Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Astrid:
Großaufnahme!
Leben spielen von Proschat Madani
Wie auch wir müssen sich Schauspieler:innen ihren Ängsten und Sorgen stellen, haben Freude an ihrer Arbeit oder ärgern sich darüber. Hinzu kommt eine Besonderheit: die im Kapitel beschriebene ›Großaufnahme‹. In der wird schonungslos aufgedeckt. Jedes Wimmerl wird sichtbar, auch wenn die Maskenbildnerin alles gab.
Jede falsche Mimik wird vom Publikum wahrgenommen, als wären wir Zusehenden die FBI-Agenten auf der Suche nach den Lügen im Gesicht einer potenziellen Täterin. Die Schwierigkeit liegt also im Detail. Wie so häufig. So zu spielen, dass wir gebannt hinsehen, ist großartiges Schauspiel.
Ich fand es interessant, dem (Gefühls)Leben von Schauspielerin Proschat Madani folgen zu dürfen. Das Leben von Schauspieler:innen glänzt häufig nur wenig. Vielmehr ist es harte Arbeit, die wiederum nicht gesehen werden darf, denn im Film muss es für den Zusehenden wirken, als wäre alles echt und spontan und wahr, damit wir mitleiden, mitfiebern, träumen, weinen und lachen können.
Mir gefallen Gedanken und Schreibstil der Autorin. Diese Welt des Nachdenklichen, des Beobachtens, des Intro- und Extrovertierten, dieses ständige Wechselspiel zeigen mir, dass Proschat Madani nicht nur eine hervorragende Erzählerin ist, die mit Humor, Hirn und Hoffnung ihre Geschichten wiedergibt. Sie ist auch Philosophin und Denkerin und ihre eigene Kritikerin sowieso.
Die Zeit beim Lesen verging mir viel zu rasch, aber das fand ich gleichzeitig auch wunderbar.
Es könnte so einfach sein von Anne Handorf
Zuallererst begeisterte mich, dass der Inhalt von einem Autorenpaar erschaffen wurde. Ich stelle mir das herausfordernd vor, denn als schreibendes Duo muss man sich miteinander wohl fühlen, um ein Manuskript zum Buch zu machen. Der Inhalt wirkt wie aus einem Guss. Ständig fragte ich mich, wer wohl welchen Teil erdacht hat.
Zum Buch:
Vera begleite ich als Protagonistin beim Verfassen eines neuen und (womöglich) letzten Manuskripts. Ich folge ihr im Alltag, erlebe Beziehungen mit ihrem Mann, den Nichten, der Verwandtschaft und den Freunden, den Vertragspartner:innen. Ich erfahre von Schicksalen. Vor allem aber ist es Veras Werdegang, der seine Besonderheiten hat (dazu verrate ich nicht mehr, denn das wäre schade). Zudem nehme ich Teil an ihrer täglichen Schreibroutine, wobei ich bald bemerkt habe, dass mich Veras Gedanken ansprechen. Sie ist doch einige Jahre älter als ich, feiert bald ihren 65sten Geburtstag und erzählt vom Wind, der einer (vermeintlich) 'widerspenstigen' Frau entgegenweht, die für sich nichts als Gleichberechtigung beansprucht.
In gewisser Weise ist das Buch eine Ermutigung, sich nicht einschüchtern zu lassen, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht sofort gelingt.
Die Zeit beim Lesen verging mir viel zu rasch, aber das fand ich gleichzeitig auch wunderbar.
Macht und Intrigen
Das Lied des Vogelhändlers von Ralf H. Dorweiler
Ein Roman für Liebhaber:innen des Historischen. Die Geschichte spielt einerseits im Jahr 1190, andererseits berichtet sie aus dem Jahr 1200. Bis sich schließlich im Finale die Personen in 1200 begegnen, was zu einer gemeinsamen Geschichte führt. Den Kapiteln vorangestellt, sind stets die Zeit- und Ortsangaben, sodass man nie verlorengehen kann.
