Kunden em pfehlungen
Rezensionen von hans.schilling@aon.at:
Mutige Frauen
Der Zorn des Meeres von Bram Stoker
Wäre Bram (Abraham) Stocker nicht der Autor von "Dracula" wäre diese Erzählung über eine junge Frau welche den Mut und die unerschütterliche Liebe zu ihrem Vater und ihrem Verlobten erzählt, wohl nie ins Deutsche übertragen worden und ich hätte diese Geschichte niemals lesen dürfen.
Was für ein Verlust wäre dies gewesen! Aber sie wurde übertragen und wie ich meine in allerbester Weise. Stoker der viele Sommer in Cruden Bay, dem Ort der Handlung verbrachte und hier auch "Dracula" niederschrieb, hat mit "The Watter's Mou" diesem Ort ein kleines und feines Denkmal gesetzt. Und diese Erzählung hat mich auch zum Vergleichen der weiblichen Charaktere gebracht. Sowohl Minna Harker wie auch Maggie MacWhirter sind Frauen welche aus Liebe über sich hinaus wachsen und das allergrößte Risiko auf sich nehmen um die Liebe ihres Lebens zu beschützen. "Doch denken hieße zögern und zögern bedeutet Scheitern".(S. 68) Und ein Scheitern kommt für beide nicht infrage. Während es aber bei "Dracula" gut endet ist es bei "Der Zorn des Meeres" ein tragisches Ende welches Stoker hier geschehen lässt. Als ich dieses schmale Bändchen in mheyner Buchhandlung erblickte schreckte mich der Preis doch ab. Zum Glück habe ich es trotzdem gekauft, denn diese 150 Seiten sind ihren Preis wert. Papierqualität, Schriftbild und Aufmachung heben sich wohltuend vom Mainstream der 800-Seiten-Wälzer ab und machen das Lesen zu einem Vergnügen. In diesem Sinne, Hans Schilling
Die Lächelnde
Das Tor von Basma Abdel Aziz
Eine Dystopie von einer ägyptischen Autorin? Das muss interessant sein, dachte ich mir. Und es ist interessant zu lesen, aber nicht unter den Voraussetzungen welche der Klappentext mir verheißen wollte. Diesen Text in einem Atemzug mit Kapazundern dystopischer Klassiker wie Kafka's "Der Prozeß" und Orwell's "1984" zu nennen ließ meine Erwartungshaltung in unermessliche Höhen schnellen, welche dieses Buch gar nicht erfüllen will und kann.
Ich glaube auch nicht, dass die Autorin dies beabsichtigte. Und dennoch ist es ein lesenswertes Buch. Es ist lesenswert weil es anders als europäische Literatur funktioniert. Es setzt voraus sich ein wenig in der orientalisch/muslimischen Welt auszukennen. Ich bin mir sicher, dass die Autorin die Namen ihrer Protagonisten bewusst gewählt hat: Yahya ist die arabische Form von Johannes dem Täufer. Tarik: ... ein Stern von durchdringender Helligkeit (Koran Sure 86 Vers 3). Einer Lehrerin gibt sie den Vornamen Ines. Ines steht im arabischen für Liebenswürdigkeit. Umm Mabrouk: Mutter der Glückwünsche für eine Botin. Und einem Journalisten der ewig auf und ab rennt gibt sie den Namen Ihab. Ihab Jabbar ist ein Leichtathlet der bei den arabischen Meisterschaften in Kairo! Sieger in der Staffel wurde. Ich denke mir sie hat dieses Buch in erster Linie für ihre Landsleute geschrieben. Und genau deshalb ist es so lesenswert. Danke Basma (Die Lächelnde) Abdel Aziz. In diesem Sinne, Hans Schilling
5000
1001 Bücher von Basma Abdel Aziz
Vor einigen Monaten bin ich umgezogen. Jeder von uns kennt den Aufwand der da dahinter steht. Ich habe nicht viele Möbel aber 5000 Bücher - und es werden wöchentlich mehr. Das Verpacken geht ja noch: aus dem Regal rausnehmen und in Kisten legen, diese beschriften und ab geht's.
Neue Regale bauen, kein Problem, macht auch Freude, aber dann kommt's: Alle Bücher einordnen, schließlich will ich ja was wiederfinden.
Apropos finden! Ach, das Buch habe ich ja auch noch, wo war denn das. Das wollte ich doch immer schon mal lesen. Und es wird eine kurze Nacht. Irgendwann einmal sind wieder alle Bücher an ihrem Platz- nach wochenlangen einsortieren - und ich denke mir: Wann soll ich die alle lesen? Dass schaffe ich niemals! Und es stimmt, ich werde es nicht schaffen, alle zu lesen! Also nur die Besten, oder die Wichtigsten. Aber welche sind die besten und wichtigsten Bücher? Literaturbestenlisten gibt es ja wie Sand am Meer, ich selbst habe schon eine erstellt und weiß, diese Liste ist nur für mich gut.
