Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gaby2707:
Ich möchte keinem Wildschwein begegnen
Die Rotte von Sabine Gronover
In einem Waldgebiet in den Klatenbergen bei Telgte findet ein Jäger eine junge Frau tot auf. Ist sie das Opfer einer Wildschweinrotte geworden, die sich hier herum treibt? Dann verschwindet eine andere Frau, bei der es sich bald herausstellt, dass die Tote ihre jüngere Schwester ist.
Kommissar Schmitt, der unter einer Tierphobie leidet und sein junger Kollege Dirk Kemper tun sich nicht leicht bei ihren Ermittlungen.
Schnell kristallisiert sich aber heraus, dass der Tod bzw. das Verschwinden der beiden Frau mit seinen Auswirkungen weit in die Vergangenheit und in ihr Leben in der DDR reicht.
Dies ist das erste Buch, das ich von Sabine Gronover gelesen habe. Aber ich werde mich nun mal näher mit der Autorin beschäftigen, die einen so lebendigen und mitreißenden Schreibstil hat, das ich ab der ersten Seite nicht mehr von dem Buch los gekommen bin.
Ich hätte nicht in Lutz Fröhlichs Haut stecken mögen, als er nach seinen drei Schüssen, die den Wildschweinen gegolten haben, eine Frauenleiche vor sich im Gehölz entdeckt.
Ich habe einiges über Wildschweine gelernt, was ich noch nicht wusste und bin froh, bisher keinem in der freien Natur begegnet zu sein.
Die Geschichte ist sehr abwechslungsreich, da nicht nur die beiden Ermittler versuchen den Fall zu lösen. Auch eine ambitionierte Krimiautorin schaltet sich ein und wittert einen spannenden Plot für ihr nächstes Buch. Leider bringt der Fall noch weitere Tote mit sich.
Ich tauche ein in die Vergangenheit der beiden Frauen, die in der DDR lebten. Die eine wurde als kleines Mädchen adoptiert, die andere ist jetzt schwer erkrankt. Die Zusammenhänge klären sich ganz langsam und ich bin erschüttert, was der einen Frau als Kind damals passiert ist.
Alles passt sich sehr gut in die Handlung ein und alle losen Fäden verbindenn sich schlussendlich zu einem nachvollziehbaren Strick.
Mich haben auch die Menschen, denen ich hier begegne sehr angesprochen. Sei es Kommissar Schmitt mit seiner Tierphobie, der es gerade im Wald in der Nähe der Wildschweine nicht leicht hat. Oder Dirk Kemper, der sich in seinem Job erst noch beweisen muss. Auch seine Freundin Ella finde ich eine sehr taffe junge Frau, die sich einsetzt. Oder die Nachbarin von Heidi Klostermann, Irina Winschinska, die sich rührend kümmert. Es gibt hier bis auf wenige Ausnahmen aus dem Umfeld der beiden Frauen keinen Menschen, mit dem ich nicht gerne befreundet wäre. Alle haben ihre Ecken und Kanten und vor allem ihre Vergangenheit, mit der es nicht immer leicht ist umzugehen.
Mir hat dieser Krimi richtig gut gefallen. Eine spannende Geschichte mit vielen Informationen und interessanten Menschen und ihren Hintergründen.
Ich hoffe, Schmitt und Kemper bald wiederzulesen.
Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte
Schniefi Schneemann von Anika Cordshagen
Es hat geschneit. Zusammen mit Papa und seinem jüngeren Bruder Oskar rollt Theo große Schneerollen zusammen und gemeinsam bauen sie einem Schneemann. Noch zwei Äste als Arme, eine Karotte als Nase, eine Mütze auf den Kopf, Knopfaugen und schon ist er fertig. Papa und Oskar sind schon wieder im Haus, da ist Theo total überrascht, als der Schneemann ihn anspricht.
Er heißt Jack und freut sich, dass er nun einen so tollen Freund wie Theo hat. Aber oh weh, am nächsten Tag beginnt es zu tauen und Jack, den Theo und seine Freunde Milan und Henri wegen seiner Schnupfennase nun Schniefi nennen, ist krank. Die Jungs versuchen alles um ihren neuen Freund wieder gesund zu bekommen. Ob sie das schaffen werden?
