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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger:

Rätselhaftes Matriarchat

Männer sterben bei uns nicht von Annika Reich

Eine alles beherrschende Großmutter, ihr Augenstern Luise- ihre Enkelin, die Ich-Erzählerin dieser Geschichte- und daneben einige von der Großmutter ungeliebte, ja verachtete Frauen - ihre Tochter, deren Tochter, die Schwiegertochter, deren zweite, von der Großmutter ins Internat verbannte Tochter, sowie die Mutter der Schwiegertochter - zwei ertränkte Frauen im See, ein Anwesen mit fünf Häusern und vielen mysteriösen Geheimnissen.

Und abwesende Männer, warum, wird nicht erklärt. Das aufgebaute Szenario hat es in sich, einzig die angepasste Lieblingsenkelin kann in diesem Biotop bestehen und wird auf das spätere Erbe für das Anwesen vorbereitet.
Annika Reich hat mich auch mit einem sehr ansprechendem Erzählstil, mit interessanten Rückblenden in der ersten Hälfte des Buches neugierig gemacht, leider bleibt vieles rätselhaft und in der Schwebe, viele Fragen unbeantwortet und der Handlungsstrang nicht zufriedenstellend geschlossen. Und was hat das Ganze mit nicht bei uns sterbenden Männern zu tun hat bleibt unergründlich- ein überaus unpassender Titel für dieses gute, aber nicht begeisternde Buch.

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Gutes Buch, aber nicht sehr gut

Jahre mit Martha von Martin Kordic

Eines jener Bücher, das, wiewohl im Schreibstil sehr ansprechend, die durch den Titel, den Klappentext und die ersten 100 Seiten geschürten Erwartungen am Ende nicht ganz erfüllen kann. Die Lebensgeschichte des Gastarbeiterkindes "Jimmy" und die Anbahnung der Beziehung zur Universitäts-Professorin Martha beginnen vielversprechend und rätselhaft im positiven Sinne.

Leider kann Martin Kordic aus meiner Sicht die Dichte in seiner Erzählung nicht halten. So gerne hätte ich mehr über die Jahre mit Martha erfahren und auch verstanden, was Martha in dieser Beziehung gesucht und (nicht) gefunden haben möge. Leider mäandriert das Leben von Jimmy verloren zwischen einem Hochschulstudium, Drogenkonsum, Autoschmuggel, Gärtnerei und Identitätsproblemen von Ausländern in Deutschland hin und her, ohne dass es mich wirklich gepackt hätte. Am Ende findet "Jimmy" in der Gärtnerei seine Bestimmung und durch die Begegnung mit der sterbenskranken Martha einen (für mich stimmigen) Abschluss.

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Endlich die Biographie von Utopia Avenue erschienen!

Utopia Avenue von David Mitchell

Endlich ist die Biographie von Utopia Avenue erschienen! Erinnern Sie sich etwa nicht an diese Band, die Mitte Ende der 60er Jahre in England Furore machte? An den grandiosen virtuosen Gitarristen Jasper de Zoet, der es mit Slowhand Eric Clapton aufnehmen konnte, an die wunderbar sensiblen Lyrics und die sanfte Stimme von Elf Halloway, den Blues-Bassisten Dean Moss, der mit seinem intensiven Spiel und auch der ausdrucksvollen Stimme Paul McCartney ebenbürtig war? Und schließlich an den Drummer Griff Griffin, der wirklich alles, vom Jazz, Blues bis hin zu psychedelischen Experimenten drauf hatte?
Sie erinnern sich nicht? Ich auch nicht, ich habe es gegoogelt, die Band gab es nicht! :-(
Sie ist nämlich einfach der Phantasie von David Mitchel entsprungen!
Er schildert das Zusammenkommen der Band, die ersten Konzerte, die anfänglichen Misserfolge, schließlich den (Fast)-Durchbruch, ja selbst die Entstehung der einzelnen Songs und der Lyrics aus der Sicht der einzelnen Bandmitglieder in einer fesselnden und berührenden Art und Weise, dass man sich fühlt, als wäre man selbst dabei gewesen.

Und am Ende glaubt man, die Protagonisten genau zu kennen und zu verstehen.
Es ist kein packender, spannender Roman, er hat durchaus seine Längen, aber ich habe ihn verschlungen und vom ersten bis zum letzten Song genossen!

Hoffentlich schreibt David Mitchel nun die Biographie der Beatles, Rolling Stones oder Eric Clapton, dann kann ich die beschriebenen Song danach auch anhören. Das war das Einzige, was mich an diesem Roman gestört hat! Wie klingt wohl Darkroom? Ich glaub, ich würde den Song mögen!

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Hesse, Blue Jeans, Rock ´n´ Roll und Beate Uhse gegen Nazi-Mief und Verdrängung

Schmelzwasser von Tschan Patrick

Ein wichtiges, wunderbar zu lesendes Buch über das Ankämpfen gegen den Nazi-Mief der Nachkriegszeit, gegen das versuchte Vergessen und Verdrängen.
Man wird von der munteren, lebensbejahenden, progressiven, konsequenten, beharrlichen und unbestechlichen Vorgehensweise der ProtagonistInnen regelrecht mitgerissen, wiewohl man die bedrückende Atmosphäre der Nachkriegszeit fast körperlich spürt .

Patrick Tschan schafft es in spielerischer Weise Themen wie Feminismus und Selbstbestimmung der Frau, sexuelle Revolution, Mode, Kurzhaar-Frisuren, Rock ´n´Roll in die Geschichte einzuflechten und da verzeiht man ihm gerne, dass das Buch gegen Ende ein wenig märchenhaft ins Happy-End taumelt.

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