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Rezensionen von Gertie G.:

Ein gelungener Reihenauftakt

Verrat in höchsten Kreisen von Hellmuth Klöckner

Dieser Auftakt zu einer fesselnden historischen Krimi-Reihe ist voll von Standesdünkel, sozialen Ungerechtigkeiten und Intrigen in der Berliner Polizei von 1864.

Nach einer Verwundung im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 wird Major Dirk von Marun wie einige andere Veteranen in den Polizeidienst versetzt.

Auf Grund seiner Kriegsverletzung hinkt Marun, was ihn in den Augen seiner Kollegen und des Vorgesetzten eigentlich vom Polizeidienst, bei dem man ja kriminellen Subjekten nachlaufen muss, ausschließt. Doch gehört Marun nicht zu jenen Polizisten, die rohe Gewalt ausüben, um Geständnisse zu bekommen, sondern studiert lieber die Akten und sammelt lieber stichhaltige Beweise. Damit macht er sich alles andere als beliebt.

Doch dann erhält er von Staatsanwalt von Bucher einen brisanten Auftrag: Er soll einige Herren, die in Verdacht stehen, Staatsgeheimnisse an das Zarenreich zu verraten, unauffällig beobachten und das Handwerk legen. Leider gehören diese fünf Adeligen den höchsten Kreisen des preußischen Adels an, haben Verbindungen zum Thronfolger, gelten daher als sakrosankt und dürfen nicht direkt befragt werden. Eigentlich ein Himmelfahrtskommando. Doch damit kennt sich Dirk von Marun bestens aus.

Als dann eine Kammerzofe aus dem Haus eines möglichen Spions ermordet wird, wird deren Freund zum Sündenbock, obwohl Marun, einen ganz anderen Verdacht hat. Doch sein Vorgesetzter und ein Mitarbeiter, der auf Maruns Posten scharf ist, sind nur auf einfache Lösungen aus und spinnen eine fiese Intrige. Die Frage, wie denn ein einfacher Arbeiter eine Leiche von Berlin an die Nordsee bringen kann, interessiert sie genau gar nicht, den ungeliebten Major loszuwerden, dafür brennend.

Wie Dirk von Marun den heiklen Auftrag lösen wird, könnt ihr hier lesen.

Meine Meinung:

Dieser Reihenauftakt hat mir sehr gut gefallen. Der Autor, dessen Name ein (noch nicht gelüftetes) Pseudonym ist, entführt uns in die Zeit von Otto von Bismarck. Vor kurzem hat er den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 losgetreten, der wie man heute weiß, eine Art Generalprobe für die Kriege gegen Österreich-Ungarn (1866) und gegen Frankreich (1870/71) gewesen ist. Bismarck spielt in der preußischen und später deutschen Geschichte (s)eine nicht immer saubere Rolle. Allerdings Hochverrat kann und will er nicht dulden. Das schließt den inneren Zirkel in seiner Umgebung und die der Familie Hohenzollern mit ein.

Klöckner lässt uns an den oft prekären Lebensumständen der einfachen Bediensteten teilhaben. Besonders weibliche Dienstboten haben unter den sexuellen Übergriffen ihrer Dienstherren zu leiden, zumal ihnen nicht geglaubt wird. Das muss auch Frieda, eine 28-jährige Haushälterin leidvoll erfahren. Ich denke, Frieda wird in Zukunft noch eine größere Rolle spielen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi rund um den Polizeimajor wider Willen, Dirk von Marun, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.

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Eine klare Leseempfehlung!

Schwestern der Freiheit von Heather Morris

Heather Morris entführt ihre Leser mit diesem Buch in das Jahr 1942 an einen eher unbekannten Schauplatz des Zweiten Weltkriegs - nach Indonesien. Die japanische Armee okkupiert Singapur. Die Zivilbevölkerung, darunter zahlreiche Europäer versuchen an Bord der wenigen Schiffe zu fliehen. Die australische Krankenschwester Nesta James und die englische Musikerin Norah Chambers ergattern mit vielen anderen einen Platz an Bord der HMS Vyner Brooke, die kurz nach dem Auslaufen von der japanischen Luftwaffe angegriffen und versenkt wird.

