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Rezensionen von Iris Tscharf (schurken.blog):

Thrill trifft Philosophie! Lesetipp!

Die sieben Farben des Blutes von Wilhelm Uwe

Seit vierzehn Monaten arbeitet die Staatsanwältin Helena Faber am Fall „Dionysos“. Nun wird sie vom Fall abgezogen. Helenas Leben entgleitet ihr mehr und mehr. Denn nicht nur der Mörder hat sie im Visier, auch ihr ganz persönliches Leben gerät mehr und mehr aus den Fugen.

Dionysos, der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, aber auch der Gott des Wahnsinns und der Ekstase.

In "Die sieben Farben des Blutes" ist Dionysos aber einfach nur ein Frauenmörder. Ein Serienkiller. Einer der jagt und gejagt wird.
Dionysos mag es wirklich makaber und verdammt blutig. Mal hackt er einem Opfer die Finger ab, einem anderen die Nase, die Ohren,… All das reicht nicht. Denn den Zeitpunkt seiner „Heilungen“ befristet er auf die Menstruationszeit der Opfer und alle lässt er ausbluten.
Drei Frauen hat er getötet und verschwand dann von der Bildfläche. Nun ist er wieder zurück, hat ein neues Opfer hinterlassen, das wie alle anderen auch, weiblich ist, und sich zu Lebzeiten für Frauenthemen engagiert hatte. Seine „Verkündungen“ hält er per Videobotschaft im Internet fest, mit Texten aus einem Buch eines Philosophie-Professors der Berliner Humboldt-Universität.

Makaber ist auch der Philosophie-Professor Rashid Gibran in der Geschichte. Er ist durch und durch empathielos und provoziert sein Gegenüber gerne. Er ist knallhart, direkt und schert sich einen Dreck darum, was andere von ihm halten. Sein Buch beschäftigt sich mit der Stellung der Frauen, der Wandlung der Frauenrechte. Und auch hier provoziert er durch und durch. Frauenhass ist für ihn universelles Kulturgut, so allgegenwärtig, das man sich ohnehin an diesen Hass gewöhnt hat. Netter Typ, oder?

Provoziert dürfte sich auch der Leser fühlen. Denn Helena Faber ist nicht die typische Heldin, wie man sie erwarten würde. Die Staatsanwältin ist von ihrem Kriminalpolizisten-Mann getrennt, hat zwei Töchter, lebt im Berliner Westend. Das klingt jetzt nach so typischer Thriller-Helden-Charakterisierung, endet hier aber auch schon mit Eigenschaften aus dem Normalokabinett. Helena Faber hüpft nämlich auch gerne zwischendurch mit jedem Mann ins Bett, der nicht auf drei auf den Bäumen ist. Und sie vergisst Dinge. Wirklich wichtige Dinge. Und immer mehr Dinge. Und das ist für eine Staatsanwältin, die noch dazu hinter einem Mörder herjagt, der obendrein auch sie jagt, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Wie gesagt: eigentlich. Denn die Unmöglichkeit der Dinge hat Uwe Wilhelm nämlich doch ganz gut umgesetzt und möglich gemacht. Diese Vergesslichkeit bringt nicht nur Spannung und Emotion in die Story, sondern wird auch noch dramatisch gezeigt. Denn oft sind es eben die kleinen Dinge des Lebens, die wirklich erschreckend sind. Und Vergesslichkeit im Alltag wird wahrscheinlich von den meisten Lesern als gar nicht so schlimm empfunden - bis man es erlebt und sei es nur als Begleitung einer Romanheldin.

