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Rezensionen von dorli:
Tod in Schmargendorf
Karla Blum hat sich als Handlungsort für ihren Krimi ein idyllisches Fleckchen in Berlin ausgesucht: Schmargendorf. Ruhe und Gelassenheit zeichnen den im südwestlichen Teil der Hauptstadt gelegenen Stadtteil aus - doch diese Beschaulichkeit ist trügerisch, denn hier wird gemordet! In der Wilmsbank wurde der Bankangestellte Jürgen Heuhausen erschossen.
Wanda Cameron, Buchhändlerin und Mitarbeiterin in der unweit des Tatortes ansässigen Krimibuchhandlung „Agatha“, fühlt sich - aufgrund ihres theoretischen Wissens über Mordermittlungen und dem aufmunternden Zuspruch ihrer Chefin - dazu berufen, dem Mörder des sympathischen Bankangestellten auf die Schliche zu kommen.
Geschickt nimmt Wanda ihr Umfeld unter die Lupe. Sie beobachtet hier und schnüffelt dort. Das sich direkt neben der Bank befindende Seniorenheim ist für sie genauso interessant wie der rätselhafte Mieter des Dachgeschosses über der Buchhandlung.
Die sympathische Buchhändlerin wurde für ihre Ermittlungen von der Autorin nicht nur mit einem detektivischen Spürsinn ausgestattet, Wanda verfügt auch über eine überschäumende Fantasie. Ihre Vorstellungskraft kennt keine Grenzen und sie malt sich die wildesten Szenarien in schillernden Farben aus, wenn sie einen Verdächtigen im Visier hat – das ist sehr amüsant und es macht großen Spaß, Wanda zu begleiten und ihr bei ihrer Spurensuche über die Schulter zu schauen.
Die Spannung braucht einen etwas längeren Anlauf, kann dann aber im letzten Drittel des Krimis auftrumpfen. Obwohl die Hobbydetektivin und auch der offizielle Ermittler - Hauptkommissar Yunos Kamat, der natürlich alles andere als begeistert von Wandas Alleingängen ist - sich sehr bemühen, scheint eine rasche Aufklärung des Falls lange Zeit unwahrscheinlich, denn Verdächtige haben Alibis und hoffnungsvolle Hinweise verlaufen immer wieder im Sande. Dann geschieht ein zweiter Mord und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse…
„Tod in Schmargendorf“ hat mir sehr gut gefallen. Der Krimi kommt zwar nicht mit atemloser Höchstspannung daher, kann jedoch mit einer liebenswerten Ermittlerin, viel Humor und einer großen Portion Lokalkolorit punkten.
Jules Verne
Jules Verne von Junkerjürgen Ralf
Jules Verne – seit meiner Kindheit liebe ich seine Abenteuergeschichten und bin auch heute noch ein begeisterter Leser seiner Romane. Da liegt es nahe, auch einmal zu einer Biografie zu greifen und sich über das Leben des französischen Erfolgsautors zu informieren.
Ich habe in dieser Biografie einen Mann kennengelernt, der das Schreiben zu seinem Lebensinhalt gemacht hat.
Er gilt als Begründer des wissenschaftlichen Romans, weil es ihm gelang, seine lebhafte Fantasie mit technischen und naturwissenschaftlichen Fakten zu kombinieren und diese spannend und kurzweilig zu erzählen. Ein kreativer Geist, dessen Texte auch heute noch populär sind, obwohl der damalige Wissensstand längst überholt ist.
Ralf Junkerjürgen - Professor für romanische Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg - ermöglicht dem Leser in diesem Buch nicht nur Einblicke in die persönlichen Lebensumstände und das Familienleben Jules Vernes, man wird auch detailliert mit dem Schaffen des Abenteuerschriftstellers bekannt gemacht. Junkerjürgen stellt dazu Vernes Werke aus seiner Hauptschaffenszeit zwischen 1862 und 1875 in den Mittelpunkt, thematisiert aber auch dessen Kindheit, seine Entwicklung und Arbeitsweise, das schwierige Verhältnis zu seinem Sohn Michel sowie die Weiterführung seines Werks nach seinem Tod durch Michel.
Junkerjürgen geht ausführlich auf die herausragendsten Romane Vernes ein. Neben einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung gibt der Autor Auskunft über die Entstehungsgeschichte der Werke, erklärt die politischen und wissenschaftlichen Hintergründe sowie die gesellschaftlichen Einflüsse, nennt technische Errungenschaften, die Verne inspiriert haben, und ergänzt all diese Aspekte mit eigenen Interpretationen und zusätzlichen Erklärungen.
