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Rezensionen von Hennie :

Toxische Beziehungen

Bonuskind von Saskia Noort

Der erste Satz im Buch ist ein Knaller und machte mich total neugierig auf den weiteren Verlauf des Geschehens.

„Ich wache mit dem Gefühl auf, dass Mam tot ist.“

ICH, das ist die 15jährige Lies, Tochter von Jet und Peter und die große Schwester von Luuk. Die Geschwister sind Scheidungskinder, denn die Eltern trennten sich vor zwei Jahren.

Es gab ständig erbitterten Streit. Die Mutter bleibt tatsächlich verschwunden und wird nach kurzer Zeit tot aufgefunden. Jeder glaubt an einen Selbstmord. Nur das junge Mädchen nicht. Sie findet die Aufzeichnungen ihrer Mutter und zieht daraus ihre eigenen Schlußfolgerungen, ermittelt und handelt auf eigene Faust...

Bonuskind hat mich nicht überzeugt. Es ist zwar so geschrieben, dass ich an der Geschichte dranblieb, weil ich fortwährend etwas anderes an Resultaten erwartete.
Dann störte ich mich an den Begriffen Bonuskind und Coming-of-Age-Geschichte. Mir erschloß sich zum ersten nicht, wer oder warum von wem das Bonuskind war.
Lies und ihr kleiner Bruder Luuk pendelten seit der Scheidung der Eltern ständig zwischen ihrem bescheidenen Zuhause bei der Mutter und dem des Vaters sowie seiner viel jüngeren Frau Laura hin und her. Eine tiefere Bindung an die neue familiäre Situation im Luxusheim des Vaters erfolgt nicht. Zum zweiten würde ich das Buch eher als Familiendrama einstufen. „Coming of Age“ ist ein Genre, das sich mit dem Heranwachsen von Jugendlichen beschäftigt mit all den Entwicklungsstufen, die ein Kind zum jungen Erwachsenen heranreifen läßt. Das ist hier bestenfalls nur ein Nebenthema mit dem Freund von Lies.

Die 15jährige Lies erscheint mir durch das plötzliche Verschwinden und dem baldigen Auffinden der toten Mutter stark aus der Bahn geworfen. Sie versteht vieles nicht, ist überfordert. Wer fängt sie in dieser Situation auf? Wo findet sie Hilfe und Unterstützung? Sie versucht mit ihren Möglichkeiten Klarheit in das Chaos der zerütteten Familienverhältnisse zu bringen. Das junge Mädchen sucht nach der Wahrheit. Ihre Gedankenwelt ist für mich nachvollziehbar. Doch die Wendungen im Geschehen um Jet sind es für mich nicht. Außerdem gehen die Schlußfolgerungen von Lies in eine gänzlich andere Richtung als die der Polizei. Warum wird darauf nicht eingegangen?
Je länger ich das Gelesene auf mich nachwirken lasse, umso mehr fallen mir weitere Punkte auf, die für mich nicht stimmig sind. Nur noch eine letzte Sache, die für mich gar nicht paßte. Jet ist ausgebildete Psychologin, spricht mit ihrem Kollegen über ihre Probleme (allerdings schiebt sie eine Bekannte vor). Trotz ihres Wissens lebt sie in ihrer Ehe und in der sexbetonten Affäre toxische Beziehungen aus.

Das Tagebuch der Mutter kommt bei mir zunächst als ein guter Einfall der Autorin an, aber die Art und Weise, wie die Berichterstattung erfolgt ist gelinde gesagt verwunderlich. Wer schreibt seine Gedanken nieder im Dialogstil? Gegen Ende hin wird das dann auch noch unrealistisch.

Der Thriller wurde durchgängig aus der jeweiligen Ich-Perspektive geschrieben, aus Sicht von Lies und von Jet, der Mutter.

Für mich ist „Bonuskind" eine konstruierte Geschichte voller Ungereimtheiten. Das Ende konnte mich allerdings dann doch überraschen. Leider zu spät.

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Wie das Leben so spielt...

Wir für uns von Barbara Kunrath

Mit diesem Buch schenkt uns Barbara Kunrath eine Geschichte, die das Leben schreibt.

Im fiktiven, kleinen Ort Solbach in Hessen, in der Nähe des Westerwaldes und der Großstadt Frankfurt am Main finden zwei Frauen durch einen wunderbaren Zufall zueinander. Sie sind verschiedener Generationen zugehörig.

