Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele95:
Die Machete im Park
Abgeschlagen von Tsokos Michael
Abgeschlagen, Thriller von Michael Tsokos, 416 Seiten erschienen bei Droemer Knaur.
„Abgeschlagen“ basiert auf echten Fällen, authentischen Ermittlungen und der jahrelangen Erfahrung des bekanntesten deutschen Rechtsmediziners Michael Tsokos. Es handelt sich um die Vorgeschichte von Paul Herzfeld und spielt 10 Jahre vor „Abgeschnitten“.
Paul Herzfeld assistiert seinem Vorgesetzten Professor Schneider bei der Obduktion einer zerstückelten weiblichen Leiche. Schneider legt sich ziemlich schnell auf eine Machete als Tatwaffe fest. Dieses Mordwerkzeug wird kurz darauf in dem Kieler Park gefunden, in dem die Leiche entdeckt wurde. Der Hausmeister der Rechtmedizin macht Herzfeld darauf aufmerksam, dass es sich bei der Machete um ein Beweisstück aus dem Archiv der Rechtsmedizin handelt, welches verschwunden ist. Derweil Schneider durch seine Kompetenz auf dem besten Weg ist, zum nächsten Direktor des Instituts aufzusteigen. Herzfeld und seine italienische Kollegin Tattoli wollen Licht ins Dunkel bringen und somit gefährdet Herzfeld nicht nur seine Karriere sondern auch das Leben seiner Familie.
Dieser True-Crime Thriller aus der Feder des bekannten Professors für Rechtsmedizin und rechtsmedizinischen Leiters der Berliner Charité hat mich absolut überzeugen können. In den fiktiven Fall sind wahre Begebenheiten integriert, was die Lektüre absolut glaubhaft und umso interessanter macht. Der spannende, rasante Schreibstil lässt das Blut in den Adern gefrieren. Durch die am Anfang ständig wechselnden Personen und auch Handlungsorte, hatte ich einige Mühe in Lesefluss zu kommen. Doch schon bald klärte sich der der Plot und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, die Handlung blieb bis zum fulminanten Ende gleichbleibend spannend. Gerade die letzten 50 Seiten fand ich besonders nervenaufreibend, da habe ich kaum noch Luft bekommen. Die Geschichte gliedert sich in drei Teile und die Kapitel sind mit Ortsangaben, Datum und sogar Uhrzeit versehen, dadurch kann der Überblick zu jeder Zeit gewahrt bleiben. Die kurzen Kapitel und die schnellen Perspektivenwechsel sorgten für ein hohes Lesetempo. Die Personen handelten glaubhaft und die Handlung war zu jeder Zeit nachvollziehbar. Obwohl der Protagonist m. M. nach doch manchmal etwas zu vorschnell gehandelt hat, wodurch er seine Verlobte und auch eine weitere Person gefährdet hat. Auch dem Täter seine Recherchen und Vermutungen ins Gesicht zu sagen, war für meinen Geschmack, schlichtweg einfach dumm. Tsokos schreibt in diesem Thriller wirklich schonungslos, was ihm im wirklichen Leben so alles auf den Obduktionstisch kommt. Man merkt von der ersten Zeile an, dass der Autor weiß wovon er schreibt. Deshalb ist dieser Thriller nicht für zartbesaitete Gemüter geeignet. Gerade diese spektakulären Begebenheiten, die der Autor beschrieben hat, haben mich fasziniert. Toll gemacht. Ständig hatte ich das Gefühl den Akteuren über die Schulter zu spähen. Die Figur „Tattoli“ hat mir überaus gut gefallen und hat der Geschichte gutgetan, ich hoffe der sympathischen italienischen Rechtsmedizinerin, wieder einmal in einem Herzfeld-Thriller zu begegnen. Auch die Einblicke ins „Privatleben“ des Protagonisten haben die Story aufgelockert. Mein Lieblingscharakter war der schrullige Hausmeister und Seebär Hansen, auch die anderen Handelnden sind gut gezeichnet und haben Tiefgang, mehr hätte Tsokos aus den Figuren nicht mehr herausholen können.
Eine Leseempfehlung für die Fans von True-Crime-Thrillern und für alle Tsokos Fans. Voller Spannung warte ich schon auf den nächsten Fall für Paul Herzfeld und gebe 5 Sterne, volle Punktzahl.
Joe und der Wal
Der Wal und das Ende der Welt von Ironmonger John
Der Wal und das Ende der Welt, Roman von John Ironmonger, Hörbuch 3 CD Gesamtlaufzeit 10 Std., erschienen im Argon Hörbuch-Verlag.
