Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Ich hatte zu viele Déjà-vu
The Crane and the Nightjar von Ada Bailey
Eigentlich wollte Zara Nightjar nur benötigtes Geld bei dem nicht ganz legalen Kartenspiel gewinnen, doch dann findet sie sich in einem der schlimmsten Gefängnisse wieder und muss in den Minen schuften. Als man sie aus der Zelle holt, wähnt sie sich schon auf dem Weg zur Hinrichtung, doch dann wird sie mit anderen Häftlingen in ein Spiel des Königs eingebunden.
Wer seine Aufgaben löst, dem winkt die Begnadigung.
Von der Welt, in der Zara lebt, lernt man zunächst nur ihre Heimat, das Königreich Raspa kennen, ein düsterer Ort voller Nebel. So werden auch die Magier dort Nebler genannt. Deren Magie ist endlich, jedes Mal, wenn sie eingesetzt wird, verliert der Magier einen Teil seiner Seele, und, ist sie ganz aufgebraucht, wird er zu einem menschenfressenden Monster, einer sogenannten Krähle. Magie kann auch weiterverkauft werden, so dass es Magier verschiedener Ordnungen gibt, je nach Herkunft ihrer Magie. Ob Zara eine Neblerin ist, erfährt man lange nicht.
Der Roman wird vorwiegend aus Zaras Perspektive, und der eines anderen Gefangenen, Crane, erzählt, jeweils in Ich-Form. Auch Crane wurde für das Spiel des Königs ausgewählt, er ist von Anfang an undurchschaubar, und sprach Zara schon vor ihrer Verhaftung an. Zwischen ihnen entsteht eine Art Hassliebe, gleichzeitig knistert es gewaltig.
Auch einige der anderen Häftlinge, die am Spiel des Königs teilnehmen müssen, lernt man näher kennen, nicht alles sind sympathisch, doch einige schon. Gleichzeitig muss man ständig gewahr sein, dass nicht alle überleben werden.
Es gibt einige Überraschungen, nicht nur für die Charaktere. Da es noch einen weiteren Band geben wird, ist die Geschichte am Ende des Romans noch nicht zu Ende erzählt. Ob ich den nächsten Band lesen möchte, weiß ich allerdings noch nicht sicher.
Denn ich hatte so meine Probleme mit dem Roman. Zum einen gibt es einige inhaltliche Fehler, so ist die Figur Flutter zur selben Zeit an verschiedenen Orten, und nein, das ist nicht ihre magische Fähigkeit, sondern ganz eindeutig ein Fehler, der eigentlich nicht passieren sollte. Noch gravierender für mich war allerdings, dass ich viel zu oft ein Déjà-vu-Gefühl hatte, vieles habe ich schon einmal gelesen, ich hatte fast das Gefühl als wären Versatzstücke aus anderen Romanen genommen worden und zu einem neuen Roman zusammengeworfen worden. Und dadurch war für mich auch vieles vorhersehbar, zum Beispiel auch der Plottwist gegen Ende.
Für mich wirkte zudem die Liebesgeschichte nicht authentisch. Ich bin generell kein großer Fan von Liebesgeschichten, doch wenn sie stimmig ist und zur Geschichte passt, ist es für mich okay. Hier wirkte es für mich sehr aufgesetzt, die Gefühle kamen bei mir nicht an.
Dennoch habe ich die Geschichte nicht ungern gelesen, die Welt und das Magiesystem sind interessant, es gibt Charakteren, denen ich gerne wieder begegnen würde, und ja, ein bisschen bin ich auch gespannt, wie es weitergehen wird. Ich werde also den zweiten Band vielleicht doch lesen.
Leider konnte mich der Roman, trotz interessanter Welt, Magiesystem und Charakteren, nicht richtig überzeugen, dafür hatte ich zu oft ein Déjà-vu-Gefühl, auch die Inhaltlichen Fehler störten mich, sowie die nicht überzeugende Liebesgeschichte. Wahrscheinlich werde ich den zweiten Band trotzdem lesen, denn ich bin neugierig, wie es weitergeht.
Hier regiert zu sehr der Zufall
Mord in der Wiener Werkstätte von Beate Maly
Wien, 1906: Lili Feigl lebt in armen Verhältnissen, der Vater ist zwar Künstler, trinkt und spielt aber, so dass er sich mit Fälschungen und schmuddeligen Bilder mehr schlecht als recht durchschlägt. Lili hat das Glück durch Zufall eine Stelle als Putzfrau bei den Frauen der Wiener Werkstätte zu erhalten.
