Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra Sch.:
Dieses Jugendbuch behandelt Sozialverhalten, Klimawandel/Umweltschutz und Social Media
Fair Play von Kerstin Gulden
Der Bildungssenator ruft die Schulen zu einem Wettbewerb auf: wie kann man mehr tun, um die Umwelt zu schützen?
Keras Schule nimmt mit ihrer Idee einer App teil, bei der alle öffentlich sehen können, ob man seinen Verbrauch so zurückschrauben kann, dass die App grün bleibt. Doch was tun, wenn die App rot wird und es auch bleibt? Spielen alle fair?
Meine Meinung:
Die Geschichte ist abwechselnd aus Sicht der "Fair Play Four" geschrieben, jeweils in ich-Form.
Somit kann man noch tiefer in die jeweilige Gefühls- und Gedankenwelt von Kera, Leonard, Max und Elodie abtauchen.
So unterschiedlich die Charaktere der Jugendlichen sind, so unterschiedlich ist auch ihr Umgang mit der App und wofür diese steht.
Max zum Beispiel stellt den Gegenpol dar, den App-Verweigerer. Und das macht er aus Prinzip, denn er denkt gar nicht daran, sich sein Leben von dieser App diktieren zu lassen. Und ich kann das nachvollziehen, man muss hier sogar überlegen, ob man öffentlich mit dem Bus fährt, was ja eigentlich bisher als umweltschonend galt?!
Kera ist die politisch interessierte, der die Idee solch eines Programms gekommen ist, das den Verbrauch öffentlich anzeigt und man somit einerseits im Wettbewerb steht, andererseits ein Zusammenhalten voraussetzt, denn nur gemeinsam schafft man es, dass die App nach Ablauf der Zeit für alle auf grün steht. Und das ist ja das Ziel.
Leonard ist der gemobbte Technik-Freak, der die Keras Idee als App umsetzt und programmiert und eigene Ziele verfolgt.
Und Elodie ist das Social Media affine Püppchen, das nur neue Followerzahlen generieren will, wohinter aber tiefgründigere Beweggründe stecken.
Somit sind etwa alle Charaktereigenschaften von Jugendlichen abgedeckt und hier beispielhaft vertreten. Jede/r Leser/in kann sich also in einem der Protagonisten widerspiegeln.
Total interessant fand ich das Verhalten der Jugendlichen, und wie diese durch die App in zwei Lager gespalten wurden.
Soziale Konstrukte haben sich geändert, Freunde werden zu Feinden und umgekehrt; es ist ein stetiges Fließen und auch Ändern der Meinungen und des Verhaltens...
Das regt sehr zum Nachdenken über sein eigenes Verhalten an: wie gehe ich mit meinem Mitmenschen um; wie mit der Umwelt? Trage ich dazu bei, dass mein Kind in einer möglichst nicht noch schlechteren Zukunft/Umwelt leben muss, als sie bereits ist?
Etwas unrealistisch bzw. nicht nachvollziehbar fand ich, wie der Verbrauch berechnet wird. Wann wird ein Konto rot? Wie viel Verbrauch wird für einzelne Dinge berechnet? Und das vorher auszurechnen bzw. festzustellen doch bestimmt irrsinnig viel Zeit in Anspruch nimmt, Leonard die App aber in kürzester Zeit programmiert hatte.
Auch hätte ich gern mehr über das Konsumverhalten der Jugendlichen erfahren bzw. wie sie sich einschränken müssen und damit zu kämpfen haben.
Alles in allem ein interessantes und packendes sozialkritisches Buch, das den Blick auf den Klimawandel und die Möglichkeiten, diesen aufzuhalten, lenkt und auch den Umgang mit den Sozialen Medien kritisch hinterfragt.
Fazit:
Eine fesselnde Idee einer Umweltschutz-App und wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen der Schüler entwickeln, die in zwei Lager aufgeteilt sind.
Pferdeflüstern für Kids
Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht von Juli Zeh
4,5 Sterne
Die 12-jährige Sophie ist riesen Pferdefan und reitet schon seit einiger Zeit im Schulbetrieb am Michaelishof und wünscht sich nichts sehnlicher als ein eigenes Pony oder zumindest ein Pflegepony.
