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Rezensionen von Iris Tscharf (schurken.blog):

Nach dieser Lektüre wird man Internetpostings mit anderen Augen lesen!

Troll von Michal Hvorecky

Der in Bratislava geborene Autor und Journalist Michal Hvorecky weiß, wovon er schreibt: Ist er doch schon selbst Opfer von Hasspostings geworden und hat die systematische Zerstörung seiner Kollegen mitbekommen.

In "Troll" zeigt er erschreckend glaubwürdig, wie so eine Trollfabrik funktioniert.

Der namenlose Ich-Erzähler schleicht sich mit Johanna an seiner Seite in so ein System ein, wird selbst zum Troll, manipuliert die öffentliche Meinung, denunziert Menschen, die er eigentlich mag, verbreitet Hasspostings und Falschmeldungen.
Was als Trojanisches Pferd geplant war, nämlich das System von innen heraus zu lernen und zu zerstören, droht bald nach hinten los zu gehen. Wer sich zwischen Verrätern und Lügnern bewegt, droht nämlich selbst ein solcher zu werden. Ein Troll.

Dieses Trollsystem hat Hvorecky wirklich unglaublich realistisch und glaubwürdig geschildert. Leider aber driftet die Geschichte zwischendurch in andere - nicht so glaubwürdige, teilweise sogar widersprüchliche - Themen ab.
Beispiel: Anfangs ist der Ich-Erzähler an Masern erkrankt, landet im Krankenhaus in einem Land, das fast nichts für das Gesundheitsbudget übrig hat und immer mehr von Esoterikern und Alternativen Heilern übernommen wird. Trotzdem bleibt er 5 (!) Jahre im Krankenhaus, obwohl er - außer anfangs - nicht richtig krank zu sein scheint, sondern eher an hypochondrischen Psychosen leidet, die sich dann von alleine verflüchtigen; stiehlt Medikamente, die eigentlich nicht vorhanden sind, usw.
Oder: Nach dem Krankenhaus bezieht die Mutter eine Invalidenrente, lebt von der Hand in den Mund, macht Schulden. Aber der Ich-Erzähler schafft es, trotzdem Jahre zu studieren und sich weiterzubilden, mit seiner Mutter im privilegierten Viertel wohnen zu bleiben.
All das hat mir etwas die Freude gedämpft.

Auch Johanna ist so ein Thema an sich. Anfangs sehr lebendig eingeführt, gerät sie im Laufe der Geschichte beinahe in Vergessenheit, obwohl sie eine treibende Kraft der Handlung ist.

Dennoch möchte ich dieses Buch empfehlen, denn diese Trollfabrik macht nicht nur nachdenklich, sondern spiegelt erschreckend glaubwürdig Aspekte unserer aktuellen Internetnachrichten und SocialMedia-Postings. Und dieses Thema hat Michal Hvorecky wirklich meisterhaft geschildert.
Deswegen: Auf in die Trollfabrik!

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Düsterer, harter Auftakt der neuen Harry-McCoy-Reihe! Lesetipp!

Blutiger Januar von Alan Parks

Harry McCoy ist alles andere als ein Saubermann. Er säuft, er nimmt Drogen, er wird fast täglich verdroschen und in gewisser Weise teilt er mit seinem Freund, einem Bandenboss, seine Freundin, eine Prostituierte.
McCoy ist Detective bei der Glasgower Polizei. Ein Typ mit vielen, vielen Ecken und noch mehr Kanten, die ihn besonders interessant machen, wenn man raue Hauptfiguren mag.

Und rau ist McCoy auf jeden Fall.

Auch der Fall ist herbe rau. Gleich am Anfang gibt es - natürlich - einen Mord. Der führt McCoy und seinen Kollegen, einem Grünschnabel, Wattie hinein in die Welt des Geldes, der Politik, der Korruption. Aber all das ohne kritischen Aspekt, sondern nur zur Unterhaltung.
Da Glasgow eben Glasgow ist, die Stadt des Bösen, die Stadt mit den Straßen der Verdammten, in die sich nicht mal Polizei und Heilsarmee wagen, geht die Handlung ziemlich blutig, brutal und derb zu. In Glasgow ist ein Menschenleben nichts wert, viel weniger als Alkohol, denn eine "alte schottische Art ist, man besoff sich zusammen und blieb dann ein Leben lang befreundet". (S.117)

Etwas viel hat Parks in die Handlung gestopft: Politische Einmischung, die Macht des Geldes, Korruption, Bandenprobleme, Prostitution, Kindesmissbrauch und -misshandlung, und sogar die Freimaurer kommen am Rande vor. Das hätte die Geschichte gar nicht gebraucht, denn McCoy ist derart kantig ausgestattet, dass er selbst schon viel Raum einnimmt. Und trotzdem: Das Buch lässt einen durch die Seiten fliegen - oder in dem Fall: durch Glasgows dunkle, düstere Straßen, die den Banden gehören.