Aber es gibt ja auch den Literaturnobelpreis. Wenn ich mich daran halte werde ich die besten und wichtigsten Autoren lesen. Stimmt und stimmt nicht. Es gab nur einen einzigen Literaturnobelpreisträger den ich mit Genuss gelesen habe: Halldor Laxness. Für Buchgenießer ist der Nobelpreis eine karge Kost. Stephen King hat in seinem Vorwort zu "Schwarz" geschrieben: Es gibt zwei Arten von Schriftstellern; zum einen jene die sich fragen, was könnte das Schreiben dieser Geschichte für mich bedeuten und zum anderen diejenigen die sich fragen was könnte das Schreiben dieser Geschichte für den Leser bedeuten. Letztere Kategorie von Schriftstellern wird bei der Vergabe des Nobelpreises arg vernachlässigt. Aber es gibt ja auch noch den Pulitzer-Preis. Hier werden auch Autoren ausgezeichnet die der zweiten Kategorie angehören. Aber halt leider nur amerikanische.
Es müsste also eine Liste geben, die sowohl die King'sche Definition von Schriftstellern beinhaltet wie auch die gesamte geographische Länge und Breite unseres Planeten abdeckt. (Das Lesen außerirdischer Literatur wird leider nachkommenden Generationen vorbehalten bleiben).
Also nichts wie ab in meine Buchhandlung, die ich seit Jahrzehnten mit Freude betrete, und mein Anliegen den dort anwesenden VerkäuferInnen dargelegt. Ohne auch nur den Ansatz einer Irritation ausgelöst zu haben, wird mir "1001 Bücher die sie gelesen haben sollten bevor das Leben zu Ende ist" in die Hand gedrückt.
Und es stimmt; alle drei Definitionen meines Anliegens werden hier perfekt dargebracht. Auch die zeitliche Einordnung ist klug gemacht, da ja auch Literatur sich im Laufe der Zeit ändert und auch auf vorhergehenden Werken aufbaut. Und dieses Buch tut noch etwas: Es bewertet nicht. Die Rezensenten der Bücher sagen nicht: dieses Buch ist besser als das, weil.... Jedes der hier vorgestellten Bücher ist prägnant beschrieben und mit den wichtigsten Daten des Schreibers versehen.
Mittlerweile sind zwei Monate vergangen und von den 1001 Büchern sind immerhin 132 in meinem Besitz. Von diesen habe ich 23 mit Genuss und Anspruch gelesen.
In diesem Sinne
Hans Schilling
Sternenkrieger, Star Wars, Raumschiff Enterprise oder doch alles zusammen?
Sternenpuls von Williams Drew
Der Puls ist eine Waffe, was heißt eine Waffe, es ist DIE Waffe, die Waffe die alle Kriege beenden soll. Und es gelingt, fast. Der Puls ist eine Strahlung welche alle bewohnten und terrageformten Welten der Galaxis in einen Zustand vor der Zeit der Raumfahrt zurückschleudert. Aber es bleiben einige Welten verschont.
Die Legitimierten, eine Sekte, welche diese Waffe dereinst eingesetzt haben um den Frieden in der Milchstraße zu sichern, stehen sich einem Feind gegenüber, den sogenannten Pax, welche Planet um Planet angreifen, dessen Ressourcen an Menschen sie in Ihre Reihen assimilieren und dadurch immer mächtiger werden.
Wer hier schon einige Verweise auf andere SF-Abenteuer findet, liegt vollkommen richtig. Derer gibt es viele in diesem Roman. Sie zu finden ist nicht allzu schwer und trotzdem amüsant. Aber es ist nicht nur Military-SF, die im Übrigen sehr flott und spannend erzählt wird, ohne je zu ermüden, sondern es gibt auch wissenschaftliche Fakten, welche in diesen Text einfließen und vom Leser ein wenig mehr erwarten, als sich die Zeit mit diesen 600 Seiten zu vertreiben. Nur als Beispiel mag hier die Nanotechnologie herhalten. Auf wenigen Seiten, wird hier dargelegt wie Nanotechnologie in der Zukunft funktionieren könnte und man bekommt Lust sich näher damit zu befassen. Z.B. sei hier der Essay von Uwe Neuhold "Wann kommt der neue Mensch", erschienen in "Das Science Fiction Jahr 2019" im Hirnkost-Verlag verwiesen.
