Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nil_liest:
Ich brauch eine große Tiefkühltruhe!
Meal Prep für Mamis von Laura Osswald; Lena Merz
Nach dem ersten Stöbern in diesem netten Buch ‚ Meal Prep für Mamis‘, dachte ich: Ich brauch eine größere Tiefkühltruhe! Wobei die schon recht groß ist….also eher ein viel strukturierter Umgang mit der Kapazität der Tiefkühltruhe und des Kühlschranks. Denn eigentlich ist das Prinzip Meal-Prep simple, aber genau deshalb doch so gut umzusetzen.
Das Buch hilft beim Strukturieren in der eigenen Küche für dieses Prinzip.
Das Buch ist pragmatisch und ohne Zeigefinger, daher aus meiner Sicht sehr angenehm. Das haben die beiden gut umgesetzt: Laura Osswald & Lena Merz. Es gibt vielen eigentlich offensichtlichen Themen wie Tipps zu Behältern, Portionierung, Planung pro Tag. Aber manchmal ist es gut, wirklich an die Hand genommen zu werden. Schön finde ich auch den Fokus auf der Nachhaltigkeit damit weniger Müll produziert und weniger Essen verschwendet wird.
Der größte Teil des Buches sind einfache, leckere Rezeptideen! Und auch hier wieder ein pragmatischer Hinweis, wer etwas nicht mag nimmt anderes Gemüse usw. Uns als Familie haben besonders die Frühstücksrezepte überzeugt.
Fazit: Super Buch für gestresste Neulinge in der eigenen Küche, die es gesund angehen wollen – mit und ohne Kinder aus meiner Sicht.
Aufbegehrende Damen
Die Tanzenden von Mas Victoria
1885 in Paris. Eine Stadt hat sich vom Adel losgesagt und strebt eine moderne Demokratie an fast 100 Jahre nach dem Sturm auf die Bastille. Aber wie ergeht es Frauen in diesen Zeiten? Mündige Bürgerinnen? Mit Nichten! Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Die Tanzenden“ von Victoria Mas nimmt uns mit in eine Zeit in der Frauen in totaler Abhängigkeit von ihren Männern waren, erst die Väter, dann die Ehemänner.
Ausgeliefert, Schutz- und Rechtlos. Waren die Damen mit einer konträren Meinung ausgestattet oder hatten zu viel Selbständigkeit im Sinn wurde es schnellstens unterbunden.
In Paris gab es dann noch die Salpêtrière, dort landeten Hysterikerinnen, geisteskranke Frauen und dergleichen - alle weiblich und unerwünscht in der Gesellschaft. Dort wurde der Nervenarzt Charcot für seine Verdienste gefeiert - natürlich vor allem von Männern.
Diesen aufmüpfigen Damen, die man in der Salpêtrière wegsperrte, verschafft Viktoria Mas eine späte fiktive Stimme und verbindet ein klares frauenverachtendes Bild aus einem vergangenen Jahrtausend mit einer gut erzählten Geschichte.
Der Leser begleitet die junge Eugénie aus gutem Elternhaus, die von sich sagt, dass die Toten zu ihr sprechen. So landet sie natürlich in der Salpêtrière, aber die Geschichte nimmt eine dramatische Wendung.
Viktoria Mas nutzt eine klare Sprache mit der sie mich als Leser sofort in das Paris des Jahres 1885 katapultiert hat. Julia Schoch hat das ganze, wie so oft, gekonnt und äußerst gut übersetzt aus dem Französischen.
Immer wieder tauchen zwischen der Handlung Sätze auf die eine Tragweite weit über die dort beschriebene Handlung hinaus hat, wie „doch zu lügen ist manchmal nicht bloß eine Notwendigkeit, es ist mehr: Trost.“ (S. 184)
Fazit: Das Patriarchat ist tot - es lebe die Weiterentwicklung und manchmal hilft auch ein fiktiver Blick in die Vergangenheit um den Fortschritt zu erkennen!
Im Auge des Betrachters.
Die Karte der zerbrochenen Träume von Joukhadar Jennifer Zeynab
Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, von unterschiedlichen Lebensumständen und Sichtweisen auf die Welt macht dieses Buch einzigartig. „Die Karte der zerbrochenen Träume“ nimmt uns mit auf mehrere Reisen gleichzeitig. Zum einen auf eine Zeitreise in das 12. Jahrhundert rund um das Mittelmeer mit dem berühmten Kartenzeichner al-Idrisi und der furchtlosen Rawiya.
Zum anderen auf die sehr aktuelle Flucht vor dem Krieg aus Syrien der amerikanischstämmigen Familie von Nour beginnend im Jahr 2011. Beide Geschichten laufen parallel beim Lesen und doch greifen sie ineinander.
