Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulgu1978:
Lebenslügen
Alles Liebe von Ronja von Rönne
Lebenslügen
5 Kurzgeschichten, die mit "Alles Liebe" überschrieben sind, aber mit Liebe wenig zu tun haben. Zumindest ist das mein Eindruck.
Laura, Barbara Heike, Fedor und Mattis versuchen mehr oder weniger erfolgreich mit Lügen die Anerkennung oder Liebe ihrer Mitmenschen zu erhalten.
Auch wenn es erst nicht den Anschein hat, hängen alle Geschichten irgendwie zusammen.
Ich hatte mir unter dem Buchtitel vorgestellt, "echte" Liebesgeschichten lesen zu dürfen. Ich habe dann aber bei den ersten Seiten festgestellt, dass es hier wohl eher um die Suche nach Liebe geht bzw. um das was darunter verstanden wird. Und um diese "Liebe" zu erhalten, verfallen die Protagonisten auf die merkwürdigsten Ideen, die meiner Meinung nach eher Verzweiflungstaten ähneln. Und obwohl die Protagonisten mit ihrer Strategie scheitern, wenden sie ihre Taktik an anderer Stelle wieder an.
Ronja von Rönne schildert sehr anschaulich und eindringlich die Gefühle dieser fünf Menschen und ihre Beweggründe für ihr Handeln. Ich kann kein Verständnis für deren Vorgehen entwickeln, nur Mitleid. Aber interessant ist es zu beobachten wie erfindungsreich Menschen sein können um etwas zu erreichen. Mir haben nicht nur die Kurzgeschichten gut gefallen, sondern auch das ungewöhnliche Nachwort der Autorin, das auf keinen Fall ausgelassen werden sollte.
Gute-Laune-Garant
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Gute-Laune-Garant
Eine Siedlung irgendwo in einer Stadt. Das klingt eigentlich ganz unspektakulär, aber Tanja Kokoska gelingt es, aus vielen Alltagsszenen, Charakteren und Familiengeschichten ein Wohlfühl-Buch zu schreiben, das mich in seinen Bann gezogen hat.
Wir lernen unter anderem Ina und Henry, Frau Kaiser, Herrn Bello und weitere Bewohner aus dieser Siedlung kennen.
Sie kennen sich alle untereinander zunächst nicht näher, höchstens "vom Sehen", aber ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg verändert nicht alles, aber doch vieles. Bis auf Herrn Krämer begegnet man durchweg sympathischen Menschen in dieser Siedlung. Wobei mir die beiden Hauptfiguren Ina und Henry besonders gut gefallen haben.
Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen und konnte mir an einigen Stellen das Schmunzeln nicht verkneifen. Mit diesem Buch kann man sich einen total verregneten Tag im wahrsten Sinne des Wortes schönlesen. Wer kleine Familiengeschichten mag, das Unspektakuläre interessant findet und ein paar entspannte Lesestunden erleben möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient.
Mein Fazit: Bei schlechtem Wetter oder schlechter Laune sollte man dieses Buch zur Hand nehmen. Auch wenn das Wetter davon nicht besser wird, die Laune wird es auf jeden Fall.
Familiengeheimnis
Lori von Anousch Mueller
Leni ist eins von sechs (lebenden) Geschwistern und hat eine Ahnung, dass es noch eine Schwester gab, traut sich aber nicht, ihre Eltern danach zu fragen. Eines Tages findet sie den Beweis dafür, dass ihre Vermutung stimmt, behält aber auch diese Erkenntnis für sich. Allerdings hat sie keine Erinnerung daran, was mit dieser fehlenden Schwester passiert ist.
Sie schafft es selbst als Erwachsene nicht, mit ihren Eltern über vergangene Ereignisse um ihre Schwester Lori zu sprechen.
Anousch Mueller beschreibt in ihrem Roman sehr anschaulich wie schwierig es ist, mit seinen Kindern über Familienkatastrophen zu sprechen oder als Kind danach zu fragen. Als Hintergrund der in Rückblicken erzählten Geschichte dienen überwiegend die politischen Ereignisse in der DDR in den siebziger Jahren.
Leider wird vieles nur oberflächlich angerissen. Wer eine umfassende Berichterstattung der damaligen politischen Ereignisse erwartet, wird enttäuscht. Auch was sich mit Lori zugetragen hat, wird nur nebulös erzählt. Man muss schon seine Phantasie bemühen um einigermaßen zu verstehen was mit Lori passiert ist. Schade, eine detailliertere Aufklärung hätte dem Roman gut getan.
Frau Bloch als Miss Marple?
Die Auster von Yael Inokai
Frau Leonora Bloch putzt bei dem Kaufhaus-Geschäftsführer Dr. Bronstett in seinem Privathaus. Nachdem sie früher im Kaufhaus selbst gearbeitet hat, sichert sie sich damit im Rentenalter ihren Lebensunterhalt. Eines Tages findet sie bei Arbeitsantritt ihren Arbeitgeber mit abgehackten Händen ermordet vor.
Aus mir unerfindlichen Gründen (und das Warum wird auch im Verlauf der Geschichte nicht aufgeklärt) unterzieht Frau Bloch sämtliche Spuren der Tat einer gründlichen Reinigung, was von der Kriminalpolizei schulterzuckend hingenommen wird...
