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Rezensionen von Nil_liest:
Guter Einstieg in das Thema Coaching
Das 7-Tage-Selbstcoaching von Amelie Fried; Michael Simperl
Amelie Fried die Tausendsassa-Dame ist zwar sehr bekannt aus Funk und Fernsehen und durch ihre Unterhaltungsliteratur, aber sie ist außerdem noch zertifizierte Coachin und auch vom Bundesverband Meditation lizenziert. Dazu kommt Michael Simperl als Systemischer Business Coach, der natürlich auch in allem zertifiziert ist was mit Coaching zu tun hat.
Sprich, die beiden haben einen Sack voll Qualifikationen und geballte Erfahrung im Bereich Coaching!
Zu Recht hat das Buch den guten Untertitel „für alle, die lust auf veränderung haben“, denn dieses ‚7-Tage Selbst-Coaching‘ richtet sich an Menschen, die noch wenig bis gar keine Berührungen mit dem Thema hatten. Eine Anleitung um den ersten großen Stein ins Rollen zu bringen aus meiner Sicht.
Es ist MEGA toll gestaltet und sehr durchdacht angelegt. Es ist Wissenstransfer und Workbook in einem. Hier wird erst gedacht und dann gleich getan! Was eine super gute Kombination ist.
Das Buch ist so aufgebaut, dass es zunächst eine sehr kurze Einführung ins Thema Coaching gibt und dann Ärmel hochkrempeln und loslegen, denn dann folgt für jeden Tag ein neuer Abschnitt. Jeder Coaching-Tag hat ein Thema, wie am ersten Tag: Worum geht es Ihnen? + Ist-Zustand + Ziel. Jeden Tag erarbeitet man sich sein Veränderungsthema an „Fragen, die fordern“ wie es schon auf dem Cover heißt. Aber es gibt natürlich noch mehr Input und wird keinesfalls alleine gelassen und nur mit Fragen bombardiert.
Was ich super gut fand, ist das sehr strukturierte Angehen und die Aufteilung in Tagen. So weiß man, wo man einen Schlusspunkt setzt, das Erarbeitete sacken lässt und am folgenden Tag weiter macht. Das Buch eignet sich super für eine 7-Tage Auszeit bzw. Urlaub mit weniger Programm oder in einer Woche wo nicht so viel ansteht. Denn es soll ja nun wirklich nachgedacht und bearbeitet werden und das arbeitet auch nach, wenn man es macht.
FAZIT: Für alle die der Schuh bei einem bestimmten persönlichen Thema drückt und dem strukturiert auf den Grund gehen wollen!
A votre santé!
Kaiserstuhl von Brigitte Glaser
Es stehen die 60er Jahre im Mittelpunkt des neuen Romans von Brigitte Glaser, die wie keine andere vergangene Zeiten mit all ihren grauen Seiten beleuchtet. Es ist nicht immer alles Schwarz oder Weiß, es gibt immer mehr als einen Blickwinkle und mehr als eine Interpretation.
Nun eben 1962/63, die Jahre in denen der Elysée Vertrag unterschrieben wurden von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle.
Dieses Bündnis soll mit einer guten Flasche Champagner begossen werden aus dem Jahr 1937 der aber erst nach Bonn gelangen muss. Hier kommt nun Henny, die Weinhändlerin ins Spiel mit ihrer ganzen Sippe. Henny übernahm den väterlichen Weinhandel und baute ihn nach dem Krieg wieder auf, nun muss Champagner ins Sortiment.
Die Geschichte arbeitet die deutsch-französische Freundschaft auf mit all ihren Facetten, das Elsass als ein ständiger Reibungspunkt zwischen den Nationen ist im Blick. Es gibt viele Sprünge in der Zeit, in den Personen und in den Blickwinkeln, das macht es spannend und auch sehr bereichernd.
Wer die beiden bisher erschienen Romane von Brigitte Glaser noch nicht kennt: Bühlerhöhe und Rheinblick sollte sie dringend lesen, genau wie diesen: Kaiserstuhl. Ich mag den Schreibstil und die Art der Erzählung immer sehr wir Brigitte Glaser Familiengeschichten mit politischen Gegebenheiten verknüpft und uns alle erhellt!
Hinten im Roman gibt es einen Stammbaum, der hilft so machens Mal, wenn man den Faden doch verloren hat.
Fazit: A votre santé! Lasst euch den Roman gut schmecken!
Der Bär ist und bleibt ein Bär
BÄR von Marian Engel
Kein neuer Roman, dieses Buch „Bär“ von Marian Engel. Es ist eines dieser wiederentdeckten Bücher, das zwar in den 70er Jahren erschien, aber zeitlos ist.
