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Rezensionen von Miro:

Ein Riss in der Zeit

Das vorläufige Ende der Zeit von Berni Mayer

Horatio Beeltz hat sich der Suche nach Zeitrissen verschrieben. Zusammen mit der kosmologischen Gesellschaft, ein eher geheimer Club, ist er überzeugt, dass die 4. Dimension ebenso begangen werden kann, wie die anderen. Man muss nur einen Eingang finden.

Und diesen entdeckt er überraschend auf einem alten jüdischen Friedhof in Slubice.

Verunsichert, ob er diese Reise antreten soll, sucht er sich erst mal zwei Probanden, als "Testpersonen". In Artur und Mi-Ra wird er schnell fündig. Beide haben traumatische Erfahrungen hinter sich, die ihre aktuelle Wirklichkeit stark beeinflussen. Um ihre Gehirne auf diesen Trip gehen zu lassen, gibt er ihnen spezielle Pilze. Das Psilocybin soll ihren Geist erweitern, damit sie die Reise in die Vergangenheit antreten können.

Beide fragen sich, ob dies echt sein kann, oder nur ein Trick und ein einfacher Pilztrip. Und beide müssen sich ihren Erfahrungen stellen und sich fragen, ob sie sie wirklich ungeschehen machen wollen und was das für Auswirkungen auf ihre Gegenwart haben wird.

Mit diesem Buch begeben wir uns auf eine spezielle Reise und als Leser*in sollte man einer Brise Surrealismus nicht abgeneigt sein. Doch Berni Mayer erzählt uns auch zwei Lebensgeschichten, die mit ihren Ecken und Kanten und Erfahrungen sehr berührend sind.

Gleichzeitig regt der Autor Gedanken über die eigene Vergangenheit an und die Idee, einmal getroffene Entscheidungen zu widerrufen. Ein spannender Ansatz und mache Antworten finden wir auch im Text.

Mich hat das Buch hervorragend unterhalten. Ich fand die Reise spannend, anregend, einfühlsam und berührend. Ein rundherum liebevoller Roman, der ruhig auch einen Blick in die Zukunft hätte werfen können.

Dennoch kann ich das Buch uneingeschränkt allen empfehlen, die offen sind für ein bisschen Magie in der Realität.

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Tauch unter und lauf

Going Zero von Anthony Mccarten

Kaithlyn Day sitzt gefasst in ihrer Wohnung und wartet auf das Signal. Sie ist vorbereitet. Go Zero ist der Startschuss für ein besonderes Projekt. Zehn Menschen, ausgewählt von FBI und CIA sollen 30 Tage lang unter dem Radar bleiben. Als Belohnung locken 3 Millionen Dollar.

Cy Baxter hat mit seiner Firma WorldShare, ein Social Media Anbieter, was Großes vor.

Mit Fusion möchte die Kräfte von CIA, FBI, Militär und Homeland Security mit der Macht der sozialen Medien bündeln und so der Kriminalität mit neuer Stärke entgegen treten. WorldShare bzw. Fusion setzt alle Mittel des Trackings ein inclusive Satelliten und Drohnen, sämtliche Verkehrskameras, Bordcomputer und was man sich noch so alles vorstellen kann.

Kaithlyn Day ist Bibliothekarin und macht einen recht unbedarften Eindruck, doch sie hat noch eine andere Motivation, diese Challenge zu gewinnen und einige Überraschungen für Baxter in petto.

Die Jagd beginnt und man verfällt automatisch in eine fast atemlose Lektüre. Die kurzen Kapitel und der zeitliche Countdown unterstützen diesen Eindruck noch und man kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Die Möglichkeiten der Überwachung scheinen hier keine Grenzen zu kennen und wir erkennen den Großteil davon wieder. Wissentlich setzten wir auch jetzt schon unsere Privatsphäre aufs Spiel in der Hoffnung, dass wir eh nicht interessant sind. Dieser dystopische Roman ist also gar nicht so weit weg von unserer Realität.