Der Klappentext berichtet in kurzen Sätzen, worum es geht. Die Geschichte selbst ist angefüllt mit Intrigen, Machtkämpfen und dadurch auch Menschen, die auf der Strecke bleiben. Wunderbar lässt es sich mit den Protagonist:innen leben und leiden, und manches Leben endet tatsächlich, bevor es Erfüllung finden konnte. Aber genau das macht einen guten Roman aus. Details und Charakter wirken stimmig, die Handlung zieht einen in die Geschichte, sodass es schwer ist das Buch zwischendurch zur Seit zu legen.
Lesenswert!
Selbsthilfegruppe bei Kaffee und Kuchen
Café Finito von Sybil Volks
Sehr gut gefällt mir, dass die einzelnen Charaktere anfangs in wenigen Sätzen vorgestellt werden. Ich mochte es, gleich einen Überblick zu haben.
Besonders packten mich die Freundinnen Mira und Carla, aber auch Lizzie, die nach langen Jahren des Zusammenlebens ihren Mann verlor. Matthias hingegen kann seine Geliebte nicht offiziell betrauern, ist da doch deren Ehemann, dem diese Aufgabe zufällt.
Matthias hat daher eine Art 'Außenseiterschicksal' zu ertragen und wirft sich zudem vor, sich beim letzten Treffen (von dem er ja nicht wusste, dass es das letzte sein würde) nur oberflächlich von seiner Geliebten verabschiedet zu haben.
Gegen Ende hin, wird es für einige Seiten zäh und auch etwas verworren. Zumindest empfinde ich das so. Wohingegen der Abschluss sehr stimmig, sogar tröstend ist.
Vorurteile und menschliche Kälte
Das Nest von Sophie Morton-Thomas
Ein Krimi, der die Seelen der Lesenden spaltet, verfasst mit einer gewissen Kälte und einer Isoliertheit, die zu schaffen macht. Und dann erst die Protagonisten. Als würde es nicht genügen, dass die Einheimischen ihre Probleme haben. Schließlich kommen Fremde ins Dorf und jeder und jede reckt die Hälse.
Dabei, so habe ich den Eindruck, braucht man sich gar nicht nach 'den Anderen' umzusehen, denn die düstere Stimmung weist darauf hin, dass etwas ganz in der Nähe im Argen liegt.
Die gesamte Stimmung im Buch trägt dazu bei, einen in die Irre zu führen. Die Menschen sind eigenartig, verschlossen, interessant und anstrengend. Sie reden nicht über Probleme. Sie verschließen sich in sich selbst. Alle. Und nur zum Teil kennen wir ihre Gedanken, bis dann am Ende plötzlich alles eine Wendung nimmt, die …
Wer einen Wohlfühlkrimi braucht, Cosy-Crime mit einem Ermittlerpaar, das sich nach der Auflösung eines Mordes in die Arme fällt, Eis schleckt und sich dabei liebevolle Blicke zuwirft, der meide dieses Buch.
Wer die Schwärze der menschlichen Seele kennenlernen möchte, Abgründe und emotionale Kälte, der gönne sich dieses Buch.
Endlich mal kein Kitschroman ...
Pinguine fliegen nur im Wasser von Henriette Krohn
Es gibt sie, die Bücher, die man mit einem Seufzer zur Seite legt und sich über das Ende freut. 'Pinguine fliegen nur im Wasser' ist so ein Roman. Endlich mal kein Kitsch, endlich mal keine Schwerpunkte auf weibliche und männliche Schönheit, die nicht anders kann als sich zu finden und übereinander herzufallen.
Da ist kein Held, der einem hilfebedürftigen Weibchen zur Seite eilt, denn der Held hat genug mit sich und seinen Sorgen zu tun. Da ist keine Frau, die dahinschmilzt, weil er den Raum betritt. Und: Endlich mal keine schmalzigen Sexszenen.
Was man als Lesender dafür bekommt: Tiefgang, Gedanken & all die Wunden, die eine Gesellschaft und das Leben hinterlässt, Hilfsbereitschaft, Einblicke in Welten und die darin lebenden Menschen, die nicht immer der gängigen Norm entsprechen, Verständnis und Lebensfreude.