Es gibt nur wenige Überlebende, darunter die Schwestern Nesta und Ena sowie Norah, die sich an einen der Strände Indonesiens retten können . Wenig später werden sie von japanischen Truppen in eines ihrer berüchtigten Kriegsgefangenenlager gebracht, wo sie der Willkür des Lagerkommandanten ausgeliefert sind. Seelische und körperliche Misshandlungen. Krankheiten und die Ungewissheit, was aus ihren Liebsten sowie den anderen Passagieren geworden ist, lassen den Frauen zunächst kaum Hoffnung.

Obwohl sie den Japanern ausgeliefert sind, lassen sie sich nicht brechen. Gemeinsam versuchen Ena, Nesta und Norah den anderen Gefangenen das Leben so wenig schmerzhaft wie nur möglich zu machen. Dabei entwickeln die internierten Frauen, unter denen sich einige Krankenschwestern des Australian Army Nursing Service (AANS) sowie einige Ordensschwestern befinden, eine mentale Stärke und einen eisernen Überlebenswillen. Sie bieten den Bewachern mit subtilen Mitteln wie Gesang und der Gründung eines Stimmorchesters die Stirn. Unterstützt werden sie von ihrer Mitgefangenen, der US-Amerikanerin Mrs. Hinch, die ihren Vornamen nicht verrät.

Meine Meinung:

Ich habe von Heather Morris bereits zwei andere Bücher („Der Tätowierer von Auschwitz“ und „Die Schwestern von Auschwitz“) gelesen, die durch akribische Recherche und einfühlsamen Schreibstil bestechen. Während wir in Europa eher mehr über Konzentrationslager des NS-Regimes lesen können, sind Bücher Kriegsgefangenlager der Japaner in den von ihnen besetzten Gebieten weniger bekannt. Hier sind Trude Teiges Buch „Und Großvater atmete mit den Wellen“ sowie die Erinnerungen von Dacia Maraini „Ein halber Löffel Reis“, die ihre Kindheit in einem japanischen Internierungslager nur knapp überlebt, eine lohnende, wenn auch nicht einfache Lektüre. Anders als die deutschen Konzentrationslager sind die japanischen zwar nicht auf Massenvernichtung ausgelegt, nimmt aber den Tod von Gefangenen billigend in Kauf.

Dieser historische Roman, der die Leiden der internierten Frauen mit gebotenem Respekt und eindrucksvoll beschreibt, zeigt auf, welchen Gräueln die Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs ausgesetzt war.

Das Nachwort, in dem die Autorin die weiteren Lebenswege der Überlebenden - soweit eruierbar - beschreibt, hat mir sehr gut gefallen. Erschreckend zu lesen, weil typisch männlich: Heimkehrende Soldaten werden als Helden empfangen und gefeiert, die Rückkehr der ehemals internierten Frauen mit mehr oder weniger Achselzucken.

Der Vorname von Mrs. Hinch ist übrigens Gertrude, wie sie Norah beim Abschied aus dem Internierungslager verrät.

Fazit:

Diesem Buch, dem eine wahre Geschichte von Frauen zu Grunde liegt, die in japanischen Kriegsgefangenenlagern über sich hinausgewachsen sind, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine detaillierte Biografie

Monsieur Eiffel und sein Turm von Ralf Klingsieck

Wer kennt ihn nicht, den Eiffelturm, das Wahrzeichen von Paris? Selbst wenn man diesem 300 Meter hohen Turm noch nie persönlich gesehen hat, muss man von ihm fasziniert sein. Doch wer kennt eigentlich seinen Schöpfer Gustave Eiffel (1832-1923)? Und ist dieses Bauwerk ein Solitär geblieben oder hat Eiffel noch anderes gebaut?