Ich möchte hier nicht allzu viel auf die weitere Handlung eingehen, denn es lässt sich in diesem rasant geschrieben Buch so vieles selbst entdecken. Auch für SIE der sie keine Science Fiction lesen, jedoch spannende Unterhaltung mit Anspruch bevorzugen, ist dieses Buch ein guter Einstieg in das Genre.
Zum Abschluss ein weiteres Easter egg: Der Name der Hauptfigur wird 400 Seiten lang tunlichst verschwiegen und als er den endlich kundgetan wird, bin ich in meine Bibliothek gegangen, habe ein schon sehr altes Buch von Edgar Rice Burroghs hervorgeholt und mit einem Schmunzeln darin geblättert.
In diesem Sinne
Hans Schilling
Ihr wollt Action? Ihr sollt Action haben!
Solarstation. von Eschbach Andreas
Ist Ihnen nicht klar, dass die Solarstation unser Weg ins All ist? Unser einziger? Und dass wie ihn jetzt gehen müssen? Die fossilen Brennstoffe gehen zu Ende. Bald stehen uns auf der Erde keine intensiven Energiequellen mehr zur Verfügung außer der Atomenergie, und dann? Welche Zukunft können unsere Kinder dann noch wählen? Eine Zukunft, in de atomarer Abfall für Hunderttausende von Jahren aufbewahrt werden muss, in der es Reaktorunfälle gibt und in der riesige Landstriche verstrahlt sein werden, auf immer unbewohnbar, so wie es in Tschernobyl heute ist - eine Fläche größer als alle japanischen Inseln zusammen genommen? Oder eine Zukunft, in der es nur noch die Energie von Wind, Wasser und Feuerholz gibt, eine Zivilisation der Ochsengespanne und Dampfmaschinen, der Spinnräder und erbärmlichen Ernten? Was immer sie wählen ihre Zukunft wird nichts sein können als ein trostloses Dahinvegetieren, ein Abwarten, während die menschliche Art langsam verlischt.
Wenn wir nicht aufbrechen in den Weltraum, haben wir keine Zukunft, und wenn wir es nicht heute tun, dann wird es zu spät sein. Mit der Solarstation haben wir gezeigt, dass es möglich ist, große Kraftwerke im Weltraum zu bauen, viel größere als dieses, und dass es möglich ist, die Energie zur Erde zu übertragen. Wir könnten noch mehr Solarstationen bauen; wir könnten die stärkste und unerschöpflichste Energiequelle des ganzen Sonnensystems anzapfen und alle Energieprobleme ein für alle Mal beseitigen, wie könnten den Weg freimachen für eine grenzenlose Zukunft! Andreas Eschbach "Solarstation" S. 139
Im Jahr 2015 (der Roman stammt aus dem Jahre 1996) gibt es keine NASA mehr, alles Equipment wurde an Japan verkauft und so ist Japan die einzige weltraumforschende Nation mit Ausnahme der ESA welche aber eher stümperhaft vor sich hin dümpelt.
Aber so wie es immer ist, kann eine in sich friedliche Energiegewinnung auch zur Waffe umfunktioniert werden. In diesem Fall zur ultimativen Waffe für Dschihadisten welche es sich in den Kopf gesetzt haben Mekka zu erobern und alles Leben dort auszulöschen.
Dies wird mit sehr viel Action, welche ich Andreas Eschbach so nie zugetraut hätte vorangetrieben und so lässt sich "Solarstation" in einem Rutsch durchlesen. Gleichzeitig gibt es aber genug wissenschaftliche Hintergrundinformationen zum Thema Energiegewinnung im All sowie dem zwischenmenschlichen Zusammenleben auf einer Raumstation. Alles vergnüglich und kurzweilig zu lesen.
Ihr wollt Action? Ihr sollt Action haben!
(Zitat Andreas Eschbach nach seinem frustrierenden Absagemarathon welche er bei seinem Erstling "Die Haarteppichknüpfer" erdulden musste)
Hans Schilling
Das IST Urban-Fantasy wie sein kann
Der Galgen von Tyburn von Ben Aaronovitch
Mit ?Der Galgen von Tyburn? gehen die Abenteuer von Peter Grant in die sechste Runde. Die erfolgreiche Urban-Fantasy-Krimi-Reihe von Ben Aaronovitch entführt den Leser einmal mehr ins heutige London und wartet mit einer gelungenen Mischung aus Action, Spannung und Humor auf.
Nachdem der schwarze Police Officer und Zauberlehrling Peter Grant bereits etliche seltsame Fälle gelöst und dem Gesichtslosen mehr als einmal knapp entkommen ist, darf er sich dieses Mal mit mehreren Problemen herumschlagen, die aufeinander zulaufen, alte Fälle aufgreifen oder zumindest darauf verweisen und endlich die Haupthandlung um ihren großen Widersacher vorantreiben.
