Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Spannring :

Alltagsrassismus

Weiße Wolken von Yandé Seck

Weisse Wolken erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die sehr eng miteinander verbunden sind , jedoch ganz unterschiedliche Lebenskonzepte innerhalb der Gesellschaft einnehmen. Ihr Vater ist ein senegalesischer Hobby-Philosoph, die Mutter Deutsche.

Der Roman wird aus drei Perspektiven erzählt: einmal aus der Sicht von Zazie, der unverheirateten Schwester, die gegen Alltagsrassismus kämpft, der sie manchmal richtig wütend macht.

Die Perspektive ihrer Schwester Dieo ist jene einer bürgerlich verheirateten Frau und Mutter, die gerade eine Ausbildung zur Psychotherapeutin macht und selbst regelmäßig ihren Therapeuten aufsucht. Sie tut, als wäre sie eine klassische eutsche Bürgerin, Alltagsrassismus kennt sie nicht, derlei begegnet ihr nicht. Die dritte Perspektive nimmt Simon ein, Dieos moderner deutscher Ehemann, der oftmals unmittelbar von Zazies Wut getroffen wird.

Ein Familien- und Gesellschaftsroman, der zwar wichtige Themen, wie Rassismus, Frausein, Klasse, Herkunft und Familie anspricht, das Thema Alltagsrassismus bleibt jedoch an der Oberfläche hängen – da hätte ich mir mehr Auseinandersetzung und kritische Ansichten gewünscht.

Ein leichter, flüssig zu lesender Roman, der leider nur oberflächlich wichtige Themen anspricht.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Ein Fall der Österreich lange beschäftigte

Austrian Psycho Jack Unterweger von Malte Herwig

Jack Unterweger soll der Vorzeige-Häftling der großen Reform des Strafrechts sein. Der damalige Justizminister Christian Broda hatte in den 1980er Jahren eine ebenso grundlegende wie überfällige Strafrechtsreform federführend vorangetrieben, die auch zum Ziel hatte, Häftlinge menschenwürdiger zu behandeln und sie schon während des Aufenthaltes im Gefängnis besser auf das Leben nach dem Knast vorzubereiten.

Jack Unterweger bot sich als gelungenes Reformbeispiel an und so wurde er von Propagandisten, die von seiner Resozialisierung überzeugt waren, „allen“, also auch öffentlich präsentiert.

Jedoch war Jack Unterweger, wie sich erst später herausstellte, alles andere als resozialisiert. Nach seiner ersten Verurteilung zu „lebenslang“ kam er nach 16 Jahren aus dem Gefängnis. Diese Strafe musste er wegen Mordes an einer Prostituierten absitzen.

Jack Unterweger war bei seiner Inhaftierung Schulabbrecher und Analphabet. Er kam aus tristen Familienverhältnissen – ganz unten angesiedelt. Er lernte in der Haftanstalt „Stein“ lesen und schreiben und entwickelte sich zu einem Schriftsteller, der von Teilen der Schickeria und mehreren Intellektuellen gefördert wurde. Diese forderten auch seine möglichst frühzeitige Freilassung. Nach seiner Enthaftung begannen von neuem Morde an Prostituierten, wobei es sogar dazu kam, dass Jack Unterweger als Reporter für den Österreichischen Rundfunk auserkoren wurde – offensichtlich wegen seiner „geläuterten“ Expertise.

Nach seiner neuerlichen Verurteilung und dem Selbstmord am darauffolgenden Tag musste in Österreich einiges auf- und erklärt werden. Bis heute. Das Buch leistet dazu einen sehr wichtigen Beitrag.

Dieses dünne Büchlein beschäftigt sich weniger mit den Mordtaten an sich, sondern hat viel mehr zum Thema, wie Jack Unterweger alle (und sehr lange) hinters Licht führen und blenden konnte.

Ein Buch also, das einen ganz anderen, sehr kritischen Blickwinkel auf Jack Unterweger wirft und gerade deshalb so interessant ist. Für mich hätten es gerne mehr Seiten sein können – also absolute Empfehlung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Ein typischer Haas

Eigentum von Wolf Haas

Wolf Haas erzählt mit großem Respekt aus dem Leben seiner 95-jährigen Mutter – die letzten Tage und die Zeit nach ihrem Tod, rund um das Begräbnis. Authentisch liest sich der Roman, ohne Pathos. Distanziert und nach Nähe suchend zugleich.
Die letzten Jahre verbringt die Mutter in einem Altersheim, das einst die Gebärklinik war, in der Wolf Haas auf die Welt kam.

Erinnerungen der Mutter im O-Ton. Gerade das Ungeschminkte und Originelle machen diesen Roman zu etwas Besonderem – ein Stück persönlicher Erinnerung des Autors, zu einem Roman sublimiert, der berührt..