Immer wieder scheint sich die Schlinge um Kaithlyn zuzuziehen und immer wieder sieht sich sich gezwungen weitere Ressourcen zu aktivieren. Sie geht definitiv an ihre Grenzen und darüber hinaus. Auch einige der anderen Anwärter haben gute Ideen und machen es den Teams schwer.

So wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der gegen Ende hin immer mehr ansteigt. Man merkt bei der Lektüre, dass der Autor auch Drehbücher schriebt, denn die Geschichte läuft wie ein Film vor den Augen ab. Ganz klar ein Film, den ich sehen muss, sollte er tatsächlich in den Kinos landen.

Mich hat das Buch hervorragend unterhalten und es regt mich zum Nachdenken an. Ich bin mir sicher, dass Fusion auch über mich ein recht ordentliches Profil anlegen könnte und da beginnt es mich zu gruseln. Also lest alle dieses Buch! Es ist spannend und sensibilisiert vielleicht etwas, wie wir mit unseren persönlichen Daten umgehen und von welchen Seiten wir uns bespitzeln lassen!

McCarten führt und hier eine mögliche Zukunft vor Augen, die in kürzester Zeit real werden könnte und das in einem rasanten Thriller! Unbedingt lesen!

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Der Soundtrack des Lebens

Straßenmusik von Markus Behr

Jonas und Chiara sind auf dem Weg nach Amsterdam. Bereits im Zug treffen sie kurz aufeinander, gehen aber getrennte Wege. Beide sind irgendwie ein bisschen auf der Flucht. Beide haben Verluste zu betrauern und müssen sich neu orientieren.

Chiara ist in Amsterdam, weil sie da Strassenmusik machen will und auf gutes Publikum hofft.

Sie schreibt eigene Songs, ist aber etwas verunsichert, ob die was taugen.

Jonas will einfach nur weg und Amsterdam ist wohl das erste was ihm eingefallen ist, denn seine Band hat ihn gleichzeitig mit dem Durchbruch rausgeschmissen. Das große Konzert steht an und er möchte sich den unangenehmen Fragen nicht stellen. In Amsterdam irrt er durch die Straßen, bis er über Chiaras Gitarre stolpert, die sie in einem Pub vergessen hatte.

Endlich kann er wieder Musik machen und über die Gitarre lernen sich die beiden nun tatsächlich kennen.

Ihre Annäherung gestaltet sich etwas schwierig, denn Jonas ist sehr introvertiert und schüchtern. Er kann sich schlecht mitteilen und kommt dabei kaum auf den Punkt. Chiara ist nicht gerade die geduldigste Person und eigentlich immer kurz vor einem Wutausbruch. Diese Unterschiede könnten auch eine Stärke sein, doch tatsächlich hat man eher das Gefühl, sie schwächen das feine Gefüge, das ihr Duo bildet. Musikalisch harmonieren sie perfekt, aber privat läuft es nicht besonders rund zwischen ihnen.

Schön fand ich, dass von Anfang an klar war, dass diese Geschichte keine Romanze wird, denn Chiara steht ganz eindeutig auf Frauen und hält das vor Jonas auch nicht geheim. Sie gefällt ihm zwar sehr gut, aber es ist ihm bewusst, dass es zwischen ihnen nur Freundschaft geben kann.

Ob die beiden den großen Durchbruch schaffen, wir hier natürlich nicht verraten. Nur noch so viel: Beide finden wieder Halt in ihren Leben. Die Zeit der Orientierungslosigkeit findet nach Amsterdam ein Ende.

Schade fand ich, dass Chiaras Verhalten bis zum Schluss nicht ganz geklärt ist. Ihre unbändige Wut, die sie immer wieder explodieren lässt, bleibt unbegründet und hat auch dazu geführt, dass mir diese Figur immer fremd blieb. So sind die Sympathien recht eindeutig zugunsten des ruhigen Jonas verteilt, denn er ist zwar übermäßig selbstkritisch, aber immerhin zu Selbstreflexion fähig. Bei Chiara zeigt sich das nur ganz rudimentär.