Dort findet sie eines Tages eine Leiche.
Max von Krause stammt aus verarmtem Adel und arbeitet bei der Wiener Polizei. Er muss nicht nur einen Fälscher finden, auch ein verschwundener Ring und eine Leiche in der Wiener Werkstätte fordern seine Aufmerksamkeit.
Der Roman ist der Beginn einer neuen Reihe um Lili Feigl und Max von Krause. Die beiden haben mir gut gefallen, sie versuchen das beste aus ihrer Situation zu machen, haben aber auch Hindernisse zu überwinden. Gut gefallen hat mir auch das Setting, über die Wiener Werkstätte wusste ich bisher so gut wie nichts, jetzt habe mich über den Roman hinaus damit beschäftigt. Auch der weitere historische Hintergrund ist passend, vor allem das Leben der Frauen wird thematisiert.
Leider hat mir der Kriminalfall nicht gefallen. Am Anfang habe ich mich noch gespannt gefragt, was dahinter stecken könnte, miträtseln ist aber kaum möglich, da es so gut wie keine echten Ermittlungsergebnisse gibt. Hier spielt vor allem der Zufall eine Rolle, und das ist gar nicht meins, vor allem, wenn sich die Zufälle häufen. Auch die Auflösung selbst kann mich nicht überzeugen.
Leider basiert die Auflösung des Kriminalfalls für mich zu sehr auf Zufällen, nur das Setting und die Protagonist:innen konnten mir gefallen. Für einen Kriminalroman ist mir das persönlich zu wenig, da gibt es deutlich bessere, diesen hier kann ich daher nur eingeschränkt empfehlen
Leider wird öfter Spannung auf Kosten der Logik aufgebaut
Seelendämmerung von Dirk Trost
Die Investigativjournalistin Thyra König wird in der Dusche ihres Boxclubs überfallen, der Angreifer hat, wenn auch auf sehr kryptische Weise, eine Bitte an sie, sie soll Kinder vor einer Gefahr bewahren, näheres würde sie im Schlaraffenland erfahren.
Thyra fühlt sich vor allem wegen der gefährdeten Kinder angesprochen, recherchiert, und begibt sich mit Folkert Mackensen als Rückendeckung zunächst nach Berlin, denn dort könnte das erwähnte Schlaraffenland zu finden sein.
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Schon der Einstieg in die Geschichte hat mich den Kopf schütteln lassen, Thyra wird überfallen und lässt sich auf ein paar Satzfetzen des Angreifers ein? Schon das ist für mich nicht wirklich logisch, warum konnte sie der Mann nicht auf andere Weise ansprechen, warum wird sie zunächst auf eine Art Schnitzeljagd geschickt, obwohl Kinder in Gefahr sein sollen? Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt. Spannung wird hier leider öfter auf Kosten der Logik aufgebaut.
Sicher, dadurch kommen auch einige interessante Szenen zu Stande, denn in Berlin besucht Thyra den legendären Club Berghain, kommt , nicht nur, in Lebensgefahr, isst vergoldete Currywurst, und wird Mordzeugin. Letztlich führt der Weg dann nach Irland, dem Land, in dem Thyra aufgewachsen ist, wo sie, natürlich, wieder in Lebensgefahr gerät, und sogar, ganz unerwartet auch für die Leser:innen, jemanden trifft, den sie kennt – hier bin ich übrigens sehr unsicher, was ich davon halten soll, mal sehen, wie sich das weiterentwickelt, in beiden Reihen.
Thyra König ist nämlich die Tochter Jan de Fries‘, dem Protagonisten der anderen Reihe des Autors. Aus dieser Reihe stammt auch ursprünglich Folkert Mackensen, der mir hier besser gefällt als dort. Auch Thyra ist nicht unsympathisch, doch in meinen Augen oft zu unvorsichtig. Mackensen erscheint mir da etwas bedachter.
Auf gewisse Weise faszinierend finde ich die Settings, erst der Club, später dann die irische Insel, Valentia Island, die einiges zu bieten hat, hier aber ein bisschen zweckentfremdet wird. Denn dort geschieht heimlich und leise etwas Ungeheuerliches, in dem sich Thyra bald mittendrin befindet.
