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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde, Evi Werkl:

Butterfly-Effekt

Die Namen von Florence Knapp

Eine Entscheidung – drei Versionen eines Lebens.
Die Grundidee, die auch im Buchcover schön umgesetzt wird, finde ich außergewöhnlich und interessant: Haben Namen Einfluss auf unser Leben? Florence Knapp beantwortet diese Frage nicht (nur) in einem esoterischen Sinn, sie zeigt vielmehr, wie eine an sich kleine Entscheidung – die Wahl eines Namens – Auslöser für völlig unterschiedliche Lebensverläufe wird.

Die Sprache ist auffallend nüchtern und klar, damit erreicht die Autorin, dass – ohne Pathos und Drama – das Grauen, die Angst und die latente Bedrohung innerhalb der Familie sich schleichend aufbaut und langsam einsickert.
Formal ist der Roman streng konstruiert. Die Handlung wird in Sieben-Jahres-Schritten erzählt, was die Parallelführung der drei Lebenslinien unterstützt, zugleich aber den Lesefluss erschwert. Immer wieder wurde ich aus der jeweiligen Geschichte herausgerissen und musste mich neu orientieren. Trotzdem bleibt das Buch inhaltlich eindringlich, die Autorin verarbeitet die Themen häusliche Gewalt und ihre Folgen für die Kinder auf plakative und nachvollziehbare Weise.
Der Vater hingegen bleibt in allen drei Versionen eine eindimensionale Figur – ein Täter ohne erkennbare Tiefe, ein Klischee des gewalttätigen, sadistischen Patriarchen.
Trotz dieser Schwächen ist „Die Namen“ ein spannender Roman. Die beklemmende Atmosphäre, die ungewöhnliche Konstruktion und die zentrale Frage nach den Auswirkungen von Entscheidungen sorgen dafür, dass die Geschichte lange nachwirkt.

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Die österreichische Seele

Im ersten Licht von Norbert Gstrein

Adrian Reiter, Protagonist und Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts ist ein unnahbarer, rätselhafter Mann, der mich oft verwirrt und ratlos zurückgelassen hat. Obwohl er das Glück hatte, an beiden Weltkriegen, die er miterlebt hat, nicht aktiv teilnehmen zu müssen, bleiben ihm Kriegstraumata, über die er erst sehr spät mit ausreichender Distanz sprechen kann.

Dabei fällt der Satz, dass er sich schämt. Für mich die Quintessenz dieser Geschichte eines Nicht-Helden.

Die Sprache des Buches wirkt auf mich stellenweise schwadronierend und damit etwas anstrengend zu lesen. Der Schreibstil zwingt dazu, innezuhalten, Sätze mehrmals zu lesen und erzeugt damit eine Stimmung, die einem Gespräch mit einem fast Hundertjährigen wohl ähnlich ist. Insgesamt wirkt die Lebensgeschichte des Adrian Reiters für mich sehr grau und trostlos, besonders die beklemmende Zeit des zweiten Weltkriegs und die hilflose Sprachlosigkeit der Nachkriegsjahre geht sehr unter die Haut.
Das gemächliche Begleiten durch das Leben des Lehrers für Geschichte und Englisch, der erst in der Pension nach England reist, ist ein Dabei-Zusehen, wie Verdrängung, Wegschauen, Nicht-Wahrhaben-Wollen und sich schadlos halten seine Spuren hinterlässt. Es wirft die Frage auf, wie ich mich selbst durch diese schwierigen Zeiten durchlaviert hätte?
Keine leichte Kost, kein Page-Turner, geht bedrückend tief unter die Haut und wirkt lange nach.

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reich und schön vs. frei und selbstbestimmt

Die Passantin von Nina George

Nina George schreibt in „Die Passantin“ über Identität, Freiheit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung einer Frau, die durch einen Zufall aus ihrem bisherigen Leben jäh aussteigen kann. Schön, reich und berühmt als Schauspielerin – warum aus so einem Märchen aussteigen wollen? Seite für Seite werden die Untiefen in ihrem bisherigen Leben sichtbar, eine Fassade, in der sich die Protagonistin selbst verloren hat.

