Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von gaby2707:

Eine aussergewöhnliche Familiengeschichte

Als wir im Schnee Blumen pflückten von Tina Harnesk

Die Samin Máriddja Rijá lebt mit ihrem dementen Mann Biera zurückgezogen auf dem Hof seiner Eltern in der Nähe des Dorfes Guovddo im Norden Schwedens. Da Bieres Schwester Risten nicht in der Lage war, sich um ihren Sohn Heaika-Joná zu kümmern, übernahmen Máriddja und Biera diese Aufgabe. Bis Risten eines Tages samt ihrem vierjährigen Sohn verschwand und der Kontakt abriss.

Als Máriddja von Onkologin Dr. Runa Skruvlenius die Schockdiagnose Krebs bekommt, hat sie nur noch ein Ziel – sie will ihren Neffen finden. Unterstützt wird sie dabei von der KI-Telefonstimme „Siri“.
Kaj und seine Verlobte Mimmi kehren der Stadt den Rücken zu und kaufen in Guovddo ein Haus. Beide haben als Ärzte einen Job in der Gesundheitszentrale angenommen. Als Kaj im Nachlass seiner Mutter Laura eine Sammlung scheinbar unbenutzter Handwerksmesser findet, kann er sich zuerst keinen Reim darauf machen. Nach und nach ergeben viele kleine Puzzleteilchen dann ein großes Ganzes und der Durchblick zu seiner Kindheit gelingt.

Ich habe gerade erst zwei Geschichten aus dem hohen Norden gelesen und mein Herz an diese teils unwirtiche, aber auch wunderschöne samische Landschaft verloren. Daher habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Und schon mal vorweg – ich wurde nicht enttäuscht.
Mir hat schon der Schutzumschlag des Buches sehr gut gefallen. Als ich den abgenommen habe, kommt das Buch mit einem ebenso sehenswerten Einband daher. Wirklich sehr schön gestaltet.
Gleich mit der ersten Geschichte im Prolog vom Rinderhirten und der Háldin, die Biera dem kleinen Jungen erzählt, finde ich mich im hohen Norden wieder.
Tina Harnesk arbeitet mit wundervollen Vergleichen, womit sie mich noch mehr in die jeweilige Situation hinein zieht und ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sich die angesprochenen Menschen gerade fühlen.
An die dauernden Perspektiv- und Zeitenwechsel habe ich mich erst gewöhnen müssen. Dadurch wird die Geschichte aber auch sehr lebendig, spannend und interessant und wartet auch noch mit einigen humorvollen Szenen auf. Gerade die Gespräche mit Siri finde ich zum Teil sehr witzig. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich verstanden habe, wie die einzelnen Erzählstränge zusammen gehören. Dann aber haben sie sich immer weiter angenähert und ein komplettes Ganzes ergeben.
Die kulturellen und historischen Einblicke in das Land im hohen Norden gefallen mir sehr gut. Überhaupt greift die Geschichte viele einzelne Themen auf um diese zu einer absolut lesenswerten Lektüre zu verbinden.

Ein sehr warmherziger, gefühlvoller Roman mit einer Prise Humor, der mir einige wundervolle Lesestunden geschenkt hat und den ich gerne weiter empfehle.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Eine so berührende und unfassbare Geschichte

Im Namen der Barmherzigkeit von Hera Lind

Im Hospital der Barmherzigen Schwestern in Wien kommt am 1. Juli 1972 ein kleines Mädchen zur Welt. Von ihrer Mutter ungewollt, kommt die kleine Steffi Dreier ins Zentrale Kinderheim in Wien. Am 2. November 1975 kommt sie als Pflegekind nach Rennau in der Steiermark auf den Hof der Familie Kellerknecht.

Steffi ist nicht das erste Pflegekind der Familie, die zu jedem eigenen noch eines im Namen der Barmherzigkeit aus dem Heim aufnimmt.
Was allein Steffi hier Schreckliches erlebt, wie sie ausgenutzt und gedemütigt wird, wie ihr Körper und ihre Seele missbraucht und traumatisiert werden, das lest ihr in dieser, wie ich finde, hervorragend geschriebenen Geschichte von Hera Lind. Allein die Nachworte der Autorin, von Steffi und ihrer Psychotherapeutin und Ärztin Karin Winkler sind so berührend, dass man das Buch unbedingt lesen sollte. Karin ist übrigens die Frau, die der kleinen Steffi als Praktikantin auf die Welt geholfen hat.

