Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Christoph Huber:

Geschenkte Einblicke

Das Vaterunser von David Steindl-Rast

Br. David Steindl-Rast schenkt uns in seiner unvergleichlich schönen und klaren Sprache ein Buch mit Gedanken über das berühmteste christliche Gebet überhaupt. Das Buch ist durch die Teile des Vaterunsers, also den sieben Bitten sowie der Anrede an den „Vater unser im Himmel“ und das „Amen“ am Ende strukturiert und wird von drei einleitenden Kapiteln sowie einem Abschlusstext umrahmt, was das ganze ca.

120 Seiten lange Buch rund zu lesen macht.
Die einzelnen Kapitel im Hauptteil, die er selbst „Betrachtungen“ nennt, haben eine doch überraschende Form: Die einzelnen Gebetsteile werden von Steindl-Rast noch einmal in elementare Wortgruppen zerpflückt (z.B. „Geheiligt werde dein Name“ in „Dein Name“ und „heiligen“) und um diese kreisen dann – meist keine Seite lang – seine Betrachtungen zu diesem Element. Diese Einzelbetrachtungen sind auch von ihrer literarischen Form nicht ganz greifbar. Einerseits sind es Überlegungen und Ergebnisse seiner tiefen Spiritualität, andererseits ein Ansprechen des „großen Geheimnisses“ und so auch eine Art Gebet, das auch das „Amen“ am Ende jedes Kurztextes anzeigt. Nach diesen (im Schnitt je sieben) Kurztexten folgt jeweils ein Dialogteil, in dem die Wiener Sozialmedizinerin Brigitte Kwizda-Gredler Bruder David Fragen stellt und Stichworte gibt, die das zuvor Gelesene manchmal reflektieren oder auch konkretisieren.
Das Buch lebt zum Teil von dieser Struktur, diese ist aber auch ein kleiner Stolperstein, der den Lesenden immer wieder gedankliche Pausen aufzwingt und vielleicht sogar das Weglegen des Buches nahelegt.
Man nimmt das Buch aber auch immer wieder gerne zur Hand, was auch der (dem Tyrolia-Verlag gut gelungenen) Ausführung in Leinenhaptik und -optik mit Tiefdruck im handlichen A5-Format geschuldet ist. Ein Einlagebändchen und der Zweifarbdruck in Schwarz und Rot im Inneren runden das Buch zu einer wirklich kleinen „Kostbarkeit“ ab.
Für alle Menschen, die sich tiefer mit dem Vaterunser befassen wollen oder auch mit Teilaussagen des Gebets ihre Probleme haben (z.B. „Führe uns nicht in Versuchung“) sei hier eine starke Empfehlung ausgesprochen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Religiöses Sach- und Vorlesebuch

Und doch sind alle Äpfel rund ... von Christine Hubka

Interessanter Ausgangspunkt des neuen religiösen Bilderbuches „Und doch sind alle Äpfel rund …“ von Christine Hubka und Agi Ofner aus dem Hause des Tyrolia-Verlages ist eine Wiener „multi-kulti“ (Groß)Familie, deren Angehörige die drei abrahamitischen Religionen abdecken. Aus Sicht von Jojo (Jonathan) einem Volksschuljungen (Ich-Erzähler) werden unterschiedliche Themen rund um Religion in kleinen Geschichten jeweils auf einer Doppelseite eingeführt und durch zusätzliche kleine Informationen ergänzt.

