Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Miro:
Eine unsichtbare Frau
Ich geh jetzt los und bring mich um von Fang Fang
He Hanqing lebt im Elternhaus ihres Mannes. Der Sohn ist zum studieren ausgezogen und Hanqin kümmert sich um alle Belange der Familie. Sie ist zuständig für den Haushalt, die Versorgung der Schwiegereltern und ebenso fürs Geldverdienen, denn ihr Mann widmet sich nur mehr der Kunstschnitzerei, seit er seine Arbeit in der Werkstatt verloren hat.
Hanqing führt ein äußert beschwerliches Leben, geprägt von mühevoller Arbeit und keiner Sekunde für sich. Sie ist außerdem eine liebevolle Person, die sich um die älteren Nachbarn kümmert, von denen sie immerhin auch mal ein gutes Wort bekommt. Von ihrer Familie wird sie nämlich nur ausgeschimpft und ist nie gut genug. Ihr wurde keine Bildung zuteil, aber sie meistert ihren Alltag mit Bauernschläue und ist sich dessen bewusst, dass auch dieses Wissen seinen Wert hat.
Doch irgendwann wird es He Hanqin zuviel und sie geht los, um sich umzubringen. Dieser Ausbruch aus ihrem Alltag birgt Überraschendes und endet, wie er enden sollte.
Fang Fang widmet sich auch in diesem Buch den Schwierigkeiten eines Frauenlebens im traditionellen China. Ihre Protagonistin ist keine stille und ruhige Frau und doch lebt sie ein unsichtbares Leben, denn ihr wird ihr Wert abgesprochen. Für mich, als Europäerin, ist es schwierig, diesen Kulturkreis zu verstehen und vor allem zu mögen, denn die Bücher der Autorin sind nie einfache Kost. Da fühlt man sich gleich Hunderte Jahre zurückversetzt. Feminismus und Emanzipation scheinen dystopisch weit entfernt. Diese Buch ist wahrscheinlich nicht das Stärkste von Fang Fang, aber auch auch dieses zeigt auf, wie einsam eine Frau im Familienverband sein kann, wenn sie keine Wertschätzung erfährt.
Tradwifes
Keine Angst, Darling von Vera Buck
Lea soll nie wieder in ihrem Leben Angst haben müssen. Dafür will ihr Mann sorgen und in der Gated Community in die das Paar zieht, scheint das auch nicht so schwer zu sein.
Lea wird zur Hausfrau und beginnt einen Tradwifes-Blog, in dem sie im 50er Jahre Stil Backvideos zeigt und anderen Weibchen verrät, wie sie ihren Männern am besten zu Diensten sein können.
Der Grusel beginnt also ziemlich schnell und wir lesen, wie schnell es zu Manipulation kommt, wenn man sich in Abhängigkeit begibt. Der scheinbar perfekte Partner, nach außen so charismatisch, beginnt plötzlich Regeln aufzustellen und lässt Risse in seiner Fassade erkennen.
Doch was in der Community sonst noch so vor geht, wird uns Leserinnen erst nach und nach klar. Aber da ist Lea schon verschwunden und ihre Schwester ist verzweifelt auf der Suche nach einer Spur von ihr.
Vera Buck hat mit diesem Buch einem gefährlichen Trend auf den Zahn gefühlt und führt uns vor Augen, dass wir mit Emanzipation und Feminismus nicht so leichtfertig umgehen sollten. Die Freiheit kann man schneller aufs Spiel setzen, als man sich vorzustellen vermag.
Keine Angst, Darling ist ein Psychogramm einer Lebensart, die in den Sozialen Medien ihre Anhängerinnen findet. Und es ist der Wunschtraum mancher Männer, die sich in ihrer toxischen bzw. narzistischen Welt ein Heimchen am Herd wünschen. Wohin das führen kann, wenn es sich zuspitzt, kann man hier wunderbar nachlesen. Ich fand das Buch sehr spannend und stellenweise sehr gruselig. Ich empfehle es allen, die gerne eine Psychokrimi lesen.
Ordnen mal anders
Hüter des Schatzes von Reiner Knizia
Hüter des Schatzes ist ein Ordnungsspiel, bei dem man auch ein Quäntchen Glück braucht. Die Spielanleitung ist super einfach und man kann direkt loslegen. Welche Strategie am Klügsten ist, muss man dann im Laufe der Runden herausfinden.