Der neue Tatsachenroman von Hera Lind „Im Namen der Barmherzigkeit“ greift diesmal ein Thema auf, an das sie sich bisher nicht herangewagt hat. Die Kinder, die hier einer Bauernfamilie in Obhut gegeben werden, werden wie Sklaven oder Leibeigene behandelt. Während die eigenen Kinder verhätschelt werden, gutes Essen, neue Kleidung und Schuhe bekommen und zur Schule gehen, lernen und mal was besseres werden sollen, müssen die Pflegekinder im Stall und auf dem Feld arbeiten bis zum umfallen. Großteils ohne Schuhe – weil, das härtet ab.
Für mich war es beim Lesen immer wieder unvorstellbar, wie man ein kleines Wesen, oder auch die älteren Pflegekinder, die einem anvertraut sind, so abscheulich, mies und empathielos behandeln kann. Immer nur auf den eigenen Vorteil und den Vorteil der eigenen „echten“ Kinder bedacht. Es ist bewundernswert, wie aus Steffi trotz all der Niederträchtigkeiten und Hindernisse, die sie auch später in ihrem Leben noch zu überwinden hatte, eine Frau wurde, die ihr Leben mit der Unterstützung von ihr wohl gesinnter Menschen jetzt im Griff hat.
Hera Lind ist es mit ihrem gewohnt flüssigen und mitreißenden Erzählstil schnell gelungen mich mitten in die Geschichte und auf den Bauernhof der Familie Kellerknecht zu ziehen. Die Menschen, die ich hier kennenlerne, finde ich sehr treffend, vorstellbar und plastisch charakterisiert. Sie erzählt so fesselnd und bildhaft, dass ich es kaum geschafft habe, das Buch aus der Hand zu legen. Was ich hier zu lesen bekomme, jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken und manche Träne in die Augen, macht mich sprach- und fassungslos. Ich finde es unbegreiflich, wie die Mitarbeiterin des Jugendamtes hier immer wieder weggeschaut und die Kinder ihrem Schicksal überlassen hat. Und das alles für einen Fresskorb voller Genussartikel vom Bauernhof. Für mich einfach unfassbar.

Ein weiterer gefühlvoller, einfühlsamer, sehr emotionaler Roman einer Autorin, die gerade solche Themen perfekt umzusetzen weiß. Der mich stark betroffen gemacht hat. Der hoffentlich aufrüttelt und die Menschen noch näher hin schauen lässt. Einen solchen Missbrauch von Kindern darf es nicht mehr geben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Heiße Spiele im Sündentempel

Sündentempel der Lust | Erotischer Roman von Julia Ward

Grafikdesignerin Clarissa, von dem meisten Clara genannt, ist ein eher rationaler Mensch und lebt meist nach einem strikten Plan. Ihre Freundin Sofia, die ein erfülltes Sexleben führt, ist der Meinung, dass Clara dringend mal eine Ablenkung von der Eintönigkeit ihres Lebens braucht. Sie nimmt sie eines Abends mit in den Tempel der Sünden.

Hier lernt Clara Thore kennen und mit ihm eine sexuelle Erfüllung, die sie sich nie erträumt hat.

Claras Scheu vor dem Neuen, dem Unbekannten ist so gut beschrieben, dass ich direkt mit ihr mitfühlen kann. Im Gegensatz dazu steht ihr unbändiger Wille mal wieder total aus sich raus zu gehen. Und da ist Thore genau der Richtige um sie genau dorthin zu bringen. Dirty Talk und Voyeurismus erregen sie aufs heftigste und tragen dazu bei, dass Clara sich bald total gehen lässt und nur noch genießt.
Mir gefällt der leichte, lockere, sehr freizügige Erzählstil von Julia Ward ohne dass er anstößig wirkt oder derb unter die Gürtellinie geht, sehr gut. Mit ihrer Geschichte knipst sie sofort mein Kopfkino an, das sofort anspringt, richtig heiß läuft und mir an- und aufregende Bilder in den Kopf zaubert. Von den 28 Kapiteln ist eines so anregend und lustvoll wie das andere. Meinen Geschmack hat sie mit ihrem erotischen, abwechslungsreichen und sehr kreativen Roman sehr gut getroffen.

Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte von Julia Ward als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Die 1980er Jahre in Berlin

Das ist nicht das Rohe vom Ei von Armin Achtmann

Im Januar 1983 lerne ich die Freunde Ludwig und Rainer kennen. Ludwig, der nach einem Streit mit seiner Freundin Simone ihre Wohnung verlassen muss und versucht bei seinem Freund Rainer, der hier in Berlin-Kreuzberg nur ein paar Häuser weiter wohnt, unterzukommen. Hier erfahre ich auch, wie sich die Beiden, die seitdem unzertrennlich sind, nach einer Schlägerei kennengelernt haben und nehme an ihrem Leben teil.