Auch wenn es klitzekleine Unglaubwürdigkeiten gibt (z. B. heilen McCoys Wunden ziemlich blitzartig) unterhält das Buch den Krimifan von der ersten bis zur letzten Seite durch die raue Art, die harte, schonungslose Handlung und diesem kantigen Bullen namens McCoy.

Ein sehr unterhaltsamer Auftakt zur neuen Harry-McCoy-Reihe, die ich besonders Krimilesern ans Herz legen möchte, die raue, düstere, harte Noir-Thriller suchen. Krimitipp!

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Kein schwarz oder weiß, schon gar kein Great Britain, sondern ein schmutziges Grey Britain!

Dreckiger Schnee von Joseph Knox

Aidan Waits arbeitet als verdeckter Ermittler für zwei Aufträge, die etwas gemeinsam haben: Zain Carver. Ein Drogendealer. Weil er aus der Asservatenkammer Speed gestohlen hat, wird er von seinem Vorgesetzten in diese verdeckte Ermittlerrolle abkommandiert. Zugleich setzt ihn der Justizminister Rossiter auf seine Tochter Isabelle an, die abgehauen ist und sich in Fairview aufhält.

Beide Ermittlungen führen in die Londoner Drogenszene und da geht es ziemlich rau, sehr schmutzig und verdammt dreckig zu. Denn bald erscheinen auch die Burnsiders wieder auf Londons Straßen und es droht ein Bandenkrieg.

Jospeh Knox weiß seine Leser zu überzeugen. Kein Wunder, er ist Buchhändler für Spannungsliteratur. Und seine Hauptfigur Aidan Waits passt in diese schmutzige Unterwelt perfekt rein, denn noch mehr Ecken und Kanten kann eine Figur gar nicht haben. Bei seinen Polizistenkollegen zählt er als korrupt, in der Unterwelt trifft man ihn selten ohne Speed und Alkohol an. Und noch seltener ohne Veilchen im Gesicht, denn er bekommt so ziemlich im Dauerfeuer neue verpasst.
Irgendwie passt er in keine der Welten, und doch schlägt er sich durch. Wenn er nicht gerade bis zur Besinnungslosigkeit gesoffen hat.
Knox nimmt seine Figur hart ran, führt ihn und den Leser weit abseits der Touristenattraktionen und zeigt den Überlebenskampf nicht im Great, sondern im Grey Britain. Das kommt ohne Schwarz-Weiß-Denken aus, denn alle sind ziemlich schwer zu durchschauen und führt in eine vielschichtige, gangstertaugliche, sehr graue, absolut schmutzige Geschichte. Dazu dieser trostlose Stil für die hoffnungslose Geschichte inmitten dieser schmutzigen Drogengeschäfte.

Das macht Spaß, das unterhält, das bleibt in Erinnerung. Warum ein Great Britain, wenn man Grey Britain haben kann? Joseph Knox sollte man im Auge behalten, wenn man mehr Grey Britain tanken möchte.

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Eine Gangster-Aussteigergeschichte im Gangsterstyle in einer Gangsterwelt. Gangstermäßig gut!

Safe von Gattis Ryan

Okay, "In den Straßen die Wut" ist um einen Tick besser als "Safe" zu lesen. Aber Ryan Gattis beweist wieder sein Können: Sein Thema ist Programm, von der ersten bis zur letzten Seite. Knallhart bleibt er an diesem Thema dran, lässt es nicht los, zieht es voll durch. Dieses Mal lautet es: Gangster.

Ghost ist Tresorknacker für die Polizei. Wie ein Geist kommt er mit geschwärzten Nummerschildern daher, geht rein, öffnet den Safe, geht wieder raus, ist weg.
So war er nicht immer. Früher war ein Junkie, verliebt in eine todkranke Frau, die starb, und als Stimme auf einen Tape ihn noch heute begleitet.
Nun ist sein Gehirntumor zurück und er wünscht sich nur eines: einen sauberen Abgang. Also knackt er wieder einen Safe und klaut daraus eine Menge Kohle. Die ist nicht für ihn, sondern für Leute, die das Geld dringend brauchen. So als gute Tat an seinen letzten Tagen.