Das einzige Manko, das ich an dieser Stelle nicht unausgesprochen lassen möchte, ist: Ich habe den richtigen Täter leider schon sehr, sehr, sehr schnell als Täter verdächtigt. Das finde ich schade, denn so ein bisschen Nervenkitzel in Thrillern a la nicht zu wissen, wer dahinter steckt, fehlt dann. Aber: Trotzdem kam beim Lesen keine Langeweile auf, denn der Hintergrund überraschte dann trotzdem.
Auch die beiden notierten Stellen, die ich als unglaubwürdig und vernachlässigt notiert hatte, entpuppten sich später als schlüssig und passten dazu. Wer von euch daran hängen bleibt: weiterlesen! Der erste Eindruck täuscht.
Ungewöhnlich ist das Thema, besonders aus der Feder eines männlichen Autors: Frauenhass, Frauenstellung, Frauenbewegung. Allerdings wird es nicht politisch, eher philosophisch auch durch Gibran, der dieses Thema von der geschichtlich-biblischen-mythologischen Seite betrachtet. Und da waren durchaus einige Ansichten dabei, über die ich noch nie was gehört hatte und sich beim Nachrecherchieren als Tatsache entpuppten.

Ungewöhnlich ist der Thriller allemal, nicht nur dass Thrill auf Philosophie trifft, was dem Thriller wirklich gut tut und interessant macht, sondern auch weil die Romanheldin so gar nicht ins klassische Korsett zu passen scheint und als Ermittlerin mit ihrem Beiwerk eigentlich chancenlos ist. Aber gerade deswegen finde ich dieses Buch ungewöhnlich gut. Lesen!

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Eine Bremer-Kleingartengeschichte mit Witz und Charme!

Franziska und das Drogenkartell von Hans-Peter Mester

Bremen muss ja ganz schön witzig sein. Und das meine ich nicht, weil dort Kaffeemaschinen Namen haben und dadurch das Gesprächsrepertoire des Morddezernates erweitern oder über 70-jährige, schwerhörige Damen Frühstückspensionen mit Gästen führen, deren „Zustand eindeutig als auffällig“ zu bezeichnen ist.

Oder tot, wenn man es genau nimmt. Obwohl, das ist dann wohl weniger witzig.

Nein, Bremen muss witzig sein, weil Kriminalräte wie Strelitz eindeutig aufgeschmissen sind, wenn ihre Frauen mal ein paar Tage außer Haus sind. Oder auf Kur. Weil diese dann ganz schnell die leere Couch durch einen Austauschpolizisten ersetzen lassen, um nicht alleine sein zu müssen. Oder weil das Trinken zu zweit einfach weniger auffällt.

Okay, weniger witzig sind dann Beamte mit so richtig deutscher Manier, die Kleingartenparzellen auf hundertstel Millimeter vermessen lassen, in der Hoffnung vielleicht einmal eine Abrissbirne bestellen zu können. Aber solche Beamten haben in Bremen wohl kaum eine längere Haltbarkeitsfrist. Da kann man diese Bremer auch wieder verstehen.

Bremen erscheint auf alle Fälle bunt. Und ja, das Buch ist einfach witzig zu lesen.

Trotzdem sollte man hier wohl versierte Krimileser warnen, besonders den Buchtitel allzu ernst zu nehmen. Denn diese Franziska ist mehr Nebenfigur als Hauptfigur, diese Franziska ist eigentlich sogar abkömmlich, aber diese Leere füllt Strelitz wieder auf, der Kriminalbeamte, der kurz darauf auf dem Parkplatz eines Gasthauses neben einer Leiche aufgefunden wird.
Das mit dem Drogenkartell ist auch so eine Sache. Nicht wirklich ernstzunehmen, wie überhaupt der Krimi an sich, denn so ein waschechter Krimi ist das nicht. Viel zu sehr sucht man den roten Faden in der Krimistory, es wirkt eher chaotisch und den rote Faden sucht man vergebens.

Macht aber alles nix. Das Buch unterhält trotzdem ganz gut, diese Kleingartengeschichte hat nämlich viel Witz und noch mehr Charme und vor allem ganz viel schräge Figuren.

Und eine Kaffeemaschine namens Rudolf.

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Sadistischer Mainstream-Thrill mit kritischen Extras!