„Wenn mir die Erfahrung nicht wieder weggenommen werden soll, dachte sie, muss ich sofort damit anfangen, sie zu machen.“ (S. 51)
Es geht um Lou, die an einem historischen Institut in Toronto arbeitet.
Eine Frau im mittleren Alter, die bisher nur mittelmäßige Erfahrungen gemacht hat, langweilige Männer leid ist und ihre Arbeit liebt: das archivieren. Nun darf sie sich auf machen in den Norden, denn das Institut hat ein Haus geerbt in dem eine staatliche Bibliothek untergebracht ist und Lou soll dort hin in den wilden hohen Norden auf die Insel, in das Fowler-Oktagon und die Bibliothek sichten und katalogisieren. Es ist nicht nur ein Haus fern ab der Zivilisation, es ist ein Haus mit Bär, der auch dort lebt. Sie nähern sich an und durch Lous Einsamkeit und neuergründeten Autonomie wird mehr aus ihr und dem Bären als es sein dürfte.
„Ist ein Leben, dass sich plötzlich als Abwesenheit entpuppt, überhaupt ein Leben?“ (S. 18)
Ein Roman der sachlich darlegt; weder kitschig noch verklärt daherkommt. Ein Roman der eine Frau in der Wildnis porträtiert, die auf einen domestizierten Bären trifft, der natürlich weiterhin ein wildes Tier ist und bleibt.
Die Autorin schrieb in klarer Prosa, aber abgewandt vom blühenden nature writing. Die Ambivalenz der Protagonistin, wenn sie die Veränderungen an sich selbst wahrnimmt, eine neugewonnenen Selbstbestimmtheit. Sie nimmt gar eine Rolle der Unterdrückerin gegenüber dem Bären ein, aber entronnen der eigenen Unterdrückung.
„Dir fehlt der Stolz, dir fehlt das Gespür für dich selbst.“ (S. 166)
Ein starker Roman, der viele Elemente hat, die noch heute diskussionswürdig sind und hier angerissen werden im Jahr 1976: Wenn es um die first nations geht, um Kolonialisierung, um die Rolle der Frau und das alles kondensiert in einem Sommer im wilden Kanadischen Norden, denn Lou mit dem Bär verbringt und sich selbst entsteigt.
Ja, ein starker Roman, aber ob es der beste kanadische Roman aller Zeiten ist wie es auf unter dem Titel der Neuauflage des btb Verlages heißt, sei mal dahingestellt. Aber ich kann diese Neuauflage sehr empfehlen, denn das Nachwort zum Roman der Schriftstellerin Kristine Bilkau ist sehr erhellend und komplementiert den Roman erheblich.
Wohnung in guter Lage abzugeben
Unser Glück von Natalie Buchholz
Was würde man heutzutage alles für eine größere Wohnung in bester städtischer Lage tun? Wie hoch muss der Leidensdruck werden um die absurdesten Situationen zu akzeptieren?
Genau das sind Fragen, die den Protagonisten Coordt umtreiben, denn er landet genau in diesem Dilemma. Coordt und Franziska sind kürzlich Eltern geworden vom kleinen Frieder, leben aber leider in einer zu kleinen Wohnung in eher mäßiger Lage in München.
Nun gibt es da dieses verlockende Angebot einer Wohnung, die groß ist, sehr gepflegt in bester Lage und auch noch bezahlbar. Der Haken an der Wohnung ist der Ex-Mann der Vermieterin. Er wohnt weiterhin in dieser Wohnung in einem separaten Zimmer mit eigenem Bad und Küchenzeile!
„Ziehen Sie hier ein, mache ich Ihnen das Leben zur Hölle.“ (S. 18)
Diese kammerspielartige Geschichte entspinnt sich nach und nach. Erzählt aus Coordts Perspektive wirkt erst seine Frau unentspannt, die in der neue Wohnung wieder Schwung und Kraft findet. Wohingegen bei Coordt das Pendel an anderer Stelle umschwingt und er zum Paranoiden wird. Eine Stärke des Romans ist Gegenüberstellung von Standpunkten ohne moralischen Zeigefinger. Oft werden im Laufe der Geschichte Gegensätze aneinander gerieben wie das heimelige mit dem unheimlichen. Die Autorin Natalie Buchholz schreibt diese durchdringende kurze Prosa, die eine Sprache für die Sprachlosigkeit findet. Was diesen Roman auch auszeichnet, sind auch die offenen Stellen, die jede:r Leser:in Raum gewähren um hineinzuspüren.