Josie wird mit 41 Jahren plötzlich und ungewollt schwanger von ihrem jahrelangen Geliebten, der aber mit ihr kein Kind möchte. Seit neun Jahren unterhalten sie eine Dienstagsbeziehung. Kathi ist 70 Jahre alt und verlor plötzlich kurz vor der Goldenen Hochzeit ihren Mann. Es sind die tiefen, schmerzhaften Einschnitte ins Leben, die die Autorin recht anschaulich zu beschreiben versteht.

In fünf Teilen erfuhr ich in abwechselnden Kapiteln von Josie und Kathie, wie sie den Neubeginn nach den einschneidenden Veränderungen bewältigen. Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit. Unverarbeitete Konflikte in der Großeltern- und Elterngeneration der Protagonistinnen kommen zur Sprache, die sich nachhaltig auf ihr Leben auswirkten. Dazu erfolgen bei Kathi die Rückblicke auf eine lange Ehe und ihre Rolle als Mutter und die Berufstätigkeit im Dorfladen, bei Josie ist es hauptsächlich ihre lang andauernde Beziehung zum verheirateten Bengt, die sich vorwiegend im Bett abspielte.

„Wir für uns“ ist problembehaftet. Es kommen viele Themen zur Sprache, vielleicht etwas zu viele für nur einen Roman. Zumal diese dann zum Ende recht schnell gelöst und abgehandelt scheinen.
Angenehm fiel mir auf, dass keine moralische Wertung erfolgte. Das kann jeder mit seiner eigenen Lebenserfahrung abgleichen.
Den Sprachstil fand ich bereits wie bei „Töchter wie wir“, feinfühlig, ansprechend, nachvollziehbar und lebensecht.

Fazit:
Ich empfand den Roman als sympathisch geschriebene Geschichte über den Neubeginn des Lebens zweier Frauen unterschiedlicher Generationszugehörigkeit.

Meine Empfehlung mit vier von fünf Sternen!

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Bis zum Wiederschnuppern!

Evie und die Macht der Tiere von Matt Haig

Evie ist ein elfjähriges Mädchen mit einer einzigartigen Gabe. Sie hat von ihrer verstorbenen Mutter die wunderbare Fähigkeit vererbt bekommen, dass sie hören kann, was Tiere denken, und noch dazu vermag sie ihnen in Gedanken zu antworten. Doch die Verständigung verläuft nicht mit allen Tieren so einfach wie mit einem Hund, einem struppigen Streuner, der z.

B. auf der Straße lebt. Bei einer Schnecke passiert es ihr schon mal, dass sie bei der Langsamkeit des „Gesprächs" einschläft. Die Bartagame von ihrer Oma stellt eine noch höhere Herausforderung dar. Mit Echsen zu kommunizieren, das ist die wahre Kunst!

Ich erlebte mit diesem rundum schönen Kinderbuch ein einzigartiges Abenteuer. Es ist unterhaltsam, spannend und lehrreich geschrieben. Stimmige Dialoge und witzige Antworten machten mir zusätzlich Spaß.
S. 38 „Okay, bis zum Wiederschnuppern. Das Leben ist gut.“
Nachvollziehbar erfährt man, warum Evies Gabe für sie selbst so gefährlich ist, was ihrer Mutter widerfuhr, und warum der Vater sie immer wieder zur Vorsicht mahnt.

Matt Haig gibt dem Tier- und Umweltschutz in der reizvollen Geschichte eine wunderbare Hauptrolle. Aus der Perspektive der Tiere, mit Evies immer vollkommener werdenden telepathischen Fähigkeiten erfahren die kleinen Leser sehr viel Wissenswertes über die verschiedensten Lebewesen.
Mir hat die Handlung sehr zugesagt und ich hoffe, dass meine 9 jährige Enkelin auch Gefallen an „Evie und die Macht der Tiere“ findet.

Schöne Illustrationen unterstreichen das Geschehen. Das strahlende Gelb des Covers ist ein toller Eyecatcher.

Ich empfehle das Buch mit der Höchstbewertung!