Die Saat des Killers von Cleave Paul

Detective Inspector Mitchell Logan wird bei einem Einsatz getötet. Seine Augen spendet er seinem 16jährigen blinden Sohn Joshua. Mitchell konnte nicht wissen, was er mit dieser Spende seinem Sohn antut. Denn Joshua erhält durch die Spende nicht nur das Augenlicht wieder, sondern auch Träume und Erinnerungen, die eindeutig nicht dem Jungen gehören.

Zelluläres Gedächtnis nennt man diesen unerforschten Bereich, der, dank Cleave, richtig erschreckend werden kann.

Ein ganz großes Sonderpaket steckt in diesem Thriller. Es geht nicht nur um Organspenden, sondern auch um die Frage, ob es zelluläres Gedächtnis wirklich gibt und wenn ja, welche unabsehbaren Folgen das haben kann. Natürlich hat Paul Cleave diese Idee ans Limit geschrieben, denn was passiert, wenn Organspenden von Mördern transplantiert werden und damit auch Erinnerungen, Neigungen, Träume?
Es geht auch um Rache, Selbstjustiz, vermeintlich ausgleichende Gerechtigkeit. Denn oft stehen hinter guten Taten böse Handlungen. Und Cleave kann wirklich böse schreiben, wir wir aus anderen Thrillern schon wissen.
Es wäre auch kein Cleave-Thriller, wenn es gegen Ende nicht richtig sadistisch zur Sache geht. Bis kurz vor dem Ende könnte man den Thriller wirklich jedem Leser in die Hand drücken. Verhältnismäßig harmlos liest sich die Geschichte um Joshua, eher bedrückend, denn Joshua scheint mit seiner Annahme eines Familienfluchs wirklich gar nicht weit weg zu liegen. Der Junge hat es einfach schwer. Und verdammt viel Pech.
Aber gegen Ende drückt Cleave nochmals auf die Tube, verspritzt sadistische Fantasien und lässt natürlich mehr als eine böse Figur auf der Bildfläche erscheinen, sodass man als Leser schon etwas abgehärtet sein sollte.

Den Mix finde ich gut. Sadistischer Mainstream-Thrill mit viel kritischen Hinterfragen in Bezug auf Organspende, die Einteilung der Menschen in gut und böse, Freundschaften, die zerbrechen, aber auch den Weg eines Blinden zum Sehenden. All das hat er gut verpackt und liest sich interessant. Nur Herr Cleave, einen Hinweis möchte ich hinterlassen: Organe kann man von Toten auch heute noch nicht transplantieren, dazu muss der Körper noch am Leben sein bzw. erhalten werden.

Ein wirklich guter Thriller, mehr als nur Unterhaltung, und auch wenn am Ende dann doch Cleaves Fantasie ihre Grenzen sprengt, absolut lesenswert.

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Ein Kleinstadt-Thriller für jedermann

Der Kreidemann von Tudor C.J.

Ein Ort wie Anderybury
Anderbury ist auf den ersten Blick so ne niedliche Kleinstadt. So ein Ort mit Spielplatz und Kirche, Schule und Sportplatz, einem Wäldchen. 1986 lebt hier Eddie und seine Gang. Die 12jährigen fahren Fahrrad, bauen im Wäldchen Höhlen und hinterlassen sich geheime Botschaften mit Kreidezeichnungen in den Einfahrten.

Niedlich, oder? Aber so Thriller haben normalerweise mit Niedlichkeit nichts am Hut. Und deswegen muss man zweimal hinsehen.
Anderbury ist auf den zweiten Blick nämlich etwas mysteriös. Und manchmal scheint der Ort wie verflucht zu sein. Mysteriös erscheint auch der neue Lehrer Mr. Halloran, den die Kinder insgeheim den „Bleichen Mann“ nennen. Und irgendwie fängt das schlechte Karma des Ortes mit dem Unfall auf dem Jahrmarkt an. Wie eine Kettenreaktion entwickelt sich der Ort der Niedlichkeit zum Ort der mysteriösen Todesfälle. Und niedlich ist plötzlich nichts mehr. Denn plötzlich führen die Kreidezeichnungen die Kinder zu einer Leiche. Oder zu dem, was davon übrig ist.

