Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Miro:
Wandle, wo die Hexe ruht
Darkly von Marisha Pessl
In den 80er Jahren gab es eine beeindruckende Brettspiel-Entwicklerin: Lousiana Veda. Sie lebte zurückgezogen, über ihre Biografie war wenig bekannt, aber es ranken sich eine Menge Gerüchte um ihr Leben und Sterben.
Auch Dia ist von ihr und den Darkly Spielen fasziniert und sie hatte sogar schon einmal eins der begehrten Spiele in Händen.
Leider konnte sie es nie fertigspielen, denn es wurde verkauft, um den Antiquitätenladen ihrer Mutter zu retten.
Als Dia einen der begehrten Praktikumsplätze bei Darkly ergattert, kann sie es kaum fassen und freut sich auf einen Sommer voller Abenteuer in England. Gemeinsam mit sechs anderen Jugendlichen wird sie auf die geheime Insel gebracht, wo die Darkly Fabrik vor sich hin rottet. Das Abenteuer ist wesentlich weniger glamourös, als sich Dia das erwartet hatte. Es wird allerdings auch wesentlich spannender und gefährlicher als vorstellbar.
Die sieben Auserwählten stehen einer großen Herausforderung gegenüber und erkennen schnell, dass es nicht nur darum geht, ein Rätsel zu lösen. Hier steht viel mehr auf dem Spiel! Es geht um Vertrauen, Vermächtnis und vielleicht sogar um Leben und Tod. Auf jeden Fall werden alle Sieben nie wieder die selben sein!
Darkly ist eine düstere Geschichte. Der Lost Place als Ausgangspunkt der Suche ist ein perfektes Setting dafür. Der Gruselfaktor ist hoch und die Geschichte wird in hohem Tempo erzählt. Die kurzen Kapitel tragen ihren Teil dazu bei. Man fliegt nur so durch die Seiten. Unterbrochen wird das Ganze immer wieder durch Briefe und Bilder aus längst vergangenen Tage, die man anfangs nicht einordnen kann.
Damit spielt die Autorin das ganz Buch hindurch. Kapitel beginnen immer wieder woanders und haben mich beim Lesen regelmäßig in Verwirrung gestürzt. Doch die Autorin erklärt jedesmal, wie wir dort hingekomen sind. Ich habe mich dann auch relativ schnell an diese Stilmittel gewöhnt. Für die Briefe und Bilder allerdings, muss man sich bis zum Schluss gedulden.
Mir hat dieses 3. Buch von Marisha Pessl wieder hervorragend gefallen, obwohl es auch wieder ganz anders ist als das Erste und das Zweite. Ich finde, es ist eine beeindruckende Leistung, so ein breites Spektrum abdecken zu können und warte nun geduldig auf das nächste Buch aus ihrer Feder in der Hoffnung auf eine weitere Überraschung!
Was für eine wunderbare Geschichte!
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Eve Shaw ist nicht glücklich. Ihr reicht es, gerade so zufrieden zu sein, denn mehr hat sie ihrer Ansicht nach nicht verdient. Sie hat eine Schuld auf sich geladen, die sie sich selbst am allerwenigsten verzeihen kann.
Als sie im Rahmen ihrer Arbeit als Kunstexpertin auf das mysteriöse White Octopus Hotel stößt mit seinen magischen Artefakten, beginnt sie tiefer zu graben.
Und als ihr die Legende berichtet wird, dass man mit einem Bogen Briefpapier aus dem Hotel einen Brief an das jüngere Ich senden kann, stürzt sie sich in die Suche. Sie möchte unbedingt einen Fehler korrigieren.
Eve fällt es leicht an Magie zu glauben, denn sie ist selbst ein bisschen magisch. Sie hat ein Oktopus Tattoo, das auf ihrer Haut herumkriecht, als wäre es lebendig. Vielleicht ist es das ja auch. Auf jeden Fall unterstreicht es die Verbindung, die sie zum Hotel zu spüren beginnt. Eine Reise in die Schweizer Alpen scheint unaufschiebbar und so wagt Eve diese Fahrt ins Ungewisse und findet sich durch Zauberhand im Glamour der 30er Jahre wieder, als das Hotel seine Blütezeit erlebte.