Auch die wichtigsten Wegbegleiter Vernes werden vorgestellt. Menschen, die ihn beeinflusst, geprägt, gefördert und unterstützt haben. Dazu gehören Jules Vater Pierre und bekannte Schriftsteller wie Alexandre Dumas, James F. Cooper, E.T.A. Hoffmann oder auch Edgar Allan Poe. Den Fokus legt Junkerjürgen hier auf die jahrelange freundschaftliche und sehr einträgliche Zusammenarbeit mit dem Verleger Pierre-Jules Hetzel.
Nicht nur die interessanten und vielfältigen Informationen rund um Jules Vernes Leben und Wirken haben mich begeistert, auch die Aufmachung des Buches ist hervorragend gelungen. Die anspruchsvollen aber gut verständlichen Inhalte werden ansprechend präsentiert und sind mit zahlreichen Abbildungen und Fotos versehen. Zudem befinden sich im Anhang eine Zeittafel und ein Werkverzeichnis sowie ein Literaturverzeichnis und ein Personenregister.
Eine genauso spannende wie unterhaltsame Biografie - empfehlenswert für alle, die sich über Jules Verne, sein Werk und die Welt, in der er gelebt hat, informieren möchten.
Tidetod
Tidetod von Gerd Kramer
Husum. Ein Serientäter treibt in der nordfriesischen Küstenstadt sein Unwesen. Ein Mörder, der einerseits keine Skrupel kennt und nicht davor zurückschreckt, seinen Opfern ein qualvolles Ende zu bescheren, andererseits aber immer darauf bedacht ist, jedem Einzelnen eine Chance zu bieten, dem Tod durch mutiges Handeln zu entgehen.
Die Kommissare Flottmann und Hilgersen stehen vor einem Rätsel. Sie haben es mit einem äußerst raffinierten Täter zu tun, dessen Vorgehen ausgeklügelt und bis in kleinste Detail durchgeplant ist. Er hinterlässt keine Spuren. Eine Verbindung zwischen den Leidtragenden scheint es nicht zu geben und auch ein Motiv nicht erkennbar…
„Tidetod“ ist bereits der zweite Fall für den aus dem Rheinland stammenden Hauptkommissar Waldemar Flottmann und dem Husumer Urgestein Kommissar Gustav Hilgersen, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis des vorherigen Bandes bestens verständlich.
Gerd Kramer versteht es ganz ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein hohes Level zu katapultieren. Der Krimi wird fesselnd erzählt und entwickelt rasch einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.
Unterschiedliche Perspektiven geben dem Leser die Möglichkeit, das Geschehen umfassend zu verfolgen. Man lernt den Mörder kennen und erfährt, wie er tickt und was ihn antreibt; man ist dabei, wenn die Opfer in einer fast ausweglosen Situation um ihr Leben kämpfen und man erlebt natürlich auch die Ermittlungen der Kommissare hautnah mit. Wieder mit von der Partie ist auch Leon Gerber, dessen besondere Gabe – ein hochsensibles Gehör – auch in diesem Krimi wieder zum Einsatz kommt.
Der Kriminalfall ist verzwickt und hält sowohl für Flottmann und Hilgersen wie auch für den Leser einige Überraschungen bereit. Ich konnte durchweg prima mit den beiden mitgrübeln und miträtseln und habe bis zum Ende nicht geahnt, wer hier seine kriminellen Finger im Spiel hat.
Neben der sehr spannenden Krimihandlung trägt auch das humorvolle Miteinander der Kommissare zur Unterhaltung bei. In den Dialogen zwischen Flottmann und Hilgersen wird gefrotzelt und gestichelt - es ist einfach herrlich, den beiden zuzuhören.
„Tidetod“ hat mir sehr gut gefallen. Eine tolle Mischung aus hochgradiger Spannung und einem großartigen norddeutschen Humor. Absolute Leseempfehlung!
Die Frauen am Fluss
Die Frauen am Fluss von Webb Katherine
In ihrem historischen Roman „Die Frauen am Fluss“ entführt Katherine Webb den Leser in das Jahr 1922. Schauplatz der Geschichte ist das kleine, im Südwesten Englands liegende Dorf Slaughterford.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:
Die 24-jährige Irene stammt aus wohlhabendem Hause, hat sich aber durch die Affäre mit einem verheirateten Mann ins gesellschaftliche Aus katapultiert.