Ein Roman, den Zeyn Joukhadar sehr poetisch erzählt in klassischer arabischer Tradition. Mal ist die Sprache blumig verwoben und ausufernd schön wenn die mittelalterliche Fabel kund getan wird und mal auch kontrastreich, hart und einschneiden, wenn es um die Kriegserlebnisse geht.
Ich muss bei allem Lob auch eingestehen, dass ich den Roman im mehreren Etappen gelesen habe und nun nach fast einem Jahr zu Ende gelesen habe. Die verschiedenen Ebenen und die Andersartigkeit machten es mir zum Teil recht schwer mal eine oder zwei Seiten zu lesen. Richtig Freude macht dieser Roman, wenn richtig viel Zeit zum Lesen ist und man auch mal für 2-3 Stunden abtauchen kann.
Besonders die sehr schön gestaltete Hardcover-Ausgabe sollte erwähnt werde. Ein Mosaik nicht nur auf dem Schutzumschlag, nein, auch auf dem eigentlich Buch mit Prägung! Solch ein farbenfrohes Buch habe ich lange nicht in den Händen gehalten. Auch die Karte auf der Innenseite vorne wie hinten lädt immer wieder ein zum Betrachten und lehrt uns, dass vieles Vertraute eine Frage der Perspektive ist.
Fazit: Ein Roman der einem auf fiktionaler Weise eine neue Welt erschließt.
Die beiden können auch ultra spannend & interessant nicht nur gemütlich & lustig
DRAUSSEN von Klüpfel Volker; Kobr Michael
Das erfolgreiche „Spaß-Krimi“ Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr wagen sich in das härtere Thriller-Genre vor mit ihrem Buch „Draussen“. Diesmal ohne den noch sehr kauzigen Kommissar Kluftinger, der uns allen ans Herz gewachsen ist. Hier geht es um die Geschwister Cayenne (17 Jahre alt) und den jüngeren Bruder Joshua und ihr Freund und Trainer Stephan.
Sie all leben komplett von der Außenwelt abgeschnitten im Wald. Sie trainieren hart und das täglich für den Überlebenskampf. Wobei ihr Anführer ein unangenehmer Wütterich ist, der kein Erbarmen hat mit den beiden. Was für ein Überlebenskampf? Wenn eine Naturkatastrophe, eine Atombombe, ein Anschlag unser Land überrollt. Außerdem sind die drei seit Jahren auf der Flucht vor einem Feind…
Volker Klüpfel und Michael Kobr haben im Vorfeld dieses Thrillers gründlich in der sogenannten Prepper-Szene (von prepare, Englisch für vorbereiten) recherchiert und es in diesem Thriller sehr gut umgesetzt. Man kann sich in die Menschen ansatzweise hineinversetzen, auch wenn es so grundlegend absurd ist was sie antreibt.
Der Thriller ist sehr spannend und auch interessant, da es eben das Thema Prepper aufgreift und beleuchtet. Die beiden haben bewiesen, sie können nicht nur lustig & spannend, sondern auch ultra spannend & interessant! Anders aber auch gut!
Feines leises Portrait der Vergangenheit
Violet von Tracy Chevalier
‚Violet‘ ist eine Dame, nicht mehr ganz so jung, die durch den ersten Weltkrieg in eine Alterskategorie gehört in der nur noch wenige Männer im heiratsfähigen Alter zur Verfügung steht. Sie findet ihr Glück in den 30er Jahren langsam im englischen Städtchen Winchester, wo sie eine Schreibkraft ist.
Nach und nach lernt sie eine kirchliche Stickgruppe kennen, der sie sich anschließt und sich geborgen fühlt. Auch ein gewisser Arthur wird Teil ihres Lebens.
Tracy Chevalier hat sich einem historisches Setting gewidmet und zugleich dem Thema Genügsamkeit. Sie erzählt uns das Leben der Violet und wie sie mit den Schwierigkeiten des Lebens umgeht und trotz aller Widrigkeiten ihr Glück im Allerkleinsten sucht und findet. Das steht im Gegensatz zu den meisten Zielen heutzutage, es muss ja meist höher, schneller, weiter oder „seht her wie toll ich bin“-Instagram sein. Der Roman passt in den Zeitgeist des Umdenkens, zum Innehalten und überlegen was wir alles Gutes haben und über was wir uns heute aufregen.
Zugleich ist der Roman ein englisches Portrait einer untergegangenen Zeit – einem England das mal war. Die Prüderie, die hochgelobte Ehe, viele aus heutiger Sicht anachronistische Dinge finden hier ihre Erwähnung.
