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Rezensionen von Miro:

Auf den Spuren von Jasmin

Laute Nächte von Anne Freytag

Kenni hat sich entschlossen nach Wien in eine WG zu ziehen. Zuhause hält er es nicht mehr aus, denn seine Gedanken kreisen immer nur um seine Freundin Jasmin, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Eigentlich wollten die beiden einen Roadtrip durch Frankreich machen in den Ferien. Der Camper steht bereit in der Garage, aber Kenni kann sich nicht aufraffen, alleine aufzubrechen.

In Wien lebt er sich langsam ein in der WG. In Paul findet er einen wirklich guten Freund, der auch in schlechten Zeiten für ihn da ist. Julia ist ein Ruhepol in der Gemeinschaft und Elif ist eine ganz besondere Mitbewohnerin. Kenni fühlt sich schnell zu ihr hingezogen, hat gleichzeitig Schuldgefühle wegen Jasmin und kämpft mit ambivalenten Gefühlen Elifs Freund gegenüber, der es nicht schafft, offiziell zu ihr zu stehen.

Ganz langsam kommt wieder Leben in Kenni und er beginnt, sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, was seine Gefühle immer wieder ordentlich durcheinanderbringt. Es fällt ihm schwer, sich von Jasmin zu lösen. Vieles fühlt sich so unfertig an. Er sieht keinen Weg mit seiner inneren Zerrissenheit umzugehen.

Jahre später treffen sich die Vier wieder. Es ist der Abend von Kennis erster Vernissage und Paul hat alles als Überraschung organisiert. Wieder wirbeln die Freunde Kennis Leben durcheinander. Auch aus der Wiener Zeit ist nicht alles aufgearbeitet. Doch auch dieser Abend verläuft nicht so, wie Kenni es sich gewünscht hätte.

Kenni muss sich ein weiteres Mal seiner Vergangenheit stellen, bevor er wirklich bereit ist, ein neues Leben und eine neue Liebe zu beginnen. Anne Freytag schont ihren Protagonisten nicht. Er muss durch die dunkelsten Täler wandern und sich all seinen Unzulänglichkeiten stellen. Doch sie tut das mit sehr viel Feingefühl. Kenni ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wir begleiten ihn hier durch Höhen und Tiefen und noch mehr Tiefen, doch er findet seinen Weg.

Das Buch ist emotional und dabei nicht kitschig. Es drückt nicht auf die Tränendrüse, was bei dieser Thematik eine echte Leistung ist und es bedient kaum Klischees. Mich konnte die Autorin mit "Laute Nächte" restlos begeistern.

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Der Pfarrer und seine Köchin

Mirabellentage von Martina Bogdahn

Mirabellentage spielt in einem beschaulichen Dorf in Bayern und im Zentrum steht Anna, die viele Jahre den Haushalt des Pfarrers geschupft hat. Josef und Anna waren schon als Kinder befreundet und über die Jahre hat ihre Freundschaft echte Tiefe erfahren. Als Josef ganz plötzlich stirbt, beginnt Annas Welt zu wanken.

Neben ihrer Trauer hat sie einiges an Aufgaben zu bewältigen. Die Beerdigung muss organisiert, der junge neue Pfarrer eingeführt werden und zusätzlich muss Anna noch ein großes Geheimnis wahren und einen Auftrag ausführen. Denn Josef wollte nicht neben seiner Mutter beerdigt werden, wie die Dorfgemeinschaft glauben gemacht wird. Anna soll Josef's Asche ins Meer streuen. Doch Anna ist noch kaum über die Grenzen ihres Dorfes hinausgekommen. Diese Aufgabe scheint für sie zu groß.

Matina Bogdahn schildert uns in diesem Dorfroman das einfache Leben der Menschen. Doch was uns einfach erscheint, birgt immer wieder überraschende Tiefe. In Erinnerungen werden einzelnen Leben herausgepickt und ihre Geschichten bieten häufig große Überraschungen. Auch Annas Leben war nicht immer so beschaulich und strukturiert wie es anfangs scheint.

Es ist ein Buch über vorgezeichnete Lebenswege, verpasste Chancen unterdrückte Gefühle und dem Versuch auszubrechen, neue Wege zu beschreiten und vielleicht eine andere Zukunft zu finden. Das Buch lebt von den liebevollen gezeichneten Charakteren und dem Mut, den es braucht, mal aus der Reihe zu tanzen.

