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Rezensionen von Nil_liest:

Für Miss Marple Liebhaber!

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar von Robert Thorogood

Mit 13 Jahren habe ich begonnen alle Miss Marple Bücher zu verschlingen und habe als Jugendliche immer gerne die etwas schrullige Serie „Mord ist ihr Hobby“ angeschaut. Was hab ich mich gefreut als dieser Krimi angekündigt wurde: „Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar“!
Und ich kann schon mal so viel verraten: Wer ähnliche Favoriten hat(te), sollte auch zu diesem Krimi greifen.

Definitiv hat Robert Thorogood hier eine Hommage an Agatha Christie und ihrer großartigen Ermittlerin Miss Marple entworfen. Hier haben wir es mit Judith Potts zu tun, eine 77jährige alte dickliche Frau, die in einem geerbten Haus and er Themse wohnt im beschaulichen Marlow. Sie liebt nicht nur wiskytrinkend zu puzzlen sondern auch täglich abends nackt (!) in der Themse zu schwimmen dank direktem Zugang zum Wasser. Dort war sie hörbare Zeugin eines Mordes gegenüber. Natürlich hat sie die Polizei alarmiert, aber ein Mord wurde hier nicht protokolliert eher ein Selbstmord. Das kann und will Ms Potts natürlich nicht so stehen lassen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Natürlich mit kräftiger Unterstützung: der Pfarrersfrau Becks Starling, die sonst nur gelangweilt Kinder und Haus betreut sowie die rauchende bodenständige Hundesitterin Suzie Harris. Herrlich dieses Trio. Es gibt natürlich auch die polizeiliche Ermittlerin Tanika Malik die es zu überzeugen gibt.
Mir hat dieser Auftaktband, in dem alle Charaktere ausführlich beleuchtet werden, mächtig viel Spaß beim Lesen bereitet. Denn es ist eine gelungene Mischung aus einem klassischen Whodunit und einem kuriosen Figurenkabinett wo mit schwarzem britischem Humor nicht gegeizt wird!
Ich freue mich auf Band 2 „Death comes to Marlow“ der auf Englisch im Herbst erscheint und zu Beginn 2023 auch auf Deutsch!

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Gibt es eine objektive Wahrheit?

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße von Maxim Leo

Das 30jährige Mauerfallsjubiläum steht an und ein Journalist recherchiert die größte Massenflucht aus der DDR. Eine fehlgeleitete S-Bahn brachte 1983 127 DDR-Bürger in die Freiheit, in den Westen. Nun findet dieser Journalist den abgewrackten Michael Hartung, der damals bei der Reichsbahn angestellt war und laut Stasi Unterlagen diese Massenflucht durch die Manipulation einer Weiche die Flucht ermöglich hat.

Nach einiger Bearbeitung des Journalisten ist Hartung bereit sich als Drahtzieher der Öffentlichkeit zu Bekennen und der Journalist hat DIE Story des Jubiläums präsentiert. Win, win?
Hartung wird zum Helden stilisiert, lange gab es keine neuen Gesichter, die man mit Lob und Ehre überschütten konnte. Endlich kommt mal ein bescheidener Helfer zu Wort. Da Hartung aber kein Held, sondern eher ein Anti-Held ist, nimmt dieses ganze Spiel ihn persönlich sehr mit. Er verstrickt sich in Lügen und wird wie eine Trophäe herumgereicht. Wie das ganze ausgeht, lass ich lieber offen, sonst fehlt die Spannung beim Lesen.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, ist es doch eine sehr gelungene Mischung aus fiktivem historischem Geschehen (es gibt keine echten/historischen Vorbilder), dass uns mit der Frage konfrontiert: Gibt es eine objektive Wahrheit über Vergangenes? Wie schnell kommt ein gängiges erzähltes Motiv ins Wanken? Wie viel Interpretationsspielraum gibt es? Außerdem schwingt dem Roman noch der klassische Ossi vs Wessi Konflikt mit, wer wem für was keine Anerkennung zollt. Eine gut verpackte Analyse. Aber zu guter Letzt ist es auch ein humorvoller gut erzählter Roman, daher: Ein absolutes Lesevergnügen – alles drin! Unbedingt lesen.

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Erstaunlich das kleine Konstrukt in unserem Schädel!

