Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
gut lesbar
Sieben Tage voller Wunder von Dani Atkins
Ein romantischer Roman, der mit einer Flugzeugreise von Kanada beginnt und mit einem Absturz. Wer Angst vorm Fliegen hat, für den sind das erschreckende Szenen.
Auffällig ist jedoch von Beginn der warmherzige Ton!
Getragen wird der Roman von der Icherzählerin Hannah, die nach 5 Wochen zu Besuch bei ihrer Schwester zurück nach England fliegen will.
Nach dem Absturz geht es um das überleben und 7 Tage des Hoffens auf Rettung. Dabei zeigt sich auch die innere Stärke und das ist wohl die Message des Romans. Letztlich spielt sich das zunächst mehr auf der Oberfläche ab. Es erinnert latent an Paulo Coelhoe Mets William F.Young.
Es gilt im Überlebenskampf sich selbst und eigene Fähigkeiten zu entdecken, dabei kann gleichzeitig ein Teil der Vergangenheit aufgearbeitet werden.
Der Roman hat außerdem einen Clou, über den man besser nichts verrät, daher schließe ich meine Worte mit der Bemerkung, dass der kurze Roman gut und unterhaltsam zu lesen ist. Ich hatte das Buch in wenigen Stunden durch.
Lebhafter Thriller
Crimson Lake von Candice Fox
Crimson Lake ist ein unterhaltender Roman mit Drive und gefühlvollen Protagonisten.
Das spürt man schon von Anfang an. Expolizist Ted Conkaffev war monatelang in Untersuchungshaft, da er des Mordes an einer Jugendlichen verdächtigt wurde. Einziger Hinweis darauf war aber nur, dass er am Tag der Tat mit dem Mädchen gesprochen hatte und dabei gesehen wurde.
Jetzt ist er erst einmal wieder auf freien Fuß und in entsprechend schlechten Zustand. Von der Öffentlichkeit verdächtigt, von der Frau verlassen, lebt er alleine in Crimson Lake.
Was diesen eigentlich tragischen Ansatz beim Lesen entlastet ist der Humor der Autorin, die ihren Figuren einen Hang zur Selbstironie verleiht.
Mir gefällt außerdem gut, wie lebhaft geschildert wird.
Das geht von dramatischen Szenen hin zu leisen, etwa wenn Ted eine verletzte Gans und deren Küken aufnimmt und sich rührend um sie kümmert.
Andere Tiere im Norden Australiens sind nicht so niedlich, zum Beispiel Riesenschlangen und Krokodile. Die lassen einen eins um andere Mal beim Lesen Schauder über den Rücken laufen.
Ein guter Schachzug der Autorin ist ferner Ted mit einer weiteren interessanten Figur zusammen zu bringen. Ted arbeitet fortan bei der Privatdetektivin Amanda, die selbst einige Jahre als angebliche Mörderin im Gefängnis gesessen hat. Das sich auch in ihrem Fall ein tragisches Geheimnis verbirgt, liegt auf der Hand.
Ted und Amanda haben Gemeinsamkeiten, sind aber unterschiedliche Typen. Amanda gibt sich nach außen hin Widerspenstig, ist aber innerlich sehr verletzlich.
Ted ist ein emotionaler Mensch. Die beiden ergänzen sich gut und werden wohl auch in zukünftigen Thrillern ein gutes Team abgeben.
Suche nach einer Legende
Wer ist B. Traven? von Seifert Torsten
Wie so viele meines Alters habe ich die Filme nach den Romanen von B.Traven gesehen und grenzenlos bewundert. Gelesen habe ich ihn schon seltener, aber immerhin doch Der Schatz der Sierra Madre. Das ist jetzt “hust. Hust” Jahre her.
Die Idee aus der legendären Frage nach der Identität dieses Autors ist nicht neu.
Das wurde schon immer diskutiert, es gab Dokus etc.
Doch immerhin ist der literarische Ansatz eine gute Möglichkeit die Leser an diese geheimnisvolle Figur zu führen.
Leon, ein Journalist, Hauptfigur des Romans, wird 1947 auf die Suche nach B.Traven geschickt.
Es wird einiges an Namedropping betrieben, zum Beispiel sucht Leon den Filmdreh zur Verfilmung eines B.Traven-Romans in Mexiko auf und trifft Regisseur John Huston und Schauspieler Humphrey Bogart. Besonders die Dialoge zwischen Leon und Bogey sind gut. Diese Figuren sind nicht schlecht gestaltet, wirken so, Wie man es aus einigen Dokumentationen schon kennt.
Auch von anderen Berühmtheiten ist die Rede: Raymond Chandler, Truman Capote, Clark Gable, aber die treten nicht als Personen auf.