Was mir besonders an dem Buch gefallen hat, ist dass die Autorin diese Geschichte mit viel Wärme und Liebe für ihre Figuren verfasst hat. Die ländliche Geborgenheit ist durch die Zeilen spürbar und obwohl das Buch von Trauer und einem Todesfall handelt ist es nicht bedrückend, sondern eher aufmunternd. Anna wird vom Dorf getragen, findet Trost in der Natur und Hilfe, wo sie diese nicht erwartet hätte.

Wie bereits der erste Band der Autorin hat mir auch dieses Buch ausgesprochen gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

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Wie der Vater, so der Sohn

John of John von Douglas Stuart

Im Zentrum des Romans steht John-Calum, genannt Cal, der auf den äußeren Hebriden aufgewachsen ist, als Sohn von John, großgezogen von seiner Großmutter Ella. Cal hat die Inseln zum Studieren verlassen, aber eine Arbeit findet er nicht. Als Ellas Gesundheitszustand nachlässt, wird er nach Hause gerufen.

Er kehrt zurück zu einem kargen Leben voll harter Arbeit. Schafzucht und Weberei prägen die Tage der Männer. Das Geld reicht vorn und hinten nicht und Cal hat einen Berg Schulden angehäuft während seiner Zeit in Glasgow.

Außerdem prägt die Kirche die kleine Inselgemeinschaft. Sie spendet Trost und Zusammenhalt, kontrolliert die Mitglieder allerdings auch genau. In presbyterianischer Strenge wird darauf geachtet, dass niemand aus der Reihe tanzt. Für Individualität und Freiheitsdrang, wie ihn Cal verspürt, ist hier kein Platz. Doch auch John hütet ein großes Geheimnis, das der Kirche nicht gefallen würde. Dadurch lebt er ein Doppelleben, dass ihn fast zerreißt.

Und auch Cal sollte zu einem Doppelleben gezwungen werden, denn seine Homosexualität kann er auf der Insel nicht ausleben. Vielmehr soll er seine Kindheitsfreundin heiraten, denn die hat sich in andere Umstände gebracht. Loyalität wird über das persönliche Glück gestellt und der Schein muss zwingend gewahrt werden.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist von Strenge und Härte geprägt. Sie lieben sich, reden aber kaum miteinander und wenn der Sohn nicht spurt, rutscht dem Vater schon mal die Hand aus. Schön ist das nicht! Doch wenn es drauf ankommt, sind die beiden doch füreinander da.

Diese Buch ist nicht ganz so hart wie Shuggie Bain oder Young Mungo, aber das karge Leben auf den äußeren Hebriden ist auch kein Zuckerschlecken. Diese Heimkehr ist für Cal eine Belastungsprobe nachdem er die Freiheit gekostet hat. In die Enge der Religion will er nicht zurückkehren, aber er ist bereit sich wieder in die Inselgemeinschaft einzugliedern. Er steht unter großem Druck und versucht trotzdem ein Stück weit seinen eigenen Weg zu gehen. Dafür mag ich Cal.

Und selbst John, mit seiner bigotten Strenge ist mir am Ende ans Herz gewachsen, denn auch er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er hängt fest in seinen Traditionen und althergebrachten Strukturen. Das macht den Roman schließlich authentisch, denn so sind wir Menschen meistens.

John of John hat mir wieder gut gefallen, obwohl auch dies ein Buch ist, das nicht unbedingt gefallen will. Es ist schonungslos, manchmal kaltherzig und brutal und doch findet sich immer wieder ein Funken Hoffnung. Da ich es nicht so eindringlich wie die beiden Vorgänger empfunden habe, habe ich mich für 4 Sterne entschieden. Vielleicht ist das auch zu streng bewertet, aber es fühlt sich für mich richtig an. Empfehlen kann ich das Buch dennoch ohne Einschränkungen!

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Heilt die Zeit alle Wunden?

Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher

Britta, Max und Pia waren unzertrennlich als Kinder. In ihrer Kleinstadt sind sie recht behütet aufgewachsen, obwohl jedes Kind auch sein Scherflein zu tragen hatte. Dennoch war ihre Kindheit geprägt von Lagerfeuer, Zelten und Picknicks am See. Lauter kleine Abenteuer, die eine gute Kindheit ausmachen.

Doch für Pia war das alles immer schon etwas eng. Sie wollte die große Welt sehen und ihrem Drang nach Freiheit endlich nachgeben.

Der Sommer nach dem Abitur sollte noch mal richtig unbeschwert sein, doch Pia verschwindet kurz nach der Abifeier ohne sich zu verabschieden und Max und Britta kommen mit ihren verletzten Gefühlen nicht klar. So verlieren sich alle drei aus den Augen, bis 20 Jahre später Brittas Vater nicht mehr allein zurecht kommt und Pia eine Ausstellung in ihrer ehemaligen Heimatstadt gibt.

Das holprige Wiedersehen reißt die alten Wunden auf und Geheimnisse kommen ans Licht. Die alte Freundschaft möchte wiederbelebt werden und neue Wege sollen beschritten werden. Können die drei über ihre Schatten springen und die gezogenen Gräben überwinden?

Greta Herrlicher widmet sich mit diesem Roman einem beliebten Thema: Die Vergangenheit und besonders ungelöste Konflikte beeinflussen das Denken und Handeln aller Protagonisten. Schuld und Verantwortung lassen sich häufig nicht klar zuordnen. Es gibt kein Schwarz und Weiß. Es gibt ein Gefüge aus Entscheidungen, die mal mehr mal weniger richtig getroffen wurden und schlußendlich bis in die Gegenwart Folgen zeigen.

Das Grundgerüst der Geschichte gefällt mir prinzipiell gut, aber die Autorin verarbeitet in ihrem Text eindeutig zu viele Plattitüden, die sich als Alltagsweisheiten tarnen. Das war mit definitiv zu flach. Die Geschichte hat Potential und deshalb war sie auch ganz nett zu lesen. Eine klare Empfehlung kann ich dafür aber nicht aussprechen.

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Wandle, wo die Hexe ruht

Darkly von Marisha Pessl

In den 80er Jahren gab es eine beeindruckende Brettspiel-Entwicklerin: Lousiana Veda. Sie lebte zurückgezogen, über ihre Biografie war wenig bekannt, aber es ranken sich eine Menge Gerüchte um ihr Leben und Sterben.

Auch Dia ist von ihr und den Darkly Spielen fasziniert und sie hatte sogar schon einmal eins der begehrten Spiele in Händen.

Leider konnte sie es nie fertigspielen, denn es wurde verkauft, um den Antiquitätenladen ihrer Mutter zu retten.

Als Dia einen der begehrten Praktikumsplätze bei Darkly ergattert, kann sie es kaum fassen und freut sich auf einen Sommer voller Abenteuer in England. Gemeinsam mit sechs anderen Jugendlichen wird sie auf die geheime Insel gebracht, wo die Darkly Fabrik vor sich hin rottet. Das Abenteuer ist wesentlich weniger glamourös, als sich Dia das erwartet hatte. Es wird allerdings auch wesentlich spannender und gefährlicher als vorstellbar.

Die sieben Auserwählten stehen einer großen Herausforderung gegenüber und erkennen schnell, dass es nicht nur darum geht, ein Rätsel zu lösen. Hier steht viel mehr auf dem Spiel! Es geht um Vertrauen, Vermächtnis und vielleicht sogar um Leben und Tod. Auf jeden Fall werden alle Sieben nie wieder die selben sein!

Darkly ist eine düstere Geschichte. Der Lost Place als Ausgangspunkt der Suche ist ein perfektes Setting dafür. Der Gruselfaktor ist hoch und die Geschichte wird in hohem Tempo erzählt. Die kurzen Kapitel tragen ihren Teil dazu bei. Man fliegt nur so durch die Seiten. Unterbrochen wird das Ganze immer wieder durch Briefe und Bilder aus längst vergangenen Tage, die man anfangs nicht einordnen kann.

Damit spielt die Autorin das ganz Buch hindurch. Kapitel beginnen immer wieder woanders und haben mich beim Lesen regelmäßig in Verwirrung gestürzt. Doch die Autorin erklärt jedesmal, wie wir dort hingekomen sind. Ich habe mich dann auch relativ schnell an diese Stilmittel gewöhnt. Für die Briefe und Bilder allerdings, muss man sich bis zum Schluss gedulden.