Das erschöpfte Gehirn von Michael Nehls

Man schleppt sich durch den Alltag und wundert sich, dass die Konzentration immer schlechter wird. Wenig Lust auf neue Entdeckungen, lieber in eingefahrenen einfachen Bahnen bleiben. Daher wollte ich gerne „Das erschöpfte Gehirn“ von Dr. med. Michael Nehls lesen. Er wurde mit vielen Publikationen zum Thema Alzheimer bekannter.

Sein Ziel ist es hockkomplexe Zusammenhänge für Fachfremden einfach zu erklären. Ich finde, dass er das in der Tat sehr gut kann. Themen runterbrechen und querzusammenhänge aufzeigen und zugleich Beispiele nennen. Dieses Buch verzahnt verschiedenste Wissenschaftsbereiche der Neurologie, Genetik, Soziologie sowie Ökonomie und auch Philosophie. Ein sehr gelungener interdisziplinärer Ansatz. Der Fokus liegt, wie der Titel verrät, beim Gehirn und dort speziell das Frontalhirn. Es ist sehr aktuell, macht es sogar das Themenfeld Long-COVID auf. Das Buch gibt Einblick in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, manches auch nicht neu, aber ist in der Tat kein Handlungsratgeber. Eher eine Wissensbereicherung.
Was an der ein und anderen Stelle etwas stört, sind die doch sehr polemische Formulierung des Autors, wenn er beispielsweise „Die Regierung agiert als Erfüllungshilfe der Industrie.“ (S. 209) betitelt. Hier hätte man auch sachlicher auf den starken Lobbyismus hinweisen können. Diese Aspekte des Buches habe ich für mich persönlich ignorieren können.
Gelungen ist dagegen der Bezug der Forschung auf das Alltägliche, wenn er z. B. ausführlich wissenschaftlich belegt aufzeigt, dass Spielen ein essenzieller Bestandteil des Lebens sein sollte um Kreativität zu fördern im Zusammenhang mit dem Sinn des Lebens. Auch fand ich die Grafiken zur Illustration auflockernd und hilfreich.
Fazit: Spannendes komprimiertes Sachbuch vorrangig über das Frontalhirn. Ein Ansporn sich die eigenen Verhaltensmuster vor Augen zu halten und unser Frontalhirn auf seine präferierte Weise zu pflegen.

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Wenig Lebensfreude auf 193 Seiten

Damenbart von Sarah Pines

„Manche Sterne fallen leise, manche laut und mit Feuerschweif.“ (S. 166)
Sarah Pines, Autorin verschiedenster deutschsprachiger journalistischer Medien hat ihr literarisches Debüt in Form einer Kurzgeschichtensammlung publiziert. In 17 eigenständigen Kurzgeschichten präsentiert sie uns ihr Schreibtalent.

„Draußen zog die Tonspur der Nacht vorüber, Gläserklirren irgendwo, das Geräusch von Mopeds, Frauen lachen, grölende Jugendliche, Hundegebell.“ (S. 57)
Alle Geschichten eint eine antriebslose, deprimierende Grundstimmung, die ihren Ursprung in der Vergangenheit der Protagonisten hat. Alle Charaktere hadern und es fehlt an Sinn und Perspektive. Höhst trostlos und brutal melancholisch.
Was als Gegengewicht zu dem wiederkehrenden Motiv der einsamen Frau steht, ist die stets wechselnde Perspektive: mal ein anderes Land, eine andere Zeit, ein anderes Milieu. Zu den sezierten Damen gesellt sich nur eine Ausnahme und das ist „Zugenäht“. Diese Geschichte auch mein Favorit in dieser Sammlung.
„derjenige, der am meisten schimpft, hat nicht notwendigerweise am meisten unrecht.“ (S. 83)
Spannend sind die Geschichten zu lesen, denn in jeder musss man sich sprachlich neu orientieren. Sahra Pines, studierte Literaturwissenschaftlerin spielt mit ihren Möglichkeiten. Einerseits zeichnet sie sehr raue Bilder, die zugleich aber fragil sind. Besonders interessant fand ich persönlich die fast lyrische Sprache die machen Sätze zusammenhält. Manch anderes Mal ist es die Syntax, die einen eigenwilligen Rhythmus vorgibt. Die Wortwahl auch mal karg, aber auf den Punkt. Oft stellen sich genau die unbehaglichen Gefühle ein, die die jeweiligen Geschichten transportieren.
„In der Ferne verschleierte Nebel die Unendlichkeit des irgendwann nahenden Sommers." (S. 21)

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Mist der uns das Leben schenkt

Ende in Sicht von Ronja von Rönne

Wenn einer zum Sterben das Haus verlässt, dann geht es meist nicht gut aus. Hier sieht die Lage anders aus, denn hier treffen zwei Frauen mit demselben Ziel ungewollt aufeinander. Die 15jährige Juli hat vor von einer Grünbrücke auf die Autobahn zu springen, um sich das Leben zu nehmen. Ihr Glück im Unglück ist Hella, die sie rettend auf den Grünstreifen manövriert.

