Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Ingrid Weilharter:
Herzerwärmend
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Tanja Koroskas Roman ist locker, flockig und leicht zu lesen. Trotzdem beinhaltet er eine gute Portion Spannung, ein paar Weisheiten und vor allem viel emotionale Wärme. Koroska lässt ihre Protagonisten in ihrem Tatendrang mal hoch steigen und auch tiel fallen, aber sie lässt sie nie im Stich. Schließlich wachsen einige Figuren über sich hinaus und werden zu Helden ihres persönlichen Alltags.
Und wer glaubt, ihre Geschichten wären trivial oder nur "leichte Lektüre", findet sich am Ende mit einigen Anregungen wieder, die man für sich selbst und sein Leben mitnehmen kann.
Mehr als ein Name...
Die Namen von Florence Knapp
Anfangs dachte ich, wie kann man eine sinnvolle Geschichte aufbauen, auf Basis verschiedener Vornamen, die von elterlicher Seite bestimmt werden? Ich wurde eines Besseren belehrt. Den Beweis, dass sich um diese Thematik sehr wohl ein glaubwürdiger und eindrücklicher Plot spannen lässt, hat Florence Knapp mit ihrem Roman "Die Namen" durchaus liefern können.
Die Geschichte ist kurzweilig und spannend, hintergründig und anspruchsvoll. Es geht hierbei keineswegs nur um Namen, es geht um häusliche Gewalt und den schicksalhaften Verlauf von unschuldigen Kindern im Umgang damit.
Und somit ist dieser Roman ein Plädoyer an Frauen, im Sinne einer Grenzziehung und des Schutzes, sich selbst und vor allem ihre Kinder zu berücksichtigen.
Sehr lesenswert.
Roman als Mahnmal!
Im ersten Licht von Norbert Gstrein
Norbert Gstrein vermittelt uns in Romanform einen erschütternden Einblick in das kriegsgeschüttelte Österreich/Europa des zwanzigten Jahrhunderts. Sprachlich brilliant versteht es der Autor, uns die Geschehnisse beider Weltkriege und ihrer darin verstrickten persönlichen Schicksale näherzubringen.
Hervorstechend ist dabei seine kompromisslos pessimistische Grundhaltung. Gstrein stattet seine Hauptfigur Adrian zwar mit dem Glück aus, an keinem der beiden Weltkriege teilnehmen zu müssen, er zeichnet ihn jedoch mit Mutlosigkeit, Selbstzweifeln und Gewissensbissen - eine hoffnungslose, fast feige Figur, rechtschaffen aber ohne Glauben an Einfluss auf andere und (deshalb) ständig am Scheitern.
Trotz des durchaus mühsamen und zähen Erzählstils, ist das Lesen des Romans empfehlenswert. Die Erzählung steht als mahnendes Beispiel dafür, welche Voraussetzungen und vor allem Nachwirkungen kriegerische Auseinandersetzungen auf persönlicher Ebene haben und hat auch als Plädoyer gegen das Vergessen des Genizids an der jüdischen Bevölkerung seine Bedeutung.
Genialer Plot, nicht so genialer Schreibstil....
Die Passantin von Nina George
Das Lesen dieses feministischen Werkes war für mich keine leichte Aufgabe. Ich empfand es als mühsam und irritierend und wurde aus dem Buch nicht richtig schlau. Im Nachhinein erkannte ich, dass es der Erzählstil der Autorin war, der mich irritierte.
Einerseits schreibt sie poetisch und subtil mit wundervollen symbolgeschwängerten Sätzen, dann wird sie plötzlich in ihrer Ausdrucksweise brutal und vulgär.
Das ist schade, denn die verbale Unschlüssigkeit und Ambivalenz scheint mir dem Lesen des Roman abträglich zu sein.
Mir hat die Idee des Romans gefallen, einer von außen oktruierten Identität zu entfliehen und eine neue Person und damit sich selbst zu finden. Und wie schwierig und langwierig dieser Prozeß der Selbstfindung aus feministischer Sicht sein kann. Den Plot vor dem Hintergrund der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zu setzen, finde ich genial. Das feministische Plädoyer der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung von Frauen ebenfalls.