Anika Cordshagen hat mit diesem Buch eine so wunderschöne Weihnachtsgeschichte über einen Jungen, Theo, und seine Freunde geschrieben, die alles dafür tun um ihren Freund den Schneemann Jack zu retten.
Der Schreibstil ist angenehm leicht und für die Kinder der Altersgruppe von 5 – 8 Jahren genau richtig. Da die Geschichte in einzelne Tage unterteilt ist, kann man sie auch gut als Gute-Nacht-Geschichte an verschiedenen Abenden vorlesen oder die älteren Kindern lesen selbst. Was bei den großen Buchstaben nicht schwer sein sollte.
Dazu gibt es verschiedene Illustrationen, die nur skizziert sind und die wir nun nach unserem Belieben ausmalen werden. Da können sich die Kinder nach dem Zuhören auch noch kreativ betätigen.
Ein tolles Buch, das mit seinen verschiedenen Einfällen und Ideen zur Rettung des Schneemannes nicht nur den Kindern gefallen, sondern auch mir Spaß gemacht hat es vorzulesen.
Winterfeeling auf der Insel Norderney
Wellenwinter von Lotte Römer
Maria Ablinger, 25, ist geschockt. Ihren Lebenspartner Chris, der sie vor Jahren von der Insel Murano, wo sie als Glasbläserin gearbeitet hatte, zurück in den Chiemgau geholt hat, erwischt sie in Flagranti mit einer Frau aus seinem Sportverein. Dann stirbt auch noch ihr geliebter schokobrauner Labrador King Lui, der sie all die Jahre treu begleitet hat.
Sie nimmt den Kontakt zu ihrer Mutter, der nach dem Tod des Vaters und ihrem Umzug nach Norderney abgerissen war, wieder auf. Hier trifft sie zum einen eine alte Dame, die in ihrer kleinen Glasbläserei wunderschöne Kugeln bläst. Zum anderen geht sie auf die Suche nach einer Liebesromanautorin, deren Bücher sie alle verschlungen hat und die auf Norderney leben soll…
Jetzt weiß ich auch warum ich dieses Buch erst jetzt aus meinem SuB befreit habe. Gleich auf den ersten Seiten werde ich in ein winterliches Flair hinein gezogen, genau so, wie es gerade vor meiner Haustür ist. Weiß, kalt, vorweihnachtlich. Besser geht’s doch nicht.
Lotte Römer nimmt mich mit in das Leben von Marie, die auf Norderney Abstand von ihrem bisherigen Leben gewinnen will. Ich kann ihre Aufbruchsstimmung direkt spüren, als das Fährschiff Frisia an der Längsseite von Norderney vorbei fährt und sie ihren Koffer im Hafen von Bord trägt. Für sie, die aus dem bergigen Chiemgau auf die flache Insel kommt, ist hier alles neu. Ihr Erstaunen, dass es ihr hier doch nach ein paar Tagen sehr gut gefällt, bringt die Autorin sehr gut rüber. Genau wie das vorweihnachtliche Flair, die Kälte am Strand mit dem Schnee, der hier absolut nicht üblich ist. Mich hat´s selbst gefroren, als ich von den Menschen gelesen habe, die am 1. Januar in Badekleidung in die Nordsee laufen, aber auch ganz schnell wieder zurück. Da wäre ich definitiv nur als Zuschauer dabei, genau wie Marie. Ich tauche ein in das Funkeln der Lichter des Marktes, der hier erst nach Weihnachten aufgebaut wird und bei dem ich absolute Genussmomente mit Kaffee und leckerem Kuchen erlebe.
Auch die Menschen, die ich hier kennenlerne, haben ihren ganz eigenen Charme. Ob es der anfangs etwas bärbeißige Arne Jakobsen ist, seine Tante, die Glasbläserin Deetje oder sein Onkel Eick, der Marie auf die Spuren der von ihr gesuchten Schriftstellerin schickt. Ich habe sie alle schnell ins Herz geschlossen. Genau wie Maries Mutter Edeltraud, die Marie hier von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Norderney erscheint mir wie ein großes Dorf, in dem fast jeder jeden kennt.
