Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Achtung: Trigger!
Die Namen von Florence Knapp
Achtung: Trigger!
1987. Gordon schickt seine Frau Cora zum Standesamt, um den Namen ihres neugeborenen Jungen eintragen zu lassen. Nach alter Familientradition soll das Kind wie der Vater heißen, wie der Großvater und all die Männer davor. Doch Cora, die sich schon viel zu lange viel zu viel gefallen lässt, hat einen kurzen rebellischen Moment und wählt einen anderen Namen.
In der Folge spaltet sich die Handlung in drei Stränge, die das Leben der Familie und vor allem das des Jungen beleuchten, wie es hätte verlaufen können, je nachdem ob er nun Bear heißt, was seine neunjährige Schwester Maia sich wünscht, Julian, Coras Favorit, oder eben doch Gordon. Abwechselnd werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der Familie in der Perspektive der verschiedenen Namensträger, Bear, Julian und Gordon. Dabei machen wir immer wieder Sprünge von sieben Jahren. Auf Dauer fand ich das sehr verwirrend. Ich musste mir immer wieder klarmachen, um welchen Namensträger es gerade geht und in welchem Sieben-Jahres-Abschnitt ich mich gerade befinde. Erschwerend wirkt hier, dass andere Charaktere zum Teil auch in allen drei Handlungssträngen vorkommen, sich aber ganz anders verhalten. Es ist verwirrend, wenn in einem Strang eine Figur bereits gestorben ist, im anderen sieben oder vierzehn Jahre später aber noch lebt. Mir schwirrte davon jedenfalls der Kopf.
Die Idee zu Florence Knapps Debütroman ist durchaus gut, aber die Autorin wollte meines Erachtens zu viel hineinpacken, sodass manchem Aspekt leider die Tiefe fehlt. Im Aufbau hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht und vor allem eine deutliche Triggerwarnung, denn was Cora von ihrem Ehemann erleiden muss, ist schier unerträglich, zumal es ausführlich beschrieben wird.
Die Ausgangssituation mit dem gewalttätigen Ehemann/Vater ist für alle drei Lebensvarianten gleich, und so ist die Stimmung auch in allen drei Handlungssträngen recht düster. Mich hat das zu sehr runtergezogen. Ein bisschen mehr Gutes und Hoffnungsvolles wäre schön gewesen.
Unausgegorener Fantasy-Auftakt
The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota
Unausgegorener Fantasy-Auftakt
Ich habe mich von dem tollen Cover und dem interessanten Klappentext, aber auch noch von der Leseprobe blenden lassen. Leider konnte mich das Buch dann nicht begeistern.
Der junge Finlay Ashowan kommt als neuer Koch an den Königshof. Was niemand erfahren soll: Fin ist eine Hexe.
Doch er stellt sich so ungeschickt dabei an, sein Geheimnis zu wahren, dass ganz schnell ganz viele Leute davon wissen. Und es passiert … nichts. In diesem Stil werden Dinge aufgebauscht, ohne dass irgendeine Konsequenz daraus resultiert. Es werden viele, viele Seiten gefüllt, die man besser weggelassen hätte, um eine interessante, straffe Story zu erzählen. So musste ich den roten Faden zwischen all den nebensächlichen Szenen immer wieder von Neuem suchen, was ziemlich ermüdend und ernüchternd war.
Dabei waren die Figuren größtenteils toll und ich wollte gerne an ihrem Schicksal teilhaben, aber die oft ausufernden Beschreibungen und der für mich langweilige und zuweilen holperige Erzählstil verhinderten dies. Manche Sätze wirkten wie von einem Fünftklässler. Etliche Fehler, Ungereimtheiten und pubertärer Humor vermiesten mir das Lesen zusätzlich. Auch die Alkoholexzesse, die die Autorin wohl witzig fand, fanden bei mir keinen Anklang.
Die Idee zu diesem Buch ist klasse, es sind auch durchaus gute Ansätze vorhanden, aber insgesamt ist die Umsetzung doch eher dürftig. Es passiert recht wenig, und am Schluss ist genau ein loser Faden zu Ende geknüpft. Alles andere muss auf die nächsten Bände warten oder versickert vielleicht auch einfach nur im Nirwana. Das fand ich ziemlich enttäuschend.