Ich begegne Fred und Andreas und den Kunststudentinnen Steffi und Nicole aus Böblingen. Steffi spielt nach einer versuchten Vergewaltigung in ihrem Hausflur später noch eine größere Rolle. Mit Marcus und Klöte, der in Büsum seinen Onkel Fritze mit Haus hat, das sich aber als nicht besonders lebenswert herausstellt, mache ich einen Ausflug an die schöne Nordsee und erlebe die damaligen Grenzkontrollen, wenn man von West-Berlin durch die DDR in den Westen wollte. Nicht das Rohe vom Ei. Dietmar Iserlohn, der mit dem Generalschlüssel seiner Mutter einen genialen Coup in der Tiefgarage plant und seine Freunde da mit reinziehen will. Was dabei heraus kommt, erfahre ich fast zum Schluss des Buches. Kerstin und Manuela lernen Rainer und Marcus beim Baden am Wannsee kennen. Und auch Krankenschwester Emma und Heiko, der so gerne DJ sein will, gehören zum Freundeskreis von Ludwig. Sie alle versuchen sich mit den Schwierigkeiten des Lebens auseinander zu setzen. Was nicht immer allen gleich leicht fällt.

Autor Armin Achtmann hat mit diesem Buch nicht nur die Geschichte der Freunde Ludwig und Rainer aufgeschrieben. Er erstellt hier ein atmosphärisches Bild der frühen 1980er Jahre in Berlin mit Menschen, die genau in diese Zeit passen.
Bei den bildhaften und detaillierten Beschreibungen der Orte an denen sie sich aufhalten, habe ich immer wieder Bilder vor Augen. Erinnerungen an meinen Aufenthalt in Berlin von 1972 werden schnell wach. Die Sprache, die Armin Achtmann verwendet, passt genau in diese Zeit. Die Dialoge machen die Geschichte so lebendig und die Charaktere richtig nahbar. Ich hätte mir hier und da noch ein bisserl mehr berlinerisch gewünscht.
Unterteilt in 32 Kapitel schafft es der Autor viele einzelne Begebenheiten zu einem großen Ganzen zu verschmelzen. Eine Geschichte, in der Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt an allererster Stelle stehen. Von jungen Menschen, die gemeinsam auf der Suche nach Recht und Gerechtigkeit sind und die auch schwierige Situationen meistern. Die in einer geteilten Stadt nach ihrer Freiheit suchen.

Ein abwechslungsreicher Roman voller Emotionen und Spannungen mit interessanten jungen Menschen, die deren Geschichte und die Geschichte Berlins in den 1980er Jahren zum Leben erweckt. Eine Geschichte, die mich sehr gut unterhalten hat.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Der Albtraum jeder Mutter wird hier war

Abgrundtiefer Hass von Helene Falk

Annika Lodman lässt ihren 5-jährigen Sohn Yanis nur 2 Minuten aus den Augen und schon ist er aus einem Supermarkt in Helsinki verschwunden. Hauptkommissar Mikael Kohonen, der seinen freien Tag damit verbringt Einkäufe zu tätigen, wird unversehens in diese Entführung hinein gezogen. Dank einer Kinderuhr mit Ortungsfunktion, die Yanis trägt, kann er den Jungen wohlbehalten aus einem Brunnen im Wald nahe der Stadt retten.

Doch am Boden dieses Brunnens lauert noch eine andere Grausamkeit.
Yanis spricht seit diesem Vorfall nicht mehr, zeichnet nur unheimliche Bilder mit einem schwarzen Vogel. Nur zu Psychologin Sofia Eriksson baut er langsam Vertrauen auf. Da verschwindet auf dem Schulweg ein weiterer kleiner Junge.
HK Kohonen und sein Partner Loris Anders tun alles um auch dieses Kind zu finden und vor allem zu klären, was es mit dem schwarzen Vogel auf sich hat.