Trotz der sehr vorhersehbaren Liebesgeschichte habe ich die Lektüre genossen. Ich bin mit Vergangenheitsbewältigung beschäftigt, genau so wie mit der Planung von z.B. Maries Zukunft und der der alten Frau Deetje. Und ich liebe die herzigen Szenen mit Labradorhündin Smilla und ihren Welpen, die bei Arne im Haus leben. Einfach lebensnah und lebensecht. Einfach nur schön.
Ein einfühlsamer, sehr unterhaltsamer Roman aus der Feder von Lotte Römer, die ab sofort einen Platz auf meiner Autorinnenliste bekommt und von der ich mehr lesen möchte.
„Die Brücke ist schuld...“
Die Brücke der Ewigkeit von Wolf Hector
Nachdem ich Prag, die "Stadt der hundert Türme", schon mehrere Mal besucht habe und schon einige Male über die Moldau marschiert bin, musste ich das Buch über die Entstehung der Karlsbrücke einfach lesen. Allein das Cover mit der Stadtansicht macht schon Lust auf das Buch.
Im Jahr 1342 in Prag, da ist Jan Otlin gerade mal 12 Jahre alt, halten die Brückenpfeiler der über die Moldau gespannten Judithbrücke dem Treibgut und den Eisschollen eines Unwetter nicht stand.
Seine Mutter, die einen Ziegendieb verfolgt und er selbst, kommen fast in den Fluten um. In seiner Not verspricht er Gott eine neue Brücke zu bauen, wenn er und seine Mutter gerettet werden. Jahre später bietet sich ihm die Gelegenheit, sein Versprechen einzulösen. Aber er ist nicht der Einzige, der diese Brücke bauen will.
Gleich, wenn ich das Buch aufschlage, sehe ich einen Lageplan von Prag aus dem Jahr 1400. Somit kann ich mich orientieren, wenn Jan z.B. von der Kleinseite der Stadt spricht. Was mir auch sehr zusagt, sind das anschließende Personenregister und eine Zeittafel ab dem Jahr 1316. Abgerundet wird das Ganze mit einem Glossar am Ende des Buches.
Mit dem Ende beginnt dann auch die Geschichte um Jan Otlin und seiner kleinen Familie, der hier zusammen mit Rudolph von Straßburg, ebenfalls Steinmetz wie Jan, die Hauptrolle spielen. Er erzählt seine Lebensgeschichte seinem „Schwiegervater“.
Durch die bildhafte und sprachgewaltige Erzählweise des Autors Wolf Hector (ich bin bis jetzt nicht dahinter gekommen, wessen Pseudonym das ist) war ich ab den ersten Seiten an das Buch gefesselt. Lange hat mich ein historischer Roman nicht mehr so in Atem gehalten. Es passiert so viel und alles so schnell, ist teilweise spannend wie ein Krimi, dass es schwer war, mal eine Lesepause einzulegen. Mein Kopfkino hatte mit der Verarbeitung der Geschichte wirklich sehr viel zu tun.
Die Personen, die ich hier kennenlerne, sind teils fiktiv, teils haben sie wirklich gelebt. Jan Otlin und den kleinen Max bzw. Maria-Magdalena habe ich schnell ins Herz geschlossen. Die Heilerin und Sterndeuterin Ricarda Scorpio finde ich eine sehr interessante Persönlichkeit. Genau so wie Militsch, ein Freund aus Kinder- und Jugendtagen von Jan, der sich zum Asketen und Prediger gewandelt hat oder Rübelrap, Ricardas Sekretär, Kutscher, Beichtvater und vieles mehr mit seiner Maultrommel. Aber auch die anderen Personen haben ihre ganz eigenen Wesenszüge, mit denen sie untereinander sehr gut zu unterscheiden sind.
Durch die sehr detaillierten Beschreibungen der Kleidung und der damaligen Lebensumstände der verschiedenen Personengruppen war ich schnell mittendrin im Geschehen. Ich habe mich als Mäuschen ab dem Jahr 1342 an Jans Fersen geheftet um ja nichts zu verpassen. Und es hat sich absolut gelohnt.