Leon ist nicht unbedingt eine starke Hauptfigur, aber so war das wohl auch geplant. Er trifft in Mexiko mit Maria eine geheimnisvolle Frau, auch sie auf den Spuren von B.Traven. Leider verläuft die Beziehung im Sande.
Mit der Zeit verliert die Handlung ziemlich an Spannung. Sprachlich wie inhaltlich versinkt das Buch lange im Mittelmaß. Schade! Die Schlußpassagen, ca. die letzten 50 Seiten sind dann aber noch einmal packend.
Junge französische Literatur mit afrikanischen Wurzeln
Kleines Land von Faye Gaël
Der kurze französische Roman über Kindheit, Bürgerkrieg und den Verlust der Heimat, hier konkret Burundi, kann mit seiner gut gemachten, musikalisch wirkenden Sprache überzeugen. Der Stil erinnert an eine Afrika-spezifische Art des italienischen Neorealismus.
Die Kindheit des Erzählers Gabe scheint bis zum Alter von 11 Jahren paradiesisch, aber da aus der Gegenwart in Frankreich zurückdenkend erzählt wird, ahnt man schon, dass dieser Zustand mit dem nahenden Bürgerkrieg 1994 bald enden wird.
Zwischen Hutu und Tutsi kommt es in Ruanda zum blutigen Konflikt, der auch auf das Nachbarland Burundi ausstrahlt. Es kommt zu schockierend brutalen Massakern, in der auch Gabe und seine Familie hineingezogen werden. Diese Erlebnisse werden Gabe auch im Exil nicht mehr loslassen.
Das Buch ist ein Debüt und wurde in Frankreich mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.
Man kann in Lesepausen einen Soundtrack zum Buch zusammenstellen, mit dem im Roman erwähnten Sänger Geoffrey Oryema oder dem Autor selbst, der auch HipHop-Musiker ist.
Orkney und die Klippen
Nachtlichter von Liptrot Amy
Autobiografisches Erzählen wird zur Literatur, wenn der Autor oder die Autorin über eine entsprechende Sprache verfügt und ein oder mehrere Themen behandelt, die Relevanz besitzen. Für das beeindruckende Buch Nachtlichter ist das meiner Meinung nach der Fall. Es geht um Heimat und Familie und seinen Platz im Leben zu finden.
Schwierigkeit dabei ist die Alkoholsucht, die sich anscheinend aus der Lebensgier der jungen Frau ergibt.
Autobiografische Bücher haben mich zuletzt ebenfalls von z.B. Delphine de Vigan oder Arno Frank fasziniert, aber Nachtlichter würde ich vom Lesegefühl vielleicht mehr mit Jeanette Walls Schloß aus Glas vergleichen, das vor kurzen verfilmt wurde. Auch in Nachtlichter werden starke Bilder von Menschen und Landschaft entworfen, die beim Leser nachwirken.
Der Alkohol hat Amy fest im Griff. Ihre Weltverlorenheit als Studentin in London kommt deutlich hervor. Auch später ruiniert ihr betrunkener Zustand ihre Beziehung und sie verliert ihre Jobs. Treffen der anonymen Alkoholiker oder Vorschläge der Therapeutin greifen nicht. Es gibt einige bedenkliche Vorfälle, sogar einen Überfall auf die betrunkene Amy. Erst eine intensive Therapie hilft kurz vor dem Abgrund, aber es ist ein schwerer Kampf. Dann folgt die Heimkehr, um wieder ins Leben zu finden. Die Gegend, aus der sie früher immer nur weg wollte, beginnt ihr etwas zu bedeuten. Das sind zum Beispiel die abgelegten und unbewohnten Inseln, die rau und windgepeitscht ihren eigenen Zauber haben. Bezüglich der Tiere auf der Farm oder den Vögeln gibt es detailreiche, beinahe dokumentarische Passagen, die dem Leser klar machen, dass es sich hier nicht um einen konventionellen Roman handelt. Hier engagiert sich Amy intensiv. Das erinnert stark an H wie Habicht von Helen MacDonald. Wer das Buch mochte, wird auch mit Teilen von Nachtlichter etwas anfangen können. Bei mir ist inzwischen der Appetit auf solche Bücher deutlich gewachsen!
Lebens- wie Liebesgeschichte
Durch alle Zeiten von Hammer Helga
Zeitlich sinnvoll versetzte Handlungsabschnitte zeigen das Leben von Elisabeth, der Protagonistin dieses Buches. Eine Lebens- wie Liebesgeschichte.
Die fünfziger und sechziger Jahre zeigen Kindheit und Jugend.
Es ist ein Leben mit Höhen und Tiefen. Die Kindheit in Armut, eine unglücklich verlaufende erste Liebe zu Niklas aber auch die schöne Zeit als sie durchsetzen konnte, auf die Haushaltsschule in England gehen zu können, schließlich auch eine Affäre, dann die Heimkehr schwanger.