Zwar arg lädiert, aber lebend. Ironischerweise ist auch sie auf dem Weg zum Sterben, denn die 69 Jahre alte Popikone mit hohlem Leben will ihrem Ganzen in einer Sterbeklinik in der Schweiz ein Ende setze. Tja, und da sind sie ungewollt vereint in einem klapprigen Passat, sind schroff im Ton und besorgt in der Brust, obwohl der Gegensatz nicht größer sein könnte.
Ronja von Rönne legt mit „Ende in Sicht“ ihren zweiten Roman vor. Sie ist von Hause aus Journalistin der ‚Zeit‘ und Moderatorin ein Philosophie Magazin auf ARTE namens Streetphilosophy und betreibt einen Podcast. Vor allem wird momentan gerne in den Medien ihre Depression in Bezug auf das Buch durchleuchtet, ich halte davon wenig und freue mich, wenn die Autorin sagt, dass das Buch nicht WEGEN der Depression entstand, sondern TROTZ. Dabei belassen wir es.
Ich finde sie schreibt gut, der Klartext-Ton findet sich gerne rotzig und frech wieder. Der ruppige Ton genau das richtige was die beiden Frauen verkörpern, keine Freundlichkeit, aber eine tieferliegende Zuneigung zueinander. Hier werden Chinaböller gezündet, aber Knallfrosch-Sound ertönt, wie im echten Leben nehmen hier Formulierungen einen großen Anlauf, aber es geschieht dann eher wenig. Kennen wir das nicht alle?
Wenn Hella ironischerweise ihren One-Hit-Wonder „Ende in Sicht“ in Dauerschleife besingt und Juli mit der Lüge ihres Lebens hadert im den die Schnecke auf dem Cover eine große Rolle spielt, dann ist da ein Funken Hoffnung für das gegensätzliche Paar. Natürlich: Das Roadtrip-Sujet ist nicht neu und innovativ, aber Ronja von Rönne hat es auf ihre ganz eigene Art zum Ereignis der Sonderklasse gemacht.

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Dein Paradies ist meine Hölle

Zum Paradies von Hanya Yanagihara

Stellt euch vor die Vergangenheit wäre anders gelaufen. Wie würde die Welt heute ticken? Stellt euch vor, dass das Leben in 1893 schon komplette Gleichberechtigung der Geschlechter hervorgebracht hätte. Was für eine Vorstellung! Genauso startet Hanya Yanagihara neuster Roman „Zum Paradies“. Wir tauchen ins Jahr 1893 ein, sind in New York am Washington Square.

Technologisch ist die Zeit entsprechend unseres eigenen Wissensstands, aber die gesellschaftliche Akzeptanz ist einen andere in Bezug auf gleichgeschlechtliche Ehen und Gleichberechtigung. Großartig wie die Autorin diesen einen Aspekt der gesellschaftlichen Ordnung dreht und das Leben wäre ein anderes gewesen. Dies ist nur EIN Aspekt dieser Lektüre.
Strukturell tauschen wir in diesem Buch in drei verschiedene Zeiten ab. Erst zieht es uns ins Jahr 1893, in dem der obige Aspekt verändert wird. Im zweiten Abschnitt sind wir im Jahr 1993 und mitten in der Aids-Krise in New York, dort wohnen wir einer Party bei, eher ein Abschied der und mit voller Wucht trifft. Der zweite Teil des zweiten Teils (keine Sorge es klingt alles wirrer als Hanya Yanagihara es inszeniert hat!) spielt auf Hawaii mit einer tiefen Vater-Sohn Auseinandersetzung und zugleich mit der Auseinandersetzung der hawaiianischen Geschichte. Der abschließende dritte Teil beschäftigt sich mit dem Jahr 2093. Hier erleben wir was wiederkehrende Pandemien und Naturkatastrophen aus der Welt gemacht haben. Ein erschütterndes Bild einer totalitären Welt zeigt sich hier.
Was die drei Teile verknüpft ist der Ort des Geschehens, immer wieder Washington Square in New York City, auch wenn es 2093 nur noch Zone 8 heißt. Die zweite lose Klammer sind Namen der Charaktere (David und Charles) und auch ein paar wenige Überschneidungen und Bezüge auf die Vergangenheit.
Ein wirklich beeindruckender Roman, der lange nachklingt. Hanya Yanagihara schreibt so unfassbar greifbar. Ich habe so manches körperlich gespürt, was bei weitem nicht immer die besten Gefühle waren. Als Leser:in leidet man mit und begreift was es heißt in dieser Situation zu sein. Ich muss auch noch oft an das Buch denken.
Fazit: Jede Zeit hat seine Herausforderungen und das Paradies ist und bleibt eine Utopie.

