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Rezensionen von Gertie G.:

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Die Wächterin von Köln von Petra Schier

Petra Schier entführt die Leser in ihrem historischen Roman "Die Wächterin von Köln" auf zwei Zeitebenen in das spätmittelalterliche Köln der Jahre 1396/97 sowie 1424.

Elsbeth führt ihr Bordell mit Umsicht und hat ein Herz für andere Außenseiter wie sie selbst. Besonders um Kinder, beiderlei Geschlechts, die sonst in der Gossen landen würden, kümmert sie sich.

Daneben ist die Dreh- und Angelpunkt einer Informationsbörse von der auch Mitglieder der offiziellen Stadtregierung profitieren.

Mit Johannes, dem Henker von Köln, und dem Gewaltrichter Vinzenz van Cleve hat sie Verbündete gegen verschiedene Missstände und Machenschaften.

Als dann Elsbeths Halbbruder Nicolai Golatti ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf seine junge Witwe Aleydis, die den gesamten Besitz erben soll, was zahlreichen anderen Familienmitglieder missfällt. Gemeinsam mit Johannes und Vinzenz muss Elsbeth zahlreiche Fäden ziehen, um Aleydis vor dem Todesurteil zu bewahren.

Meine Meinung:

Durch ihre penible Recherche lässt die Autorin ein ziemlich authentisches Leben in der ehemaligen römischen Stadt erstehen. Gut gefällt mir der Einblick in die mittelalterliche Rechtsgeschichte, in der weniger Menschen hingerichtetet worden sind als man meinen könnte. Es gibt hier nämlich den Brauch der Abbitte, mit den Delinquenten vor dem Tod retten. Straffrei kommen die Verurteilten nicht davon, bleiben aber am Leben. Das ist vielleicht nicht immer die bessere Lösung, wenn man die Kerker betrachtet, verhindert aber den Verlust der „Ehre“ des Verurteilten und seiner Familie.

Dieser historische Roman enthält neben der (Lebens)Geschichte von Elsbeth, auch jene des Henkers Johannes, sowie zahlreiche Querverbindungen zu den anderen historischen Romanen der Autorin. Dazu bedient sich Petra Schier einiger Charaktere, wie die der Apothekerin Adelina und der Lombarden aus den gleichnamigen Serien.

Interessant sind auch die Einblicke in das Bordell und das Geschlechtsleben dieser Zeit. Der Stadtrat gibt strenge Regeln für den Betrieb eines solchen Etablissements vor und regelt, wer es besuchen darf. Eigentlich will man damit ungezügelten Geschlechtsverkehr zwischen Unverheirateten eindämmen, weshalb Ehemänner ausgeschlossen sein sollten. Doch daran halten sich nicht alle. Sie dürfen eben nur nicht erwischt werden. Ein kleines Detail ist die Aufklärung und Einführung junger Männer durch Prostituierte. Ein Brauch, der bis ins 20. Jahrhundert durchaus üblich war. Ein Bekannter, Jahrgang 1950, wurde seinerzeit von seinem Vater in ein bekanntes Wiener Bordell geschickt.

Wie schon in den anderen Romanen ist die Hauptfigur eine starke Frau, die sich mit Grips und Chuzpe gegen das damalige Establishment auflehnt und sich behauptet.

Der bildhafte Schreibstil lässt das mittelalterliche Köln farbig und lebendig auferstehen. Mit so manchem überlieferten Mythos wird aufgeräumt. Durch die zahlreichen Wendungen wird der Spannungsbogen recht hoch gehalten.

Fazit:

Wer mittelalterliche Geschichten liebt, kommt hier auf seine Kosten. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Wühlt auf und macht wütend

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen von Caroline Darian

Als Caroline Darian am 2. November 2020 die Nachricht erhält, ihr Vater Dominique Pelicot sei, weil er im Supermarkt Frauen unter die Röcke fotografiert hat, von der Polizei festgenommen worden ist, weiß sie noch nicht, dass das bisherige Leben ihrer Familie in Trümmern liegen wird. Auf den sicher gestellten Mobiltelefonen, Laptop sowie Festplatten finden sich Filme und Fotos auf denen zu sehen ist, wie er seine augenscheinlich betäubte und damit wehrlose Ehefrau Gisèle von Dutzenden fremden Männern missbrauchen lässt.