So versucht das Buch kein reines Sachbuch für Kinder zu sein, sondern eben zeitgleich auch ein Vorlesebuch. Die Thematiken spannen sich von den heiligen Schriften über Beten, Fasten und Essen bis zum Tod und sozialem Engagement. Dabei fungiert der Kater Abraxas als „Stimme aus dem Off“, die augenzwinkernd das eine oder andere auch noch anzumerken hat. Inhaltlich und auch grafisch ist den Machern wichtig, das gemeinsame der drei Religionen in den Vordergrund zu stellen, was auch der Untertitel „Was Judentum, Christentum und Islam gemeinsam haben“ unterstreicht. Hier ist die Figur der aus der Kirche ausgetretenen, meditierenden Mama, die lustige Sprüche statt eines Tischgebetes spricht, einerseits authentisch und realitätsnah, bringt aber andererseits eine vierte Weltanschauung, nämlich die eines skeptischen Agnostizismus, durch die „Hintertür“ und unkommentiert ins Spiel bzw. Buch. Vielleicht kritisch kann man auch die geradezu idealtypische Zusammenstellung und sehr bemüht divers dargestellte Familie sehen, in der nicht nur die unterschiedlichen Religionen, sondern auch Hautfarben und zu vermutender Migrations-Hintergründe durch ein Familienmitglied vertreten ist. Vielleicht ist das Durchbrechen der in Österreich und Mitteleuropa tradierten Klischees und eindeutigen Vorstellungen von Familie aber auch eine Stärke und pädagogisch sogar geraten – dann dürfte aber die Familie auch nicht als total harmonisch und heile Welt überzeichnet werden …
Grafisch ist das Buch wunderschön umgesetzt und der teilweise doch viele Text hat trotzdem gut Platz, ohne die Bilder zu stören. So ist das gewiss ein Buch, das Kinder gerne anschauen. Bleibt noch die Frage der Adressaten-Gruppe: Das scheint mir ein wenig schwierig, da durch die erzählende Hauptfigur und auch die Gestaltung des Buches wohl auf das Volksschulalter abgezielt wird, der Text aber für die meisten Kinder in diesem Alter zu viel ist. Für die schon ein wenig älteren Kinder, die an Sachbüchern und an Informationen zu den Religionen interessiert sind, ist es als solches aber zu wenig. Für ein klassisches Vorlesebuch, sind aber die Geschichten dann wieder zu kurz und haben relativ wenig Spannungsbogen. Gut vorstellen kann ich mir aber das Buch im Religionsunterricht, da die einzelnen Teile das Jahr hindurch immer wieder eingeflochten werden könnten, sowie als Buch, das in Gotteshäusern und religiösen Einrichtungen aufliegt, um Wartezeiten zu überbrücken o.Ä.
Resümee: Ein sehr schönes und liebevoll gestaltetes Buch, das seine Leser*innen aber erst finden muss.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Dem Geheimnis sich annähern

Orientierung finden von David Steindl-Rast

Mit dem Buch „Orientierung finden. Schlüsselworte für ein erfülltes Leben“ hat David Steindl-Rast scheinbar Unmögliches möglich gemacht. Denn in der heutigen Zeit eine Text für (junge) Menschen über Spiritualität und die Beziehung zu Gott (oder dem Geheimnis – wie er es auch nennt) zu schreiben, der nicht nur eine religiös sozialisiertes Publikum ansprechen kann, sondern eine Sprache und Worte findet, die auch den modernen westlichen Menschen ansprechen, ohne sich anzubiedern, ist tatsächlich eine große Leistung.

Dabei beginnt Steindl-Rast mit einem holistischen Blick auf die Welt, um dann das Ich-Sein und das „Du“ als beziehungsvolles Gegenüber in klaren Worten zu analysieren und erinnert dabei manchmal stark an Martin Buber. Schrittweise führt der Autor die Leser dann in sein tiefes Verständnis von Leben in und mit der Welt ein und kommt dem Transzendenten dabei immer näher. Auch wenn er dann weiter dezidiert von Gott, Religiosität und den Religionen spricht, geht es in keinster Weise um eine „schleichende“ Missionierung o.Ä., sondern um ein Verständnis über die Grenzen einer Religion oder auch überhaupt der institutionalisierten Religionen hinaus und lässt doch gegenüber ihnen eine große Wertschätzung spüren. Der erste Teil endet mit bewussten Überlegungen zum eigenen Leben und wie es wirklich gelingen kann. Auch das letzte Kapitel „Dankbarkeit – ein Weg zur Fülle“ ist ein Edelstein von einem Text, der die Überlegungen gekonnt abrundet.
Vielleicht einzig sperrig sind die vielen eingeflochtenen literarischen/ lyrische Zitaten (oft von Rilke), die wohl nur Literatur affinen Personen etwas sagen und wohl eher wenigen jungen Menschen, denen das Buch gewidmet ist.
Der zweite Teil ist eine Art Glossar von Begriffen („Schlüsselworte“ werden sie vom Autor genannt), die er recht verstanden wissen will und die im ersten Teil immer wieder vorkommen und mit Sternchen gekennzeichnet sind. Wenn auch am Beginn das Hin- und Herblättern ein wenig mühsam ist, so sind diese Texte zu den einzelnen Wörtern doch durch ihre Kürze und Prägnanz hilfreich und lassen noch einen erweiterten Blick in die Tiefe der Überlegungen des Autors zu. Sie sind somit ein zusätzlicher Gewinn.
Es ist nur zu hoffen, dass viele Menschen, die auf spiritueller Suche sind oder nach dem Lebenssinn fragen, auf dieses Buch stoßen, das ich nur allerwärmstens empfehlen kann.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Ein Kind um jeden Preis? von Angelika Walser