Schade nur, dass der Autorin die sprachliche Umsetzung nicht wirkich gut zu gelingen scheint.
Soziale Kontakte als Identitätsgewinn
Himmel ohne Ende von Julia Engelmann
Julia Engelmann beschreibt in ihrem Coming-of-Age-Roman auf subtile Weise die Ängste und Nöte von sensiblen Jugendlichen.
Dem Verzweifeln nahe findet die Protagonistin Charlie über einen neuen Mitschüler einen Ansprechpartner für ihre diffuse Gedankenwelt und ihre oft überboardenden Emotionen.
"Pommes" ist mehr als nur eine freundschaftliche Beziehung, er ist ein Halt, ein Anker, mit dem Charlie ihre Lebenswelt teilen kann und so an Identität gewinnt.
Mit gefällt die Herangehensweise der Autorin, die Bedeutung von produktiven sozialen Kontakten als heilsam und identitätsstiftend hervorzuheben. Engelmann kann sich offensichtlich gut in die Lebenswelt Jugendlicher einfühlen. Ihre Sprache ist unverblümt und poetisch zugleich, gewürzt mit sinnigen Aussagen. Und so wird dieser Roman zu einem Schatzkästchen ganz banaler Lebensweisheiten.
Sehr lesenswert!
Selbsterfahrung in Buchform
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Der Roman von Leon Engler hat mich emtional berührt und zwar auf äußerst kontroverse Weise: Zuerst interessiert hat er mich in weiterer Folge gelangweilt, dann abgestoßen und zuletzt dazu animiert, ihn ein zweites Mal zu lesen. Und das passiert bei mir so gut wie nie!
Man kann sagen, dass dieses Buch ein familienbiografischer Roman ist oder vielmehr der Versuch einer familientherapeutischen Aufarbeitung.
Auf alle Fälle ist es ein Versuch, seine eigene Vergangenheit zu bewältigen - das ist durchaus auch in Buchform statthaft und dem Lesen auch nicht zwingend abträglich.
Dass dieser Roman durch sein übermäßiges Selbsterfahrungspotential zeitweise an Spannung einbüßt, ist eine seiner Schwächen. Mir hat auch die Einstreuung von literarischen Weisheiten bzw. wissenschaftlichen Beiträgen oft nicht gefallen, diese Textstellen wirken teilweise aufgesetzt und moralisierend.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist der Bogen, den der Autor über seine Familiengeschichte spannt - wie er am Ende zum Anfang des Plots zurückkehrt, finde ich herausragend. Auch der Versuch der Entfesselung von der psychopathogenen Familiengeschichte durch ein eingeschlägiges Studium und der Tätigkeit als Psychologe finde ich in der Realität als durchaus problematisch, aber im Roman ist es ein gelungener Kunstgriff. Darüber hinaus verfügt Engler über eine schöne, symbolhafte Sprache.
Am meisten gelungen finde ich eine der Botschaften, die in diesem Roman verpackt sind und zum Nachdenken anregen: Wir sind "nicht aus einem Guß", heißt es an einer Textstelle. Die Welt und ihre Menschen sind weder gut noch schlecht, weder gänzlich krank noch völlig gesund, und unsere Aufgabe ist es wohl, eine Verbindung, einen Zusammenhang zwischen diesen Anteilen herzustellen, um in dieser Integration auch unser Heil zu finden.
Abschließend lässt sich anlehnend an den Text des Romans sagen:
Gute Nacht, mein allerliebster böser Autor.
Gute Nacht, meine allersliebste böse Leserin.
Drama und Klischee bis zum Abwinken!
Wie Risse in der Erde von Clare Leslie Hall
Um es kurz sagen bzw. auf den Punkt zu bringen, ich bin keine Anhängerin von allzu aufgepauschten Dramen. Und ich bin auch kein Fan von Stereotypen: Gutaussehende mittellose aber kirchenmoralisch erzogenen Frau trifft große Liebe und zieht sich beim ersten großen Problem schmerzhaft und ohne gegenseitige Aussprache zurück.