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Es liest sich flott und flüssig, der Stil ist nicht kompliziert und die Geschichte ist spannend und interessant. Am besten liest man das Buch im Zug, mit der passenden Playlist (findet sich auf Spotify) im Ohr!

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Schwimmen gegen den Strom

22 Bahnen von Caroline Wahl

Tilda zieht täglich ihre 22 Bahnen, damit sie ihren Kopf frei bekommt. Sie ist ein Mathegenie und arbeitet neben dem Studium auch noch an der Supermarktkasse, damit sie ihrer kleinen Schwester Ida was zu Essen machen kann. Denn die Mutter ist Alkoholikerin und leidet zudem an Depressionen. Wenn es ganz schlimm kommt, findet Tilda ihre Schwester im Zimmer eingesperrt und die Mutter blutend in den Scherben einer Flasche.

Zeit für ein typisches Student*innenleben bleibt Tilda nicht. Und geht sie doch mal aus, kann es leicht passieren, dass zuhause eine Katastrophe auf sie wartet.

Doch Tilda meistert ihr verqueres Leben hervorragend. Sie trägt eine Verantwortung, die ihr viel zu jung aufgebürdet wurde und stärkt ganz nebenbei ihre kleine Schwester, damit auch sie irgendwann mit der Mutter zurecht kommt.

Und dann taucht auch noch Viktor auf, der ebenfalls seine Bahnen zieht und Tilda an das Unglück vor einem Jahr erinnert, als sie einen ihrer besten Freunde verlor. In ihrem jeweiligen Unglück gefangen, nähern sich die beiden an und stützen sich weitgehend gegenseitig.

Doch keine Angst: Das Buch ist keine Romanze! Die Autorin erzählt hier wirklich feinfühlig vom Aufwachsen unter erschwerten Bedingungen und wie und warum es trotzdem gelingen kann ein zufriedenes und schönes Leben zu führen.

Tilda's Geschichte hat mich wirklich berührt und ich finde, der Autorin ist hier eine wunderbare Protagonistin gelungen, die mitten aus dem Leben gegriffen wirkt. Sie ist nicht perfekt, macht auch ihre Fehler und darf auch mal ein bisschen egoistisch sein. Und mit Ida hat sie eine zauberhafte kleine Schwester geschaffen, die man einfach liebhaben muss.

Caroline Wahl konnte mich mit 22 Bahnen wirklich begeistern. Ich wäre nur gerne etwas länger an Tilda und Idas Seite geblieben!

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Ein Tag im Freibad

Seemann vom Siebener von Arno Frank

Ein heißer Augusttag im Freibad einer Kleinstadt: Da sitzt Renate an der Kassa, die in der Kreissparkasse von einem Automaten abgelöst wurde und jetzt kreuzworträtsellösend Eintrittskarten verkauft. Und da ist immer auch Kiontke der Bademeister, der hier eigentlich nicht mehr arbeiten sollte, denn er müsste ja schwer traumatisierte von dem schrecklichen Unfall sein, der einige Jahre vorher passiert ist.

Langsam beginnt sich das Bad zu füllen. Frau Trautenheimer kommt immer, auch wenn ihr der Weg schon schwer fällt und sie auch ihre letzte Freundin überlebt hat. Doch sie zieht ihre Bahnen, wenn auch nur mehr am Beckenrand entlang.

Ein Mädchen kommt mit ihrem Bruder. Zum ersten Mal seit langer Zeit hat sie ihr Zimmer verlassen und sie hat ein Projekt. Sie will einen Seemann vom Siebener springen und es os allen zeigen, nicht zuletzt ihr selbst.

