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Rezensionen von haberlei:
Wer ist Louisa? Spannende Mördersuche
Verlorene Kinder von Beate Winter
„Verlorene Kinder“ von Beate Winter ist der dritte Fall, den Kommissar Frommelt und sein Team zu lösen haben.
Sowohl das Cover der mir vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 2021 mit dem Kind vor dem zerbrochenen Spiegel als auch jenes der aktuellen Ausgabe mit dem einsamen Häuschen haben Bezug zum Inhalt.
Die Hervorhebung des Titels ist bei der Neuausgabe eindeutig besser. Der Schreibstil ist flüssig, gut beschreibend, mit Schwerpunkt Ermittlungsarbeit, wobei durch den Einblick in das Privatleben der Menschen deren Charaktere gut beleuchtet, lebendig und authentisch werden. Trotz des roten Fadens steht jeder Band für sich alleine, kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Der Fall gestaltet sich von Anfang an sehr mysteriös. Welches Motiv hatte der Mörder, eine alte ehemalige, allseits beliebte Hebamme zu töten? Wer ist Louisa? Diesen Namen schrieb die Sterbende noch mit ihrem Blut. Frommelt und seine Leute tappen lange im Dunkeln. Keiner im Ort kennt eine Louisa. Im Zuge der Recherchen stoßen sie auf mehrere seltsame Unglücksfälle, die sich in der Ortschaft vor Jahren zugetragen hatten, und auf streng gehütete Geheimnisse. Eigenartig erscheint auch ein frisch zugezogenes Ehepaar, das ein altes, verfallenes Haus gekauft hat. Vor allem die junge Frau verhält sich psychisch auffällig.
Der Spannungsbogen hält sich konstant auf gutem Niveau. Es bietet sich reichlich Gelegenheit mit zu rätseln, eigene Theorien aufzustellen. Auch Frommelt und sein Team verfolgen diverse Spuren, es kristallisieren sich Verdächtige heraus. Dennoch hakt es immer wieder am Motiv, der Gelegenheit oder dem Alibi. Es war interessant zu verfolgen, wie sich Puzzlesteinchen um Puzzlesteinchen die wahre Geschichte um Louisa enthüllte, sich auch die Hintergründe der früheren Unglücksfälle offenbarten. Die Handlung entwickelte sich abwechslungsreich und bot immer wieder Überraschendes. Erst in einem dramatischen Finale gelingt es, den Mörder zu fassen.
Es ist ein sympathisches, harmonisches Team, das Kilian Frommelt umgibt. Arbeitsmäßig ergänzen sie einander, jeder hat so seine Stärken. Für private Probleme der anderen haben alle stets ein offenes Ohr und Verständnis. Frommelt verfügt zwar über guten kriminalistischen Spürsinn, seiner Partnerin gegenüber holpert es etwas mit dem Gespür. Doch auch hier helfen Freunde und KollegInnen, dass es letztlich doch ein Happy-End gibt. Sehr gut gefiel mir auch die neue Staatsanwältin Bernie. Sie ist erfrischend unkompliziert.
„Verlorene Kinder“ ist nicht nur ein spannender Krimi mit psychologischer Tiefe, sondern punktete bei mir auch mit dem privaten Bezug. Das macht die Ermittler so menschlich und lebendig. Ich habe übrigens noch nie einen Krimi mit so einem romantischen, berührenden Ende gelesen. Gerne empfehle ich das Buch mit 5 Sternen.
Packender Wettlauf gegen die Zeit
Der Tarotkartenmörder von Drea Summer
„Nordseesünde“ von Drea Summer ist der zweite Band der Nordsee-Krimireihe mit dem Ermittlerduo Stefanie Teufel und Jan Graf. Es handelt sich hiebei um die Neuauflage des bereits 2023 unter dem Titel „Der Tarotkartenmörder“ erschienenen Krimis.
Das Cover ist ansprechend, stimmt auf den Schauplatz ein.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft. Die Autorin versteht es meisterlich, Atmosphäre zu vermitteln. Durch stetige Perspektivenwechsel zwischen Polizei, Opfern und Täter hält sich der Spannungsbogen stets auf hohem Niveau. Die Kapitel sind kurz, mit Orts- und Zeitangaben übertitelt. Die Handlung spielt in der Gegenwart in Niebüll und auf Sylt. Zwar hatte ich seinerzeit den ersten Band (Der Nordseeritzer/Nordseebestrafung) gelesen, stieg aber jetzt quasi wie neu in die Geschichte ein, weil ich mich an Details des Vorgängerbandes nicht mehr erinnern konnte. Somit ist jeder Band problemlos für sich lesbar.