Heirat und Kinder.
Und all die Jahre immer wieder Niklas, obwohl sie beide mit anderen verheiratet sind.
Dass im Ablauf des Erzählens zeitlich hin- und hergesprungen wird ist effektiv, und zeigt, wie alles miteinander zusammen hängt.
Dieses Frauenportrait ist sehr realistisch, mit ihrer Stärke und ihren Fehlern, und in der jeweiligen Zeit glaubhaft verankert,
Prägend ist natürlich auch die Bergwelt, in der Elisabeth mit Ausnahme des kurzen Englandabschnitts ihr Leben verbringt.
Mich beeindruckt auch die wirklich schön gemachte, genaue Sprache, die nicht zu viel und nicht zu wenig Mittel einsetzt. Kein Wunder, dass die 1940 geborene Autorin mit Ullstein fünf einen Verlag gefunden hat, der sich intensiv um neue deutsche Literatur kümmert.
Da ist der Anspruch: Zitat: „klassisch gut erzählen, vertraute Lebenswelten erschließen, uns aber auch in Teile unserer Welt führen, über die wir wenig wissen.“. Diesen Anspruch erfüllt Helga Hammer in hohen Maße.
dialogbetont
Katharina und der Zaungast von Christine Brückner
Dieser intelligente Roman von1957 ist ein Frühwerk von Christine Brückner und setzt ganz auf die Gespräche zweier Menschen.
Die junge Franziska und der 20 Jahre ältere Doktor sind über einen langen Zeitraum miteinander befreundet, aber doch sehr verschieden. Franziska ist stark und impulsiv, nach einer schweren Kindheit gierig auf das Leben, aber leider ist es eine fehlgeleitet Zeit.
Der geschilderte Fackelzug 1938 lässt einen eine Beklemmung beim Lesen erfahren.
Bastian, der Doktor, ist anders als Franziska, abwartend und beobachtend, klug bewahrt er kühlen Kopf.
Vielleicht ist ihre Verschiedenheit der Grund, warum sie sich in den Dialogen aneinander abarbeiten, die Vergangenheit reflektieren.
Beide mussten schweres durchmachen. Bastian erblindete im Krieg, Katharina verliebt sich in den falschen Mann, wird desillusioniert. Die Nachkriegszeit führt sie ins Ausland, wie getrieben sucht sie nach einem eigenen Platz. Brieflich bleiben sie in Kontakt.
Die Form des Romans ist gleichzeitig funktionierend als auch einschränkend, da manche Themen praktisch wie abgehakt wirken. Das gilt insbesondere für Katharinas Jahre im Exil. Daher kann ich dem Buch nicht die Höchstnote geben, aber ein guter Roman ist es und die Getragenheit und Melancholie strahlen etwas außergewöhnliches aus, dass in der zeitgenössischen Literatur relativ selten ist.
Ein Kriminalroman und etwas mehr
Die Gärten von Istanbul von Ahmet Ümit
Eine Leiche wird vor einem Atatürk-Denkmal gefunden. Ein Fall für Oberinspektor Nevzat und sein Team, von denen Ali und Zeynep am meisten herausstechen. Auch weitere Morde erfolgen an zentralen Plätzen in Istanbul.
Auffällig ist, wie der Autor sich in seinem 2010 geschriebenen Roman Zeit lässt, die Ermittlung zu zeigen, zum Beispiel das Verhör der Exfrau des Mordopfers geht über einige Seiten und das Team diskutiert auch die historische türkische Geschichte, da ein Zusammenhang möglich ist.
Eine große Zuneigung zu Istanbul ist durch die detaillierten Beschreibungen authentisch spürbar und im Fall des Stadtviertels Balat auch ganz gezielt durch den Ich-Erzähler ausgedrückt. Balat ist ein Viertel mit steilen Gassen und vielen Cafes, aber relativ wenig Touristen.
Auch andere Gegenden werden betrachtet, z.B. das Sieben Türme-Viertel.
Der Kommissar Nevzat ist eine besondere Hauptfigur, ein Gefühlsmensch mit natürlicher Autorität, deswegen folgen ihm seine Leute blind.
Nevzat umgibt eine Melancholie, denn einst wurden seine Frau und seine Tochter ermordet, der Fall wurde nie aufgeklärt. Das belastet seine neue Beziehung zu Evgenia.
In einer Szene hören Nevzat und Evgenia Schallplatten mit Musik von der türkischen Sängerin Müzeyyen Senar. Das ist sehr passend, denn ihre Salonmusik gleicht Ahmet Ümits Schreibstil, der langsam, aber eindrücklich und rhythmisch ist.