Und nun erwartet die krimierfahrene Leserschaft eine ausgeklügelte, spannende Auflösung des Tathergangs und die Überführung des Täters. Aber weit gefehlt, von Seite zu Seite breitet sich die Enttäuschung weiter aus. Man erfährt viele Alltagsbegebenheiten der Protagonistin, ihrer Freunde und Arbeitskollegen teilweise bis ins kleinste Detail und fragt sich, an welcher Stelle man übersehen hat, dass dies für die Aufklärung der Straftat relevant ist.
Ich habe mehrfach überlegt, das Buch abzubrechen, war aber doch zu neugierig ob und wie sich der Fall schließlich aufklären lässt. Eine Aufklärung gibt es zum Schluss, die mich aber nicht wirklich überzeugen konnte.
Ohne den Anspruch, eine Kriminalgeschichte zu sein, hat mir der Schreibstil von Yael Inokai sehr gut gefallen. Hierfür kann ich guten Gewissens meine Sterne vergeben.
Spionage, Macht und Manipulation
Red Star Down von D. B. John
Ljoscha, Jenna und Eric sind die Protagonisten in diesem einzigartigen Spionagethriller. Zu Beginn des Buches werden die drei Personen "vorgestellt" und die Leserschaft kann zunächst nicht erkennen, welche Verbindung zwischen ihnen besteht. Ljoscha und Jenna sind die zwei sympathischen Figuren in diesem Thriller, was man von Eric in keinster Weise behaupten kann.
Dieses Buch ist ein faszinierender Spionagethriller wie ich ihn noch nicht gelesen habe. D.B. John verknüpft gekonnt reale Personen und Ereignisse mit fiktiven Figuren und Geschehnissen. Das ist sehr erschreckend, aber gerade das macht diese Geschichte so besonders. Vor allem wie Putin, Trump und Kim Jong-un ihre Macht ausüben wird treffend beschrieben. Das ist aber gerade das Erschreckende an dieser Geschichte, denn diese drei Männer haben heute noch in der Realität das Sagen.
Besonders hervorheben möchte ich, dass das Buch durch eine Nachbemerkung des Autors vervollständigt wird, in der einige reale Ereignisse erläutert werden.
Fazit:
700 Seiten Spannung, die man, einmal angefangen, nicht aus der Hand legen kann. Ein Spionagethriller, der länger im Gedächtnis bleibt.
Wohltäter und Menschenfreund
Theo in Golden von Allen Levi
Theo - seinen vollen Namen erfährt man erst am Ende des Buches - kommt nach Golden und bleibt für ein gutes Jahr dort. Niemand in dem Ort weiß, wer er wirklich ist und warum er nach Golden gekommen ist. Er versteht es mit seiner liebenswürdigen Art die Menschen dort für sich einzunehmen und schließt bald mehrere Bekannt- und Freundschaften.
Er verschenkt gezeichnete Porträts an die abgebildeten Personen und erfährt bei der Übergabe die Lebensgeschichten der Beschenkten.
Eine unaufgeregte Erzählung, die mich trotzdem in ihren Bann gezogen hat. Auch wenn ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe, ob ein Mensch immer, wirklich immer nur freundlich sein kann. Nur zweimal schafft Theo es, sich von einer anderen Seite zu zeigen. Auch fast alle anderen Personen in diesem Buch waren mir sympathisch.
Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen und ich fand es interessant als Leserin zu beobachten wie sich die Personen verhielten, wenn sie Theos Brief mit der Bitte/Einladung, ihn zu treffen, erhielten. Und wenn sie sich trauten, der Einladung eines ihnen unbekannten Menschen nachzukommen, wie Theo sie dazu brachte, ihm ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Und trotzdem hatte ich das gesamte Buch über das Gefühl ein schönes Märchen zu lesen, das mich aber gut unterhalten hat. Wer schöne Geschichten mag, wird diese lieben.
Ein besonderes Lese-Erlebnis
Die Flussfrau von Tanja Weber
Lis wächst während des zweiten Weltkrieges auf dem elterlichen Bauernhof auf. Um einer arrangierten Ehe mit einem sehr viel älteren Bauern zu entgehen, heiratet sie den Frachtschiffer Horst. Und hier beginnt ihr eigentliches Leben, das sie trotz harter Arbeit und vieler Entbehrungen lieben lernt.
Als sie nach dem Tod ihres Mannes selbst Kapitänin wird, hat sie mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, aber sie schafft es sich ihren Platz in dieser Männerdomäne zu erkämpfen.
Tanja Weber hat mit viel Herzblut das Leben einer Kämpferin beschrieben, die trotz vieler Hindernisse ein zufriedenes Leben führt und mit niemandem tauschen möchte. Als Leser/in begleitet man nicht nur Lis' Leben, sondern erfährt auch einiges über das jeweilige Zeitgeschehen im Nachkriegsdeutschland. Tanja Weber hat mit ihrem Schreibstil ein besonderes Talent, nicht nur die Gefühle der Menschen, sondern auch sehr bildhaft die Natur zu beschreiben. Lis ist eine sehr sympathische Protagonistin, die ich gern durch ihr Leben begleitet und ihren Mut und ihren Durchsetzungswillen bewundert habe.
Mich hat das Buch bereits nach den ersten Seiten in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Ein selten schönes Buch, das ich sehr genossen habe. Für mich ein besonderes Highlight in meinem Lesejahr
Ich kann diesen Roman uneingeschränkt empfehlen und hoffe sehr, bald noch mehr von dieser Autorin lesen zu dürfen.