Als dann das Pony Sokrates als sogenanntes "Problempferd" auf den Michaelishof kommt, soll sich Sophie um ihn kümmern.
Doch wenn Socke (diesen Spitznamen hat er aufgrund eines weißen Beins) sich nicht bald reiten lässt, soll er verkauft werden.
Meine Meinung:
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt - zuerst die Geschichte von Socke und Sophie, wobei abwechselnd aus Sicht des Mädchens und des Ponys erzählt wird, jeweils in ich-Form. So kann man sich noch besser in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden hineinversetzen.
Besonders die Abschnitte, in denen Socke erzählt, sind echt niedlich geschrieben, man muss oft schmunzeln. Wobei Sockes Schicksal natürlich sehr berührt. Er wurde misshandelt, und man kann nachvollziehen, warum er Menschen nicht mehr vertraut.
Sehr toll und eindringlich wird die unterschiedliche Sprache von Pferd und Mensch dargestellt, wie es zu diesen Missverständnissen kommen kann und die Folgen , aber eben auch, wie man es richtig macht. Und dass man nicht aufgeben soll. Somit gibt es langsam Schritt für Schritt immer mehr Fortschritte mit Socke.
Was mir hier leider nicht so gut gefallen hat und ich deshalb einen halben Stern abziehen muss ist die Tatsache, dass Sophie - ein Mädchen, das noch nicht soo viel Pferdeerfahrung hat - anfangs ganz allein auf das sogenannte Problempony losgelassen wird, ohne Hilfe von Erwachsenen mit Pferdekenntnissen. Das fand ich unrealistisch und vor allem sehr gefährlich!! Erst als Frau Vanderbilt ins Spiel kommt, hat Sophie jemanden, der ihr erstmal die Pferdesprache und den richtigen Umgang mit Pferden erklärt.
Sehr sehr schön fanden wir das Happy-End! :D
Der zweite Teil des Buches ist quasi das Glossar, also Begriffe, die in der Reitersprache und im Umgang mit Pferden wichtig sind. Begriffe, die in der Geschichte türkis gedruckt sind, werden hier nochmals ausführlicher erklärt, in leicht verständlicher kindgerechter Sprache und mit Beispielen untermalt.
Die Geschichte ist mit - oft ganzseitigen - färbigen Illustrationen bebildert, die Begriffserklärungen mit einfärbigen Zeichnungen.
Fazit:
Ein tolles Buch über das Erlernen der Pferdesprache und den richtigen Umgang mit Pferden - aufgeteilt in humorvolle und eindrucksvolle Geschichte und kindgerechtes Pferdewissen.
Eine Liebesgeschichte, ein Krimi, und viele süße Pfoten
Traummann gesucht. Katzen vorhanden. von Sophie Faber
Beatrix Vogelsang, die nur Trixie genannt wird und alleine mit drei Katern lebt, sucht für die Tierarztpraxis ihres verstorbenen Mannes, in der sie als Sprechstundenhilfe arbeitet, einen neuen Tierarzt.
Doktor Finn muss noch den richtigen Umgang mit den Haltern der Vierbeiner lernen, und Trixie glaubt, dass ihm das besser gelingt, wenn sie ihn verkuppelt.
Doch was ist mit ihrem Leben und ihrer Liebe?
Und dann sind da die vielen Tiere, die aus dem Grätzel verschwinden, und ein dubioses Kaufangebot für das Haus der Tierarztpraxis...
Meine Meinung:
Der Schreibstil von Sophie Faber liest sich flüssig, schnell und unterhaltsam; und Trixie schließt man sofort in sein Herz! Auch wie sie immer mit ihrem verstorbenen Mann spricht, macht sie sympathisch, ist aber auch sehr traurig.
Auch die Nebencharaktere sind einzigartig, haben Ecken und Kanten und polarisieren und es ist sehr humorvoll und flott geschrieben. Einzig Finns Onkel Spatzbach war mir bis zum Schluss nicht ganz geheuer, doch dann hat er sich toll für die Tiere eingesetzt!
Die Geschichten um die einzelnen Patienten der Tierarztpraxis waren humorvoll und berührend.
Besonders toll fand ich, dass auch ein Kriminalfall in die Geschichte integriert ist. Man rätselt mit Trixie mit, wer und warum die vielen Tiere entführt und natürlich auch, wer so unbedingt das Haus kaufen will - das Warum dafür hat man schnell erkannt.