Schon auf den ersten Seiten aus dem Spätsommer 1985 streicht mir Gänsehaut über den Rücken und die Spannung beginnt schon hier zu steigen. Die Entführung des kleinen Yanis ereignet sich im Sommer 2015 und ich begleite die Ermittler genau 2 Wochen bis zur Auflösung des Falles. Die einzelnen Tage sind genau datiert, so dass ich immer weiß, wann ich wo gerade bin. In Rückblenden lese ich zwischendurch immer wieder Tagebucheinträge eines Jungen aus dem Jahr 1985 und bin erschüttert, über das, was der kleine Kerl vor seinem Tod schon alles erleiden musste.
Die Geschichte entwickelt mehrere Handlungsstränge. So lerne ich neben den beiden Kommissaren Kohonen und Anders, die mir beide sehr sympathisch sind, auch Keke Harju mit seiner Betreuerin Elvi Nyman kennen. Keke, ein freundliches, liebenswertes Kind im Körper eines 40-jährigen Mannes, lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft in Metsälä und verschwindet immer mal wieder für ein paar Stunden. Oder Kioskbetreiber Joonas Mäki, dem ein Mann suspekt ist, der in seinem Kiosk Kinderzeitschriften kauft. Und immer wieder taucht dieser schwarze Vogel auf. Es scheint alles irgendwie zusammen zu hängen, bleibt aber für mich lange im Dunklen. Die Übergänge der einzelnen Geschehnisse sind verschwommen und mysteriös, nähern sich nur ganz langsam einander an. Durch verschiedene Wendungen kommen immer neue Erkenntnisse auf den Tisch. Ich hatte einen Verdacht, den mein Verstand aber nicht wahrhaben wollte. Und ich wäre nie auf solch einen dramatischen und für mich unfassbaren Ausgang der Geschichte gekommen, der absolut nachvollziehbar und schlüssig ist.
Der leichte und doch eindringliche Erzählstil von Autorin Helene Falk hat mich ab der ersten Seite gefesselt und lässt die Seiten nur so durch meine Finger fliegen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den Ermittlungen weiter voran geht und wer hier für die Entführung der Jungs verantwortlich ist.
Die Menschen, die ich hier kennenlerne, sind alle glaubwürdig mit ihren kleinen Ecken, Kanten und Eigenheiten gezeichnet und haben sich in meinem Kopfkino schnell ihren Platz gesichert.
Besonders HK Kohonen, diesen hartnäckigen Ermittler mit dem sechsten Sinn, der auch mal unkonventionelle Wege geht, der sich von nichts und niemandem aufhalten lässt, habe ich ins Herz geschlossen. Auch Loris Andres mit seiner absoluten Verlässlichkeit mag ich sehr. Und auch Sofia Eriksson wird mir mit ihrem zielstrebigen und einfühlsamen Wesen noch lange in Erinnerung bleiben.
Für mich war es der erste Fall, den ich mit diesen beiden Ermittlern löse. Aber bis auf den Schluss, als Kohonen seinen ehemaligen Partner besucht, hatte ich nicht das Gefühl irgendwelche Wissenslücken zu haben. Die Autorin fügt immer wieder kleine Rückblenden ein, so dass man diesen Thriller auch sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen kann.

Ein Thriller, der mich mit seiner Spannung, seinen Emotionen, seinen Menschen, den Schicksalen, mit seiner ganzen Geschichte ab der ersten Seite gefesselt, in Atem gehalten und nicht mehr los gelassen hat. Von dieser hervorragenden Unterhaltung hätte ich gerne mehr.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Eine Geschichte voller Überraschungen

Hildur - Der Schatten des Nordlichts von Satu Rämö

Kriminalbeamtin Hildur Rùnarsdóttir und ihr finnischer Kollege Jakob Johanson werden zu einem Leichenfund vor der Küste von Ísafjörður gerufen. Hier hat ein Taucher die hin drapierte und schon von den Fischen angeknabberte Leiche eines Mannes am Netzgehege des Lachszuchtbetriebes entdeckt. Tage später bricht eine Tierschutzaktivistin in Stykkishólmur zusammen und wird mit abgebrannten Haaren gefunden.

In Hveragerdi wird der kommunale Tierart im Park mit einem Baseballschläger erschlagen. Haben alle diese Taten etwas mit den 13 Weihnachtsgesellen zu tun, die lt. isländischer Sage an Weihnachten vom Berg Esja steigen? Die einzelnen Vorgehensweisen scheinen fast darauf hin zu deuten. Hildur und Jakob haben alle Hände voll zu tun. Und dann wird Jakob auch noch verdächtigt, seine Ex-Frau Lena und deren neuen Mann in ihrem Auto auf einem Parkplatz erschossen zu haben. Nun ist Hildur bei ihren Ermittlungen auf sich allein gestellt.