Eines Tages wird in St. Piran an der Küste Cornwalls ein Wal gesichtet. Es ist der Tag an dem Joe Haak, nackt und halbtot aus dem Wasser gerettet wird. Die Bewohner des kleinen Küstendorfes kümmern sich rührend um ihn.
Am nächsten Tag strandet der Wal und Joe Haak kann die Bevölkerung dazu motivieren, den Wal zu retten. Gemeinschaftlich können die liebenswerten und hilfreichen Bewohner unter Joes Anleitung, den Wal zurück ins Meer schaffen. Gemeinsam haben sie es geschafft. Können sie gemeinsam auch die Gefahr, die ihrem 300 Seelen- Dorf und der gesamten Zivilisation droht, überwinden?
Normalerweise lese ich ein Buch lieber, als es als Hörbuch zu genießen. Doch dieses Exemplar hat mir sehr viel Freude gemacht. Die Geschichte gelesen von Johann von Bülow hat mich wunderbar unterhalten. John Ironmonger hat einen überzeugenden Schreibstil der starke Bilder erzeugt, jeder Dialog sitzt. Das Setting und auch die einzelnen Personen, die es in diesem Roman zur Genüge gibt, konnte ich mir hervorragend vorstellen. Dem Hörbuch ist ein kleines Booklet beigefügt, in dem die Personen mit ihrer Stellung im Buch aufgeführt sind. Das war am Anfang, bis ich mich an die Charaktere gewöhnt hatte sehr hilfreich. Johann von Bülow machte das Zuhören zu einem Genuss. Er interpretierte das Gesprochene feinfühlig und doch dynamisch, das war sehr angenehm und fesselnd. Obwohl es sich in der Geschichte um einen eher ruhigeren Weltuntergang handelt habe ich die 3 CD`s in kürzester Zeit hintereinander weggehört. Einfach weil es eine spannende Geschichte ist und die Menschen von St. Piran ungemein sympathisch, zuweilen auch skurril sind, sind sie mir schnell lieb geworden. Da die Geschichte sich um die Weihnachtszeit abspielt und auch diverse Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder zur Sprache kamen, würde ich das Werk als Weihnachtsbuch empfehlen. Einige Zitate sind mir in Erinnerung geblieben, die mir gut gefallen haben, z.B. : „Allein sein ist niemals gut, wenn du einmal allein sein musst, sei mit einem Freund allein.“ Oder auch: „Wenn genügend Menschen glauben eine Geschichte ist wahr, dann ist sie wahrscheinlich auch wahr.“ Die Erzählung hat mich an eine Fabel erinnert. Die Botschaft die ich dadurch gelernt habe - zusammen ist vieles möglich, man kann eine Katastrophe abwenden, wenn man fest zusammensteht. Die vielen Charaktere am Anfang haben mich etwas verwirrt, auch habe ich gemerkt, dass ich bei einem gehörten Buch, immer wieder abschweife, deshalb ist für mich die Printversion wohl die bessere Alternative. Insgesamt kann ich „Der Wal und das Ende der Welt“ nur empfehlen, die Hörbuchversion und sicher auch das Buch. Von mir dafür 4 Sterne.
Psychothriller vom Feinsten
Liebes Kind von Ironmonger John
Liebes Kind, Psychothriller von Romy Hausmann, 432 Seiten, erschienen bei dtv premium.
Dieser Thriller lotet die Grenzen des Fassbaren aus: grausam, tragisch tief berührend.
Lena wird von ihrem Mann, mit 2 Kindern in einer Hütte im Wald festgehalten, alle gehorchen ihm blind, aus Furcht, alles hat er in der Hand, Leben und Tod, Tag und Nacht denn er ist Gott.
Er ist übermächtig, er stellt die Regeln auf wer sich nicht daran hält wird bestraft. Sie will ihn töten. Eines Tages ergibt sich eine Gelegenheit und sie kann mit Hannah, dem Mädchen entfliehen. Sie läuft weg und wird von einem Auto angefahren. Jonathan wird bei der Leiche gefunden. Alles wird gut, alle sind gerettet, so enden andere Thriller. Doch dieser beginnt hier erst.
Romy Hausmanns Thrillerdebüt ist geradezu ein Volltreffer, mit fesselnden spannenden Worten erzählt ohne unnötige Brutalitäten zu beschreiben. Höchste Spannung von der ersten bis zur letzten Zeile, unglaublich klug durchdacht, ich bin begeistert und konnte das Buch erst aus der Hand legen, als das letzte Wort gelesen war. Dies ist mir an zwei Abenden gelungen. Aus der Sicht der jeweilig erzählenden Person, ist man ganz nah dran am Geschehen, die Handlung lief wie ein Film in meinem Kopf ab. Abwechslungsweise schildern Hannah, Lena und Matthias den Ablauf der Handlung, gekennzeichnet durch den Namen über dem Kapitel. Kursive Gedanken und dazwischen gestreute Zeitungsberichte, lockern das Geschriebene auf, am Ende des Kapitels der jeweiligen Person entstand zuweilen ein Cliffhänger, der mich durchs Buch trieb und weiterlesen ließ.