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Obskurer, irrer Racheplan

Der Nachlass von Winner Jonas

„Der Nachlass“ – Zehn Hinterbliebene, abgeschnitten auf einer Insel, 27 teils abartige Aufgaben zu lösen, ohne Strom und Telefon/Handy bei Frost, Schnee und Eis – dazu die Geistergeschichte der Pfauenkranzlady und die Folgen -

Der Tod Hedda Laurents ist vorauszusehen und deshalb versammelt sie kurz vor ihrem Ableben die Familie um sich.

In ihrem Testament, das eine riesige Millionensumme enthält, wurde festgelegt, wie das Erbe verteilt werden soll. Die Erwachsenen der Familie, bestehend aus Ehemann, Bruder, den vier Kindern, deren Partner und Partnerinnen und ein volljähriges Enkelkind müssen sich einem Wettbewerb stellen und 27 Aufgaben lösen. Wer als Sieger daraus hervorgeht,soll alles erben. Es ist ein Gesamtbetrag zwischen 70 und 80 Millionen Euro.

Die gruselige, beunruhigende Atmosphäre, die fast über den gesamten Roman anhält, beginnt bereits im Prolog mit dem Tod des alten Mannes. Auch der immer wiederkehrende Auftritt der Frau mit dem Pfauenkranz in den Erzählungen der beiden jüngeren Kinder Theo und Patricia tut sein Übriges. Was geschah 1963? Was geschah 1978? Welche Dinge sind in der Villa in der Vergangenheit passiert, die so gravierend in die Gegenwart nachwirken? Was haben sie mit Heddas Tod zu tun? Und warum diese Aufgaben, um das Erbe zu erfüllen?
Der Autor erzählt in mehreren Zeitebenen. Dadurch, und sowohl durch die Technik des Rückblendens und wiederum nach vorne Schauens wird die Spannungskurve des öfteren unterbrochen. Ich musste mehrmals nachschauen, bei wem und in welcher Zeit ich mich gerade befand. Das fand ich nicht förderlich. Der Stammbaum im Vorderteil des Buches war indes absolut hilfreich. Die Kompliziertheit der Zusammenhänge der verschiedenen Ereignisse erschloß sich mir erst gegen Ende dieses Psychodramas.

Kurz nach dem Tod Heddas wird der Wettbewerb begonnen. Zuerst mit harmlos erscheinenden Aufgaben, die sich aber innerhalb dreier Tage in immer absurdere, grausamere, Ekel erregende Prüfungen steigern. Ich möchte es abartig nennen. Kann eine Mutter so voller Haß sein? Da schlichen sich bei mir leise Zweifel ein. Einige Angehörige der Familie Laurent stellten sich Fragen, aber keiner widersetzte sich diesem irren, letzten Willen. Die Situationen laufen aus dem Ruder und eskalieren.
Es war interessant zu lesen, was die Aussicht auf viel Geld aus Menschen machen kann. Seltsame Charaktere versammelten sich auf dem alten Familiensitz. Nach und nach entblätterten sich die Hintergründe, die Zusammenhänge, die Konstellationen in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Autor entwarf eine komplexe Geschichte. Das Ende ist überraschend.

Ich bewerte diesen Thriller mit vier von fünf Sternen!

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Hoffnungsfrohe Gedanken in ungeordneter Folge

The Comfort Book. Gedanken, die mir Hoffnung machen von Matt Haig

Ich kann nicht sagen, was ich mir vorgestellt habe unter diesem Buch. Vielleicht was ähnliches wie John Greens „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“, das ich vor kurzem erst beendet habe. Bei diesem Autor faszinierte mich, wie er seine Gedanken, seine Erlebnisse, seine persönlichen Erfahrungen in kleine Geschichten verpackt, sie sinnvoll mit der Gegenwart, der Vergangenheit, mit Personen u.

s.w. in Beziehung bringt und sie verständlich formuliert. Mir gefiel bei ihm die humorvolle, geistreiche Wissensvermittlung und seine Bewertung der Faktenlage zum betreffenden Thema.

