Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gertie G.:
Familiengeheimnisse
Wiedersehen in Assam von Janet MacLeod Trotter
Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf die Teeplantage ihrer Eltern nach Indien. Es ist eine Zeit der Unruhe, denn die Grenzstreitigkeiten mit China schwelen wie manche andere Unruhe über den Plantagenbesitzern.
Doch das ist nicht das einzige, was Sammy den Aufenthalt vergällt. Zufällig enthüllt sie ein lange gehütetes Geheimnis ihrer Mutter, das alle außer ihr zu kennen scheinen.
Die Ferien enden im Streit und Sammy kehrt nach England zurück. Wird sie sich mit ihrer Mutter aussöhnen und jemals nach Indien zurückkehren?
Meine Meinung:
Ich habe vor kurzem eine andere Reihe der Autorin gelesen und habe mich ohne die Vorgänger der Assam-Reihe zu kennen, gleich zurechtgefunden. Das Konzept ist ähnlich: britische Teeplantagenbesitzer, das Geheimnis um eine nicht standesgemäße große Liebe inklusive einem unehelichen Kind, das man weggeben und verstecken muss, sowie ein neugieriges Familienmitglied, das dem Geheimnis auf die Spur kommt.
Vieles ist vorhersehbar, aber farbenprächtig erzählt. Manches aus meiner Sicht, ein wenig altbacken. Aber so sind sie eben, die britischen Feudalherren (und Damen). Oft steckt hinter dem großspurigen Gehabe ein dunkles Geheimnis.
Die meisten Charaktere sind ziemlich durchschaubar, aber nicht ungut.
Die junge Sammy wirkt stellenweise erwachsener als es für das angegebene Alter üblich ist.
Fazit:
Wer gerne historische Romane mit Intrigen, Herzschmerz und Vorurteilen vor einer exotischen Kulisse lesen möchte, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Eine interessante Biografie
Elizabeth Scheu Close von Judith Eiblmayr
Der Verlag Anton Pustet hat seit einiger Zeit Bücher über Architektinnen und Architekten im Programm. Diese Monografie beschreibt das Leben und Wirken der Architektin Elizabeth Scheu Close (1912-2011), die in Wien geboren ist. Ihre Mutter ist Jüdin, der Vater Sozialdemokrat. Sie lassen sich vom bekannten Architekten Adolf Loos ihre Villa in Hietzing, dem 13.
Bezirk von Wien eine moderne Villa bauen. Zu modern, wie die meisten Zeitgenossen sagen.
Diese Villa in der Larochegasse 3 wird den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstehen, mehrmals verkauft werden, ist aktuell im Besitz der Stadt Wien und steht unter Denkmalschutz.
Beeindruckt vom Sozialen Wohnbau des Roten Wien, beginnt sie 1930 als einzige Frau unter Dutzenden Männern an der TU Wien das Studium der Architektur. Wie sie später erzählt, hat man es ihr und den Studentinnen anderer Fakultäten nicht leicht gemacht. Sei es, dass man den jungen Frauen keine Toiletten zur Verfügung stellen wollte, oder sei es, dass man ihre Arbeiten um einiges strenger beurteilt hat. Weil sie aus einem jüdisch-sozialistischem Elternhaus stammt, wandert sie 1932 in die USA aus. Dort lernt sie ihren Studienkollegen Winston Close kenne, den sie 1938 heiratet.
Gemeinsam gründen das Ehepaar ein Architekturbüro. Sie werden zahlreiche Firmensitze, Geschäftsgebäude und Einfamilienhäuser planen und bauen. Um nach dem Zweiten Weltkrieg schnell ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, arbeiten sie mit Fertigteilhäusern. Bekannt sind auch ihre Gartensiedlungen, für die Immobilienspekulanten bestehende Arbeiterwohnviertel abreißen. Damit sollen Häuser für weiße, gut verdienende Familien errichtet werden.
Zeit ihres langen Lebens - sie wird fast 100 Jahre alt - schwingen die Entwürfe des sozialen Wohnbau im Roten Wien
sowie die einfache und klare Struktur eines Adolf Loos in ihren eigenen Arbeit mit.
