Persönliche Lese- tipps
Andrea Scheiber empfiehlt:
Die Villa der Architektin
Die Villa der Architektin von Melania G. Mazzucco
Rom im 17. Jahrhundert. Dies ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, der berühmten Malerin und ersten Architektin Plautilla Bricci. Mit 13 Jahren malte sie ihre erste Auftragsarbeit „Madonna mit Kind“. Wirklich bekannt wurde sie durch den Bau 1663 in Trastevere der Villa Benedetta. Man bekommt einen starken Einblick über ihre Armut als Kind, dem Verhältnis zu ihrem Vater.
Ein sehr gelungener, recherchierter Roman über eine außergewöhnliche Zeit. Nicht nur für Architekturbegeisterte.
Robert Renk empfiehlt:
Als ich noch unsterblich war
Als ich noch unsterblich war von Christoph Ransmayr
Ein weiter großer Erzählband, der an Atlas eines ängstlichen Mannes (2017) anknüpft. Wieder ist es eine authentische und poetische Mischung zwischen autobiographischen (oder autofiktionalem, wie man heutzutage sagt) Texten und solchen, die von den Reisen Ransmayrs stammen, die er tlw. als Journalist gemacht hat, wie z.
B. die Entdeckungsreisen in den Transhimalaya, die Sahara oder zu den Bürgerkriegsschauplätzen Sri Lankas. Am persönlichsten ist die titelgebende Erzählung aus Ransmayrs Kindheit. Ganz groß!
Andrea Scheiber empfiehlt:
Die Schwarzgeherin
Die Schwarzgeherin von Regina Denk
Tirol, Ende des 19. Jahhunderts. Die 18-jährige Theres lebt in einem abgeschiedenen Dorf im hintersten Tal. Ihr Leben ist vorbestimmt, die Heirat schon von Kindestagen an fixiert. Als ein Fremder ins Dorf kommt, verliebt sie sich und wird schwanger. Von der Dorfgemeinschaft wird er vertrieben, so geht Theres in die Berge als Eremitin und lebt von nun an in Einsamkeit mit ihrer Tochter.
Ein eindrucksvoller Roman über zwei starke Frauen, hart und nadenlos. Absolute Leseempfehlung.
Lena Kripahle-Wiek empfiehlt:
Der Frauenausborger
Der Frauenausborger von Joesi Prokopetz
Rainer Caofal lebt mittlerweile, also eigentlich lebte er bisweilen in der Seniorenresidenz „Juventus“. Doch nun liegt er erschlagen in seinem Bett und lässt uns an seinem bisherigen Leben teilhaben. Dass das nicht ganz normal war, merkt man schnell – die Frauen waren sein Herzstück. Leider waren es aber zumeist die Frauen anderer Männer, er ein „Frauenausborger“.
Dies ist nun der zweite Krimi von Prokopetz, der bekannt ist für seinen Wiener Schmäh, und das auch über die Landesgrenzen hinaus.
Ina Cassik empfiehlt:
Akikos stilles Glück
Akikos stilles Glück von Jan-Philipp Sendker
Akiko lebt nach dem verfrühten Tod ihrer Mutter zurückgezogen in Tokio. Als sie auf ein Familiengeheimnis stößt, sieht sie ihre Vergangenheit in einem anderen Licht und überdenkt ihr Leben völlig neu. Ihr Jugendfreund Kento, er als Hikikomori in selbstgewählter Isolation lebt, unterstützt sie auf ihrer Suche nach ihrem wahren Ich und wächst dabei über sich selbst hinaus.
Ein feinfühliger Roman über Distanz und Nähe, Einsamkeit und Mitmenschlichkeit,
der den Zauber japanischer Literatur wunderbar einfängt.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Die Unmöglichkeit des Lebens
Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig
Eine pensionierte Mathelehrerin, die ein kleines in die Jahre gekommenes Häuschen von einer Freundin auf Ibiza erbt, lässt alles hinter sich und lebt von nun an dort. In der wunderschönen Landschaft sucht sie Antworten über den mysteriösen Tod ihrer Freundin. Eines Tages bekommt sie eine E-Mail eines ehemaligen Schülers; von da an schreiben sie sich und sie erzählt von den wunderbaren Erlebnissen, und dass es auch viel Positives gibt im Leben.
in spannendes und unvorhersehbares Lesevergnügen.
Melanie Winkler empfiehlt:
Eine Frau, die nie gelernt hat zu leben
Die Ungelebten von Caroline Rosales
Jennifer hat es geschafft: Sie ist verheiratet, Mutter von 3 Kindern und noch dazu Geschäftsführerin eines Plattenlabels. Doch nicht alles ist so perfekt wie es von außen scheint.
Das Familienleben schlaucht sie, da sie nach klassischer Rollenverteilung diejenige ist, die zu Hause die meiste Arbeit übernimmt.
Beruflich kämpft sie damit, dass ihr Vater, der das Plattenlabel gegründet hat, sich nun Vergewaltigungsvorwürfen gegenübersieht. Jennifer muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen möchte. Hilft sie ihrem Vater gegen die Beschuldigungen vorzugehen? Oder schließt sie sich den Frauen an, die sich gegen die misogynen Missstände in der Schlagerindustrie auflehnen? Aber wenn man sich sein Leben lang zwischen gesellschaftlichen und familiären Zwängen bewegt hat, fällt es schwer sich der eigenen Position klar zu werden.
