Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Astrid:
Schwermütig und lebhaft zugleich ...
Und zuletzt Buchara von Stephanie Clasemann
Obwohl die Geschichte von dramatischen Ereignissen geprägt ist, bleibt der Gesamteindruck überwiegend positiv. Gesas Reise, ihre Reisebegleiter, die Beziehungen untereinander, die zahlreichen Einblicke in die usbekische Kultur, die Lebendigkeit, aber auch die Schwere … verleihen dieser Erzählung einen besonderen Reiz.
Hinzu kommt, dass wir uns lange Zeit auf ein Ende hinbewegen, das dramatisch ist, das sich niemand wünscht, außer vielleicht die eine Person, die bleiben musste, während für die anderen das Leben weitergeht.
Keine leichte Kost ...
Sieben Jahre von Tanja Kinkel
850 Seiten.
Keine leichte Lektüre.
Geschichtlich bestimmt wertig dargestellt, dafür meine Hochachtung. Insgesamt aber langatmig in der Darstellung.
Was mir gefallen hat?
Die Damenwelt im Roman, ihre Leiden, ihre überwiegend lieblosen Ehen, ihre Lebensdramen und ihre (verzweifelten) Versuche Aufmerksamkeit zu erringen, sich eine Stellung zu verschaffen.
Was mir nicht gefallen hat?
Die Welt der Männer, die hauptsächlich aus Kriegsführung, Taktik und durch die Suche nach einer Frau oder einem Mann an ihrer Seite bestimmt war, die sie vom Regieren, Herrschen und ihren Intrigen ablenken sollten. Hier ergeben sich ordentlich Längen, die nach meinem Geschmack, durchaus Kürzung hätten erfahren dürfen. Mir wurde stellenweise zu viel diskutiert und geplant.
Die Nebenfiguren (beispielsweise den Pagen Hannibal) finde ich gelungener dargestellt als die Hauptfiguren, denn diese Nebenfiguren verleihen der Geschichte die dringend nötige Würze.
Zum Dahinlesen ist der Roman bestimmt nicht. Die zahlreichen Personen, der ständige Wechsel im Geschehen, viele eingeschobener Erinnerungen fordern die Konzentration. Fallweise war es mühsam.
Das Cover ist toll, aber ...
Engagier dich oder stirb! von Nicole Makarewicz
Das Cover ist toll, aber ich weiß nicht, was es mit der Geschichte zu tun hat, die unterhaltsam, überzeichnet und extrem Klischee-lastig ist. Letzteres hat mich dazu veranlasst, vielfach den Kopf zu schüttelt. Kichern musste ich trotzdem an manchen Stellen, andere wiederum ließen mich mit den Augen rollen, fallweise fehlte mir ein Übergang von einem zum nächsten Geschehen.
Einzelne Kapitel waren derart voraussehbar, dass mich die Geschichte langweilte, wenn auch die Texte unterhaltsam waren. Insgesamt ist die Geschichte fallweise maßlos übertrieben. Auch wenn ich weiß, dass es ‚nur‘ eine Story ist, hätte ein wenig Subtilität gutgetan.
Aufgrund des Klappentextes habe ich mir jedenfalls Revolutionäres erwartet. Das Geschriebene ist für mich nur ein Aneinanderreihen bereits bekannter Aufgüsse, ... zwar lustig, aber nicht wirklich neu. Es hätte so viel besser sein können, wenn es nicht dermaßen ins Lächerliche gezogen worden wäre. Die Sprache hingegen ist schön, ein Highlight in meinem Leseleben ist es aber nicht. Typisch ‚cosy‘ eben, nicht einmal wirklich Crime. In Erinnerung wird mir der Inhalt nicht bleiben, auch deshalb, weil ich ähnliche Geschichten schon mehrfach gelesen habe. Zudem wirkt das Ende sehr an den Haaren herbeigezogen. Es muss unbedingt einen Täter geben, der für den Tod von Sybyll verantwortlich ist. Der muss mit aller Gewalt her, wenn er auch zuvor nicht in Erscheinung trat.
Resümee: Witzig und belanglos zum Dahinlesen.
Großaufnahme!
Leben spielen von Proschat Madani
Wie auch wir müssen sich Schauspieler:innen ihren Ängsten und Sorgen stellen, haben Freude an ihrer Arbeit oder ärgern sich darüber. Hinzu kommt eine Besonderheit: die im Kapitel beschriebene ›Großaufnahme‹. In der wird schonungslos aufgedeckt. Jedes Wimmerl wird sichtbar, auch wenn die Maskenbildnerin alles gab.