Matt Haig vermittelt vieles in seinem Buch, u. a. Mut, Hoffnung, Zuversicht, Auswege, Richtung, Wertebewußtsein, Klarheit. Er ruft auf gegen Verhaltensmuster und Routine anzugehen, den alltäglichen Trott zu durchbrechen, gegen Ängste (z. B. vor Veränderung) und Stagnation zu kämpfen und vor allem öfter mal die Komfortzone zu verlassen.
Er stellt u. a. die Erkenntnisse über sich selbst vor und läßt den Leser daran teilhaben. Darauf muss man sich aber einlassen können. Bei mir stehen mein Alter, mein Pragmatismus, mein Charakter, dem Sammelsurium von zusammengetragenen Einsichten entgegen. Ich befinde mich im letzten Drittel meines Lebens und die vielen Erfahrungen, die Erlebnisse, die Sozialisierung lehrten mich mit schwierigen Situationen fertig zu werden. Wenn es mir schlecht geht, würde ich nie zu diesem Buch greifen. Die Aneinanderreihung von wenigen Sätzen – manchmal nur ein einziger Satz - zu einem Thema, sind mir zu wenig.
Es ist alles richtig, was Matt Haig zusammengetragen hat. Sein Schreibstil ist für mich gewohnt gut.

Fazit:
„The Comfort Book“ besteht aus Erkenntnissen, Einsichten, persönlichen Lernprozessen und Schlußfolgerungen daraus, verschiedenen Zitaten und vieles von Haigs Ängsten, Panikattacken, Depressionen. Das Buch kann man beliebig lesen - aufschlagen an irgendeiner Stelle. Es hat zwar vier Teile, aber für mich war keine thematische Gliederung oder ein roter Faden ersichtlich. Darauf macht Haig selbst aufmerksam in „Eine Anmerkung zur Struktur des Buches" S. 7.

Den Hype,den das Werk bis jetzt entfachte, kann ich leider nicht nachvollziehen.

Von mir drei von fünf Sternen und die Empfehlung für diejenigen, die Mut, Hoffnung, Kraft aus den Zeilen ziehen können!

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Wie bewertet man unsere Gegenwart?

Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen? von John Green

“Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?” – So heißt John Greens Buch mit „Notizen zum Leben auf der Erde" für den deutschsprachigen Leser. Der Titel der Originalausgabe lautet: "The Anthropocene Reviewed. Essays on a Human-Centered Planet"

Für mich war dieses Buch meine erste Begegnung mit dem Autor.

Das wundert mich nicht, sind doch seine mehrfach ausgezeichneten Werke eher für jugendliche Leser.
Da ich mit dem Begriff „Anthropozän" zunächst nichts anzufangen wußte, möchte ich gleich mit einer Definition beginnen:
„Der Begriff Anthropozän ist die vorgeschlagene Bezeichnung für das gegenwärtige geologische Zeitalter, in dem der Mensch den Planeten und seine Biodiversität grundlegend verändert hat.“ (S. 15)
Es ist faszinierend, wie Green seine Gedanken, seine Erlebnisse, seine persönlichen Erfahrungen in kleine Geschichten verpackt, sie sinnvoll mit der Gegenwart, der Vergangenheit, mit Personen u.s.w. in Beziehung bringt und sie verständlich formuliert.
Was er z. B. gleich im ersten Kapitel (insgesamt sind es 44 Kapitel) „You´ll Never Walk Alone“ alles zusammenträgt! Ich kannte nur die Geschichte, dass es der Song des Liverpool Football Club ist. So geht es immer weiter. Er leitet interessante, manchmal auch ungewöhnliche Gedanken ab von seinen Themen. Jede Überschrift ist wie eine Wundertüte! Fast jedes Mal bin ich am Ende erstaunt über seine Ableitungen! Ab und zu kommt er auch mal von „Höckchen auf Stöckchen". Ich finde dieses Buch ungewöhnlich. Es fällt aus dem Rahmen durch die besondere Herangehensweise an Themen, die den Autor bewegen.
Was und wen er zitiert, finde ich treffend. Seine Gedankenexperimente, die sich selbstverständlich aus Greens persönlichen Leben und aus seinem Umfeld ergeben, führten mich oft dazu, das meine zu reflektieren. Green äußert Gedanken von philosophischer Tiefe, die viele Menschen auch so betreffen. Im Kapitel "Academic Decathlon" schreibt er etwas über seinen Freund Todd, was mich sehr berührte – ja, auch ich habe solche Freunde.
Im nächsten Kapitel „Sonnenuntergänge" sinniert er über die Sonne...und die Frage nach Gott und wie er sie beantwortet, trifft sich fast deckungsgleich mit meinen Ansichten. Der Vergleich mit seinem Hund, wenn es um Vertrauen geht. Er zeigt seinen Bauch und macht sich schutzlos. Einfach herrlich! S. 113
Es sind keine komplizierten, aber wunderbare Gedanken, die er dann in seiner eigenen Sterne-Bewertung gipfeln läßt. Klasse!
John Green macht sich viele Gedanken über Krankheiten und Schmerzen, die sie verursachen und die uns der Sprache berauben. Insgesamt läßt er den Leser recht tief in seine persönliche Welt eintauchen. Er gibt eine Menge von sich selbst preis. Es gibt viele Abschnitte in dem Buch, über die ich länger bzw. erneut nachdenken musste. Auch aus dem Grunde ist es ein Werk, dass sich (für mich!) nicht hintereinander weglesen läßt. Ich behaupte, dass es ein Buch ist, welches sich eignet zum Wieder- und Wiederlesen.