Der zweite Band um Thyra Königs ist spannend, bietet aber auch einige Möglichkeiten, den Kopf zu schütteln, für mich wird leider öfter Spannung auf Kosten der Logik aufgebaut. Trotzdem habe ich den Roman nicht ungern gelesen, vor allem wegen der interessanten Settings. Band 1 fand ich jedoch deutlich gelungener.
Zu viel Action, zu wenig historischer Background
Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen von Peter Dempf
Augsburg 1505: Jakob Fugger hat Probleme, seine Warentransporte werden überfallen und ausgeraubt, seine Boten ermordet, und dann hat sich auch noch König Maximilian angekündigt, der auf dem Weg zum Reichstag in Köln in Augsburg Halt machen will, und sicher ein großes Fest sowie eine Geldspritze erwartet.
Der Roman ist ein Nachfolgeband. Ich kenne den Vorgänger nicht, hatte aber keine Probleme, mich zurechtzufinden, denn die Geschichte ist eigenständig, es kommen aber Charaktere vor, die schon im vorherigen Band handelten. Neben Jakob Fugger sind das vor allem Afra und Herwart, die offenbar schon dort ermittelten und jetzt von Fugger wieder eingesetzt werden, sie sollen herausfinden, wer ihm schaden möchte. Auch einen der möglichen Gegenspieler:innen ist bereits im vorherigen Band aufgetreten, und macht hier eine sehr undurchsichtige Figur.
Die Perspektiven liegen meistens entweder auf Fugger, Afra oder Herwart. Leider muss man sagen, dass mir die Charaktere nicht wirklich nahe gekommen sind, und dass ich ihre Handlungen oft nicht nachvollziehen konnte. Immer wieder wird unlogisch, naiv oder nicht vorausschauend gehandelt, man kommt kaum aus dem Kopfschütteln heraus. Nur Jakob Fugger wurde im Verlauf des Romans für mich greifbarer. Über die Fugger wusste ich schon einiges, was hilfreich war. Es gibt ein paar richtig gute Szenen mit Jakob Fugger, zum Beispiel, wenn er in Betrachtung einer Kreuzspinne, die ihr Nest baut und Beute fängt, sich mit dieser vergleicht, wenn er einen Adeligen in die Schranken weist, oder wenn er jungen Kaufleuten klar macht, wie wichtig er selbst für Augsburg ist. Hier kommt auch das Historische des Romans zum tragen, das dem Roman sonst oft fehlt.
Denn dieser baut vor allem auf Action, dauernd kommt jemand in Gefahr, dauernd muss jemand gerettet werden, es gibt Verfolgungsjagden und viele Tote. Ohne den Hund, den Afra und Herwart meistens mit sich führen, und der auf den Namen „Fugger“ hört, wären die beiden aufgeschmissen, denn dieser kommt in der Regel zur Rettung geeilt und hat zudem eine der besten Hundenasen der Welt. Zu oft regiert hier außerdem der Zufall.
Ich mag historische Romane, die mich in vergangene Zeiten führen und gut recherchiert sind. Über die Recherche will ich hier gar nicht meckern. Peter Dempf ist selbst Augsburger, er kennt die Stadt wahrscheinlich gut und hat schon einige Romane geschrieben, in denen sie oder auch die Fugger eine Rolle spielen. Ich mag es aber nicht so gerne, wenn die Historie Platz machen muss für Action, wenn ich das Gefühl habe, ich lese einen Actionthriller, der halt in vergangenen Zeiten spielt. Spannend darf es schon sein, aber hier wird die Action einfach übertrieben und viele Szenen ähneln sich. Dazu die Charaktere, deren Handeln auch eher der Spannung als der Logik gewidmet zu sein scheint, und der regierende Zufall, das enttäuscht mich doch sehr.
Die Auflösung kann man nachvollziehen, den Umgang damit allerdings nicht. Am Ende hat mich der Roman doch eher genervt als unterhalten.
Ich wollte eigentlich einen guten historischen Roman lesen, bekommen habe ich einen Actionthriller im historischen Gewand. Der historische Hintergrund bleibt mir hier zu sehr im Hintergrund. Die Charaktere kommen mir nicht nahe, sie handeln oft nicht nachvollziehbar und es gibt zu viel Zufall.
Mit Vergnügen gelesen
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Marlene Buchholz soll die neue Vorstandsvorsitzende der Aviola werden, allerdings sind die Angestellten nicht so von ihren Führungsqualitäten überzeugt, so dass sie zunächst zu einem Achtsamkeitsseminar bei „Seelenflüsterer“ Alex Grow in dessen Brandenburger Schloss verpflichtet wird.