30 Jahre später: Eddie
Eddie lebt noch immer in Anderbury und ist selbst Lehrer geworden. Und etwas seltsam. Mit ungewöhnlichen, geheimen Hobbies. Kein Wunder, bei dieser Vergangenheit.
30 Jahre sind inzwischen vergangen, als plötzlich wieder Kreidezeichnungen auftauchen. Und plötzlich ist die Vergangenheit wieder lebendig. Ganz nah. Jetzt.
Zwei Zeitebenen wechseln sich ab, und wie die Hinweise der Kreidezeichnungen eröffnen auch die Zeitwechsel eine Schnitzeljagd bei dieser Rätselralley. Strich für Strich, Punkt für Punkt wird ein Gesamtbild gezeichnet. All das Mysteriöse wird nach und nach zu einem realen Drama, einer Kettenreaktion und ein böser Blick auf eine Kleinstadt, in der sich hinter netten, scheinbar guten Menschen manchmal böse Fratzen verbergen.

Wer einen Thriller als Geschenk sucht, kann mit „Der Kreidemann“ nichts falsch machen. Es ist so ein Thriller für jedermann, nicht zu blutig, nicht zu hart, zwischendurch mysteriös, immer unterhaltsam und es darf bis zum Ende mitgerätselt werden.
Ein Thriller für zwischendurch.

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Dschungelcamp reloaded!

Ghost Flight - Jagd durch den Dschungel von Grylls Bear

Dort, wo sich Brasilien, Bolivien und Peru treffen, soll ein Flugzeugwrack mit brisanter Ladung aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Ex-Söldner Jaeger und ein Team von insgesamt zehn Leuten sollen das Wrack bergen und das Geheimnis lüften.

Nun ist es so, dass so ein Dschungel alleine schon ein harter Gegner sein kann.

Denn in ihm lauern allerhand Gefahren. Piranhas, Kaimane, bösartige rotäugige Spinnen, monstermäßige Schlangen, Orientierungsverlust, unwegsames Gelände, Indigo-Völker mit Giftpfeilen, … Wenn dann auch noch ein Verräter in den eigenen Reihen sitzt, dann wird die Jagd nach dem Geheimnis umso spannender. Denn nicht nur Jaeger und sein Team suchen das Wrack, nein, auch eine andere Gruppe versucht das Geheimnis zu hüten. Um jeden Preis.

Viel Action und Tam-Tam mitten im brasilianischen Dschungel bietet die Geschichte. Auch wenn sich der Anfang etwas zieht, wird der Leser dann mit umso mehr Action und Thrill durch die Seiten getrieben.

Dazu kommt noch der Hintergrund der Geschichte dazu, der einen Schrecken beim Leser hinterlässt. Denn Bear Grylls weiß, wovon er schreibt, war er doch wirklich bei der SAS. Und so gibt es Hinweise darauf, dass in dem Thriller nicht alles total erfunden ist, auch wenn manches derart erschreckend klingt, das man als Leser einfach hofft, dass das alles reine Fiktion ist.
Wenn man googelt, ahnt man, nicht alles aus dem Thriller ist reine Erfindung. Hans Kammler war nämlich wirklich damit beauftragt, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Naziwaffen außer Landes zu schaffen. Doch weder die Nazis selbst noch ihre Waffen wären ohne Hilfe der Alliierten in der Lage gewesen, sich außer Landes zu flüchten. Und wie wir wissen, haben es viele ranghohe Nazis geschafft, sich ein Leben in Südamerika aufzubauen.