Die Frage nach anderen Bauwerken ist leicht zu beantworten: Ja, er hat! Vorrangig (Eisenbahn)Brücken über große und kleine Flüsse, in Frankreich, dem benachbarten und fernen Ausland bis nach Indochina, das im 19.

Jahrhundert zum französischen Kolonialreich gehörte, sowie Bahnhofshallen, runde Lichtkuppeln, die auf Bürogebäude und Kaufhäuser aufgesetzt worden sind, um Licht zu spenden.

Der Erfolg seiner Metallkonstruktionen liegt darin, dass er ein international anerkanntes (und angewandtes) Verfahren zur Konstruktion für große Bauwerke aus Gusseisen und Stahl entwickelt hat. Als studierter Chemiker hatte er das nötige Fachwissen. Eiffel hat sich eine Vielzahl seiner Entwicklungen patentieren lassen. Zudem hat er für seine Brücken handliche (also, wenn man bei einer mehrere hundert Meter langen Brücke von handlich reden kann) Teilstücke herstellen lassen, die dann, wie in einem Baukastensystem, an Ort und Stelle zusammengebaut werden konnten.

Nicht alle seiner Ideen, die schon visionär zu nennen sind, kann er wirklich bauen. Schmerzhaft muss er erkennen, dass ein erfolgreicher Mann auch zahlreiche Feinde hat.

Aber, ich will dieser detaillierten Biografie, die uns in 18 Kapiteln das arbeits- und ereignisreiche Leben von Gustave Eiffel sowie von seinen Konstruktionen erzählt, nicht vorgreifen.

Autor Ralf Klingsieck zeichnet ein umfassendes Bild von Gustave Eiffel, der sicherlich kein einfacher Zeitgenosse war, wegweisend war er jedenfalls. Architekten und Bauingenieure werden ihre Freude mit diesem Buch haben. An manchen Stellen geht der Autor sehr ins technische Detail. Mir persönlich macht das als Technikerin nichts aus, manchen Leser mag diese Fülle vielleicht ein wenig zu viel sein.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser detaillierten Biografie Gustave Eiffels, die auch seine Niederlagen nicht ausspart, 5 Sterne.

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Mehr Krimi als Thriller

Totenbuch - Bloody Berlin von Alex Thomas

Dieser Krimi ist der zweite der Reihe um den krankheitshalber pensionierten Kriminalbeamten Magnus Böhm und seiner Nachfolgerin Annetta Niedlich. Worum geht‘s?

Im Kuppelsaal der Nofretete im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel findet die Reinigungskraft Olga Barnick eine verstümmelte Leiche gefunden.

Wenig später entdeckt man auch den Mitarbeiter der Bewachungsfirma, tot im Aufzugsschacht. Hat er etwa den Täter gesehen und musste deswegen sterben?

Weil, wie überall auch bei der Berliner Kripo Personalmangel herrscht, holt man Magnus Böhm als beratenden Unterstützung zu den Ermittlungen dazu. Der bringt seinerseits ein „Helferlein“ in Form des kleinen Rüden Isbert, den er für seinen erkrankten Freund Gunnar hütet, mit. Zunächst misstrauisch von allen Seiten beäugt, weiß man noch nicht, welche Dienste Isbert seinem Leih-Herrchen leisten wird.

In einem zweiten Handlungsstrang erfahren wir von den Ermittlungen des DCI Warren Reeves im British Museum, wo man einige Wochen zuvor in einem ägyptischen Sarkophag die in Plastikfolie eingewickelte und teilweise mumifizierte Leiche einer Frau findet. Nun sind Mumien in ägyptischen Artefakten nichts Ungewöhnliches, aber die Kunststofffolie macht doch stutzig.

Ob und wie die beiden Kriminalfälle zusammenhängen, könnt ihr in diesem Krimi selbst lesen.