Jede falsche Mimik wird vom Publikum wahrgenommen, als wären wir Zusehenden die FBI-Agenten auf der Suche nach den Lügen im Gesicht einer potenziellen Täterin. Die Schwierigkeit liegt also im Detail. Wie so häufig. So zu spielen, dass wir gebannt hinsehen, ist großartiges Schauspiel.
Ich fand es interessant, dem (Gefühls)Leben von Schauspielerin Proschat Madani folgen zu dürfen. Das Leben von Schauspieler:innen glänzt häufig nur wenig. Vielmehr ist es harte Arbeit, die wiederum nicht gesehen werden darf, denn im Film muss es für den Zusehenden wirken, als wäre alles echt und spontan und wahr, damit wir mitleiden, mitfiebern, träumen, weinen und lachen können.
Mir gefallen Gedanken und Schreibstil der Autorin. Diese Welt des Nachdenklichen, des Beobachtens, des Intro- und Extrovertierten, dieses ständige Wechselspiel zeigen mir, dass Proschat Madani nicht nur eine hervorragende Erzählerin ist, die mit Humor, Hirn und Hoffnung ihre Geschichten wiedergibt. Sie ist auch Philosophin und Denkerin und ihre eigene Kritikerin sowieso.
Die Zeit beim Lesen verging mir viel zu rasch, aber das fand ich gleichzeitig auch wunderbar.
Es könnte so einfach sein von Anne Handorf
Zuallererst begeisterte mich, dass der Inhalt von einem Autorenpaar erschaffen wurde. Ich stelle mir das herausfordernd vor, denn als schreibendes Duo muss man sich miteinander wohl fühlen, um ein Manuskript zum Buch zu machen. Der Inhalt wirkt wie aus einem Guss. Ständig fragte ich mich, wer wohl welchen Teil erdacht hat.
Zum Buch:
Vera begleite ich als Protagonistin beim Verfassen eines neuen und (womöglich) letzten Manuskripts. Ich folge ihr im Alltag, erlebe Beziehungen mit ihrem Mann, den Nichten, der Verwandtschaft und den Freunden, den Vertragspartner:innen. Ich erfahre von Schicksalen. Vor allem aber ist es Veras Werdegang, der seine Besonderheiten hat (dazu verrate ich nicht mehr, denn das wäre schade). Zudem nehme ich Teil an ihrer täglichen Schreibroutine, wobei ich bald bemerkt habe, dass mich Veras Gedanken ansprechen. Sie ist doch einige Jahre älter als ich, feiert bald ihren 65sten Geburtstag und erzählt vom Wind, der einer (vermeintlich) 'widerspenstigen' Frau entgegenweht, die für sich nichts als Gleichberechtigung beansprucht.
In gewisser Weise ist das Buch eine Ermutigung, sich nicht einschüchtern zu lassen, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht sofort gelingt.
Die Zeit beim Lesen verging mir viel zu rasch, aber das fand ich gleichzeitig auch wunderbar.
Macht und Intrigen
Das Lied des Vogelhändlers von Ralf H. Dorweiler
Ein Roman für Liebhaber:innen des Historischen. Die Geschichte spielt einerseits im Jahr 1190, andererseits berichtet sie aus dem Jahr 1200. Bis sich schließlich im Finale die Personen in 1200 begegnen, was zu einer gemeinsamen Geschichte führt. Den Kapiteln vorangestellt, sind stets die Zeit- und Ortsangaben, sodass man nie verlorengehen kann.
Der Klappentext berichtet in kurzen Sätzen, worum es geht. Die Geschichte selbst ist angefüllt mit Intrigen, Machtkämpfen und dadurch auch Menschen, die auf der Strecke bleiben. Wunderbar lässt es sich mit den Protagonist:innen leben und leiden, und manches Leben endet tatsächlich, bevor es Erfüllung finden konnte. Aber genau das macht einen guten Roman aus. Details und Charakter wirken stimmig, die Handlung zieht einen in die Geschichte, sodass es schwer ist das Buch zwischendurch zur Seit zu legen.
Lesenswert!
Selbsthilfegruppe bei Kaffee und Kuchen
Café Finito von Sybil Volks
Sehr gut gefällt mir, dass die einzelnen Charaktere anfangs in wenigen Sätzen vorgestellt werden. Ich mochte es, gleich einen Überblick zu haben.