Eine toxische Beziehung, der Anspruch, allen Erwartungen gerecht zu werden, dabei hat sie all die Jahre nur eine weitere Rolle gespielt. Von diesen Fesseln befreit bleibt zunächst nichts übrig, kein Selbst, keine eigenen Gedanken oder Wünsche. Andere Frauen mit schweren Schicksalen, die nicht in das gesellschaftliche „Normal“ passen oder vor drohender männlicher Gewalt fliehen und sich verstecken müssen, helfen der Hauptdarstellerin dabei, sich selbst wieder zu (er)finden und sich ihrer Vergangenheit als Opfer zu stellen.
Nina George nutzt die Sprache poetisch und kreativ, das kann manchmal ein Genuss oder eine Überraschung sein, streckenweise ist es für mich aber mühsam gewesen. Die Geschichte verfolgt hauptsächlich zwei Erzählstränge, am Ende kommt ein dritter und zusätzlich unterschiedliche Erzählperspektiven hinzu, das war beim Lesen zwar stellenweise etwas herausfordernd, hat die Geschichte durchaus interessant gemacht und die Spannung erhöht.
Leider sind die Figuren eher flach geblieben, die feministische Gesellschaftskritik habe ich als gar zu arg aufgetragen empfunden. Obwohl die Geschichte davon handelt, dass sich Frauen aus ihrem Opfersein und den gesellschaftlichen Zwängen befreien, können sie das anscheinend nur, wenn sie sämtliche – böse – Männer aus ihrem Leben verbannen. So definiere ich modernen Feminismus für mich nicht.

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Pubertät inside

Himmel ohne Ende von Julia Engelmann

In „Himmel ohne Ende“ müht sich die 15-jährige Charlie durch die anstrengende, beängstigende und grundsätzlich furchtbare Zeit der Pubertät. Zu Beginn stellt sich die Hauptdarstellerin als typischer Teenager-Kaktus unserer Zeit dar, der mit seiner Wut und seiner Verschlossenheit alle – auch mich – zur Verzweiflung bringt und Nerven kostet.

Mit dem Verlauf der Geschichte kann man dem Mädchen quasi dabei zusehen, wie sie ihren Charakter, ihren Witz und Tiefgang zu entfalten beginnt.
Julia Engelmann beschreibt den ganz normalen Wahnsinn, alle Unsicherheiten und Sehnsüchte mit sehr viel Charme und einer wundervollen Sprache, die mühelos zwischen flapsig und poetisch wechseln kann. Die handelnden Figuren werden allesamt vielschichtig gezeichnet und früher oder später mit einem liebevollen Blick bedacht.

Insgesamt sehr unterhaltsam und auch berührend, lustig zu lesen, absolut zu empfehlen, besonders für Eltern mit pubertierenden Teenagern!

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Die Angst vor der Vererbungslehre

Botanik des Wahnsinns von Leon Engler



Der Ich-Erzähler entstammt einer Familie mit multiplen psychischen Problemen: von Alkoholismus über Depression bis zur Schizophrenie ist alles dabei, zumindest als professionelle Diagnose im psychiatrischen Setting. Daraus entwickelt sich bei ihm die Angst, selbst “verrückt” zu werden und er stellt sich – und uns als Leser – die Frage, was bzw.

wie ist man denn normal?

Schon das Cover mit surrealen Aquarell-Pflanzenstudie macht Lust auf die Geschichte. Die Sprache des Autors kommt leichtfüßig daher, überrascht mit feinsinnigen Wortspielen. Als besonderes Stilmittel verwendet der Autor Zitate in kursiver Schrift, die angelehnt an Fachliteratur im Anhang als Notizbuch des Nachbars Literaturverweise bietet. Zum einen fand ich das charmant, es hat mir auch tatsächlich Buch-Anregungen geliefert. Zum anderen hat es aber meinen Lesefluss etwas irritiert.

Leider hat der Protagonist aus seiner anfänglichen Leichtfüßigkeit für meinen Geschmack nicht mehr herausgefunden und ich habe beim Lesen eine emotionale Tiefe vermisst. Der Protagonist ist für mich beliebig und wenig greifbar geblieben und die Geschichten seiner Familienmitglieder haben sich für mich wie eine willkürliche, anekdotische Aneinanderreihung dargestellt – schade!

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...wie eine Wanderung

Wild wuchern von Katharina Köller

Der Sprachstil von Katharina Köller ist sehr besonders und erinnert an den umgangssprachlichen Redestil von Wolf Haas. Allerdings fehlt ihr – zum Glück – das Ausschweifende und sich Verzettelnde, wie man es von den Haas-Geschichten kennt. Vielleicht liegt es ja am weiblichen Zugang zur Sprache, dass sie nicht monologisiert und abdriftet, sondern sehr klar und präzise beschreibt, was ist.