Nichts ist wie es scheint, alles ist möglich und doch ganz anders. Ungeahnte Wendungen haben mich immer wieder alles hinterfragen lassen, was ich bis dahin geglaubt habe zu wissen. Dennoch konnte ich dem Plot gut folgen. Bedrückend fand ich das Wesen der Kinder, vor allem Hannah, die bei jeder Gelegenheit das gelernte aufsagt und strikt nach der Diktatur handelt, im Verlauf der Erzählung wurde sie mir geradezu unheimlich. Später dann auch Jonathan der völlig verstört reagiert, wen wundert es? Sehr emotional fand ich auch die Zwiegespräche von Jasmin mit Lena das ging mir so tief, dass ich des Öfteren Tränen verdrücken musste. Auch der Schmerz von Karin und Matthias, Lenas Eltern, konnte ich gut nachvollziehen, die beiden haben den Verlust ihrer Tochter, jeder auf seine Weise verarbeitet 4825 Tage haben sie gehofft und gelitten. Ganz toll beschrieben! Und so trieb es mich durch das Buch immer mit einem unguten Gefühl im Nacken, da kommt noch was ganz Schlimmes nach, so geschehen bei diesem fulminanten Ende, das mich hammerhart überrascht hat. Dennoch blieben am Ende keine offenen Fragen übrig.
Ich bin vom Buch restlos begeistert. Es hat mich hervorragend unterhalten, zu Tränen gerührt und zweifeln lassen. Vor Spannung habe ich die Luft angehalten, das Buch ab und an sinken lassen um das Gelesene zu überdenken. Romy Hausmann hat mich mit ihrem Debüt regelrecht umgehauen. Jetzt bleibt mir nur noch auf einen weiteren Thriller der Autorin zu warten und diesen hier allen Thriller-Fans wärmstens zu empfehlen. Dieses Buch kann für mich nur ein Highlight 2019 werden. Höchstpunktzahl, verdiente 5 Sterne.
Café Thistle
Das kleine Café im Gutshaus von Shackman
Das kleine Café im Gutshaus, Liebesroman von Julie Shackman, E-Book 350 Seiten, Forever by Ullstein.
Ein Roman über Liebe, Familiengeheimnisse, Hoffnung und Vertrauen.
Lara McDonald kehrt nach einer zerbrochenen Liebe in ihre kleine schottische Heimatstadt Fairview zurück, mit ihrem Freund Anton wollte sie sich auf Malta eine Zukunft aufbauen.
Ihren Job als PR-Managerin hatte sie aufgegeben und nun will sie sich einen Traum verwirklichen und eines Tages ein kleines Café eröffnen. Ihre aktuelle Arbeitgeberin Kitty nutz sie aus und ist von ihren innovativen Backvorschlägen nicht begeistert. In Kittys Café lernt sie den Stammkunden Hugo Carmichael kennen. Die beiden sind sich sofort sympathisch. Als Lord Hugo kurz darauf verstirbt, erfährt Lara, dass sie das Atelier von Hugos Schwiegertochter geerbt hat und dort ein Café eröffnen soll. Voller Enthusiasmus stürzt sie sich zusammen mit ihrer Freundin Morven in die Vorbereitungen auf dem alten Landgut Glenlovatt Manor. Doch nicht alle sind von diesem Plan begeistert. Vaughan, der Enkel von Hugo ist nicht gerade entzückt von den Plänen seines verstorbenen Opas.
