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Rezensionen von liesmal:

Freundschaft zwischen Alt und Jung

Wir für uns von Barbara Kunrath

Ein graugrüner Hintergrund, darauf in einem zarten Orangeton Zweige mit fast durchsichtigen Blättern, in demselben Farbton drei Flecken wie Pinselstriche und darauf der Titel „Wir für uns“. Links und rechts unten auf den Ästen sitzen zwei unterschiedliche Vögel, die sich vorsichtig abwartend anschauen.

So habe ich das Cover gesehen, das mich neugierig gemacht hat auf das Buch von Barbara Kunrath. Sehr emotional erzählt sie die berührende Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft zwischen zwei Frauen, die sich kennenlernen, als beide in ihrem Leben an einem Wendepunkt angekommen sind und sich verloren und allein fühlen.
Josie begnügt sich seit mehreren Jahren damit, nur wenige Stunden in der Woche mit dem verheirateten Brent zusammen sein zu können. Mit knapp 40 Jahren wird sie schwanger. Brent hat Frau und Kinder und möchte kein weiteres Kind. Und Josie ist hin- und hergerissen von der Frage, ob sie ihr Kind bekommen möchte oder nicht. In dieser Situation lernt sie Kathi kennen. Kathi ist Anfang 70, war fünfzig Jahre mit ihrem Mann verheiratet, der jetzt gestorben ist. Ein Zufall führt die beiden Frauen zusammen und es braucht mehrere „Anläufe“, bevor sie spüren, wie gut sie sich gegenseitig tun. Endlich haben sie eine Person gefunden, die Zeit hat und sie versteht. Ihre Gespräche sind ein Geben und ein Nehmen. Sie können über ihre Sorgen sprechen, aber auch zuhören – und sich gegenseitig helfen.
Mir gefällt die Geschichte von Kathi und Josie sehr, weil eine wirkliche Freundschaft die beiden Frauen verbindet, eine Freundschaft, die nichts fordert, sondern einfach nur schön ist und für beide das Leben wieder lebenswert macht. Ein tolles Zeugnis dafür, dass Freundschaft nicht nach Alter fragt.
Sehr gern empfehle ich dieses Buch, dessen Geschichte nicht nur wunderschöne Lesestunden schenkt, sondern auch Trost und Zuversicht geben kann.

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Ich genieße die Vielfalt

Mein Sternzeichen ist der Regenbogen von Rafik Schami

Geburtstag, Lachen, Reisen, Geheimnis, Tiere, Sehnsucht – Zu diesen Themenbereichen sind in dem mehr als 300 Seiten umfassenden Buch von Rafik Schami etwa 30 Geschichten zu finden, wobei die erste Namensgeberin ist für den Buchtitel „Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“.
„Der hat doch die Weisheit mit Löffeln gefressen“, dachte ich so manches Mal beim Lesen – und das meine ich durchaus positiv, weil er so treffende Dinge mit einer ganz besonderen Note beschreibt.

Oft angereichert mit einem charmant verpackten Humor, sind hier wunderbare Erzählungen entstanden, die das Lesen zu einem besonderen Vergnügen machen und gute Laune verbreiten.
Die Protagonisten mit ihren Erlebnissen sind in verschiedenen Orten zu finden, drehen sich oft um die Liebe, aber auch Abschied, Tod und Trauer sind Themen für ganz unterschiedliche Geschichten, die großen Raum auch zum Nachdenken bieten. Diese große Vielfalt an gänzlich unterschiedlichen Erzählungen mit ihren ganz speziellen Besonderheiten habe ich genossen. Herzlich lachen konnte ich zum Beispiel bei der Geschichte „Die Entkopplung“, mitfühlen „Wie Herr Moritz die Welt bereiste“…
Den Namen Rafik Schami, der in seinen Geschichten auch Platz findet für seine Geburtsstadt Damaskus, werde ich mir merken. Sehr gern empfehle ich das Buch weiter.