Es handelt sich bei dieser Reihe um cosy Fantasy. Ich mag cosy, wenn es trotzdem spannend ist und handwerklich gut gemacht. Spannung sucht man bei diesem Buch aber leider vergeblich. Und was das Handwerkliche angeht, ist definitiv noch Luft nach oben.
Ein Schloss voller Geheimnisse
Red as Royal Blood von Elizabeth Hart
Ein Schloss voller Geheimnisse
Ruby kam als elternloses Baby ins Schloss, wo sie von der Köchin aufgezogen wurde. Später muss sie als Dienstmagd arbeiten. Die Höhepunkte ihrer Tage sind die heimlichen Schachspiele mit Prinz Rowan. Doch dann stirbt der König und hat sie in seinem letzten Willen zu seiner Nachfolgerin ernannt.
Kein Wunder, dass Ruby von den Kindern des Königs und seiner Witwe angefeindet wird. Sie selbst ist auch gar nicht so glücklich in ihrer neuen Rolle, versucht aber das Beste daraus zu machen. Als ihr klar wird, dass der König starb, sondern ermordet wurde, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.
Ruby ist eine tolle Protagonistin. Sie ist unheimlich tough, loyal und gütig. Auch Intelligenz wird ihr nachgesagt, wobei ich hier manchmal meine Zweifel bekam, wenn sie mal wieder zu vertrauensselig ist, obwohl sie schon zig Mal gewarnt wurde, dass sie niemandem im Schloss vertrauen darf. Denn fast jeder im Schloss hat ein Geheimnis, fast jeder lügt, und die wenigsten haben irgendwelche Skrupel, wenn es um den eigenen Vorteil geht.
Für mich war fast jeder zu irgendeinem Zeitpunkt mal verdächtig. Doch das Bild wendete sich ständig und schwupps, war der nächste Verdächtige auf dem Plan. Doch nicht nur die Mördersuche war ein ständiges Hin und Her, sondern auch die verschiedenen Romanzen. Es dauerte recht lange, bis sich hier herauskristallisierte, wer mit wem … Das fand ich ganz gut so.
Vieles ist verzwickt und man fragt sich anfangs (oder auch später noch) ungläubig, ob sich das wohl auflösen kann. Aber Elizabeth Hart schafft es, eine zufriedenstellende Lösung zu präsentieren. Am Ende ist alles geklärt.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es ist flott geschrieben und sehr unterhaltsam. Das Erzähltempo ist hoch; da kommt keine Langeweile auf. Es wird nicht groß ausgeschmückt, sondern auf den Punkt erzählt, und zwar aus Rubys Ich-Perspektive. So kann man sich gut in die Protagonistin hineinversetzen und mit ihr mitfühlen und miträtseln. Einige für die Handlung unwesentliche Logikfehler trüben das Lesevergnügen kaum.
Die Story will einfach unterhalten und für ein paar spannende Lesestunden sorgen. Allzu Tiefgründiges sollte man nicht erwarten. In einem Einzelband mit relativ großer Schrift und 380 Seiten kann man einfach nicht so viel unterbringen. Für Jugendliche ab ca. 14 Jahren und jung gebliebene Erwachsene kann ich das Buch absolut empfehlen.
Beziehungsdrama mit Thrillerelementen
Ultramarin von Ann-Christin Kumm
Beziehungsdrama mit Thrillerelementen
Schon lange ist Lou in Raf verliebt, aber Raf entzieht sich ihm immer wieder. Doch Lou kann einfach nicht von ihm lassen, auch wenn Raf ihm noch so weh tut. Zusammen mit Rafs Schwester Sophie verbringen sie seit Jahren die Sommer miteinander. Doch dieses Mal kommt statt Sophie Nora mit nach Dänemark - eine unbekannte Variable in der Beziehung, die alles durcheinander bringt.
Ann-Christin Kumms Debütroman ist interessant aufgebaut und auch durchaus lesenswert. Die toxische Beziehung zwischen Raf und Lou ist bedrückend. Man will die beiden mal so richtig durchschütteln, damit sie künftig die Finger voneinander lassen. Für meinen Geschmack wurden die Figuren ein bisschen zu schwarz-weiß dargestellt.