Man legt die verdeckt gezogenen Kärtchen so, dass sie möglichst viele Punkte einbringen.
Nur leider, kommen die gewünschten Kärtchen oft nicht oder man muss eins legen, dass so manches zerstört. Das macht Spaß, bietet aber immer wieder auch Grund zum Ärgern.
Das Spiel trainiert die Frustrationstoleranz. Das schadet vielen Erwachsenen nicht und Kindern meist noch weniger.
Wir haben das Spiel mit einem befreundeten Paar gespielt und waren alle begeistert, dass man sofort loslegen kann. Eine Runde geht relativ schnell und wir haben uns ein Punktelimit für den Tagessieg gesetzt.
Das Spiel wird ab 8 Jahren empfohlen. Wir waren uns alle einig, dass das etwas zu jung angesetzt ist. Ich denke, mit 10 Jahren kann man leichter eine passende Strategie entwickeln.
Ein weiterer Pluspunkt des Spieles ist, dass es auch zu Zweit Spaß macht. Mein Mann und ich werden es bestimmt noch oft zusammen spielen.
Ehen in der Krise
Breakup Season von Sophie White
Drei Paare, die sich aus Studienzeiten kennen, verbringen jährlich ihren Urlaub zusammen. Maggie und Fionn sind zu Geld gekommen, daher übernehmen die beiden mittlerweile die Kosten für die immer luxuriöseren Domizile. Clara und Ollie kämpfen mit den Kreditraten ihres Hauses und generell mit dem Auskommen als Eltern von drei ausgelassenen Jungs.
Nur Annie und Conor sind kinderlos und das macht vor allem Annie enormen Stress, denn sie hat die Vierzig schon überschritten.
Alle drei Paare haben ihre Probleme und dieser Urlaub, der Entspannung bringen sollte, geht von Anfang an irgendwie schief.
Sophie White bringt mit diesen drei Paaren diverse Krisen, die eine Ehe möglicherweise zu tragen hat, aufs Tapet. Da sind einerseits die ganz alltäglichen Sorgen und der ständige Vorwurf, dass eine Person mehr für die Familie arbeitet als die andere und man vieles nicht mehr sieht, weil es zu Selbstverständlich wurde. Und da ist der Druck, eine Familie gründen zu wollen und man völlig aus den Augen verliert, dass Sex Spaß machen und nicht nur einem Zweck dienen soll. Und schließlich findet sich das Thema, dass Geld nicht unbedingt glücklich macht, wenn ein Partner für die Karriere des anderen, die eigenen Wünsche und Ziele aufgegeben hat.
Die Themenvielfalt ist somit interessant. Die Aufmachung ist mir allerdings zu reißerisch und verkommt im Mittelteil komplett zur Seifenoper. Zum Glück gibt es einen soliden Abschluss der Geschichte. Nicht für alle geht alles gut aus, aber vieles fügt sich positiv. Und es passiert Unvorhergesehenes. Man darf bis zum Schluss gespannt sein.
Als Sommerbuch kann ich die Lektüre empfehlen. Es liest sich leicht und zügig, ist nicht langweilig, aber man darf sich trotz schwieriger Themen nicht zu viel Tiefe erwarten. Der Mittelteil war leider so gar nicht meins und hätte ich nicht ein Rezensionsexemplar erhalten, hätte ich es vielleicht abgebrochen. Zum Glück habe ich das Buch beendet und konnte mich weitgehend mit der Geschichte versöhnen. Daher vergebe ich drei Sterne für diesen unterhaltsamen Roman, der etwas mehr will, als er bieten kann.
Die außergewöhnlichen Endicotts
Ein Riesenspaß für die ganze Familie von Jennifer E. Smith
Drei Jahre habe die Geschwister Endicott nicht miteinander geredet, als alle von Jude, der Jüngsten, eine Nachricht mit der Bitte um ein Treffen erhalten. Und natürlich machen sich alle drei auf den Weg. Denn eigentlich waren sie mal unzertrennlich und wenn sie gebraucht werden, sind sie auch heute noch zur Stelle.
