Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Renate Geissler:
....was für ein überkonstruierter Dreigroschenroman....
Der Russe ist einer, der Birken liebt von Grjasnowa Olga
Den Titel von Olga Grjasnowas Roman finde ich hübsch, er hat mich auch neugierig auf den Inhalt gemacht. Aber Oje, was für ein überkonstruierter Dreigroschenroman, noch dazu in ärgerlich schlampiger Sprache ! Von allem "too much" : Liebe, Tod, Trauer, Flucht, Migrationshintergründe, Sex.
Weniger Handlungsstränge wären, meiner Meinung nach, für das Buch sicher besser gewesen.
Rezensionen von Renate Geissler:
Trotz 2maligem Lesen ist es mir nicht gelungen in das Buch "hineinzukommen". Zu konstruiert die Personen, zu viele Handlungsstränge!
Der Sohn. von Durlacher Jessica
Trotz 2maligem Lesen ist es mir nicht gelungen in das Buch "hineinzukommen". Zu konstruiert die Personen, zu viele Handlungsstränge ! Weshalb der Titel :der Sohn ? Im original : der Held? noch unpassender! Die Protagonistin Sara SiIverstein, eine Person, die mir, trotz der schrecklichen Erlebnisse, immer mehr auf die Nerven ging.
Das Buch für mich stilistisch hölzern, weshalb ich es nie als spannend empfand. Die Handlung ziemlich bald vorhersehbar und trotz viel, unnötig drastisch geschilderter Gewalt, fad. Für mich ist das Buch sicher kein "Highlight " des Diogenes Verlages!
Rezensionen von Renate Geissler:
Dieses Buch zu lesen, war der Hammer!
Er ist wieder da von Vermes Timur
D
ieses Buch in Griechenland am Strand zu lesen war der Hammer, eine schrägere Urlaubslektüre kann ich mir nicht vorstellen!
Mein Kommentar : Ein intelligent ? lustiges, aber auch erschreckendes Buch. Dieser Hitler ist bedrückend real und der Autor zeigt brillant, wie das, scheinbar demokratieerprobte, Land, wieder auf den Demagogen hereinfällt! Für mich ein Buch mit Gänsehautcharakter!
Rezensionen von Doris Moser:
.....erzählt humorvoll und berührend.....?
Adams Erbe von Rosenfeld Astrid
Werden wir zwangsläufig das, was andere in uns sehen? Wie gut, dass der Roman die Frage stellt, aber darauf keine Antwort gibt. Stattdessen beobachten wir die Hauptfigur Eddy beim Aufwachsen und Erwachsen werden. Eddy ist ein hinreißender Charakter, die zeitgenössische Variante des ?thumben Toren?, mit erheblichen Anteilen eines Schelms und Schlendrians ? all dies zum großen Missfallen seiner jüdischen Verwandtschaft, die sich an den unseligen Onkel Adam erinnert fühlt.
Als Eddy zufällig auf das Tagebuch seines von den Nazis ermordeten Großonkels stößt, lernt er eine ganz unerwartete Onkelgeschichte kennen. Und dieser Stoff wäre allemal einen eigenen Roman wert gewesen: Onkel Adam, der sich der Liebe wegen ins Warschauer Ghetto einschleusen lässt, wohl wissend, was da auf ihn zukommen wird, ist der eigentliche Held des Buches. Und den sollte man unbedingt kennen lernen.
Warum die Autorin aus zwei guten Geschichten eine macht, die sich nicht sinnvoll zusammenfügt, ist mir nicht nachvollziehbar, denn Astrid Rosenfeld hat ein gutes Gespür für Dramaturgie und Handlung. Sie erzählt humorvoll und berührend, lässt unnachahmliche Charaktere, Originale allesamt, für sich selbst sprechen und nimmt die Leser/innen mit in eine Welt, deren Absurditäten und Widersprüche existenziell und tödlich sind. Wenn Mord und Totschlag mit Rosenzucht und Porzellanpuppen eng geführt werden, bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Aber es war einmal da, dieses gute, befreiende Lachen, gespeist aus Selbstironie, jüdischem Witz und hintergründigem Humor. "Freiheit", heißt es an einer Stelle, was bedeutet Furchtlosigkeit? Sich nicht zu fürchten ist die einzige Freiheit, die wir jemals erlangen können....
