Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Ingrid Weilharter:
Ein Leben - ein Drama!
Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony
O'Mahony's Roman hat mich gepackt, geschleudert, geschüttelt und wieder ausgespuckt..... Anders kann ich meine emotionale Befindlichkeit beim Lesen nicht beschreiben! Ausgehend von der historischen Tragödie von Doolough an der Westküste Irlands beleuchtet der Roman sehr subtil und einfühlsam das Schicksal einer Außenseiterin, welche, mit gesellschaftlichen Vorurteilen behaftet, versucht, ins Leben zu finden.
Die Bedingungen denen sie unterworfen ist, sind derart katastrophal, dass man sich nur wünschen kann, nicht an diesen Orten zu dieser Zeit gelebt zu haben. Honora muss all ihre außerordentlichen Fähigkeiten einsetzten, um zu überleben...
Besonders gut haben mir die Schilderungen von Honoras Innenleben gefallen, ihre Gedanken und ihre Werthaltungen. Der Vergleich der Iren mit den Indianern als ursprünglich beheimatete und dann enteignete und vertriebene Volksgruppe zeigt auf, dass die Problematik von Macht- und Besitzgier keineswegs regional begrenzt ist und war.
Wunderbares Buch!
Malnata von Beatrice Salvioni
"Malnata" ist einfach ein wunderbares (und wunderbar geschreibenes!) Buch für alle, welche die soziale Dynamik engstirniger und ängstlicher kleinbürgerlicher Gesellschaften verstehen wollen. Der Roman, in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts angesiedelt, beschreibt eine Gesellschaft zwischen Angst und faschistischer Euphorie, welche ihre Menschen standes- und auch geschlechtsbezogen in enge Rollenbilder zwingt.
Es gibt die gesellschaftlich Anerkannten und die gesellschaftlich Ausgegrenzten, welche den vorgegebenen Normen nicht entsprechen. Das Mädchen Maddalena ist eine solche, die hat ihre Widerspenstigkeit zu ihrem Lebensstil gemacht. Damit kollidiert sie mit einer von männlicher Dominanz geprägten Welt, welche insbesonder den Frauen keine Individualität zugesteht. Dies alles wirkt faszinierend auf Francesca, aus gutem Hause, welche sich mit Maddalena anfreundet. Die Autorin beschreibt sehr eindrücklich die emanzipatorische Entwicklung von Francesca, welche in ihrer Suche nach Selbstvertrauen und weiblicher Identität über sich selbst hinauswächst.
Spannend von der ersten Seite bis zum Schluss kann der Roman als feministisches Werk gesehen werden, in dem selbstbewusste und mutige werdende Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft zum emanzipatorischen Befreiungsschlag ausholen.
Sehr, sehr lesenswert!