Der Schreibstil ist eigentlich sehr ansprechend, teilweise fast poetisch. Aber beim Hörbuch fielen mir sich wiederholende Formulierungen besonders auf: …sagte ich, … sagte Raf, … sagte er. Das mag eventuell als Stilmittel gedacht sein; mich hat es gestört.
Da Lou als Ich-Erzähler von den Ereignissen im Sommer in Dänemark erzählt und auch immer wieder in vergangene Jahre zurückspringt und dabei die Entwicklung der Beziehung zu Raf beleuchtet, hatte ich viel mehr Emotionen erwartet. Die Erzählung ist jedoch eher lakonisch und distanziert.
Das Hörbuch erschien im März 2026 bei Der Audio Verlag. Es ist ungekürzt und hat eine Lauflänge von 6 h 10 min. Gesprochen wird es von Jannik Schümann.
Intelligent aufgebauter "Soft-Thriller"
Beth is dead von Katie Bernet
Intelligent aufgebauter „Soft-Thriller“
„Beth is Dead“ ist der erste veröffentlichte Roman der US-amerikanischen Autorin Katie Bernet nach etlichen Absagen. Zum Glück hat sie nicht aufgegeben und es immer wieder versucht, denn dieses Buch ist bisher mein Highlight des Jahres.
Inspiriert von „Little Women“ von Louisa May Alcott aus dem 19.
Jahrhundert hat Bernet eine unglaublich dichte Story um eine Familie mit vier jugendlichen bzw. gerade erwachsenen Töchtern ersonnen. Wie im Original heißen sie Meg, Jo, Beth und Amy. Ob es darüber hinaus Parallelen gibt, kann ich nicht sagen, da ich die Vorlage nicht kenne. In der neuen Version ist der Vater Autor und hat einen Roman über seine Töchter veröffentlicht. Dabei ließ er Beth am Ende sterben. Und am Neujahrstag tritt genau dies auch in der Wirklichkeit ein. Beth ist tot.
Die Polizei, aber auch die überlebenden Schwestern versuchen herauszufinden, wer Beth ermordet hat. Dabei geraten sie selbst, ihr Vater, ihre Freunde und andere in Verdacht. Die Lesenden können hier sehr gut selbst miträtseln. Aber die Fakten werden nur ganz langsam nach und nach offenbart. Meg, Jo und Amy erzählen in eigenen Kapiteln über das Vorher und das Nachher. Beth kommt natürlich nur im Vorher zu Wort.
Die Dynamik innerhalb der Familie und auch innerhalb von Freundschaften außerhalb der Familie wird hier intensiv dargestellt. Einerseits besteht ein unerschütterlicher Zusammenhalt zwischen den Schwestern, doch hat jede auch ihre Geheimnisse, die sie nicht mit den anderen teilt. Jedes davon könnte theoretisch mit dem Mord an Beth zu tun haben. Falsche Fährten gibt es dadurch zuhauf. Praktisch in jedem Kapitel erwartet die Lesenden eine neue Wendung. Aber keine Sorge, man kann dem Ganzen sehr gut folgen.
Ich empfand die Figuren als hervorragend ausgearbeitet. Die Schwestern könnten kaum unterschiedlicher sein, was die Story so interessant macht. Mir fiel es leicht, mich in alle vier hineinzuversetzen. Obwohl Meg, Jo und Amy zum Teil egoistische Züge tragen, mochte ich sie sehr, denn Katie Bernet konnte mir vermitteln, dass sie in ihrem Innersten auch ganz viel Gutes verbergen.
Durch die häufigen Perspektiv- und Zeitwechsel, oft mit Cliffhanger, entsteht ein unglaublicher Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich diesen Thriller verschlungen. Ich fand ihn äußerst intelligent konstruiert, sodass man zwar mitermitteln kann, aber nicht zu früh auf den Täter gestoßen wird.