So können sich die Leser auf die lang erwartete Enthüllung des Gesichtslosen freuen, ebenso werden etliche Fragen beantwortet (gleichermaßen jedoch auch aufgeworfen). Die Geschichte ist spannend und sorgt dank zahlreicher Wendungen dafür, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann ? Ben Aaronovitch vermag es ungemein zu fesseln und mit Witz und Charme den Krimi voranzutreiben. Dabei fällt einmal mehr seine Liebe zum Detail auf ? sei es hinsichtlich der polizeilichen Ermittlungen, den architektonischen Finessen Londons (immer wieder ziehe ich meinen Stadtplan von London hervor um die beschriebenen Straßen und Plätze zu finden oder die angeblich schnellste Strecke vom Folly zum Belgravia "abzufahren") oder den Beschreibungen der Magie ? welche hier ganz selbstverständlich zum EInsatz kommt und trotzdem den Nimbus von etwas Außergewöhnlichen besitzt - der Autor weiß, wie er die Handlung spannend in Szene setzt. Man fühlt sich nach London versetzt, hastet mit Peter Grant durch die Straßen und ist immer hautnah am Geschehen vorbei.
Ein großer Pluspunkt sind die bunten, lebendigen Figuren, die man in dieser Form in nahezu keinem Roman wiederfindet. Ben Aaronovitch baut selbstverständlich farbige und queere (lesbische, schwule und transsexuelle) Helden ein und scheut sich nicht mit Sahra Guleed eine muslimische Polizistin an Peters Seite zu setzen. All das geschieht so vorurteilsfrei und natürlich, dass sich nahezu alle Autoren, die die üblichen weißen Stereotypen in ihre Romane einbauen, eine Scheibe abschneiden könnten. Es ist wunderbar, dass es Bücher wie ?Der Galgen von Tyburn? gibt, die die klassischen Konventionen durchbrechen und endlich etwas Neues wagen ? es ist schade, dass es davon nicht mehr gibt.
Fans der Reihe begegnen bekannten Gesichtern wieder und können sich auf neue Charaktere freuen, die Abwechslung bieten und neue Fragen aufwerfen. Die Figuren wirken authentisch und handeln in sich schlüssig, nehmen sich selbst nicht ernst und sind einfach nur sympathisch.
Stilistisch legt der Autor gewohnt solide, charmante und gut geschriebene Kost vor. Er hat einen tollen Schreibstil, gestochen scharfe und amüsante Dialoge und ein Faible für ausufernde, detailverliebte Beschreibungen. Allein seine Einblicke in die Arbeitsweise der Polizei ist toll und zeugt von einem fundierten Grundwissen. Man folgt dem ungewöhnlichen Helden gerne, schmunzelt über seine Gedanken und fiebert bei seinen Kämpfen mit dem Gesichtslosen mit, der zum Ende hin endlich einen Namen bekommt.
Die Reihe wurde im englischen Sprachraum um mehrere Comics erweitert, die Side-Abenteuer der Figuren erzählen und ist noch nicht abgeschlossen. Auf Band 7 muss der Leser noch etwas warten ? dtv wird jedoch im Sommer 2018 den Kurzroman ?The Furthest Station? auf Deutsch herausbringen, der zeitlich zwischen Band 5 und 6 spielt.
Einziges kleines Manko: Man kann zwar "Der Galgen von Tyburn" auch für sich alleine lesen, wirklich amüsant ist er aber erst in Verbindung mit seinen fünf Vorgängern.
Hans Schilling
Älter werden ohne zu altern
Der verlorene Horizont. von Hilton James
Wie würde ich mich entscheiden, wenn mir jemand anbietet dass ich solange leben könnte solange ich wollte und das ich älter werden würde ohne zu altern.
Ich könnte all dies tun wozu ein "normales" Menschenleben nicht ausreicht, könnte alles lernen was ich lernen möchte, alles verstehen was ich verstehen möchte und der einzige Preis dafür wäre, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit des tibetischen Lama-Klosters Shangri La.
Ich würde sofort und mit Begeisterung ja sagen.
Vier Leute aus dem Westen, 3 Engländer und ein Amerikaner werden ebenso - nicht ganz freiwillig - vor diese Wahl gestellt:
"Und doch haben sie keine demokratischen Einrichtungen - Wahlen und so weiter?"
"O nein. Unsere Leute wären ziemlich erschrocken wenn sie plötzlich erklären müssten, dass eine Politik völlig richtig und eine andere völlig falsch sei!"
Es ist ein wahrlich vergnügliches Lesen, welches Hilton mir hier ermöglichte und der Ausgang der Geschichte ist für mich zwar unbefriedigend aber nichtsdestotrotz famos erzählt.
Danke Mr. Hilton für dieses Leseerlebnis.