Sehr wohl bedenkenswert …
sind die Überlegungen, die Angelika Walser in ihrem 130 Seiten starken Buch „Ein Kind um jeden Preis?“ (Tyrolia Verlag) anstellt. Sie stellt damit die Frage, inwieweit die unterschiedlichen Formen der Reproduktionsmedizin ein ethisch vertretbares Heilmittel für das Leiden und den Schmerz von Paaren (und auch Einzelpersonen) ist, deren Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Dabei beleuchtet sie die unterschiedlichen Verfahren wie IVF/ET oder ICSI/IMSI und gibt auch einen Überblick über die gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen im deutschsprachigen Raum. Dieser Teil ist sehr hilfreich, weil er kurz zusammengefasst doch sehr kompetent in die Methoden und das Thema einführt.
Darauf schließt Walser grundlegende ethische Überlegungen, die auch hier von allen Seiten betrachtet werden, aber schon eine Präferenz der Autorin erkennen lassen. Hier verlässt das Buch m.E. auch manchmal die Ebene eines Buches, das auch für den nicht philosophisch ethisch gebildeten Menschen noch nachvollziehbar und auch direkt von Interesse sein wird. Für den Interessierten gibt dieses dritte Kapitel aber auch eine prägnante Übersicht über die ethischen Positionen westlicher Denker*innen, um dann Einzel- und Folgeprobleme, die mit der Reproduktionsmedizin aufkommen, zu besprechen. Hier wird dabei die Meinung und Positionierung von Walser doch sehr erkennbar, hat jedoch keinen tendenziösen oder manipulativen Touch.
Ob es die ausführliche Positionierung der zwei großen christlichen Kirchen in diesem Ausmaß wirklich braucht, sei dahingestellt und variiert wohl sehr stark nach Leser*in, gemeinsam mit den „feministischen und geschlechtersensiblen Positionen“, die auch nur eine feministische Meinung wirklich gelten lassen, ist das 5. Kapitel wohl das schwächste des Buches.
Viel spannender sowohl für ethisch interessierte Personen als auch für Betroffene sind die letzten zwei Kapitel, die zum einen noch einmal systematisch aufzeigen, was den Wert dieses Buches überhaupt ausmacht, nämlich kompetent zu werden, um eine gute und überlegte Entscheidung in dieser Problematik zu finden, und zum anderen auch andere alternative Lösungsansätze nicht vergessen lässt.
Zusammenfassend möchte ich sagen: Dieses Buch ist kein Ratgeber für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Es ist aber außerordentlichen hilfreich, um aufzuzeigen, dass es nicht nur um ein medizinisches Problem geht, sondern der Entscheidung für ein reproduktiv-medizinisches Verfahren auch eine Auseinandersetzung mit den ethischen Fragestellungen zu diesem Thema vorausgehen sollte. Allen, die dies wollen, sei dieses Buch ans Herz gelegt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Ein kleines großes Geschenk

Sternschnuppen über dem Heimweg von Monika Nemetschek

Monika Nemetscheks "Sternschnuppen über dem Heimweg" ist ein Geschenk der Autorin an die Leser. Ausgehend von einem kleinen biographischen Einblick kann man das, was sie in den weiteren Kapiteln mit uns teilt, erst richtig verstehen und einordnen. Die Hauptkapitel, die aber in viele Unterpunkte gegliedert sind, fallen in dem sehr organisch strukturierten Text überhaupt nicht auf und ganz schnell passiert es, dass man eigentlich gar nicht mehr genau weiß, wo im Buch man sich befindet und was ein übergeordnetes Thema sein könnte.