Rezensionen von Doris Moser:
Lesen? Aber ja! Zauberhaft, harmlos.
Die Tigerfrau von Obreht Téa
Wie lassen sich die von einem Bürgerkrieg zerfransten Teile fremder und eigener Erfahrung, ernüchternde Gegenwart und mythisch-verklärte Vergangenheit in einen Lebensentwurf fassen, der wieder Sinn ergibt?
Es sind wahrlich keine Nebensächlichkeiten, denen sich die Ich-Erzählerin, eine junge Ärztin aus einer nicht näher benannten Hauptstadt am Balkan, zu stellen hat.
Sie tut dies, indem sie sich der Erinnerung an die Person vergewissert, die ihre Kindheit und Berufswahl geprägt hat: der Großvater, der dem Marschall das Leben gerettet hat, der jeden Tag den Tiger im Zoo besuchte und der drei Mal dem Mann begegnete, der nicht sterben konnte.
Erzählerisch leichtfüßig und trittsicher führt die Autorin Téa Obreht in einen fremd-vertrauten Raum, in dem zwar alle paar Jahrzehnte heftig geschossen und gestorben wird, aber, so scheint es, zur flirrenden Musik von Goran Bregovi? und in den lebenslustigen Bildern von Emir Kusturica. Leben und Tod, der Mora und der Prosekturgehilfe, Minenfelder und Me?ugorje, die Tigerfrau und der Bärentöter ? Großvaters Erzählungen und die Kriegs- und Nachkriegserlebnisse der Enkelin werden bei Téa Obreht zu einem sentimental-stimmigen Ganzen.
Verwerfungen und Verletzungen, Brüche und Widersprüche liegen wie neues Sediment auf den Schichten des Dinarischen Gebirges, eingebettet in Weingärten, Olivenhaine und ein Geflecht aus Allegorien, Metaphern und Verweisen. Und über allem weht sanft der Jugo?
Fazit: Ein Roman wie ein Märchen, in dem die grausamsten Dinge keinen Schmerz bereiten und in dem der Prinz der Großvater war. Lesen? Aber ja! Zauberhaft, harmlos.
Rezensionen von Doris Moser:
Das Potential der Geschichte hat die Autorin leider verschenkt.
Der Sohn. von Durlacher Jessica
Jessica Durlacher erspart ihrer Hauptfigur, der Journalistin Sara Silverstein, rein gar nichts: Zuerst stirbt der Vater, dann wird sie vergewaltigt, dann überfällt ein Räubertrio nächtens ihre Familie, dann verpflichtet sich der existentiell orientierungslose Sohn Mitch gegen ihren Willen zum Dienst in der US-Militär Eliteeinheit Marines, usw.
Im Hintergrund der Grund für alle Unbill: die zeitlebens unter Verschluss gehaltene Lebensgeschichte des Juden, KZ-Überlebenden und Historikers Hermann Silverstein, Vater der Ich-Erzählerin, Humanist durch und durch und unumstrittener pater familias. Das Potential der Geschichte hat die Autorin leider verschenkt: Weder ist der Roman ein guter Thriller noch eine literarische Familiengeschichte mit historischem Tiefgang. Geschwätzig, durchschaubar, oberflächlich. Es gibt besseren Lesestoff, ich empfehle Klaus Ratschiller: Kollege M (edition atelier), eine knappe, poetische Lehrerliebesgeschichte, an der kein Wort zuviel ist und jedes sitzt. Grad recht zum Schulschluss und gegen die Standardisierungs- und Dienstrechtsdebatten!
Rezensionen von Doris Moser:
Komplett verblödet?!
Er ist wieder da von Vermes Timur
Komplett verblödet?!
Der Ausgangspunkt des satirischen Romans ist ein vielfach erprobtes literarisches Gedankenspiel: die Zeitreise einer historischen Person. Frage: Was wäre, wenn Adolf Hitler quicklebendig im gegenwärtigen Berlin wiedererwachte? Antwort: Er landet beim Fernsehen und sorgt als Gastgeber einer Talkshow für Aufmerksamkeit und Quoten.