Immer wieder werden in den Dialogen kleine Geschichte aus der Vergangenheit auch der Nebenfiguren eingeflochten, auch wenn die nichts mit den Mordfällen zu tun haben. Das bereichert den Roman!
Mir gefällt, wie Ahmet Ümit seine Figuren anlegt, ihnen ein Gefühl für wichtige Werte wie langjährige Freundschaft, Toleranz und dass man sich umeinander kümmert, gibt.
Schließlich verdichtet sich die Ermittlung, bei der es 7 Morde gibt.
Das ganze hat einfach Klasse, wirklich edel!
Was für ein Buch!
Anstand von Quick Matthew
Ein sehr amerikanischer und sehr lebhafter Roman! Eine starker Hauptfigur, aus denen Perspektive konsequent erzählt wird. Der Erzähler ist ein Original. Vietnamveteran und vorgeblich konservativ, doch blitzt immer wieder seine große Toleranz durch, die er den Menschen entgegen bringt. Besonders liegt ihm sein Sohn Hank am Herzen und erst Recht seine Enkelin Ella.
Der Mann hat Witz, aber es gab auch harte und tragische Schicksalsschläge, die sein Leben prägten.
Matthew Quick zeigt anhand seines Protagonisten, wie man mit seinen eigenen Vorurteilen umgehen kann. Dazu gehört die Suche nach den Ursachen dafür,
Ich bezweifle, dass der Protagonist mit seiner Fähigkeit zur Selbsterkenntnis ein typischer Vertreter des Trump-Wählers ist. Das Buch zeigt nicht, wie diese Spezis tickt, vielmehr wird ein Einzelfall im Detail gezeigt und man erfährt, was diesen 68jährigen US-Amerikaner zu dem machte, was er ist. Er musste als junger Mann in den Krieg ziehen und die schrecklichen Erlebnisse in Vietnam lassen ihn noch Jahre später Alpträume haben. Damit muss man erst einmal fertig werden und ganz wird das Kapitel nie abgeschlossen sein.
Hinzu kam die Liebe zu einer labilen Frau, die an schweren Depressionen litt und eine Entfremdung zum erwachsenen Sohn, der mit Mitte 40 von seiner Frau verlassen wurde.
Nach einer schweren Erkrankung kommt Granger seinem Sohn und seiner geliebten Enkelin wieder nahe.
So ganz glaubwürdig und realistisch finde ich die Hauptfigur nicht, aber das macht nichts. Dafür ist der Roman umso unterhaltsamer.Ganz unbekannt ist die Masche mit dem grantelnden, aber gutherzigen Antihelden nicht. Man denkt z.B. an Clint Eastwood in Gran Torino. Und es funktioniert auch hier.
Stimmungsvolles Portrait
Ein Gentleman in Moskau,9 Audio-CD von Amor Towles
Der Roman ist ein Portrait eines Mannes, der in schweren Zeiten in Moskau in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts an seinen Lebensstil festhält. Amor Towles arbeitet dessen Werte heraus, wie zum Beispiel Gentleman-likes Verhalten, die russische Literatur (Tolstoi, Tschechow, Gogol …), klassische Musik,
Standhaftigkeit.
Seine Welt spielt sich auf Jahrzehnte ausschließlich im Moskauer Hotel Metropol ab, in dem er ab 1922 Hausarrest hat. Natürlich verliert er viele seine Privilegien, muss von seiner Suite in eine kleine Dachkammer ziehen und schließlich sogar Kellner werden.
Der Graf bleibt stets positiv und behält seine Geisteshaltung unbeirrt bei. Sein Verhalten wird von einigen Bekannten, auf die er zählen kann, goutiert. Dazu gehört auch Sophia, das 4-jährige Mädchen, dessen Mutter er schon kannte, als die noch ein kannte. Er nimmt Sophia als Tochter an und erzieht das begabte, intelligente Mädchen mit seinen Werten.
Amor Towles Stärke liegen in seinem eleganten Stil und wie er das alte Moskau zum Leben erweckt. Probleme hatte ich nur mit der Glaubwürdigkeit, wie der Graf sein Schicksal klaglos annimmt und besteht. Realistisch wäre wohl eher, die komplette Isoliertheit und die Schikanen deutlicher zu zeigen, die folge des Wandels sein musste.
Aber das stört mich nicht wirklich, da die Geschichte anrührt und die Erzählart sehr unterhaltend ist. Obwohl sich die Handlung fast ausschließlich in einem Hotel abspielt, wird es nie langweilig. Towles erzählt dialogbetont und wirft immer wieder interessante Fragestellungen auf.
Ich habe das Hörbuch gehört, eine gute Entscheidung, denn mit dem ausdrucksstarken Sprecher Hans Jürgen Stockerl führt einen eine passende Stimme durch die Handlung von immerhin 9 CDs.