Spannender Jugend-Thriller mit sympathischer Protagonistin
Darkly von Marisha Pessl
Spannender Jugend-Thriller mit sympathischer Protagonistin
Die siebzehnjährige Dia verbringt ihre Zeit im verstaubten Antiquitätenladen der Familie in Eminence, Missouri. Ihre Mutter Gigi schwebt meist über allen Wolken und die beiden Angestellten Basil und Agatha, die schon längst im Rentenalter sind, dienen eigentlich auch nur der Dekoration, sodass Dia den Laden alleine schmeißt.
Als die Louisiana-Veda-Stiftung ein Praktikum auslobt, ergreift Dia die Chance und bewirbt sich, um endlich mal etwas anderes zu sehen. Schon lange ist sie Fan von Louisiana Veda, der Erfinderin mysteriöser und kaum zu lösender Brettspiele. Zusammen mit sechs anderen Jugendlichen wird sie auf eine Insel in England gebracht, wo sie in ein gefährliches Spiel auf Leben und Tod verwickelt werden.
Da ich von Marisha Pessl schon sehr gute Bücher gelesen habe, machte ich mich gespannt ans Lesen. Vom Schreibstil war ich auch gleich wieder ganz angetan. Er wirkt recht dynamisch und leicht zu lesen. Die Beschreibungen setzten mein Kopfkino in Gang, was ich immer sehr gerne mag. Auch die Protagonistin Dia fand ich von der ersten Seite an richtig klasse. Sie hat es nicht leicht mit ihrer Mutter und dem Laden, ohne Freund*innen. Trotzdem hat sie das Herz am rechten Fleck, ist immer tatkräftig und hoffnungsvoll. Gut, zwischendurch befallen sie kleine Zweifel, aber das macht sie ja nur umso menschlicher und liebenswürdiger. Ich habe auf jeden Fall das ganze Buch an ihrer Seite sehr genossen.
Sehr gelungen fand ich, dass die sieben Jugendlichen so unterschiedlich dargestellt werden. Jeder hat andere Fähigkeiten und Eigenschaften. Und alle haben natürlich auch ihre eigenen Geheimnisse, die im Lauf des Buches gelüftet werden. Hier gibt es manche Überraschung zu entdecken. Überhaupt gibt es einiges an Überraschungen - nicht nur bei den Jugendlichen. Was hinter diesem Praktikum steckt, bleibt lange Zeit im Dunkeln. Zeitweise erschien es mir sogar unlogisch, doch am Ende kriegt Marisha Pessl genial die Kurve und klärt alles logisch auf.
Die Handlung empfand ich als sehr spannend; ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Teilweise ist es ein wenig gruselig, auch ein bisschen brutal, aber nicht zu vergleichen mit einem Thriller für Erwachsene. Ich würde es allerdings erst für Jugendliche ab ca. 14 Jahren empfehlen. Ob Jüngere es lesen sollten, hängt natürlich vom jeweiligen Kind ab.
Fazit:
Eine klare Leseempfehlung für dieses spannende Jugendbuch mit außergewöhnlichem Plot und Setting und einer tollen sympathischen Protagonistin.
Eine Achterbahn der Gefühle
Palace of Ink & Illusions, Band 2: Die Nacht des Verrats (Knisternde Romantasy von SPIEGEL-Bestsellerautorin Sabine Schoder) von Sabine Schoder
Eine Achterbahnfahrt der Gefühle
Der zweite Band dieser Dilogie knüpft direkt an den ersten an. Diesen sollte man unbedingt vorher gelesen haben, um der Handlung folgen zu können. Zwar gibt es zu Beginn des Buches eine kurze Zusammenfassung „Was bisher geschah“ und am Ende des Buches eine Übersicht der beteiligten Charaktere, doch beides ist knapp gehalten und kann lediglich der Erinnerungsauffrischung dienen, nicht aber die vorangegangene Handlung ausreichend darstellen.
Dank der Zusammenfassung fiel es mir leicht, in die Handlung hineinzufinden. Der Veröffentlichungstermin von Band 1 ist ja zum Glück noch nicht so lange her.
