Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Orangen und mehr
Mallorquinische Sühne von Lilly Alonso
Das wird nichts mit Llucs Ferien - besser so, denkt man sich als Leserin, denn wahrscheinlich wäre da Krach vorprogrammiert gewesen. Nicht nur für Lluc, sondern für alle drei, also auch für Gual und Fina kommt der neue Fall wie gerufen und lenkt von ihren Problemen im Privatleben ab.
Der aufgefundenen toten Frau wurde ein Ohr abgeschnitten und eine Orange in den Mund gesteckt.
Alles sieht nach einem Serienmörder aus, denn kurz darauf wird eine zweite Leiche, genau gleich präpariert, entdeckt. Lluc und sein Team ermitteln unter Zeitdruck. Obwohl Lluc theoretisch in einigen Tagen nach Sevilla müsste, stresst ihn viel mehr, dass Jurado, ein Sonderermittler vom Festland, den Lluc von früher her kennt, in einigen Tagen "helfen" kommen will.
Die tolle Zusammenarbeit zwischen Fina, Gual und Lluc muss lobend erwähnt werden. Der Fall gibt viel Raum zum Spekulieren, man fragt sich bei jedem neuen Indiz, ob das jetzt wirklich was zur Lösung beitragen wird oder nicht.
Auch in diesem dritten Band gibt es wieder viel Lokalkolorit und die Landschaft wird schön beschrieben. Wie zuvor erfährt die Leserschaft wieder einiges über die Privatleben der Ermittler. Je besser sie sich untereinander kennen, je besser arbeiten sie auch zusammen. Diese Entwicklung gefällt mir gut und ich muss sagen, nachdem ich anfänglich bei der andern oder andern Figur noch einige Fragezeichen hatte, mag ich die drei von Band zu Band immer mehr.
Der Humor kommt ebenfalls auch nicht zu kurz. Besonders wenn Autorin Lilly Alonso in die Trickkiste greift, gibt es Momente, bei denen man sich Schmunzler nicht verkneifen kann.
Humor gepaart mit einem interessanten Fall und sympathischen Ermittlern macht das Lesen von "Mallorquinische Sühne" zu einem Lesevergnügen.
Fazit: Spannend und wendungsreich bis zuletzt.
4 Sterne.
Hochinteressant durch einige Twists
Schatten über Monte Carasso von Mascha Vassena
Gerne hätte ich letzten Sommer, als ich die ersten beiden Bände gelesen habe, direkt noch mehr "Moira Rusconi"-Krimis gelesen. Moira Rusconi macht süchtig, aber ich musste warten. Das Warten hat sich gelohnt, denn auch der neue, dritte Fall ist gelungen.
Ambrogio, Moiras Vater, muss zur Kur.
Kurzentschlossen, weil voller Heimweh nach dem Tessin, gesellt Moira sich vom kühlen Frankfurt in den warmen Süden mit dazu. Ein bisschen Ruhe und Entspannung in der Wellness-Villa würde ihr auch gut tun.
Ambrogio freundet sich schnell mit anderen Kurgästen an, Moira freut sich mehr über das unerwartete Zusammentreffen mit Luca Cavadini, der den hiesigen Chef Olivier Bonvin kennt. Ausserdem trifft sie auf eine junge Frau, die ihr von ihrem nachstellenden Ex-Mann erzählt und kurz danach aus der Villa verschwindet. Moiras innere Alarmglocken schrillen und schnell ruft Moira die Polizei rund um Inspektorin Chiara Moretti auf den Plan. Doch die Polizei kann nichts unternehmen, so leid es Chiara tut, und so kommen sie, Moira und Abrogio auf die Idee, mit einem Trick die Polizei zu "aktivieren".
Moira selbst ist bei der Tessiner Polizei als freie Dolmetscherin angestellt und hat somit deren Durchwahlnummer. Luca, ihr Freund aus Kindertagen und immer noch der Mann, den sie liebt, und den sie in der Villa beim Yoga trifft, ist Rechtsmediziner. Zur Truppe gehören noch einige weitere Charaktere, die sind - bis auf den Big Boss - alle super sympathisch. Man merkt in "Schatten über Monte Carasso" wie gut sie sich in den ersten beiden Bänden aneinander gewöhnt haben und nun sehr gut miteinander harmonieren - privat und bei der Arbeit. Nur Moira nimmt sich manchmal einige Freiheiten heraus, zu deren sie gar nicht befugt wäre. Aber meistens ist sie dabei auf der richtigen Spur, von daher wird ihr schnell verziehen.
