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Rezensionen von Peter Krackowizer:

Sorgfältig recherchierte Lebensgeschichten, geprägt von der Grausamkeit des NS-Regimes

Verstoßen von Gerda Hofreiter

Das Lesen mancher Kapitel ist bedrückend, manchmal sogar sehr bedrückend. Kinder und Jugendliche, die bis März 1938 miteinander in die Schule gingen, wurden von einen Tag auf den anderen vom Unterricht ausgegrenzt. In der sogenannten Reichskristallnacht im November 1938 mussten sie zuschauen, zumindest mithören, wie ihre Väter erschossen, erstochen oder erschlagen und ihre Mütter gedemütigt und geschlagen wurden.

Aber vielen Kinder und Jugendlichen wurden schon vor dem Anschluss und auch noch danach bis Anfang 1939 mit Kindertransporten nach England oder Palästina geschickt. Daher habe viele von ihnen überlebt. Sie und ihre Nachfahren stellten private Dokumente und Erinnerungen für dieses Buch zur Verfügung.

Als sehr hilf- und aufschlussreich habe ich den Teil 1 empfunden. Darin werden von der Autorin gut verständlich die Geschichte der Juden in Vorarlberg und Tirol sowie die Hintergründe geschildert, wie es zu der Vertreibung der Kinder und Jugendlichen kam und welchen Neuanfang sie in der Welt erlebten. Obwohl dieser Teil 1 stark auf Geschichte der Juden in Vorarlberg und Tirol zugeschnitten ist, gibt er doch einen sehr guten Einblick in die damalige Lebenssituation dieser Menschen und deren Geschichten. Ein Kapitel beschäftigt sich auch mit dem Thema Integration in den neuen Heimatländern oder zurück nach Österreich (was offenbar die Wenigsten wollten).

Im Teil 2 – Hundert oder mehr Geschichten – wird das Lesen dann abschnittsweise beklemmend. Die damalige Kinder und Jugendlichen erinnern sich heute für das Buch an die Gräuel des Novemberpogroms, an die Demütigungen in der Schule und bei ärztlichen Behandlungen, bei der Besorgung der Ausreisedokumente und selbst in den Fluchtländern wurden sie nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als „Feinde“ interniert. Einer dieser jungen Männer meldete sich zur britischen Armee. Ihm gelang es als Besatzungssoldat in Österreich zwei der Mörder seines Vaters ausfindig zu machen. Dem einen gelang jedoch die Flucht, der andere wurde nicht verurteilt. Diese und andere Erlebnisse hat die Autorin akribisch zusammengetragen. Viele Personen haben ihr Familienbilder zur Verfügung gestellt, die noch unbeschwerte Kinder zeigen, wie im Beispiel von Ilse und Inge Brüll. Bei allen Familien gibt es einen Überblick über die Familie an sich, also kurze Informationen über die Großeltern und Eltern, über Großfamilien und Geschwister.

550 Fußnoten, ein zweiseitiges Literaturverzeichnis und eine Seite Quellenangaben sowie ein Abbildungsverzeichnis zeugen von der wissenschaftlichen Recherche der Autorin Gerda Hofreiter. Das Buch ist aber kein Lesebuch, da die Informationsdichte bei den einzelnen Familie derart konzentriert ist, um es in einem Stück lesen zu können. Es stellt vielmehr ein Nachschlagewerk dar, vor allem für die Innsbrucker Bevölkerung, was aus ihren einstigen Nachbarn, vielleicht auch Freunden wurde. Zwar wird die Generation, die sich derer noch erinnern kann, wohl bald tot sein, aber das Buch dokumentiert den dunkelsten Abschnitt in der Geschichte Tirols.

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Salzburger Erzabt gibt guten Einblick in das Klosterleben und die benediktinischen Regeln

Weites Leben – weites Herz von Korbinian Birnbacher

„Dieses Buch teilt den Erfahrungsschatz eines Klosters …“ sagt Erzabt Korbinian Birnbacher, der 88. Abt und 6. Erzabt der Benediktiner-Erzabtei St. Peter in der Stadt Salzburg, in seinen Dankesworten. Diese gelten auch Christoph Kardinal Schönborn, der das Vorwort geschrieben hat und Josef Bruckmoser, der Birnbacher beim Schreiben des Buches journalistisch-fachlich zur Seite gestanden ist.