Das Hotel selbst ist ein toller Schauplatz. Es ist mysteriös und bietet Raum für allerlei magische Gerätschaften. Hier bleiben keine Wünsche offen und auch die Gäste wirken interessant. Manche kommen ihr bekannt vor und andere kennt sie tatsächlich. Es gibt noch andere Zeitreisende hier und sie findet einen Mann, der sie komplett aus der Bahn wirft.
Eve muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen und sich ihren Gespenstern stellen.
In märchenhaftem Stil beschreibt die Autorin die Schauplätze sehr bildhaft, fast filmreif. Als Leser*innen fühlen wir uns nahezu wie ein Teil der Geschichte. Mich konnte Alexandra Bell restlos begeistern mit dieser fantasievollen und atmosphärischen Reise durch die Zeit in ein Abenteuer, das mich absolut in seinen Bann ziehen konnte. Für mich war der Besuch im White Octopus Hotel ein Highlight!
Spionage oder der tiefe Fall des Dichters Jakob Dreiser
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
Wir starten die Reise ans Ende der Geschichte in Rom, wo Jakob Dreiser sich in seinem dichterischen Ruhm sonnt und zum Mittelpunkt jeder Party wird. Er ist überall gern gesehener Gast, denn er versteht es außerordentlich gut mit jedem ins Gespräch zu kommen. Seine Art Small Talk zu führen setzt alle in ein besseres Licht.
Auf einer Party im Botschaftsviertel lernt er Dieter Germeshausen kennen, dem diese Gabe gänzlich fehlt. Germeshausen ist ein Doppelagent, dem das Ende des Kalten Krieges nicht gut bekommt. Seine Dienste scheinen nicht mehr gebraucht zu werden. Es sieht fast so aus, als hätte beide Seiten ihn vergessen. Doch Dieter braucht Geld und so plant er einen letzten Coup, der ihm das nötige Kleingeld für den Aussteig einbringen soll.
Jakob scheint für ihn ein ein perfektes Ablenkungsmanöver zu sein. Er versucht ihn zu rekrutieren und bietet ihm eine Reise nach Kasachstan an. Da der Dichter ausnahmslos in den Tag hinein lebt und sich in seiner überbordenden Freiheit schrecklich langweilt, ist er sofort bereit sich in dieses Abenteuer zu stürzen. Er hinterfragt nichts, folgt dem Spion aufgeregt, wie ein kleines Kind und ist bestrebt, seine Sache gut zu machen.
Ob das gelingt und er den richtigen Menschen vertraut, wird hier natürlich nicht verraten und das Ende der Geschichte ist ein klein wenig Auslegungssache.
Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen und Orte und Personen werden sehr anschaulich beschrieben. Für meinen Geschmack manchmal etwas zu anschaulich. Dadurch habe ich mich streckenweise immer wieder gelangweilt bei der Lektüre. Außerdem konnte mich der vielgerühmte Humor dieser Geschichte nicht erreichen. Klar ist mir aufgefallen, dass der Autor mit den Klischees der Agentengeschichten spielt, aber zum Lachen konnte er mich nicht bringen.
Für mich war es eine durchwachsene Reise ans Ende der Geschichte. Einzig den Schluss fand ich bitterböse. Meiner Interpretation des Endes kann ich durchaus etwas abgewinnen. Aber das Ende lässt auch andere Interpretationen zu.
So richtig empfehlen kann ich das Buch nicht, aber da es viele begeisterte Stimmen dazu gibt, empfehle ich, noch andere Rezensionen zu lesen. Humor ist bekannterweise ja sehr subjektiv.