Für diese Geschichte hat die Autorin den Erzählstil in der Ich-Form aus der Sicht der Protagonistin gewählt, jederzeit ist der Leser deshalb nah am Geschehen dran. Lustige, schlagfertige Dialoge beleben die Geschichte, die in zwei Erzählsträngen geführt wird. Zum einen in der Gegenwart, dazwischen die Rückblicke in die 50er Jahre. Am meisten begeistert haben mich die Beschreibungen der leckeren Kuchen, Torten und Gebäckteile, deshalb ist mir bei der Lektüre des Öfteren das Wasser im Mund zusammengelaufen. Trotzdem konnte ich den Reader ohne Bedauern jederzeit aus der Hand legen und auch liegenlassen, denn die Geschichte ist wenig spannend und der Plot plätschert immer nur vor sich hin, obwohl ich die Leseprobe sehr ansprechend fand. Die Charaktere waren unspektakulär und ohne Tiefe. Das einzige Highlight in der ganzen Erzählung war die skurrile Mutter der Protagonistin, die ab und an für Heiterkeit sorgte. Dass aus Lara und Vaughan ein Paar werden würde war von vornherein klar, trotzdem war ich verwundert, als der junge Mann „ganz plötzlich“ in die Protagonistin verliebt war. Erst in den letzten Kapiteln kam noch etwas Schwung in die Geschichte. Das Gut musste gerettet werden, Lara hatte ein wenig Liebeskummer und das Gesundheitsamt wurde wegen „Beanstandungen“ in das kleine schnuckelige Café geschickt, natürlich hatten die fleißigen Bäckerinnen alles im Griff. So wie alle die anderen Problemchen immer sofort gelöst wurden. Die Liebesgeschichte von Christine, Laras Mutter, war spannender als die der Hauptfigur. Ein Buch das mich nicht gerade „umgehauen“ hat , aber doch „ganz nett“ war. Der Schreibstil war flüssig und deshalb auch gut zu lesen. Wer eine leichte Lektüre sucht, ohne groß über die Zusammenhänge nachdenken zu wollen, der kann an diesem Roman durchaus Freude haben. Von mir 3 Sterne.
Fünf Frauen - fünf Schicksale
Die Liebe im Ernstfall von Krien Daniela
Die Liebe im Ernstfall, Roman von Daniela Krien, 288 Seiten erschienen im Diogenes – Verlag.
Ein Episodenroman über fünf Frauen, die das Schicksal beugt, aber keinesfalls bricht.
Paula, Judith, Brida , Malika und Jorinde sind fünf Frauen, die locker miteinander verbunden sind. Ihre „Lebensabschnittsgeschichten“ werden hier in fünf Episoden geschildert, wobei jede der Geschichten hier, eine andere der Frauen als Protagonistin aufweist und ihre Liebe, ihre Verluste ihre Ängste und Nöte geschildert werden.
Jeder der fünf Episoden ist einer anderen Frau gewidmet. Die Autorin schreibt im wortgewaltigen emotionalen Stil in auktorialer Erzählweise, aber ohne zu werten. Viele lebhafte Dialoge bringen Leben in die Geschichten. Handynachrichten, Emails, Briefe sowie besondere Wörter und Ausdrücke sind kursiv geschrieben und somit deutlich gemacht. Das Schicksal der fünf lose bekannten Frauen, ausgenommen Malika und Jorinde die beiden Schwestern, wird in zwei Zeitebenen dargestellt, dazu bedarf es einiger Konzentration beim Lesen.
Die ersten drei Episoden habe ich sozusagen in einem Satz durch gelesen. In diesen Stil hatte ich noch keine Lektüre und fand es absolut faszinierend. Immer mehr Zusammenhänge waren im Fortlauf des Buches zwischen den interessanten Frauen zu entdecken. Ihre Verzweiflung , ihr Umgang mit Liebe und Lust zu beobachten, machten mich neugierig und fesselten mich ans Buch. Jede der Figuren kam in der nächsten Geschichte als mehr oder weniger wichtiger Charakter wieder vor. Toll gemacht. Leider konnte sich dieser „rote Faden“ nicht bis zum Ende fortsetzen. Als es um die Abschnitte der beiden Schwestern Malika und Jorinde geht. Zwar ist Malika die Frau, die über den Verlust ihres Geliebten schier zugrunde geht, der in einer anderen Episode der Liebhaber bzw. Mann einer anderen Protagonistin ist. Aber wie von mir erhofft schließt der letzte Teil um Jorinde leider nicht den Kreis. Dieser letzte Abschnitt hat mir auch am wenigsten gefallen. Denn er endet ohne einen, für mich nachvollziehbaren Schluss. Die Personen sind hervorragend charakterisiert, ihr Handeln nicht immer logisch doch konnte ich es durchaus akzeptieren, sympathisch waren die Protagonistinnen alle, ohne Ausnahme. Judith die bindungsunfähige perfektionistische Ärztin, die ihr Glück auf Dating-Platformen sucht. Paula, die ihr Kind - und dadurch auch ihr Lebensglück verloren hat. Brida , die Schriftstellerin voller Ideen, aber als Mutter überfordert. Malika, die erst langsam wieder ins Leben findet und Jorinde die alleinerziehende Schauspielerin. Alle hab ich sie gut leiden mögen.