Dies ist der 3. und leider letzte Teil der Hildur-Trilogie, der im nordischen Island vor einer wundervollen landschaftlichen Kulisse spielt.
Diesmal habe ich mich etwas schwer getan in die Geschichte hinein zu finden. Die Fälle mit dem Hintergrund der Weihnachtsgesellen fand ich schon echt spannend. Genau so wie die dauernden Ortswechsel, die die Geschichte unheimlich schnell machen. Was mich anfangs gestört hat, waren die dauernden Einschübe von Jakobs Vergangenheit, seinem Privatleben mit seiner Frau Lena und seinem kleinen Sohn Matias aus seiner Zeit in Finnland und in Norwegen. Später erklärt sich aber, warum ich genau dieses so detaillierte Hintergrundwissen gebraucht habe um zu verstehen, in welch knifflige Lage sich Jakob durch diese Frau gebracht hat. Dann wird es nochmal richtig spannend und ich verstehe jetzt erst, wie die erste Geschichte aus 1988 mit dem kleinen Mikael hier rein passt. Und auch mein Bild von Jakob hat sich etwas gewandelt. Der strickende und sonst so ruhige Finne hat auch seine dunklen Seiten.
Hildur und gerade Jakob lerne ich hier noch ein bisserl besser kennen. Und auch Hildurs Schwester Björk, nach der sie ja so lange gesucht hat und die nach Island übersiedelt ist, treffe ich wieder. Nur von Rósa, der anderen Schwester, darf nicht gesprochen werden. Die sucht Hildur immer noch, ohne dass Björk es mitbekommen darf. Auch ihre frühere Chefin Beta spielt wieder eine Rolle, was mich sehr gefreut hat. Ich habe diese Frau richtig ins Herz geschlossen. Ganz im Gegenteil zu Hildurs neuem Chef Jónas Íngimarsson, einem unverschämten, arroganten und mir total unsympathischen Menschen. Nur gut, dass der dann erst mal zu Vorträgen in die USA verschwindet und Hildur in Ruhe ermitteln lässt.
Zum Ende hin finden dann alle Erzählstränge zusammen und fast alle meine Fragen lösen sich auf. Auch wenn mich das Ende wirklich schockiert hat und sich die Spuren der Taten diesmal sogar bis nach Deutschland ziehen, lässt mich das Ende ziemlich entspannt zurück.
Satu Ramö hat es diesmal nicht ab der ersten Seite geschafft, mich vollends in die Geschichte hineinzuziehen. Als ich dann drin war, war es umso interessanter und spannender. Trotzdem werde ich die Ahnung nicht los, dass hier zum einen zu viel reingesteckt und zum anderen einfach zu viel gestückelt wurde. Für mich ergibt die Geschichte kein rundes Ganzes.

Trotz meiner kleinen Kritikpunkte hat mir dieser interessante und spannende Island-Krimi wieder ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden geschenkt. Schade, dass ich Hildur und Jakob nicht wiederlesen werde.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Weihnachten steht vor der Tür

Morden ohne Sorgen - Tannenmord im Weihnachtswald von Andreas K. Buchholz

Für Lokalreporter Frederik Loebell stellt das allerdings vor ein ernstes Problem. Er muss für die Damen und Herren der Altersresidenz Lordmarschallhaus, in der auch er jetzt gezwungenermaßen in einem Kammerl logiert, Weihnachtsplätzchen backen. Und er soll seiner Mutter, seiner Freundin Fleur und seinem neues Zuhause einen Weihnachtsbaum organisieren.

Als er zusammen mit den beiden Damen und seinem Dackel Wilhelm in der Tannenbaumplantage „Weihnachtswald“ der Familie Pläschke ihre drei Bäume holen will, trifft er nicht nur auf Kommissarin Edda Kleist und ihren Kollegen Jan Winter, die ebenfalls auf Weihnachtsbaumklau sind. Als er die Bäume einnetzen will, steckt in der Netzmaschine schon einer drin. Aber kein Tannenbaum, sondern eine Leiche.
Ob da wirklich die Weihnachtsbaummafia aus dem Ostblock dahinter steckt, wie seine Mutter vermutet?