Nach und nach fügt sich in diesem mitreißenden Roman die Biografie der Protagonistin zusammen. Der emotionale Missbrauch durch den Vater wird deutlich sowie die Leerstelle, die die Mutter nach der Scheidung hinterlassen hat. Caroline Rosales ist erneut ein fesselnder, kurzweiliger Roman gelungen, der die Emotionen hochkochen lässt. Eine absolute Leseempfehlung!
Melanie Winkler empfiehlt:
Gebrochene Herzen und Fake-Dating mit Folgen
Funny Story von Emily Henry
Daphne und Peter hatten die perfekte Beziehung. Bis sie zusammen in Peters Heimatstadt ziehen und er dort feststellt, dass er eigentlich seine Kindheitsfreundin Petra liebt und mit ihr zusammen sein möchte. Daphne muss also ihre Sachen packen (samt bereits erworbenem Hochzeitskleid) und sich eine neue Bleibe suchen.
Da ergibt es sich recht gut, dass in der Wohnung von Petras Ex-Freund Miles nun ein Zimmer freisteht, also zieht sie kurzerhand bei ihm ein. Als wenig später die Einladung zu Peter und Petras Hochzeit bei ihnen eintrifft, können sie es nicht fassen. In einem Moment des Trotzes beschließen die beiden, so zu tun, als wären sie auch in einer Liebesbeziehung, um ihren Exen eins auszuwischen.
Emily Henry hat mit dieser Friends-to-Lovers-Geschichte wieder voll ins Schwarze getroffen! Während sich die quirlige Bibliothekarin und der charismatische Barkeeper langsam näherkommen, erleben sie allerhand komische, emotionale und auch so einige heiße Momente.
Ein großer Lesespaß für alle Romance-Fans!
Barbara Pritz empfiehlt:
Von der Schlaghose zur Röhren-Jean
Unser Buch der seltsamen Dinge von Jennie Godfrey
Eine Kleinstadt im Norden Englands Ende der 70er Jahre: Margaret Thatcher wird Premierministerin, die Textilindustrie ist am absteigenden Ast und die Titelseiten werden dominiert vom sogenannten Yorkshire-Ripper. Miv ist 12 und auf sich gestellt. Ihre Mutter leidet an einer psychischen Erkrankung und nimmt nichts mehr wahr, die kinderlose Tante versorgt die Familie, hat aber wenig Einfühlungsvermögen und ihr Vater möchte gerne nach Südengland ziehen, um ein besseres Leben aufzubauen.
Um den Umzug zu verhindern, beginnen Miv und ihre Freundin, in der Mordserie zu ermitteln. In einem Notizbuch halten sie Beobachtungen, Vorfälle und mögliche Verdächtige fest und zeichnen so das Kaleidoskop einer Kleinstadt, wo jeder jeden kennt und manche Geheimnisse ganz andere Ursachen haben, als sich das 2 zwölfjährige Mädchen vorstellen können.
Eine tragikomische, spannende und charmante Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, drehbuchreif geschrieben
Barbara Pritz empfiehlt:
Ein Leben für Frieden und Demokratie
Lisa Fittko von Eva Weissweiler
Im Herbst 1940 sind Lisa Fittko und ihr Mann Hans endlich gemeinsam in Marseille angekommen. Als Antifaschisten verlegten sie ihre Aktivitäten nach der Machtergreifung 1933 in den Untersind und sind ab dann jahrelang vor dem NS-Geheimdienst auf der Flucht, zuerst innerhalb von Deutschland, später auch in den Niederlanden und in Frankreich.
Öfter wurden sie voneinander getrennt, durch Lager-Aufenthalte oder politisch motivierte Reisen. Die in Österreich-Ungarn, Wien und später Berlin aufgewachsene, kosmopolitische Jüdin spricht mehrere Sprachen und hat als Mitglied der kommunistischen Partei ein Netzwerk in vielen europäischen Ländern zur Verfügung. Jetzt ist es Zeit, Europa endgültig zu verlassen. Ihr Ziel ist Kuba, von dem sie nur wissen, dass es sich um eine größere Insel irgendwo im Westen handelt. Deshalb sind sie zuerst auch wenig angetan von der Idee, gegen Bezahlung Menschen auf einer von Ihnen ausgekundschafteten, wenig kontrollierten Route über die Pyrenäen nach Spanien zu bringen. Einer ihrer prominentesten „Klienten“ wird der Kulturphilosoph Walter Benjamin sein.
Die Biografie vermittelt sehr gut das gehetzte und von Unwägbarkeiten geprägte Leben flüchtender Menschen und dass unerwartete Hilfe, Freundschaft und ein Quäntchen Glück zur Rettung nötig sein können.
Zum Weiterlesen: Lisa Fittko, Mein Weg über die Pyrenäen, dtv, 978-3-423-62189-2
Zum Weiterschauen: die Netflix-Serie „Transatlantic“