Mir gefiel das Happy End (in jeder Hinsicht) ausgesprochen gut, auch wenn die Szene mit der Tierrettung aus meiner Sicht leider sehr überzogen und auch nicht ganz realitätsnah war.
Betonen möchte ich noch die kleinen Katzenpfötchen, die innerhalb der Kapitel abgedruckt sind, wenn eine Szene wechselt. Diese sind nicht nur niedlich anzusehen, so kann man auch mal während eines Kapitels kurz reinlesen, wenn man nicht so viel Zeit hat, und muss nicht gleich das ganze Kapitel lesen.
Fazit:
"Katzenhaare sind die Pailletten von netten Menschen." Eine humorvolle Liebesgeschichte mit Kriminalfall, einer sympathischen Protagonistin und vielen zuckersüßen Vierbeinern!
Kann ein Identitätstausch erfolgreich sein?
Der Tausch von Julie Clark
3,5 Sterne
Flughafen JFK, New York. Claire soll nach Puerto Rico fliegen, um dort bei einer Benefizveranstaltung ihren Mann zu vertreten. Doch eigentlich wollte sie vor ihrem gewalttätigen Mann fliehen, der in der Öffentlichkeit als schillernder Politiker auftritt.
Am Flughafen wird sie von Eva angesprochen, die ebenfalls auf der Flucht ist und nicht zurück nach Kalifornien fliegen will, und ihr deshalb den Vorschlag macht, die Boardkarten und somit die Identitäten zu tauschen.
Kann das gutgehen?
Meine Meinung:
Als richtigen Thriller fand ich das Buch irgendwie nicht, aber es ist eine spannende Vorstellung, ob es möglich ist, a) zu verschwinden und/oder b) eine Identität mit einer anderen Person zu tauschen.
Das wird in diesem Buch vereint, und als Leser bekommt man zwei verschiedene Perspektiven präsentiert: einerseits in der Gegenwart aus Sicht von Claire in ich-Form, andererseits in der Vergangenheit aus Sicht von Eva in erzählender Form.
Leider war der Prolog irreführend geschrieben, so dass man nicht sicher war, welche Person berichtet. Das gefiel mir gar nicht, den so wurde man auf eine falsche Spur gelockt, was den ganzen weiteren Inhalt verzerrt betrachten ließ.
Zuerst lernt man ja Claire und ihr Leben sehr detailliert kennen und warum sie ihr bisheriges privilegiertes Leben unbedingt verlassen will. Die Darstellung ihres Lebens mit dem brutalen Rory war sehr anschaulich, ich habe schrecklich mit ihr gelitten! Hier hab ich fast einen Herzkasper bekommen, als ihr Mann plötzlich selbst zu der Veranstaltung nach Detroit fliegt, wo Claire eigentlich hinwollte um zu verschwinden, und ihr ganzer Plan, den sie 1 Jahr entwickelt hat, hart gespart usw. sich nun in Luft auflöst. Und sogar ihr Leben in Gefahr ist, wenn Rory die Dokumente und das Geld findet.
Da hatte sie echt Glück, dass sie am Flughafen auf Eva trifft, die auch aus ihrem Leben fliehen will, und ihr den Tausch vorschlägt. Von Eva erfährt man anfangs ja noch nicht so viel, nur dass sie Drogen herstellt.
Besonders spannend fand ich, als Claire in Evas Haus kommt und langsam feststellt, dass diese sie am Flughafen von vorn bis hinten angelogen hat.
Gegen Mitte erfährt man dann hingegen immer mehr von Eva, und das Geheimnis um ihr Leben löst sich nach und nach auf.
Ich muss sagen, dass mir der Part um Claire besser gefallen hat, es war eindrücklicher und fesselnder.
Die Wendung am Ende um Claire und die Verbindung zu Eva hat mich überrascht; nur der Schluss um Evas Schicksal war mir irgendwie zu offen, obwohl es natürlich auch gut ist, wenn der Leser eigene Überlegungen anstellen kann, mich hat es jedoch nicht ganz überzeugt.