Autor Andreas K. Buchholz hat mich mit seinem bildhaften und leicht zu lesenden Erzählstil sofort in die Geschichte hinein gezogen. Es macht richtig Laune, Loebell mit Dackel Wilhelm, der überall dabei ist und seiner Spürnase alle Ehre macht, und seinen Mitstreitern durch die Geschichte zu folgen.
Einige der Menschen, denen ich hier begegne, habe ich vor kurzem erst im Neuen Palais in Potsdam kennengelernt und mich gefreut, sie hier wieder zu treffen. Als erstes natürlich Frederik Loebell mit seinem zuckenden Augenlid, der hier immer wieder für alles verantwortlich gemacht wird, was er stoisch über sich ergehen lässt, mit seinem süßen Zwergdackel Wilhelm. Dann seine Freundin Fleur, die gleichzeitig die Schwester von Kommissarin Edda Kleist ist. Und seine Mutter Maria, hier mal ohne Haferbrei. Auch der Albtraum eines jedes Kollegen Kay Kickmann von den Potsdamer Stadtnachrichten und Chefredakteur Winfried Gallig, den ich auch nicht sympathischer finde und die hier beide etwas größere Rollen spielen, sind wieder mit von der Partie. Genau so wie Loebells Tante Katharina und Graf Anton aus der Altersresidenz Lordmarschallhaus. Dazu die vielen Neuen, die ich hier erst kennenlerne und die alle zu dieser humorvollen Cosy-Crime-Geschichte beitragen. Alle finde ich hier so gut getroffen. Jeder hat so seine Eigenheiten und besticht durch seine eigene manchmal nicht ganz einfache Persönlichkeit.
Aber es ist nicht nur dieser Mordfall, der Loebell, seinem Team und Edda Keists Mannschaft zu schaffen macht. Edda bekommt den total unfähigen Kollegen Hansi Brummsmann vor die Nase gesetzt. In Hagemanns Tannenschonung fehlen plötzlich 50 Tannen, was die vorweihnachtliche Gerüchteküche brodeln lässt. Dann ist da auch noch der unbekannte Anrufer mit der Nachricht „Folge dem Kennzeichen“. Welche Rolle eine weiße Tischdecke bei der Tätersuche spielt, wird jetzt nicht verraten. Das werdet ihr beim lesen dieses humorvollen und trotzdem spannenden Krimis selbst schnell herausfinden.
Wie schon beim Vorgängerband gefällt mir neben dem zuckersüßen Cover auf dem Wilhelm in weihnachtlichem Ambiente zu sehen ist, dass jeder Tag mit einem kleinen schwarzen Dackel eingeleitet wird. Solche Kleinigkeiten machen für mich den Charme eines Buches mit aus und geben diesem einen hohen Wiedererkennungswert.

„Tannenmord im Weihnachtswald“ – ein Krimi mit ganz viel weihnachtlichem Flair, mit viel Situationskomik, mit interessanten Protagonisten und Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Ein empfehlenswerter 3. Bd. der Cosy-Krimi-Reihe „Morden ohne Sorgen“, der mich sehr gut unterhalten hat.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Und er schaut von oben zu

What a Way To Go von Bella Mackie

So würde ich die Geschichte von „what a way to go“ von Bella Mackie in Kurzform beschreiben.
Selfmade-Milionär Anthony Wistern, CEO der Wismere Holdings, feiert seinen 60. Geburtstag mit einer von seiner Frau Olivia arrangierten ausschweifenden Party. Seine Gäste behalten ihn aber nicht wegen des fantastisch illuminierten Gartens und Sees in Erinnerung.

Nein, im Laufe des Abends wird er von Fred und Giles aufgespießt auf einem der Metallstäbe, die die wunderschönen Leuchtkugeln tragen, gefunden. Wie konnte das passieren?
Anthony landet erst mal im Aufnahmezentrum, der Vorkammer von Himmel und Hölle, und soll sich erinnern, wie es zu diesem Unglück kam. Von hier hat er einen guten Blick auf sein Zuhause und auf seine Familie, denen er nun von oben aus zuschaut und kommentiert. Bis auch seine Frau Olivia dieses Vorstufe zum Himmelreich erklimmt.
Bloggerin Jade Evans, die sich dem True Crime verschrieben hat, wittert hier ihre Chance auf eine ganz große Story. Beginnend mit 197 Menschen, die ihrem Blog folgen, schnellen ihre Followerzahlen bald in astronomische Höhen. Aber dann…
Was dann alles passiert, das müsst ihr in dieser wunderbar schwarze und irrsinnig launischen Komödie selbst lesen.