Mehrere Frauenmorde beschäftigen die Polizei. Das Ermittlerduo Stefanie Teufel und Jan Graf sieht sich mit seltsamen Gemeinsamkeiten konfrontiert: die Frauen wurden mit Farbe besprüht und jeweils liegt eine Tarotkarte bei den Leichen. Besonders pressant wird der Fall durch die Tatsache, dass auch eine Journalistin von dem sogenannten Tarotmörder bedroht wird, die über die Mordfälle berichtet hat. Da es sich bei dieser Journalistin um Stefanies Halbschwester Sophie handelt, werden die offiziellen Ermittlungen Kollegen übertragen. Steffi und Jan müssen die Entführung eines jungen Pärchens aufklären.
Für mich war der Krimi ein Pageturner. Schon allein, die kryptischen Botschaften des Mörders zu entschlüsseln – die Bedeutung der Farben, der Tarotkarten und Bibelsprüche – war unheimlich interessant. Sowie das Aufspüren der Zusammenhänge. Die Frauen kannten sich offenbar nicht. Wo liegt die Gemeinsamkeit? Wie wählt er seine Opfer aus? Zudem stellt sich bald heraus, dass die Mordserie noch im Gange ist. Gibt es noch eine Chance, das nächste Opfer zu retten? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, wobei der Mörder immer wieder der Polizei einen Schritt voraus ist. Bis es in einem dramatischen Showdown gelingt, den Mörder zu stoppen. Für einen Überraschungseffekt am Ende sorgt schließlich das Motiv für die Taten.
Das Ermittlerduo arbeitet harmonisch zusammen, ist auch privat befreundet. Jan erscheint als der ruhigere, überlegtere Part der beiden. Steffi wirkt für ihr Alter von über 40 stellenweise für eine Kriminalbeamtin zu emotional, zu impulsiv, zu unbeherrscht, auch manchmal zu ängstlich. Insbesondere hat sie ihre seit Kindheit bestehende Aversion gegenüber der jüngeren Schwester anfangs überhaupt nicht im Griff. Rein grundsätzlich sind die beiden jedoch sympathische Protagonisten.
Es war ein Krimi ganz nach meinem Geschmack: ein kniffliger Fall mit höchstem Spannungsniveau und einem Ermittlerduo, das ich noch recht oft beim Ermitteln begleiten möchte. Mit Vorfreude auf den nächsten Band vergebe ich 5 Sterne! Eine unbedingte Leseempfehlung!
Glück und Leid für Kati
Zimtsterne und Pfötchenzauber von Petra Schier
Mit „Zimtsterne und Pfötchenzauber“ (erschienen 2026) hat Petra Schier nunmehr bereits den 11. Band der Reihe „Weihnachtshund“ vorgelegt. Es ist wieder ein sehr stimmungsvoller und romantischer Weihnachtsroman. Schon das Cover, weihnachtlich verschneit, mit einem entzückenden Affenpintscher stimmt auf das Buch ein und lässt Vorfreude auf die Advent- und Weihnachtszeit aufkommen.
Jeder Band kann aber unabhängig von den anderen gelesen werden, auch wenn die Protagonisten der Vorgängerbände als Nebenfiguren agieren. Kennt man bereits mehrere Bände, so fühlt man sich fast dazugehörig zur Dorfgemeinschaft.
Petra Schiers Schreibstil ist flüssig, humorvoll bis romantisch. Besonders liebenswert und amüsant finde ich jedesmal die Gedanken und Aktionen der Hunde, die unweigerlich die Hauptrolle spielen. Sehr einfühlsam versetzt sich die Autorin in die Gefühlslage der Protagonisten, ob Mensch oder Tier. Ob fröhliches Zusammensein der Freunde oder traute Gespräche unter vier Augen, es wirkt stets lebendig und authentisch. Ebenso die romantischen bis dezent erotischen Szenen.
Weihnachtsdeko, gemeinschaftliches Keksebacken, Weihnachtsmarkt-Flair und last but not least die Szenen mit dem Weihnachtsmann, seinen Rentieren und der Elfenschar – all das bringt einen wunderbar in Weihnachtsstimmung. Ich ließ mich von diesem Ausflug ins Märchenhafte gerne verzaubern.