Der Fall spielt in einer Wellness-Villa, sprich Kurklinik, auf dem titelgebenden Monte Carasso in der Nähe von Bellinzona. Dort gibt es eine Hängebrücke, die im Krimi eine Rolle spielt. Auf diese Hängebrücke wollte ich schon lange mal gehen - aber nach diesem Band bin ich nicht mal sicher, ob ich diesen Wald überhaupt bewandern soll ;-)
Einige Twists machen diesen Band - der mehrere Delikte wie Diebstahl, das Verschwinden der Frau und einiges mehr beinhaltet - hochinteressant und ich war höchst gespannt, wer schlussendlich für was gerade stehen muss. Und wie schon zuvor hätte ich gerne direkt den nächsten Band in die Hand genommen und weiter gelesen.
Fazit: Kurzweiliger und unterhaltender dritter Band - gerne mehr von Moira und Co.!
4 Punkte.
Schwimmen in London
Am Himmel funkelt ein neuer Tag von Meike Werkmeister
Zoé, die man knapp aus "Am Morgen wartet ein neuer Horizont" kennt, zieht von Hamburg nach London. Auf ihre neue Stelle, die auf ein Jahr befristet ist, ist sie sehr gespannt, doch das Team erweist sich als relativ komplikationslos. Mit ihrer Bleibe ist Zoé ebenfalls höchst zufrieden. Ihr Vermieter Ravi, der im Erdgeschoss ein kleines Café führt, füttert sie nicht nur durch, sondern wird auch zum Freund.
Dass sich in der Nähe ihrer Wohnung kleine Schwimmteichs befinden, ist für Zoé das Highlight, denn sie liebt es zu schwimmen und kann nun ihrem Lieblingshobby auch in London unkompliziert nachgehen. Im Ladies Pond findet sie schnell Anschluss.
Soweit alles gut. Bis sie eines Tages plötzlich denkt, sie hätte Filipe, ihren Ex aus Portugal gesehen. Die Fotos, die er auf Social Media postet, sehen stark nach London aus. Zoé beschäftigt diese Situation, sie denkt nämlich immer noch an ihn.
Sie macht sich extrem viele Gedanken, immer wieder. Darüber spricht sie mit einer älteren Frau, mit der sie frühmorgens im Ladies Pond schwimmt. Doch dann denkt sie Geister gesehen zu haben, was zu den Legenden passt, die erzählt werden. Aber auch eine Wahrsagerin hat ihr in ihren ersten Londoner Tagen etwas mit auf den Weg gegeben, was Zoé sehr beschäftigt.
Meike Werkmeister schlägt hier leise Töne an, was mir am Anfang sehr gut gefallen hat. Diese leisen Töne wurden aber immer mehr durch Zoés ständiges Gedankenkarussell gestört. Die Unterstellung, dass Zoé forsch ist, nur weil Yon beleidigte Leberwurst spielte, konnte ich nicht nachvollziehen - für das hat Zoé viel zu oft drumrum geredet, anstatt direkt gesagt, wieso sie was gedacht, getan oder vermutet hat. Der Konflikt zwischen den beiden fand ich deshalb viel zu hoch geschraubt und konstruiert.
Zudem hatte ich ständig das Gefühl, ich hätte im Portugal-Roman etwas verpasst, denn es hörte sich hier so an, als ob die Trennung mit Filipe damals ein riesiges Drama war und wer jetzt wie Schuld war für was auch immer, das wurde mir hier zu dick aufgetragen (und ständig wiederholt). Ich hab dann im Vorgänger einige Szenen nachgelesen: dort kam das Drama gar nicht so extrem rüber. Auch komisch empfand ich, dass die super sympathische Portugal-Prota Katrin dermassen tratschen würde.
So sehr ich das Setting in Hampstead mit seinen Schwimmteichen, Ravi's Café und die unterschiedlichen Charaktere - alle besonders (und einige besonders toll) auf ihre eigene Art - liebte, fiel es mir, aufgrund der gerade genannten Dinge, schwer dran zu bleiben. Ich hatte, im Gegensatz zu "Am Horizont wartet die Sonne" leider nie das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu wollen.