Sie hat daraufhin kurz entschlossen den Papiermühlenbesitzer Alistair Hadleigh geheiratet und ist ihm in die abgelegene Grafschaft Wiltshire gefolgt, kann sich aber nach ihrem mondänen Leben in London nur langsam an das Landleben gewöhnen. Sowohl Nancy, die Tante ihres Ehemannes und bisherige Hausherrin auf der Manor-Farm wie auch die misstrauischen Dorfleute machen es Irene schwer, sich einzuleben.
Die 15-jährige Pudding Cartwright arbeitet als Stallmädchen auf der Manor-Farm. Die aufgeweckte Tochter des Dorfarztes hat es nicht leicht, sie sorgt sich um ihre demente Mutter und ihren aus dem Ersten Weltkrieg körperlich und psychisch versehrt zurückgekehrten Bruder Donny.
Die 17-jährige Clemmie wächst auf der Weavern-Farm auf. Clemmie ist stumm und gilt deshalb als ein wenig zurückgeblieben. Doch die junge Frau, die gerne tagträumend durch die Gegend streift, ist alles andere als einfältig. Sie verliebt sich in einen Mann, den sie nicht lieben darf, denn Eli Tanner kommt aus einer Familie, die als übler Haufen verschrien ist, weil sie stehlen und morden und sich nicht anpassen wollen.
Katherine Webb nimmt sich viel Zeit, den Leser mit dem idyllisch gelegenen, kleinen Ort vertraut zu machen - Landschaft, Natur, das Dorf und seine Bewohner werden fast ausschweifend beschrieben und geschildert, so das man sich zwar ein gutes Bild von den Besonderheiten des Landstrichs, den lokalen Begebenheiten, den einzelnen Akteuren und ihren Beziehungen zueinander machen kann, die eigentliche Handlung aber zunächst einmal nicht richtig in Schwung kommen will. Erst als bei Bauarbeiten eine uralte Puppe gefunden wird und (nach fast 200 Seiten) der im Klappentext angekündigte Mord geschieht, kommt die Geschichte richtig in Schwung.
Als Puddings Bruder in Verdacht gerät, Alistair Hadleigh brutal ermordet zu haben, macht sich das verzweifelte Mädchen gemeinsam mit Irene daran, die Wahrheit herauszufinden, um Donnys Unschuld zu beweisen. Die beiden geraten dabei in einen Strudel dunkler Geheimnisse und bringen schließlich erschütternde Tatsachen ans Tageslicht.
„Die Frauen am Fluss“ hat mir sehr gut gefallen – ein Roman, der nach einem etwas verhaltenen Start mit einer mitreißenden Handlung aufwartet und den Leser einen Blick auf das trügerische Idyll eines kleinen englischen Dorfes und die dort lauernden Abgründe menschlicher Moral werfen lässt.
Das Weingut. In stürmischen Zeiten
Das Weingut. In stürmischen Zeiten von Marie Lacrosse
Weißenburg im Elsass, 1870. Der 19-jährige Franz Gerban, Sohn eines deutschen Weinhändlers und einer französischen Mutter, kehrt nach längerer Abwesenheit auf das Anwesen seiner Eltern zurück und trifft dort das Dienstmädchen Irene. Irene und Franz verlieben sich ineinander, doch das Schicksal meint es nicht gut mit den beiden.
Standesdünkel und vor allen Dingen der Ausbruch des Krieges stehen ihrem Glück im Weg…
In ihrem historischen Roman „Das Weingut. In stürmischen Zeiten“ entführt Marie Lacrosse den Leser in die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges und wartet mit einer spannenden Mischung aus Historie, Familiensaga und Romantik auf.
Die Autorin hat eine Fülle wahrer Begebenheiten in ihre Geschichte eingeflochten und zeichnet damit ein vielschichtiges und sehr glaubwürdiges Bild von Zeit und Ort. Vieles, was die Elsässer im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts tatsächlich beschäftigt und bewegt hat, findet man in der Handlung wieder, so dass man als Leser eine recht genaue Vorstellung davon bekommt, was die Menschen damals in der Region alles durchgemacht haben. Nicht nur der Krieg wird von Marie Lacrosse in all seinen grausamen Facetten dargestellt - sei es nun das Schlachtengetümmel, die miserable Versorgung der Verwundeten oder auch die Schwierigkeiten der Versehrten, nach dem Krieg wieder ein normales Leben zu führen – auch der Alltag und die Mentalität der Menschen werden lebensnah geschildert. Die Stellung der Frau ist genauso Thema wie die Ausbeutung der Dienstmädchen und die zum Teil katastrophalen Arbeitsbedingungen der einfachen Leute.