Alex Grow ist derzeit allerdings selbst nicht so ganz auf der Höhe, er hat Finanzprobleme, und neigt in letzter Zeit vermehrt zum Burnout.
Doch, wenn es ihm gelingt, auf Marlene einzuwirken, winkt ein Exklusivvertrag mit der Aviola, der seine Probleme beheben könnte.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Marlenes und Alex‘ Perspektive. Man bekommt eine gute Vorstellung vom jeweiligen Charakter, hat schnell ein gewisses Bild von ihnen, das sich im Verlauf des Romans allerdings ändern wird. Dazu tragen auch zwei weitere Charaktere bei, Günther Mattissen ist der Hausmeister des Anwesens, und erlebt gerade einen schweren Verlust, während Connie eine minderjährige Baumbesetzerin ist, die verhindern möchte, dass der Wald neben Grows Schloss gerodet wird.
Vielleicht gehen die Entwicklungen ein wenig schnell, aber so ist der Roman auch unterhaltsamer zu lesen, kompakt und dynamisch, und mit einer guten Brise Humor. Nicht fehlen darf dabei auch die Brandenburger Landschaft und eine bisschen Gesellschaftskritik.
Ich habe den Roman mit Vergnügen gelesen, die Charaktere sind pointiert gezeichnet, die Geschichte liest sich flott und unterhaltsam.
Interessantes Setting für den zehnten Band
Die Geister von Beelitz von Susanne Goga
Berlin 1929: Ein alter Freund Ernst Gennats bittet den Kriminalrat um Hilfe, da sein Neffe nach einem Aufenthalt in den Beelitz-Heilstätten spurlos verschwunden ist. Wie sich herausstellt, ist er nicht der einzige, der in den letzten Jahren von dort nicht nach Hause gekommen ist. Leo Wechsler begibt sich undercover als Patient nach Beelitz, während seine Kollegen in Berlin ermitteln.
Der zehnte Fall der Reihe widmet sich einem interessanten Ort, an den Tuberkolosekranke geschickt wurden, um sie, wenn möglich, wieder arbeitsfähig zu machen. Die Autorin erzählt sehr plastisch davon, wie es dort zugegangen ist, und weckt Interesse die damaligen Heilstätten zu besuchen und an einer Führung teilzunehmen.
Für Leo ist es nicht leicht, sich als Gesunder dort aufzuhalten, nicht, weil er Angst hat, sich anzustecken, die Gefahr besteht durch die hohen Hygienemaßnahmen offenbar kaum, sondern weil es ihm ein schlechtes Gewissen macht den wirklich Kranken gegenüber. Seine Ermittlungen erlauben es zudem nicht immer, den straffen Tagesplan einzuhalten. Die Gefahr, dass er jemandem auffällt, ist groß.
In Berlin müssen seine Kollegen die eher langweilige Routinearbeit leisten, Klinkenputzen und Aktensichten. Unabhängig voneinander macht man an beiden Orten verschiedene Entdeckungen, die zur Aufklärung führen könnten. Am Ende ist der Fall nachvollziehbar gelöst.
Familienszenen kommen in diesem Band im Vergleich zu den Vorgängern etwas zu kurz, man muss aber nicht ganz auf sie verzichten. So gibt es bei Leos Schwester Ilse eine Entwicklung, die sich schon im letzten Band andeutete und sich hoffentlich in einem nächsten Band fortsetzt.
Durch die in sich abgeschlossenen Fälle könnte man jeden der Bände unabhängig voneinander lesen, schöner ist es aber, das der Reihe nach zu tun, um all die privaten und beruflichen Entwicklungen der Familie und des Kollegenkreises mitzuerleben.
Der Roman lässt sich wieder prima lesen, man fliegt nur so durch die Seiten. Hin und wieder gibt es kursive Einschübe, die zunächst rätseln lassen, nach und nach aber eine klarere Vorstellung geben.
Der zehnte Fall der Reihe bietet wieder erstklassige Unterhaltung, einen spannenden Fall und ein interessantes Setting. Wer gerne historische Romane liest, ist bei dieser Reihe richtig.
Leider etwas verwirrendes Trilogieende
BRZRKR 3 von Keanu Reeves; Matt Kindt
Dieser Band beendet die Trilogie um den rätselhaften und unsterblichen B.