Vom Feuilleton bis zum Boulevard, jeder hält das Original für eine ziemlich gut gemachte Kopie und die Show für eine radikalsatirische Intervention eines ausgefuchsten Comedians zum Zwecke unerbittlicher Gesellschaftskritik. Die Kritikpunkte des vermeintlichen Komikers in Hitlergestalt sind geläufig: Konsumismus, Werteverlust, politische Machtspiele, EU, Euro, Arbeitslosengeld usw. usf. Argumentation und ?Lösungsvorschläge? hingegen stammen aber aus dem Fundus der nationalsozialistischen Ideologie (und Praxis!) ? und darin liegt auch das Problem.
Die ersten Kapitel sind einigermaßen gelungen, weil der Autor den gegenwärtigen Absurditäten mit einem desorientierten Ich-Erzähler (= Adolf Hitler) ein noch absurderes Subjekt zur Seite stellt. Das ist grotesk und ironisch, eine humorige Mediensatire obendrein, trägt aber nur für etwa 100 Seiten. Je leichter sich Hitler zurechtfindet, je mehr Aufmerksamkeit die deutsche Öffentlichkeit ihm entgegen bringt, desto stärker gerät die Geschichte in Schieflage, bis sie am Schluss völlig im Flachwasser verendet. Das liegt vor allem an einer verkorksten Erzähldramaturgie. Die Hitler-Figur erzählt (pathetisch bis nervig) in der Ich-Form und hat freie Hand in der Verbreitung rechtsideologischen Unfugs, weil der Autor ihm kein erzählerisches Korrektiv zur Seite stellt. Das sollen wir Leser und Leserinnen, so wohl der Plan, selbst übernehmen, am besten, das (intendierte) Lachen bleibt uns im Hals stecken. Aber dieses kommt gar nicht auf, der Text wird redundant, langweilig, ärgerlich. Es reicht halt auch für Trash-Literatur nicht, alle für komplett verblödet zu halten und sich darüber hinweg zu witzeln. Der Plot-Point am Schluss (für Lesewillige sei er an dieser Stelle verschwiegen) wirkt wie eine dramaturgische Keule, um nur ja jedem/jeder einzuhämmern, dass Hitlers heutige Armee ja eh nur aus Flachbildschirmen bestünde. Kampfuntauglich.
Rezensionen von Doris Moser:
Ein lesenswerter Adoleszenzroman, auch für verwöhnte Jugendliche geeignet
Hotel Nirgendwo. von Bodrozic Ivana
Ein Mädchen aus Vukovar erzählt ihre Kindheit und frühe Jugend zwischen Furcht und Freude, Bangen und Hoffen. Was der Neunjährigen als Ausflug ans Meer vorgegaukelt wird, ist eine Flucht ohne Wiederkehr, eine Trennung für immer, zumindest von den ermordeten Großeltern und dem verschollen bleibenden Vater.
Nüchtern und in einfacher Sprache, fast im Stile eines Schulaufsatzes, wird der Alltag in der besetzten Wohnung, in der Flüchtlingsunterkunft usw. geschildert. Selbst Frühstücken hat unter diesen Umständen so gar nichts Banales mehr an sich. Das Mädchen, dem man nichts erzählt, muss sich das private, gesellschaftliche, später auch politische Leben irgendwie selbst erklären. Das gelingt auch, aber um welchen Preis: Gefühle finden nicht statt, sie werden nur aufgezählt wie die neuen Kleider und die Namen der neuen Freunde. Die emotionale Betäubung, die das Mädchen wie ein Kokon umgibt und ihr Überleben sichert, bricht erst auf, als sie ausbricht. Ein lesenswerter Adoleszenzroman, auch für verwöhnte Jugendliche geeignet.
Rezensionen von Doris Moser:
..... sprachlich durchaus ansprechend........... Die Botschaft hör ich wohl, ... allein sie berührt mich nicht. Eigentlich schade
Der Russe ist einer, der Birken liebt von Grjasnowa Olga
Das Private und das Politische tragen ihren ungleichen Kampf auf dem Rücken, d.h. im Leben einer jungen Frau aus. Leidvoll, denn um Glückgeht es in dem Roman nicht (auch nicht um Birken oder Russen). Traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit in Baku, Verlust und Vertreibung halten die junge Mascha von einem unbeschwerten Leben in ihrer neuen Heimat Deutschland ab.