In diesem Buch schreibt sich Caroline Darian ihre Wut, Trauer, Betroffenheit und anfänglichen Unglauben dieser monströsen Taten von der Seele. Sie beschreibt sehr anschaulich den Konflikt in den sie von den Taten des Vaters gestürzt worden ist. Nicht der Fremde ist der Täter, sondern der eigene Vater. Jemand, dem das Urvertrauen eines Kindes gilt, hat das für immer zerstört.

Sie bewundert ihre Mutter für ihre Stärke, die Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen, hadert aber gleichzeitig damit, dass Gisèle ihren Mann, wie es scheint, auch in Schutz zu nehmen versucht. Im Laufe ihrer Aufzeichnungen wird sich Caroline bewusst, welche Machtspiele ihr Vater noch aus dem Gefängnis heraus mit der Mutter betreibt. Er umgeht die Vorschriften, in dem er ihr Briefe über Umwege aus der Haft zukommen lässt und manipuliert einzelne Familienmitglieder.

Meine Meinung:

Dieses Buch, das unmittelbar vor dem Prozess, der im September 2024 begonnen hat, fertig gestellt worden ist, zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Auswirkungen das Verbrechen auf die gesamte Familie hat. Nicht nur auf das Opfer sondern z.B. auch auf die Enkelkinder, die ihren Großvater, der sich ihnen gegenüber liebevoll gezeigt hat, nie mehr wieder werden. Die Verbrechen zerstören nicht nur die Kernfamilie Pelicot, sondern durch die hohe Anzahl von (Mit)Tätern auch zahlreichen andere Familien.

Durch den mutigen Schritt von Gisèle Pelicot, die inzwischen von ihrem Mann geschieden ist und ihren Mädchennamen, der nicht genannt wird, wieder angenommen hat, diese an ihr verübten Verbrechen vor Gericht zu bringen, bliebt der Täter Täter (bleiben die Täter Täter). Die häufig angewandte Methode, dem Opfer mindestens eine Teilschuld zu geben, verfängt nicht. Die Beweise sind eindeutig. Wie Caroline Darian schreibt: „Die Scham bleibt beim Täter.“

Der Prozess, der in der Öffentlichkeit geführt worden ist, hat kurz vor Weihnachten mit Schuldsprüchen für Dominique Pelicot und rund 50 Mitangeklagten geendet. Pelicot ist zur Höchststrafe von 20 Jahren verurteilt worden.

Gisèle Pelicot ist für ihren Mut ihre Peiniger vor Gericht zu bringen, weltweit als Heldin gefeiert worden. Ob sie und ihre Tochter jemals ihren Seelenfrieden finden werden?

Ein wichtiger Schritt für Caroline Darian ist ihr Entschluss, den Täter nie wieder Papa zu nennen.

Fazit:

Diesem aufwühlenden Buch, das mich betroffen und wütend macht, gebe ich 5 Sterne.

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flott, frech und feministisch

Not your Darling von Katherine Blake

Die 20-jährige Trickdiebin Loretta, die sich die Überfahrt von England und Einreise in die USA erschlichen hat, trifft 1950 in Los Angeles ein, um in Hollywood Maskenbildnerin zu werden. Das ist interessant, denn die meisten jungen Frauen wollen Schauspielerin werden.

Doch wie zu erwarten, ist LA nicht unbedingt die Stadt in der Milch und Honig fließen.

Recht bald muss sie allerdings erkennen, dass die Traumfabrik überwiegend aus Sperrholzkulissen und übergriffigen Männern besteht.

Doch mit einer gehörigen Portion Chuzpe geht sie ihren Weg und nennt sich nun Loretta Darling. Ihr Wissen um bestimmte (Heil)Kräuter hilft nicht nur bei Blessuren aller Art, der Herstellung von besonderen Hautcremen und Lippenpomade.