Fazit:
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Zahlreiche Abbildungen aus dem Privatbesitz der Architektin, Pläne und Fotos ihre Studien bzw. errichteten Gebäuden vervollständigen dieses interessante Buch über Elizabeth Scheu Close, einer amerikanischen Architektin mit Wiener Wurzeln. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Fesselnd bis zur letzten Seite
Aschetod von Linda Castillo
Der 16. Fall für Chief Kate Burkholder wird recht schnell persönlich, als ihre Kollegen Mona Kurtz und Chuck Skidmore bei einem heimlichen Stelldichein, einen brennenden Scheiterhaufen entdecken, in dem ein Mann hilflos verbrennt, weil er an einen Pfahl gefesselt ist. Der Tote ist Milan Swanz, ein Amischer, der auf Grund zahlreicher Gewalttaten und anderer Verstöße gegen die amischen Vorschriften exkommuniziert worden ist.
Recht schnell gerät Kates Bruder Jacob in den Fokus der Ermittler, denn ein Zeuge berichtet von einem Streit der beiden, den er angeblich beobachtet haben will, was Jacob aber heftig bestreitet.
So wird muss Kate den Fall abgeben, da man ihr Vertuschung vorwirft. Das hält sie aber nicht ab, auf eigene Faust zu ermitteln. Als sie entdeckt, dass es in der Vergangenheit ähnliche Fälle von Morden an Amischen gegeben hat, scheint das Gerücht um eine abtrünnigen Gruppe von Amischen, die sich als Rächer sieht, neue Nahrung zu bekommen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann John Tomasetti verfolgt sie die Spur dieser Gruppe und weiß nicht, welches Risiko sie damit eingeht.
Meine Meinung:
Dieser 16. Fall für Kate Burkholder hat es in sich. Sie ist als Amische geboren, hat sich aber dann von der Gemeinschaft losgesagt. Sie kennt die Bräuche sowie die Glaubenssätze der verschworenen Gemeinde, die, obwohl Pazifisten, schon auch die eine oder ander Auseinandersetzung untereinander haben. Diese lösen sie aber intern und rufen nie, niemals die „englische“ Polizei zu Hilfe. Sie weiß, dass Milan Swanz massiv gegen die Regeln verstoßen hat, nur das ganze Ausmaß ist ihr zunächst nicht bekannt.
Kate ist toughe Chefin, die sich um ihr Team kümmert, weshalb man ihr auch während ihrer kurzen Auszeit die nötigen Informationen zum Fall Swanz zuspielt.
Völlig unaufgeregt erklärt Linda Castillo die Lebensgewohnheiten der Amischen. Die Autorin macht das recht geschickt, in dem sie Kate Burkholder ihren Chefs bzw. den Kollegen darüber berichten lässt. Das finde ich sehr interessant, denn über das Leben der Amischen weiß ich relativ wenig. Nachdem ich in dieser Reihe erst mit dem 15. Fall eingestiegen bin, muss ich mich langsam an den Beginn vortasten, denn mich interessiert, warum sie sich von den Amischen losgesagt hat.
Der Schreibstil ist fesselnd und dieser 16. Fall wird nach dem 15. nicht mein letzter Thriller sein, den ich von Linda Castillo, die mit einigen Amischen befreundet ist und daher weiß, worüber sie schreibt, lesen werde.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem fesselnden Thriller 5 Sterne.
Ein berührender Abschluss der Trilogie
Wir sehen uns wieder am Meer von Trude Teige
In diesem dritten und letzten Teil der Trilogie steht Birgit, die Freundin von Tekla aus „Als Großmutter im Regen tanzte“ im Mittelpunkt der Ereignisse. Trude Teige erzählt die bewegende Geschichte einer Frauenfreundschaft während der deutschen Besatzung in Norwegen. Doch von Beginn an:
In der Gegenwart erhält Juli, Teklas Enkelin einen Anruf von der ihr zunächst unbekannten Anna Borch, die sich als Großnichte von Birgit vorstellt und Juli Birgits Geschichte erzählt.