Dieses Buch war für mich ein interessantes Experiment, welches mich ständig zum Nachdenken angeregt hat. In wunderschönen Worten geschrieben. Eine Beschreibung wie unterschiedliche Frauen versuchen ihr Glück, das für jede anders aussieht, zu finden. Auch mich selbst konnte ich zum Teil in diesen Geschichten wiederfinden. Leider fehlt in der Story die Leichtigkeit und die Unbeschwertheit. Ein eher deprimierendes Buch. Durch die Buchbeschreibung wird auch suggeriert, dass es sich hier um eine Erzählung handelt die mit dem Mauerfall zu tun hat, dies ist nicht der Fall. Die Geschichte könnte sich auch überall anders zugetragen haben. Eine Leseempfehlung und 4 von 5 möglichen Sternen.
Simon Strassers erster Fall
Lago Mortale von Giulia Conti
Lago Mortale, Kriminalroman von Giulia Conti, 288 Seiten, ein Atlantik-Buch erschienen im Hoffmann und Campe – Verlag.
Der ehemalige Polizeireporter Simon Strasser, ermittelt in seinem ersten Fall.
Simon Strasser ist von Frankfurt nach Norditalien an den Lago d’Orta gezogen. Der ehemalige Polizei- und Gerichtsreporter schreibt von hier aus Berichte für deutsche Zeitungen.
Ein Bootshaus am See, bewohnt er mit seiner Ziehtochter Nicola. Mit seiner Freundin Luisa, einer Architektin aus Frankfurt, führt er eine Fernbeziehung. An einem heißen, beschaulichen Nachmittag beobachtet er von seiner Terrasse aus eine herrenlose Yacht, die beinahe mit der Azalea einem Verkehrsschiff zusammengestoßen wäre. Neugierig geworden paddelt er zur Yacht und entdeckt den ermordeten Fabrikanten-Sohn, Marco Zanetti. Seine alten Instinkte sind geweckt und er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Je mehr er in diesem Fall herumstöbert, desto mehr Ungereimtheiten treten auf. Es scheint als ob jeder der Beteiligten etwas zu verbergen hätte.
Das Buch besteht aus 45 Kapiteln, überschrieben mit einer großen Kapitelzahl, einem Epilog und am Ende erscheint eine Nachbemerkung der Autorin. Die angenehm große Schrift und die leserfreundliche Kapitellänge machen die Lektüre einfach und flüssig. Die italienischen Phrasen und Gedanken sind kursiv geschrieben und somit hervorgehoben. Die schlagfertigen, amüsanten Dialoge beleben das Leseerlebnis. Conti bediente sich der auktorialen Erzählform deshalb kann der Leser zu jeder Zeit den Überblick behalten.
Da der Krimi unmittelbar mit dem Auffinden einer Leiche beginnt, war ich sofort im Buch drin, im weiteren Verlauf steigerte sich die Spannung langsam, aber stetig um am Ende zu einem fulminanten Ende zu führen. Besonders gefallen haben mir die italienischen Ausdrücke die ich mit meinen mäßigen Italienisch-Kenntnissen gut verstehen konnte, das vermittelte Lokalkolorit und machte die Figuren lebendig. Die Landschaftsbeschreibungen ziehen den Leser hinein in die Geschichte. Die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren, da kam schon fast Urlaubsfeeling bei mir auf. Ich habe richtig Lust darauf bekommen den Lago d’Orta zu besuchen.
Dass die Autorin am Ortasee ihre zweite Heimat hat merkt man ihrem bildhaften Schreibstil unbedingt an. Sie weiß über Land und Leute der Gegend, bestens Bescheid. Auch die Bialetti Moka habe ich tatsächlich im Netz gefunden. Witzig fand ich z.B. die Szene als der Protagonist auf das Oktoberfest angesprochen wird, das ist mir bei meinen diversen Italienurlauben tatsächlich selbst mehrere Male passiert. Der Protagonist und auch die anderen Figuren waren sympathisch und handelten nachvollziehbar. Die homophobe Einstellung einiger Charaktere, hat mich etwas gestört. Auch der Protagonist hat manchmal mit seinen „Alleingängen“ z.B. in der Höhle etwas übertrieben. Er hat dadurch dummerweise wichtige Spuren zerstört. Eine Figur die mir sehr gefallen hat war der Freund der Familie Tommaso und auch die Polizistin Carla Moretti finde ich interessant. Auf ein Wiedersehen mit allen, im nächsten Band freue ich mich schon. Wie es in der Beziehung zwischen Simon und Luisa weitergeht und wie Nicola sich entwickelt, möchte ich unbedingt erfahren. Eine Leseempfehlung für Krimifans die Kriminalromane mit Lokalkolorit schätzen und besonders Italien lieben. Unbedingt mit einer Tasse Cappuccino lesen. Von mir 4 von 5 möglichen Sternen.