Die Kombination macht diesen sehr leise und sachte erzählten Roman doch unterhaltsam. Auf gut 350 Seiten lernen wir eine tolle Frau kennen, die damals ihren Weg gefunden hat! Allerdings darf man keinen spannungsgeladenen Roman erwarten. Eher eine beruhigende Entspannungslektüre.
Ein wenig James-Bond, ein wenig Douglas Adams
Qube von Tom Hillenbrand
Wir schreiben das Jahr 2020 und ein epidemischer Virus versetzt die Welt in Angst und Schrecken. Wem dies noch nicht genug an gruseligen Nachrichten ist und den Blick in die Zukunft richten möchte, sollte zu Tom Hillenbrands futuristischer Thriller-Reihe greifen um die Welt der Hologrammatica. Der erste Band ‚ Hologrammatica‘ erschien genau vor einem Jahr und wurde gefeiert, nun legt Tom Hillenbrand nach mit ‚Qube‘.
Die Verschmelzung von Science-Fiction und Thriller geht weiter!
Ich kannte den ersten Band der Reihe nicht, daher fiel es mir in der Tat an der ein und anderen Stelle schwer so viele futuristische Elemente zu verarbeiten – eine Art Information-Overload, aber das gab sich und die Spannung überwog.
‚Qube‘ versetzt uns ins Jahr 2091. Ein Journalist ist dabei Informationen über einen Zwischenfall, den sogenannten Touring II, ans Licht zu bringen. Ein Supergau einer KI (Künstlichen Intelligenz) die Jahre zurück liegt. Und nicht nur das, ein ‚Qube‘, also einen kleinen Würfel mit besagter KI, soll es noch geben. Da dieses Thema bei der UNO höchste Priorität hat, wird der Investigativjournalist observiert. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und die Unbelehrbaren diesen Qube zu finden und nicht zu aktivieren. Wird die Menschheit gerettet?
Neben diesem spannenden Szenario gibt sich Tom Hillenbrand größt mögliche Mühe ein realistisches Zukunftsszenario zu entwerfen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass Lebenswirklichkeiten in diese Richtung gehen können. Die Details sind durchdacht und abgefahren – es macht Spaß sich einzudenken und diese doch sehr veränderte Welt der Zukunft aufzusaugen.
Ironischerweise, liest sich dieses Buch wohl besser als physisches Exemplar, da am Ende ein Glossar ist, dass ich zumindest gerne mal Bemüht habe und sogar mit 2 ebook readern jongliert habe um das technische Defizit zu kompensieren.
Fazit: Abgefahren gut! Ein wenig James-Bond, ein wenig Douglas Adams – ein Sciene-Fiction Thriller für alle die Gehirnjogging auf andere Art betreiben wollen!
Die Wölfe sind wieder los!
Ein Freund wie kein anderer 2: Im Tal der Wölfe von Oliver Scherz
Vorneweg, „Im Tal der Wölfe“ ist bereits der zweite Teil, der mit dem erfolgreichen Band „Ein Freund wie kein anderer“ seinen Anfang genommen hat. Ich betone es so stark gleich zu Beginn falls der noch unbekannt sein sollte, denn dies ist wirklich mal eine Reihe bei der es nur Sinn macht den ersten Band auch erst zu lesen, damit man die dramatische Lebensrettungsgeschichte kennt die Wolf und Eichhörnchen verbindet und auf die des Öfteren Bezug genommen wird.
Nun, wer den ersten Band kennt und im Nu die spannende Geschichte vorgelesen hat von Yaruk und Habbi kann sich auf ein Wiedersehen der Beiden freuen. Oliver Scherz schafft es, wie immer, mit seiner spannenden und schönen Prosa uns Leser wieder mitzureißen. Diesmal traut sich Habbi ins Tal der Wölfe und die Freundschaft wird erneut auf die Probe gestellt. Aber wer Oliver Scherzs Bücher kennt, weiß wie toll er das Thema Freundschaft, Zusammenhalt und Mut miteinander verknüpft und zu einer spannenden Geschichte verwebt.
Und natürlich hat Barbara Scholz es auch wieder sehr schön illustriert. Wunderbar sind die großflächigen bunten Bilder, oft großflächig auf den Doppelseiten.
Wir haben es geliebt und freuen uns schon jetzt auf das nächste Buch aus der Feder von Oliver Scherz.
Findet sich alles wieder an? 3 Brüder auf der Suche!
Ich und meine Chaos-Brüder - Hilfe, Staubsauger entlaufen! (Ich und meine Chaos-Brüder 2) von Sarah Welk
Den ersten Band dieser neuen „Chaos-Brüder“-Reihe haben wir GELIEBT! Verschlungen und schwups war es um, daher musste der 2. Band sofort her. Wir mussten doch wissen was die drei Brüder weiter aushecken!