Im Jahr 1944 hat Birgit eben ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen und entschließt sich, in einem Krankenhaus weit im Norden Norwegens zu arbeiten. Dort begegnet sie sowjetischen Zwangsarbeiteri, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und schwer arbeiten müssen. Unter ihnen ist auch Nadia, eine junge Ukrainerin, mit der sie eine enge Freundschaft verbindet. Da Birgit in ihrer Jugend in Oslo Russisch gelernt hat, wird sie immer wieder von den Ärzten als Dolmetscherin eingesetzt. Bald engagiert sie sich im Widerstand und gerät, wie unschwer zu erraten ist, zunehmend in Gefahr, entdeckt zu werden. Das Krankenhaus dient nicht nur als Versteck für verletzte Widerstandskämpfer und geflohene Zwangsarbeiter, sondern als Drehscheibe für die Kommunikation unter den Widerständlern. Als sie sich in Sascha, einen geflohenen russischen Gefangenen verliebt, bringt sie sich und die Widerstandsgruppe in große Gefahr, denn die Gestapo ist ihr auf den Fersen.
Wenig später ist der Zweite Weltkrieg zu Ende. Doch die Repressalien sind noch nicht zu Ende. Nun sind es die norwegischen Behörden, die alle jene, die der Kollaboration mit den deutschen Besatzern verdächtigt werden, verfolgen. Norwegische Frauen, die sich mit den Deutschen eingelassen haben, werden geächtet und in einem Lager auf einer Insel gefangen gehalten.
Doch was Birgit widerfährt, ist wohl unter anderem ihren russischen Sprachkenntnissen und der Nähe Norwegens zur UdSSR geschuldet. Sie wird vom norwegischen Geheimdienst rekrutiert und tritt in Moskau eine Stelle in der Botschaft an. Geködert hat man sie mit der Nachricht, Sascha lebe dort. Als sie entdeckt, dass ihre große Liebe nicht das ist, was sie erwartet hat und sie vom KGB erpresst wird, verlässt sie tief getroffen Moskau. Damit nicht genug, wird sie in Norwegen der Spionage FÜR die Sowjetunion angeklagt und verurteilt.
Meine Meinung:
Mit diesem Abschluss ihrer Trilogie spricht Autorin Trude Teige ein heikles Thema, das nicht nur in Norwegen gerne verdrängt wird an: Kollaboration mit den Nazis. Obwohl es auch Männer gibt, die mit den Besatzern sympathisiert haben, sind es die Frauen, die geächtet werden. Besonders dann, wenn sie, weil ja deutlich sichtbar, Kinder aus den Beziehungen mit den Soldaten entstehen. Das muss auch Nadia, die ukrainische Zwangsarbeiterin erfahren, die sich ausgerechnet in Harald, den Sohn einer norwegischen Familie, die die Nazis bewundern, verliebt.
Wie die Autorin im Nachwort schreibt, beruht dieses Buch auf wahren Begebenheiten.
Dieser historische Roman fesselt bis zur letzten Seite und zeigt, dass es nicht nur in Deutschland rechtspopulistische Strömungen gegeben hat. Antisemitismus ist nicht nur den Deutschen exklusive vorbehalten. Dieses Gedankengut findet man so gut wie in jedem Land, wie durch die aktuelle politische Situation deutlich zu sehen ist.
Dieser dritte Teil der Trilogie lässt sich auch ohne die beiden anderen Teile (Als Großmutter im Regen tanzte und Und Großvater atmete mit den Wellen) sehr gut lesen, rundet aber die Geschichte sehr gut ab.
Ich habe schon einige Bücher zu Norwegen in der Besatzungszeit gelesen. Diese Trilogie hat die Ereignisse sehr gut dargestellt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Abschluss der Trilogie, sowie der gesamten Reihe eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
Fundierte Analyse
Die Rückkehr des Krieges von Franz-Stefan Gady
Dieses, vom österreichischen Militäranalysten und Journalisten Franz Stefan Gady verfasste Sachbuch spricht das an, was spätestens seit dem 24. Februar 2022 in die Köpfe von uns in Europa Lebenden zurückgekehrt ist: Krieg in Europa. Nach dem Ende der NS-Diktatur sind Kriege zwischen einzelnen europäischen Staaten nicht mehr vorhanden, wenn man vom Jugoslawien-Krieg, der eher in die Kategorie Bürgerkrieg eingeordnet werden sollte, und der Annexion der Krim 2014, die man rückwirkend als Blaupause für den aktuellen Krieg in der Ukraine ansehen muss, aber 2014 mehr oder weniger achselzuckend ignoriert hat, absieht.