Meine Meinung:

Dieser Roman erzählt von der dunklen Seite der Traumfabrik Hollywoods. In der vor allem Frauen ausgenützt, unter Drogen gesetzt und, sobald eine neue willfährige junge Schönheit erscheint, gnadenlos fallen gelassen wird. Doch Loretta, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat, ist bereit, sich auf ihre Weise zur Wehr zu setzen.

Der Roman ist ein interessanter Mix aus Zeitgeschichte und feministischer Literatur, der die Verlogenheit Hollywoods aufs Korn nimmt. Stellenweise ist der Roman bitterböse und bedient sich an Sex & Crime, um die Protagonistin ihre Ziele erreichen zu lassen.

Katherine Blake hat sich einige reale Ereignisse als Vorlage genommen. Dadurch entsteht, auch durch den opulenten Schreibstil, der wunderschön übersetzt worden ist, ein lebhaftes Bild des Moloch Hollywood.

Fazit:

Wer einen feministisch-bissigen Roman über die Abgründe in der Traumfabrik Hollywood lesen möchte, ist hier richtig. Gerne gebe ich diesem Buch 4 Sterne.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen von Anna Schneider

Dieser 5. grenzüberschreitende Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer hat es wieder in sich. Zunächst gibt es einmal in Bad Tölz einen tödlichen Autounfall, bei dem der Lenker in den Flammen seines Jaguars umkommt. Die Meinungen wieso, weshalb und warum es zu diesem Unfall gekommen ist, gehen bei Alexa Jahn und ihrem Kollegen Huber weit auseinander, zumal die Augenzeugin von ihrem Mann als nicht ganz glaubwürdig diffamiert wird.

Wenig später brennt ein Chalet, bei dem das afrikanische Au pair-Mädchen stirbt sowie ein Container in einer Flüchtlingsunterkunft. Doch nicht nur in Bad Tölz sondern auch in Innsbruck kommt es zu mehreren Brandstiftungen.

Ist hier ein grenzüberschreitender Feuerteufel am Werk?

Meine Meinung:

Dieser Krimi schließt ziemlich nahtlos an seinen Vorgänger („In den tiefen der Schuld“) an und löst das damalige plötzliche Verschwinden von Krammers Kollegin Roza Szabo auf.

Während Jahn in Deutschland und Krammer in Österreich den Brandstiftungen nachgehen, dürfen wir dem Feuerteufel mehrmals über die Schulter schauen. Das Motiv ist dadurch erkennbar und wir Leser wissen früher als die Ermittler, welchen Zusammenhang es zwischen den Brandstiftungen gibt. Nur wer dahintersteckt, ist noch ein Geheimnis, das in einer dramatischen Aktion von Bernhard Krammer enthüllt wird.

Der Krimi ist, durch seine, wieder bilateral angelegte Handlung. spannend. Das Tochter-Vater-Duo ergänzt sich sehr gut. Beide haben ihre Ecken und Kanten sowie Narben des bisherigen Lebens, erkennen aber ihre Gemeinsamkeiten, auch wenn sie sich erst vor einiger Zeit überhaupt kennengelernt haben. Diese Familienkonstellation ist recht interessant. Auch die anderen Charaktere sind gut gelungen. Alexa darf sich privat und beruflichen weiterentwickeln.

Anna Schneiders Schreibstil ist spannend. Ich habe den Krimi in einem gelesen, weil ich unbedingt die Auflösung wissen wollte.

Das Cover passt ausgezeichnet zu den vier vorherigen Büchern.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fünften Fall 5 Sterne und freue mich auf den 6. Fall, der Anfang 2026 erscheinen wird.