Was die Geschwister damals getrennt hatte, erfahren wir aus Rückblenden. Der Aufbau des Buches ist ziemlich spannend gestaltet. Wir lesen Kapitel aus der Sicht der einzelnen Geschwister und immer wieder Rückblenden, die uns ihre spezielle Kindheit näher bringen.
Auch die Gegenwart ist interessant, denn alle vier stehen an einem Wendepunkt. Sie kämpfen mit unerfüllten Träumen, beruflichen Krisen und dem üblichen Beziehungskram. Durch das Wiedersehen werden sie mit lang vergrabenen Wahrheiten konfrontiert und müssen sich gezwungenermaßen ihren verdrängten Traumata stellen.
Und dann hat Jude noch ein paar ganz spezielle Wahrheiten für ihre Geschwister, die die neu entstandene Nähe auf eine harte Probe stellen. Doch es sind die außergewöhnlichen Endicotts, die schon viel mehr meistern mussten. Ihre Leben waren immer turbulent.
Jennifer E. Smith konnte mich mit diesem Familienroman richtig begeistern. Die Geschwister sind mir ans Herz gewachsen mit ihren Ecken und Kanten. Die Charaktere sind liebevoll, aber auch schonungslos gezeichnet und die Rollen, wie in Familien meistens, klar vergeben.
Besonders gelungen finde ich den Aufbau des Buches. Durch die Rückblenden setzt sich die Geschichte wie ein Puzzle zusammen und aus den anfänglichen Verwirrung wird ein stimmiges Bild. Das weckt die Neugierde und baut Spannung auf. So war es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Stil ist zugänglich, manchmal humorvoll und manchmal sehr einfühlsam. Für mich war das Buch ein echtes Highlight!
Landleben
Wirf einen Schatten von Elena Fischer
Joseph ist allein auf seinem Hof zurückgeblieben, nachdem seine Frau Lis mit ihrem gemeinsam Sohn ausgezogen war. Sie konnte das zurückgezogene Landleben in einer sprachlosen Ehe nicht mehr ertragen. Auch Joseph erträgt seine Einsamkeit nicht mehr. Er beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Ein letztes Mal die Tiere versorgen, Abschied nehmen vom Land und von den Vorausgegangenen und ein kurzer Brief auf dem Tisch.
Doch dann steht Birdie vor seiner Tür. Halb erfroren sucht sie Zuflucht, denn sie ist auf der Flucht vor ihrem Vater. Joseph kann nicht anders als ihr zu helfen und gemeinsam mit seiner Schwägerin Ada, päppeln sie Birdie auf und helfen ihr auf ihrem Weg in die Zukunft. Doch Birdie hilft auch Joseph aus seiner Erstarrung und er beginnt sich mit seinen Themen aus der Vergangenheit auseinanderzusetzen, damit sein Leben endlich einen Schatten werfen kann.
In regelmäßigen Rückblenden erfahren wir von den familiären Prägungen, der Schuld und der Verluste, die schlußendlich zu Joseph's Sprachlosigkeit führten. Aber der Roman beleuchtet auch den Mut zur Veränderung, die Möglichkeit von Liebe und Hoffnung auf einen Neuanfang.
Elena Fischer zeichnet ihre Figuren in einfacher, fast poetischer Sprache. Sie gibt ihnen klare Konturen und geht sehr behutsam mit ihnen um. Emotionen finden sich eher zwischen den Zeilen, was dem Text etwas Nüchternheit verleiht. Trotz der emotionalem Thematik findet sich kein Kitsch in diesem Roman, denn das würde nicht zum rauen Landleben passen. Die Sprache fügt sich gut in Ort und Zeit ein.
Mich konnte die Autorin begeistern mit dieser Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte, die so viele Umwege braucht, bis sich Hoffnung einstellt.
Wo Menschlichkeit in Frage gestellt wird
To Cage a Wild Bird von Brooke Fast
Endlock ist das grausamste Gefängnis aller Zeiten. Ursprünglich erbaut, um die Kriminalität einzudämmen, hat es sich zu einem veritablen Geschäftszweig entwickelt. In Endlock dürfen die Menschen mit Geld auf Jagd gehen. Es ist geradezu ihre Bürgerpflicht, die Welt von Kriminellen zu befreien. Doch es gibt keinen Unterschied.
Für Mundraub landet man genauso in Endlock, wie für einen Mord.