München ist zwar der Ort des Geschehens dieses Romans, aber er könnte auch genauso in Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin angesiedelt sein. Eine moderne Geschichte, die so viele gegenwärtige Allgemeingültigkeit in sich trägt, dass es schmerz und dabei wahnsinnig unterhaltsam ist!
Schon jetzt eines meiner Highlights in 2022!
Realistisches negatives Zukunftsszenario mit mega spannendem Plot in Berlin!
2040 von Patrick Baumann
Denkt euch mal 20 Jahre in die Zukunft, der Tag der deutschen Einheit 2040 steht vor der Tür. Wir befinden uns in Berlin. Die Rechten haben die Oberhand gewonnen und die „PAD“ = Patriotische Alternative Deutschlands regiert mit ihrem gestellten Kanzler Wischnewski. Die PAD ist dabei die demokratischen Strukturen zu unterwandern, ein autokratischer Überwachungsstaat ist das Ziel welches mit Hilfe eines Technologieriesens erreicht werden soll: Sunrise.
In diesem Thriller wird ein sehr realistisches Bild einer nicht so freundlichen Zukunft in Deutschland gezeichnet, die es JETZT gilt abzuwenden. Genau aus diesem Grund schätze ich die fiktive Aufarbeitung von politischen Szenarien, in diesem Fall eine klare Dystopie, die uns zeigt, dass wir handeln sollten.
Ach ja und das ist eingebettet in eine spannende Thrillerhandlung. Aber, keine Sorge, hier überwiegt der gut angelegte Plot in der rechtsradikalen Überwachungsstaat-Dystopie. Komplex? Ja! Überfordernd? Nein! Und auch was für Leser, die sonst keine Thrillerfans sind (ich!).
Spannung kommt durch Paul Kanter zustande. Kiosksbesitzer, der unermesslich hohes Schutzgeld zahlen muss an die Al-Fasi für seinen Neuköllner Kiosk. Seine Ex-Freundin, eine Journalistin wird in ihrer Wohnung überfallen und Kanter gerät leider ins Visier der Ermittler, da er ein Ex-Verbrecher ist. Nun ermittelt er auf eigene Faust parallel zur Polizei und der neuen SNS (=Sonderstelle Nationale Sicherheit).
Schnell getaktet, kann man diesen Thriller kaum aus der Hand legen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und fand es thematisch gut mit dem negativen Zukunftsszenario verzahnt. Geschrieben wie Kopfkino, blitzen die Bilder in einem nur so auf und ich wollte einfach wissen wie es ausgeht.
Spannend ist, dass Patrick Baumann das Buch in Eigenregie publiziert hat, lasst euch davon nicht abschrecken. Ich würde behaupten, da ist den großen Verlagen was durch die Lappen gegangen, denn er hat es von Anfang an als Alleingang so geplant!
Eine klare Leseempfehlung!
Schlimme Kinderschicksale fiktiv transparent gemacht!
Baku und der weiße Elefant von Anke Burfeind
Schlimme Kinderschicksale fiktiv transparent gemacht!
Anke Burfeind kam vom Thema zum Schreiben und das ist in diesem Fall eine super Sache. In ‚Baku und der weiße Elefant‘ geht es um Kinderhandel in Indien. Ja, harter Tobak für ein Lesealter ab 9 Jahren, aber es ist aus meiner Sicht milde vermittelt.
Sprich, dieser Roman mag zwar teilweise verglichen mit real existierenden Strukturen und Gegebenheiten etwas naiv und zu einfach erzählt sein. Aber mal ehrlich, die volle Dröhnung wollen wir den Kindern in diesem Alter noch nicht zumuten, wenn sie noch keinerlei Berührung mit dem Thema hatten.
Im Mittelpunkt steht der 10jährige Baku, der wegen Spielschulden seines Vaters verkauft wird und eigentlich in einer Fabrik schuften soll, es kommt aber anders. Denn der Fabrikbesitzer leiht ihn an einen Obsthändler weiter, der die Güte hat, ihm das Lesen und Schreiben beizubringen. Auch seine Schwester wird kurz nach ihm verkauft und die beiden treffen nicht nur zufällig aufeinander, sie schaffen es auch zurück zu ihren Eltern zu fliehen.
Ja, sicher passiert es im echten Leben nicht oft, dass Kinder lebend eine Flucht schaffen. Aus meiner Sicht auch nicht das Anliegen hier, sondern Kindern zu zeigen, dass es auf der Welt andere Kinder gibt, die weder zur Schule gehen dürfen noch genügend zu essen haben und dann auch noch zu allem Überdruss Kinderarbeit leisten müssen. Schlimm genug zu ertragen.