Sarah Welk hat wie immer wunderbare Idee, hier ist der neue automatische Staubsauger der Mittelpunkt und ein Diebstahl…Nein! Eigentlich 2 Diebstähle.
Das Figurenkabinett ist herrlich orchestriert und wunderbar zusammengewürfelt.
Da ist der dicke Lolo vom Kiosk um die Ecke, dann gibt es die alte verwirrte Nachbarin, toll.
Nur eines muss der sprachempfindliche Mensch wissen, das Buch strotzt von aktueller Sprache, da der Älteste der 3 Brüder schon etwas älter ist. Da gibt es Wörter wie „geil“, „krass“, „Alter“. Aber irgendwie passt es super und ist dadurch authentischer. Meine Kinder gebrauchen sollte Ausdrücke (noch) nicht. Daher hab ich mich noch etwas schwer getan es so unkommentiert vorzulesen bzw. lesen zu lassen.
Es lebe die Humanität!
Das Haus der Frauen von Laëtitia Colombani
Ihr Debüt ‚Der Zopf‘ hat mich stark beeindruckt und war eines dieser Bücher, für die ich jede Minute Freizeit hergab, hauptsache ich konnte weiterlesen! Laetitia Colombani kann bestechend gut erzählen. Das beweist sie in ihrem zweiten Roman genauso wie sie es mit dem ersten schon tat. Laetitia Colombani liegen Frauenschicksale am Herzen, das verbindet beide Bücher.
Im ersten ging es um eine Verkettung von Schicksalen starker Frauen. Im ‚Das Haus der Frauen‘ setzt sie ein Zeichen der Solidarität, die heutzutage immer mehr untergeht. Humanität, ein respektvoller Umgang miteinander, auch wenn man zu den Ärmsten gehört. Eine Botschaft die unsere Gegenwart bitter nötig hat. Erzählt wird zum einen die Geschichte einer Anwältin in der Gegenwart, die nach einem Burnout wieder Lebenskraft schöpfen will und eine Anstellung als Öffentliche Schreiberin im Haus der Frauen. Eine andere Art der Herausforderung. Kontrastiert wird dagegen das Leben einer willensstarken Frau aus gutem Hause, die ihr Leben den Armen widmete in den Anfängen der Heilsarmee. Und wo bzw. wie es zusammenführt, nehme ich nicht vorweg.
‚Das Haus der Frauen‘ hat mich persönlich nicht so gefesselt wie das erste Buch. Es ist gut, aber nicht so bestechend gut wie der erste Roman und leicht kitschig, aber das auch nur ganz dezent.
Gegen das Vergessen und ein Gedenken für die Opfer!
Rote Kreuze von Sasha Filipenko
Es gibt einige russische Autoren, die mich durch die schiere Seitenzahlen erschlagen, gut und gerne werde da mehr als 1000 Seiten gefüllt. Nun kommt Sasha Filipenkos Roman „Rote Kreuze“ (im Original: „Krasny Krest“/2017) auf Deutsch im Verlagshaus Diogenes raus und siehe da: Exzellent geht auch auf rund 280 Seiten!
Dieser Roman erzählt die Lebensgeschichte der über 90jährigen Tajana Alexejewna, die an Alzheimer erkrankt ist.
Sie erzählt ihre Geschichte dem neunen jungen Nachbarn Alexander, der soeben nach Minsk zog, weil er seine Frau verlor und ein Baby bekam. Die beiden nähern sich auf ihre Weise an. Der Kern des Romans ist das grausame Sowjetregime und wie sie mit dem eigenen Volk nach Kriegsende umgegangen sind. Ein perfides Regime -dieser Roman erhebt die Stimme für viele die es nicht mehr können. Mit voller Wucht, aber ohne Pathos, wird einem am Einzelschicksal deutlich gemacht was für eine Maschinerie der Absurdität die Sowjetunion war.
Der Roman ist sprachlich toll geschrieben und durchzogen mit vereinzelten Gedichten. Hier zwei Zitate, die den Ton des Romans wunderbar wiedergeben: “Genau wie die Sowjetunion war ich in meiner Hässlichkeit stabil.” (S. 38) oder auch „Alle hatten es schwer, aber wir gewöhnten uns daran, weil die Tragödie zur Norm geworden war.“ (S. 69)
Bisher sind vier Romanen von Sasha Filipenko erschienen. Dies ist der erstes ins Deutsche übersetzte und das sehr hervorragend von Ruth Altenhofer. Ich hoffe nun das die anderen 3 auch in Kürze im Diogenes Verlag erscheinen für den deutschsprachigen Raum.
Fazit: Für alle die sich kritisch mit der Sowjetunion in literarischer Form auseinandersetzen wollen.