Und so bietet dieser Thriller nicht nur actiongeladene Unterhaltung, sondern auch einen Mehrwert. Denn am Ende ist man gedrängt, nach den Hintergründen zu googeln. Und wird mit allerhand Wahrheiten, Halbwahrheiten, Verschwörungstheorien und auch Lügen konfrontiert, so dass man kritisch auf das aktuelle Weltgeschehen blickt.

Deswegen ist dieser Thriller wirklich sehr zu empfehlen. Nicht nur wegen der actiongeladenen Story, sondern auch, weil dieser Thriller den Leser dazu veranlasst, in den politischen Matsch zu stochern, der uns täglich präsentiert wird. Auch heute noch, nicht nur damals.

Ein Schrecken bleibt nach dem Lesen des Buches. So oder so.

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„Süße Lizzy. Kleine Lizzy.“ Böse Lizzy.

Das Böse, es bleibt von D'Andrea Luca

Marlene flüchtet, nachdem sie ihrem Ehemann ein paar blaue Saphire entwendet hat, durchs winterliche Südtirol. Sie weiß, ihr bleibt nicht viel Zeit, bevor ihr Ehemann seine Handlanger losschickt, um nach ihr zu suchen. Ihr Ehemann ist nämlich nicht irgendeiner, sondern ein skrupelloser Gangsterboss.

Wie es auf der Flucht so sein kann, so schnell unterwegs, so gedankenverloren, stürzt sie mit dem Auto in eine Schlucht.
Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie in einer Berghütte. Vor ihr ein wortkarger Einsiedler, der sie versorgt und bei dem sie sich vorerst in Sicherheit wähnt. Nur hat dieser kauzige Alte selbst so seine dunklen Seiten und nicht nur Schweine im Keller.

Idee gut, Umsetzung so la la
Mir ist dieser Thriller zu sehr an der Oberfläche geblieben. Figurentechnisch, inhaltlich und settingmäßig. Alles gut, aber nichts, was mich vom Hocker reißt.

Gute Figuren, aber nicht die „Bringer“. Marlene ist interessant. Einerseits eine Kämpfernatur, andererseits eine Frau, die Hilfe braucht. Aufgrund ihrer Vergangenheit versteht man ihr Verhalten, ihren Kampfesgeist, ihr Durchsetzungsvermögen, aber auch ihre Unsicherheit. Nur fehlt ihr das Besondere.
Auch der Alte aus den Bergen ist interessant. Seine Vergangenheit ein riesengroßer Albtraum, wodurch sein Wahnsinn erklärbar wird. Seine innere Hin- und Hergerissenheit bringt mehr Würze in die Geschichte und lässt sie dadurch unvorhersehbar werden.

Aber so richtig nah kommt man keiner Figur. Sie sind da, dann wieder weg. Als Leser baut man kein emotionales Band auf, und dadurch wirken sie trotz aller interessanter Aspekte auch nicht lebendig.

Nun hat D’Andrea auch noch einen richtig fiesen Auftragskiller in der Geschichte herumlaufen. Und der ist - Überraschung - interessant. Kaltblütig, emotionslos und mit einer eigenen Geschichte auf dem Buckel.
Nur schade, dass der nur eine Nebenfigur darstellt, der hätte locker einen Roman alleine füllen können.
Auch das befriedet beim Lesen nicht ganz. Der ist irgendwie zu kurz geraten.

Was ich aber am meisten vermisse, ist das Südtiroler Setting. Ja, es geht in die Berge, ja dort ist es kalt, gefährlich und um dort als Einsiedler überleben zu können, muss man schon ein Überlebenskünstler sein.
Aber das Setting bleibt zu sehr an der Oberfläche. Nur eine kleine Szene bringt dieses Bergsetting näher, ein kurzer Plausch zwischen den Bergbewohnern und jemanden von außerhalb. Einen Augenblick lang bekommt man Einsicht in die Ansichten dieser Leute, hört ihre Sprache, lauscht ihren Geschichten.
Und dann sind sie wieder weg.