Es ist kalt auf der Mauer
Die Mauer von John Lanchester
Die Mauer, Dystopie von John Lanchester, 320 Seiten, erschienen bei Klett – Cotta.
Ein sehr aktueller Zukunftsroman von John Lanchester über Klimawandel, Migration, Zukunftsangst.
Dieser Roman schildert was passieren könnte, wenn wir unser Umweltbewusstsein nicht ändern. Und wie unsere Kinder und Enkel einst die Folgen dafür zu tragen haben.
Nach dem „Wandel“ ist der Meeresspiegel soweit angestiegen, dass Großbritannien, bzw. was davon noch zu sehen ist, mit einer riesigen Mauer umgeben werden muss. Zum Schutz vor dem Wasser aber hauptsächlich vor den „Anderen“. In dieser Zeit scheint Britannien der einzige Ort zu sein, an dem es sich noch einigermaßen gut leben lässt. John Kavanagh beginnt, wie alle jungen Briten seinen Dienst an der Mauer. D. H. sein Land gegen eindringende Flüchtlinge zu verteidigen. Für jeden Anderen, der es über die Mauer schafft, muss ein Verteidiger hinaus aufs Meer. Was John auf der Mauer erlebt und was er dort findet und verliert, ist in dieser Dystopie formidabel beschrieben.
Die 320 Seiten des Romans sind in drei Teile gegliedert, Die Mauer, Die Anderen und Das Meer. Diese teilen sich in 25 Kapitel auf. Die einzelnen Kapitel sind mit einer Kapitelzahl versehen und in einer leserfreundlichen angenehmen Länge. Oft endet ein einzelnes Kapitel , besonders die im 2. Und 3. Teil so spannend, dass ich das Buch nur schwer zur Seite legen konnte. Das sorgt für ein hohes Lesetempo. Die 2.Hälfte habe ich in einem Rutsch ausgelesen, weil ich wissen wollte wie die Geschichte zu Ende geht. Der Autor erzählt in einer ausdrucksstarken, bildmalerischen Sprache aus der Sicht des Protagonisten John Kavanagh. Jederzeit ist der Leser somit ganz nahe am Geschehen. Schon zu Beginn war ich gefangen genommen, z.B. von der Beschreibung, wie der Protagonist an der Mauer ankommt und sie betritt, jede einzelne Stufe bin ich mit ihm emporgestiegen. Immer wieder schaffte es Lanchester mich mit den Augen des Hauptcharakters „sehen und fühlen“ zu lassen, das ist ihm wirklich hervorragend gelungen. Der Protagonist hat in diesem Roman eine beachtliche Wandlung gemacht. Seine anfängliche Einstellung den Eltern gegenüber finde ich schäbig, nicht sie allein und nicht ihre Generation allein ist für den Wandel verantwortlich. Doch im Verlauf der Geschichte wurde er immer sympathischer, da durch den Dienst, die Kameradschaft und spätere Notlage sein Charakter sich positiv veränderte. Die Beschreibung seiner Gefühle in Extremsituationen war einfach nur genial. Den Wind und die Kälte auf der Mauer habe ich beim Lesen gespürt, den ersten Energieriegel, den John auf der Mauer aß, habe ich selbst geschmeckt, unglaublich stark erzählt. Einige Sätze haben mich zum Nachdenken gebracht, z.B. auf S.46 „Wir haben die Welt zerstört und haben kein Recht mehr sie noch weiterhin zu bevölkern“. Oder auf S. 257 „Wenn ich ein Anderer war und sie Andere waren, dann war vielleicht keiner von uns mehr ein Anderer, sondern wir waren stattdessen einfach nur ein neues Wir“. In der ersten Hälfte des Buches geschieht nichts Aufregendes, aber das Unaufgeregte ist so genial beschrieben, dass es überhaupt nicht langweilig wird. Als später im Buch eine effektvoll inszenierte Wende eintritt, stieg die Spannung enorm. Die Charaktere sind gut gelungen, die Handlung ist nachvollziehbar. Diese Geschichte hat mich berührt, mich nachdenklich gemacht und wird wohl noch einige Zeit nachwirken. Das Buch beginnt mit demselben Satz, mit dem es auch endet: Es ist kalt auf der Mauer. Von mir einen absolute Leseempfehlung und wohlverdiente 5 Sterne – volle Punktzahl.