Als ihr vorsichtiges Glück in Gestalt von Elias an den Folgen einer Verletzung (beim Fußballspielen!!) stirbt, bricht alles mühsam Verdrängte wieder auf. Mascha, die aserbaidschanische Jüdin aus Deutschland, flieht nach Israel, um wieder Bodenunter die Füße zu bekommen. Aber welchen Boden, wo gehört sie, die fünfsprachige Dolmetschstudentin mit türkisch-französischen Vorfahren und internationalem Freundeskreis, hin?
Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Perspektive Maschas unsentimental, kühl, nahezu gefühlstaub. Die große Leere im Inneren der Hauptfigur wird deutlich spürbar, vor allem im Kontrast zu den vielen kleinen, durchaus amüsanten Passagen in Rollenprosa (Gespräche mit Freunden, kulturelle Divergenzen im Alltag, Familienszenen usw.).
Der Roman ist zwar sprachlich durchaus ansprechend, die Konstruktion hingegen trägt nicht. Für mich als Leserin bleibt die Figur so seltsam fern, wie sie sich selbst ist. Die Botschaft hör ich wohl, ... allein sie berührt mich nicht. Eigentlich schade.
Rezensionen von Doris Moser:
Wer den skurril-absurden Humor der Nordeuropäer (Paasilinna, Kaurismäki) mag, wird diesen Roman mit Genuss lesen
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand Roman . 29.08.2011. Hardback. von Jonasson Jonas
Ein Hundertjähriger büchst am Tag seines Geburtstags aus dem Altersheim aus, stielt einen Koffer mit Drogengeld, quartiert sich bei einem wildfremden Kleinganoven ein und flieht mit neuen Freunden, einem Elefanten und einem Hund durchs ländliche Südschweden, derweilen ihn die Polizei des dreifachen Mordes verdächtigt und nach ihm fahndet.
In diese Rahmenhandlung ist Allan Karlssons Lebensgeschichte eingebettet ? und die hat es in sich.
Allan Karlsson ist ein gutgläubiger, aber heillos naiver Kauz, ein ?tumber Tor?, der Zeitlebens eine Maxime verfolgt hat: allem Politischen aus dem Weg zu gehen. Was ihm aber gründlich misslungen ist: Als eine schwedische Version des Soldaten Schweijk taumelt Allan Karlsson durch die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, wie ein literarischer Cousin von Woody Allans Zelig diniert und parliert er ? absichtslos und zufällig ? mit den mächtigen Männern der Zeit (Franco, Truman, Stalin, Mao, Churchill, usw.) oder sprengt für sie Dinge in die Luft, finalisiert in Los Alamos die Atombombe, setzt Wladiwostok in Brand, trocknet die Tränen des elfjährigen Kim-Jong-il. Allan mag die Menschen, ungeachtet ihrer Verbrechen, ohne Ansehen der Person. Er will ihnen helfen, er tötet sie nicht ? zumindest nicht mit Absicht ? und gerät von einer merkwürdigen Situation in die nächste.
In der Absurdität von Allan Karlssons Abenteuern zeigt sich das große Absurde, das die Weltgeschichte ausmacht. Dass letztlich nichts so ist, wie es zu sein scheint ? im Politischen wie im Privaten ?, macht den wesentlichen Reiz dieses Buches aus. Jedenfalls ist es eine verlockende Vorstellung, unter den großen Erzählungen über historische Gegebenheiten und Schauplätze auch noch eine andere Geschichte der Mächtigen vorzufinden, getragen von naiven, hinterlistigen, gutherzigen und ein wenig dämlichen Nebencharakteren wie Allan Karlsson, die das Große und Monströse auf Augenhöhe bringen und in ein befreiendes (oder doch irres?) Gelächter stoßen. Wer den skurril-absurden Humor der Nordeuropäer (Paasilinna, Kaurismäki) mag, wird diesen Roman mit Genuss lesen: hochkomisch über weite Strecken, mit Witz und Verve geschrieben, gegen Ende hin lahmen Handlung und Witz und es kalauert, dass es weh tut.?