Marie Lacrosse erzählt sehr anschaulich, jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd, so dass ich mir nicht nur die Handlungsorte und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen konnte, ich konnte auch durchweg prima mit den Akteuren mitfiebern.
Die Autorin macht es ihrer Hauptprotagonistin nicht leicht. Irene ist im Hause Gerban ständigen Intrigen und Schikanen ausgesetzt. Besonders Franz’ boshafte Schwester Mathilde macht ihr das Leben mit immer neuen Gemeinheiten schwer. Auch Hausherr Wilhelm, der anfangs freundlich und zuvorkommend wirkt und es gut mit Irene zu meinen scheint, zeigt im Verlauf der Handlung sein wahres Gesicht. Er entwickelt sich zu einem Scheusal und hindert Franz’ gutherzige Mutter Pauline daran, ihre schützende Hand über Irene zu halten…
„Das Weingut. In stürmischen Zeiten“ hat mir sehr gut gefallen. Eine gut ausbalancierte Mischung aus Historie und Familiengeschichte, die mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.
Fischland-Angst
Fischland-Angst von Corinna Kastner
Wustrow/ Fischland. Während eine Einbruchsserie die Fischländer in Atem hält, hat der Künstler Matthias Röwer ganz andere Sorgen: Seine Frau Greta wurde entführt! Obwohl Greta auch nach der Übergabe eines Lösegeldes nicht freigelassen wird, ist Matthias strikt dagegen, die Polizei einzuschalten.
Stattdessen bittet er Kassandra und Paul, sich der Sache anzunehmen…
„Fischland-Angst“ ist bereits der fünfte Fall für die Pensionsbesitzerin Kassandra Voß und den Fischland-Experten und Schriftsteller Paul Freese, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich. Corinna Kastner verbindet in diesem Buch ihre bisherige Krimiserie rund um Kassandra und Paul mit ihrem "aus der Reihe getanzten" Küstenkrimi „Bodden-Tod“, in dem Greta und Matthias die Hauptrollen spielen.
Corinna Kastner hat ein gutes Händchen dafür, das Leben auf dem Fischland und den Alltag ihrer Protagonisten sehr realitätsnah darzustellen. Die Akteure wirken allesamt echt und lebendig, sie agieren und reagieren glaubwürdig und nachvollziehbar. Obwohl ich Kassandra und Paul erst mit diesem Krimi kennengelernt habe, hatte ich schnell dass Gefühl, mit ihnen und ihrem Umfeld vertraut zu sein.
Der Kriminalfall ist knifflig und hat durch unerwartete Ereignisse und eine faustdicke Überraschung eine große Portion Spannung im Gepäck. Geschickt lenkt die Autorin den Blick des Lesers während der Ermittlungen in unterschiedliche Richtungen, so dass man prima über Motiv und Täter miträtseln und mitgrübeln kann.
Nicht nur die Krimihandlung, auch das Miteinander und Gegeneinander der Akteure ist sehr spannend. Besonders interessant wird das Zusammenspiel, als Kassandra und Paul dem Täter auf die Spur gekommen sind und das weitere Vorgehen für Zwietracht unter den Ermittlern sorgt. Ein Dilemma, dass nicht nur bei den Beteiligten für heftige Diskussionen sorgt, sondern auch den Leser zum Nachdenken bringt.
„Fischland-Angst“ hat mich durchweg begeistert – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Krimi, der mit einem spannenden Kriminalfall, einer malerischen Kulisse und einem alten Familiengeheimnis aufwartet.
Unter dem Abendstern
Unter dem Abendstern von Corinna Kastner
Grundschullehrerin Katja Berger wird von ihrer Freundin Carola eingeladen, die Weihnachtsfeiertage mit ihr und ein paar Kollegen in einem Ferienhaus in Dänemark zu verbringen. Katja sagt spontan zu und freut sich über die Möglichkeit, die Feiertage fernab von ihrem Elternhaus verbringen zu können und so weiteren Vorhaltungen bezüglich ihrer Berufswahl zu entgehen.
Im Ferienhaus angekommen, erlebt Katja eine Überraschung - Nickolas Risch, ein ehemaliger Schulkamerad, für den Katja damals heimlich geschwärmt hat, ist ebenfalls mit von der Partie…
„Unter dem Abendstern“ ist der vierte und letzte Teil von Elisabeth Büchles Winter-Roman-Reihe, die Geschichte in diesem Buch ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.