Eine, wie ich finde, sehr gut recherchierte Geschichte mit interessanten Personen und Persönlichkeiten in einer Stadt, die ich sehr mag. Ein absolut gelungener historischer Roman zu dem ich gerne meine Leseempfehlung ausspreche.
Nichts ist wie es scheint
Die Täuschung von Astrid Korten
Als Viktor Adams, der als der Illusionist Horus internationale Bekanntheit und Erfolg erlangt, nach einer Zahnwurzelbehandlung mit Lachgas in die falsche Straßenbahn einsteigt, beginnen seine Albträume und sein Leben nimmt eine dramatische Wendung. Bei einer Show verschwindet seine Assistentin Julia Willow – und taucht nicht wieder auf.
Inspektor Percy Banks von der Kripo Canterbury verdächtigt Viktor mit ihrem Verschwinden in Verbindung zu stehen. Viktor aber treibt nur ein Gedanke um: wo ist Julia, was ist mit ihr geschehen, wie konnte sie seine so genial ausgetüftelte Illusion überlisten?
Der Autorin Astrid Korten ist auch diesmal ein so packender und aufregender Thriller gelungen, der mich ab der ersten Seite fasziniert hat. Daran ist nicht allein das Thema schuld. Klar, Zauberei und Illusionen fesseln auch mich. Hier aber ist es auch der Mensch, der Mann Viktor Adams, der hinter diesen Shows steckt, für dessen Leben ich mich interessiere.
Schon früh interessiert sich Victor Adams für Zauberei und Illusionen. Noah, der Bruder seines Vaters, unterstützt ihn dabei, wo er kann. Mit 18 Jahren, nach langjährigem Üben, nimmt er das erste Mal an den britischen Magiermeisterschaften teil und überzeugt mit seinem Können. Während dieser Zeit, in der er ohne Freunde lebt, nur für seinen Traum arbeitet um berühmt zu werden, scheint er sich selbst zu vergessen und zu verlieren. Seinen Werdegang, sein Leben, wie es die Autorin darstellt und sein „erwachen“ finde ich so mitreißend, dass es mir sehr schwer gefallen ist, das Buch doch immer wieder mal zur Seite zu legen.
Astrid Korten hat einen so großartigen Schreib- und Erzählstil und dirigiert mich locker und leicht durch das Leben der Protagonisten in der Glamourwelt der Illusionen. Sie führt mich mit ihren sprachlichen Finessen und ihren ausgeklügelten Fantasien mal wieder gehörig an der Nase herum. Lange hatte ich keine Ahnung, was mit Julia passiert sein könnte. Meine Vermutungen wurden immer schnell widerlegt. Und am Schluss war ich von dem tatsächlichen Geschehen doch sehr überrascht. Aber alles wurde schlüssig aufgeklärt und es hat mir auch sehr gut gefallen, dass „die Täuschung“ ein so lebensbejahendes Ende gefunden hat.
Der Thriller lebt aber nicht nur von den Zaubereien und Illusionen oder vom Verschwinden von Julia. Auch die verschiedenen Personen, Viktors Vater John, seine Mutter Ann, sein Onkel Noah, die ich hier kennenlerne, mit ihren markanten Persönlichkeiten tragen einen Großteil zur Spannung in diesem Thriller bei.
Ein Psychothriller der ganz besonderen Art, der mich sehr gut unterhalten und absolut begeistert hat.
Spannend, brutal, fesselnd und unterhaltsam
606 von Candice Fox
Es sollte ein so entspannter Tag beim jährlichen Softballspiel zwischen Wärtern und Gefangenen im Hochsicherheitsgefängnis Pronghorn mitten in der Wüste Nevada werden. Doch dann erhält Gefängnisdirektorin Grace Slater einen Anruf, der im ganzen Gefängnis aus den Lautsprechern schallt. Sie soll alle Gefangenen freilassen.
Innerhalb eines 4 Minuten Ultimatums. Sonst sterben die zwölf Frauen, acht Männer und vierzehn Kinder, alles Angehörige der Wärter*innen in dem Bus, der nach Schüssen quer zur Straße steht und den man aus den vergitterten Fenstern des Gefängnisses sehen kann. So schnell kann Grace gar nicht reagieren, wie die Wärter die Tore und Schleusen öffnen und 606 Gefangene in die Wüste Nevadas unterwegs sind. Nur Willy Henderson, der für die Ermordung seiner Frau eingesessen ist und in den nächsten Tagen entlassen werden soll, bleibt zurück.