Tja, und da ja auch Schweine vorkommen, sollen diese nicht unerwähnt bleiben. So Schweine sind ja schon ganz schön kleine Biester, intelligent noch dazu. Leider wird dem Leser genau das serviert, was er ganz schnell erwartet, wenn er schon ein paar „schweinische“ Krimis gelesen hat. So bleibt die Überraschung am Ende aus.

Trotzdem liest sich das Buch ganz gut. Durch die wechselnden Perspektiven weiß der Leser ganz genau, wie nah die Gefahr schon ist, wie weit fortgeschritten der Wahnsinn um sich greift. Das ist natürlich spannend. Aber dieser „Wow“-Effekt stellt sich leider nicht ein.

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Raue Typen, rotzige Sprache, gefechtsmäßiger Aufbau, knallhartes Thema

Das Böse, es bleibt von D'Andrea Luca

Mitten in Berlin ermittelt ein Ex-Söldner-Bulle gegen die Machenschaften eines illegalen Organhandels. Doch diese Organhändler sind im ebenbürtig, denn sie kriechen aus dem gleichen Verschlag. Nur gut, dass er mittlerweile seine ebenso rotzigen Kumpels im Boot hat. Denn so Söldner kämpfen immer bis zum letzten Tropfen.

Auf ex!

Sascha Simoneit hat als Ex-Söldner und ausgebildete Killermaschine wahrscheinlich nicht die besten Berufschancen. Kurz arbeitet er als Polizist, aber selbst die Polizei kann ihn nicht unter Kontrolle behalten, so dass er bald aus dem Dienst ausgeschieden wird.
Seine Kumpels und er machen in Moabit eine Detektei auf. Und schon bald haben sie einen knallharten Fall an der Backe: Eine Mutter will sich an dem Organhändler rächen, der ihrer Tochter illegal eine Niere geraubt hat.
Doch diese Organhändler sind keine Unbekannten für Simoneit. Er fischt in eigenen Gewässern und weiß daher, was dieser Auftrag für sein Leben und das Leben seiner Kumpels bedeuten kann. Aber so raue, rotzige Typen schreckt 1. nichts ab und 2. halten sie zusammen. Besonders wenn es schmutzig wird. Und dreckig. Und tödlich.

Gutenrath hat hier einen interessanten Typen an Land gezogen. Simoneit, eigentlich als Ex-Söldner eine Zeitbombe für diese Welt, aber mit dem Herz am rechten Fleck, sofern er weiß, dass es noch schlägt und dass er es benutzen kann, reißt den Leser mit einer rotzigen Sprache mit in seine Welt. Und die ist knallhart, ungerecht und überhaupt.
Leider sind die Szenen ein bisschen zu gefechtsartig aufgebaut, sie fliegen wie Kugeln wirr zwischen den Zeiten, zwischen den Ländern, zwischen den Figuren, so dass es anfangs für den Leser ganz schön anspruchsvoll zu lesen ist. Aber hat man als Leser erst mal die Scharfschützen im Visier, klappt es auch mit dem Lesegenuss.

Ein guter Auftakt mit Luft nach oben, in der Hoffnung beim zweiten Band mehr Simoneit und ein bisschen mehr szenische Gefechtsordnung zu erfahren.

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Düster, melancholisch, deprimierend, aber nicht packend.

House of Rain von Greg F. Gifune

Das große Plus des Buches ist die Atmosphäre: Sie ist düster, melancholisch, deprimierend.

Der 72jährige Kriegsveteran Gordon verliert seine Frau. Die Frau, die seine Schatten der Vergangenheit zurückdrängen konnte. Er verliert sich in der Trauer und dem Verlust.
Gifune steigert diese bedrückende Atmosphäre durch den Regen, der Nacht, dem Ort, an dem Gordon wohnt.