Franz Stefan Gady erläutert in insgesamt sieben Kapiteln, die in drei Abschnitte zusammengefasst sind, warum es notwendig ist, die Armeen in Europa (vor allem jene Deutschlands und Österreichs) wieder in Stand zu setzen.
„Denn in Europa haben wir vergessen, was der eigentliche Zweck einer Armee ist: Krieg gar nicht zuzulassen. Es wäre gut, wenn wir uns wieder daran erinnern. Möglichst schnell.“
Teil 1: Warum der Krieg wieder zurück ist
Kapitel 1: Fehleinschätzung als Kriegsgrund
Kapitel 2: Technologische Fehleinschätzungen
Kapitel 3: Strukturelle Fehleinschätzungen
Teil 2: Was wir über den Krieg wieder lernen müssen
Kapitel 4: Die konstante Natur des Krieges
Kapitel 5: Der wechselnde Charakter der Kriegsführung
Teil 3: Kriege der Zukunft
Kapitel 6: Was tun, wenn Kriege wahrscheinlicher werden?
Kapitel 7: Mit welchen Kriegen ist zu rechnen?
Gady zitiert mehrmals Clausewitz, der „Kriege als Fortsetzung der Politik“ sieht. Wenn Putin nach dem Zerfall der UdSSR von einer Wiederauferstehung eines Russlands in der Größe eines Zarenreiches oder gar eines stalinistischen träumt, und dies nicht auf einem Verhandlungsweg möglich ist, weil sich zahlreiche Sowjetrepubliken sich von der UdSSR losgesagt haben, und in seinen Augen abtrünnige Provinzen sind, die gewaltsam wieder in das Russische Reich zurückgeholt werden müssen, ist der Krieg in der Ukraine für ihn ein legitimes Mittel zur Fortsetzung der Politik.
Kommt uns das bekannt vor? Man muss sich nur an 1938 zurück erinnern, als die Appeasement-Politik die Annexion Österreich und der Tschechoslowakei („Heim ins Reich!“) durch Hitler-Deutschland hingenommen hat und erst mit dem Einmarsch in Polen quasi „aufgewacht“ ist. Soll es wieder soweit kommen, dass ein Land andere überfällt, um die Großmachtsfantasien eines Diktators zufriedenzustellen?
Der Autor sieht sich nicht als Kriegstreiber, sondern zeigt Fakten auf, die für den einen oder anderen Leser unbekannt und/oder verstörend sein können. Am Beispiel vergangener Kriege analysiert Gady die konstante Natur des Krieges (Kap. 4) sowie die sich wandelnden Charaktere der Kriegsführung (Kap. 5).
Dieses Buch sollte von all jenen Politikern gelesen werden, die die eigene Landesverteidigung seit Jahrzehnten kaputt gespart haben und sich darauf verlassen haben, dass andere ihnen im Ernstfall zu Hilfe kommen werden. In einem Ernstfall, der möglicherweise schneller eintritt, als erwartet. Daher sollte man sich auf den eigentlichen Zweck einer Armee besinnen: Einen Krieg gar nicht zulassen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem fundierten Sachbuch, das einige unangenehme Tatsachen auf den Tisch legt, 5 Sterne.
Fesselnd bis zur letzten Seite
Reich der Lügen von Hartmut Palmer
Bei einem Treffen mit dem Bonner Journalisten Kurt Zink in einem Café im uckermärkischen Templin vergisst der pensionierte Polizist und Personenschützer Siegfried Iserlohe, weil das Gespräch von einem Telefonanruf unterbrochen worden ist und Siegfried darauf hin das Café eilends verlässt, seine Brieftasche am Tisch.
Zink nimmt die Brieftasche an sich und hinterlässt seine Telefonnummer.
Wenig später melden sich diverse Personen, die die Brieftasche im Namen Iserlohes abholen wollen, was dem Journalisten merkwürdig vorkommt. Umso mehr, als man kurz danach Iserlohe ermordet auffindet.
Enthält die Brieftasche brisante Informationen? Und was wusste Iserlohe?