Schade fand ich, dass aufgrund der Widmung man hätte meinen können, dass es mehr um die Misshandlung von Frauen durch ihre Männer geht und wie dieser Misstand angeprangert wird, leider ging das in der Geschichte so gut wie unter.
Fazit:
Spannender Thriller über den Tausch zweier Identitäten. Leider war eine wichtige Stelle schlecht ausformuliert und das Ende konnte mich auch nicht so ganz überzeugen.
konnte qualitativ leider nicht an Teil 1 anschließen; viele unlogische Dinge und ein zu abruptes Ende
Mord auf Provenzalisch von Kent Serena
Die Engländerin Penelope Kite, von allen nur Penny genannt, hat sich schon gut in ihrem neuen Heimatdorf Saint Merlot eingelebt und integriert.
Als sie vom Bürgermeister Laurent Millais auf eine Ausstellung mitgenommen wird, bricht der umstrittene Maler Doncaster zusammen und stirbt kurz darauf im Spital.
Angeblich wurde er vergiftet.
Als kurze Zeit später ein weiterer Maler der Ausstellung, Scarpio, stirbt, ist Pennys Neugierde geweckt und ihr Ermittlergeist entfacht!
Meine Meinung:
Dies ist nach "Tod in Saint Merlot" der 2. Teil um die ausgewanderte Penny, der leider nicht an Band 1 heranreicht.
Es ist wieder humorvoll geschrieben und man trifft auf alte Bekannte, wie zB Pennys Freundin Clémence und ihre Nachbarn Pierre und dessen Verlobte Mariette.
Die wunderschönen detailgetreuen Beschreibungen der Landschaft lassen einen wieder gedanklich in die Provence reisen zu träumen beginnen!
Humorvoll sind die Darstellungen der Verhältnisse zwischen Engländern und Franzosen, was man besonders merkt, als Penny ihre Nachbarn zum Essen einlädt. Essen und Trinken nimmt wieder einen großen Stellenwert in der Geschichte ein.
Doch es gibt etliche Kritikpunkte: Den Besuch von Pennys Familie fand ich total überflüssig. Die Kinder waren einfach nur frech, die Erwachsenen haben ihnen alles durchgehen lassen und ich musste mich ständig darüber aufregen. Außerdem hatte es keinen Mehrwert für die Darstellung von Pennys Charakter oder für den Fall.
Der Fall selbst kommt lange Zeit kaum voran - erst als Pennys quirlige Freundin Frankie zu Besuch kommt, tut sich was.
Dann wird einiges nicht aufgelöst, es gibt unlogische Stellen und der Showdown ist zu übertrieben und unglaubwürdig. Nachdem der Fall sich nur ganz langsam und gemächlich entwickelt, kommt das Ende mit einer Wucht und ist ruck-zuck abgehandelt.
Auch die Auflösung ist nicht schlüssig und zufriedenstellend - man hatte nie eine Chance, auf den Täter zu kommen, da er nur kurz mal erwähnt wurde und man diese Person nie auf dem Schirm hatte. Und dass die Russenmafia mitmischt, war klischeehaft und nicht überzeugend.
Und erst in der Nachbetrachtung wurde der ganze Fall in einem Gespräch zwischen Penny, Frankie, Laurent und Clémence nochmal aufgerollt und erklärt, weil es unlogisch, verwirrend und nicht offensichtlich war.
Wenn ich Penny nicht schon vom ersten Band gekannt hätte, wäre ich von diesem hier wohl noch enttäuschter gewesen - so kann ich 3 Sterne vergeben, weil ich Penny mag, ihre Freundin Frankie und die wunderschöne Provence.
Fazit:
Ein leider nicht so überzeugender zweiter Teil um die Engländerin Penny, die nach Frankreich ausgewandert ist und immer wieder über Leichen "stolpert". Schöne Landschaftsbeschreibungen, konfuse Zusammenhänge und ein zu schnelles Ende.
ein rasanter, realitätsnaher und spannender Politthriller
Der Fall des Präsidenten von Marc Elsberg
4,5 Sterne
Der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten, Douglas Turner, wird bei seiner Ankunft am Athener Flughafen im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) festgenommen.
Sofort bricht diplomatische Hektik aus: der amtierende US-Präsident ist im Wahlkampf und fürchtet um Wählerstimmen, die USA fürchtet um ihren Ruf als mächtigste Nation und droht mit Sanktionen, und die EU-Politiker tun nichts.