Das Ende war nett, doch gerne hätte ich gegen Ende nochmals etwas über die "weissen Blumen", die von der Wahrsagerin prophezeit wurden, gelesen. Am Anfang sah man überall weisse Blumen, am Ende spielten sie keine Rolle mehr, sie wurden nicht mal mehr erwähnt.
Fazit: Eigentlich eine schöne Geschichte, die mir, durch gewolltes Drama wo keines war, zu sehr aufgebauscht wurde.
3.5 Punkte.
Alte Traditionen
Zyprische Geheimnisse von Alexander Oetker; Yanis Kostas
Endlich geht es mit der Reihe weiter! Sofia Perikles hab ich bereits im ersten Band sympathisch befunden, ihr Chef Kostas Karamanlis spätestens im zweiten Band und seither bin ich ein Fan der beiden. Im aktuellen Band gibt es zudem ein Wiedersehen mit DCI Christina Charalambous. Leider auch eins mit Toby Dukas und dem Innenminister.
Wenn Letzterer ins Spiel kommt, und Sofia und Kostas den Fall um den toten Umweltschützer wegnimmt, dann kann man sicher sein, dass die beiden weiter ermitteln, jetzt erst recht. Die beiden haben dafür die britische Polizei auf ihrer Seite.
Zum besseren Verständnis der Charaktere und ihr Verhältnis zueinander sollte man zumindest den ersten Band auch noch lesen. (Band 2 ebenso, denn der ist super spannend.) In Band 1 erfährt man zudem, wieso der Innenminister ein rotes Tuch für Sofia ist und wie ihr Einstieg in den Dienst der zyprischen Polizei ablief.
Zurück zum aktuellen Band: der tote deutsche Tierschützer lebte in einem kleinen Dorf und war dort nicht beliebt. Mit andern Umweltschützern setzte er sich für Schildkröten ein und auch noch für den Schutz von anderen Tieren - welche das sind und wieso, wird im Laufe des Kriminalromanes verraten.
Anscheinend wird die Liebe der älteren Zyprioten zu einer alten Tradition ihm zum Verhängnis. Sofias neue Verwandte helfen inkognito bei ihren geheimen Ermittlungen tatkräftig mit, doch irgendwie scheint da noch mehr zu sein.
"Zyprische Geheimnisse" ist nicht ganz so spannend wie der zweite Band, aber aufgrund der Thematik sehr interessant. Yanis Kosta alias Alexander Oetker schreibt gewohnt flüssig, der Fall rollt sich immer mehr auf und wird am Ende perfekt abgeschlossen.
Wie auch in den beiden Bänden zuvor bringt der Autor die vielen Gesichter Zyperns fernab des Tourismus aufs Papier und begeistert mit tollen Ermittlern und Fällen, bei denen es nicht langweilig wird.
Fazit: Hoffentlich muss man auf Band 4 nicht mehr so lange warten wie auf diesen gut unterhaltenden dritten Band!
4 Sterne.
Eine Reihe, die süchtig macht
Kretisches Rätsel von Nikos Milonás
Die Hochzeit von Hannah und Michalis steht bevor, die griechische Familie dramatisiert und unwillkürlich denkt man dabei an "My Big Fat Greek Wedding" - sie macht es einem wahrlich nicht leicht, die griechische Grossfamilie.
Jene von Michalis ist nicht begeistert, als er nach langer Zeit wieder mal zu einem grossen Einsatz muss.
Michalis hingegen ist froh, kurz mal aus Chania zu entfliehen. Doch er weiss, der Fall muss bis einige Tage vor der Hochzeit gelöst sein, sonst enterbt ihn seine Mutter.
So einfach scheint der Fall um den toten Archäologen, der in Knossos aufgefunden wurde, nicht. Der Mann war unter Archäologen bekannt, auch Hannah kannte ihn. Dass er sich für was Besseres hielt und trotz Verlobten keinen Flirt ausliess, war kein Geheimnis. Doch mit wem stritt er sich tags zuvor in einem Kloster?