Als Kurt Zink die Brieftasche durchforstet, entdeckt er Hinweise auf die Allianz für Deutschland, die sich anschickt, ihr Netzwerk zu verdichten. Musste Siegfried Iserlohe deswegen sterben? Und welche Rolle spielt dessen ehrgeiziger Sohn Rainer?
Fragen über Fragen die nur durch die Lektüre dieses Polit-Romans beantwortet werden können.
Meine Meinung:
Bei diesem Kriminalroman von Hartmut Palmer läuft es mir ein wenig kalt über den Rücken. Warum?
Zum einem, weil der Autor ein beängstigend realistisches Abbild der Politik unserer Zeit zeichnet. obwohl ich als Österreicherin nicht ganz genau über regionale (?) Erscheinungen in Deutschland Bescheid weiß und zum anderen, weil diese geschilderten Ereignisse keineswegs - wie er im Nachwort schreibt - zufällig, sondern beabsichtigt sind und durchaus Ähnlichkeiten mit lebenden Personen aufweisen.
Hartmut Palmer versteht es ausgezeichnet, seine Leserschaft bis zur letzten Seite fesseln. LeserInnen aus Deutschland werden die Anspielungen und Parallelen zur Wirklichkeit leicht erkennen.
Der Schreibstil ist fesselnd und die Charaktere fein ausgearbeitet. Geschickt lässt er reale Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Willy Brandt oder den Gründer des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, Rudolf Augstein, in seinem Roman auftreten.
Obwohl sich das Buch wie ein Krimi liest, ist es eher in die Kategorie politische Romane oder Dystopien einzuordnen. Obwohl, für eine Dystopie scheinen die Ereignisse rund um einen möglichen Putsch durch die Allianz für Deutschland zu realistisch. Man wird sehen, was die Zukunft bringen wird. Hoffentlich eine Fortsetzung mit Kurt Zink, denn ausgestanden ist die Situation noch nicht ....
Fazit:
Gerne gebe ich diesem politischen Roman, der ein düsteres Bild von der aktuellen Lage in Deutschland zeichnet, 5 Sterne.
Ein nützlicher Ratgeber
Der große Erbschaftsratgeber von Otto N. Bretzinger
Auch wenn dieser Ratgeber für das Vererben und Erben auf dem deutschen Recht basiert, hat es auch für mich als Österreicherin ein paar essentielle Ratschläge parat.
Leider beschäftigen sich nach wie vor viel zu wenige Personen mit ihrem eigenen Ableben und was mit ihrem Besitztümern passieren wird.
Ärger, Zank und hohe Kosten für Anwälte sind die Folgen für die Erben. Dabei könnte man sich und seine Erben durch eine eingehende Beratung und ein darauffolgendes Testament entlasten.
Otto N. Bretzinger erklärt in 21 Abschnitte, die noch weiter unterteilt sind, worauf es ankommt, sein Vermögen möglichst friktionsfrei an seine Nachkommen weiterzugeben. Dazu ist es möglich bzw. sehr nützlich, die Musterformulare herunterzuladen und diese durchzuarbeiten. Diese Vorarbeit erleichtert auch ein Gespräch bei einem Anwalt oder Notar.
Fazit:
Ein nützlicher Ratgeber, dem ich gerne 5 Sterne gebe.
Eine Leseempfehlung!
Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli von Henrike Engel
Henrike Engel entführt ihre Leserschaft mit ihrem historischen Roman in das Hamburg von 1913. Dieser Sommer wird das Leben von drei Personen für immer verändern. Da ist zunächst Louise, die aus allen Wolken fällt, als sich ihr Ehemann als polizeilich gesuchter Hochstapler entpuppt und sie mittellos zurücklässt.
Dann lernen wir Ella kennen, die von ihren eigenen Eltern an Mädchenhändler verkauft, zur Prostitution gezwungen worden und geflohen ist sowie Paul, einem ehemaligen Polizisten, dem bei einem Einsatz der linke Arm zerquetscht und anschließend amputiert werden musste. -
Diese drei höchst unterschiedlichen Menschen treffen in Hamburg bei einem Mord an einem Juwelier aufeinander, bei dem ein Jugendlicher als Täter verdächtigt wird. Während die beiden Frauen aus reinem Bauchgefühl heraus, den Jugendlichen für unschuldig halten, setzt Paul seine analytischen Fähigkeiten und seine Verbindungen zu seinen ehemaligen Kollegen ein, die wahren Täter zu finden. Paul hat eine konkrete Vermutung, wer hinter den zahlreichen Verbrechen steckt.