Fazit:
Es ist ein intelligent geschriebenes, autobiographisch geprägtes Sachbuch voller sehr guter Textstellen, Metaphern, Vergleichen, wunderbaren Zitaten zum Leben, zur Schönheit der Welt, das aber auch von Ängsten und Panikattacken, das Verhältnis zur Familie, zu Freunden und von vielen persönlichen Erfahrungen erzählt...ein Buch voller Ehrlichkeit und Empathie...
Mir gefällt die humorvolle, geistreiche Wissensvermittlung und die Bewertung der Faktenlage in Rezensionsmanier, mit Sternen.
Green vermittelte mir mit seinen geistreichen Beiträgen, auch über hin und wieder sehr amerikanische Dinge, viele Denkanstöße. Er regte mich sogar zum tieferen Nachdenken an.

Ich empfehle dieses Buch mit der Höchstbewertung!

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Toll aufgemacht und Neugier weckend

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 3 - Wale und Delfine von Sandra Noa

„Wale und Delfine" ist Band 3 der neuen Reihe von "Wieso?Weshalb?Warum?" - ein Erstlesebuch für Leseanfänger.

Mit diesem sehr schön gestalteten Buch sollte den ABC-Schützen das Lesetraining viel Freude bereiten. Mit einfachen Texten, die kurz gehalten und zudem in einer angenehmen Schriftgröße (Fibelschrift) verfaßt sind, dürfte es dem Leseanfänger leicht fallen, dem Wortsinn zu folgen.

Das interessante Fachwissen über Wale und Delfine wird mit detailreichen Illustrationen faktenreich und vor allem kindgerecht übermittelt. Die verschiedenen Darstellungen sind übersichtlich angeordnet und mit Erklärungen versehen. Fotos aus dem natürlichen Lebensraum der Tiere ergänzen die Wissensvermittlung.
Mit viel Spielspaß, Leserätseln, Quiz, Leselotto und Stickern wird das Gelesene aufgelockert.

Mir gefällt dieses Werk aus der Sachbuchreihe außerordentlich gut. Sehr gern bin ich den Ausführungen zu den Meeressäugern gefolgt. Manches war auch mir neu. Toll die Größenvergleiche!
Es ist ein erstaunliches Entdeckerbuch. Damit macht das Lesen lernen richtig Spaß, behaupte ich. Und ganz nebenbei entdeckt das Kind die Wunder der Tierwelt. Die Neugier auf mehr wird geweckt.

Ich vergebe gern fünf von fünf Sternen und meine begeisterte Empfehlung für ein pädagogisch wertvolles, wunderbares Sachbuch für Kinder!

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Donauwelle(n) gefährlich und schön

Donau so rot von Thomas Baum

Ohne Umschweife ist man auch bei „Donau so rot“, wie schon bei „Kalter Kristall", wieder mittendrin. Kommissar Worschädl wollte eigentlich mit seiner Ehefrau Karoline eine beschauliche Donau-Kreuzfahrt anläßlich ihrer Silberhochzeit machen. Die gute Absicht war vorhanden. Doch wo er ist, passieren Todesfälle und er muss unbedingt aktiv und mit vollstem Einsatz ermitteln.

Die verschiedenen Ansatzpunkte, Schauplätze und Personen machen neugierig, wie alles zusammenhängt. Was hat der vergiftete Fußballpräsident und Brotfabrikant Breitwieser auf dem Kreuzfahrtschiff mit der jungen Amina zu tun, die in ihrem Haus überfallen wird?