Das macht aber nichts, weil man sich als Leser einfach führen lassen kann und dafür an den „Sternschnuppen-Stellen“ innehalten kann.
Diese Sternschnuppen sind kleine lyrische Texte, die wie glitzernde Steine, aus dem Fluss des Textes herausstrahlen. Zum einen sind dies Gebete und zum anderen Zusprüche des liebenden Gottes, von dem Nemetscheks Worte und Bilder durchtränkt sind, an uns. Ganz direkt kommt so Gott zur Sprache, indem die Autorin ihm ihre Zunge leiht, ohne aber die Unverfügbarkeit Gottes dadurch einzuschränken.
So kann dieses Büchlein (Kleinformat, 120 Seiten) sowohl in einem durchgelesen als auch immer wieder zur Hand genommen werden, um sich mit der Autorin an Gottes Schöpfung und Liebe zu erfreuen, tröstlich über die dunklen Seiten des Lebens nachzudenken und mit ihr als spiritueller Führerin auch tiefer in das Geheimnis der Begegnung Gottes abzutauchen.
Durch die bunten abstrakten Kunstwerke von Christian Kondler, die das Buch unaufdringlich und offen unterstützen, ist es auch als schönes und wert-volles Geschenk gut zu verwenden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Durch den Tag ...

Am Rande des Tages von Wilhelm Bruners

… und durch das Jahr können wir Wilhelm Bruners im neuen Gedichtband „Am Rande des Tages“ begleiten. Leise, zarte Töne schlägt der erfahrene Lyriker und katholische Priester in diesem Buch an. Im ersten Teil (Lichtbrechung) steht die Natur allgemein, aber auch spezielle Orte und Erinnerungen im Vordergrund - gefärbt von den verschiedenen Jahreszeiten.

Oft mit dem Einsatz minimalster Worte, aber nie mit mehr als einer Seite im kleinformatigen Büchlein malt Bruners aquarellartig Stimmungen.
Im zweiten und stärksten Teil (Kreuz Und Quer) des Bandes zeigt er sich als tief im Glauben verwurzelter Mensch, der sich seinen kritischen Blick auf die Kirche und Welt bewahrt hat. Oft mit nur einer kurzen Phrase kann er Grenzen, aber auch Hoffnungen für die Christen im 21. Jh. besser aufzeigen als viele (pastoral)theologische Abhandlungen und bleibt ob seiner manchmal harschen Kritik doch respektvoll und bedacht.
Den dritte Teil (Lebenszeichen) hätte ich persönlich am wenigsten gebraucht, aber er lässt doch interessante Einblicke in das Leben des Autors zu. Ein wenig Selbstgespräch, ein wenig Tagebucheintrag, ein wenig aber auch „Was mir noch durch den Kopf geht und ich mitteilen will“ schließt es das Buch gut ab und bleibt hoffentlich nicht das Letzte, was wir von Wilhelm Bruners hören bzw. lesen.
Eine Kaufempfehlung für das 95 Seiten starke Büchlein, das als erbauende Lektüre wie auch als Jahresbegleiter bestens geeignet ist und optisch „Niemandsland Gott“ (2015) ergänzt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Weisheiten von Gestern…

Kleine Schule des Loslassens von Bernhard A. Eckerstorfer

für Menschen von Heute.
Bernhard A. Eckerstorfer schafft es gut in seinem Büchlein „Die kleine Schule des Loslassens. Mit den Weisheiten der Wüstenväter durch den Tag“ die alten oft schwer zugänglichen Überlieferungen der Männer und Frauen, die als Aussteiger in der Wüste vor mehr als 1500 Jahren lebten, für das 21.

Jahrhundert zu erschließen.
Das Buch stellt über neun Wochen hindurch täglich einen kurzen Text mit einem Sinnspruch, einer Erzählung oder einer Überlegung zur Verfügung. Wenn das Lesen auch nicht mehr als ein paar Minuten braucht, so kann man sich darauf einstellen, dass das „Verdauen“ des Gelesenen wesentlich länger sein kann und man richtig Stoff zum Nachdenken bekommt.
Auch wenn manche Geschichten und Aussprüche fast ein wenig naiv scheinen, so haben sie dann doch bei genauerer Betrachtung eine nicht geahnte Tiefe.
Ein Buchempfehlung für das Nachtkästchen oder kurze Pausen am Schreibtisch, für ein Lesen mit Mehrwert!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