Liv, Flame und die anderen Teilnehmer des Autorenwettbewerbs auf Korfu müssen sich weiteren Prüfungen der Musen stellen, und nach wie vor geht es um Leben oder Tod, denn nur ein einziger Sieger wird überleben. Dann wäre da noch die üble Prophezeiung der Muse Urania, die Liv das Leben schwermacht. Denn sie besagt, dass Flame Liv verraten und Liv Flame töten wird. Beides kaum vorstellbar, oder doch?
Die Liebe zwischen Liv und Flame entwickelt sich langsam, aber unglaublich rührend, was gar nicht so einfach ist, denn sie muss geheim bleiben. Die Regeln des Wettbewerbs erlauben keine romantische Liebe. Doch Erato, die Muse der Liebe, hat ein Einsehen mit den beiden und hilft, wo er kann, auf seine Weise.
Immer wieder überrascht uns Sabine Schoder mit unvorhersehbaren Wendungen, genialen Einfällen und spannenden Action-Szenen. Insgesamt empfand ich diesen Band als etwas schwerfälliger als Band 1, was aber kein Wunder ist, treibt die Handlung doch immer mehr auf eine finale Tragödie zu. Dabei kann man bis zum Schluss die Hoffnung haben, dass Liv und ihre Freund*innen es doch noch schaffen, die Jury auszutricksen. Band 1 war auch wesentlich humorvoller; Livs Manga kommt in Band 2 leider nicht so oft zu Wort. Seine frechen Dialoge fehlten mir hier ein wenig. Trotz allem konnte mich auch der finale Band gut unterhalten und hat mir einige spannende und emotionale Lesestunden beschert.
Die Dilogie:
1. Der Kuss der Muse
2. Die Nacht des Verrats
Enttäuschend
Doppelspiel von Arne Dahl; Jonas Moström
Enttäuschend
Ich habe von Arne Dahl und Jonas Moström bereits einige Bücher gelesen und für gut bis sehr gut befunden. Von diesem Gemeinschaftswerk hatte ich nun mindestens etwas ähnlich Gutes erwartet. Leider wurde ich herb enttäuscht.
Es beginnt zunächst ganz spannend mit dem Krimi-Autor Tom Borg, der nach seinem letzten Riesenerfolg eine schwere Schreibblockade hat.
Lediglich die erste Idee für das neue Buch ist in seinem Kopf bzw. Rechner: ein Mord in einem Jacuzzi. Als genau dies in der Wirklichkeit eintritt und Tom unmittelbarer Zeuge ist, wird es verquer. Obwohl Tom unschuldig ist, flieht er und wird von der Polizei gejagt. Das führt im weiteren Verlauf immer wieder zu spannenden Szenen. Im Großen und Ganzen ist die Handlung aber ziemlich abstrus und realitätsfern. Die Figuren sind absolut überzeichnet und unglaubwürdig oder klischeebehaftet. Während ich die ersten beiden Drittel dieses Kriminalromans noch einigermaßen genießen konnte, konnte mich das letzte Drittel mit der Auflösung überhaupt nicht überzeugen, da sie dermaßen an den Haaren herbeigezogen ist. Ich möchte gar nicht näher darauf eingehen, sonst müsste ich spoilern.
„Doppelspiel“ ist der Auftakt einer Trilogie. Die Handlung des 1. Bandes hat zwar einen Abschluss, der aber ziemlich unbefriedigend ist. Eventuell können es die Folgebände noch richten. Mir persönlich ist die Lust daran aber vergangen. Ich schwanke zwischen 2 und 3 Sternen, runde mal wohlwollend auf, da mich ein Teil des Buches doch gut unterhalten konnte.
Vermisste Frauen
Die Ärztin - Gefährlicher Besuch von Meike Dannenberg
Vermisste Frauen
Inhalt:
Die Gynäkologin Eva Mares ist allein zu Hause, als es eines Abends an ihrer Tür klingelt. Ein seltsames Paar bittet um Hilfe: eine junge Schwangere und ihr Vater. Eva versucht zu helfen, soweit es ihre Möglichkeiten zu Hause zulassen, bittet die beiden aber, am nächsten Tag zu ihr in die Klinik zu kommen.