Meine Meinung:

Dieses Buch als Thriller zu beschreiben, dem kann ich mich nicht wirklich anschließen. Ich habe recht schnell, schon ohne die Querverbindung nach London, einen Verdächtigen ausgemacht und Recht behalten. Die Ermittlungen sowie die Auflösung selbst entsprechen meiner Meinung auch nicht unbedingt einem Thriller.

Star des Krimis ist natürlich Isbert, der mit seiner kleinen Nase wichtige Details zu Aufklärung des Berliner Verbrechens leistet.

Niedlich und Böhm arbeiten recht gut zusammen, auch wenn Magnus ein kleines Problem mit Annettas Fahrweise hat. Die Andeutung über Niedlichs Bruder lässt ebenso auf eine Fortsetzung hoffen, wie die traurige Information, dass Isberts Herrchen, Gunnar, an seiner Krankheit verstorben ist. Es ist also anzunehmen, dass Isbert weiterhin, gemeinsam mit Magnus als beratendes Duo bei der Berliner Kripo arbeiten darf.

Das Umfeld der Museumsinsel, die ich leider bei meinem Berlinbesuch vor ein paar Jahren nicht besichtigen konnte, hat mir gut gefallen. Vielleicht sind die beschriebenen Bauarbeiten schon fertig, wenn ich wieder nach Berlin komme. Der neue Flughafen hat es ja nach einigen Verzögerungen auch geschafft.

Der Schreibstil ist klar, nüchtern und stellenweise durchaus humorvoll. Gut gefallen hat mir, dass der Autor seine Kenntnisse über das Neue Museum in die Handlung verpackt.

Das Cover passt zu Titel und Inhalt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi aus dem Umfeld des Neuen Museum in Berlin 4 Sterne.

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Fesselnder Abschluss der Trilogie

Die Maske des Zorns von Jennifer B. Wind

In diesem dritten Thriller der Reihe um Richard Schwarz, dem Kriminalbeamten vom LKA Wien, tauchen wir wieder mittels mehrerer Handlungsstränge tief in die Abgründe der menschlichen Seele ein.

Richard und sein Freund und Kollege Paul Marek werden zu einem bizarren Fund im Lainzer Tiergarten gerufen: Dort hängt eine Leiche von einem Baum, an der statt des eigenen Schädels ein Schrumpfkopf chirurgisch sauber angenäht ist, was auf eine Person mit ärztlichen Hintergrund deutet.

Dieser Tote ist nur der erste einer Reihe ähnlicher Morde, die, wie wir und die beiden Ermittler, nachdem ihren Körpern die richtigen Köpfe zugeordnet werden können, entdecken, eine gemeinsame Vergangenheit haben.

Beinahe gleichzeitig wird, im zweiten Handlungsstrang, auf Richards Schwester Sarah, die mit ihrem Zirkus ein Gastspiel in München gibt, ein Mordanschlag verübt, der glücklicherweise fehlschlägt.

Und auch Theres Lend, die Psychiaterin, die Richard mehr erzählt als ihrem Verlobten Sebastian, befindet sich abermals in Lebensgefahr. Zwar erholt sie sich derzeit im Donauspital, nachdem man versucht hat, sie mit vergifteten Pralinen zu töten, doch jemand scheint sie weiterhin zu bedrohen.

Zielen die drei Handlungsstränge auf Richard Schwarz ab, der sich von Selbstzweifeln geplagt, die Frage stellt, ob man als Mörder geboren wird? Immerhin hat er einmal beinahe die Kontrolle über sich verloren.

Meine Meinung:

Jennifer B. Wind ist hier ein bis zur letzten Seite fesselnder Abschluss dieser Trilogie gelungen. Die Spannung ist kaum auszuhalten, so dass ich diesen Thriller in einem Rutsch gelesen habe, nicht ohne danach ein wenig schlechter zu schlafen.