In vier Kapiteln – „mit Benedikt im Kloster leben“, „mit Benedikt mehr Mensch werden“, „mit Benedikt die Kirche erneuern“ und „mit Benedikt die Welt verändern“ – gibt Korbinian Birnbacher, der als Georg in Bad Reichenhall zur Welt kam und in Anger in Oberbayern aufwuchs, Einblick in den Klosteralltag und die benediktinischen Regeln.
Er beginnt mit der Schilderung seines Lebens, in dem ihm schon bald vorhergesagt wurde, er werde einmal Abt werden. Dann erzählt er von seinem Leben im Kloster und dass er „spektakulär ins Amt gekommen“ ist. In diesem Zusammenhang greift er auch das Thema des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen auf, das seinen Vorgänger Erzabt Becker zum Rücktritt zwang. Jeder Abschnitt beginnt mit einer benediktinischen Regel, die Birnbacher dann erläutert, wie sie in der heutigen Zeit zu deuten ist und wie sie in St. Peter gelebt wird. Er beschreibt, wie die Namenstage der Mitbrüder gefeiert werden (nicht die Geburtstage), wie das Gemeinschaftsleben funktioniert und auch welche Probleme im Gemeinschaftsleben auftreten. Ausführlich behandelt er die Funktion des Abts, welche Aufgaben und Herausforderungen auf ihn warten. Auch Humorvolles bietet der Erzabt in seinem Buch: „Wie viel Wein darf es sein?“ Natürlich im Zusammenhang mit einer benediktinischen Regel.

Korbinian Birnbacher scheint einen offenen Geist für die geistlichen Bedürfnisse der heutigen Zeit zu haben. Er ist nicht mit allem glücklich, was die katholische Kirche sagt, und weist auf manche unterschiedliche Auffassungen der Benediktiner hin. Ein Thema sind die Synoden, bei denen er die aktuelle noch laufende heraushebt, an der erstmals nicht nur 200 Bischöfen, sondern auch 100 Laien, darunter 54 Frauen, teilnehmen. „Eine neue Oppositionskultur in der Kirche entwickeln“ nennt er ein Unterkapitel. Darin übt er Kritik an kirchlichen Haltungen. Man solle den brennenden Fragen nicht ausweichen – Thema „Weiheämter für Frauen stehen ganz oben“. Gegen Ende des Buches gibt es noch die Unterkapitel „wie die Mönchskultur Salzburg prägte“, „Benedikt, der Patron Europas“ und „sieben Lebensregeln für den Alltag“.

Teilte ich das Buch in drei Abschnitte, so handelt der erste Teil über sein Leben und den Klosteralltag, der zweite, mittlere Teil über geistliche Themen rund um benediktinische Regeln und der dritte Teil über zeitaktuelle Themen. Das Buch liest sich angenehm, der mittlere Teil ist vielleicht etwas schwerer zu verstehen. Aber nach dem Lesen dieses Buches habe ich einen guten Einblick in das benediktinische Klosterleben in St. Peter erhalten.

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Ein Bild-Prachtband mit Texten auf hohem Niveau

Nepal von Dieter Höss

Schon die Bilder der Buchankündigung waren für mich derart eindrucksvoll, dass ich dieses Buch haben wollte. Auch weil meine ersten Erfahrungen im Reisebüro mit Fern- und Expeditionsreisen Anfang der 1980er Jahre Nepal- und Tibet-Reisen waren und mein damalige Chef, Dr. Martin Uitz, ein Himalaya-Experte war.

So verfolgte ich seither die Entwicklungen in dem Teil der Erde. Dieser Bildband ist gelinde geschrieben ein Prachtband mit Texten auf hohem Niveau!