In Abschnitten, die alle betitelt sind mit Begriffen aus dem Fussball und in 40 Kapiteln mit angenehmer Länge erlebte ich eine Ermittlungsgeschichte voller Dynamik.
Thomas Baum vermochte mich mit seinem humorigen, flotten Schreibstil hervorragend zu unterhalten und mitzunehmen. Auch hier gelangen ihm bis zu den Nebenfiguren individuelle Charaktere, die ich mir lebhaft vorstellen konnte. Da ist erneut Worschädl in seiner widerspenstigen, eigensinnigen, aber trotzdem warmherzigen Art sowie seine Mitarbeiterin Schinagl, die ihre Verantwortlichkeit in der Rolle zwischen zweifacher Mutter und Ermittlerin abwägen musste. In diesem Fall funktioniert die Zusammenarbeit mit Sabine Schinagl auch über Distanz.
Mit witzigen Einfällen und in einem österreichisch gefärbten Deutsch (z. B. "Kitschpepperl" S. 31) wird die Handlung mit überraschenden Wendungen vorangetrieben. Schließlich gelingt die Aufklärung des Verbrechens noch an Bord und der Täter kann gestellt werden, bevor das Schiff seinen Zielort erreichte.
Der Krimi endet versöhnlich mit schönen "Bildern". Das Silberpaar stößt mit Champagner an und im Hintergrund entspannt sich ein Regenbogen. Das war vielleicht ein wenig too much, zu kitschig?

Geradezu fabelhaft fand ich die Gedanken eines Fussballs, die einige Male in kursiver Schrift eingefügt sind! Mit den Betrachtungen, Erkenntnissen der Lederkugel beginnt und endet die Geschichte.

Fazit:
Es ist ein spannender, aktionsreicher Krimi um Spielmanipulationen und Wettbetrug, um verbrecherische Machenschaften in den untersten Spielklassen des österreichischen Fussballs.
Ich fühlte mich wunderbar unterhalten. Ein herrlicher Krimi voller Wortwitz, Pointen und besonderen Charakteren.
Ich freue mich schon auf den nächsten Fall und eine Wiederbegegnung mit Worschädl und seiner Karoline, Schinagl mit ihrer aufsässigen Tochter und dem kleinen Sohn...

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Frauenschicksal im 20. Jahrhundert

Sturmvögel von Manuela Golz

„Sturmvögel“ ist ein ganz wunderbares, unterhaltsam geschriebenes Buch. Es handelt von Emmy, die 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel als älteste Tochter des Walfängers Andries Peterson geboren wird. Hier führt sie mit ihrer Familie ein recht karges, aber zufriedenes Leben. Die Eltern lieben sie.

„Vergiss nie, dass du von uns sehnsüchtig erwartet und immer geliebt worden bist. Diese Liebe, das tiefe Gefühl, erwünscht gewesen zu sein, trug sie durch schwere Zeiten.“ (S. 242)

Früh in ihrem Leben verliert sie erst die Mutter und danach den Vater. Mit 14 Jahren erfolgt die schmerzhafte Trennung von den Schwestern und von der Insel. Emmy wird nach Berlin als Dienstmädchen verpflichtet und muss sich allein durchs Leben schlagen.