Ahnenreise
Immergrün von Ruth Olshan
Ruth Olshan reist mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter in deren ursprüngliche Heimat in Litauen. Auf dieser langen Autofahrt begegnet sie sich selbst und erinnert sich an die Geschichten ihrer Ahninnen.
Ruth ist in Moskau geboren, als Tochter einer konvertierten Jüdin. Ihre Mutter war Sängerin und in der Sowjetunion als "Garbo des Ostens" berühmt.
Doch die Familie fühlte sich beengt in der kommunistischen Union und dem jüdischen Vater gelang es, eine Ausreisegenehmigung für Israel zu bekommen.
In dem heißen Land schaffte es die kleine Familie nicht, heimisch zu werden und als der Jom-Kippur-Krieg ausbrach traten sie eine weitere Reise an. Berlin soll ihr verheißungsvolles Ziel sein. Die vierjährige Ruth lebt sich relativ rasch ein, lernt schon im Kindergarten deutsch, findet Freundinnen und erfreut sich am Sport.
Vida, ihre Mutter möchte es auch hier als Sängerin schaffen, doch der Weg ist nicht leicht. Es fällt ihr schwer, die neue Sprache zu erlernen und sie leidet an der Trennung von ihren Wurzeln. Litauen ist jetzt zwar nicht mehr so weit weg, doch der eiserne Vorhang trennt die Familie. Bis zum Fall der Mauer muss Ruth einiges erleiden mit ihren Eltern, die es nicht schaffen in Deutschland Wurzeln zu schlagen.
Die Familie ist heimatlos, haltlos und immer auf der Suche.
Stilistisch ist das Buch leider etwas sperrig. Die Autorin springt in den Zeiten und es dauert ein bisschen, bis man sich in ihrer Lebensgeschichte zurechtfindet. Wir lesen die Erinnerungen, wie sie ihr auf der Reise in den Sinn kommen und vieles wirkt etwas nachbearbeitet. Wahrscheinlich ist das normal. Man macht sich schlauer in den Memoiren, weil man in der Retrospektive ja auch schlauer ist.
Dennoch konnte mich diese Lebensgeschichte berühren. Sie ist zwar nicht besonders emotional erzählt, aber sie zeigt auf, wie schwierig es ist, in der Fremde Fuss zu fassen und wie viel wir unseren zugezogenen Mitmenschen eigentlich abverlangen. Es ist beeindruckend, wie Ruth ihren Weg gefunden hat in der Wirren der Fremde ohne Eltern, die sie an die Hand nehmen konnten. Und ich finde es auch mutig, sich so preiszugeben.
Immergrün ist ein Buch, dass man sich ein Stück weit erarbeiten muss, es schmeichelt den Leser*innen nicht. Doch man kann sich einiges daraus mitnehmen.
Alles im Wandel
Sommer auf Perigo Island von Perry Chafe
Ein Sommer auf Perigo Island, einer rauen Insel vor Neufundland im Jahr 1991.
Pierce und seine zwei Freunde verbringen die Ferien meist am Hafen um sich ein bisschen Geld bei den Fischern zu verdienen. Es gilt den gefangen Kabeljau abzuladen und den Fischen die Zungen rauszuschneiden und an Touristen zu verkaufen.
Die wenigen Bewohner der Insel leben vom Meer. Die Fischer fahren morgens raus und der Fang wird direkt auf der Insel verarbeitet, wo hauptsächlich die Frauen Arbeit in der Fabrik finden. Doch der Fang geht zurück, es gibt nun Tage ohne Arbeit und die ersten verlassen die Insel.
Für Pierce ist das keine Option. Er fühlt sich an die Insel gebunden und fürchtet doch das offene Meer, das ihm seinen Vater genommen hat.
Doch in diesem Sommer ist alles anders. Anna ist verschwunden und niemand weiß, ob ihr etwas zugestossen ist, oder ob sie weggelaufen ist. Und Emily taucht auf. Sie verbringt den Sommer mit ihrer Mutter hier, denn diese stammt von der Insel. Emily fügt sich erstaunlich gut in die Gruppe der drei Jungs. Sie ist wild und unbeschwert und Pierce verfällt ihr schnell. Das Gefüge gerät ein bisschen ins Wanken, aber ihre Freundschaft ist stark genug, das auszuhalten.