Die Geschichte bleibt weiterhin erwachsenen Leser:innen vorbehalten, sie ist brutal und blutig, und dies wird auch durch die, im übrigen gelungen Zeichnungen, transportiert. Bezüglich der Zeichnungen hätte ich mir aber gerade in diesem Band gewünscht, dass die soldatischen Charaktere unterscheidbarer gezeichnet worden wären.
Im zweiten Band spielte ein Soldat eine nicht unwesentliche Rolle, ob er in diesem Band auch mitspielte, wurde mir nicht ganz klar.
Bs Geschichte erhält einen gewissen Abschluss, wobei ich durchaus weiteres Geschichtenpotential sehe, und auch die Experimente mit ihm enden. Allerdings fand ich diesen Band auch verwirrend, so dass es für mich kein ganz gelungenes Trilogieende ist.
Nachdem mich die ersten beiden Bände schnell gepackt haben, ließ mich dieser etwas verwirrt zurück, das Lesen fand ich nicht einfach – schade.
Wunderbarer Roman über eine wunderbare Autorin
Astrid Lindgren von Susanne Lieder
Es wird wohl kaum jemanden geben, der den Namen Astrid Lindgren nicht kennt, die meisten dürften auch ihre Bücher oder deren Verfilmungen kennen. Doch, wer weiß etwas über die Person Astrid Lindgren? In diesem Roman erfährt man einiges über sie.
Der Roman erzählt die Jahre 1929 bis 1958, nicht durchgehend, sondern jeweils prägende Abschnitte.
Astrid wird jung schwanger und muss ihren Sohn in eine Pflegefamilie geben, da sie nicht für ihn sorgen kann. Lange kann Lasse dort nicht bleiben, schon 3 Jahre später muss Astrid ihn zu sich holen, obwohl das ihr Leben verkompliziert, macht es sie auch glücklich. Mit diesem Ereignis startet der Roman. Geschichten erzählen gehört von Anfang an zu der Beziehung zwischen den beiden dazu.
Später wird Astrid heiraten, Ihr Ehename ist Lindgren, und sie bekommt ein zweites Kind, eine Tochter, für die Astrid die Geschichten von Pippi Langstrumpf erzählt, und diese führen schließlich dazu, dass Astrids Geschichten verlegt werden. Ich fand diesen Weg schön und interessant zu lesen, ebenso die Entstehung einiger anderer Geschichten. Interessant ist aber auch ihr beruflicher Werdegang abseits des Geschichtenerzählens. Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen ihre Eltern und Geschwister, man erfährt einiges über sie und auch über Astrids Kindheit. Wer Bullerbü kennt, hat eine gewisse Ahnung von dem Ort, an dem Astrid und ihre Geschwister aufgewachsen sind, und an dem sich auch ihre Kinder sehr wohlfühlen.
Mir war Astrid sofort sympathisch. Sie behält auch als erwachsene Frau ihre kindliche Seite, tobt mit ihren Kindern, hat Spaß und ist albern, ich kann das sehr nachfühlen. Astrid macht aber auch viel mit sich selbst aus, so zum Beispiel Probleme in ihrer Ehe. Man lernt hier eine interessante, liebenswerte und liebevolle Frau mit großer Phantasie kennen.
Susanne Lieder ist es gelungen, mir die Person Astrid Lindgren sehr nahe zu bringen. Der Roman lässt sich wunderbar lesen, Astrid und ihre Welt wurden vor meinen Augen lebendig. Wer Astrid Lindgren als Autorin mag, wird wahrscheinlich auch dieses Buch mögen.
Originell, spannend und immer wieder überraschend
Deadly Ever After - Blut und Schnee von T. S. Orgel
Was passiert eigentlich nach dem Happy End eines Märchens? Eine, wenn vielleicht auch nicht die, Antwort erhält man in diesem Roman. Hier trifft man uf einige Märchen- und Sagenfiguren, und für manche ging es leider auf Dauer nicht glücklich weiter ...
Da ist zum Beispiel Katharina, auch als Schneewittchen bekannt, deren Ehe nicht ganz so glücklich wurde wie erhofft, und die nun 15 Jahre nach ihrem Happy End verwitwet ist.
Dafür hat sie jetzt ein Hobby, das anderen ihre Happy Ends verwehrt, nämlich Eroberungsfeldzüge.
Nicht jede:r ist findet das gut, und so entsteht nach und nach eine Rebellengruppe, die alles dafür tun will, Katharina zu besiegen. Wie es so ist, erleben die Mitglieder dieser Gruppe viele Abenteuer, mal gemeinsam, mal getrennt, bis sie schließlich vor Katharina stehen.