Marshal Trinity Parker ist schnell vor Ort und koordiniert und leitet den Einsatz. Captain Celine Osbourne, die den Todestrakt leitet, will sofort hinter John Kradle her, der behauptet an der Ermordung seiner Ehefrau Christine, seines Sohnes Mason und seiner Schwägerin Audrey unschuldig zu sein. Wird er in Freiheit seine Unschuld beweisen können?
Boah, was für ein Thriller. Hier lerne ich einen großen Teil des Abschaums, der sich in Pronghorn tummelt, kennen. Ob es um den Neonazi und Terrorist Burke David Schmitz geht, der schon ein weiteres Massaker plant. Um Raimond Ackermann „Old Axe“, 77, der seit 42 Jahren hinter den verschiedensten Gittern sitzt. Um den Terroristen Abdul Hamsi oder Homer Carrington, der durch mehrere Morde in verschiedenen Staaten unter dem Namen „der Würger von North Nevada“ bekannt wurde. Oder eben um John Kradle, der hier seine Chance sieht, seine Unschuld nach den vielen Jahren doch noch zu beweisen. Die meisten sind unsympathische, brutale und gewalttätige Typen, die mich aber doch irgendwie fasziniert haben (musste ihnen ja auch nicht gegenüber stehen). Die meisten der „Entlassenen“ können innerhalb weniger Tage auf dem Weg nach Las Vegas in der Wüse wieder eingefangen werden. Aber einige haben es doch fast geschafft und Marshal Parker, Grace Slater, Captain Celine Osbourne und ihr (Ex-)Partner Walter Keeper „4KEEPZ“, das Chamäleon, die neben den vielen Polizisten ebenfalls auf Verbrecherjagd gehen, machen ihren Job, wie ich finde, richtig gut. Wenn auch nicht immer korrekt oder auf legalem Weg.
In Rückblicken ab dem Jahr 1999 tauche ich immer wieder ein in die Geschehnisse rund um John Kradle aus dieser Zeit, der sich mit der Zeit meine Sympathien doch noch erschlichen hat und den ich gerade zum Schluss der Geschichte fast bewundere. Warum? Das solltet ihr beim Lesen selbst heraus finden.
Candice Fox hat einen so fesselnden und atemberaubenden Schreib- und Erzählstil, der mir kaum die Gelegenheit gegeben hat, das Buch aus der Hand zu legen. Sie schafft es, dass ich den Gestank nach Verzweiflung und Tod, nach Tabak und dem Qualm eines Lötkolbens im Gefängnis beim Lesen in der Nase habe. Sie pflanzt mir aber auch grausame Bilder in den Kopf, die ich schnell wieder loswerden wollte.
Alles in allem keine leichte Kost, aber für mich und alle die Thriller lieben wunderbar spannende Unterhaltung der etwas härteren Art. Wenn auch an manchen Stellen etwas unrealistisch, genau richtig für die kommenden kalten Dezembertage und -abende. Ich empfehle das Buch gerne weiter.
Ein prickelnder, romantischer Adventskalender
December Dreams. Ein Adventskalender von Benkau Jennifer; Falk Alana; Grauer Sandra; Hasse Stefanie; Iosivoni Bianca; Jager Jennifer Alice; Lasthaus Stefanie; Leuze Julie; Licht Kira; Ocker Kim Nina; Schaefers Marnie; Siegmann Claudia; Snow
Ich liebe es die Adventszeit mit weihnachtlichen Büchern zu verbringen. Daher habe ich mich riesig gefreut, als ich diesen „Adventskalender mit 14 romantischen Weihnachtsgeschichten, aufgeteilt auf 24 Tage und eine zusätzliche Geschichte für den Silvesterabend gewonnen habe. Natürlich konnte ich mich nicht zurückhalten und habe die Geschichten schon jetzt gelesen.
Im vorderen Klappenumschlag bekomme ich jede Autorin im Angesicht in Anhängerformat und dem Datum, zu welchem sie ihre Geschichte geschrieben hat.