Michalis Charisteas und Pavlos Koronais ermitteln deshalb in der Universität von Heraklion und sind auch bei diesem Fall auf einigen archäologischen Stätten von Kreta anzutreffen, denn der Fall hat es in sich. Der Kilometer-Verbrauch ihres Wagens ist enorm, von einem Ende der Insel zum anderen und wieder zurück an mehreren Tagen - gefühlt zumindest. Der Zeitdruck ist hoch und das nicht nur wegen der Hochzeit.
So langsam fallen mir keine Superlative für diese Reihe mehr ein - selten hat mir eine Krimireihe durchgehend so gut gefallen. Der Mix aus Griechenland, Archäologie, Familienzwistigkeiten und -freuden, dazu rasante, spannende Fälle und mega sympathische Ermittler ist einfach top.
Ich freue mich jeweils sehr, bei jedem Band wieder mehr über alle Charaktere der Serie zu erfahren, denn sie sind mir mittlerweile familiär geworden. Jeder Band ist wie ein Besuch bei der grossen griechischen Familie.
Ob es die beiden Kommissarre geschafft haben, den Fall vor der Hochzeit zu lösen? Und die Hochzeit war... - nein, lest selbst wie alles ausgeht.
Fazit: Wieder super spannend bis zum Ende! Eine Reihe, die süchtig macht.
5 Sterne.
Eine Melodie erklingt
Der Klang des Windes von Patricia Koelle
Im letzten Band der "Sehnsuchtswald"-Reihe steht Anna-Lisa, Tochter von Jakob, im Vordergrund. Nach einigen Jahren in Amerika lebt sie nun wieder in Deutschland, wo sie als Freelancerin für eine Firma arbeitet. Die Fotografin hat vom Malen Abschied genommen, denn sie fühlt, dass sie sich mit der Kamera besser ausdrucken kann als mit dem Pinsel.
Dennoch findet sie ihren Job mit den langweiligen Auftragsarbeiten öde, weshalb sie sich entscheidet wieder zurück an die Küste ihres Heimatortes zu ziehen und dort als Fotografin selbstständig zu arbeiten. Sie traut sich leider nur wenig zu, doch als sie ihre Arbeiten Remy und den anderen auf dem Darss zeigt, ermuntern sie ihre alten und neuen Freunde dabei zu bleiben und ihr Ding zu machen und so beginnt sie mutig in ihrem Stil zu fotografieren.
Im Gepäck hat sie allerdings noch ein Relief-Bild aus Weidenholz. Sie möchte mehr über denjenigen herausfinden, der es gemacht hat. Die Leserschaft der vorherigen Bände wissen, auf was das hinausläuft - ich konnte es kaum abwarten, bis es soweit ist und sie diesen E. F. endlich findet.
Vielleicht war es nur meine Ungeduld, aber ich hatte das Gefühl, es zog sich ein wenig hin, bis sich die Wege von Anna-Lisa, Nele, Ava, Solvie und Franzi kreuzten. Und manchmal hatte ich ein Durcheinander - Anna-Lisa, die gefühlt vor knapp einer Handvoll Büchern der Autorin erst noch Kind war, ist nun erwachsen. Ein Personenregister (inklusive Angabe des Buches, in dem sie Protagonisten sind oder Nebenfiguren wie Jakob, das erste Mal vorkommen) wäre ganz hilfreich gewesen für mich, um alle vor Augen zu haben.
Ansonsten hat mir "Der Klang des Windes" gut gefallen, besonders da es hier nicht um Verwandtschaft, sondern um Wahlverwandtschaft geht. Ich fand toll, dass die Autorin diese Art von Familie auch berücksichtigt hat. Waren doch die vier Freunde damals tatsächlich auch so etwas wie eine Wahlfamilie, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Mehr über die Zeit damals zu erfahren, war schön. Manchmal kreuzen sich Wege und man trifft Menschen, die zu dieser Zeit sehr wichtig für uns sind, aber dann trennen sich die Wege aus natürlichen Gründen, doch wenn man zurück denkt, hat man gute Erinnerungen, denn ohne diese Menschen wäre es damals nicht gegangen. So denkt auch Emeric über seine Zeit auf dem Darss.