Abermals erleben wir die Albträume des Richard Schwarz hautnah mit - jene, aus seiner Kindheit. in der er miterleben muss, dass seine Mutter von ihrem letzten Freier getötet wird und er sich selbst mit kochend heißem Wasser verbrüht, was ihm Narben auf Kopf, Gesicht und Oberkörper einträgt, sowie die aktuellen Sorgen um seine Schwester Sarah und Theres.

Theres Lend kämpft seit Jahren mit den Gedanken eine falsche Einschätzung für einen damals jugendlichen Mörder abgegeben zu haben, der nun wieder auf freiem Fuß ist. Zudem leidet sie an einer unheilbaren Augenkrankheit und droht langsam zu erblinden.

Zudem führt uns die Autorin in das »Haus des Bösen«, wo wir einem fanatischen »Bastler«, der mit menschlichen Präparaten experimentiert, Schrumpfköpfe herstellt und sogar Innereien verspeist, kennenlernen. Obwohl Richard und Paul »nur« die Ergebnisse dieser Experimente sehen, ist Paul fest entschlossen, den Dienst als Kriminalbeamter zu quittieren. Man kann es ihm nicht verdenken.

Die Figuren sind vielschichtig, lebendig und facettenreich. Alle Charaktere haben so ihre Ecken und Kanten.

Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven. Jennifer B. Wind hat diesen Abschluss der Trilogie mit seinen zahlreichen spannenden Handlungssträngen und Wendungen beeindruckend am Schluss zusammengeführt.

Fazit:

Wer vielschichtige Thriller mag, die in Wien spielen, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich für diesen letzten Teil der Reihe rund um Richard Schwarz 5 Sterne und für die ganze Serie eine klare Leseempfehlung!

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Melancholisch

Abschied von Sebastian Haffner

Der Ich-Erzähler Raimund ist ein junger deutscher Jurist, der für zwei Wochen nach Paris reist, um Teddy, seine kurze Sommerliebe aus dem Jahr zuvor wieder zu treffen. Doch schon bei seiner Ankunft ist klar, dass es einen Abschied geben wird, denn die quirlige Teddy wird von anderen Männern umschwärmt, zum Beispiel von Franz, der groß und blauäugig, davon träumt, Paris mit dem Flammenwerfer zu zerstören oder von Andrews, dem Engländer.

Wie ein Ertrinkender sich an einem Stück Holz festhält, versucht Raimund sich an diesen Tagen in Paris festzuhalten. Vergebens! Er kehrt zurück in das Deutschland von 1931, über das sich die dunklen Wolken der kommenden Nazi-Herrschaft langsam senken.

Sebastian Haffner, der damals noch Raimund Pretzel hieß, hat das knapp 170 Seiten dünne Manuskript zwischen 18. Oktober und 23. November 1932 verfasst. Es wurde bislang nicht veröffentlicht und von Haffners Sohn Oliver im Nachlass des Vaters gefunden. Haffner selbst hat, nach dem er die NS-Politik seinen Ansichten widersprochen hat, Deutschland 1938 verlassen, um mit seiner als Jüdin geltenden Frau in Großbritannien zu leben. Auch für Teddy gibt es eine reale Figur als Vorbild: Gertrude Joseph, Tochter eines jüdischen Ehepaares, das zuvor in Wien lebte, nach dem Tod des Vaters ab 1920 in Berlin wohnte und im Jahr 1930 nach Paris ging, bevor sie zunächst mit einem Briten und später mit einem Schweden verheiratet war. Der Kontakt zwischen den beiden ist bis zu Gertrudes Tod 1989 nicht abgerissen, wovon zahlreiche Briefe zeugen, die sich erhalten haben.

Fazit:

Diesem leicht melancholischen Roman, der das aufkommende Unheil schon anklingen lässt, gebe ich gerne 4 Sterne.

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Leider der schwächste Teil der Reihe

Der Schmuckpalast – Emma und das Geheimnis des Diamanten von Eva-Maria Bast

„Denkt immer an den Schwur“ (Kap. 14) - auch wenn dafür auch das Zurückstecken von persönlichen Träumen in Kauf genommen werden muss. Die Firma geht immer vor.