Elisabeth Büchle erzählt hier eine sehr tiefgründige Geschichte, in der es um Selbstzweifel, Freundschaft und Toleranz geht. Es gelingt der Autorin ganz ausgezeichnet, dem Geschehen trotz der gewichtigen Themen durch viele frische, wortwitzige Dialoge eine wunderbare Leichtigkeit zu geben.
Sehr gut gefallen hat mir, dass im Verlauf der Handlung die Perspektive mehrfach zwischen Katja und Nick hin und her wechselt, so dass man als Leser Einblick in die Gedanken und Empfindungen beider Akteure bekommt.
Sowohl Katja wie auch Nick tragen eine Menge Ballast aus früheren Zeiten mit sich herum, der beide davon abhält, ihre Gefühle zu offenbaren und ihrer Liebe eine Chance zu geben. Während Katja sich von den negativen Erfahrungen aus ihrer Kindheit bereits weitestgehend befreit hat und ihr Leben nicht mehr von der Vergangenheit bestimmen lässt, steckt Nick voller Zweifel. Er liebt Katja, fragt sich aber immer wieder, ob er der Mann sein kann, den sie verdient.
Neben den beiden Hauptprotagonisten spielt auch Nicks bester Freund Jeffrey eine wichtige Rolle in dieser Geschichte. Der IT-Experte erweist sich als wahrer Freund und hat mich damit, wie er die Dinge sieht und wie er sich auf seine ganz eigene Art in das Geschehen einmischt, immer wieder begeistert.
Herrliche Landschaftsbeschreibungen runden die Handlung perfekt ab. Man fühlt sich an die winterliche Nordseeküste Dänemarks versetzt, hat Wellen und Dünen vor Augen und kann die frostige Meeresluft fast spüren.
„Unter dem Abendstern“ hat mir sehr gut gefallen – eine kurzweilige, gefühlvoll erzählte Weihnachtsgeschichte, in der es darum geht, sich von den Dämonen der Vergangenheit zu befreien, damit man unbeschwert in die Zukunft blicken kann.
Die Stunde des Opfers
Die Stunde des Opfers von Carls Anna
Oldenburg. Die 36-jährige Rebekka Windmöller, Journalistin und alleinerziehende Mutter, hatte bisher immer Pech mit Männern. Jetzt glaubt sie, mit Dr. Jamal Aziz die große Liebe gefunden zu haben, doch dann verschwindet Jamal nicht nur plötzlich von der Bildfläche, Rebekka muss auch feststellen, dass er sich mit einer falschen Identität bei ihr eingeschlichen hatte.
Als sie kurz darauf eine ermordete Obdachlose auf ihrer Terrasse findet, ist der ermittelnde Kommissar Adrian Sandersberg davon überzeugt, dass Jamal der Täter ist. Das kann und will Rebekka trotz allem nicht glauben, doch dann erhält sie rätselhafte Nachrichten von Jamal …
Anna Carls hat einen sehr fesselnden Schreibstil, der den Leser schnell in das Geschehen hineinzieht. In mehreren Handlungssträngen begegnet man neben Rebekka und Hauptkommissar Sandersfeld ganz unterschiedlichen Leuten, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben. So lernt man den obdachlosen Django und den in einer Seniorenresidenz lebenden Hermann Treidel kennen. Man begegnet der Verkäuferin Rita Schütze, dem Eventmanager Wolfgang Mehring sowie Rebekkas Nachbarn Burkhard Schmitt und ihren Kollegen aus der Redaktion. Zudem gibt es im Verlauf der Handlung mehrere Briefe, die sich an eine Gloria richten.
Schon nach wenigen Seiten baut sich eine unterschwellige Spannung auf. Nicht nur, dass Rebekka herausfindet, dass Jamal Geheimnisse hatte, man spürt auch, dass die anderen Akteure irgendwie in den Fall verwickelt sind und der Mörder jeden einzelnen von ihnen im Visier hat. Immer neue Fragen und überraschende Wendungen sorgen für ein abwechslungsreiches, immer dramatischer werdendes Geschehen - den Leser erwartet eine spannende Spurensuche, bei der man durchweg prima über Zusammenhänge und Hintergründe grübeln kann.
„Die Stunde des Opfers“ hat mir sehr gut gefallen – ein Krimi, der mit einer abwechslungsreichen Handlung punkten kann und mir ein paar spannende Lesestunden beschert hat.