Natürlich lassen sich Drogenbosse nicht so einfach beklauen. Hier kommt Glasses ins Spiel, ein Handlanger des Drogenkönigs Rooster, ein Gangster in einer Gangsterwelt. Er soll Ghost suchen, das Geld zurückholen, ein Zeichen setzen.
Doch auch Glasses spielt ein eigenes Spiel, denn hinter seiner finsteren Miene hat er ganz andere Absichten. Er will aussteigen aus der Gangsterwelt. Er hat Familie. Er will alt werden. Auch das lassen Drogenbosse eigentlich zu.

Gattis nimmt den Leser mit in diese Gangsterwelt, lässt die Gangster selbst auftreten und erzählen, so dass ein Gangsterstil entsteht. Das Thema "Gangster" drängt sich in jedes Wort, jede Tat, von Anfang bis zum Ende durch. Da bleibt Gattis sich treu, sein Thema ist Programm, bleibt es von der ersten bis zur letzten Seite und einfach alles - wirklich alles - hat mit diesem Thema zu tun. Wie auch schon in "In den Straßen die Wut" die Wut einfach allgegenwärtig war, so sind es hier Gangster.

Das ist Gattis Markenzeichen. Und das macht er wieder richtig gut. Ein absolut lesenswertes Buch für Gangsterleser!

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Ein rassistischer Roman im Südstaaten-Country-Flair!

Krumme Type, krumme Type von Tom Franklin

Larry, oh Larry, der weiße Junge hat keine Freunde. Nur Bücher von Stephen King begleiten ihn. Selbst seine Mutter betet zu Gott, er möge dem Jungen wenigstens einen einzigen Freund schicken. Doch mit Freundschaften ist das nicht so leicht in Chabot, wo Schwarze und Weiße aufeinandertreffen und zusammen leben müssen.

Denn rassistische Ansichten stecken tief drinnen in den Menschen und sorgen für Vorurteile und Ausgrenzungen. Als dann ein Mädchen spurlos verschwindet, wird Larry verdächtigt. Doch man kann dem Jungen nichts nachweisen, nur ausgrenzen, der Außenseiter wird zum Außenseiter.
Jahre später verschwindet wieder ein Mädchen. Larry, inzwischen 41 Jahre alt, gerät natürlich sofort in den Verdacht. Seine Außenseiterrolle, die er ohnehin schon inne hat, wird nochmal verstärkt. Erst als er im Krankenhaus landet will ein Polizist den Fall klären. Der Polizist ist ein Schwarzer und natürlich wird gemunkelt, warum Silas Larry helfen will. Denn, wie gesagt, Rassismus lebt hier zwischen all den Menschen, obwohl sie alle zu diesem Ort gehören und sich von klein auf kennen.

Tom Franklin zeigt in diesem Roman, dass es egal ist, welche Hautfarbe man hat. Dass das Leben da keinen Unterschied macht, es vergibt die Chancen auf ein gutes Leben per Zufallsprinzip. Franklin zeigt die Folgen der Rassentrennung, wie schwierig es ist, Menschen wieder zusammenzuführen, jahrhundertaltes Rassismusproblem aus den Zellen zu bekommen. Die Widersprüche im täglichen Leben zwischen Schwarzen und Weißen, die es eigentlich besser wissen, und doch wieder rassistisch handeln. Die Vorurteile, die man als Verdächtigter durchleben muss. Die Ausgrenzung von jungen Leuten, die einfach nur scheu oder zurückgezogen leben. Oder eben die vermeintlich „falsche Hautfarbe“ haben.
All das packt Franklin in eine Geschichte, in der es um Freundschaft und Verrat geht, die sich über Jahrzehnte streckt, die wie vererbt wirkt und aus der es aufgrund gesellschaftlicher Festgefahrenheit kaum eine Chance gibt, diesen Rassismusquatsch endlich zu beenden.

Ein absolut genussvoller Roman mit Südstaaten-Flair, der kritisch gesellschaftlich verankerten Rassismus aufgreift, noir zu lesen, und ohne Hoffnung auf ein glückliches Happy-End ist. Weil das Leben nicht fair ist. Hier in Chabot.

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Die Päckchen des Lebens auspacken

Das Leben, das wir begraben von Allen Eskens

Joe ist so ein netter Typ von nebenan, der eigentlich nur sein Studium beenden will. Das ist mit einer alkoholkranken Mutter, einem autistischen Bruder und Geldsorgen aber nicht so leicht.
Für seinen Biografie-Kurs muss über einen alten Menschen eine Biografie schreiben. Und so findet Joe Carl. Carl Iverson, verurteilter Mörder, der vor über 30 Jahren ein 14jähriges Mädchen vergewaltigt und getötet haben soll.