Mir hat dieses 3. Buch von Marisha Pessl wieder hervorragend gefallen, obwohl es auch wieder ganz anders ist als das Erste und das Zweite. Ich finde, es ist eine beeindruckende Leistung, so ein breites Spektrum abdecken zu können und warte nun geduldig auf das nächste Buch aus ihrer Feder in der Hoffnung auf eine weitere Überraschung!

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Was für eine wunderbare Geschichte!

Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell

Eve Shaw ist nicht glücklich. Ihr reicht es, gerade so zufrieden zu sein, denn mehr hat sie ihrer Ansicht nach nicht verdient. Sie hat eine Schuld auf sich geladen, die sie sich selbst am allerwenigsten verzeihen kann.

Als sie im Rahmen ihrer Arbeit als Kunstexpertin auf das mysteriöse White Octopus Hotel stößt mit seinen magischen Artefakten, beginnt sie tiefer zu graben.

Und als ihr die Legende berichtet wird, dass man mit einem Bogen Briefpapier aus dem Hotel einen Brief an das jüngere Ich senden kann, stürzt sie sich in die Suche. Sie möchte unbedingt einen Fehler korrigieren.

Eve fällt es leicht an Magie zu glauben, denn sie ist selbst ein bisschen magisch. Sie hat ein Oktopus Tattoo, das auf ihrer Haut herumkriecht, als wäre es lebendig. Vielleicht ist es das ja auch. Auf jeden Fall unterstreicht es die Verbindung, die sie zum Hotel zu spüren beginnt. Eine Reise in die Schweizer Alpen scheint unaufschiebbar und so wagt Eve diese Fahrt ins Ungewisse und findet sich durch Zauberhand im Glamour der 30er Jahre wieder, als das Hotel seine Blütezeit erlebte.

Das Hotel selbst ist ein toller Schauplatz. Es ist mysteriös und bietet Raum für allerlei magische Gerätschaften. Hier bleiben keine Wünsche offen und auch die Gäste wirken interessant. Manche kommen ihr bekannt vor und andere kennt sie tatsächlich. Es gibt noch andere Zeitreisende hier und sie findet einen Mann, der sie komplett aus der Bahn wirft.

Eve muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen und sich ihren Gespenstern stellen.

In märchenhaftem Stil beschreibt die Autorin die Schauplätze sehr bildhaft, fast filmreif. Als Leser*innen fühlen wir uns nahezu wie ein Teil der Geschichte. Mich konnte Alexandra Bell restlos begeistern mit dieser fantasievollen und atmosphärischen Reise durch die Zeit in ein Abenteuer, das mich absolut in seinen Bann ziehen konnte. Für mich war der Besuch im White Octopus Hotel ein Highlight!

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Spionage oder der tiefe Fall des Dichters Jakob Dreiser

Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson

Wir starten die Reise ans Ende der Geschichte in Rom, wo Jakob Dreiser sich in seinem dichterischen Ruhm sonnt und zum Mittelpunkt jeder Party wird. Er ist überall gern gesehener Gast, denn er versteht es außerordentlich gut mit jedem ins Gespräch zu kommen. Seine Art Small Talk zu führen setzt alle in ein besseres Licht.

Auf einer Party im Botschaftsviertel lernt er Dieter Germeshausen kennen, dem diese Gabe gänzlich fehlt. Germeshausen ist ein Doppelagent, dem das Ende des Kalten Krieges nicht gut bekommt. Seine Dienste scheinen nicht mehr gebraucht zu werden. Es sieht fast so aus, als hätte beide Seiten ihn vergessen. Doch Dieter braucht Geld und so plant er einen letzten Coup, der ihm das nötige Kleingeld für den Aussteig einbringen soll.

Jakob scheint für ihn ein ein perfektes Ablenkungsmanöver zu sein. Er versucht ihn zu rekrutieren und bietet ihm eine Reise nach Kasachstan an. Da der Dichter ausnahmslos in den Tag hinein lebt und sich in seiner überbordenden Freiheit schrecklich langweilt, ist er sofort bereit sich in dieses Abenteuer zu stürzen. Er hinterfragt nichts, folgt dem Spion aufgeregt, wie ein kleines Kind und ist bestrebt, seine Sache gut zu machen.