Besonders packten mich die Freundinnen Mira und Carla, aber auch Lizzie, die nach langen Jahren des Zusammenlebens ihren Mann verlor. Matthias hingegen kann seine Geliebte nicht offiziell betrauern, ist da doch deren Ehemann, dem diese Aufgabe zufällt.
Matthias hat daher eine Art 'Außenseiterschicksal' zu ertragen und wirft sich zudem vor, sich beim letzten Treffen (von dem er ja nicht wusste, dass es das letzte sein würde) nur oberflächlich von seiner Geliebten verabschiedet zu haben.
Gegen Ende hin, wird es für einige Seiten zäh und auch etwas verworren. Zumindest empfinde ich das so. Wohingegen der Abschluss sehr stimmig, sogar tröstend ist.
Vorurteile und menschliche Kälte
Das Nest von Sophie Morton-Thomas
Ein Krimi, der die Seelen der Lesenden spaltet, verfasst mit einer gewissen Kälte und einer Isoliertheit, die zu schaffen macht. Und dann erst die Protagonisten. Als würde es nicht genügen, dass die Einheimischen ihre Probleme haben. Schließlich kommen Fremde ins Dorf und jeder und jede reckt die Hälse.
Dabei, so habe ich den Eindruck, braucht man sich gar nicht nach 'den Anderen' umzusehen, denn die düstere Stimmung weist darauf hin, dass etwas ganz in der Nähe im Argen liegt.
Die gesamte Stimmung im Buch trägt dazu bei, einen in die Irre zu führen. Die Menschen sind eigenartig, verschlossen, interessant und anstrengend. Sie reden nicht über Probleme. Sie verschließen sich in sich selbst. Alle. Und nur zum Teil kennen wir ihre Gedanken, bis dann am Ende plötzlich alles eine Wendung nimmt, die …
Wer einen Wohlfühlkrimi braucht, Cosy-Crime mit einem Ermittlerpaar, das sich nach der Auflösung eines Mordes in die Arme fällt, Eis schleckt und sich dabei liebevolle Blicke zuwirft, der meide dieses Buch.
Wer die Schwärze der menschlichen Seele kennenlernen möchte, Abgründe und emotionale Kälte, der gönne sich dieses Buch.
Endlich mal kein Kitschroman ...
Pinguine fliegen nur im Wasser von Henriette Krohn
Es gibt sie, die Bücher, die man mit einem Seufzer zur Seite legt und sich über das Ende freut. 'Pinguine fliegen nur im Wasser' ist so ein Roman. Endlich mal kein Kitsch, endlich mal keine Schwerpunkte auf weibliche und männliche Schönheit, die nicht anders kann als sich zu finden und übereinander herzufallen.
Da ist kein Held, der einem hilfebedürftigen Weibchen zur Seite eilt, denn der Held hat genug mit sich und seinen Sorgen zu tun. Da ist keine Frau, die dahinschmilzt, weil er den Raum betritt. Und: Endlich mal keine schmalzigen Sexszenen.
Was man als Lesender dafür bekommt: Tiefgang, Gedanken & all die Wunden, die eine Gesellschaft und das Leben hinterlässt, Hilfsbereitschaft, Einblicke in Welten und die darin lebenden Menschen, die nicht immer der gängigen Norm entsprechen, Verständnis und Lebensfreude.
Gute Sommerunterhaltung!
Die Frauen vom Rosenhag. Traum vom Neubeginn von Corina Bomann
Knapp 600 Seiten, die derart zu fesseln vermochten, dass sie ziemlich rasch gelesen waren. Gefallen hat mir, dass gesellschaftliche Normen aufgezeigt wurden. Worüber man heute vielleicht den Kopf schüttelt, war damals das Leid vieler Frauen, z. B. wenn eine Erbschaft an die Ehefrau automatisch in die Verfügungsgewalt des Mannes überging, z.
B. wenn nach einem ehelichen Streit oder nur einem Zuwiderhandeln sofort mit einer Abschiebung in eine Nervenheilanstalt drohte.
Die Figuren haben mir gefallen. Sie lassen sich nicht nur die Sonne ins Gesicht scheinen, sondern sind Gegenwind ausgesetzt.
Der Schreibstil selbst ist angenehm. Die kurzen Kapitel lassen immer wieder Neugier auf das nächste aufkommen.