Auf 336 Seiten und in 27 überschaubaren, kurzen Kapiteln wird die Lebensgeschichte von Emmy erzählt. Mit ihrer munteren, erfrischenden Art erobert sie recht bald als unerfahrene Inselbewohnerin das turbulente Berlin und Hauke Seidlitz, den Sohn aus reichem Hause. Sie saugt das Neue, das Ungewohnte in sich auf und nutzt ihre Möglichkeiten trotz geringer Schulbildung. Doch sie hat was ganz Wesentliches; sie hat Herzensbildung und einen unschlagbaren Humor. Schließlich heiraten die jungen Leute trotz der Standesschranken, weil sich neues Leben ankündigt. Als die dünkelhafte, äußerst hysterische Schwiegermutter Emmys Erstgeborene brutal schlägt, verläßt die junge Frau Knall auf Fall das Haus und kommt bei ihrer Freundin Marianne unter. Emmy ist ihr ganzes Leben auf der Suche nach einem sicheren Hafen für sich und ihre Lieben. Hier stellt sich der Bezug zum Titel her. Eigentlich sind damit die Walfänger, die Seeleute gemeint, die nach stürmischer See wieder heimkommen. Doch auch Emmy ist ein Sturmvogel! Sie sorgt für drei Kinder, zieht sie groß und betreut noch im hohen Alter eine Pflegetochter. Wie ihr das alles mit ihrer herzerfrischenden, schlagfertigen Art gelingt, machte mir eine riesige Lesefreude. Zumal sie mich in ihrer Warmherzigkeit und ihrem tollen Pragmatismus immer wieder an meine ebenfalls 1907 geborene Großmutter erinnerte. Emmy ist eine ganz starke, praktisch veranlagte Frau. Es ist einfach bewundernswert wie sie durch die schweren Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen und danach kommt. Das hätte auch sehr gut bei der Vorgeschichte als riesiges Drama enden können. Die Frau ist fast nie um eine Antwort verlegen, geht nicht gibt es nicht bei Emmy. Sie findet im Leben immer eine gute, für alle zufriedenstellende Lösung.

Manuela Golz hat die Geschichte sehr gewitzt angelegt. Sie beginnt mit dem letzten Sommer Emmys im Jahr 1994. Danach wechseln sich Vergangenheit und Gegenwart ab und so erlebt der Leser ganz authentisch den Entwicklungsweg mit. Die Autorin geht sogar zurück ins Jahr 1870, um zu verdeutlichen, wie lange ein schreckliches Ereignis in einer Familie nachwirken und Einfluß nehmen kann auf das Dasein der Nachgeborenen.
Wir erleben am Ende des Buches eine taffe 87 jährige, die mit sich im reinen ist und auch ihr Erbe, ihr Vermächtnis, an die Nachwelt noch sehr verantwortungsbewußt und klug weitergibt.

Ich empfehle dieses beeindruckende Frauenschicksal des 20. Jahrhunderts zu lesen. Von mir 5 Sterne!

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Ich bin's, dein Mörder

Letzte Ehre von Friedrich Ani

Das Cover zeigt zwei Männer vor einem Kiosk mit den Rücken zum Betrachter. Diese Örtlichkeit, ebenso wie andere Lokalitäten, werden einem in dem Roman des Öfteren begegnen.
Die Handlung empfand ich als düster und beklemmend. Die Männer kommen darin nicht gut weg. Unfassbare Gewalt gegen Frauen, einschließlich sexueller Übergriffe schon in der Kindheit, ist das vorherrschende Element.

Fariza Nasri (Mutter deutsch, Vater arabisch), die Oberkommissarin, fungiert als Ich-Erzählerin. Sie hat sich auf Verhöre spezialisiert und bringt die Menschen geschickt zum Reden.
In einer ruhigen, beinahe beiläufigen Erzählweise kommen Ungeheuerlichkeiten zu Tage.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil merkte ich von Beginn an, dass da was nicht stimmen kann. Fariza vernimmt im Fall der verschwundenen siebzehnjährigen Finja Madsen den Freund der Mutter, Stephan Barig. Der unsympathische Unternehmer antwortet auf jede Frage. Doch die Polizistin merkt, dass er lügt.

S. 20 „Manchmal denke ich, das einzig Wahre in meinem Leben sind Lügen. Meine Lügen und die der Anderen, denen ich gezwungen bin zuzuhören.“

Es ist wie ein Sog. Das Erzählte kommt harmlos daher und steigert sich ständig bis zum Exzess. Wie ein roter Faden verbindet die Handlung die drei Fälle miteinander. Unbegreifliche menschliche Abgründe tun sich dabei auf und lassen mich ein ums andere Mal fassungslos zurück. Da ist von „Verhämmerung" die Rede. Diesen Begriff hatte ich noch nie gehört und doch verdeutlicht er wie kein anderes Wort, was einem Opfer angetan wurde.

Das Geschehen in diesem fesselnden Roman zog mich unwillkürlich in seinen Bann und ließ mich auch zwischen den Zeilen an dem Unfassbaren teilhaben. Mit einfühlsamen, psychologischem Geschick verfasste Friedrich Ani eine Geschichte mit erschütterndem Tiefgang. Die Lektüre beschäftigt mich weiterhin.

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