Dana Marin vom ICC hat gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen; außerdem ist ihr wichtigster Zeuge in Gefahr.
Meine Meinung:
Marc Elsberg hat mit diesem Politthriller eine Geschichte gesponnen, die so oder ähnlich tatsächlich stattfinden kann.
Es ist die Zeit nach Corona, die Welt ist gebeutelt, vor allem Griechenland. Und dann wird ausgerechnet dort ein ehemaliger US-Präsident festgenommen, der vor den ICC gestellt werden soll.
Klar ist es für die griechischen Richter nicht leicht, hier fair zu entscheiden, denn die USA droht mit Sanktionen (bzw. sie droht nicht nur), und Griechenland geht es wirtschaftlich sowieso schlecht. Also was tun, wie entscheiden?
Es kommt von Anfang an Spannung auf, obwohl ja eigentlich nicht soo viel passiert. Aber Elsbergs Schreibstil ist so mitreißend, und die Thematik so aktuell, dass man nur so durch das Buch fliegt.
Die Gerichtsszenen sind zwar teilweise etwas lang, aber total interessant. Man erfährt als Leser viel darüber, wie solche Verhandlungen ablaufen und v.a., mit welchen fiesen Tricks gekämpft wird. Und die USA sind ja Meister in Manipulieren, Drohen und Fälschen.
Somit ist man immer am Mitfiebern mit Dana, denn die Verteidiger nutzten alles aus, um den Ex-Präsidenten frei zu bekommen. Es tauchen etliche Artikel und Fotos auf, die gefälscht wurden. Zum Glück kann Dana das mit Hilfe ihrer neuen Freunde aufdecken.
Und dann ist da auch noch das geheime Befreiungsteam, das Turner rausholen soll.
Das Verhalten des Zeugen fand ich toll; trotz Einschüchterungstaktik bleibt er bei seinem Standpunkt. Hier sieht man, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfen, auch wenn es schier aussichtslos ist.
Es gibt natürlich auch einige Kritikpunkte: der glückliche Zufall, dass Danas neue Freunde sich mit Technik derart gut auskennen, um Fake Videos der USA zu überführen und die neueste Drohnentechnik haben sowie ein der actionreiche und für meinen Geschmack leider etwas zu übertriebene Showdown. Und ein bisschen mehr Infos zum Ausgang am Schluss hätte ich mir auch gewünscht.
Mich hat das Buch sehr beeindruckt, teilweise fassungslos zurückgelassen und v.a. zum Nachdenken angeregt: kann es einen fairen "Krieg gegen den Terror" geben? Ist ein Staatsoberhaupt dabei zu allem berechtigt? Darf es ungeschoren davonkommen, wenn wissentliche zigtausende zivile Menschenleben geopfert wurden?
Und wie viel Fake News gibt es? Was richten diese an? Und für "Normalsterbliche" ist es kam möglich, diese zu enttarnen.
Erschaudernd fand ich die Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen, und dass Menschen aus Angst (auch aufgrund oben genannter Fake News) panisch werden und Hamsterkäufe tätigen.
Marc Elsberg hat in diesem Thriller viele aktuelle Themen verpackt: Politik, Patriotismus, Gerechtigkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, diplomatische Immunität, Whistleblower, Fake News, und die Überlegenheit des mächtigsten Staates der Welt.
Fazit:
Ein rasanter, realitätsnaher und spannender Polit-Thriller, der sehr zum Denken anregt: über das Verhalten der USA, jenes der EU, über diplomatische Immunität von Staatsoberhäuptern und über Fake News.
Beziehungskrise auf Sylt
Sylt auf unserer Haut von Claudia Thesenfitz
Kurz zum Inhalt:
Maja und ihr Ehemann Robert verbringen wie jedes Jahr ihren Sommerurlaub auf Sylt.
Doch diesmal ist auch Roberts verhasster Arbeitskollege Bernd und dessen Freundin Karin mit dabei. Robert ist davon genervt, denn er will einfach nur seine Ruhe. Doch Maja bekommt endlich wieder Freude durch das Paar in ihr Leben - und es daraus entwickelt sich eine Anziehungskraft zu Bernd und zwischen den beiden knistert es heftig.