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Sonnenstrahlen für dich und für mich

Ich schenk dir ein paar Sonnenstrahlen von Ingrid Boller

Ingrid Boller ist die Herausgeberin des Buches, dessen Cover eine Sonne mit vielen farbigen Strahlen zeigt und Wärme ausstrahlt. Der Titel „Ich schenk dir ein paar Sonnenstrahlen“ verspricht im Untertitel „Helle Gedanken für trübe Tage“. Das ist nicht zu viel versprochen. Weit mehr als 50 Geschichten, Zitate, Gedichte und Gedanken verschiedener Autor*innen, die Trost, Hoffnung und Zuversicht schenken, sind in diesem Buch vereint.

Schon der erste Blick ins Buch überrascht mich positiv, weil es sehr liebevoll gestaltet ist. Die Überschriften und die orangefarbenen Seiten mit den Sprüchen und Bibelzitaten sind in demselben Farbton gehalten wie die Sonne auf dem Cover. Auch dass die Geschichten und Texte oft sehr kurz, aber herzerwärmend sind und darüber hinaus eine große Aussagekraft haben, ist großartig. Ich bin ständig auf der Suche nach genau solchen kleinen Impulsen für die Arbeit in der Seniorengruppe in meiner Gemeinde, da habe ich dieses Buch als einen großen Schatz entdeckt.

Das Inhaltsverzeichnis am Anfang und ein ausführliches Quellenverzeichnis am Ende machen das Buch komplett. Mir gefällt es sehr gut und ich gebe gern eine Empfehlung für diese wärmenden Sonnenstrahlen, die ein wunderbares Geschenk sind – nicht nur zum Selberlesen, sondern auch zum Vorlesen.

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Die Vergangenheit ist Leere

Raumfahrer von Lukas Rietzschel

„Raumfahrer“. Der Roman von Lukas Rietzschel ist erschienen bei dtv. Wie schon in seinem ersten Buch „Mit der Faust in die Welt schlagen“ erzählt der Autor die Geschichte von Menschen, die „durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind…“
Jan ist der Hauptprotagonist der fiktiven Geschichte, lebt in Sachsen, und selbst, wenn er erst nach der Wende geboren wurde, ist sein Leben von den früheren Gegebenheiten und der Wende betroffen.

Auch in seiner Familie wird nicht viel gesprochen, schon gar nicht über die Vergangenheit zu Zeiten der DDR. Erst durch einen Pappkarton, den „der Alte“ – so wird der Mann im Rollstuhl genannt, den Jan als Betreuer zu den Untersuchungen im Krankenhaus begleitet – ihm eines Tages übergibt, könnte für Jan Licht in das Dunkel der Vergangenheit seiner Familie kommen…
Wieder hat der Autor Lukas Rietzschel, selbst erst nach der Wende geboren, eine so realitätsnahe glaubwürdige Geschichte geschrieben, dass ich aus dem Staunen nicht herauskomme. Sein Schreibstil ist packend und emotionsgeladen. Allein wie er mit dem Begriff „Raumfahrer“ Jans Familie beschreibt, ist einmalig.
„Das Krankenhaus schließt, wo Schule und Sportplatz waren, ist jetzt ein Supermarkt.“ Diesen Satz habe ich der Buchbeschreibung entnommen als Beispiel für die Trostlosigkeit und vielleicht auch Hilflosigkeit, die ebenfalls Raum in der Geschichte finden und großartig beschrieben werden.
Das Cover hat für mich etwas Bedrückendes und zeigt eine große Wirkung, ohne dass ich es mit Worten beschreiben könnte.
Mit großer Spannung hoffe ich auf eine weitere Geschichte des Autors. Begeistert gebe ich aus vollem Herzen meine Empfehlung für ein besonderes Buch.

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Bindungen

Schicksal von Shalev Zeruya

In ihrem Roman „Schicksal“ erzählt die in Galiläa geborene Autorin Zeruya Shalev die Geschichten der zwei Frauen Rachel und Atara, die durch die Vergangenheit schicksalhaft miteinander verbunden sind.
Rachel hat in jungen Jahren zusammen mit ihrem ersten Mann Meno in der Untergrundmiliz gegen die Engländer und für einen israelischen Staat gekämpft.