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Ein Serienmörder und eine naive Protagonistin

Der Herzgräber von Jen Williams

Vor vielen Jahren gab es diesen Serienkiller namens Michael Reave. Er brachte junge Frauen um, entnahm das Herz und pflanze an dessen Stelle Blumen. Nun sitzt dieser Mann zum Glück im Hochsicherheitstrakt eins Gefängnisses. Leider beginnen ähnliche Morde erneut, obwohl Michael Reave es ja offensichtlicher weise nicht sein kann.

Heather, die Protagonisten, schaut sich den Nachlass ihrer Mutter an, die Suizid begangen hat. Heather stößt auf Briefe dieses Serienkillers. Sie ist schockiert und geht dem Geheimnis nach. Was hat er mit ihrer Mutter zu tun? Wer verübt die neuen Taten?
Klar, wie sollte es anders sein, Heather begibt sich in Gefahr und merkt es zum Teil nicht. Mich stören diese sehr klischeehaft gebauten zarten Frauencharaktere, die einerseits tapfer sind und andererseits nicht weiterdenken und leider sehr dümmlich wirken.
Positiv war für mich die Unblutigkeit des Thrillers von Jens Williams. Wird doch oft en detail die Abschlachtung und die zerfledderten Leichen beschrieben, danke, ich brauch es nicht. Das fand ich hier gut gemacht.
Der Thriller ist eine Art Vergangenheitsaufarbeitung und birgt auch dort den Schlüssel zur Lösung, allerdings waren aus meiner Sicht nicht alle Enden abgeschlossen.
Fazit: Mich hat „Der Herzgräber“ nicht überzeugen können, weil mich vor allem die Protagonistin nicht überzeugen konnte.

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Vergangenes holt uns immer wieder ein

Wir sind schließlich wer von Anne Gesthuysen

Wer das vorangegangene Buch der Moderatorin Anne Gesthuysen „Wir sind doch Schwester“ (2014) mochte, wird auch hier wieder begeistert sein. Denn „Wir sind schließlich wer“ ist auch wieder ein Familienroman und beleuchtet interfamiläre Dynamiken wie mit Problemen umgegangen wird.
Auch hier begegnen wir wieder zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Einerseits ist da Anna von Betteray und ihre Schwester Maria von Moitzfeld. Anna ist auf dem Weg Pastorin zu werden und tritt ihre erste Stelle am Niederrhein an, wo sonst bei Anna Gesthuysen, ist es doch auch ihre Heimat. Und dann ist da Maria, genau das Gegenteil ihrer Schwester, reich geheiratet und in einer Abhängigkeit zu ihrem Ehemann. Nicht zu vergessen die Mutter Mechthild der beiden, die eine klare Position einnimmt und Teil des Problems der Beiden ist. Der Titel spielt auf die Herkunft an, denn „Wir sind schließlich wer“ ist auf die adelige Vergangenheit der „von Betterays“ ausgerichtet.
Nicht nur muss sich Anna nun mit der neuen Gemeinde und ihrem Hang zum Trasch auseinandersetzen, vor allem muss sie eine Stütze für ihre Schwester sein, die damit kämpft, dass ihr Mann wegen Steuerhinterziehung verhaftet wurde und Marias 11jähriger Sohn verschwindet, weil er das Mobbing in der Schule nicht mehr aushält.
Im Fokus stehen die unterschiedlichen Schwestern, Maria immer wie gewünscht und dem Stand entsprechend und Anna wild und mit eigenem Kopf. Komplex wird hier auseinandergenommen was die Bürde einer Familiengeschichte mit sich bringt, aber auch zugleich das Familie eine Stütze sein kann. Es ist in keinster Weise trotz aller Tragik kein schwerer Roman, an mancher Stelle sogar zu viele komödiantische Elemente. Der Roman lebt definitiv von überzeichneten Charakteren um die Abgrenzungen zu vereinfachen.
Spannend gemacht, denn es werden immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit eingestreut, die uns heutige Verhaltensweisen und Motive der Beiden liefern.
Fazit: Familie ist Familie und bleibt Familie. Deine Vergangenheit ist geprägt durch sie und nun ist es an uns eine stabile und positive Umwelt zu kreieren um ein positives Miteinander zu fördern mit Rücksicht auf die Vergangenheit.