Rose und Nachtigall
Die Mauer von John Lanchester
Deine Stimme in meinen Träumen, Liebesroman von Joanna Martin, 195 Seiten erschienen im Feuerwerke Verlag.
Ein Liebesroman mit wenig Anspruch aber mit viel Romantik.
Christine ist von Stuttgart nach Schutzingen gezogen, zurück nach Hause. Dort ist sie ihrem Freund Stefan näher, dessen Eltern dort ein Küchenstudio besitzen.
Außerdem wohnt ihre Oma Elisabeth im ansässigen Pflegeheim. Christina liebt ihre Oma über alles, hat sie ihr doch in Kindertagen die Mutter ersetzt, die ihre eigene Mutter nie sein konnte. Christine hat ihre Umzugskartons noch nicht ausgepackt, da verstirbt ihre geliebte Oma. In ihrem Nachlass findet sie Liebesbriefe an einen „Wilhelm“ und einen Brief an sie gerichtet, dass sich die Oma wünscht, dass ihre Enkelin diese Briefe selbst an Wilhelm übergibt oder gegebenenfalls auf sein Grab legt. Stefan ist von dieser Idee nicht gerade begeistert, denn Christine könnte eine neue Arbeit, im Geschäft seiner Eltern beginnen.
Doch Christine beweist hier Mut und reist ins ferne Kanada, dort begegnet sie Robert den Enkel von Wilhelm und die Geschichte von damals beginnt sich zu wiederholen.
Es handelt sich bei vorliegendem Buch um einen Roman in zwei Erzählsträngen, zum einen die Erlebnisse der Protagonistin in der Gegenwart im auktorialen Stil, zum anderen die Lovestory zwischen Elisabeth und Wilhelm, geschrieben in der Ich-Form aus der Sicht Elisabeths und kursiv gedruckt. Sie beginnen alle mit „Lieber Wilhelm“ und enden mit „Deine Nachtigall“. Dadurch ist es sehr leicht in der Geschichte den Überblick zu behalten.
Der Roman besteht aus 24 relativ kurzen Kapiteln, erzählt in einfacher, doch bildmalerischer Sprache das Setting in Kanada z.B. ist stimmungsvoll beschrieben. Ich hatte keinerlei Probleme die Zusammenhänge zu erkennen und es hat sich flüssig lesen lassen. Die Liebesbriefe sind in romantischem Stil verfasst, rührende Sätze z.B. auf Seite 127…er liebte mich mehr als ich ihn. Einer liebt immer zu viel, oder? Du bist wie mein Spiegelbild meine andere Seite... Das Schicksal der Großeltern konnte mich schon zu Tränen rühren. Leider hatte ich das Gefühl, dass in dieser Story leichte Logikfehler vorhanden sind. Ohne zu spoilern und die absolute Pointe vorweg zu nehmen schwierig zu erklären. Die Personen aus der Vergangenheit fand ich sehr sympathisch, das glücklose Liebespaar ist mir sehr ans Herz gewachsen. Robert ist ein feiner und tiefgründiger Mensch und auch die Beweggründe von Stefan kann ich nachvollziehen, ich hätte an seiner Stelle genauso gehandelt, Einzig die Protagonistin konnte ich im Laufe des Buches immer weniger verstehen, ihre ewige Unentschlossenheit und Unsicherheit haben mich genervt. Fast meinte man, sie will sich ständig alle Türen offen halten und zu keiner Entscheidung kommen. Ich mag starke Frauen in solchen Büchern, Christine ist keine davon. Nun zum Schluss hat, wie zu erwarten war, sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Spannung kam in ein paar Sätzen kurz auf, als sich in den Weiten Kanadas ein Bär über Chrissis Tasche hermacht. Für die schönen romantischen Briefe und das (Schluchz-) Happy End vergebe ich trotz einiger Kritikpunkte gerne 3 solide Sterne. Die sind wohlverdient, für die angenehme Wohlfühl- Unterhaltung und die kurzweilige Lektüre.
Eine Leseempfehlung für Leserinnen die in Romanen stimmungsvolle Romantik und Entspannung suchen und bei der Lektüre nicht kritisch den Plot hinterfragen
Zwiegespalten
Die Mauer von John Lanchester
Tödlich ist die Versuchung, Thriller von Gina Jacobsen, E-book, 300 Seiten, erschienen im FeuerWerke-Verlag.
In diesem Erotik-Thriller zieht sich das Thema „Wie Männer ticken“ durch die Handlung.
Emanuela hat seit dem Tod ihres Bruders und dem Verschwinden ihrer Jugendliebe Rasmus ein Trauma.
