.
Im Focus dieses Buches steht einerseits die Freundschaft zwischen den beiden Frauen, aber andererseits auch die Mutter-Vater-Beziehung. Der demente Vater wird von beiden Frauen stets auf Augenhöhe in den Tagesablauf eingebunden, ihm wird großen Respekt gezollt, er wird von beiden mit viel Wärme und Liebe umsorgt und so erlebt auch er eine wundervolle Zeit. Eine Zeit, die Terry mit ihm sonst nie erlebt hätte und die für beide unwiederbringlich ist. Auch wenn es eine sehr traurige Geschichte ist, Terry schöpft aus dem Erlebten viel Kraft. Und sie ist auch unendlich dankbar, Iris als Freundin gehabt zu haben. In Terrys Erinnerungen wird Iris immer weiterleben.
Ein sehr lesenswertes Buch mit viel Tiefgang geschrieben.