In "December Dreams" beginnt Stefanie Hasse mit ihrer Geschichte, die auf den 1. + 2. Dezember aufgeteilt ist. Ihr folgen Claudia Siegmann mit dem 3. + 4.12., Julia K. Stein mit dem 5. + 6., Bianca Iosivoni mit dem 7., Jennifer Benkau mit dem 8. + 9., Marnie Schaefers mit dem 10. + 11., Jennifer Alice Jager mit dem 12. + 13., Stella Tack mit dem 14. + 15., Julie Leuze mit dem 16., Kira Licht mit dem 17. + 18., Stefanie Lasthaus mit dem 19. Am 20. + 21. schreibt Alana Falk; am 22. + 23. ist Sandra Grauer dran; Kim Nina Ocker liefert ihre Geschichte am 24.12. Und für den letzten Tag des Jahres, den 31.12. hat Rose Snow ihre Geschichte für mich aufgeschrieben. Die meisten der Autorinnen waren mir bisher unbekannt und ich habe es genossen, sie hier mit ihren kleinen Geschichten kennenzulernen. Von der ein oder anderen möchte ich auch gerne noch mehr lesen.
Ich darf fast täglich eine neue in sich abgeschlossene Geschichte lesen, lerne immer neue Protagonisten kennen, tauche ein in ihre sehr unterschiedlichen Geschichten, die direkt oder indirekt mit dem Weihnachtsfest oder der Weihnachtszeit zusammenhängen. Ich erlebe total romantische Stunden in den unterschiedlichsten Ambienten oder Örtlichkeiten. So darf ich z.B. nach New York reisen. Es wird turbulent, leidenschaftlich, geheimnisvoll, verträumt, etwas verspielt, mystisch und besinnlich.
Nachdem das Silvesterfeuerwerk der letzten Kurzgeschichte verklungen ist, stellen sich die Autor*innen nochmal etwas ausführlicher und mit ihren anderen Büchern vor.
Da „The Magic of Christmas never ends“, erfahre ich ganz zum Schluss auf der hinteren Klappe, dass es einen weiteren Adventskalender im kommenden Jahr 2022 geben wird.
Mir hat dieser romantische Adventskalender mit seiner Spannung, seinem Humor und der vielen Liebe, die die kleinen Lovestorys ausstrahlen sehr gut gefallen. Einfach zum dahinschmelzen in der Vorweihnachtszeit, während es draußen gerade usselig und kalt ist.
Ich hatte etwas anderes erwartet
Die Schönheit des Himmels von Sarah Biasini
Da ich Sarah Biasini, die heute schon erwachsene Tochter von Romy Schneider und selbst schon Mutter, in einigen TV-Talkshows gesehen und gehört habe, wollte ich das Buch, über das dort gesprochen wurde, unbedingt lesen. Doch leider hat es für mich nicht das gehalten, was ich mir davon versprochen hatte.
Sarah Biasini schreibt ihre ersten Texte über Schwangerschaft und vor allem die Suche nach dem was ihre eigene Mutter für sie war, an ihre ungeborene Tochter. Sie sucht nach Gerüchen, nach Geräuschen und nach Gefühlen, die sie ihrer verstorbenen Mutter wieder näher bringen sollen. Dadurch verliert sie in meinen Augen immer wieder den Bezug zu ihrer eigenen Tochter. Sehr schön finde ich, wie sie zum Sohn ihres Lebensgefährten steht und hier ihre Stiefmutterschaft beschreibt. Auch wie sie das Glück ihrer eigenen späten Mutterschaft darlegt, gefällt mir sehr gut.
Der Einstieg, die ersten Seiten des Buches, haben mich berührt und ergriffen. Sarah Biasini öffnet sich dem Leser, wirkt verletzlich, teilt sehr intime Augenblicke und ich hatte immer das Gefühl sie beschützen zu müssen. Aber dann geht es los mit dauernden Zeitsprüngen, dauernden Szenenwechseln und ich habe mich immer wieder gefragt „was will sie mir (oder ihrem Kind) damit sagen“. Ich hatte Verstehens- bzw. Verständnisprobleme, was vielleicht an der Übersetzung liegen kann? Ich habe ganze Passagen als sehr holprig, abgehackt und unausgegoren empfunden.