Um sich ihren Lebensunterhalt legal zu finanzieren, eröffnen Louise und Ella ein Lokal, in dem auch Frauen alleine hingehen dürfen. Gleichzeitig dient es als Lockmittel, den Bandenchef dingfest zu machen.
Meine Meinung:
Henrike Engel, von der ich schon die Hafenärztin-Reihe kenne, zeigt auch diesmal die garstige Seite Hamburgs. Die Autorin zeichnet ein ziemlich realistisches Hamburg. Neben reichen und wohlhabenden Bewohnern, die auf Arbeiter (denen sie ihren Reichtum verdanken) und Zugewanderte despektierlich hinunterschauen, nehmen wir Anteil am Leben genau jener, die ihr Leben gerade noch fristen und den diversen Verbrecherbanden hilflos ausgeliefert sind. Vor allem Frauen und Kinder sind hier betroffen. Mangels Ausbildung und Arbeitsplätzen bleibt den meisten Frauen nur die Prostitution, um ihre Familien zu ernähren, wenn die Männer arbeitsunfähig geworden sind oder gänzlich verschwunden sind. Kinder und da vor allem Waisenkinder werden rekrutiert und zu Dieben und/oder Sex-Sklaven abgerichtet und wenn sie ihre Tätigkeiten nicht mehr verrichten können, einfach entsorgt.
Die Charaktere sind sehr gut gelungen. Die zunächst ziemlich naive Louise erhält als Gegenpart die gewitzte, wenn auch ungebildete, Ella gegenübergestellt. Sie erkennen, welches Potenzial in ihnen steckt. Beide machen eine Entwicklung durch, die man ihnen vorerst nicht zugetraut hat.
Paul, dessen Bruder Michael als Kind verschwunden ist, ist vor allem deswegen Polizist geworden und will unbedingt etwas über das Schicksal von Michael herausfinden.
Vor der düsteren, aber atmosphärischen Kulisse des historischen Hamburgs entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das in einem zweiten Teil seine Fortsetzung findet, der im Oktober 2025 erscheinen wird.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Ausflug in dunkle Seite der Hansestadt 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Ein gelungener Abschluss der Trilogie
Schlehengrund von Anna-Maria Caspari
Dieser historischer Roman bildet den Abschluss der Trilogie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wollseifen begonnen und nun um 1970 in Embken endet.
Das Dorf Wollseifen wird nach dem Zweiten Weltkrieg in einen Truppenübungsplatz verwandelt, weshalb alle Bewohner abgesiedelt werden. Die befreundeten Familien von Albert und Silvio finden Platz in einem großen leerstehenden Bauernhof im Embken.
Das Gehöft gehörte in den 1930er-Jahren einer jüdischen Familie über deren Verbleib nichts bekannt ist - ausgereist sollen sie sein. Nur Johanna wundert sich über den verlassenen Bauernhof, der nun ihr neues Zuhause sein wird. Sie fragt nach, erhält vorsichtige Antworten und lernt Jakob, den einzigen Überlebenden der jüdischen Gemeinde kennen. Die Bemühungen, den jüdischen Friedhof wieder in Stand zu setzen, scheitern und Jakob wird von Unbekannten ermordet.
Man hält zusammen, krempelt die Ärmel auf und hofft nach wie vor auf die Rückkehr von Karl, Alberts Sohn und Johannas Ehemann, der sich in russischer Kriegsgefangenschaft befindet. Johanna bewirtschaftet die Landwirtschaft gemeinsam mit ihrem Schwiegervater und einigen Helfern und muss, als Karl endlich, aber gebrochen heimkommt, erleben, dass sie an den Rand gedrängt wird. Karl übernimmt wieder das Zepter obwohl er gesundheitlich schwer angeschlagen ist und den Anforderungen der Arbeit nicht (mehr) gewachsen ist. Damit steht Johanna stellvertretend für die Tausenden Frauen, die, um ihre Familien durchzubringen, jede Arbeit angenommen haben. Dass sie nun, nach der Rückkehr ihrer Männer wieder an den Herd verbannt werden und weder arbeiten gehen dürfen noch über eigenes Geld verfügen, ist ein Rückschritt, der viele Ehen scheitern lässt. Zudem sind viele Männer verroht, traumatisiert und invalide aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt.