Dieser dritte Band der Cartier-Reihe ist für mich der schwächste. Warum?

Er wirkt auf mich ein wenig unter Zeitdruck verfasst.

Die Charaktere sind diesmal nicht so ausgereift, die Brüder Louis, Pierre und Jacques sowie ihre Schwester Suzanne bleiben farblos.

Zudem hat sich ein wirklich böser Fehler eingeschlichen: Ludwig XVI., wird ebenso wie seine Frau Marie-Antoinette 1793 hingerichtet, und nicht wie die Autorin Emma Cartier, die amerikanische Ehefrau von Pierre behaupteten lässt, Ludwig XIV. (1638-1715) als sie über den Ankauf des berühmten Hope-Diamanten, der auch Bleu de France oder Tavernier genannt wird und schon einmal siehe Band 1 in Besitz der Familie Cartier war, diskutieren (Kap. 47). Sorry, da bin ich echt pingelig!

Außerdem missfällt mir diesmal der Titel. Der Diamant und sein angebliches Geheimnis, das eigentlich keines ist, erscheint erst in Kapitel 47 von 61. Ich weiß schon, das Titel und Cover vom Verlag festgelegt werden.

Auch das Ende dieses dritten Teils der Saga im Jahr 1913 kommt ein wenig abrupt, um dann einen Epilog aus den Jahr 1924 quasi angeklebt zu bekommen. Kein Wort über die Jahre des Ersten Weltkriegs und jene danach in denen die Geschäfte der Familie Cartier deswegen überleben, weil sie jene Juwelen, die vor allem vor der Revolution in Russland geflüchtete Adelige nach Frankreich gebracht haben, an Zahlung statt genommen bzw. umgearbeitet haben. Echt schade!

Fazit:

Diesmal fällt es mir schwer, eine bessere Bewertung als 2,5 Sterne zu geben, die ich auf drei aufrunde.

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Fakten und Fiktion gut verknüpft

Hiobs Brüder von Rebecca Gablé

"Hiobs Brüder" ist der zweite Band der Helmsby-Reihe von Rebecca Gablé. Dieser Roman schließt an "Das zweite Königreich" an und spielt rund 80 Jahre später. England befindet sich im Erbfolgekrieg nachdem der einzige legitime Sohn von König Henry I. bei einem Schiffsunglück ertrunken ist.

Zwar geht aus dem Erbfolgekrieg kurzfristig Stephan von Blois (Enkel von William dem Eroberer) als Sieger und König hervor, doch langfristig sichert sich Königin Maud (die Tochter von Henry I.) den Thron für die Plantagenets. Als erster einer langen Reihe von Henrys, besteigt ihr Sohn als Henry II., 1154 den englischen, den die Plantagenet rund 250 Jahre für sich behaupten.

Das Interessante an diesem Buch ist, dass Autorin Rebecca Gablé sich einer Menschengruppe widmet, die im allgemeinen kaum in der Literatur vorkommt: geistig und körperlich beeinträchtigen Menschen (damit sind aber nicht die Kriegsversehrten gemeint). Diese Menschen werden auf eine Insel nahe East Anglia abgeschoben, mangelhaft bis gar nicht verpflegt und betreut. Hier treffen Simon, der an Epilepsie leidet, mit Loisan, der sein Gedächtnis verloren hat mit den siamesischen Zwillingen und anderen aus der Gesellschaft Ausgestoßenen zusammen. Wider Erwarten werden einige davon treue Gefährten von Henry II..

Wie alle historischen Romane von Rebecca Gablé ist auch dieser hier penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Auf keiner der über 900 Seiten kommt Langeweile auf. Geschickt sind Fakten und Fiktion zu einem detailreichen Historienschmöker verknüpft.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem zweiten Band der Helmsby-Reihe wieder 5 Sterne und warte mit großer Neugier auf den den dritten Band, der demnächst, im August 2025, unter dem Titel Rabenthron erscheinen wird.