Wie immer sind alle Naturbeschreibungen wunderschön von Patricia Koelle geschildert. Auch die Fotomotive, die durch Anna-Lisas Künstlerauge entstehen, konnte ich mir bildlich vorstellen.
Fazit: Ein schönes Ende dieser Tetralogie. Ich bin sicher, jede, die diese Reihe gelesen hat, wird in Zukunft mit anderen Augen und Ohren durch den Wald gehen.
4 Punkte.
Eine grosse Künstlerin
Die Malerin des Lichts von Agnès Gabriel
Während es über die Maler, die den Impressionismus vertreten haben, viel zu lesen gibt, gibt es kaum etwas über die Malerinnen dieser Gattung zu lesen. Natürlich werden sie in den grossen Impressionismus-Werken auch erwähnt, aber in Roman-Form hab ich über Berthe Morisot im deutschsprachigen Raum noch nichts gefunden.
Deshalb war ich Feuer und Flamme, als ich "Die Malerin des Lichts" entdeckt habe.
Feuer und Flamme war auch Berthe Morisot, wenn es ums Malen ging. Sie und ihre ältere Schwester Edma liebten es zu malen, und durften es auch, was auch für unverheiratet junge Frauen nicht selbstverständlich war. Als Berthe sieht, wie Edma nach ihrer Hochzeit nicht mehr malen darf und auch anderen Malerinnen ihre Kunst nach der Eheschliessung verweigert wird, weiss sie, dass sie unter solchen Umständen nie heiraten will. Natürlich möchten ihre Eltern Berthe "unter der Haube" sehen, doch Berthe wehrt sich gegen alle Eheanwärter auf kreative Art.
Bei diesen Schilderungen musste ich oft lachen, geschickt inszeniert von ihr! Nur von einem Mann scheint sie nicht wirklich loszukommen: von Edouard Manet, für den sie oft Modell sitzt und der eigentlich ihr Mentor wäre. Doch insgeheim kann Edouard nicht zugeben, dass Berthe eine sehr gute Künstlerin ist. Edouard nimmt Berthe gegenüber einiges raus. Nach einer Szene, in dem er eine Grenze überschreitet, ist ihr dann aber endgültig klar, dass es so nicht weitergehen kann und sie sich nicht mehr von ihm porträtieren lässt. Und auch hier wieder inszeniert sie ihren Abschied vom Modell sitzen gekonnt.
Inzwischen hat sie als einzige Frau und als vollwertiges Mitglied der Gruppe die erste Ausstellung der Impressionisten mitgeprägt. Die Leserschaft erlebt auch mit, als sie 1870 bei Kriegsbeginn leichte Depressionen entwickelt und sich bis Kriegsende bei Edma und ihrer Familie erholt.
Edouard ist egoistisch und nicht kritikfähig. Ganz anders sein Bruder Eugene, der Berthe schätzt. Auch er ist Maler, doch er will nicht ausstellen: "ein Manet genügt", so sein Motto. Bis Eugene und Berthe öfters aufeinander treffen, dauert es. Man freut sich mit Berthe, als sie sich später endlich sicher fühlt, den richtigen (Ehe-)Mann ausgewählt zu haben und zur Freude ihrer Mutter Ende 1874 doch noch heiratet.
An Eugenes Seite steht Berthe nun endlich auch die Café- und Theaterwelt in Paris offen, sie kann mit ihm überall mit hin und geniesst ihr Leben. Sie malt weiter, unterstützt von Eugene.
Intensiv schildert die Autorin das interessante Leben von Berthe Morisot. Es ist ein ruhiger, aber enorm informativer Roman, der mir gut gefallen hat. Toll fand ich, dass die "Lovestory" zwischen Eugene und Berthe nicht das Hauptthema war, sondern chronologisch erst gegen Ende des Romans Raum einnahm. Das Augenmerk lag immer auf Berthe und ihrer Malerei.
Fazit: Schöner Roman, in dem das Leben der Impressionistin Berthe Morisot unterhaltend und informativ dargestellt wird.
4 Punkte.
Südlich von Porto wird es spannend
Südlich von Porto wartet die Schuld von Mariana da Silva
Ria ist wieder zurück in Torreira, diesmal richtig. Sie darf nun offiziell als Polizistin arbeiten, denn sie hat den Schreibtischjob von der hochschwangeren Mariposa übernommen und einen Arbeitsvertrag. Ria wohnt aktuell noch bei Joao und Mariposa. Da das Paar bald zu dritt sein wird, ist es höchste Zeit, dass Ria endlich eine eigene Wohnung bezieht.