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Eine gelungene Fortsetzung

Ein Schimmern am Berg von Lenz Koppelstätter

Dieser 10. Krimi rund um Commissario Grauner ist ein wenig anders als seine Vorgänger, denn wir machen auch einen Sprung nach Amerika, wo Ispettore Salvatore Saltapepe und Ispettore Silvia Tappeiner gemeinsame Urlaubstage verbringen. Deswegen muss Grauner, der durch ein Missverständnis doch nicht in den vorzeitigen Ruhestand gehen kann, um sich um seine Ehe, die Kühe und die eventuell bevorstehende Hofübergabe zu kümmern, zu einem Tatort im berühmten Marmorsteinbruch von Laas fahren und muss auf die übliche Unterstützung der seiner Mitarbeiter verzichten und einigen Kleinkram selbst erledigen.

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Was ist passiert?

Annabel Reiterer, eine Bildhauerin aus Laas, ist von der Marmorschneidemaschine in Stücke geschnitten worden. Tatverdächtig der Fahrer dieser Maschine, der wie so viele andere auch, in die charmante Frau verliebt war. Blöderweise kann er sich an nichts erinnern, weil er zur Tatzeit sinnlos betrunken war.

Gemeinsam mit Staatsanwalt Belli, mit dem es immer wieder Missverständnisse gibt, weil sie höchst unterschiedliche Charaktere sind, muss Grauner den Fall lösen, der sich als ziemlich komplex erweist.

Neben dem weißen Marmor, der in alle Welt verschifft wird, ist der Anbau der köstlichen Marillen das zweite wirtschaftliche Standbein von Laas. Mit dem Fruchtfleisch sind einige Marmorblöcke des Steinbruchs beschmiert worden. Waren das die Gegner des Steinbruchs zu denen auch der Ehemann der Toten gehört? Und warum liegt Belli mit einer Vergiftung im Krankenhaus, nachdem er von den Früchten, die im Büro des Steinbruchs herumstehen, gekostet hat?

Als sich eine vage Spur nach Amerika ergibt, muss Saltapepe dieser nachgehen, weil er eh schon vor Ort ist. Dabei hat er ganz andere Probleme, denn ein Angehöriger der Neapolitanischen Mafia ist ihm auf den Fersen und entführt Silvia Tappeiner.

Meine Meinung:

Dieser 10. Fall zeigt einerseits, wie groß die Reichweite der Mafia ist und andererseits wie weit die Profitgier mancher Unternehmer geht.

Gut gefällt mir, dass sich Grauner und Belli zusammenraufen. Trotz aller Unterschiede haben sie doch einiges gemeinsam, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist. Lenz Koppelstätter versteht es wieder ausgezeichnet die Mentalitätsunterschiede der verschiedenen Regionen Italiens darzustellen. Hier die bodenständigen Südtiroler, dort die arroganten Römer oder Mailänder oder die Neapolitaner, die nichts außer Fußball im Kopf zu haben scheinen.

Mit dem Sidestep nach Amerika gibt Lenz Koppelstätter der Reihe eine dramatische Wendung, Wir werden sehen, ob und wie es mit Saltapepe und Tappeiner weitergeht.

Ich fürchte, das Ende der Reihe ist ziemlich nahe, denn Grauners Ehefrau Alba setzt ihm das (imaginäre) Messen an die Brust.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 10. Fall für Commissario Grauner wieder 5 Sterne.

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Eine Leseempfehlung!

Wechseljahre. Das Upgrade von Anke Sinnigen

Mit diesem Buch gibt Autorin Anke Sinnigen ihren Leserinnen Tipps und Werkzeuge in die Hand, um aufgeklärt und selbstbestimmt durch das Hormonchaos der Wechseljahre zu kommen.

In folgenden fünf großen Kapitel, die noch in Unterabschnitte geteilt sind, entstaubt die Autorin so manchen tradierten Mythos, der die Wechseljahre umgibt.

Sie beginnt mit grundlegenden Informationen sowie Zahlen, Daten und Fakten.