Aber auch Carl trägt noch andere Päckchen mit sich herum, die nun nach und nach ausgegraben werden.

Die Geschichte lebt vor allem durch den netten Joe. So ein auf den ersten Blick unschuldiger Junge, dem man auch als Leser nur alles Gute wünscht. So einer, mit dem man sofort Freundschaft schließt, mit dem man hofft, mit dem man bangt.
Kein Wunder also, dass man als Leser den Jungen gerne begleitet.

Dann wird klar, worum es in der Geschichte geht. Um Vorurteile und um Rucksäcke, die das Leben einem packt. Und die nun ausgepackt werden. Um alte Geheimnisse, die man lieber verscharrt zu wissen glaubt, die nun aber an die Oberfläche gezogen werden.

Ziemlich ruhig und entspannt lesen sich die ersten zwei Drittel des Buches. Geheimnisse treten hervor, Fragen werden aufgeworfen, immer an der Seite des lieben, netten Joe Talberts. Erst gegen Ende legt die Geschichte nicht nur an Fahrt zu, sondern auch an Action.

Für mich ein nettes Buch für zwischendurch, das vor allem durch die nette Hauptfigur, die vielen Geheimnisse und den Blick auf Vorurteile überzeugen konnte.

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Bösartig, düster, hoffnungslos! Lesetipp!

Die Maske von Nakamura Fuminori

Tradition wird in Japan groß geschrieben. Ganz besonders dann, wenn man zum Kuki-Clan gehört. Fumihiro ist gefangen, denn sein Vater hat etwas ganz Besonderes mit dem Jungen vor. Er will der Welt ein Geschwür des Bösen geben. Dieses Geschwür hat einen Namen: Fumihiro.
Der Clanpatriach verspricht den Jungen, dass er zum vierzehnten Geburtstag die Hölle kennen lernen wird.

Dass bei diesem Plan seine Adoptivschwester Kaori eine große Rolle spielen ahnt er noch nicht. Grausam setzt der Patriach seine Familientradtion fort. Dann rückt der Geburtstag näher und so nach und nach tut sich das Grauen des Bösen auf.

Fuminori Nakamura ist wohl auch so ein Japaner mit zwei Gesichtern. Sein erstes übersetztes Buch „Der Dieb“ liest sich nämlich ganz anders, das ist so eine Geschichte, die den Schalk im Nacken hat. In „Die Maske“ geht es auch um die Unterwelt Tokios, aber viel bösartiger, dunkler, hoffnungsloser.
Beim Lesen war ich von der ersten Seite an gefesselt und tastete mich mit Beklemmungsgefühlen voran. Denn dieser alte böse Mann, Fumihiros Vater, lässt dem Jungen keine Chance. Und man ahnt: Das kann nur böse enden und überhaupt, diesen Traditionen entkommt man nicht. So ergeht es auch Fumihiro, der eigentlich ein guter Junge ist, dem aber keine Chance bleibt, sein Leben im Guten zu führen. In so einer Familie ist einfach kein Platz für Gutes, und genau das beweist Nakamura auf jeder Seite. Gut ist es nur für den Leser: Denn der verfolgt das fortschreitende Grauen und weiß: Das wird böse enden.
Wieder einmal hat mich Fuminori Nakamura fesseln können. Und zwar von Anfang an. Denn auch sein zweites, sein richtig böses, Gesicht steht dem japanischen Autor richtig gut. Wer sich auf eine hoffnungslose Familientradition einlassen möchte, kommt um dieses Buch nicht rum. Bei all dem Bösen ist es nämlich verdammt gut zu lesen. Lesetipp!

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Ein ruhigerer Thriller mit langsamen Spannungsaufbau und überraschender Auflösung!

Der Schatten von Melanie Raabe

Die Journalistin Norah Richter lässt alles hinter sich. Sie zieht von Berlin nach Wien, doch dort wartet der Tod. Oder zumindest eine Bettlerin, die ihr prophezeit, dass sie den Tod bringt und am 11. Februar einen Arthur Grimm ermorden wird.

Melanie Raabe schreibt auch den dritten Thrillerroman beinahe poetisch.

Langsam führt sie den Leser durch die Geschichte, packt nach und nach nicht nur Umzugskartons sondern auch Geheimnisse und Vergangenes aus. Bis fast zum letzten Dritten muss man diesen langsamen Storyaufbau aber mögen, sonst empfindet man ihn eher als schleppend.
Und auch Norah Richter muss man mögen, was an einigen Stellen etwas schwer fällt. Denn diese Journalistin, die für Toleranz und Gerechtigkeit steht, handelt selbst in manchen Situationen sehr intolerant. Besonders bei ihren eigenen Freunden, von denen sie erwartet, dass diese immer Zeit für sie haben müssen, wenn sie gerade mal wieder ihre Probleme bei ihnen abladen möchten. Ansonsten schmollt sie trotzig wie ein kleines Kind.