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Eintauchen in das Mittelalter

Das zweite Königreich von Rebecca Gablé

Ich kenne zahlreiche Bücher von Rebecca Gablé, darunter natürlich die Waringham-Saga. In dieser Reihe begegnen wir nicht nur dem jungen Adeligen Cædmon of Helmsby, dessen Start in sein Leben ein wenig holprig verläuft, sondern auch William dem Eroberer (1028-1087). Da der dritte Band der Helmsby-Reihe demnächst im August 2025 unter dem Titel Rabenthron erscheinen wird, ist es opportun, die beiden Vorgänger abermals zur Hand zu nehmen.

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Weder über den Inhalt noch über die penible Recherche von Rebecca Gablé brauche ich all zu viele Worte verlieren. Der Inhalt, die englische Geschichte im Mittelalter ist bereits mehrmals erzählt worden. Doch niemand beherrscht sein/ihr Handwerk so gut wie Rebecca Gablé. Mit ihr tauchen wir ein in eine Zeit der Intrigen, blutiger Kämpfe, die authentisch beschrieben werden, und dürfen an der Seite von raubeinige Charakteren England eroberen.

Sehr geschickt flicht die Autorin historische Details in die Handlung ein, so dass wir ein gutes Bild vom Charakter von William den Eroberer, der häufig auch als William der Bastard, bezeichnet wird, erhalten.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Schwarte, die man trotz der rund 900 Seiten nicht aus der Hand legen kann, 5 Sterne.

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Unterhaltsame Sommerlektüre

Liebe im Sturm von Elena Winzer

Dieser historische Roman entführt uns in die Zeit rund um 1870. Deutschland besteht nach wie vor aus vielen kleinen Fürstentümern sowie den Königreichen Preußen und Bayern. Während Otto von Bismarck an der Verwirklichung von einem vereinigten Deutschland unter Preußens Vorherrschaft arbeitet, werden auch in zahlreichen Adelsfamilien eheliche Bande geknüpft, die mehr machtstrategischen Allianzen dienen als dem zufriedene Zusammenleben eines Paares.

Frederike von Berstein ist anders als ihre ältere Schwester, die sich für schöne Kleider und einen passenden Ehemann interessiert. Frederike liest heimlich die Zeitung und macht sich so ihre Gedanken über das Gelesene. Da man auch sie als Heiratskapital ansieht, wird sie kurzerhand an den Badischen Hof, zu Großherzogin Luise, einer Frau mit weitreichenden Beziehungen und Humor, gesandt, um etwas mehr als den üblichen Feinschliff zu bekommen. Wie es natürlich kommen muss, trifft sie auf August von Troich, dessen Vater auch eine vorteilhafte Heirat einfädeln will. Doch es muss schon etwas Bedeutenderes als die kleine Grafentochter sein. Theres, eine bayerische Prinzessin, käme Augusts Vater gerade recht, doch die hat andere Pläne ...

Meine Meinung:

Was ein bisschen an einen Liebesroman denken lässt, ist bei näherer Betrachtung ein Bild der Monate rund um den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sowie rund um die Entstehung des Deutschen Kaiserreichs und der Proklamation des preußischen König Wilhelm I., zum deutschen Kaiser.

Geschickt flicht die Autorin den Krieg mit Frankreich sowie die Meinung einiger deutscher Fürsten, die Bismarcks Bestrebungen Wilhelm zum deutschen Kaiser zu machen, argwöhnisch betrachten. Genützt hat es, wie man weiß nichts. So lässt die Autorin Frederikes Schwester und Großmutter jenem Telegramm lauschen, das als Emser Depesche in die Geschichte eingegangen ist.

Die Charaktere, vor allem Großherzogin Luise, Frederike und August, haben mich immer wieder schmunzeln lassen.

Fazit:

Eine gelungene Sommerlektüre, der ich gerne 4 Sterne gebe.

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