25 Schritte zur Fürbitte

Für-Bitten von Liborius O. Lumma

Für-Bitten (verstehen.verfassen.vortragen) ist ein Praxisbuch für alle, die mit dem Formulieren und Gestalten von Fürbitten oft, immer wieder oder auch nur ab und zu beschäftigt sind. Dabei liegt die Stärke dieses 136 Seiten starken Werks nicht nur in der Praxisnähe und der laufend aufbauenden Übungen, die zwischendurch immer wieder für Auflockerung sorgen und zum Mitdenken und Kreativ-Werden motivieren, sondern auch in den profunden, aber gut verständlichen theologischen Erklärungen, die stringent aufzeigen, was (nach Auffassung des Autors) Fürbitten (nicht) sind und wie sie idealerweise auszuschauen haben.

Dabei ist der Text gespickt mit Tipps, aber auch Humor und Augenzwinkern, was das Lesen erleichtert und an manchen Stellen zum Genuss macht.
Das Buch ist optisch einerseits schlicht, aber durch die konsequente Verwendung nur eines Blautons für Überschriften, Zitaten und als Unterlegung von Beispielen für das Auge angenehm klar gegliedert. So komme ich auch schon zur Gliederung, die nicht (wie man es sonst gewohnt ist) aus Kapiteln und evtl. Unterkapiteln besteht, sondern aus insgesamt 25 Schritten (exklusive Vor- und Nachwort), die darauf abzielen der Leserschaft die Kompetenz zu vermitteln, selbstständig und für die jeweilige Situation angepasst Fürbitten zu schreiben. Die Vielzahl der Schritte scheint mir nicht gerade ideal als Praxishilfe (und deshalb hat man ja wahrscheinlich das Wort „Schritt“ gewählt), denn hier wird dann eben nicht unterschieden zwischen einem theoretischen Input, einer praktischen Schlussfolgerung, Übungen oder Beispielen, was durch eine abgestufte Gliederung vielleicht besser möglich gewesen wäre. Das tut aber der Qualität und dem möglichen Einsatz des Buches keinen Abbruch und steht einer Kaufempfehlung nicht entgegen.
Hier wiegt vielleicht ein inhaltlicher Vorbehalt mehr: Liborius Olaf Lumma, Liturgiewissenschaftler an der kath.theol. Fakultät Innsbruck, macht sich stark dafür, die gebräuchliche Sicht auf die Fürbitten zu ändern: Er erarbeitet aus zwei wichtigen Quellen für das Fürbittgebet (Große Karfreitagsfürbitten und Friedensektenie) den Standpunkt, dass die sogenannten Fürbitten nicht das eigentliche Gebet der Gemeinde sind, sondern (nur) der Gebetsaufruf bzw. die Einladung zum Gebet für ein bestimmtes Anliegen. So sind dann auch erst die Stille bzw. der (Kyrie-)Ruf danach das „Allgemeine Gebet“. Diese Sichtweise macht dann aber auch die übliche Aufteilung der Bitten auf verschiedene Menschen aus der Gemeinde obsolet oder sogar widersinnig. Ob sich diese Sichtweise und neue mögliche Praxis durchsetzen wird, bleibt m.E. fraglich – auch weil man theologisch sicher auch gute Gründe dafür bringen kann, dass gerade das stellvertretende Vorlesen der Bitten durch Mitglieder der Gemeinde das Beten und das Mitfeiern der anwesenden Menschen sichtbar macht und es eher als Rückschritt gewertet werden kann, wenn Aufgaben wieder zurück von den Laien an den Klerus gehen.
Andererseits hilft dieser frische neue Blick auf das Thema Fürbitten, manchen (altbekannten) Fehler (Moralisierung, Vereinnahmung etc.) ganz bewusst aus dem Weg zu gehen und selbstbewusst kurze und prägnante Für-Bitten zu formulieren, bei denen das „Wofür“ ausreicht, und Fürbitte sogar Gebet und Aufruf dazu gleichzeitig sein kann.
Fazit: Interessantes und topaktuelles Buch für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Es ist das drin, was draufsteht!