Die Vergangenheit hat sie nie losgelassen und sie ist immer noch davon überzeugt. Rachel und Meno – das hörte sich nach großer Liebe an…
Atara ist die Tochter von Meno und die Geschichte ihres Vaters liegt für sie vollkommen im Dunkel. Dabei würde sie so gern mehr erfahren…
Mit einem ungewöhnlichen, aber außerordentlich interessanten Schreibstil erzählt Zeruya Shalev eindringlich und meisterhaft das ungewöhnliche Kennenlernen von Rachel und Atara. Ein Näherkommen der beiden Frauen scheint nicht ganz einfach zu sein. Im Verlauf der Geschichte gefällt mir der gekonnte häufige Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit sehr.
Wenn mich beim Lesen auch manchmal das Gefühl beschlich, die Erzählung ziehe sich in die Länge wie ein Kaugummi, so bin ich doch im Nachhinein begeistert von der Art der Schilderung. Ganz langsam, aber dafür sehr ausführlich erfahren die Leser*innen so viele Dinge aus dem ganz persönlichen Bereich der beiden Hauptprotagonisten wie kein anderer.
Auch die Beschreibung der Familienmitglieder und der Umgang miteinander klingt manchmal zwar etwas befremdlich, ist aber immer unglaublich interessant.
„Schicksal“ ist ein Buch, das mich vieles gelehrt hat und das ich sehr gern weiterempfehle.

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Wenn man nicht mehr gebraucht wird

Die Frau im Park von Ella Janek

Eva heißt „Die Frau im Park“. Sie liebt ihren Beruf als Schauspielerin, hat sich nach der Geburt ihrer Tochter jedoch aus dem Geschäft zurückgezogen und will sich nach einigen Jahren wieder für eine Rolle bewerben. Doch das Schicksal stellt seine Weichen manchmal anders als erwartet.
Im ersten Kapitel beschreibt die Autorin Ella Janek die Situation, die dazu geführt hat, dass Eva sich die kommenden 15 Jahre ausschließlich und mit vollem Herzen um das Wohlergehen ihrer Tochter Alisa kümmert, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt.

Als Alisa von zu Hause auszieht, um in eine WG zu ziehen und ihr Studium zu beginnen, bricht für Eva eine Welt zusammen, ihr ganzer Lebensinhalt ist plötzlich weg und sie weiß nichts mit sich anzufangen. Ihr bleiben nur die Spaziergänge im Park…
Ella Janek ist es außerordentlich gut gelungen, Evas Gefühlswelt einzufangen und die Leere, die sie plötzlich umgibt aufzuzeigen. Der Schreibstil ist einfach, aber sehr bewegend und herzerwärmend. Mich hat die Geschichte von Anfang bis zum Ende gefesselt. Sie hat alles, was man von einem spannenden Liebesroman erwartet, aber das allein reicht nicht aus, um das Buch zu beschreiben. Es gibt viele Szenen und Situationen, die Zeit zum Verarbeiten brauchen und zum Nachdenken anregen - und ich entdecke Parallelen zu meinem eigenen Leben, die mir zeigen, wie realistisch die Geschichte ist.
Aus vollem Herzen kommt meine Empfehlung für dieses Buch.

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Gib mir mehr davon!

Die Frau im Park von Ella Janek

Die „Eiskalte Thriller-Box“ aus dem Audiobuch Verlag sorgt mit ihren zwei CDs für 15 Stunden spannende Unterhaltung. Insgesamt sind es sechs Thriller unterschiedlicher Art, in denen Mörder, Serienkiller, Geisterjäger, Stalker, Rächer und Psychopathen ihr Unwesen treiben und mich mal mehr, mal weniger – aber eher mehr – mit Gänsehaut versorgen.

Mit dieser Thriller-Box habe ich meine ersten Erfahrungen in Sachen Kurzkrimis zum Hören machen können. Davon bin ich begeistert, weil ich bei einer Hördauer von durchschnittlich zweieinhalb Stunden problemlos eine ganze Geschichte am Stück anhören kann. Einen weiteren Vorteil einer solchen Box sehe ich darin, dass ich mir einige der enthaltenen Bücher zwar nicht als einzelnes Buch kaufen würde, dass ich aber durch die „Zufallsbekanntschaft“ mit der Box Gefallen finden kann an Geschichten wie zum Beispiel der von Veit Etzold „Winter des Wahnsinns“. Dadurch habe ich entdeckt, dass auch Geister- und Fantasyromane durchaus ihren Thrill haben können. Mein Favorit ist „Augen ohne Licht“, eine Geschichte, die mir erst am Ende gezeigt hat, wie grandios sie ist.