Ihre Gefühle, Emotionen und vor allem ihren Umgang mit dem Tod kann ich oft nicht nachvollziehen, finde diese Gedanken schon erschreckend. Ich finde es verwirrend, wenn ich mir vorstelle, das dieses Buch für ihre Tochter sein soll, was es bei ihr auslöst und wie die empfindet, wenn sie es liest.
Ein sehr persönliches, streckenweise beklemmendes Buch, das mich leider nicht überzeugen konnte.
SAMi – Dein Lesebär! liest selbständig vor
Ravensburger 00096 - SAMi, dein Lesebär, Starter-Set - Der größte Schatz der Welt, für Kinder ab 3 Jahren von Schütze Andrea
SAMi – Dein Lesebär! mit dem Buch „Der größte Schatz der Welt“ von Andrea Schütze mit wundervollen Illustrationen von Joëlle Tourlonias ist da. Und ich bin ziemlich begeistert.
In der Verpackung, die sehr großzügig ausfällt, heißt: hier kann man verpackungsmäßig noch einiges einsparen, ist die Anleitung mit dabei.
Die Handhabung ist relativ einfach: Ich kann mich schnell und einfach mit meinem WLAN-Namen und meinem Passwort übers Handy registrieren. Genau so gut kann ich SAMi auch offline anschalten, brauche aber dazu meinen Laptop bzw. PC. Dazu ist ein Kabel in der Packung mit dabei, das ich am PC anstecke, was gleichzeiig auch das Ladekabel mit USB-Anschluss ist. Für den PC ist das absolut okay. Für die normale Steckdose hätte ich mir ein zusätzliches Netzteil gewünscht. Ich denke, der Akku wird eine zeitlang halten, da sich SAMi ja selbst ausschaltet, wenn er nicht genutzt wird.
Zur Inbetriebnahme von SAMi stecke ich das Buch einfach mit den Schollen, auf denen der kleine Eisbär steht hinten oben ins Buch, wo diese eingezeichnet sind. Dann liest SAMi genau die Geschichte vor, wie sie im Buch steht, Seite für Seite. Eine weibliche Stimme liest die Geschichte vor. Alle Protagonisten (der kleine Affe Mono, Mama Affe, der Spitzmaulfrosch, die Schlange usw.) haben ihre „eigenen“ Stimmen, so dass jede Figur einen anderen Stimmklang hat. Dazu gibt es passende Geräusche und Musikuntermalung. Damit fühlt man sich mittendrin im Dschungel. Finde ich sehr gut gemacht und gefällt bestimmt auch den Kindern. Ich denke, dass auch schon 3-jährige, ab dem Alter ist das Buch angegeben, merken, wenn die Seite zuende ist und dann selbständig umblättern. Zum Schluss gibt es noch ein SAMi-Lesebär-Lied, bei dem man mitsingen kann.
Das qualitativ hochwertige Buch kann man natürlich auch ohne SAMi lesen und sich die wunderschönen detailreichen Illustrationen anschauen auf denen es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Durch die Dschungelatmosphäre finde ich persönlich das Buch etwas dunkel und düster geraten. Dadurch kommt die schwarze Schrift an manchen Stellen schlecht durch. Also für Leseanfänger nur bedingt zu empfehlen.
Und darum geht es in beiliegendem Buch:
Der kleine Affe Mono möchte seiner Mama eine Freude machen und macht sich auf die Suche nach einem Schatz. Durch die Tiere, die er auf seiner Reise trifft, erfährt er, dass es ganz unterschiedliche Arten von Schätzen gibt, die nicht immer mit Geld zu bezahlen sind.
Diese Grundaussage der Geschichte gefällt mir persönlich sehr gut.
Man kann die Kleinen sehr gut alleine vor SAMi-Lesebär hinsetzen und SAMi vorlesen lassen. Ich als Oma zweier kleiner Jungs werde es mir aber auch weiterhin nicht nehmen lassen, die Geschichten so lange es noch geht selbst vorzulesen. Trotzdem finde ich SAMi-Lesebär absolut empfehlenswert.