Petra Schiers Geschichten basieren auf Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, echter Freundschaft und Harmonie. Es sind liebenswürdige Charaktere, durchwegs auch stur oder schwierig wie Kati, die aus einem desolaten Elternhaus stammt und sich stets alleine durchs Leben kämpfen musste. Sie fühlt sich verantwortlich für ihre Familie, wird von ihr immer wieder ausgenützt. Sich auf jemand anders zu verlassen, Hilfe anzunehmen, fällt ihr schwer. Aber dem warmherzigen Arian gelingt es mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen, ihren Schutzpanzer zu durchbrechen. Die kleine Affenpintscher-Dame trägt das Ihre dazu bei, Katis Herz zu gewinnen.
Ich liebe diese gefühlvolle Reihe, die mich immer wieder ein bisschen in traumhafte heile Welt gleiten und all die Schreckensnachrichten aus der realen Welt ausblenden lässt. Es waren entspannende, beglückende Lesestunden. Ich freue mich schon aufs nächste Buch.
Allen, die romantische Weihnachtsgeschichten lieben, kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.
Alt&Jung – ein erfolgreiches Team
Aufgetrennt von Vera Nentwich
Mit „Aufgetrennt“ lässt Vera Nentwich ihr generationenübergreifendes Ermittler-Duo, den Rentner Lutz Weber und Kaspar Wozniak, der seinen beruflichen Weg noch sucht, ein weiteres Mal erfolgreich ermitteln.
Das Cover des 2026 erschienenen Buches ist ansprechend, passt gut zum Thema des Krimis.
Der Roman spielt in der nicht näher bestimmten Gegenwart in Krefeld. Lokalkolorit ist gut dosiert mit verwoben. Der Schreibstil ist flüssig, gut beschreibend, auch sprachlich wird gut zwischen Alt und Jung differenziert. Ich kannte bereits den ersten Band. Es steht jeder Fall für sich, kann somit ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Trotzdem empfehle ich, der Reihe nach zu lesen.
Erzählt wird aus Sicht von Lutz, der sich zufällig am Tatort, dem Krefelder Design- und Vintage-Markt (SpätMAAT), aufhält, als dort eine der Ausstellerinnen, eine ihm bekannte Lehrerin, ermordet wird. Ihm war, als er kurz zuvor mit dem Opfer noch geplaudert hatte, eine seltsame Szene bzw. Person aufgefallen. Da er den Eindruck hat, dass seine Beobachtungen von der für die Ermittlungen zuständigen Kommissarin nicht entsprechend gewürdigt werden, beginnt er mit Hilfe von Kaspar das Umfeld des Opfers zu erkunden. Die beiden befragen Familienmitglieder, Kolleginnen, Freundinnen, usw. Puzzlesteinchen für Puzzlesteinchen sammeln sie Informationen, finden Verdächtige und Motive - bis es ihnen nach einigen falschen Spuren gelingt, der Polizei den wahren Täter zu präsentieren.
Was mir an dieser Reihe so besonders gefällt, ist der Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen von Alt & Jung. Sie profitieren voneinander. Der junge Kaspar bringt Schwung in das eintönige, einem geregelten Alltagstrott folgende Leben von Lutz, der nach dem Tod seiner Frau den Haushalt nur so recht und schlecht bewältigt und in Erinnerungen versponnen ist. Der vaterlos aufgewachsene Kaspar, der nicht so recht weiß, was er aus seinem Leben machen soll, findet in Lutz einen (groß)väterlichen Freund, Vorbild und Ratgeber, der ihn unterstützt, Zukunftsperspektiven zu finden.
Denn Lutz und Kaspar sind grundverschieden. Bei Lutz muss alles seine Ordnung haben, strukturiert sein, er ist höflich, rücksichtsvoll und zurückhaltend. Mit der modernen Technik ist er wenig vertraut, Kaspar dafür umso mehr. Die beiden ergänzen einander nicht nur ermittlungstechnisch ausgezeichnet – Lutz übernimmt die persönlichen Befragungen, während Kaspar sich mit den digitalen Recherchen befasst, sondern bereichern gegenseitig ihr Leben.
Mir hat der Krimi wieder sehr gut gefallen, insbesondere das Zwischenmenschliche, die Zusammenarbeit der beiden, die sich zu einer Freundschaft, sogar einer Wohngemeinschaft entwickelt hat. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall.