Wolf Haas kann Geschichten erzählen, in die man sich hineinversetzen kann. Sein Erzählstil und seine Gedanken sind das reinste Vergnügen – auch bei dieser traurigen Thematik: mal ironisch, sarkastisch, dann wieder nüchtern-nüchtern und manchmal auch fast witzig. Sein intellektueller Schreibstil wirkt, als würde er „einfach“ seine Gedanken und Gefühle loslassen, ihnen folgen – genau das ist der Clou und das besondere an den Haas-Romanen. Richtig österreichisch – absolut zu empfehlen!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Absolut spannend

Sekunden der Gnade von Dennis Lehane

Um der Rassentrennung entgegenzuwirken, sollen in Massachusetts 1974 weiße Kinder aus den armen Vierteln mittels Bus in Schulen von vorwiegend schwarzen, armen Kindern gebracht werden und umgekehrt – die Schüler:innen sollen gemeinsam unterrichtet werden. Dies löst massive Unruhen und Proteste in den Stadtteilen von Boston aus.

Dieses Konzept hat es wirklich gegeben.

Mary Pat Fennessy, eine Alleinerziehende, will sich an den Demonstrationen beteiligen, denn die reichen Viertel sind davon nicht betroffen. Mary Pat hat erst vor kurzem ihren Sohn verloren, jedoch nicht im Vietnamkrieg, aus dem er lebend zurückgekehrt ist, sondern an einer Überdosis. Geblieben ist ihr ihre Tochter Jules, die eines Nacht nicht mehr nachhause kommt.

Als sie sich auf die Suche nach ihrer Tochter macht und bei den Gangs der Stadt nach ihr fragt, wird ihr bald klar, dass Jules getötet wurde. Für die Mutter ein Schock. Sie beschließt Selbstjustiz zu üben – sie will sich an den Tätern rächen.

Ein Roman, der atmosphärisch von Hass, Armut, Gewalt und Drogen geprägt ist. Jugendliche, die schlechte Jobs verrichten, Drogen konsumieren, dealen und in Banden organisiert sind. Ein trauriges und erschreckendes Bild wird hier gezeichnet von jenen, die im untersten Milieu der amerikanischen Gesellschaft leben.

Absolute Empfehlung

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Wahnsinnig spannend

Blue Skies von T. C. Boyle

Ein Roman, der anhand von Florida und Kalifornien Extreme des Klimawandels aufzeigt. In Florida Überschwemmungen, Dauerregen und Wirbelstürme. In Kalifornien brütende Hitze, Feuer und Dürre; Bienen, Schmetterlinge und Falter sterben, Zecken sind hoch giftig, so dass nach einem Biss eine Extremität amputiert werden muss.

T.C. Boyle versucht hier einen Blick auf die Klimakrise zu werfen, der sich wie eine Apokalypse in der Zukunft liest, jedoch keine literarische Dystopie darstellt, sondern bereits in der Realität angekommen ist.

Unterhaltsam, fast skurril ist die Familie, die sich in diesem Albtraum befindet - unvorstellbar, wie sich das Leben ändern wird durch die Klimakatastrophen.

Ein überzeugender Roman, mit klarer Botschaft und eigentümlichen Charakteren, die den Roman trotz der Tragik ein wenig auflockern.
Ich kann dieses Buch absolut empfehlen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Der Roman versprüht einen ganz besonderen Flair

Das Café ohne Namen von Robert Seethaler

Robert Seethalers neues Werk ist in der Zeit von 1966 bis 1976 angesiedelt. Es herrscht Aufbruchstimmung in Wien.

Der Protagonist Robert Simon lebte bis vor kurzem von Gelegenheitsjob am Karmeliterplatz. Er übernimmt eine leerstehende Gaststätte, macht daraus ein Café, jedoch ein Name fällt ihm dafür nicht ein, daher bleibt es ohne Namen.

Zu trinken gibt es das Übliche: Bier, Wein, Kaffee, Schnaps und im Winter Punsch, zu essen Schmalzbrot mit Salzgurken – ein überschaubares Angebot.

Im Café ohne Namen gehen die Arbeiter*innen vom Karmeliterplatz ein und aus, werden zu Stammgästen und erzählen von ihrem Leben, ihren Träumen und den Veränderungen in diesem Jahrzehnt.

Gleich auf den ersten Seiten taucht man in den Roman und dieses Jahrzehnt ein. In seinem ganz besonderen Stil erzählt Seethaler von den Menschen aus dem Arbeitermilieu und der Stimmung, die sich hier auftut.

Eine absolute Empfehlung, ein besonderer Roman.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Endlich wieder ein Suter, wie ich ihn mag

Melody von Martin Suter

Endlich wieder einmal ein Suter, wie ich ihn mag.