..
Meine Meinung:
Der Schreibstil ist einfach und schnell zu lesen und abwechselnd aus Sicht von Maja und Robert. Der Beginn war auch wirklich vielversprechend: Urlaub auf einer schönen Insel; der nervige Arbeitskollege; der grummelige Ehemann, der besänftigt werden muss waren humorvoll zu lesen.
Doch dann entwickelt sich das Ganze immer mehr zu einer Ehe-Tragödie. Der muffige Ehemann beginnt einen zu nerven, weil er wirklich ständig nur schlecht drauf ist und ihm alles auf die Nerven geht. Man kann Maja zwar verstehen, dass die Liebe und Anziehung aus dieser Ehe raus ist, denn Robert will, dass alles nach seinem Willen geht; er findet es selbstverständlich, dass seine Frau auch im Urlaub kochen muss; macht mit ihr hingegen keine Ausflüge, weil er sich "entspannen" will. Auch für sein berufliches Vorwärtskommen muss Maja herhalten und körperlich anziehend findet er sie schon lange nicht mehr, weil sie ein paar Kilos zugenommen hat.
Authentisch waren Majas Überlegungen über den - ihren - Sinn des Lebens. Die Kinder sind aus dem Haus, der Hund als Ersatz wird vom Gatten - natürlich - nicht gutgeheißen... Klar grübelt man über sein Leben nach, noch dazu wenn man nicht glücklich in seiner Beziehung ist.
Doch Majas Verhalten mit der heimlichen Affäre ist nicht schön. Und ich mochte nicht, dass sie nicht mit Robert gesprochen hat: über ihr Leben, ihre Wünsche, ihre Unzufriedenheit. Und ihre Überlegungen, dass sie doch mit Robert zusammen sein "muss", weil sie doch so lange verheiratet sind, rühren nur von ihrem schlechten Gewissen her. Auch das "Happy-End" war für mich ein bisschen erzwungen.
Schön waren die Beschreibungen von Sylt - ich war noch nie dort und habe mich dort wohlgefühlt und Lust auf Urlaub bekommen.
Fazit:
Beginnt amüsant, ist aber leider kein Glücksroman und ich war vom Verhalten der Protagonisten enttäuscht. Dafür wird Sylt toll beschrieben!
außergewöhnliche Thriller-Komposition mit kleinen Mängeln
Sommernacht von Foley Lucy
Eine Hochzeit zweier bekannter Persönlichkeiten auf einer einsamen irischen Insel. Ruinen, ein alter Friedhof und ein gefährliches Moor. Ein starker Sturm und eine Leiche.
Meine Meinung:
Diese Geschichte hat mich vom Aufbau überrascht, denn einen Thriller in dieser Art las ich noch nie: geschrieben aus Sicht von 5 wichtigen handelnden Personen (die Braut Jules, deren Brautjungfer und Halbschwester Olivia, die Frau ihres Trauzeugen Hannah, der Trauzeuge des Bräutigams Johnno und die Hochzeitsplanerin Aoife) jeweils in ich-Form in der Vergangenheit; dazwischen kurze Einschübe der Handlung in der Gegenwart (der Abend der Hochzeit); und wer die Leiche ist (und somit der Mörder) löst sich erst kurz vor Schluss auf.
Der Schreibstil aus der wechselnden Perspektive von 5 Personen in ich-Form machte mir das Lesen anfangs schwierig, obwohl ich Erzählungen aus verschiedenen Sichtweisen mag. Doch hier musste ich immer nachdenken, aus welcher Sicht man nun die Dinge erfährt und hatte die Personen oft verwechselt.
Im ersten Drittel werden diese Charaktere ausführlich vorgestellt und viele Geheimnisse nur angedeutet. Nach und nach erfährt man alles aus deren Vergangenheit, die Geheimnisse und spürt die Spannungen zwischen den einzelnen Personen. Somit beginnt die Geschichte erst langsam und etwas zäh, und nimmt dann gegen Schluss aber rasant an Fahrt auf.
Die Autorin schafft es wunderbar, die Insel und deren Landschaft, sowie die stürmischen Gezeiten anschaulich darzustellen, sodass man die Insel samt Folly, Klippen, Ruinen, Friedhof und Moor in seinem Kopf bildlich auferstehen lassen kann. Auch die Beschreibung des herannahenden Sturms war so anschaulich, dass ich mich beim Lesen wirklich unwohl gefühlt habe.