Gutaussehender reicher Mann trifft große Liebe und zieht sich beim ersten großen Missverständnis gekränkt und beleidigt und ohne gegeseitige Aussprache zurück. Daraus folgt ein Kind und die Liebesbezeihung muss zu einem anderen, gänzlich ungeeigneten Zeitpunkt fortgesetzt werden. Daraus folgt eine Schuldproblematik, welche dann von einem sehr bereitwilligen Opfer übernommen wird. Böse (potentielle) Schwiegermutter wird auch noch mitgeliefert. - Mir ist spätenstens nach dem zweiten Kapitel aufgrund der schmalzigen Kost und dem aufgesetzten Klischeebrei das Leseinteresse abhanden gekommen.
Dieses Buch kann ich leider nur jenen Menschen weiterempfehlen, deren Leben so eintönig und unspektakulär ist, dass sie sich nach einer zwar völlig unrealistischen aber bittersüssen und höchst dramatischen Story sehnen, um ihrer Realität kurzweilig zu entfliehen. Grautöne lassen sich in diesem Buch nicht finden.
Andererseits: Die Autorin versteht es meines Erachtens sehr gut, die Geschichte spannend und fesselnd zu erzählen, und das über das ganze Buch hinweg. Und auf so verquere Ideen muss man auch einmal kommen.
Freiheit gegen gesellschaftlich legitimierte Unmoral
Wild wuchern von Katharina Köller
"Wild wuchern" von Katharina Köller ist ein Roman über gesellschaftliche Normen und deren gewaltvolle Stilmittel.
Die hübsche, gefällige und talentierte Marie ist bereit, ihr schöpferisches Berufsleben für die Ehe mit einem gewaltvollen patriachalisch strukturierten Mann aufzugeben, bis ihre Wut überhand nimmt und sie ihn umbringen will.
...
Ihre Kusine Johanna hat schon lange mit den von ihr empfundenen gesellschaftlichen Engpässen gebrochen und führt ein Einsiedlerinnenleben am Berg in einer einfachen Hütte. Nur so kann sie (über)leben.
People pleasing - Persönlichkeit trifft auf Eremitin. Eine spannende Gegenüberstellung.
Leider gelingt es meiner Meinung nach der Autorin nur mäßig zufriedenstellend, aus dieser höchst interessanten Thematik einen gelungenen Roman zu machen. Zeitweilig fehlt es an Spannung, die Geschichte wirkt zu platt, zu einfach, zu stereotyp, zu vorhersehbar.
Fazit: Man hätte aus dem Thema mehr machen können.
Ein Roman voller Zärtlichkeit
Für Polina von Takis Würger
Takis Würger ist hier ein großer Wurf gelungen. Sein subtil und gefühlvoll, ja geradezu zärtlich, geschrieber Roman ist eine Hommage an die Liebe mit all ihrer Leidenschaft und Verzweiflung, ihren großen Momenten, die das Leben sinnvoll erscheinen lassen und die unumstößliche Hoffnung, eben diese zu erleben.
Auf der Suche nach Polina, seiner Jugendliebe, findet der Künstler Hannes Prager schließlich durch sein musikalisches Schaffen zu sich selbst. Sein Suchen, Finden und wieder Verlieren dieser Liebe spiegelt sich in seinem musikalischen Werk wider und ermöglicht ihm durch herausragende Kompositionen, sich selbst und sein Umfeld zu beglücken.
In feinen Nuancen beschreibt der Autor seine Charaktäre und versteht es, den Leser/ die Leserin mit auf die Reise eines sehr intensiven Lebens zu nehmen.
Absolut lesenswert!
Berührende Lebensgeschichte
Honey von Victor Lodato
Victor Lodato's Buch "Honey" handelt von einer alten Frau, welche sich ihrer Geschichte stellen muss und erkennt, dass sie weder ihrer Herkunft noch ihrer Vergangenheit entfliehen kann......Sehr feinfühlig, emotional berührend und mit Wortwitz geschrieben. Trotz der über 450 Seiten nie langweilig oder mühsam zu lesen.
Dieser Roman hat viele interessante Facetten, aber leider keine Höhepunkte. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte finde ich persönlich etwas unrealistisch, ansonsten ist die Lebensgeschichte von Honey spannend und gut nachvollziehbar.