Tom Elmer ist auf der Suche nach einem Job als Jurist. Er trifft auf die Stellenanzeige des reichen und angesehenen Dr. Peter Stotz, der seinen Nachlass verwalten lassen will. Er hat nur noch wenige Monate zu leben. Sein dokumentiertes Leben soll gesichtet und geordnet werden, um der Nachwelt einen möglichst „entsprechenden“ Eindruck zu hinterlassen.

In der Villa von Peter Stotz hängt das Bild einer schönen Frau, der verschwundenen Melody. Nach und nach erzählt Peter Stotz seine Lebensgeschichte, vom Suchen, Finden und Verlieren dieser geheimnisvollen Frau.

Ein Roman ganz nach meinem Geschmack. Die Geschichte rund um Melody und Dr. Peter Stotz ist spannend und kurzweilig erzählt. Das Ende – so in der Art – erahnt man irgendwie. Ein kurzweiliger Roman, den ich gerne empfehle.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Zivilcourage zeigen!

Unsichtbar von Eloy Moreno

„Nein“, ich lass dich nicht abschreiben… So beginnt das Martyrium eines Buben, der in der Schule körperlich und physisch gemobbt wird, weil er als der Klassenbeste nicht von seinem Test abschreiben lässt.

Unsichtbar ist wohl der passende Titel für diesen Jugendroman von Eloy Moreno, weil der Junge nicht glauben kann, dass ihm keiner hilft, wenn er geschubst, geschlagen und auf viele andere Arten gequält wird, wo doch so viele zusehen: die Lehr*innen, Eltern, Mitschüler*innen.

Der Roman beginnt damit, dass der Junge im Krankenhaus aufwacht und gar nicht so recht weiß, wie er dorthin gekommen ist. Schritt für Schritt wird der Albtraum des Jungen erzählt. Das Interessante an diesem Roman ist, dass dieser auch aus der Perspektive des Täters erzählt wird: Was geht ihn ihm vor? Warum macht er das?

Ein wichtiges Buch zum Thema Mobbing, das vor allem dazu aufrüttelt, hinzusehen und zu agieren, Zivilcourage zu zeigen!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Der Gesellschaft den Spiegel vorhalten

Die spürst du nicht von Daniel Glattauer

Zwei wohlhabende und in der Öffentlichkeit bekannte Familien machen Urlaub in der Toskana. Damit sich die 14-järhige Tochter der einen Familie nicht langweilt, darf sie ihre somalische Freundin mit in die Villa mit Swimming-Pool nehmen. Dann passiert noch am ersten Abend das tragische Unglück, das somalische Mädchen ertrinkt im Pool.

Der Roman beschreibt den Umgang der Familien mit dem Unglück, aber auch wie Medien damit umgehen. Durch Postings zu den Zeitungsartikeln wird auch der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten – zum Teil sehr unappetitlich, teilweise widerlich, wie Menschen meinen sich zu solchen Tragiken äußern zu müssen.

Daniel Glattauer schafft es mit seinem neuen Roman ein realistisches Bild aktueller Debatten, insbesondere zur Flüchtlingspolitik, darzustellen. Presseartikel und Online-Postings runden passend dazu das Geschehene ab. Einerseits wird gezeigt, wie Medien mit „Geschichten“ umgehen, insbesondere wenn Politker*innen betroffen sind.

Der Roman ist unglaublich gut zu lesen, spannend geschrieben, an den richtigen Stellen humorvoll und emotional, trotzdem sehr tiefgehend.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring

Persönlichkeiten

Siegfried von Antonia Baum

Der Roman „Siegfried“ von Antonia Baum hat mich von Beginn an gefesselt. Schon die Leseprobe war sehr vielversprechend.
Der Titel als auch das Cover sind sehr gut gewählt. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen
Der Schreibstil ist sehr flüssig und leicht leserlich.

Die Hauptprotagonistin beschreibt auf sehr authentische Weise die Geschichte ihrer Vergangenheit und wie sie dadurch geprägt wurde.

Um Siegfried quasi ihrem Stiefvater kreisen drei Generationen von Frauen. Diese verschieden zwischenmenschlichen Beziehungen geben unterschiedliche Einblicke in die Rolle der Frau und charakterisieren unser stark geprägtes patriarchales Weltbild.
Von ihren eigenen Problemen in ihrer Beziehung, als Mutter sowie in ihrem Berufsalltag hält sie es eines Tages nicht mehr aus und begibt sich in die Psychiatrie. Sie verbringt den ganzen Tag in der Ambulanz im Warteraum und erfährt dadurch in wenigen Stunden eine Veränderung. Rückblickend eine optimale Lösung…

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Spannring