Wer langsamen Storyaufbau mag, Geheimnisse liebt, und sich von einer überraschenden Auflösung überraschen lassen mag, ist mit „Der Schatten“ richtig. Denn beinahe behutsam führt Raabe den Leser an der Nase rum. Bis zum abwechslungsreichen Ende.

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Starkes Debüt über japanische Widersprüchlichkeit!

Endstation Tokio von Buckler James

Ein starkes Debüt legt uns James Buckler vor, der selbst in Japan lebte und uns dieses Land der Widersprüche aus den Augen eines „gaijin“, eines Ausländers, zeigt.

An der Seite von Alex Malloy, der als Englischlehrer an der Excelsior School in Shinjuku Dori arbeitet, ziehen wir durch die Straßen Tokios.

Eine Stadt des Lärms, des Rauchs, der Lichter, der 4-Liter-Sake-Flaschen und teuren Frauen, die sich ihre Einkäufe nur mithilfe von Boyfriends finanzieren können. Und das obwohl Japaner ständig auf Ruf und Ansehen bedacht sind.
Genau diese Widersprüche stellt Buckler in den Vordergrund. Geschäftsmäßiges Treiben wechselt zu ständigen Aberglauben, Ruf und Ansehen sind wichtiger als Gerechtigkeit und Freundschaft.

All das zeigt Buckler verpackt in eine Geschichte, die an eine Abwärtsspirale erinnert. Denn für Alex Malloy hätte Tokio eigentlich ein Neuanfang sein müssen, doch dieser Neuanfang erinnert in der Tat an eine Endstation, denn wenn mal die Yakuza hinter einem her, kann man sich nicht mehr viel erhoffen.
Zudem ist Alex eine Figur, die eigentlich alles richtig machen will, bei der aber das Schicksal wie eine Kettenreaktion des Bösen zuschlägt und ihn hinabzieht in den Strudel japanischer Doppeldeutigkeit und Tokios Unterwelt. Böse wird das enden, das ahnt der Leser. Und das lässt ihn bis zum Schluss den japanischen Ausflug genießen.

Wer Japan kennenlernen möchte, wird dieses Buch lieben. Ich habe jede Seite davon genossen. Uchi-soto. Drinnen und draußen.

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Höllisch, rasant, packend, abgrundtief böse!

Die sieben Kreise der Hölle von Wilhelm Uwe

Der Fall "Dionysos" liegt kaum hinter ihnen, werden die Töchter der Staatsanwältin Helena Faber und ihrem Mann Robert entführt. Die Spur führt zu einer Geheimorganisation, einem Mädchenhändlerring. Besonders erschreckend dabei ist, dass die Hintermänner in unantastbaren Positionen sitzen und Helena und Robert bald nicht mehr wissen, wem sie überhaupt noch trauen können.

Uwe Wilhelm hat hier nicht nur äußerst - wie in der Hölle so üblich - heiße Eisen angefasst, sondern lässt auch den Leser ins Schwitzen kommen. Actionreiche Szenen wechseln sich ab wie ein Schusswechsel, der nie endet. Es eskaliert an allen Stellen, nicht nur der Plot wird immer böser, immer drängender, nein auch die Themenhintergründe werden immer böser, verzwickter und aussichtsloser, die Figuren verzweifelter, aber auch skrupelloser.

Moralische Seitenblicke werden geschickt in die Handlung verwoben, dass man sie kaum wahrnimmt bei all dem Schrecken, der hier auf den Leser losgelassen wird. Ob das nun Vietnam als Pädophilenparadies ist, die Türkei als Frauenhassobjekt, ob das die Aussichtslosigkeit beim Kampf gegen Diplomatenimmunität oder Lecks im Polizeiapparat ist, ob das Selbstjustiz oder pure ohnmachtsanfällige Verzweiflung ist ... moralisch ist all das harter Tobak. Nur geballt und komprimiert. Nur erschreckend.

Für Leser, die einiges aushalten, eine absolute Leseempfehlung! Packend, düster, traurig, erschreckend, rasant und höllisch. Alles in einem Paket.

Hinweis: Ich würde empfehlen, unbedingt mit Band 1 (Die sieben Farben des Blutes) zu beginnen, denn die Fälle werden nur teils aufgeklärt und ziehen sich weiter, ebenso wie die Figuren.

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