Jede der sechs Thriller hat mich auf verschiedene Art gepackt und begeistert. Das trifft auf die Geschichten ebenso zu wie auf die Sprecher*innen. Für mich ist die Box ein Hörerlebnis der besonderen Art voller Abwechslung. Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr davon und empfehle die Box sehr gern weiter.

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Mal verliert man und mal gewinnen die anderen

Der Nachlass von Winner Jonas

„Der Nachlass“ von Jonas Winner ist ein Thriller aus dem Verlag Heyne.
Es scheint ein beträchtliches Vermögen zu sein, das Hedda Laurent zu vererben hat. Alle Familienmitglieder sind kurz vor ihrem Tod zusammengekommen, um Abschied zu nehmen.
Das Cover mit dem Titel in blutroter Schrift und dem dunklen Hintergrund lässt bereits darauf schließen, dass hier keine einfache Erbangelegenheit abgehandelt wird, auch wenn die Dokumentenmappe in dem schummrigen Licht darauf hindeuten mag.

Am Anfang des Buches ist die Übersicht über die Familie von Hedda Laurent zu finden, die mir eine große Hilfe ist. Ich mag die Zahl 13, doch in diesem Fall – 13 Familienmitglieder sind versammelt, aber nur eines soll das Erbe antreten – ist sie wohl eher keine Glückszahl.
Der Notar verliest das Testament, mit dem die Verstorbene bestimmt, dass die Hinterbliebenen insgesamt 27 Aufgaben lösen und dafür Punkte sammeln müssen. Am Ende kann nur eine Person siegen, die dann das Erbe antreten kann.
So harmlos, wie das „Spiel“ beginnt, bleibt es nicht lange…
Mich hat die Geschichte mit ihrem nicht alltäglichen Schreibstil von Beginn an gefesselt, auch weil der zeitliche Aufbau sehr ungewöhnlich ist. Als zentralen Punkt habe ich den Totensonntag gesehen, von dem aus das Geschehen in der Zeit oft nur stunden- oder auch tageweise vor- oder zurückgeht. Allerdings gibt es auch viele Szenen, in denen sich die Familienmitglieder an Situationen und Ereignisse erinnern, die weit zurück in der Vergangenheit liegen. So lernt man die Familie erst nach und nach immer etwas besser kennen.
Das Schummrige des Covers begleitet mich durch das gesamte Buch, ich hatte an keiner Stelle auch nur den kleinsten Lichtblick oder die geringste Vermutung. So war das Ende der Geschichte für mich eine wirkliche Überraschung. Mich hat das Buch begeistert und darum gebe ich sehr gern eine Leseempfehlung.

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Volle Palette an Gefühlen

In unseren Seelen der Schmerz von Virgil Kane

Vor einiger Zeit habe ich „In unseren Herzen die Welt“ gelesen, die Geschichte von vier jungen Menschen aus unterschiedlichen Schichten, die sich nicht kennen und deren Wege sich doch schicksalhaft kreuzen und in ein Sanatorium nach Luzern führen. Phil, Pete, Katy und Victor haben mich mit ihrer Geschichte begeistert und an das Buch gefesselt.

Inzwischen gibt es ein weiteres Buch des Schriftstellers Virgil Kane,

„In unseren Seelen der Schmerz“.

Auch wenn die erste Geschichte abgeschlossen ist, begegnet man hier wieder den Hauptprotagonisten. Diesmal erzählt der Autor, wie es ihnen ergangen ist in der Zeit von 2019 bis heute, wobei brandaktuelle Themen geschickt eingeflochten werden. So spielt auch die digitale Welt wieder eine große Rolle. Anders als im ersten Buch, in dem ich noch viele Dinge als fiktiv angesehen hatte, habe ich jetzt allerdings einen anderen Blick. Ich finde, nicht zuletzt durch die Pandemie, die selbstverständlich als Thema hier nicht ausgelassen wird, haben Internet und Digitalisierung heute einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Gerade auch im Hinblick auf Privatsphäre und Transparenz wird vieles in der Geschichte sehr verständlich beschrieben und lässt sich nicht einfach mit dem Begriff Fiktivität abhaken. An dieser Stelle fällt mir zum Beispiel die van-Pelt-Brille ein – eine grandiose Idee, vielleicht noch ein wenig utopisch, aber wie lange noch?