So richtig motiviert zum Umziehen ist sie allerdings nicht.
Wer den ersten Band gelesen hat, ahnt, dass es Mariposa ohne Arbeit langweilig ist und sie nur darauf wartet, dass Ria bald in neuen Ermittlungen steckt, damit sie zurück an ihren Schreibtisch kann. Ihr Wunsch wird schnell erfüllt, der neue Fall kommt wie gerufen:
In einem Naturschutzgebiet in der Nähe wird ein toter Mann aufgefunden. Leider sind auch Klimaaktivisten vor Ort und lassen die Polizei und die Spurensicherung kaum ihre Arbeit tun. Erst als auch noch Comisario Joaquin Baptista erscheint, tritt Ruhe ein.
Baptista war überhaupt nicht erfreut, als er den Anruf von Ria bekam. Er wartete am Gericht missgelaunt auf den Beginn einer wichtigen Verhandlung und will nicht weg. Er könne noch lange warten, sagt Ria zu ihm, denn der Richter ist tot. Für Baptista ist sofort klar, dass der Angeklagte und seine Männer die Schuldigen sind, die den Richter töteten. Dass andere mögliche Motive und Täter in Frage kommen, lässt er nicht gelten, da ist er brutal stur. Ria ermittelt deswegen erstmal alleine in verschiedene Richtungen. Irgendwann kriegt Baptista sich dann doch ein, gemeinsam kommen sie besser voran.
Die beiden werden natürlich auch noch von Joao, Mariposa und Nuno unterstützt. Auch von anderen, die ich hier geheim halten möchte - jedenfalls gibt es Personen, die sich um Rias neue Wohnung kümmern, während sie "in Ruhe" ihren zweiten Fall südlich von Porto löst.
Im Gegensatz zum ersten Band war ich hier von der ersten Seite voll drin im neuen Fall, die Autorin schreibt diesmal sehr mitreissend, so dass man den Krimi am liebsten gleich am Stück lesen möchte. Der Fall ist zudem spannend, interessant eh durch die Einbezüge der Naturschützer und die bereits bekannten und nun neu entdeckten Verbrechen des Angeklagten. Die Mischung zwischen Rias Privatleben und den hitzigen Ermittlungen ist ebenfalls gelungen. Man merkt Ria an, dass sie in Deutschland als Kriminalkommissarin gearbeitet hat - ich warte richtiggehend drauf, dass sie ihr Trauma überwindet und bald auch südlich von Porto als offizielle Team-Partnerin von Baptista gleichberechtigt arbeiten wird.
Auch hier in "Südlich von Porto" sind die Kapitelüberschriften mit den Azulejos wieder ein optischer Hingucker, das ist mega schön gestaltet.
Fazit: Mit diesem zweiten Fall hat mich Mariana da Silva überzeugt - es ist definitiv eine Reihe, die richtig toll Spass macht und die ich weiter verfolgen will.
5 Punkte.
Lacroix ist Kult
Lacroix und die Frau in der letzten Metro von Alex Lépic
Was für Nestor Burma (von Leo Malet) seine Zigaretten sind, ist für Commissaire Lacroix sein Café im Chai de l'Abbaye. Manchmal auch ein Glas Wein oder Bier, aber immer wenn er da ist, läutet auch das Telefon. Wohlgemerkt nicht seines, denn er besitzt nach wie vor kein Handy, sondern jenes vom Bistro.
Oft wird er dort angerufen, obwohl er noch gar nicht da ist. So auch in seinem siebten Fall.
In einer Wohnung wird eine junge Frau tot aufgefunden und während Lacroix und sein Team noch im nahen Umfeld der Frau ermittelt, wird eine weitere blonde Frau tot aufgefunden. Die Polizei sucht nach Verbindungen - eine Gemeinsamkeit ist die späte Heimkehr der Frauen mit der Metro.