Der Beginn einer interessanten Familien-Saga
Dallmayr. Der Traum vom schönen Leben von Lisa Graf
Wie oft gehe ich, wenn ich eine besondere Delikatesse oder Spezialität suche, in der Münchner Innenstadt in die Dienerstraße zu Dallmayr. Nun hat sich die Autorin Lisa Graf den Eigentümern des Traditionshauses, der Familie Anton und Therese Randlkofer angenommen und über sie, ihre Kinder und ihre Bediensteten dieses Buch geschrieben.
Im Jahr 1897, da ist Anton Randlkofer 57 Jahre und seine Frau Therese 49 Jahre alt, lerne ich sie, die ganze Familie und viele der Angestellten aus dem Delikatessengeschäft an der Dienerstraße kennen. Anton ist da schon schwer herzkrank und verstirbt am Faschingssamstag, den 27. Februar 1897. In einem Brief hinterlässt er Therese ein streng gehütetes Geheimnis und ein schweres Erbe.
Ich habe es so genossen mit Therese, den Kindern Hermann, Elsa und Paul oder Lilly und Ludwig Loibl durch das München der letzten Jahre des 19. Jahrhunderts zu streifen. Ich erkenne viele Bauwerke, die es damals schon gab wieder. Ich kann mir so gut vorstellen, wie Therese und die ganze Belegschaft auf die ersten Bananen aus La Palma wartet, die in München exklusiv bei Dallmayr angeboten werden sollen. Ich bin mit Hermann auf seine allererste Auslandsreise auf die Kanaren gegangen, wo er nicht nur Bananen, sondern auch seine große Liebe Sonia findet. Ich bin dabei, als Balbina und Ludwig das erste mal ins Residenztheater gehen, sitze mit Elsa und Sigmund Rainer auf der Galerie des Tambosi und fahre mit Therese zur Erholung zu ihrem Freund Michael von Poschinger nach Frauenau in den Bayerischen Wald.
Mir gefällt die weitreichende Sichtweise von Therese, für die damalige Zeit eine bemerkenswerte Geschäftsfrau, die immer nach vorne schaut; die immer selbst mit anpackt; die immer auf außergewöhnliche Qualität und Frische der Lebensmittel setzt und so die große weite kulinarische Welt ins Dallmayr holt; die genau weiß, was sie ihrer Kundschaft anbieten muss um sie ans Haus Dallmayr zu fesseln und die heute schon ahnt, dass z.B. Berg-am-Laim und Trudering bald eingemeindet werden.
Die hier in kursiv abgedruckten Briefe von Anton an seine Therese, von Hermann an seine Familie oder an Sonia, die Briefe von Therese an Balbinas Mutter oder von Julia von Vollmar-Kjellberg an Lilly vermitteln sehr gut die Verbundenheit der einzelnen Menschen untereinander und machen mein Bild von ihnen noch klarer. Klasse finde ich die Reaktion von Georg Carl Joseph Heinrich Ritter von Vollmar, dem Vormund von Lilly und Ludwig Loibl, auf eine „Zeitungsente“ zu seinem Tod. Der Mann hatte wirklich Humor.
Überhaupt finde ich alle Personen hier sehr gut eingeführt und sehr gut vorstellbar. Wegen der vielen Personen, die ich hier kennenlerne, hätte ich mir ein Personenverzeichnis gewünscht, bei dem die Zusammengehörigkeiten, wie vielleicht in einem Stammbaum, erklärt werden.
Lisa Graf hat einen so mitreißenden Erzählstil, den sie dem Wortschatz des 19. Jahrhunderts so gut angepasst hat, dass ich mich sofort um 125 Jahre zurück versetzt gefühlt habe. Ich habe mich inmitten der Familie Randlkofer sofort wohl gefühlt. Die sind aber auch alle so liebenswert und sympathisch mit ihren kleinen Eigenheiten und Macken. Bis vielleicht auf Max, den Bruder von Anton, den ich bis hierher immer noch nicht mag.
Eine tolle erste Geschichte über die ersten Jahre der „allein regierenden“ Therese Randlkofer über das Aufsteigen der Dallmayr-Dynastie. Nach der kurzen Leseprobe freue ich mich jetzt schon auf Band 2 der Familien-Saga.