Auf der Suche nach Anna lernen sie einen eremitischen Meeresbiologen kennen, sich ihren Ängsten zu stellen und über sich hinauszuwachsen. Sie lernen, ihre Grenzen zu verschieben und sich für neue Perspektiven zu öffnen. Wir finden hier die klassischen Merkmale eines Coming-of-Age Romans, aber diese Buch ist mehr. Es ist auch ein Abenteuerroman mit atemberaubenden Naturbeschreibungen, ein Umweltroman, der aufmerksam auf Veränderungen und die Auswirkungen der Menschheit auf die Natur macht und ein bisschen ist es auch ein Krimi.
Perry Chafe ist hier ein atmosphärisch dichter Roman gelungen, der von der ersten Seite an seinen Zauber wirkt und fesselt. Ich bin restlos begeistert und empfehle das Buch gerade im Freundschaftskreis. Es ist genau mein Beuteschema.
Aufnahmeprüfungen
The Ordeals von Rachel Greenlaw
Sophia DeWinter kennt nur ein Ziel. Sie will die Aufnahme in die berühmte Killmarth Academy schaffen, denn das ist der einzige Weg sich von ihrem Onkel zu befreien, der sie als kleines Kind an sich gebunden hat.
Um sich überhaupt beweisen zu können, muss sie erst mal die Feuerprobe bestehen, bevor die wirklichen Prüfungen losgehen.
Sie steht allein, ihre Mitstreiter*innen sind Rivalen und sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann. Sie hatte keinen einfachen Weg und wenig Liebe in ihrem Leben. Aber sie hat eine gute Kampfausbildung bekommen, gelernt, sie in den Schatten zu bewegen und sich an Situationen anzupassen.
Nun muss sie lernen zu vertrauen. Sich selbst und vielleicht auch anderen. Darf sie sich hier verlieben, oder schwächt sie das und macht sie verletzlich. Liegt schlussendlich die wahre Macht in der Liebe? Das und so einiges mehr wird Sophia lernen auf ihrem Weg eine Studentin zu werden.
Rachel Greenlaw hat hier eine interessante Welt geschaffen mit alter Magie und blutrünstigen Monstern; mit tödlichen Fallen, Lügen und Intrigen. Und sie hat eine Protagonistin geschaffen, mit enormen Potential und der Fähigkeit sich zu entwickeln. Ich habe mit ihr gelitten auf dem blutrünstigen Weg durch die Ordeals. Diese Welt ist brutal und grausam, aber es gibt auch viel Menschlichkeit, Wärme und Mitgefühl.
Ich hoffe sehr, dass hier ein weiterer Band folgt, denn diese Geschichte scheint mir erst zu beginnen. Ich möchte unbedingt wissen, wie Sophia sich entwickelt und was das Leben weiterhin für sie bereit hält.
Was wirklich geschah
Das Signal von Ursula Poznanski
Viola erwacht im Krankenhaus ohne Erinnerung was passiert ist und ohne ihr linkes Bein. Das war nach dem Felssturz im Weinkeller leider nicht mehr zu retten. Doch was wollte Viola da? Sie wusste, dass man der Decke nicht mehr trauen kann.
Schnell ist ihr bewusst, dass ihr Mann nicht zu ihr stehen wird.
Ihm ist der Schein sehr wichtig und eine versehrte Frau passt nicht zu dem erfolgreichen Typ, der Statistik sexy im Fernsehen präsentiert. Violas Mann gibt sich ausgesprochen fürsorglich, doch sein Verhalten irritiert ständig und man beginnt Violas Zweifel als berechtigt anzusehen.