Die Ermittlungen kommen aber nicht so gut voran, denn es muss in alle Richtungen gedacht werden. Somit kommen auch einige Verdächtigte erst relativ spät ins Geschehen rein. Aber so funktioniert reale Ermittlungsarbeit auch. Lacroix Privatleben ist mit der Wahl seiner Frau zur Bürgermeisterin noch nicht durcheinander gekommen, daran wird sich wohl nicht viel ändern, denn Lacroix hat erstens seinen eigenen Kopf und zweitens ist sie ist stark daran interessiert, dass der Fall schnell gelöst wird, bevor es noch weitere Tote gibt.
Autor Alex Lépic spricht mit diesem Fall ein aktuelles Problem an: die Öffentlichkeit weiss, aufgrund Social Media und anderem, alles. Mir gefiel dieser siebte Fall gut, wie er ausgerollt und schlussendlich gelöst wird - und alles zwischendurch natürlich auch.
Lacroix ist für mich schon jetzt Kult, er kann bestens mit Nestor Burma (oder auch mit Maigret) mithalten. Mir gefällt an der Reihe, besonders auch in "Die Frau in der letzten Metro" die sehr real geschilderte Polizeiarbeit.
Fazit: Dieser siebte Fall ist interessant und unterhaltend - für mich könnten es noch mehr Seiten sein, denn die Bände sind einfach immer viel zu schnell ausgelesen.
4 Punkte.
Bacchus wird sich freuen
Der Tote im Weinhang von Renato Pozzi
Ein Jahr nach dem genialen ersten Band liegt nun ein zweiter Fall für Commissario Andreotti und Sophia Lange vor. Ich war gespannt, wie der Autor in diesem Band Sophia Lange einbeziehen will, denn ihre Fähigkeiten als Geigenbauerin sind ja eher spezifisch.
Aber als Geigenbauerin kennt sie sich mit Holz aus, deshalb soll sie sich Weinfässer anschauen.
Zuerst einmal jene, die Onkel Giacomo gekauft hat und mit denen etwas nicht zu stimmen scheint, denn sein Wein ist nach der Lagerung in diesen Fässern gekippt. Später schaut sie sich auch noch andere Fässer an, was wesentlich gefährlicher ist, da sie dann undercover unterwegs ist. Sozusagen im Auftrag von Commissario Andreotti.
Denn Weinfässer und -flaschen spielen aber auch in seinem aktuellen Fall eine wichtige Rolle. Der Tote, der nach dem örtlichen Weinfest in den Reben aufgefunden wird, hat eine spezielle Flasche bei sich. Ähnliche Flaschen schien der Tote zuvor noch verschenkt zu haben. War der Wein in seiner Flasche vergiftet oder weshalb musste der einst sehr bekannte Winzer sterben?
Als ob er mit den Ermittlungen nicht genug zu tun hat, taucht ein ehemaliger Kollege aus Rom auf und durch ihn erfahren wir endlich etwas aus Andreottis Vergangenheit in Rom, die im ersten Band nur angedeutet wurden.
Auch dieser zweite Band ist ein vergnüglicher Lesespass. Man fiebert mit Sophia mit; freut sich über Fedos Auftreten, dessen Frau bestohlen wurde, was doch zu einigem Schmunzeln führt; denkt über die klugen Weisheiten, die Guiseppe preisgibt, nach und würde sich auch gerne von Tante Martha bekochen lassen. Sogar mit dem Puppenspieler gibt es ein kurzes Wiedersehen.
Letztes Mal hingen die Geigen im Himmel, dieser Band wird Weingott Bacchus erfreuen. Es geht um den perfekten Wein, den man liebend gerne trinken würde und um den nicht trinkbaren Wein leider auch und natürlich um den toten Winzer, der zwischen den Reben lag. Es gibt einige Verdächtige, die alle einen Grund gehabt hätten, den Mann auszuschalten, und noch viel mehr Geheimnisse. "Der Tote im Weinhang" ist enorm spannend und unterhaltend zu lesen. Ich konnte den Band kaum aus der Hand lesen, weil ich dringend wissen wollte, wie es ausgeht.
Fazit. Mich überzeugte auch dieser zweite Band, der ebenso toll geschrieben ist wie der erste Band. Die Reihe hat bisher Hit-Potential. Gerne noch viel mehr davon in gleicher Unterhaltungs-Qualität!
4.5 Punkte.