Fazit: Tolles Buch um mit den eigenen Kindern Kinderarmut, Kinderarbeit und -sklaverei zu themazieren und bewusst machen, dass es noch HEUTE solche schlimmen Missstände gibt!
Binge reading in kurz!
Tell von Joachim B. Schmidt
Ein Buch, dass ich echt nicht aus der Hand legen konnte. Die Geschichte ist keine neue, nein, bei weitem nicht. Ein Schweizer Held dieser Wilhelm Tell, der von Schiller als sein letztes Stück Teil des deutschsprachigen Bildungskanons wurde. Nun könnte man gähnen und sagen, nicht noch mal den Apfel vom Kopf schießen.
ABER es ist eine Neuauflage der besonderen Art.
Der Schweizer Joachim B. Schmidt macht daraus eine neue Inszenierung des Schweizer Nationalhelden die begeistert. Er lässt die barbarischen Zeiten ans Licht kommen und den einfachen Drang Wilhem Tells seine Familie zu ernähren, auch wenn das bedeutet waghalsige Manöver zu unternehmen. Der Schreibstil ist kurz, knackig, prägnant. Ständig wechselt die Perspektive und die zu uns sprechende Stimme. Zack, zack, zack – schnelle Schnitte und Wechsel. Mir erschienen die einzelnen erzählten Szenen eher wie Blitzlichter, die dann ein gelungenes Bild der Habsburger eisernen Herrschaft zeigt. Düster, manches mal brutal ist die Grundstimmung und in dieser Gemengelage versucht Wilhelm Tell sein Glück. So nachvollziehbar. Man taucht erst nach und nach in seinen Charakter ein. Erst scheint er ein wortkarger Eigenbrötler zu sein und nach und nach ändert sich die Sichtweise. Man bemerkt er hat den Schelm im Nacken und treibt es manches Mal zu bunt.
Fazit: Wer vom klassischen Held nicht wissen will, sollte gerade hier zugreifen!
Das Mädchen für alles
Die Erfindung der Hausfrau. Geschichte einer Entwertung von Evke Rulffes
Wer glaubt, dass die Hausfrau eine historisch uralte Institution ist, irrt gewaltig. Eine Entwicklung die Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt hatte und hoffentlich bald zu Grabe getragen wird.
Sehr erhellend für diesen Erkenntnisgewinn ist das Sachbuch ‚Die Erfindung der Hausfrau - Eine Geschichte der Entwertung‘ von der Kulturwissenschaftlerin Evke Rulffes.
Dieses Buch war erhellend wie kein anderes für mich zum Thema, vor allem was unser heutiges Rollenverständnis angeht.
Der Bogen wird gespannt vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Es wird der Leserschaft vor Augen geführt wie es dazu kam, dass Frauen unentgeltlich die gesamte Haushaltsarbeit leisten. Wahnsinn wie die Veränderung sich durch die Jahrhunderte zog. Stelle man sich vor, dass Frauen im Mittelalter noch Teil vieler Zünfte waren und es undenkbar war, dass Frauen nicht gearbeitet haben, weil Familien das Geld einfach brauchten.
Die Veränderung fand schleichend statt. Erst der Wandel vom Stand zum Bürgertum brachte den Stein ins Rollen. Denn die Repräsentanz sollte gewahrt werden, aber das Bürgertum hatte nicht das nötige Geld um Angestellte zu haben somit musste die Ehefrau und Mutter hier tätig werden.
Den negativ Höhepunkt erreichte es 1900 als die Hausfrauenehe im BGB landete und Ehefrauen schlicht nicht mehr geschäftsfähig waren, da sie keine Entscheidungsgewalt mehr hatten und es gesetzlich verpflichtend war für Ehefrauen sich um das Heim und Kinder zu kümmern. In der BRD erst 1977 wieder abgeschafft. Dieses Hausfrauendasein ersparte dem Patriachat viel Geld, da sie ihren Lebensstandard halten konnte ohne Personal.
Ein weiterer Aspekt ist die Einsamkeit der Hausfrau durch die Konzentration auf die Kernfamilie und eine Art Boreout durch die technischen Errungenschaften der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Ein wirklich äußerst lesenswertes Sachbuch! Eine geschichtliche Entwicklung verknüpft mit den heutigen schier unerreichbaren Anforderungen an Mütter ausgelöst durch gesellschaftlichen Druck und eigen kreiertem Anspruch.
Fazit: Auch gekaufter Kuchen macht Kinder glücklich.