Lennard ist auch da. Er hat die Kleinstadt schon vor Jahren verlassen, um als Fotograph die Welt zu bereisen. Der Tod seines ehemals besten Freundes hat ihn zurückgebracht, denn am Abend ist die Beerdigung. Und natürlich ist auch Josefine da, die damals die Dritte im Bunde war.

Dann gibt es noch eine Kindergartengruppe, mit einer wenig emphatischen Betreuerin, Eltern mit Kindern und Kinotkes Pappenheimer - Jugendliche, die immer wieder mal für Ärger sorgen.

Arno Frank hat sich interessante Lebensgeschichten für seine Figuren überlegt. In Rückblenden werden Erinnerungen geteilt und wir lernen die Badegäste langsam immer besser kennen. Anfangs wirkt die Geschichte sehr zerfasert. Es fehlen die Zusammenhänge und das Verständnis für die Figuren. Außerdem ist das ganze überschattet von zwei Unglücken, die ebenfalls nicht richtig fassbar sind.

Am Ende des Romans war ich sehr unzufrieden, weil mir alles zu offen erschien. Zu wenig wurde aufgeklärt und ich hatte das Gefühl, dem Autor sind ein paar Fäden abhanden gekommen.

Glücklicherweise durfte ich das Buch in einer Leserunde lesen und wurde dann aufgeklärt über eine wichtige Tatsache, die ich so nicht verstanden hatte. Ich bin zwar immer wieder über Andeutungen gestolpert, konnte sie aber nicht richtig einordnen. Da ich nicht die Einzige war, der es so ergangen ist, komme ich zu dem Schluss, dass der Autor ein bisschen zu gut im Verschleiern ist. Zumindest am Schluss hätte er etwas deutlicher werden können, denn nicht alle diskutieren das Buch im Anschluss.

Wenn man das dann weiß, fügt sich alles gut ein.

Somit empfehle ich das Buch Leser*innen die einen 7. Sinn haben. Ich kann leider nur 3 Sterne vergeben. Mehr geht nicht bei einem Buch, das mindesten die Hälfte der Leser*innen der Runde nicht verstanden haben.

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Düstere Familiengeheimnisse

Gallant von V. E. Schwab

Olivia Prior lebt in einem Waisenhaus und ist ziemlich einsam da. Sie kann nicht sprechen und die anderen Mädchen meiden sie, weil sie irgendwie anders ist. Aber sie sieht Wesen, die sie Guhle nennt. Diese Wesen sehen zwar irgendwie zombieartig aus, wollen ihr anscheinend aber nicht Böses. Sie können sie auch nicht berühren und wenn sie sie direkt anschaut, verschwinden sie.

Sie darf sie immer nur aus den Augenwinkeln betrachten.

Außerdem hat sie das Tagebuch ihrer Mutter, das gegen Ende hin leider immer kryptischer wird und sie vor etwas warnt, das Gallant heißt. Olivia hat keine Ahnung, was das bedeuten soll.

Doch alles ändert sich, als ein Brief eines Onkels eintrifft, der sie einlädt, auf sein Anwesen zu kommen. Sie wird Hals über Kopf in ein Auto verfrachtet, um die Reise anzutreten. Die Gouvernanten scheinen froh zu sein, sich des Mädchens entledigen zu können. Es ist bereits Abend, als sie an einem Herrenhaus ankommt, das seine Tore nur widerwillig öffnet. Olivia wird als Prior erkannt, aber erwünscht scheint sie nicht zu sein. Der Onkel ist bereits verstorben und ihr Cousin ist äußerst ablehnend. Nur die beiden Hausangestellten scheinen sich zu freuen, dass Olivia nach Hause kommt.

So ist es an Olivia herauszufinden, was an diesem geheimnisvollen Ort vorgeht, warum ihre Mutter sie von dort Fernhalten wollte und wie sie es schaffen kann, nicht wieder vertrieben zu werden, denn sie fühlt sich eindeutig in Gallant zuhause.