Durch Wahnvorstellungen, die die Hauptfigur verfolgen. Trotz dieser ausgewählten Details gelingt es der Geschichte aber nicht, den Leser mitleiden zu lassen.
Ich war teils sogar genervt von den Wahnvorstellungen, die zu offensichtlich waren. Durch diese Übertreibungen gelang es mir nicht, zu glauben, dass Gordon so richtig unter seinem Verlust leidet. Und das raubte mir die Lesefreude, letztlich war ich froh, dass dieses Buch kurz gehalten ist, denn wahrscheinlich hätte ich es ansonsten bald abgebrochen.
Erst gegen Ende erfährt der Leser, was sich wirklich zugetragen hat, was Wahn und was Realität ist. Auch dies geschieht in aller Kürze durch eine sogenannte Katalysatorfigur: dem besten Freund von Gordon, Harry.

Gifune konnte mich mit dieser Geschichte leider nicht packen. Gute Idee, aber meiner Meinung nach, schlecht umgesetzt. Er schaffte es, eine bedrückende Atmosphäre zu zeichnen, doch leider schaffte er es nicht, das Leiden auf den Leser zu übertragen. Das gelang ihm bei "Sag Onkel" besser. Für mich ein Reinfall.

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Bulgarischer Kommunismus trifft auf konsumgeiles Deutschland

House of Rain von Greg F. Gifune

Zwei Schicksale zeigen dem Leser die Folgen des Kommunismus in Bulgarien. Eines beruht sogar auf wahrer Begebenheit.

Da gibt es das Mädchen Anelija, dessen Mutter die fünfjährige bei ihren Babas zurücklässt und nach Deutschland abhaut. Manchmal bekommt Anelija einen Brief. Der ist so schön weiß.

In Bulgarien ist das Leben hart: Die Menschen werden eingeschüchtert, unterdrückt, sie dürfen nicht laut sagen, was sie denken, sie arbeiten den ganzen Tag. Anelija muss sich die Schule verdienen, in dem sie in den Ferien in einem Arbeitslager schuftet. Und das Mädchen träumt von Deutschland, dem Land der Freiheit, dem Land in dem ihre Mutter nun lebt. Und von dem Land, aus dem der Duft nach Weiß hervorkommt.

Aber auch das Schicksal vom bulgarischen Schriftsteller Georgi Markow ist interessant. Er kritisiert das Regime und muss schon bald aus Bulgarien flüchten, in ein Land, dessen Buchstaben ihm fremd erscheinen. Dort arbeitet er für die BBC und wird obendrein vom KGB verfolgt. Das ist der wahre Kern des Buches, denn Markow gab es wirklich und er wurde in London vom KGB durch eine vergiftete Regenschirmspitze getötet.

Zwei Erzählstränge zeigen zwei Schicksale der bulgarischen Diktatur. Erzählt wird in Rückenblenden, denn Anelija ist bereits am Anfang des Romans längst in Deutschland.

Beeindruckend sind die kleinen Details, die die Autorin geschickt in die Handlung packt. Zum Beispiel den Anblick von Bulgarien als Bulgare und den Anblick von Land und Leute durch einen Touristenschleier. Oder auch die Details, die Anelija auffallen, als sie zum ersten Mal mit der deutschen Gesellschaft konfrontiert wird: Schicke Frisuren, elegante Kleider, aber gehetzte Blicke. Und der Vergleich zum bulgarischen Leben.

Dieses Buch ist keine Spannungsgranate, es ist auch kein reines Unterhaltungsbuch. Dieses Buch verlangt mehr vom Leser: Er lässt den Leser nämlich nachdenken. Nachdenken über unsere Gesellschaft, über das Leben früher, das Leben heute, über das Leben unter einer Diktatur, über zwischenmenschliche Beziehungen. Beim Lesen kommt nach nicht umhin, das Gelesene mit dem Gelebten zu vergleichen.

Das ist Literatur. Das ist mehr als Unterhaltung. Das ist eine literarische Reise für den Leser.

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