Wechseljahre: Die Basics
„Du muss da nicht durch!“ Wie du Symptome der Wechseljahre linderst
Gamechanger Ernährung
Gut vorbereitete auf neue Herausforderungen!
Jahre der Veränderungen und Entscheidungen

Das Buch ist auch für Frauen interessant, die ihre Wechseljahre schon hinter sich haben, denn manche Tipps zu Verbesserungen, wie medizinisches Krafttraining zur Vorbeugung von Osteoporose, lassen sich auch danach beginnen.

Manche Beschwerden werden auch von Ärzten nicht immer richtig zugeordnet, da in den Praxen kaum Zeit für eine detaillierte Anamnese ist. Hier unterstützt das Buch mit Tipps, damit richtige Diagnosen und entsprechende Abhilfe geschaffen werden kann.

Der seit Jahren, von Müttern, Leidensgenossinnen und Ärzten gepredigte Satz: „Wechseljahre, da musst du durch!“ kann getrost vergessen werden. Es gibt Abhilfe! Es ist möglich, durch Aufklärung selbstbestimmt durch das Hormonchaos der Wechseljahre zu kommen.

Das Buch ist verständlich und sehr gut gegliedert geschrieben. Ein bisschen Humor darf auch nicht fehlen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das für eine neue Generation von Frauen, die den Wechseljahren ein modernes Gesicht und ihrem Leben ein „Upgrade“ geben wollen, geschrieben worden ist, 5 Sterne

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Eine Leseempfehlung!

Drei Tage im Feuer von Christian Hardinghaus

Am 13. Februar 2025 jährt sich die Bombardierung Dresdens durch die Royal Air Force unter dem Kommando von Arthur „Bomber“ Harris (1892-1984) zum 80. Mal. Aus diesem Grund ist in der Reihe „Schicksalsmomente der Geschichte“ dieses Buch erschienen. Christian Hardinghaus, Historiker, profunder Kenner der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und Autor sowohl von Sachbüchern als auch von historischen Romanen hat hier einen fesselnden Roman geschrieben, der auf drei Zeitebenen nämlich 1945, 2000 und 2025 spielt.

Nach dem Prolog beginnt die Geschichte recht ungewöhnlich mit Bianca, die im Jahr 2000 einer linksradikalen Gruppe namens „Bomber Harris“ angehört, die, nach ihren Vorbildern der Roten Armee Fraktion einen Anschlag auf eine rechtsradikale Demo vor der Frauenkirche plant. Bianca hat Bedenken, könnten doch unschuldige Kinder Opfer werden. Die Aktion wird verraten und die Mitglieder der Gruppe zu Haftstrafen verurteilt. Nur Bianca, mit 17 Jahren die jüngste der Gruppe, kommt mit einigen Monaten Sozialarbeit und Resozialisierungsheim davon.

Im Rahmen des verordneten Sozialdienstes lernt sie die betagte Marta kennen, die die Tage des Feuers in Dresden miterlebt hat. Die beiden Frauen sind sich sympathisch und Bianca öffnet sich der alten Frau. Doch als Bianca in Martas Schlafzimmer ein Bild eines Wehrmachtsoffiziers in Uniform entdeckt, will sie von Marta nichts mehr wissen, weil sie Marta für eine Faschistin hält. Da kehrt sie lieber, ohne Marta Gelegenheit zu Erklärungen zu geben, in das Erziehungsheim zurück. Doch Marta gibt nicht auf.

Damit beginnt die Geschichte in der Geschichte, denn wir erfahren aus dem Leben der jungen Marta, die als Krankenschwester im von Flüchtlingen überfüllten Dresden ihren Dienst tut und wie Bianca einen geliebten Menschen verliert.

Als dann der 13. Februar 1945 anbricht, schwenkt Autor Christian Hardinghaus für einen kurzen Augenblick auf James, einen englischen Bomberpiloten, und seine Flugzeugbesatzung, die Dresden in Schutt und Asche legen sollen. Ihnen wird vorgegaukelt, Rüstungsbetriebe und Eisenbahnanlagen zerstören zu müssen. Doch als James entdeckt, dass er eine Stadt voll mit Frauen und Kindern vernichten soll, trifft er eine weitreichende Entscheidung, die zwar für das Gesamtergebnis keine Änderung bedeutet, aber für ihn ganz persönlich einen wesentlichen Unterschied macht.