Ob das gelingt und er den richtigen Menschen vertraut, wird hier natürlich nicht verraten und das Ende der Geschichte ist ein klein wenig Auslegungssache.

Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen und Orte und Personen werden sehr anschaulich beschrieben. Für meinen Geschmack manchmal etwas zu anschaulich. Dadurch habe ich mich streckenweise immer wieder gelangweilt bei der Lektüre. Außerdem konnte mich der vielgerühmte Humor dieser Geschichte nicht erreichen. Klar ist mir aufgefallen, dass der Autor mit den Klischees der Agentengeschichten spielt, aber zum Lachen konnte er mich nicht bringen.

Für mich war es eine durchwachsene Reise ans Ende der Geschichte. Einzig den Schluss fand ich bitterböse. Meiner Interpretation des Endes kann ich durchaus etwas abgewinnen. Aber das Ende lässt auch andere Interpretationen zu.

So richtig empfehlen kann ich das Buch nicht, aber da es viele begeisterte Stimmen dazu gibt, empfehle ich, noch andere Rezensionen zu lesen. Humor ist bekannterweise ja sehr subjektiv.

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Ahnenreise

Immergrün von Ruth Olshan

Ruth Olshan reist mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter in deren ursprüngliche Heimat in Litauen. Auf dieser langen Autofahrt begegnet sie sich selbst und erinnert sich an die Geschichten ihrer Ahninnen.

Ruth ist in Moskau geboren, als Tochter einer konvertierten Jüdin. Ihre Mutter war Sängerin und in der Sowjetunion als "Garbo des Ostens" berühmt.

Doch die Familie fühlte sich beengt in der kommunistischen Union und dem jüdischen Vater gelang es, eine Ausreisegenehmigung für Israel zu bekommen.

In dem heißen Land schaffte es die kleine Familie nicht, heimisch zu werden und als der Jom-Kippur-Krieg ausbrach traten sie eine weitere Reise an. Berlin soll ihr verheißungsvolles Ziel sein. Die vierjährige Ruth lebt sich relativ rasch ein, lernt schon im Kindergarten deutsch, findet Freundinnen und erfreut sich am Sport.

Vida, ihre Mutter möchte es auch hier als Sängerin schaffen, doch der Weg ist nicht leicht. Es fällt ihr schwer, die neue Sprache zu erlernen und sie leidet an der Trennung von ihren Wurzeln. Litauen ist jetzt zwar nicht mehr so weit weg, doch der eiserne Vorhang trennt die Familie. Bis zum Fall der Mauer muss Ruth einiges erleiden mit ihren Eltern, die es nicht schaffen in Deutschland Wurzeln zu schlagen.

Die Familie ist heimatlos, haltlos und immer auf der Suche.

Stilistisch ist das Buch leider etwas sperrig. Die Autorin springt in den Zeiten und es dauert ein bisschen, bis man sich in ihrer Lebensgeschichte zurechtfindet. Wir lesen die Erinnerungen, wie sie ihr auf der Reise in den Sinn kommen und vieles wirkt etwas nachbearbeitet. Wahrscheinlich ist das normal. Man macht sich schlauer in den Memoiren, weil man in der Retrospektive ja auch schlauer ist.

Dennoch konnte mich diese Lebensgeschichte berühren. Sie ist zwar nicht besonders emotional erzählt, aber sie zeigt auf, wie schwierig es ist, in der Fremde Fuss zu fassen und wie viel wir unseren zugezogenen Mitmenschen eigentlich abverlangen. Es ist beeindruckend, wie Ruth ihren Weg gefunden hat in der Wirren der Fremde ohne Eltern, die sie an die Hand nehmen konnten. Und ich finde es auch mutig, sich so preiszugeben.

Immergrün ist ein Buch, dass man sich ein Stück weit erarbeiten muss, es schmeichelt den Leser*innen nicht. Doch man kann sich einiges daraus mitnehmen.

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Alles im Wandel

Sommer auf Perigo Island von Perry Chafe

Ein Sommer auf Perigo Island, einer rauen Insel vor Neufundland im Jahr 1991.