Doch dort wartet sie vergebens. Stattdessen kommt es zu einem Einbruchsversuch und Eva findet einen versteckten Hilferuf.
Meine Meinung:
Dies ist der 2. Band der Reihe um die Bremer Gynäkologin Eva Mares. Ich kenne den 1. leider nicht, was sich jetzt gerächt hat. Denn es werden immer wieder die traumatisierenden Vorkommnisse aus Band 1 erwähnt, unter denen die Familie Mares immer noch zu leiden hat, ohne dass erzählt wird, was genau damals passiert ist. So fehlten mir dann doch einige Infos, mit denen ich die verschiedenen Personen noch besser verstanden hätte. Andererseits kann ich jetzt auch noch ohne Spoiler Band 1 lesen, wozu ich nach dieser Lektüre tatsächlich Lust hätte, denn das Buch hat mir recht gut gefallen.
Die Handlung ist komplex verschlungen und führt immer wieder in die Irre, ist in sich aber logisch aufgebaut. Überraschende Wendungen erhalten die Spannung, die reichlich vorhanden ist.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, aus der Sicht verschiedener Polizistinnen, aus der Sicht der Ärztin und aus der Sicht des Opfers. Dadurch erhält man einen umfassenden Einblick und kann alles gut nachvollziehen. Besonders gut hat mir gefallen, dass wir es nicht nur mit einer einzigen Ermittlerin zu tun haben, sondern mit mehreren, die zudem sehr menschlich und nicht übermäßig heldenhaft bzw. gestört wirken, wie das in heutigen Krimis oft der Fall ist. Die einzelnen Figuren fand ich ausreichend tief charakterisiert. Sie werden prägnant dargestellt, sodass man sie auch bei ähnlichem Hintergrund gut unterscheiden kann.
Der Schreibstil ist nicht besonders kompliziert, aber auch nicht zu einfach, ganz normale Sprache, die für jede*n gut zu lesen sein dürfte. Auch das Nachwort ist lesenswert und bietet Hilfe für Betroffene.
Die Reihe:
1. Gefährliche Nachtschicht
2. Gefährlicher Besuch
Triggerwarnung (bei Bedarf bitte rückwärts lesen):
TLAWEG EHCILSUÄH GNUGITLAWEGREV
Das Känguru ist zurück :-)
Die Känguru-Rebellion,6 Audio-CD von Marc-Uwe Kling
Das Känguru ist zurück :-)
Damals meinte das Känguru, es werde zurückkommen, wenn die Zeiten es erfordern. Oder so ähnlich. Nun, offensichtlich ist es jetzt so weit. Wenn man sich in der Welt so umguckt, kann einem angst und bange werden. Höchste Zeit, etwas dagegen zu tun. Rebellion! Wer macht mit?
Das Beuteltier und Marc-Uwe haben eine Wette laufen, wer die meisten Mit-Rebellierer gewinnen kann.
Dafür lassen sie sich einiges einfallen, und das ist so witzig wie eh und je. Man hat ja auch sonst kaum noch etwas zu lachen. Es ist aber auch hochpolitisch und aktuell. Hier werden einzelne Politiker verschiedener Parteien auf die Schippe genommen, die Parteienlandschaft in Deutschland und der ganzen Welt, die Klimakrise und vieles mehr. Geballter Wortwitz und ins Schwarze treffende Gesellschaftskritik reichen sich die Hand. Hier sitzt (fast) jedes Wort perfekt und konnte mich begeistern.
Da immer wieder auf Episoden aus den vorherigen Bänden angespielt wird, ist es von Vorteil, diese zu kennen. Es wird dadurch noch witziger. Andererseits braucht man aber keine Vorkenntnisse, um dieses Buch zu genießen.
Manche Bücher wirken vorgelesen noch intensiver und witziger als beim Selbstlesen. Die Bücher um das Känguru und den Kleinkünstler gehören definitiv dazu. Das Hörbuch wurde wie immer von Marc-Uwe Kling selbst eingesprochen und das genauso genial wie die Vorgänger. Es ist ungekürzt und hat eine Laufzeit von 6 h 27 min. Erschienen ist es im März 2026 bei Hörbuch Hamburg.