Gute Sommerunterhaltung!
Die Frauen vom Rosenhag. Traum vom Neubeginn von Corina Bomann
Knapp 600 Seiten, die derart zu fesseln vermochten, dass sie ziemlich rasch gelesen waren. Gefallen hat mir, dass gesellschaftliche Normen aufgezeigt wurden. Worüber man heute vielleicht den Kopf schüttelt, war damals das Leid vieler Frauen, z. B. wenn eine Erbschaft an die Ehefrau automatisch in die Verfügungsgewalt des Mannes überging, z.
B. wenn nach einem ehelichen Streit oder nur einem Zuwiderhandeln sofort mit einer Abschiebung in eine Nervenheilanstalt drohte.
Die Figuren haben mir gefallen. Sie lassen sich nicht nur die Sonne ins Gesicht scheinen, sondern sind Gegenwind ausgesetzt.
Der Schreibstil selbst ist angenehm. Die kurzen Kapitel lassen immer wieder Neugier auf das nächste aufkommen.
Keine 'leichte Kost'!
Zwei Leben von Astrid Korten
Großmutter Xanna ist tot und mit ihrem Ableben begreift Nora, dass sie es verabsäumt hat, mehr über ihre Oma zu erfahren. Als sie beim Aufräumen ein Holzkäschen mit ungewöhnlichem Inhalt findet, ahnt Nora, dass Xanna viel zu erzählen gehabt hätte. Und dass sie viel zu erzählen hat, erfahren wir recht bald.
Zwei Leben ist eine Geschichte, in der es um Verlust geht, aber auch darum, sich wieder aufzuraffen und ein neues Leben zu beginnen, nach allerlei furchtbaren Geschehnissen. Ein spannender Roman. Ein bedrückender Roman. Gleichzeitig aber auch eine Erzählung, die Hoffnung zulässt.
Interessante Verflechtung zahlreicher Figuren aus anderen Romanen der Autorin
Tod der Autorin von Birgit Rabisch
Was ich beim Lesen vermisste? Eine konsequente Fortführung der Ich-Erzählperspektive.
Erzählt wird aus dem Leben der Figuren, die in den bereits herausgegebenen Romanen der Autorin die tragenden Rollen spielen. Die Vermischung von Erinnerungen, von Lebenserfahrung, von Verlusten, Freude und schwierigen Lebenssituationen machen dieses Buch zu einem Krimi, einer Dystopie, einem Roman, zur Fiktion einer Autorin …
Zwar könnte man autobiografische Züge darin erkennen, aber am Ende ist es keine Biografie, sondern ein Treffen unterschiedlicher Persönlichkeiten.
Das macht die Geschichte interessant, denn die Tischgespräche mit den Gästen sind unterhaltsam und regen zum Nachdenken an. Es geht um Alltägliches, um Schwangerschaften, gesellschaftliche Rollen und Normen, Politik, Feminismus, Lebenserfahrung, Selbstironie, Krieg, Tod und Leben.
Ein ungewöhnliches Buch.
Nicht alles muss einen Zweck erfüllen ...
Tomke gräbt von Lena Hach
Es braucht nicht immer einen Grund. Nicht alles muss einen Zweck erfüllen. Manchmal geht es nur darum, etwas in aller Ruhe zu tun.
Tomke gräbt. Die Erwachsenen wollen wissen, warum er das macht. Außerdem sind sie neugierig, was denn das nun werden soll und jeder, auch die Geschwister und Nachbarn haben ihre Theorien.
Doch Tomke gräbt einfach weiter. Aus Lust. Er gibt sich seiner Tätigkeit hin. Dass er am Ende müde ist, war zu erwarten
‚Tomke gräbt‘ ist ein Vorlesebuch für Kinder ab 2 oder 3, das sagt: Mach einfach mal das, was du tun magst, ohne an ein Ziel zu denken. Irgendwas wird schon draus werden. Und bestimmt gibt es viele spannende Sachen zu entdecken … unterwegs.