Das Ende der Geschichte rund um die beiden Frauen in der Gegenwart birgt eine überraschende Wende, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde.

Meine Meinung:

Christian Hardinghaus, dessen Bücher über den Zweiten Weltkrieg ich alle gelesen habe, hat hier einen fesselnden historischen Roman geschrieben, der mich sehr berührt hat. Ich kenne zahlreiche Sachbücher, sowohl von britischen als auch von deutschen Historikern, über die Zerstörung Dresdens durch die Royal Air Force. Doch dieses hier bietet durch die geschickte Darstellung und Verquickung mehrerer Lebensläufe eine vielschichtige Betrachtung der Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven.

Im Nachwort finden wir zahlreiche Anmerkungen des Autors zu den oft kontroversiell geführten Diskussionen wie z.B. die Opferzahlen oder die Tieffliegerangriffe, von denen viele Überlebende berichten. Hier kommen die zahlreichen Interviews, die der Autor mit Zeitzeugen für seine Generationen-Buchreihe geführt hat, zum Tragen.

Die Charaktere sind, wie wir es von Christian Hardinghaus gewöhnt sind, vielschichtig und sorgfältig herausgearbeitet. Aufgefallen ist mir, dass die linke Gruppe „Bomber Harris“, der Bianca zunächst angehört hat, sich nur marginal von den verschiedenen Neo-Nazi-Gruppen unterscheidet. Beide schrecken vor Sprengstoffanschlägen nicht zurück und gehen bei ihren Aktionen buchstäblich über Leichen.

Der Autor beschreibt die Ereignisse des Februar 1945 sachlich und dennoch beeindruckend. Ich habe das Buch an einem Tage gelesen.

„Feuer kann sich leicht entzünden.“ wie der aus Syrien geflüchtete Uhrmacher seiner Kundin, die eine Nachfahrin einer Überlebenden der Bombenangriffe, im Epilog erklärt. Dazu braucht es in der aktuellen politischen Lage nicht viel.

Fazit:

Christian Hardinghaus beeindruckt mit seinem historischen Roman aus der Feuerhölle von Dresden 1945, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

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Kurzweilig

Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen von Emma Southon

Emma Southon hat hier ein kurzweiliges Buch über die lange Geschichte des Römischen Reiches geschrieben. Dafür teilt sie die Zeitspanne von rund 1500 Jahren in folgende vier Abschnitte und geht dem Gründungsmythos der Stadt („753 Rom kroch aus dem Ei“) nach. Archäologische Ausgrabungen auf dem Palatin lassen auf eine Besiedelung ab ca.

1.000 vor Christus schließen.

Das Königreich
Die Republik
Das Imperium
Spätantike

Wie im Titel angekündigt, erzählt sie die Geschichte dieses mächtigen (und dekadenten) Reiches an Hand von 21 Frauengestalten. Einige sind bekannter (wie Clodia, Boudicca, Zenobia oder Galla Placidia) und andere treten erstmals vor den Vorhang wie Tullia, der ihr Ehemann mittels eines Epitaph gedenkt oder Iulia Felix, die Geschäftsfrau in Pompeji.

Die Geschichten der Frauen sind vornehmlich von Männern wie Cicero, Catull, Livius oder Plinius überliefert und entsprechend gefärbt.

Ein grober Schnitzer ist mir im Kapitel „Tullia“ auf S. 128 aufgefallen: Hier wird das Jahr der Ermordung Caesars mit 45 v. Chr. angegeben. Das ist falsch. Caesar wurde 44 v. Chr. erstochen. Wem auch immer dieser Fehler anzulasten ist. Jedenfalls ändert sich dadurch die Abfolge der nachfolgenden Ereignisse: Denn Octavianus bildet ab 43 v. Chr. das Triumvirat mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus

Ich habe mir ehrlicherweise nicht die Mühe gemacht, alle Jahreszahlen zu überprüfen, vermute aber weitere Ungenauigkeiten, was sich auf die Bewertung auswirkt.