Es gab viele Plottwists und Entwicklungen, die angedeutet wurden, deren Auflösung am Schluss mich dann jedoch überrascht haben. Das hat die Autorin wirklich gut gelöst, und die verschiedenen Perspektiven von genau diesen Personen machen auch Sinn, trotzdem war mir das gerade in der ersten Hälfte zu anstrengend zu lesen. Und die ganze Hochzeitsgesellschaft ging mir auf die Nerven - das sind verwöhnte Internatsschüler, mittlerweile erwachsene Menschen Mitte 30 und alle - wirklich alle - besaufen sich ohne Grund und Boden?! Sie verhalten sich kindisch, veranstalten Trinkspiele, erwähnen immer wieder, wie die Schule sie geprägt hat und kommen immer wieder auf "das" Spiel, das alle Neulinge über sicher ergehen lassen musste, zu sprechen: Survival. Aus dem der Bräutigam Will Profit geschlagen hat, weil er das nun in einer Fernsehshow vermarktet hat.
Die Haltung von Olivia konnte ich oft nicht nachvollziehen und auch der oft nur angedeutete Junggesellenabschied war so eine Sache, die mir gegen den Strich ging.
Obwohl sich nach einiger Zeit durch die Beschreibung der Charaktere schon herauskristallisiert hat, wer die Leiche ist, gab es dennoch weitere mögliche Kandidaten.
Und auch für den Mörder stellt die Autorin mehrere Personen zur Auswahl - jede davon hätte einen guten Grund gehabt, zu morden. Die Auflösung, die Offenbarungen, die sich dann noch ergeben haben und der Plottwist war genial gelöst! Es gab immer wieder Hinweise, dich ich jedoch leider nicht richtig zuordnen konnte. Auch wenn es vielleicht ZU viele Zufälle gab, wie die Verbindung zwischen den Charakteren hergestellt wird, wurde ich sehr gut unterhalten und war von der Auflösung positiv überrascht!
Fazit:
Geniale außergewöhnliche Thriller-Komposition, die langsam und leider etwas zäh beginnt, aber zum Ende rasant an Fahrt aufnimmt mit einem überraschenden Plottwist!
rüstige Senioren auf amüsanter Mörderjagd
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Die ehemaligen Krankenschwester Joyce wird 1,5 Jahre nach ihrem Einzug in der exklusiven Seniorenresidenz "Coopers Chase" Mitglied des Donnerstagsmordclubs, als deren Vorsitzende Elizabeth, früher Geheimagentin, ihre Hilfe in einem Cold Case braucht. Die Aufklärung von ungelösten Kriminalfällen ist nämlich die Aufgabe des Clubs, der sich immer Donnerstags trifft und dem auch noch der Psychiater Ibrahim und der ehemalige Gewerkschafter Ron angehören.
Doch dann wird der Bauunternehmer des Seniorenheims tot aufgefunden und wenig später fällt der Eigentümer von Coopers Chase, Ian Ventham, nach einem Streik tot um - nun hat der Donnerstagsmordclub einen aktuellen Mordfall zu lösen!
Meine Meinung:
"Der Donnerstagsmordclub" ist das Debüt von Richard Osman, welches ihm ausdrücklich gut gelungen ist!
Die Geschichte hat eine tolle Mischung aus britischem Charme, humorvollen Sprüchen und einem Whodunnit-Krimi, bei dem der Leser toll miträtseln kann.
Die Geschichte ist in Tagebucheinträge von Joyce und einem berichtenden Erzähler unterteilt. Somit weiß der Leser oft mehr als die Mitglieder des Donnerstagsmordclub, aber eben auch nicht alles.
Die alten Leutchen dieses Clubs sind einfach humorig, bzw. sind es Joyces Tagebucheinträge. Man muss oft schmunzeln bzw. sogar auflachen über deren Naivität. Vor allem auch, wenn sie viele Dinge erst einmal herausfinden müssen für ihre Ermittlungsarbeit, zB was ein Fitnesstracker ist. Doch der Verstand ist noch fit, sie besitzen Scharfsinn und sie kombinieren hervorragend (v.a. Elizabeth, was auch mit ihrer beruflichen Vergangenheit zu tun hat).