V. E. Schwab hat einen sehr atmosphärischen und düsteren Roman geschaffen. Bereits im Waisenhaus herrscht eine lebensfeindliche Stimmung. Alles ist grau in grau und die wenigen Farben die den Alltag durchdringen, werden von Olivia hervorgehoben und gewürdigt. Mal ist es ein kleines Blümchen, das ihre Aufmerksamkeit erregt, mal das Orange einer gestohlenen Mandarine. Die Autorin beschreibt die Szenerie sehr bildlich und man kann sich das triste Leben da gut vorstellen.

Auch die Ankunft in Gallant ist ziemlich mysteriös. Es wird von Anfang an Spannung aufgebaut um das Geheimnis, das im Dunkeln zu lauern scheint. Der Spannungsbogen ist enorm und die düstere Atmosphäre hat mich beim Lesen komplett in ihren Bann gezogen. Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen, was den großen Showdown am Ende angeht, doch damit hat mich die Autorin leider enttäuscht. Der Schluß wird viel zu schnell abgehandelt und besticht dann nicht gerade mit Kreativität. Dadurch lässt mich das Buch etwas enttäuscht zurück.

Da mir die Lektüre aber großen Spaß bereitet hat und ich den Roman sehr stimmungsvoll und stilistisch ansprechend wahrgenommen habe, vergebe ich dennoch 4 Sterne.

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Immer am Rand der Gesellschaft

Offene Gewässer von Romina Pleschko

Elfi ist ungefähr dreizehn Jahre alt, als sie bei ihrer Großmutter in Liebstatt amSee landet. Was genau passiert ist, das sie ins Kinderheim in Stuttgart gebracht hat, erfahren wir nicht in dieser Geschichte, aber die Großmutter hat sie dort nicht zurückgelassen.

Die Beziehung zwischen Großmutter und Enkelin ist geprägt von etwas eigenwilligen Weisheiten, die Elfi ihr Leben lang begleiten, wird aber später schwer getrübt, durch die Tatsache, dass sie ihrer Enkelin verheimlicht hatte, in regem Briefkontakt mit der Mutter zu stehen.

Elfi fügt sich leidlich ins Dorfleben, tritt dem Schwimmverein bei und geht in die katholische Mädchenschule, bis sie ihren Rauswurf provoziert, um ihrem zukünftigen Ehemann näher zu kommen. Sie engagiert sich nicht besonders, weder in der Schule, noch bei sportlichen Wettbewerben und kommt immer irgendwie durch damit.

Sie erzählt ihre Geschichte mit einer gehörigen Portion Selbstironie und so bringt mich die Autorin ständig zum schmunzeln beim Lesen. Der Coming-of-Age Teil des Buches ist wirklich lustig! Der zweite Teil ist anfangs etwas sperriger zu lesen, doch wenn man sich neu eingefunden hat, liest sich ihre Geschichte als Erwachsene auch gut. Elfi ist zurück in Liebstatt, mittlerweile geschieden und aus welchen Gründen auch immer relativ gut situiert. Dadurch wird sie natürlich beäugt im Dorf. Um nicht zu viele Feinde oder Neider zu generieren, zahlt sie immer wieder mal die Zeche in der Dorfkonditorei.

Doch die Gemeinde rückt ihr sehr auf den Pelz. Sie sollte ihr Haus am See verkaufen, um dem zu bauenden Hotel mehr Platz zu machen. Regelrecht rausdrängen möchten sie sie. Doch Elfi wehrt sich. Sie war schon immer streitbar. Auch ein Grund, warum sie sich nie so richtig ins Dorfleben eingebracht hat.

Mit "Offene Gewässer" hat Romina Pleschko einen ansprechenden zweiten Roman vorgelegt. Sprachlich streckenweise etwas sperrig trieft der Roman von Wortwitz und Ironie. Ein Buch für alle, die dem schwarzen Humor etwas abgewinnen können. Aber auch ein Buch für Landkinder, die sich in den Dorfstrukturen selbst entdecken können. Vom mir gibt es eine klare Leseempfehlung! Ich fand es anspruchsvoll und amüsant!