Der Schreibstil ist launig, manchmal ein wenig flapsig, rückt aber das Weltbild, das man von den Römern hat, ein wenig zurecht. Der Blick auf ein Römerlager ist für alle jene interessant, die ausschließlich marschierende Soldaten im Kopf haben. Da ich als Wienerin das Legionslager und die Zivilstadt im Archäologiepark von Carnuntum vor der Haustüre habe, ist mir auch das zivile Leben gut bekannt.

Zahlreiche Fußnoten säumen unseren Weg durch die römische Geschichte, die im Anhang aufgelistet sind.

Fazit:

Diesem kurzweiligen Buch über die lange Geschichte des Römischen Reiches an Hand von 21 Frauen gebe ich 4 Sterne.

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Macht betroffen!

Das Vogel-Tattoo von Dunya Mikhail

Die junge Jesidin Helen lebt mit ihrer Familie in Halliqi, einem kleinen abgelegenen Bergdorf im Nordirak. Als sie 2003 den Witwer Elias kennen und lieben lernt, verlässt sie das einsame Dorf und lebt mit ihm im nahen Mosul. Als Zeichen ihren Liebe lassen sich die beiden statt eines Eheringes ein Vogeltattoo stechen.

Elias ist Journalist und ist einer der ersten, der 2014 von den Männern des Daesh (IS) verschleppt wird. Helen lässt ihre wenige Wochen alte Tochter sowie ihre beide halbwüchsigen Söhne zurück und macht sich auf die Suche nach Elias. Dabei gerät sie in die Fänge der Terrororganisation und wird an verschieden Männer verkauft und systematisch misshandelt.

Auf abenteuerliche Weise gelingt ihr nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen die Flucht und die Rückkehr nach Halliqi, das inzwischen ein Fluchtpunkt für zahlreiche vom Daesh verfolgte Menschen ist. Elias bleibt weiter verschwunden und die beiden Söhne sind mittels Gehirnwäsche zu Mudschaheddin ausgebildet worden.

Meine Meinung:

Wir Leserinnen und Leser aus Mitteleuropa können uns das Leid der Menschen, die vom Daesh entführt, misshandelt, zwangsmissioniert, zwangrekrutiert und letztlich oft getötet werden, kaum vorstellen. Erinnerungen an die Erzählungen von brutaler Christianisierung und den Genozid während der NS-Diktatur werden wach. Und das alles im 21. Jahrhundert? Dieser Roman gibt dem Leid der Jesiden, die als christliche Religionsgemeinschaft gelten, eine fassbare Stimme. Helen steht stellvertretend für Tausende Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

Gekonnt wird der Kontrast zwischen dem friedlichen Zusammenleben der Menschen im unwirtlichen Gebirge im Nordirak und den Gräueltaten des Daesh dargestellt. Helens Familie lebt vom Obst- und Gemüseanbau, Feigen sind das wohl bekannteste Produkt. Ihr Vater ist als Beschneider ein geachteter Mann. Das hilft dann, als Helen mit ihren Kindern das Dorf verlassen kann.

Berührend sind die Szenen, als wir erfahren, dass Helen und Elias die Dorfbewohner jeglichen Alters im Lesen und Schreiben unterrichten. Das von Batterien betriebene Radio wird als Zauberkasten betrachtet. Mobiltelefone halten erst spät, und dann durch Flüchtlinge Einzug in Halliqi, erweisen sich aber dann als wichtiges Requisit, um die Menschen außer Landes zu bringen.

Der Roman betrachtet die unterschiedlichen Schicksal aus verschiedenen Perspektiven. Im Zentrum stehen stets Helen und ihre Familie, für die vielen tausenden Menschen, die ähnliche Schicksale teilen.

Fazit:

Diesem Buch, das mich sehr betroffen macht, gebe ich gerne 5 Sterne.