Pierce und seine zwei Freunde verbringen die Ferien meist am Hafen um sich ein bisschen Geld bei den Fischern zu verdienen. Es gilt den gefangen Kabeljau abzuladen und den Fischen die Zungen rauszuschneiden und an Touristen zu verkaufen.

Die wenigen Bewohner der Insel leben vom Meer. Die Fischer fahren morgens raus und der Fang wird direkt auf der Insel verarbeitet, wo hauptsächlich die Frauen Arbeit in der Fabrik finden. Doch der Fang geht zurück, es gibt nun Tage ohne Arbeit und die ersten verlassen die Insel.

Für Pierce ist das keine Option. Er fühlt sich an die Insel gebunden und fürchtet doch das offene Meer, das ihm seinen Vater genommen hat.

Doch in diesem Sommer ist alles anders. Anna ist verschwunden und niemand weiß, ob ihr etwas zugestossen ist, oder ob sie weggelaufen ist. Und Emily taucht auf. Sie verbringt den Sommer mit ihrer Mutter hier, denn diese stammt von der Insel. Emily fügt sich erstaunlich gut in die Gruppe der drei Jungs. Sie ist wild und unbeschwert und Pierce verfällt ihr schnell. Das Gefüge gerät ein bisschen ins Wanken, aber ihre Freundschaft ist stark genug, das auszuhalten.

Auf der Suche nach Anna lernen sie einen eremitischen Meeresbiologen kennen, sich ihren Ängsten zu stellen und über sich hinauszuwachsen. Sie lernen, ihre Grenzen zu verschieben und sich für neue Perspektiven zu öffnen. Wir finden hier die klassischen Merkmale eines Coming-of-Age Romans, aber diese Buch ist mehr. Es ist auch ein Abenteuerroman mit atemberaubenden Naturbeschreibungen, ein Umweltroman, der aufmerksam auf Veränderungen und die Auswirkungen der Menschheit auf die Natur macht und ein bisschen ist es auch ein Krimi.

Perry Chafe ist hier ein atmosphärisch dichter Roman gelungen, der von der ersten Seite an seinen Zauber wirkt und fesselt. Ich bin restlos begeistert und empfehle das Buch gerade im Freundschaftskreis. Es ist genau mein Beuteschema.

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Aufnahmeprüfungen

The Ordeals von Rachel Greenlaw

Sophia DeWinter kennt nur ein Ziel. Sie will die Aufnahme in die berühmte Killmarth Academy schaffen, denn das ist der einzige Weg sich von ihrem Onkel zu befreien, der sie als kleines Kind an sich gebunden hat.

Um sich überhaupt beweisen zu können, muss sie erst mal die Feuerprobe bestehen, bevor die wirklichen Prüfungen losgehen.

Sie steht allein, ihre Mitstreiter*innen sind Rivalen und sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann. Sie hatte keinen einfachen Weg und wenig Liebe in ihrem Leben. Aber sie hat eine gute Kampfausbildung bekommen, gelernt, sie in den Schatten zu bewegen und sich an Situationen anzupassen.

Nun muss sie lernen zu vertrauen. Sich selbst und vielleicht auch anderen. Darf sie sich hier verlieben, oder schwächt sie das und macht sie verletzlich. Liegt schlussendlich die wahre Macht in der Liebe? Das und so einiges mehr wird Sophia lernen auf ihrem Weg eine Studentin zu werden.

Rachel Greenlaw hat hier eine interessante Welt geschaffen mit alter Magie und blutrünstigen Monstern; mit tödlichen Fallen, Lügen und Intrigen. Und sie hat eine Protagonistin geschaffen, mit enormen Potential und der Fähigkeit sich zu entwickeln. Ich habe mit ihr gelitten auf dem blutrünstigen Weg durch die Ordeals. Diese Welt ist brutal und grausam, aber es gibt auch viel Menschlichkeit, Wärme und Mitgefühl.

Ich hoffe sehr, dass hier ein weiterer Band folgt, denn diese Geschichte scheint mir erst zu beginnen. Ich möchte unbedingt wissen, wie Sophia sich entwickelt und was das Leben weiterhin für sie bereit hält.

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