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Zarte Knospen

Lichte Tage von Sarah Winman

Ellis flieht die Tage und arbeitet nur mehr in der Nachtschicht, seit seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam. Nur sein junger Kollege versteht es, den Einzelgänger manchmal aus seinem Schneckenhaus zu locken. Vielleicht erinnert er Ellis an seine eigene Jugend.

Erst ein weiterer Autounfall bringt Veränderung und holt Ellis aus der Stagnation der Trauer.

Sein eingegipster Arm zwingt ihn zu einer längeren Pause und somit auch dazu, sich mit seinen Erinnerungen zu konfrontieren.

So erfahren wir von Ellis Jugend, seiner schöngeistigen Mutter, die in ihrem Arbeiterhaushalt alles andere als glücklich war und sich dem Vater gerade ausreichend widersetzte. Und wir lesen von Ellis bestem Freund Michael, der seine Eltern früh verloren hat und nun ebenfalls in Oxford bei seiner Oma aufwächst. Die beiden träumen vom Licht der Provence, wo Van Gogh die Sonnenblumen gemalt hat. Ein Bild als Zeichen der Freundschaft und Dankbarkeit, das das Leben der Mutter für immer verändert hatte.

"Lichte Tage" ist eine feinfühlige Geschichte über stürmische Liebe, feste Freundschaftsbande und große Verluste. Tod und Trauer prägen diese Lebensgeschichten und geben dem Roman eine gewisse Schwere, die durch die leichtfüssige Sprache gut ausgeglichen wird. Ich habe dieses Buch ausgesprochen gerne gelesen, mit den beiden Jungs mitgelitten und mich an ihren schönen Zeiten erfreut. Die Autorin konnte mich mit diesem Roman berühren und begeistern und am liebsten würde ich jetzt auch aufbrechen in den Süden Frankreichs!

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Düstere Familiengeheimnisse

Gallant (B-format export paperback) von V. E. Schwab

Olivia Prior lebt in einem Waisenhaus und ist ziemlich einsam da. Sie kann nicht sprechen und die anderen Mädchen meiden sie, weil sie irgendwie anders ist. Aber sie sieht Wesen, die sie Guhle nennt. Diese Wesen sehen zwar irgendwie zombieartig aus, wollen ihr anscheinend aber nicht Böses. Sie können sie auch nicht berühren und wenn sie sie direkt anschaut, verschwinden sie.

Sie darf sie immer nur aus den Augenwinkeln betrachten.

Außerdem hat sie das Tagebuch ihrer Mutter, das gegen Ende hin leider immer kryptischer wird und sie vor etwas warnt, das Gallant heißt. Olivia hat keine Ahnung, was das bedeuten soll.

Doch alles ändert sich, als ein Brief eines Onkels eintrifft, der sie einlädt, auf sein Anwesen zu kommen. Sie wird Hals über Kopf in ein Auto verfrachtet, um die Reise anzutreten. Die Gouvernanten scheinen froh zu sein, sich des Mädchens entledigen zu können. Es ist bereits Abend, als sie an einem Herrenhaus ankommt, das seine Tore nur widerwillig öffnet. Olivia wird als Prior erkannt, aber erwünscht scheint sie nicht zu sein. Der Onkel ist bereits verstorben und ihr Cousin ist äußerst ablehnend. Nur die beiden Hausangestellten scheinen sich zu freuen, dass Olivia nach Hause kommt.

So ist es an Olivia herauszufinden, was an diesem geheimnisvollen Ort vorgeht, warum ihre Mutter sie von dort Fernhalten wollte und wie sie es schaffen kann, nicht wieder vertrieben zu werden, denn sie fühlt sich eindeutig in Gallant zuhause.