Hier geht es nicht, wie ich erwartet hatte, um die „Ermittlungen“ der Bloggerin Jade. Die spielt eher eine wenn auch aktive Nebenrolle. Vielmehr geht es um die Familie Wistern. Um Anthony, der nichts von Loyalität und Ehrlichkeit hält, von dem seine Geschäftskunden und Liebeleien nicht im Positiven berichten. Um seine eher unnahbare und kalt wirkende Ehefrau Olivia, und die vier Kinder Jemima mit Ehemann Will, Fred, Lyra und Clara. Wobei mir die unangepasste Clara noch die Liebste ist. Eine Familie, die eigentlich keine ist. Hier ist sich jeder selbst der Nächste, sucht seinen eigenen Vorteil und schaut, wie er den Patriarch immer wieder um sein Geld erleichtern kann. Und obwohl mir keiner dieser Menschen sympathisch ist, habe ich gerne meine Lesezeit mit ihnen verbracht.
Ich folge hier drei sich abwechselnde Perspektiven. Anthony, der die Geschehnisse nach seinem Ableben aus einer Art Zwischenwelt verfolgt und sehr unterhaltsam kommentiert. Durch Olivia bin ich bei den Geschehnissen in der Familie live dabei. Und Jade, die mit ihren „Ermittlungen“ aus ihren trostlosen Leben ausbricht, ihren Klickzahlen nach jagt und ihre eigenen Theorien zu diesem Fall entwickelt. Wobei sie da schon sehr dilettantisch vorgeht. Dazwischen berichten kurze Zeitungsartikel der Boulevardpresse immer wieder über den Stand der Ermittlungen und die Familie selbst.
Das Ende hat mich nochmal überrascht und zum Lachen gebracht.

Mir hat es großen Spaß gemacht diese unterhaltsame, tempo- und facettenreiche Familientragödie mit einem Touch ins Skurrile zu lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Eine gelungene Fortsetzung

Blutiger Fjord von Niklas Sonnenschein

Nachdem mir der erste Teil "Eisige Nacht" ausgesprochen gut gefallen hat, war ich richtig neugierig auf den 2. Fall für Karl Sortland und seinen Partner Mats Samuelsson.

Kommissar Karl Sortland ist gerade auf dem Weg zur Geburtstagsfeier seines ehemaligen Kollegen und Freundes Trygves, als seine Vorgesetzte Aino Petersen ihn bittet zu einem Leichenfund in den Hafen von Kirkenes zu kommen.

Fischer Tormod Sivertsen ist mit seiner Astrid II mit einem menschlichen Körper kollidiert. Wer ist der Mann, der anscheinend schon ein paar Tage im kalten Fjord getrieben ist?
Außerdem hält eine neuartige, hoch potente Designerdroge, die zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen führt, das Drogendezernat in Atem. Kann es sein, dass diese Drogen über die neuerdings offene russische Grenze ins Land kommen?
Viele Fragen und vor allem viel Arbeit für Karl Sortland und Mats Samuelsson von der Ermittlungseinheit für Kapitalverbrechen in Kirkenes im Norden von Norwegen.

Ich habe Karl und seinen Kollegen Mats, die sich zwischenzeitlich zusammengerauft haben und die jetzt sogar eine Freundschaft verbindet, ja schon bei ihrem ersten gemeinsamen Fall kennengelernt. Karl, der hier kurz vor seinem 30. Geburtstag steht, mir aber oft viel älter erscheint, scheint sich gerade in Sachen Alkohol immer mehr im Griff zu haben. Was vielleicht auch an der Freundschaft zu Sofia liegen mag, aus der langsam mehr zu werden scheint. Mats mag ich mit seiner ruhigen, besonnenen Art auch richtig gerne. Und ich habe mich gefreut, dass auch Mikkel Kuhmanen aus Spitzbergen wieder mit von der Partie ist. Karl und Mats haben diese Unterstützung auch dringend nötig, da wegen der Drogenfälle viele Kollegen dem Drogendezernat von Daniel Killgren unterstellt werden. Aino Petersen sitzt nicht nur ihr Chef und die Presse wegen der Drogen und dem Toten aus dem Fjord im Nacken. Sie hat auch ein tolles Angebot bekommen, was sie hier entscheiden muss.
Der Fall um den im kalten, feuchten Erdkeller des Ferienhauses seines Großvaters auf der Insel sitzenden Kristian Vesterbekkmo, der seinen Bruder Jakob gesucht hat und nun tot auf dem Seziertisch liegt, ist sehr spannend aufgebaut. Es dauert lange, bis die Kommissare hier den Durchblick bekommen und den Fall lösen können. Sehr interessant finde ich den Fall der Drogentoten und wie schwierig es ist, eine offene Grenze auf diese Sache hin zu kontrollieren. Die räumliche Nähe zu Russland spielt hierbei eine große Rolle.
Auch das Private der Kommissare wird immer wieder angesprochen, was mir persönlich sehr gut gefällt. Macht es die Menschen doch noch nahbarer und echter. Besonders einer alten Dame gehört hier mein ganzes Mitgefühl. Aber ihre Geschichte solltet ihr selbst lesen.
Autor Niklas Sonnenschein schafft es gleich in Kapitel 1 meine ganze Aufmerksamkeit auf die Geschichte zu lenken. Aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, war mir sehr lange nicht klar, in welche Richtung sich die Fälle entwickeln würden. Durch seinen leicht zu lesenden und sehr bildhaften Erzählstil kann ich mir die nördlichen Gegebenheiten und die Orte zu denen er mich führt, sehr gut vorstellen. Die relativ kurzen Kapitel mit ihren Cliffhangern machen die Geschichte temporeich und packend. Die verschiedenen Stimmungen und auch die Gefühle kommen hier insgesamt sehr gut rüber.
Man muss Bd. 1 "Eisige Nacht" nicht unbedingt gelesen haben. Aber um gerade die Kommissare und ihr Umfeld besser kennenzulernen, würde ich das schon empfehlen.