Raven war noch sehr jung, als ihre Eltern in Endlock ums Leben kamen. Um sich und ihren kleinen Bruder versorgen zu können, begann sie als Kopfgeldjägerin zu arbeiten. Als ihr kleiner Bruder festgenommen wird, überlegt Raven nicht lange. Sie lässt sich ebenfalls verhaften, damit sie ihn in Endlock beschützen kann.
Raven hat früh gelernt, niemandem zu vertrauen, sich auf niemanden zu verlassen. Dass sie genau das in Endlock wieder lernen wird, kann sie selbst kaum glauben. Doch sie findet Freundschaft, Zusammenhalt und sogar Liebe an diesem gottverlassenen Ort, wo die Grausamkeit keine Grenzen kennt.
Das Buch ist streckenweise wirklich heftig zu lesen und doch wissen wir aus der Geschichte, wie grausam Menschen sein können, wenn der Rohheit kein Einhalt geboten wird. Die Autorin verwebt hier geschickt die Brutalität des Alltags mit dem Funken Hoffnung, den die kleine Gemeinschaft in Endlock sich aufbauen kann.
Ob ihnen die Flucht gelingt, wird hier natürlich nicht verraten.
Mich konnte das Buch von Anfang an fesseln und ich empfehle es allen, die "Die Tribute von Panem" mochten. Daran erinnert es ein bisschen.
Bear, Julian oder Gordon
Die Namen von Florence Knapp
Cora, ehemalige Balletttänzerin und Frau des Hausarztes, ist auf dem Weg, um ihren jüngeren Sohn am Amt anzumelden. Nun soll er endlich seinen Namen bekommen. Für den Vater steht fest, dass er Gorden heißen muss, wie die Männer in der Familie schon seit Generationen heißen. Doch Cora schwankt, denn sie möchte nicht, dass ihr Sohn wie sein Vater wird.
Bear ist der Name, den ihm seine ältere Schwester ausgesucht hat. Er ist wild, mutig und frei, aber auch kuschelig warm. Julian wünscht sich Cora für ihn, ein klingender Name der an ein Juwel erinnert und Himmelsvater bedeutet, um den Vater zu ehren. Und Gordon bedeutet großer Hügel und ist unverrückbar und bedrohlich.
In Siebenjahresschritten erfahren wir, wie es der Familie ergeht, je nach Entscheidung die getroffen wurde. Wie viel Mut hat Cora aufgebracht, um sich gegen ihrem Mann zu stellen bzw. wie weit unterwirft sie sich seinen Wünschen und Befehlen.
Allen drei Wegen liegt eine Menge Drama inne, aber auch eine Menge an Freude und Glück. Es gibt immer eine Entwicklung und was anfangs als richtig erscheint, erweist sich nicht zwingen als die beste aller Möglichkeiten. Florence Knapp spielt hier sehr stark mit den Graustufen des Lebens und lässt es am Ende scheinen, als wäre jedem Menschen ein gewissen Quantum an Glück vorherbestimmt. Der eine verbraucht es früher, der andere eben später in seinem Leben.
Mich konnte die Autorin mit diesem Buch restlos begeistern. Sie hat mich gleich am Anfang gepackt, denn die Auswirkungen der Entscheidung bei der Namensfindung, nehmen direkt Einfluss auf das weitere Leben. Und die späteren Wendungen halten den Roman bis zum Ende spannend. Viel kann hier leider nicht verraten werden, um nicht zu spoilern, aber ein ist klar: Florence Knapp werde ich mir merken und ich freue mich auf ihr nächstes Buch!
Eine wunderschöne und tragische Geschichte
Die Gesetze von Liebe und Logik von Debra Curtis
Lily ist noch sehr jung, als ihre Mutter den Kampf gegen den Krebs verliert. Der Vater bemüht sich seine Kinder liebevoll großzuziehen, aber der Verlust hinterlässt Spuren in den beiden Mädchen.
Während Lily schnell eine erste Liebe findet, schaltet Jane immer öfter mit Alkohol auf Partys ab.
Lily findet eine Stütze in dem Jungen, der sie fest verankert und Jane flüchtet regelmäßig aus der Realität.