Zuhause wird Viola von einer ausgesprochen strengen Pflegerin überwacht und jeder Schritt in die Selbständigkeit wird unterbunden. Was da dahintersteckt, hat mir lange zu denken gegeben. Umso überraschter war ich, als sich der Vorhang lichtet. Nicht alles was Viola vermutet hat, hat sich als wahr erwiesen und vieles war viel perfider, als man sich hätte vorstellen können.
Fesselnd war das Buch von der ersten Seite an, Violas unterschwellige Zweifel erzeugen von Anfang an einen Spannungsbogen, der bis zum Ende hin immer wieder ausgereizt wird. Auch die Hintergrundgeschichte erschien mir glaubwürdig. Viola ist eine interessante Protagonistin, denn auch sie überrascht immer wieder mit ihrer Stärke, ihrem Erfindungsgeist und ihrem Tiefgang. Sie ist so viel mehr, als sie anfangs scheint.
Wieder ein Poznanski-Thriller, den ich absolut empfehlen kann.
Marlen und Hannah
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder
"Mein ganzes Leben ..." ist der Abschluss einer Trilogie, die sich mit Fragen nach der Herkunft, Identität und familiärem Erbe beschäftigt. Leider wusste ich das bei der Lektüre nicht und es ist mir auch erst am Ende aufgefallen, dass mir etwas fehlt.
Dieser Roman spielt sich auf zwei Zeitebenen ab.
Wir lernen die 14-jährige Marlen in Güstrow kennen, die 1945 aus Demmin weggelaufen ist und sich in einem Forsthaus vor russischen Soldaten versteckt. Sie wird von Wilma, einer Künstlerin entdeckt und später adoptiert.
In der Gegenwart kämpft Hannah mit ganz anderen familiären Problemen. Eigentlich ist sie ziemlich alleine, denn ihre Mutter und Großmutter sind beide verstorben. Ihren Vater hatte sie nie kennengelernt, bis er plötzlich mit einem riesigen Blumenstrauß bei ihr auf der Fussmatte steht und eine Menge Fragen aufwirft.
Beide Frauen beschäftigen sich intensiv mit ihrer Vergangenheit, verarbeiten Verluste, setzen sich mit Schuld auseinander und versöhnen sich mit ihren Schicksalen. Beide Geschichten fand ich interessant und spannend zu lesen und bis zum Schluss war ich ausgesprochen neugierig, auf die Verbindung zwischen den beiden. Dass sie sich mit ähnlichen Themen befassen, schien mir nicht genug.
Daher war ich etwas enttäuscht am Ende. Die Verbindung erscheint mir etwas zu lose. Vielleicht hätte ich das nicht so empfunden, wenn ich die beiden Vorgänger gekannt hätte. Dann wären mit Hannahs Mutter und Großmutter vertrauter gewesen und die Verbindung nach Güstrow klarer. Man kann das Buch lesen, ohne die beiden anderen zu kennen, aber empfehlen möchte ich das nicht.
Dennoch hat mir das Buch gut gefallen und meine Neugierde für den Rest der Trilogie ist geweckt. Stilistisch konnte mich die Autorin überzeugen. Ich mag ihre schnörkellose Sprache, ihre feinsinnige Art, Alltägliches zu erzählen und ihre warmherzige Sorge um ihre Figuren.
Kaninchenliebe
Wie die Karnickel von Jasper Fforde
Wir reisen mit Jasper Fforde ins beschauliche Much Hemlock in England. Ein ruhiges kleines Dorf, wo der Tratsch noch im Kramladen weitergegeben wird.
Peter Knox lebt hier mit seiner Tochter ein unspektakuläres Leben bis ins Nachbarhaus eine Kaninchenfamilie einzieht. Jahre zuvor wurden durch ein "Ereignis" einige Tiere vermenschlicht und so leben nun Füchse, Dachse, Wiesel und eben Kaninchen unter den Menschen.
Doch nur die Kaninchen werden als Bedrohung wahrgenommen, weil sie sich sehr rasch vermehren.