Der Alphabetmörder
Der Alphabetmörder von Lars Schütz
Bad Marienberg. Im Wildpark wird die grausam zugerichtete Leiche eines Mannes gefunden. Auf die Brust des Opfers hat der Täter ein A tätowiert. Jan Grall, operativer Fallanalytiker beim LKA Rheinland-Pfalz und seine Assistentin Rabea Wyler werden zu dem Fall hinzugezogen. Als noch am gleichen Tag zwei weitere verstümmelte Opfer, die mit B und C kennzeichnet wurden, aufgefunden werden, ist allen klar, dass sie es hier mit einem Serienmörder zu tun haben.
Erste Ermittlungen ergeben, dass die drei Toten alle beruflich etwas mit dem Schreiben zu tun hatten. Als die SOKO den Hinweis bekommt, dass die 32-jährige Tugba Ekiz vermisst wird, ist Eile geboten, denn bei der Vermissten handelt es sich um eine Deutschlehrerin…
„Der Alphabetmörder“ ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe rund um die beiden Profiler Jan Grall und Rabea Wyler.
Lars Schütz versteht es ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein hohes Level zu katapultieren. Der Thriller wird fesselnd erzählt und entwickelt einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.
Der Kriminalfall ist knifflig und mit einigen Wendungen und Überraschungen gespickt. Obwohl die Ermittler das Beuteschema des Täters schnell durchschaut haben, machen sie zunächst nur langsam Fortschritte. Es gibt weitere Tote und auch die Suche nach Tugba verläuft erfolglos.
Eine Extraportion Spannung bekommt der Thriller zum einem dadurch, dass Jans Vergangenheit für den Fall eine Rolle zu spielen scheint und er selbst in das Visier des Mörders gerät und zum anderen durch mehrere kurze Einschübe, in denen die Perspektive auf die entführte Tugba wechselt und der Leser erfährt, was die Lehrerin erdulden muss.
Immer neue Fakten und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und haben mir genauso wie die zahlreichen im Handlungsverlauf auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln über Zusammenhänge und Hintergründe, mögliche Motive und die Identität des Täters gegeben.
„Der Alphabetmörder“ hat mir sehr gut gefallen - ein Thriller, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.
Das Herz des Löwen
Das Herz des Löwen von Mac P. Lorne
In „Das Herz des Löwen“, dem zweiten Band der fünfteiligen Robin-Hood-Serie von Mac P. Lorne, geht es für den ehemals Geächteten aus dem Sherwood Forrest an der Seite von Richard Löwenherz auf einen Kreuzzug ins Heilige Land. Mac P. Lorne hat das Leben und Wirken Richard Löwenherz’ beginnend mit dessen Krönung zum König von England im Jahr 1189 in den Mittelpunkt dieser Geschichte gestellt und die historischen Fakten dieser Zeit mit einer spannenden fiktiven Handlung verwoben.
Schon nach wenigen Seiten entfaltet der Roman eine Sogwirkung, der man sich als Leser nicht entziehen kann. An der Seite von Robin und Richard geht es über Sizilien und Zypern nach Palästina. Der Autor erzählt sehr intensiv von den Erlebnissen der Kreuzfahrer – von den Strapazen und Entbehrungen in der sengenden Hitze, den Seuchen und dem Elend während der Belagerungen und auch von den Schrecken der Schlachten und Gefechte.
Als Robin als neuer Earl of Huntingdon nach England zurückkehrt, und erfährt, dass Prinz John Land und Leute ausbeutet hat und sich zudem weigert, dass Lösegeld für den mittlerweile in Österreich gefangen gesetzten Richard zu zahlen, macht er sich gemeinsam mit Richards Mutter Eleonore daran, die geforderte Summe zu beschaffen.
Mac P. Lorne hat einen angenehm flott zu lesenden Schreibstil. Der Autor versteht es ganz ausgezeichnet, historische Fakten durch farbenprächtige Beschreibungen, mitreißende Schilderungen und unterhaltsame Dialoge mit Leben zu füllen und den Leser auf eine abenteuerliche Reise mitzunehmen. Trotz wechselnder Schauplätze und einer Vielzahl an Personen kann man der Geschichte bestens folgen, da man sich Dank eines vorangestellten Personenregisters und einer informativen Karte schnell in der Welt der Kreuzfahrer zurechtfindet.
„Das Herz des Löwen“ hat mir sehr gut gefallen – der spannend erzählte Mix aus Historie und Fiktion hat mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert.