Die einzelnen Charaktereigenschaften von Joyce, Elizabeth, Ibrahim und Ron sind detailliert ausgearbeitet und alle vier sind sympathisch. Es ist amüsant, wie sie ihr Alter und ihre vorgeblichen Gebrechen ausnutzen, um Vorteile herauszuschlagen.
Sehr liebevoll und rührend fand ich Elizabeth, als sie immer ihre alte Freundin Penny, eine ehemalige Polizistin, in dem dem Seniorenheim angeschlossenen Pflegeheim besucht. Penny war immer ein wichtiges Mitglied des Donnerstagsmordclub und hat die Fälle gebracht, in denen ermittelt wurde.
Auch die Polizisten Donna De Freitas und ihr Chef Chris Hudson (der erst durch das Eingreifen des Donnerstagsmordclub ihr Chef wurde) werden liebenswürdig, die Polizeiarbeit glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt. Sehr witzig ist hier, wie sich das Quartett immer einmischt, der Polizei Tipps gibt und natürlich auch gegen deren Willen selbständig ermittelt.
Der Fall selbst ist komplex, man ist als Leser erstaunt über die falschen Fährten, wie viele Details zusammenhängen, wie einzelne Fäden verwebt werden und wie alles aufgelöst wird.
Fazit:
Unterhaltsamer Krimi mit britischem Humor, in dem rüstige Senioren auf Verbrecherjagd gehen. Warmherzig, authentisch, mitreißend - einfach nur toll! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
Tagebücher im Comic-Stil über das Leben von zwei Patchwork-Geschwistern
Das ungeheimste Tagebuch der Welt!, Band 1 - Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde ....Bd.1 von Anja Fröhlich; Patrick Krause
Karlines Stiefbruder Paul, der später mal ein berühmter DJ werden will, ist sitzengeblieben und geht nun mit ihr in eine Klasse.
Und das schlimmste ist: er wurde zum Klassensprecher gewählt?!? Obwohl doch SIE Klassensprecherin werden wollte und die (Um-)Welt verbessern!
Als Karline eines Tages Pauls geheimes Tagebuch (das er Logbuch nennt) entdeckt, fotografiert sie seine Einträge, klebt sie in ihr eigenes Tagebuch dazu und plant heimlich einen Rachefeldzug.
..
Meine Meinung:
"Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde" ist der erste Teil der Ungeheimsten-Tagebuch-Reihe.
Die Idee ist außergewöhnlich: ein Tagebuch-im-Tagebuch im Comic-Stil von zwei Patchwork-Geschwistern, in das ich aber erstmal reinkommen musste. Somit bekommt man als Leser von beiden Kindern die Gedanken und Gefühle nähergebracht und kann mit beiden mitfühlen.
Da sich Karline und Paul nicht soo besonders gut leiden können und Paul Karline jetzt auch noch den Klassensprecher-Job weggeschnappt hat, worauf sie sich endlich reale Chancen ausgerechnet hatte und den er eigentlich gar nicht wollte und nur durch Zufall bekommen hat, plant Karline ihre Rache an ihm. Da sie jeden seiner Gedanken und Schritte kennt, kann sie natürlich dementsprechend planen.
Es ist lustig und chaotisch, auch wenn ich einiges übertrieben fand.
Die Probleme von Patchwork-Kindern werden hier humorvoll aufgearbeitet und auch Familie, Scheidung, Freunde, Schule und vor allem Klima-/Umweltschutz sind zentrale Themen.
Leider ist die Geschichte für mich nicht so ganz abgeschlossen (werden Karline und Paul sich jemals gut verstehen?), was natürlich neugierig auf die Fortsetzung macht.
Wörter in verschiedenen Schriftarten und die vielen schwarz-weiß-Illustrationen peppen den Tagebuch-Comic-Roman nochmal auf, denn sie sind sehr witzig und passen zu den jeweiligen Situationen.
Dadurch denke ich, werden auch Lesemuffel zum Lesen angeregt.
Fazit:
Ein humorvoller Comic-Roman im Tagebuch-Stil mit vielen witzigen Illustrationen.