Die Kaninchen sind extrem schlau, lernen schneller und mehr als Menschen und wollen eigentlich ein friedliches Leben führen, wie es in ihrer Natur liegt. Der Kaninchenweg könnte auch die Menschheit aus der Krise führen, wären die Menschen nur nicht so verbohrt und egoistisch.
Die Angst vor den Anderen hat eine rechtsextrem Gruppe hervorgebracht. TwoLegsGood schreckt vor nichts zurück, wenn es darum geht, Kaninchen aus dem Dorf zu vertreiben. Sie sollten alle in eine Kolonie umgesiedelt werden, die verdächtig einem Arbeitslager gleicht.
Peter Knox rutscht mehr oder weniger gewollt in den Widerstand und findet sich bald in den höchsten Rängen der Kaninchenregierung.
Die Kaninchen selbst sind vielschichtige Charaktere. Sie sind mal sympathisch, mal etwas nervig, mal ruhige und mal heißspornige Typen.
Die sozialen Konflikte im Dorf werden häufig satirisch überspitzt dargestellt, treffen aber beängstigend böse ins Schwarze. Mit dieser Satire hält uns der Autor einen Spiegel vor und zeigt uns gleichzeitig, wie wir es besser machen könnten.
Das Ende hätte ich mir anders gewünscht. Daher muss ich leider einen Stern abziehen. Aber ich muss auch zugeben, dass es trotz der skurrilen Idee irgendwie realistisch ist.
Mir hat das Buch gut gefallen und ich bleibe weiterhin ein Fan des Autors!
Endlich mal eine Fortsetzung
The Woman in Suite 11 von Ruth Ware
Kaum zu glauben, dass sich Ruth Ware an einen 2. Teil wagt. Für die Autorin eine Premiere und für uns als Leser*innen eine freudige Überraschung. Ich war sehr gespannt, zu erfahren, wie es mit Lo Blacklock nach diesem Drama weitergegangen ist.
So ist es schön zu lesen, dass sie ihre Beziehung retten konnte und nun mit Mann und zwei Söhnen in New York lebt.
Ihre Kinder sind nun nach der Pandemie groß genug, dass sie ein Comeback als Reisejournalistin starten will. Da kommt ihr eine Einladung zur Eröffnung eines Luxusresorts in der Schweiz gerade recht. Ein geheimnisvoller Milliardär steckt hinter dem Projekt und Lo soll versuchen ein Interview mit dem zurückgezogenen Geschäftsmann zu bekommen.
Doch bevor sich das ergibt, findet sie eine mysteriöse Nachricht in ihrer Suite und trifft im Anschluss eine junge Frau, die behauptet in Lebensgefahr zu schweben. Gemeinsam entwickeln sie einen waghalsigen Fluchtplan, der sich zu einer spannungsgeladenen Verfolgungsjagd quer durch Europa entwickelt. Und Lo gerät wieder mal in massive Schwierigkeiten.
Erzählt wird das Ganze nahe aus Lo's Perspektive in Ruth Ware's typisch dichter, Thriller-Manier. Lo ist immer noch ziemlich waghalsig, obwohl sie die Mutterschaft verantwortungsvoller und etwas vorsichtiger gemacht hat. Aber man erkennt auch noch die traumatisierte junge Frau aus dem ersten Band. Ihre Paranoia wächst mit dem Fortgang der Geschichte, doch Lo lässt sie von ihren Gefühlen nicht mehr übermannen. Sie ist mittlerweile über sich hinausgewachsen und glänzt mit klarem Verstand und enormen Gerechtigkeitssinn.
Mir hat Woman in Suite 11 ein paar lange Nächte beschert, weil ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Ich fand es spannend, zwischendurch auch etwas vorhersehbar, durch den bekannten Plot aus dem ersten Teil und schlußendlich doch wieder überraschend. Eine Fortsetzung, die man auf jeden Fall empfehlen kann!