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Hier ist wenig, wie es scheint

Bitterer Hass von Angela Lautenschläger

Anwältin Theresa Sommer und KHK Lukas Kampmann wagen das Experiment eines „Generationenhauses“. Sie ziehen erstmals zusammen, übersiedeln mit Kampmanns betagten Eltern und seinem Bruder in ein Haus, das in Wohldorf, einen beschaulichen Hamburger Vorort liegt. Vor allem die unabhängige Theresa ist skeptisch.

So viel Familie auf einem Haufen? Kann das gut gehen? Noch kann niemand ahnen, dass das ungewohnte Zusammenleben das kleinste Problem sein wird und welche Schlangengrube sich hinter den mehr oder weniger gepflegten Gärten verbirgt.

Während sie versuchen, Ordnung in das Chaos der unzähligen Übersiedlungskartons zu bringen, wird Lukas Kampmann auf den örtlichen Fußballplatz gerufen: Sebastian Schramm, Trainer der Jugendmannschaft des FC Wohldorf ist erschlagen worden. Kampmann ist verwundert, dass niemand, nicht einmal die Familie Krüger, deren Sohn Leon nun in der Nachwuchsliga Fußball spielt, ein gutes Haar an dem Toten lässt.

Je mehr sich Kampmann und sein Team mit dem Toten beschäftigen, desto mehr Ungereimtheiten kommen ans Tageslicht. Warum erhielt Schramm von Karsten Beeken, einem Sponsor des Fußballvereins eine monatliche Zuwendung? Und warum haben sich die einstmals besten Freunde Schramm, Krüger, Kramer und Jensen zerstritten?

Gleichzeitig bekommt Theresa ihr erstes Mandat: Karsten Beekens Frau will sich scheiden lassen. Warum ausgerechnet JETZT? Und was hat es mit dem vergilbten Zettel auf sich, den Theresa in der Eckbank der Küche findet, auf dem nach Jytte Sundermann, einer jungen Frau, die vor dreißig Jahren verschwunden ist, gesucht wird? Und warum hat Theresa Sommer das Gefühl, dass in dieser Dorfgemeinschaft einige etwas zu verbergen haben?

Hier kommt nun Theresas Tante, Hedwig Fröhlich, ins Spiel, die mit ihr eine Anwaltskanzlei betreibt und mit einem sensiblen, detektivischen Gespür ausgestattet ist. Gemeinsam mit Taxifahrer Mustafa Yildirim haben Theresa und Hedwig in der Vergangenheit dazu beigetragen, Verbrechen aufzuklären.

Meine Meinung:

Wieder einmal habe ich den letzten, diesmal 5. Fall einer Krimi-Reihe zuerst gelesen, obwohl Band 1 bis 4 bereits auf dem Stapel ungelesener Bücher liegen.

Ich kenne die Autorin Angela Lautenschläger schon aus ihrer Reihe um Nachlasspflegerin Friederike Engel und KHK Nicolas Sander. Ihr Schreibstil gefällt mir sehr gut und dass ihre Bücher in meiner deutschen Lieblingsstadt Hamburg (und Umgebung) spielen, ist auch kein Nachteil.

Angela Lautenschläger nimmt sich hier eines spannenden Themas an: Dem Zusammenziehen zweier starker Persönlichkeiten, davon einer, mit schwer kalkulierbaren Arbeitszeiten. Um diese Situation noch ein wenig zu verschärfen, sind Lukas Eltern und sein Bruder Marc Teil der Hausgemeinschaft. Die Mutter bereits ein wenig dement und Marc ein Luftikus, was Freundinnen betrifft. Aus dieser ungewöhnlichen Familienkonstellation ergeben sich einige sowohl komische also auch berührende Momente. Allerdings bietet sie auch jede Menge Entwicklungspotential für alle.

Geschickt wird der Tod des Fußballtrainers in ein komplexes Beziehungsgeflecht der Dorfbewohner untereinander eingebettet. Am Ende wird vom scheinbaren Idyll wenig übrig sein.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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