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Wie würde man selbst entscheiden?

Was wir verschweigen von Arttu Tuominen

Bester Kriminalroman Finnlands im Jahr 2020. Wenn das mal die Erwartungshaltung an „Was wir verschweigen“ (im Finnischen ‚Verivelka‘) ansteigen lässt!
Es gibt einen neunen kommissarischen Chef in Pori: Jari Paloviita und mit der Übernahme des Amtes gibt es auch gleich einen Mord. Jari beauftragt das Ermittlerduo Linda und Hendrik den Fall zu untersuchen.

Ein Abend, zu viel Alkohol, der Fall ist recht schnell klar und auch wir als Leser:innen wissen wer den Mord begann. Was Jari erst im Protokoll liest und ihn erstarren lässt sind die Namen von Täter und Opfer. Beide sind im äußerst gut bekannt und seine Vergangenheit holt ihn ein. Hier liegt nicht die Leiche im Mittelpunkt sondern eine tiefe Freundschaft und ihre versprochenen Verpflichtungen. Eine Auseinandersetzung zwischen dem Recht und der Moral.
Das der Autor Arttu Tuominen am Ort des Geschehens wohnt, verwundert kaum, ist die Umgebung so deutlich beschrieben als wäre man mit vor Ort und auch ein Teil des Geschehens.
Dieses Buch ist der Auftakt der DELTA Serie. Im finnischen liegen bereits (inklusive diesem) vier Krimis von Arttu Tuominen vor. Wir können also auf mindestens drei weitere hoffen.
Ich lese selbst sehr gerne unblutige Krimis und gute Literatur weswegen mich dieses Buch überzeugt hat, allerdings kann ich auch verstehen, dass klassische Krimi-leser für die der Mord im Vordergrund steht, hier nicht auf ihre Kosten kommen.

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Zwei Monologe sind kein Gespräch!

Sokrates in Sneakern von Elke Wiss

Dieses Buch trifft genau den Nerv der Zeit aus meiner Sicht, denn viele begeben sich gar nicht mehr in den offenen Austausch mit anderen. Die eigene Meinung wird als unumstößliche Wahrheit vor sich hergetragen. Das führt zu verhärteten Fronten, ein verständnisloses Miteinander und weniger Empathie.

Hier in „Sokrates in Sneakern“ von der Niederländerin Elke Wiss bekommen wir auf sehr kurzweilige Art mit auf den Weg was einen guten Dialog ausmacht: Im Kern die Kompetenz die richtigen Fragen zu stellen! Oder besser die Art richtige Fragen zu stellen. Das gepaart mit der Haltung Sokrates zu Mut, Neugierde, Staunen, Urteilen und einigen weiteren Themenblöcken macht die Sache recht einfach konsumierbar ohne schwer zu werden. Daher passt auch der Titel so super.
Aufgelockert wird der Text mit Übungen, die unregelmäßig immer wieder auftauchen. Es lohnt sich hier wirklich aktiv zu werden. Wie die Aufforderung „Trainieren Sie ihre emphatische Nullstellung“, mal nur Fragen stellen, ohne empathische Zwischenbemerkungen. Diese Übungen schärfen die eigene Kommunikationsweise und hilft sich bewusst zu machen wie wir selbst Gespräche führen.
Der Wissensanteil des Buches wird anhand von anschauliche Dialog-Beispiele und Kommunikationen erläutert, aber natürlich auch durch reine Wissensvermittlung.
Diese drei Komponenten (Wissen, Beispiele, Übungen) machten es mir leicht dieses Buch zu lesen und ich werde es in greifbarer Nähe lassen um das eine oder andere noch mal zu vertiefen. Regt es doch enorm an, an sich selbst zu feilen.
In der Bibliografie wird auf viele holländische Texte referiert, aber das ist aus meiner Sicht zu vernachlässigen, da das Buch eine runde Sache ist!

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