1969 unternahm Höss im Rahmen seines Medizinstudiums von Tirol den Landweg nehmend seine erste Reise in den Himalaya-Staat. Seither lässt ihn dieses faszinierende Land „am Dach der Welt“ nicht mehr los. In diesem Buch zeigt er in hervorragenden Farbaufnahmen und beschreibt in vielen interessanten Details auf rund 150 großformatigen Seiten in elf Kapiteln den „Great Himalaya Trail“. Am Anfang des Buches stehen eine kleine Landeskunde, das Wichtigste im Überblick sowie ein Kapitel über Kathmandu und Umgebung. Eingestreut in seine Trekking-Beschreibungen finden sich farblich von den Trekking-Texten sich unterscheidende Informationskapitel wie beispielsweise über die Kultur der Nawar und Sherpa, Mudras Mantras und anderes. In den Texten lässt Höss den Leser förmlich mitwandern. Beim Beitrag über den Yak, der seine Frau und ihn einmal vor dem Übernachten im Zelt abhielt oder bei der Erzählung über eine religiöse Feier kann der Leser mit etwas Phantasie in das Geschehen miteintauchen, so bildhaft schreibt Höss. Dass es in der Nacht dort oben bitterkalt werden kann und bei Trekking-Touren Pässe von 5 000 und mehr Metern Höhe überquert werden müssen lässt aber Höss wie vieles anderes nicht unerwähnt. Wie überhaupt er manchmal zurückblendet, wie er dieses Tal oder jenen Ort einst erlebte und heute sieht, ob die Veränderungen Fluch oder Segen bedeuten. Er gibt Einblicke in das Leben der Menschen und in ihr Gücklichsein trotz großer Armut.

Am eindruckvollsten aber sind die Bilder. Schon das Titelbild lässt die ausgezeichnete Qualität der Bilder im Buch erahnen. Nun ist natürlich ein guter Verlag eine Voraussetzung für gelungenen Bilderdruck. Aber die beste Druckerei kann nicht viel bewegen, wenn das Bildmaterial schlecht ist. Und selbst technisch-farblich gute Bilder machen noch kein Buch – es kommt auch auf die Motive an. Und darin scheint dieses Buch unerschöpflich sensationell zu sein: es sind die Lichtschattenspiele wie das doppelseitige Bild einer Chörten, die in Abendrotstimmungen „glühenden“ Bergwände der gigantischen Eisriesen, die wie fein ziseliert wirkenden Abhänge des Thamserku oder das Riffeleis im Rolwaling. Da zeigt Höss ein Dorf umgeben von gelb blühenden Senfblüten oder ein doppelseitiges Bild des aus Steinhütten bestehenden Tinkar-Dorfes.

Was aber dieses Buch wirklich einzigartig macht sind die Bilder von Menschen. Da steht beispielsweise ein Kind in einem Holzfenster, verrotzt, mit wildem Haarwuchs und ärmlicher Kleidung; dann wieder trägt ein Mönch eine drei Meter lange Dung-chen, ein Musikinstrument für religiöse Zeremonien; Frauen bei der Arbeit oder einen Schwatz haltend, ein Bild eines Mädchens, aus dem die Fröhlichkeit lacht und der Schalk schaut, daneben kraxelt einer der Kleinsten mit nacktem Hintern einen grobbehauenen Holzstamm hinauf, der den Erwachsenen als Treppe dient.

Ich kann jetzt nicht jedes Bild beschreiben, ich kann aber mit Überzeugung schreiben, dass es ein herrlicher Bildband ist, der vielfältige Einblicke in dieses Land der Achttausender bietet. Zur Orientierung hat Höss bei jedem Trekking-Abschnitt eine ganzseitige durchaus gute Übersichtskarte eingefügt. Darin sind die nördliche Landesgrenze, die Trekking-Route, Dörfer und die wichtigsten Gipfel der Himalaya-Kette eingetragen. Eine kleine Karte zeigt jeweils den Standort des Ausschnitts an. Dazu kommt eine Seite Beschreibung über technische Daten des jeweiligen Abschnitts (Schwierigkeit, höchster Punkt, Übernachtungshinweise, Dauer, empfohlene Reisezeit).

Ich habe zunächst mir die Bilder angesehen, dann Abschnitte daraus gelesen und wieder Bilder geschaut. Ich war noch nie in Nepal und werde wohl auch nicht mehr selbst dorthin reisen. Mit diesem Buch muss ich auch nicht mehr nach Nepal reisen – Dieter Höss hat es mir mit seinen unzähligen Facetten nach Hause geliefert! Wenigstens ansatzweise, denn die Lust, vielleicht doch noch einmal nach Nepal zu reisen kommt beim Durchblättern und Lesen unweigerlich auf.

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