Mich hat der Erzählstil der Autorin fasziniert, oft amüsiert und auf jeden Fall gefesselt.
Die Geschichte an sich kommt mit zwei Figuren aus: zwei Cousinen, die, wie Schwestern aufgewachsen, unterschiedlicher nicht sein können. Marie, die Ich-Erzählerin, angepasst und nach Außen den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechend flüchtet zu Johanna, die schon als Kind nirgends richtig gepasst hat außer auf der Almhütte und in der Natur, die der Gesellschaft schon vor Jahren den Rücken gekehrt hat und als Einsiedlerin auf dieser Almhütte ihr Dasein bestreitet.
Wie diese zwei Frauen miteinander zurechtkommen, wie im Lauf der Geschichte die hässlichen Hintergründe langsam herausapern, ist sehr spannend zu lesen. Ohne langatmige Landschaftsbeschreibung schafft es die Autorin, dass ich mich auf den Berg versetzt gefühlt habe und es beinahe riechen konnte.
Der Roman hatte auf mich eine magnetische Wirkung – ich konnte das Buch einfach nicht weglegen.

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märchenhafte Liebesgeschichte und noch viel mehr

Für Polina von Takis Würger

Märchenhaft, bezaubernd, einsam, Sehnsucht sind die Assoziationen, die mir zum Roman einfallen. Die ganze Geschichte ist von einem Sehnen durchzogen, einer Hoffnung auf… ja was? Liebe?
Der Protagonist Hannes würde in der Realität möglicherweise eine Diagnose erhalten (Autismus-Spektrum-Störung, Asperger mit Inselbegabung?), in diesem Märchen darf er einfach sein, wie er ist.

Auch alle anderen Figuren im Roman sind irgendwie speziell und dürfen so sein, wie sie sind und irgendwie kann man als Leser *in gar nicht anders, als sie zu mögen. Sogar den unsympathischen Claviertransporte-Chef.
Bei Liebesgeschichten bin ich irgendwie speziell. Hochallergisch auf Kitsch und dann muss die Geschichte aber bitte schon ein Happy-End haben, sonst fühlt es sich nicht gut an. Und Takis Würger hat genau das geschafft – kein Kitsch, wunderschön, berührend!

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La Famiglia und ihre Geheimnisse

Honey von Victor Lodato

Die Protagonistin Honey, eine 82-jährige Kunstexpertin, ist eine Dame mit Stil und Stacheln, die nach einem bewegten Leben wieder zurück in ihre Heimat kommt, um Leichen ihrer Vergangenheit – sprichwörtlich und tatsächlich – aufzuarbeiten. Mit skurriler Situationskomik und witzigen Dialogen kommt man einer vielschichtigen und klugen Frau näher, die durch ihre Mafia-Familie, besonders ihrem omnipräsenten und beängstigenden Vater geprägt ist.

Als Leser ist man sich von Beginn an bewusst, dass es im Leben von Honey Geheimnisse gibt, über die nicht geredet werden darf. In gemächlichem Erzähltempo entfalten sich die Geschichten, die Honey zu der heutigen Person haben werden lassen und die ausgesprochen werden müssen, damit sie ihren Frieden damit finden kann.

In jungen Jahren flüchtet sie nach Kalifornien und kann dort frei von familiärem Druck ihr Leben führen. Doch die Verbindung zur Familie bleibt in ihrer Ambivalenz immer bestehen, egal, wie weit weg sich Honey auch begibt. Und so versucht sie, sich dem am Ende ihres Lebens zu stellen und kommt zurück in ihren Heimatort. Dort kommt sie in Kontakt mit alten Bekannten und neuen Menschen. Freundschaften entstehen, auf ihre ganz spezielle, widersprüchliche und sehr unterhaltsame Art.
Ein langsames Buch mit Witz, Tiefgang und einem Schuss Weisheit.

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Lauf, wildes Mädchen, lauf

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony

"Sing, wilder Vogel, Sing" von Jacqueline O'Mahony erzählt die fesselnde Geschichte von Honora, einer beeindruckenden Protagonistin, die gegen alle Widerstände kämpft und ihren Traum von Freiheit verfolgt. Der historische Roman entführt den Leser in das 19. Jahrhundert im von Armut und Unterdrückung geprägten Irland und Amerika.

Mit intensiven Einblicken in die Realität der damaligen Zeit und einer mutigen Heldin, die sich nicht unterkriegen lässt, hat mich dieses Buch fasziniert. Besonders der reale Bezug auf die Verbindungen zwischen der großen Hungersnot in Irland und einem Indianerstamm im Westen Amerikas, der der leidenden Bevölkerung Irlands Spenden schickte, hat diese Geschichte für mich besonders gemacht.
Eine mitreißende Lektüre, die noch lange im Gedächtnis bleibt. Absolut empfehlenswert und schwer aus der Hand zu legen.

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