Lily und der Junge planen auf die selbe Universität zu gehen und der Junge möchte sie unbedingt heiraten. Doch es kommt alles anders. Eine Party eskaliert und eine gemeinsame Zukunft wird unmöglich. Ein weiterer Verlust, den Lily verarbeiten muss. In ihrem späteren Ehemann Marshall findet Lily wieder einen Gefährten, der ihr auf Augenhöhe begegnet, sie unterstützt, wo sie es braucht und auch für ihre Schwester Jane da ist, die immer mehr mit ihrer Sucht zu kämpfen hat.
Aber es bleibt immer die Frage nach dem was wäre wenn. Wie wäre das Leben verlaufen, wenn es diesen einen Abend nicht gegeben hätte. Lily liebt ihren Mann, aber sie hält auch ihr Leben lang an der Erinnerung an den Jungen fest. Sie lebt ein aufregendes Leben, der Forschung und Bildung gewidmet, bleibt offen für Neues und wendet sich immer wieder neuen Themen zu.
Das Spannungsfeld zwischen Liebe und Logik wird auf mehreren Ebenen behandelt. Wir haben einerseits, das der Wissenschaft gewidmete Leben und die Liebe zu einem Wissenschaftler. Und wir finden das Spannungsfeld zwischen emotionalen und rationalen Entscheidung, die nicht immer Hand in Hand gehen.
Debra Curtis ist mit diesem Roman ein großes Familienepos gelungen. Mit feinsinnigem Gespür widmet sie sich ihren Figuren und gibt den Charakteren detailreiche Tiefe. Beim Lesen fühlte ich mich der Protagonistin Lily sehr nah und manche Schauplätze sind so bildhaft beschrieben, dass es fast filmisch wirkt. Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und die Tragik des Schicksals konnte mich sehr berühren ohne dabei kitschig zu wirken. Ich bin ausgesprochen begeistert von diesem Debüt und freue mich jetzt schon auf weitere Romane der Autorin!
Hitzewelle
Ins fahle Herz des Sommers von Andreas Eschbach
Fausto lebt in einem kleinen Dorf mit wenigen anderen Bewohnern. Sie alle sind damit beschäftigt, am Leben zu bleiben. Wir befinden uns in einer Welt, nach dem Klimawandel. Regen ist eine dumpfe Erinnerung an bessere Tage. Es wächst nichts mehr, die Menschheit ist stark dezimiert und die meisten sind in den hohen Norden ausgewandert.
Fausto hat den Absprung verpasst. Aber er ist gut darin, Dinge zu finden und Sachen zu reparieren. Nacht für Nacht macht er sich auf den Weg, um letzte Vorräte zu finden, denn alles, was nicht gut versteckt ist, wurde längst geplündert. Das Leben könnte für ihn weiterhin so dahinplätschern, doch dann taucht eine junge Frau im Dorf auf, die erstaunlich gut mit dieser Hitze zurechtkommt. Was sie für ein Geheimnis trägt, wird hier natürlich nicht verraten.
Dieser Roman lebt nicht unbedingt von der Handlung. Es passiert schon was, aber nicht allzu viel. Was den Roman ausmacht, ist das düstere Bild, das Eschbach zeichnet, von unserer Welt nach dem Klimawandel. Die unbändige Hitze und der Wassermangel schaffen eine lebensfeindliche Welt, die unweigerlich zum Zusammenbruch geführt hat. Es leben noch einige Menschen hier, aber die Ressourcen werden nicht ewig halten. Das Ende steht definitiv bevor.
Aber es ist auch eine Welt, die vorstellbar ist, wenn die Menschheit nicht bald bereit ist, umzudenken. Der Klimawandel ist nicht mehr leugbar. Dadurch kreiert der Autor mit dieser Dystopie eine mögliche Zukunft mit Gänsehauteffekt.
Fausto ist ein sympathischer Protagonist. Er ist hilfsbereit und großzügig und zeigt, dass es möglich ist auch unter widrigsten Bedingungen die Menschlichkeit zu bewahren. Anhand seiner Erinnerungen erfahren wir, wie sich die Welt gewandelt hat und was ihm alles widerfahren ist, bevor er in diesem verlassenen Dorf gestrandet ist.
Ich habe mich gerne in das fahle Herz des Sommers begeben und mit von der düsteren Stimmung mitreissen lassen. Daher vergebe ich gerne 4 Sterne für diese Dystopie.











