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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Magdalena E.:

Freundschaft, Verlust und Freiheit

Leuchtende Schatten von Iris Wolff

Wie schon in „Halber Stein“ entführt Iris Wolff die Lesenden auch in ihrem zweiten Roman „Leuchtende Schatten“ nach Siebenbürgen, diesmal in ihren Geburtsort Hermannstadt. Und wieder ist der Ort mehr als bloße Kulisse. Die gefühlvollen Schilderungen von Landschaft und Stadt sind zentraler Bestandteil des Textes.

Sie erzählt die Geschichte der tiefen Freundschaft zwischen den Schülerinnen Ella und Harriet. Zwischen Erwachsenwerden, den Anforderungen von Familie und Gesellschaft und den zunehmenden Spannungen in den letzten Kriegsjahre (1943-45) versucht die Ich-Erzählerin Ella ihren Weg zu finden. Es geht um die Fragen von Gemeinschaft und Freiheit, aber auch um die Erfahrung von Abschied und Verlust.
Bildgewaltig, einfühlsam und poetisch ruhig erzählt nimmt die Autorin die Lesenden mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die bis heute nachwirkt.

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Philosophiegeschichte ohne Überraschungen

Alice im Land der Ideen von Roger-Pol Droit

„Alice im Land der Ideen“ von Roger-Pol Droit ist ein kurzweiliger Streifzug durch die Geschichte der Philosophie, der auch für jüngere Lesende verständlich ist. Angelehnt an Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ werden die großen Fragen der Menschheit behandelt.
Alice soll eine Erörterung schreiben, hat aber keine Lust dazu und schweift mit ihren Gedanken ab.

Sie gelangt in das Land der Ideen, wo zwei winzige Mäuse, ein Känguru und die Fee der Widerrede sie durch Zeit und Raum zu bekannten Philosophen begleiten. Neben den Gelehrten der griechischen und römischen Antike wie Sokrates, Platon oder Marc Aurel lernt sie auch neuzeitliche Denker kennen. Sie reist zu den Hebräern, nach Indien und China, lernt das Gedankengut von Christentum und Islam kennen und begegnet einflussreichen Philosophen im Europa der vergangenen Jahrhunderte (Descartes, Kant, Marx…).
Ein Kapitel wird Louise Dupin und der Gleichberechtigung der Geschlechter gewidmet, auch Simone de Beauvoir und Hypatia von Alexandria werden erwähnt, ansonsten finden sich jedoch leider kaum weibliche Sichtweisen in der Auswahl, die großteils dem klassischen eurozentristischen Philosophie-Kanon entspricht. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Vielfalt bei der Auswahl der „Ideen“ gewünscht zumal die Protagonistin ein modernes junges Mädchen ist. Dennoch gibt das Buch einen guten Überblick über die Philosophiegeschichte und ist unterhaltsam zu lesen.

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Kraftvoll, berührend, wichtig

Das Tränenhaus. Roman von Gabriele Reuter

„Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter wurde bei seinem Erscheinen vor beinahe 120 Jahren zum Skandal. Seither hat sich vieles verändert, besonders auch die Situation von unverheirateten Müttern. Dennoch ist das Buch hochaktuell, denn es befasst sich nicht nur mit dem Schicksal ungewollt schwangerer Frauen zu Beginn des 20.

Jahrhunderts, sondern auch mit zeitlosen Fragen zu Mutterschaft und der Rolle von Vätern, mit Fragen nach Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung und darüberhinaus mit dem literarisch-künstlerischen Schaffensprozess. Es ist ein modernes Werk, das zu Unrecht vergessen wurde.
Im Gegensatz zum Inhalt mag die sprachliche Gestaltung für den Geschmack vieler Lesender heute ungewohnt und herausfordernd sein, mich stört dies jedoch nicht. Ich finde vielmehr, dass sie die Atmosphäre des Buches unterstreicht - und den Kontrast verdeutlicht zwischen dem, was wir als Frauen und Gesellschaft nach Außen hin erreicht haben, und der noch immer unerfüllten Forderung der Autorin nach weiblicher Solidarität. Die berührenden Schilderungen der verschiedenen Frauenschicksale verleihen dieser Forderung deutlichen Nachdruck.
„Solche Macht und Gewalt könnten die Frauen bekommen, wenn sie sich nicht länger um eines Dogmas willen gegenseitig hassen, verachten und verfolgen würden.“

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Fesselnd, tief, bildgewaltig

In den Wald von Maddalena Vaglio Tanet

Maddalena Vaglio Tanets Roman entführt in das Piemont der 1970er Jahre - und in den Wald.

Ein junges Mädchen begeht Selbstmord, eine Lehrerin verschwindet und plötzlich sieht sich ein ganzes Dorf konfrontiert mit dem Unaussprechlichen, mit Gefühlen, die aus der Tiefe des Unbewussten hervorbrechen, und die Protagonisten mit ihren Ängsten und Sehnsüchten konfrontieren.

Während die Dorfbewohner versuchen, das Geschehene zu verstehen und verzweifelt nach der Lehrerin suchen, sinkt diese immer tiefer in das Dickicht des Waldes und ihrer Gefühle und Erinnerungen. Von Schuldgefühlen überwältigt, versteckt sie sich in der Natur, die weder Schuld noch Scham kennt. Sie entzieht sich den Zwängen und moralischen Normen der Gesellschaft und der sozialen Kontrolle. Zugleich wird sie mit ihren verinnerlichten Werten konfrontiert und zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst gezwungen.

Die bildgewaltige Sprache der Autorin lässt Wald und Dorf, Gegenwart und Vergangenheit vor den Augen der Lesenden wachsen, und gewährt tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der handelnden Personen. Der Wald nimmt einen gefangen, man versinkt in der Geschichte und wächst mit den Protagonisten. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die gerne eintauchen in fremde Gefühlswelten, die sich an Sprache erfreuen und Natur schmecken wollen.

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Langsam und kurzweilig

Gefährliche Betrachtungen von Tilo Eckardt

In „Gefährliche Betrachtungen“ nähert sich Tilo Eckardt dem Schriftsteller Thomas Mann, den er in den Aufzeichnungen des Übersetzers Miuleris lebendig werden lässt. Dieser, inzwischen hochbetagt, erinnert sich an die (fiktiven) Begebenheiten im damals ostpreußischen Kurort Nidden. Eindrucksvoll zeichnet der Autor Bilder der Ostsee-Landschaft und lässt das soziale Leben von Kurgästen und Künstlern lebendig werden.

Dabei sollen die Aufzeichnungen, wie der Erzähler im Roman schreibt, „zerstreuen und die Neugierde auf den unbekannten Thomas Mann stillen“. Wobei er diese wohl eher weckt, als stillt. Doch auch für all jene Lesenden, die weder Die Buddenbrooks noch ein anderes Werk des Nobelpreisträgers kennen, bietet das Buch kurzweilige Unterhaltung in Form eines langsamen, ruhigen Kriminalromans, der jedoch durchaus Spannung bietet, und im Verlauf der Geschichte auch an Tempo zulegt.

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