Eine spannende, knifflig konstruierte und sehr interessante Geschichte, bei der ich mitgefiebert und mit gerätselt habe. Ein Muss, nicht nur für Fans der nordischen Literatur.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707

Ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte

Die Honeys (Erstauflage mit gestaltetem Farbschnitt): Ein queerer Mystery-Thriller für Fans von Pretty Little Liars von Ryan La Sala

Was als erstes auffällt, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt, ist der wunderschöne rundum Farbschnitt, der das ganze Buch zusammen mit dem Cover zu einem echten Hingucker macht.
Dann werde ich sofort hineingeworfen in eine Mischung aus Traum und Wirklichkeit, bei der Caroline auf mysteriöse Weise in ihrem Zuhause ums Leben kommt.

Ihr Zwillingsbruder Mars, mit dem sie tief verbunden war, macht sich daraufhin auf die Suche nach der Ursache für Carolines Tod. Was hat sie in der sommerliche Hitze der Catskill Mountains im elitären Sommercamp Aspen Conservancy so verändert?

Mit Mars hat La Sala einen queeren jungen sehr sympathischen Mann geschaffen, der weiß wer und wie er ist, und der sich gerade durch seinen Humor, sein Selbstbewusstsein und seinen Mut sofort in mein Herz geschlichen hat. Ihm bin ich bei der Suche nach Antworten sehr gerne gefolgt. Die Honeys, eine geheimnisumwitterte Gruppe von Mädchen, die sich um Bienenvölker kümmern und das Leben im Camp dominieren und hier alles unter ihrer Kontrolle halten, umgeben düstere unausgesprochene Geheimnisse in ihrer Welt aufgebaut aus Illusionen. Mit ihnen bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden.
Mit haben vor allem die bildhaften, eindringlichen Beschreibungen der wilden Natur in den Catskill Mountains und der mysteriösen Vorgänge in der Sommerakademie sehr gut gefallen. Realität und Traum verwischen hier immer wieder und ich frage mich genau wie Mars, was ist gerade real und was entspringt der Fantasie. Überhaupt durchzieht die ganze Geschichte ein Hauch von Unruhe, Unsicherheit und Verwirrung.
Die Kombination von Übersinnlichem, das Erzeugen einer unheimlichen Atmosphäre und einer hintergründigen Spannung ist dem Autor sehr gut gelungen. Er hat mich immer wieder auch verwirrt und mir das Gefühl gegeben, dass hinter den Mauern des Camps mehr lauert, als ich bisher heraus gefunden habe.
Leider finde ich den Mittelteil, der sich zieht, etwas schwach. Da war ich froh, als es nach einer Wendung absolut spannend weiter geht.

„Die Honeys“ von Ryan La Sala übersetzt von Katrin Aust ist ein spannender, vielschichtiger Mystery-Roman, der mich ab der ersten Seite gefesselt und trotz der kleinen Kritikpunkte bis zum Schluss nicht mehr losgelassen hat. Eine Geschichte, die so ganz anders wurde als ich es mir anhand der Leseprobe vorgestellt hatte. Keine Geschichte, die man schnell man nebenher weg liest. Hierfür sollte man sich unbedingt Zeit nehmen. Es lohnt sich. Garantiert!
4,5 von 5 Sternen

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gaby 2707