V. E. Schwab hat einen sehr atmosphärischen und düsteren Roman geschaffen. Bereits im Waisenhaus herrscht eine lebensfeindliche Stimmung. Alles ist grau in grau und die wenigen Farben die den Alltag durchdringen, werden von Olivia hervorgehoben und gewürdigt. Mal ist es ein kleines Blümchen, das ihre Aufmerksamkeit erregt, mal das Orange einer gestohlenen Mandarine. Die Autorin beschreibt die Szenerie sehr bildlich und man kann sich das triste Leben da gut vorstellen.

Auch die Ankunft in Gallant ist ziemlich mysteriös. Es wird von Anfang an Spannung aufgebaut um das Geheimnis, das im Dunkeln zu lauern scheint. Der Spannungsbogen ist enorm und die düstere Atmosphäre hat mich beim Lesen komplett in ihren Bann gezogen. Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen, was den großen Showdown am Ende angeht, doch damit hat mich die Autorin leider enttäuscht. Der Schluß wird viel zu schnell abgehandelt und besticht dann nicht gerade mit Kreativität. Dadurch lässt mich das Buch etwas enttäuscht zurück.

Da mir die Lektüre aber großen Spaß bereitet hat und ich den Roman sehr stimmungsvoll und stilistisch ansprechend wahrgenommen habe, vergebe ich dennoch 4 Sterne.

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Josi & Paul

Immer am Meer entlang von Franziska Jebens

Josi träumt seit ihrem zehnten Lebensjahr davon, mit einem Bulli durch Europa zu reisen - immer am Meer entlang. In ihrem Zimmer hängt eine Europakarte in der viele Pins stecken. Im Laufe der Jahre haben sich eine Menge Reiseziele ergeben, alle penibel recherchiert. Als sie mit dreißig startet, hat sie eine perfekt organisierte Route vor sich.

Paul ist nicht gut drauf. Sein Herz wurde übelst gebrochen und im Job fühlt er sich auch nicht wohl. Er ist ein traniger Typ, der er eigentlich nie sein wollte. Zufällig stolpert er in einen Vortrag von zwei Aussteigern, die mit ihrem Landy unterwegs sind und ist sofort Feuer und Flamme für die Idee. Er kauft sich einen gebrauchten Toyota Land Cruiser - ein Buschtaxi, baut innerhalb von drei Wochen den Innenraum um und startet direkt.

Gegensätzlicher könnten die Zwei nicht sein, doch wie wir alle wissen, ziehen sich Gegensätze an.

Josi und Paul legen einen holprigen Start hin. Ihre erste Begegnung läuft nicht ganz so ab, wie es beide gerne gehabt hätten. Aber ein kleiner Funke ist übergesprungen und nach einem weiteren zufälligen Treffen, werden Telefonnummern ausgetauscht. Wie alles weitergeht, können sich die meisten wahrscheinlich eh schon denken.

Die Autorin hat nicht gespart an Klischees, was diese Romanze angeht und phasenweise fand ich das Verwirrspiel zwischen den beiden sehr mühsam. Auch die Sprache besticht nicht gerade mit Originalität. Die Sätze könnten einfacher nicht sein und so liest sich das Buch recht schnell weg. Dennoch hat mich diese Geschichte gut unterhalten, denn sie betört mit traumhafter Kulisse. Die Schauplätze sind interessant gewählt, abseits der üblichen Touristenpfade und wecken Erinnerungen an meine eigenen Reisen in Europa. Kulinarisch hat das Buch auch einiges zu bieten. Paul ist ganz nebenbei ein hervorragender Koch!

Dieses Buch stellt keine literarischen Ansprüche, aber wer nette Unterhaltung für Zwischendurch oder für heiße Urlaubstage sucht, ist mit diesem Roadtrip gut beraten, sollte aber nicht zu hohe Ansprüche daran stellen. Außerdem eignet sich das Buch für stressige Zeiten. Wenn der Kopf schon raucht vom Tagesgeschäft - so geht es mir gerade - kann damit gut abschalten. Daher vergebe ich drei Sterne.

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