Wie es eben in der Nachkriegszeit ist, hängen jene, die einst Hitler zujubelten, die Fahne in den neuen Wind, ohne ihre alte Gesinnung tatsächlich zu überdenken und ihr abzuschwören. Die alten Seilschaften bleiben mehr oder weniger geschickt verborgen, weiter bestehen.
Wir erleben mit, wie sich die Gesellschaft langsam ändert. Die Kinder der Familien aus Wollseifen gehen ihre eigenen Wege, verlassen den Ort Embken in unterschiedliche Richtungen werden Kunsthistoriker, Tischler, Gastronomen oder Lehrer. Nur Rolf, der die Leidenschaft für die Landwirtschaft seiner Mutter Johanna geerbt hat, übernimmt nach dem Studium als diplomierter Landwirt den florierenden Hof.
Fazit:
Mir hat der Abschluss der Trilogie sehr gut gefallen.
Ein geschickter Schachzug der Autorin ist, stellenweise die Jahre zwischen 1950 und 1970 als Tagebucheintragungen von Emil Schlösser, dem eine Granate beide Hände abgerissen hat und nun als Gymnasiallehrer unterrichtet, quasi im Zeitraffer vorüberziehen zu lassen. Da finden die Bemühungen Konrad Adenauers, die Kriegsgefangenen aus der UdSSR zurückzuholen, die Aufdeckung diversen Alt-Nazis ebenso Erwähnung wie der Mord an John F. Kennedy oder der, durch die Polizei verschuldete, brutale Tod des Benno Ohnesorg. So erhält die Leserschaft Einblick in die damalige Zeit, die man gemeinhin als Wirtschaftswunder bezeichnet. So halten Fernseher und Autos Einzug in die Familien.
Durch die einfühlsame Johanna integriert die Autorin das nur vereinzelt auftretende schlechte Gewissen über die Ermordung der Juden in die Handlung.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem letzten Teil der Trilogie 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.
Hier ist wenig, wie es scheint
Waldestod von Robert Preis
Dieses Buch von Robert Preis ist ein Öko-Thriller, der unter die Haut geht. Wie ich es vom Autor gewöhnt bin, vermittelt er eine gruselige Stimmung. Worum geht‘s?
Die junge Journalistin Emmi Beinhart will eigentlich eine Auszeit nehmen, um den Stress im Job und ihre Beziehungskrise zu überwinden.
Da ereignet sich eine Unwetterkatastrophe in einem abgelegenen Tal der Steiermark und Emmi wird dorthin entsendet. Kollege Simon Sandberg bietet ihr freundlicherweise sein Ferienhaus im Katastrophengebiet zur Übernachtung an.
Doch was Emmi dort erlebt, ist DER Albtraum schlechthin. Denn nicht nur die evakuierten Bewohner der Ortschaft sondern auch die Umwelt verhalten sich feindlich. Nur Feuerwehrmann Severin Moser scheint freundlich und hilfsbereit. Doch ist er das wirklich? Und was hat er mit den vermummten Gestalten auf sich, die in der Nacht rund um das Haus, dessen Keller voll mit Konserven, Waffen und Kanistern ist, schleichen?
Meine Meinung:
Robert Preis, den ich schon von seiner Reihe rund um Chefinspektor Armin Trost kenne, schafft es auch mit diesem Buch, eine Gänsehaut zu erzeugen. Die Spannung baut sich langsam aber stetig auf, um sich in einem überraschendem Showdown zu entladen. Doch bis es soweit ist, können wir Leser rätseln was oder wer hinter allem steckt.
Die Charaktere sind wie immer bei Robert Preis nicht leicht durchschaubar, haben Ecken und Kanten sowie eine zunächst verborgene dunkle Seite, die sich wie auf Knopfdruck entlädt.
Der Schreibstil ist düster, unheimlich und verstörend. Nicht ganz, was ich zur Entspannung lesen wollte.
Fazit:
Diesem Öko-Thriller, der streckenweise verstörend und unheimlich wirkt, gebe ich 4 Sterne.