Ich mag Märchen, und ich mag die Werke der Gebrüder Orgel, dass beides einmal zusammenfällt, hätte ich mir vielleicht denken können, denn die Orgels überraschen immer wieder mit den Themen ihrer Romane. Im Roman gibt es einige Märchen- und Sagenfiguren zu entdecken und auch eine ganze Reihe Märchen- und Sagenmotive, ich habe nicht wenige entdeckt, aber wahrscheinlich auch genauso viele übersehen. Manche sind vielleicht auch ein bisschen anders als erwartet, und hinter anderen steckt mehr als gedacht, googeln lohnt sich deshalb hin und wieder.
Die Protagonist:innen sind ganz unterschiedlich, Tristan, Neffe des Baron Streich, der sich zu Beginn des Romans mitten in einer Schlacht gegen Katharinas Truppen befindet, ist zunächst sehr zögerlich und wirkt oft hilflos, wächst aber an seiner Aufgabe. Von Anfang an begleitet wird er von Linde, einer älteren Metzgerwitwe, die es faustdick hinter den Ohren hat. Unterwegs trifft man auf Hans, der offenbar allerhand hinter sich hat, einen Froschwandler und weitere Wesen, die man nicht immer gleich einschätzen kann. Am Ende hat Tristan eine illustre Gruppe um sich geschart, die selbst genug Fragen aufwirft.
Der Roman ist spannend und lässt sich zügig lesen. Was ihn aber vor allem auszeichnet sind die vielen Überraschungen, die man erlebt, wenig ist vorhersehbar, vieles anders als gedacht, manchmal aber auch doch nicht, Misstrauen ist oft angesagt, aber nicht immer begründet. Mir hat auch die Welt gut gefallen, die ebenso einige Überraschungen auf Lager hat.
Was mir auch gefällt ist, dass es ein Ende gibt, mit dem man zufrieden sein kann, dieses aber auch mehr als eine Möglichkeit für Fortsetzungen bietet. Ich wäre bei einem weiteren Teil sofort dabei.
Die Gebrüder Orgel haben wieder einmal einen besonderen Roman geschrieben, originell, spannend und immer wieder überraschend. Nicht nur Märchenfans werden hier gut unterhalten.
Wichtiges Thema
Demokratie am Limit? von Marc Raschke
Demokratien haben es dieser Tage nicht leicht, und das muss man noch nicht einmal weit weg schauen, auch bei uns in Deutschland steht sie mehr oder weniger auf der Kippe. Anfang 2025, vor der letzten Bundestagswahl, hat Marc Raschke mit seinem Buch „Du hast die Wahl“ bereits deutlich gemacht, was auf uns zukommen, und wie man das vielleicht noch vermeiden könnte.
Doch die Wahl ging dann aus, wie sie ausging, und so folgt nun dieses Buch.
Marc Raschke ist ausgebildeter Journalist, studierter Politik- und Kulturwissenschaftler, sowie Historiker, er kennt sich also aus. Dieses Buch ist ein Resümee der aktuellen Lage in Deutschland, leider ist ein Rechtsruck nicht zu bestreiten, und es wird immer schwieriger, sich ihm entgegenzustellen, da die aktuelle Politik eher das Gegenteil tut, Polemik und Polarisierung sind an der Tagesordnung, es wird nach unten getreten, statt nach oben geschaut, Themen, die wirklich unter den Nägeln brennen von populistischen und polarisierenden Narrativen überlagert, und Fortschritte rückabgewickelt.
Das Buch ist aber auch mehr als das, es zeigt auch auf, dass wir immer noch etwas tun können. Die Zivilgesellschaft muss laut und solidarisch bleiben, sich wehren und organisieren, Fakes und Lügen aufdecken. Marc Raschke gibt Argumente, Denkanstöße und Handlungsmöglichkeiten an die Hand, der Untertitel des Buches „Warum unser Vertrauen schwindet, und wie wir es zurückgewinnen“ macht Hoffnung.
Leider ist die Entwicklung in unserem Land keine, die man mit positiven Gefühlen begleiten kann. Ich bin sicher nicht die Einzige, die das mit Sorgen betrachtet. Vielleicht schaffen wir doch noch eine Kehrtwende, dieses Buch könnte auch ein Weckruf sein.