Dunkle Ecken ausleuchtend um Identität zu finden
Grenzgänge von Pajtim Statovci
Was bedeutet Heimat? Was Zugehörigkeit? Wer bestimmt wann und wo man ein Teil von wird? Und wann endet die rastlose Suche? Einiger dieser Fragen und noch viele mehr treibt den Protagonisten in dem Roman ‚Grenzgänge‘um. Es ist der Ich-Erzähler Bujar, der in Albanien groß wird und dem Elend mit seinem Freund Agir entschwinden will.
Nicht nur wegen der ärmlichen Verhältnisse, auch die sexuelle Orientierung hat im traditionell verhafteten Umfeld keine Chance auf Entfaltung.
Die beiden flüchten sich zunächst nach Italien und Bujars Flucht setzt sich dann durch die verschiedensten Länder und Städte fort. Nicht nur das, auch er selbst wechselt nach außen hin die Identitäten, mal täuscht er vor Italiener zu sein, mal eine Frau. Er traut sich, versteckt sich und vor allem sucht er sich selbst und seinen Platz. Letztendlich landet er in Finnland.
Dieses Buch beschreibt grandios die inneren und äußeren Grenzgänge, die der Protagonist durchmacht und nimmt uns mit. Bujar kämpft mit allen Tricks und Täuschungen nach außen hin und lässt uns an seinem inneren Aufgewühlten teil haben mit sehr klugen Gedanken.
Wahnsinnig gut erzählt und das auch noch verwoben mit albanischen alten Mythen, die der Autor hier gekonnt einflicht. Pajtim Statovci, 1990 im Kosovo geboren, wanderte mit 2 Jahren mit seinen Eltern nach Finnland aus. Nun ist er einer DER Nachwuchsautoren Finnlands und legt mit ‚Grenzgänge‘ aus dem Jahr 2016 einen tollen zweiten Roman vor, der nun auch in deutscher Übersetzung von Stefan Moster vorliegt.
In diesem Roman wird aufgezeigt was Anderssein bedeutet, was Ungleichheit ausmacht und wie Multikulturalität gelebt wird. Übrigens auch ein Roman, der Jugendliche zusagen könnte, die auch auf der Suche sind.
Ich wünsche dem Roman viele viele Leser! Er ist herausragend aus meiner Sicht.
Unglaublich, aber wahr!
Der Blauwal von Andreas Tjernshaugen
„Der Blauwal“ ist einer der spannendsten und faszinierendsten Tiere auf unserem Planeten. Kein Wunder, dass der Norweger Andreas Tjernshaugen sich dem Tier angenommen hat und nun ein großartiges Bilderbuch für ältere Kinder aus seinem gesammelten Wissen machte!
Es startet mit dem Lebenszyklus des Blauwals, wie er aufwächst, was er frisst und wie er lebt.
Es ist sehr detailliert beschrieben. Auch ein Vergleich zu anderen Walen, wie beispielsweise dem Pottwal, wird gezeigt. Apropos gezeigt, die Illustrationen von Line Renslebraten sind einfach grandios. Detailliebend und genau, da schaut man sich das Buch auch gerne mal ohne Text an. Der Text ist, aus meiner Sicht leider, recht klein geschrieben, sprich keine Erstleserschrift und gibt den Zeichnungen mehr Raum. Die Schrift hätte für die Grundschulzielgruppe ruhig einen ticken größer sein dürfen. Das Buch ist mit einer Altersempfehlung ab 8 Jahren eingestuft. Für das selbstständige lesen passt das gut, aber ich denke, wer sich für das Thema interessiert und vorgelesen bekommt, kann dies auch schon ab 6 Jahren anschauen und sich begeistern lassen. Früher erscheint mir schon recht schwierig. Im zweiten Abschnitt geht es dann um die Evolution und zeigt uns anschaulich wie der Wal vom Vierbeiner zum Wal wurde! Spannend!
Auch finde ich den folgenden Abschnitt gut in dem auf die fürchterliche Waljagd eingegangen wird. Wie sie immer weiter ausgebaut wurde und dann endlich in einem Walfangverbot 1966 mündete.
Abschließend gibt es noch ein Kapitel zum Jungwal mit dem das Buch begann und wie er in die Selbstständigkeit erwächst. Ach und zu allerguter Letzt gibt es noch ein paar Fakten, sehr hilfreiche für anstehende Tier-Grunschul-Projekte! Dort gibt es Infos zu Walrekorden und ein paar weitere spannende Fragen und deren Antworten.
Fazit: Uns hat das Buch bereichert und begeistert!