Dies will sie nun mit dem bekannten Beziehungstherapeuten Bernhard Rett aufarbeiten. Doch der Beziehungscoach schickt sie in gewagte sexuelle Abenteuer mit verschiedenen Männern. Als plötzlich einer nach dem anderen an einer mysteriösen Grippe stirbt, gerät auch Emanuela in Gefahr. Ist Rett, in den sie sich verliebt hat gefährlich, oder wird er sie retten?
Dieses Werk lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Zuerst einmal finde ich die Bezeichnung Thriller, auf dem Cover verwirrend. Es handelt sich hier eindeutig um einen Erotik-Thriller. Der Crime Anteil im Buch ist der Autorin gut gelungen. Spannender Plot, Cliffhanger und unvorhergesehene Wendungen besonders am Ende, haben mich gut unterhalten. Der Fall wurde plausibel und vollständig aufgelöst. Der auktoriale Erzählstil, besonders die Szenen aus der Sicht eines Stalkers erzeugten Spannung.
Dazwischen und besonders zum Anfang dachte ich schon, ich müsste das Buch abbrechen. Zu abrupte Szenenwechsel, der Leser erfährt stets nur Bruchstücke, zu viele für die Handlung unwichtige Charaktere, ließ mich nur schlecht in Lesefluss kommen. Der Plot enthält für mich weder schöne, noch romantische Sexszenen, zum Teil sogar gewalttätige. Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass eine Frau bei einer "Vergewaltigung" und das war es für mich, plötzlich Spaß oder Erregung verspürt. Ich lese davon, bin entsetzt - und dann steht geschrieben „Emanuela begann langsam daran Gefallen zu finden“ das geht für mich gar nicht. Ganz schlimm finde ich auch, dass die Protagonistin bei ihren promiskuitiven Vergnügungstouren nie ein Kondom benutzt. Selten konnte ich das Verhalten der Protagonistin nachvollziehen, eine selbstbewusste Frau und Wissenschaftlerin, die sich von einem „Beziehungscoach“ peinliche Sex-Hausaufgaben geben lässt, und dann auch noch ihre Studenten mit Aufgaben dieser Art betraut, ist für mich nicht plausibel. Wirklich sympathisch fand ich keinen der handelnden Personen.
Ich fürchte die Autorin hat in ihrem Werk einfach zu viel gewollt, Erotik, Thrill, interessante Charaktere, psychologische Ansätze, es war einfach zu viel des Guten. Letztendlich ist sie keinem Teil befriedigend gerecht geworden. Von mir, auch wegen des wunderschönen Covers, 2 gutgemeinte Sterne von 5 möglichen.
12 Weihnachtliche Kurzgeschichten
Die Mauer von John Lanchester
Schöne Bescherung, Anthologie von Olaf Lahayne, 136 Seiten.
Ein handliches Buch mit sehr stabilem Einband, das sehr hochwertig wirkt. Am Anfang ist ein Inhaltsverzeichnis platziert, dadurch kann man seine Lieblingsgeschichte sehr leicht finden. Jede einzelne Geschichte ist mit einer zum Text passenden Überschrift versehen, hier hätte ich mir gewünscht, dass der Abstand zwischen Überschrift und Text etwas größer gewesen wäre, es macht leider einen etwas zusammengedrückten Eindruck.
Das Buch enthält 12 Erzählungen rund um das Thema Weihnachten. Krimi Mystische Erzählungen Historie und Satiren sind in der bunten Mischung enthalten. Eine Reise durch die Zeit, angefangen beim Geschehen in Bethlehem, in der Gegenwart bis in die Zukunft. Eine Winterreise vom Nordpol über Europa bis in die Judäische Wüste.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich wurde bestens unterhalten, es ist immer möglich gewesen auch zwischendurch, eine der Geschichten zu genießen, denn sie sind in einer übersichtlichen Länge gehalten. Zu jeder Zeit konnte ich der Handlung folgen, die Charaktere handelten nachvollziehbar und logisch. Die einzelnen Geschichten haben mich unterschiedlich angesprochen, am besten hat mir die Story „Kommet ihr Hirten“ gefallen, die mich noch einige Zeit nach der Lektüre beschäftigt hat. Lahayne hat es geschafft, weihnachtliche Erzählungen zu schreiben, die völlig ohne Kitsch auskommen.
Dieses Büchlein kann ich nur empfehlen, es ist für jeden Geschmack und für jeden Leser geeignet, der eine Geschichtensammlung abseits von Friede Freude Eierkuchen sucht. Sehr gut eignet sich der Band auch zum Vorlesen, da die einzelnen Erzählungen eine angemessene Länge aufweisen.