Mir hat auch dieses Buch mit seinen so unterschiedlichen Charakteren wieder viele abwechslungsreiche Lesestunden geschenkt und sehr gut, mit vielen Aha!-Effekten, unterhalten. Besonders gut und für die Lesequalität ein großes Plus im Vergleich zum ersten Buch sind für mich die vielen kurzen Kapitel, in denen die Ich-Erzähler abwechselnd zu Wort kommen. Das hat mir das Gefühl vermittelt, noch persönlicher eingebunden und näher am Geschehen zu sein.

Lachen, Mitfiebern, auch mal Weinen und ganz viel Mitfühlen und Staunen. All das bietet dieses Buch, das ich von Herzen gern weiterempfehle.

Übrigens: Es ist nicht zwingend notwendig, das erste Buch vorweg zu lesen. Auch wenn dies der Folgeband ist, werden viele wichtige Dinge des ersten Bandes hier erwähnt. Allerdings ist meine Meinung: Euch entgeht was, wenn Ihr das Buch nicht lest!

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Dunkle Wolken und wilde Lupinen

Die Bucht der Lupinen von Johanna Laurin

„Die Bucht der Lupinen“ aus dem Verlag Goldmann ist der Debütroman von Johanna Laurin. Titel und Cover lassen den Eindruck eines friedvollen Stückchens Erde entstehen – Neufundland. Wunderschön liegt das Haus am Meer, in dem Lou viele Jahre ihres Lebens verbracht hat. Das Bild lädt ein zum Träumen.

Aber der Schein trügt – tief in ihrem Inneren sieht es anders aus!
Nach dem Tod ihrer Großmutter reisen Anna und ihre beiden Schwestern nach Neufundland. Besonders Anna hatte eine innige Verbindung zu ihrer Großmutter, doch erst beim Auf- und Ausräumen wird ihr klar, dass sie nie etwas über das Leben und die Vergangenheit ihrer Großmutter erfahren hat. Können die Mädchen das Geheimnis lüften?
Durch alte Fotos und Aufzeichnungen beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die ihren Anfang nimmt im Hamburg der 1930er-Jahre. Louise war das Kind jüdischer Eltern. Nicht nur ihre Geschichte und mit ihr der Beginn einer großen, einer verbotenen Liebe wird sehr eindringlich geschildert. Das ganze dramatische Geschehen der damaligen Zeit erfahre ich hier hautnah, nachdem ich sofort mit hineingenommen werde in die Geschichte, die mir die ganzen Grausamkeiten, die Unbarmherzigkeit und die Unmenschlichkeit sehr bildhaft vor Augen führt. Aber auch die Arbeit der Menschen, die im Untergrund versuchen, gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen und sich dadurch selbst in größte Gefahr begeben, ist sehr eindrucksvoll und realistisch beschrieben. Johanna Laurin gelingt es, mich mit ihrem Schreibstil so zu fesseln, dass ich nicht selten das Gefühl habe, selbst Teil ihrer Geschichte zu sein.
Das Buch besteht aus zwei Erzählsträngen, die mit jedem Kapitel wechseln. Da ist einmal die Geschichte von Louise aus den 1930er- und den Jahren des Zweiten Weltkrieges, auf der anderen Seite ist es die Gegenwart mit Anna und ihren Schwestern in Sea Garden House in Neufundland. Es ist wirklich ein wunderschönes Stück Erde mit wunderbaren Menschen und vielen spannenden Erlebnissen.
Der Wechsel zwischen Zeit und Ort ist sehr gut gelungen. Durch die genauen Angaben zu Beginn der Kapitel habe ich mich schnell in dem jeweiligen Teil eingefunden. Großartig, wie die Erzählstränge langsam immer mehr miteinander verwoben werden, um am Ende zu einer einzigen großartigen Geschichte zu werden.
Das Buch sorgt nicht nur für wunderbare kurzweilige Lesestunden, sondern bietet ein wertvolles, wenn auch dunkles Stück deutscher Geschichte, aus der man lernen kann und sollte. Sehr gern empfehle ich das Buch weiter.

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