Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Wolfgang Pfleger:
Großartig!
Für Polina von Takis Würger
Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand gibt, bis man es ausgelesen hat. Fesselnd, berührend, traurig und schön!
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Wolfgang PflegerStarker irischer Roman, der sich in der Weite der amerikanischen Prärie verflacht
Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony
Die Geschichte von Honora, zur Zeit der "Great Famine" in Irland lebend, der durch Kartoffelfäule und die grausamen, herzlosen englischen Besatzer verursachten Hungersnot, beginnt berührend und fesselnd. Honora schafft es, nach Amerika auszuwandern, es gelingt ihr aber nicht, aus der Abhängigkeit von grausamen Arbeitgebern, später einem Zuhälter zu entkommen, bis sie ein Freier mit Waffengewalt zu "befreien" vermag und in die nächste Unfreiheit entführt.
Erst mit dem Auftreten eines Indigenen schöpft Honora Hoffnung, die sich schlussendlich erfüllt.
Eigentlich ein packender Stoff, über lange Strecken auch gut erzählt. Trotzdem hat mich die Autorin im Laufe der Geschichte immer mehr verloren. Was unglaublich dicht und mit Tiefgang begann, habe ich im dritten Drittel immer schwächer und am Ende geradezu als seicht und kitschig empfunden. Meine Bewertung daher beeinflusst vom schalen Nachgeschmack des letzten Drittels eher mittelprächtig!
Malnata - stigmatisiert und chancenlos
Malnata von Beatrice Salvioni
Ein grauenhaftes Sittenbild des faschistischen Italiens der 1930er-Jahre mit Bonzen und deren Brut, die sich alles ungestraft nehmen können und von den Herrschenden geschützt werden und auf der anderen Seite diejenigen, die von einer bigotten, obrigkeitshörigen Gesellschaft gemobbt werden und keine Chance bekommen, ihr Schicksal zu ändern.
Malnata ist ein als "Unheil bringend" stigmatisiertes junges Mädchen, das unbeirrbar und unbestechlich seinen Weg geht und dabei auch ihre Freundin Francesca aus besserem Hause in ihren Bann zieht.
Ein packendes Buch, das tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt. Kein Stimmungs-Aufheller aber eine Leseempfehlung!
Faszinierendes Gedankenexperiment, Absolute Leseempfehlung
Das andere Tal von Scott Alexander Howard
Ein faszinierendes Gedankenexperiment, das hier Scott Alexander Howard in seinem Debütroman durchführt: Sechs geographisch identische Täler, die sich nur darin unterscheiden, dass das Leben der (identischen) Bewohner exakt 20 Jahre zeitversetzt abläuft; geographische Hindernisse zwischen den Epochen, Berge im Osten, ein großer See im Westen; Zeitreisen in die Vergangenheit oder die Zukunft, die durch die im jeweiligen Tal eingesetzten "Conseils" nach einem persönlichen Antrag von Bewohnern abgelehnt oder bewilligt werden und von der Gendarmerie unter strenger Bewachung der Zeitreisenden organisiert werden; eine autoritäre Militärgewalt, die verhindern soll, dass durch Zeitreisen eine Beeinflussung der Geschichte erfolgen kann.
Eingebunden in dieses dystopische Szenario ist die Geschichte der 16-jährigen = 36-jährigen = 56-jährigen Odile, deren Handlungen in den jeweiligen Perioden schicksalhaft verwoben sind, sich bedingen und beeinflussen bis zu einem faszinierenden und äußerst stimmigen Ende.
Ein außergewöhnlicher Roman! Ich bin versucht, wieder von vorne zu beginnen!
Faszinierend und abstoßend zugleich
Trophäe von Gaea Schoeters
Ein sprachliches Feuerwerk, mitreißende Einblicke in die Großtier-Jagd und die Lebensweise eines afrikanischen Naturvolkes, zugleich aber auch die widerliche, ethische Grenzen überschreitende Geschichte über koloniale Allmacht, Männlichkeitsphantasien, Jagd- und letztlich Mordlust. Der Roman lässt mich sprachlos zurück, gleichsam lustvoll angewidert, fasziniert von der Sprache von Gaea Schoeters in der phantastischen Übersetzung von Lisa Mensing zugleich aber abgestoßen und betroffen von diesem monströsen Grenzgang.
Gelungener Debütroman
Packerl von Anna Neata
Ich habe die letzte Seite des Buches zugeschlagen und Lust gehabt, gleich wieder von vorne anzufangen. Dies hat mehrere Gründe: Einerseits vermag Anna Neata mit ihrem Schreibstil zu fesseln, die Geschichte von Frauen einer Familie über 4 Generationen hin weckt Interesse und der nicht chronologisch erzählte Roman ist reizvoll verschachtelt .