Weihnachtskrippen bauen von Susanne Gurschler; Hans Knapp; Hansjörg Penz

So könnte man das Buch ?Weihnachtskrippen bauen? von Susanne Gurschler, Hans Knapp und Hansjörg Penz zusammenfassen. Dabei darf man den beiden Tiroler ?Krippelern? Penz und Knapp über die Schulter schauen und vom Profi lernen. Vieles scheint klar, aber besonders die kleinen Kniffe und Drehs machen dieses Buch für einen angehenden Krippenbauer und -besitzer wertvoll.

Das großformatige Buch ist in fünf Kapitel und einem Anhang mit Fotos und Skizzen aufgeteilt und durchgehend schön und groß bebildert.
Es beginnt mit dem Kapitel ?Krippenwesen und Krippenbauer? und gibt einen kurzen Abriss über die Historie des Krippenbaus (in Tirol), sowie eine Vorstellung der beiden Profis. Genau hier wäre es schön gewesen, wenn auch etwas zur Symbolik und (wenn man das hochtrabende Wort bemühen will) Theologie der Krippe gesagt worden wäre. Dies fehlt leider und stellt für das ganze Buch eine Leerstelle dar, die man aber verkraften kann, wenn es ja sowieso mehr ums Bauen geht.
Das zweite Kapitel widmet sich einführend den groben Voraussetzungen und Vorüberlegungen, die man zu treffen hat und zeigt auch Werkzeug und Hilfstabellen (für Größe und Perspektive).
Das dritte und vierte Kapitel sind das Herz des Buches: Hier entstehen nun wirklich fast Schritt für Schritt eine orientalische und eine Tiroler Krippe. Mit allen kleinen Einzelheiten und Bauelementen. Sicher gibt es dazu auch andere Herangehensweisen, aber es macht einfach Sinn den zwei erfahrenen Mannen zu vertrauen.
Das angehängte Kapitel über Hintergrundmalerei kann getrost als kurze Einführung ins landschaftliche Malen überhaupt verstanden werden, wo sowohl Theorie (Perspektive, Tiefenwirkung u.Ä.) als auch praktische Überlegungen (Material, Herangehensweise, Montage etc.) Platz finden und auch Platz eingeräumt bekommen (gute 40 Seiten!).
Ich kann dieses Buch jedem, der mit dem Bau einer Krippe beginnen möchte nur empfehlen. Aber natürlich muss einem bewusst sein, dass auch das beste Buch keinen Kurs oder professionelle Hilfe ersetzen kann und ein wenig Geduld und handwerkliches Geschick zum erfolgreichen Bauen einer Krippe auch dazugehören.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber

Offen ist nicht nur der Himmel ...

Der Himmel ist offen von Josef Dirnbeck

... sondern sicher auch der Leserkreis des neuen Buches von Josef Dirnbeck.
Man öffnet das Buch schon gerne, da der ansprechende Einband (nicht zu voll und doch freundlich) dazu einlädt. Die mehr als 50 Texte selbst sind in sieben Teile gegliedert, denen jeweils ein programmatischer Texttitel vorangestellt wird (z.

B. ?Worte wie Pflugscharen?, ?Sehen und doch nicht sehen?)
Die Texte selbst, die am Cover als ?Gebete und Meditationen? benannt werden, sind großteils sehr qualitätsvoll, aktuell und gehen in die Tiefe. Gerade die Texte, die man weder als klassische Gebete noch als Meditationen erkennen kann, sondern vielmehr als geistliche Lyrik, rühren einen an und sind stark.
Manch ein Text leidet an seinem Umfang: So sind einzelne zu lang, um bis zum Ende das ?tiefe Fahrwasser? beizubehalten, andere hingegen (speziell im hinteren Teil des Buches) sind so kurz, dass sie nur mehr als Aphorismen verstanden werden können.
Trotz dieser kleinen Kritik sind viele Texte hervorragend geeignet, den Tag zu beginnen oder zu beenden oder auch in Gruppen ein Punkt der Ruhe und des Innhaltens zu sein. Ich lege dieses Buch allen (auch nicht allzu frommen) Leserinnen und Lesern ans Herz, die sich kurze Minuten der Einkehr gönnen möchten. Es kann gewinnbringend sein, nicht nur für die Zeit des Lesens, sondern auch für die Zeit des Nach- und Weiterdenkens über die Texte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Christoph Huber