Andererseits hatte ich am Ende das Gefühl, nicht alle Aspekte des "Packerls" verstanden zu haben, das die Frauen über die Generationen zu tragen hatten. Offenbar habe ich am Ende den Überblick verloren. Schlussfolgerung für mich: Dieses Buch darf man nicht nebenbei vor dem Einschlafen lesen, sondern als Hauptspeise in längeren Lesesequenzen, dann ginge sich auch eine 5-Stern-Bewertung aus. Leseempfehlung als Urlaubsbuch!
Da wäre mehr gegangen!
Die Formel der Hoffnung von Lynn Cullen
Ein an sich ausgesprochen interessantes Thema über ein typisches Frauenschicksal in der Wissenschaft. Dorothy Horstmann leistet Bahnbrechendes bei der Erforschung von Polio, die Meriten ernten aber die Männer. Leider lässt Lynn Cullen für mich die Tiefe, ja auch die sprachliche Brillanz vermissen.
Wenn schon ein Roman über Frauen in der Wissenschaft, dann das exzellente Buch von Bonnie Garmus „Eine Frage der Chemie“!
Fader Versuch, einen Agatha Christie-Roman zu schreiben
Mit dem Schnee kommt der Tod von Nicola Upson
Die Geschichte ist recht uninspiriert, ohne Überraschungen und Spannung. Wenn man Agatha-Christie-Krimis liebt und schon alle 66 Originale gelesen hat, kann man zur Not auf diesen Detektiv-Roman ausweichen.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Wolfgang PflegerSchräge Familie
Schönwald von Philipp Oehmke
Eine "normale" Familie wird aus wechselnder Perspektive der Protagonisten umfassend und wortreich beleuchtet. Die Zutaten: die dominante Mutter, die an allen Familienmitgliedern, insbesondere an der Schwiegertochter rumnörgelt, ein Vater, der gar nichts kapiert, ein 45-jähriger ehemals liberaler Ex-Professor der Columbia-Universität, der mittlerweile für Donald Trump Lügen verbreitet, seine Verlobte, eine der Trump-Anwältinnen, die Tochter, die eine queeren Buchladen eröffnet und trotzdem nicht zu ihrer Homosexualität steht, der zweite Sohn, der keiner Erwerbsarbeit nachgeht aber es immerhin zu einer Familie mit zwei Söhnen gebracht hat, seine Frau, verwöhnte Tochter eines Milliardärs mit ausgeprägter Aversion gegen die Großfamilie , eine diffuse Nazi-Vergangenheit, Aktivisten, die einen Anschlag auf den queeren Buchladen inszenieren, eine verschwiegene Beziehung , Kindesmissbrauch, eine Familienfeier, die zum Showdown entartet und, und und.
Philipp Lemke schreibt sich in einen Erzählrausch. Welch Kontrast zum eigentlichen Kern der Geschichte, einer geradezu schmerzenden Unfähigkeit zur Kommunikation in dieser ganz normalen Familie.
Ist das Buch gut zu lesen? Ja, unbedingt! Viele der "Ausbuchtungen" der Geschichte hätte ich aber nicht unbedingt wissen müssen. Ein bisschen weniger wäre meiner Ansicht nach mehr gewesen
Grandioses Buch
Marschlande von Jarka Kubsova
Das einleitende Zitat beschreibt dieses grandiose Buch sehr treffend: "Dies ist ein weiblicher Text, geschrieben im einundzwanzigsten Jahrhundert. Wie spät es ist. Wie viel sich verändert hat. Wie wenig." Jarka Kubsova verwebt in dem Roman das Leben zweier Frauen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.
Das grausame Schicksal der Bäuerin aus dem 16. Jahrhundert einerseits, die auf herzzerreißend ungerechte Weise um Hab und Gut gebracht wird und am Scheiterhaufen endet und das Leben einer gebildeten Frau andererseits, die wegen der Kinder auf Beruf und Karriere verzichtet. Weit hergeholt ? Nein! Beiden Schicksalen gemein ist die erzwungene Unterordnung der Frau in eine männerdominierte und mit den Mitteln der jeweiligen Zeit ungerechte, auch grausame Gesellschaft. Beide Erzählstränge werden nur sehr lose verknüpft, es bleibt dem Leser überlassen, die Parallelen zu erspüren und zu erleiden. Neben dem unglaublich gelungenen Plot war es aber auch der großartige Erzählstil, die schöne dichte Sprache der Autorin, die mich gefesselt haben. Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch!
Nachsatz: Im Nachwort erfolgt eine historische Einordnung der Geschichte von Ablege Bleken, die ja das Schicksal von mehr als 50.000 Menschen, zumeist Frauen, geteilt hat, die auf grausame Weise als Hexe(r) verbrannt wurden. Grauenhaft, was Menschen einander in (religiöser) Verblendung, in einem Klima der Intoleranz und Angst anzutun vermögen, wie Sitten verrohen und Anstand verschwinden kann. Parallelen zur heutigen Zeit sollte man ziehen: "Wie viel sich verändert hat. Wie wenig."











