Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von JennifersBooks:

Gesunde Ernährung ohne Druck im Familienalltag

Ich mag nur Nudeln ohne Soße! von Alicia Metz-Kleine

Ich bin auf NetGalley über das Buch „Ich mag nur Nudeln ohne Soße!“ von Alicia Metz-Kleine gestolpert. Es handelt sich um Band 2 der Familienreihe, deren erster Band „Ich bin noch gar nicht müde!“ heißt. Der Titel hat mich sofort angesprochen, weil ich diesen Satz schon hunderte Male von meinen Kindern gehört habe.

Wer Kinder hat weiß, dass die Situation am Esstisch manchmal schwierig sein kann. Kind A isst kein grünes Gemüse, Kind B kein gekochtes und Kind C möchte am liebsten nur Nudeln und Schokolade. Als Eltern versucht man sein Bestes, richtet das Essen als lustiges Bild an oder besorgt Kinderkochbücher, damit die Kinder selbst kochen können. Im Alltag hält dieser Schwung aber oft nicht lange, besonders wenn man zusätzlich pflegende Mama ist.

Schön finde ich an dem Buch, dass es nicht belehrend wirkt. Alle Informationen sind in eine kindgerechte Geschichte um die Geschwister Wanda und Luis eingebettet. Man begleitet die beiden mit ihren Eltern durch den Alltag, beim Kochen, beim Einkaufen und beim Entdecken. Dabei werden Fragen gestellt, die Kinder und Eltern dazu animieren weiterzuforschen. Besonders das Thema saisonales Obst und Gemüse wird verständlich erklärt. In einer Zeit, in der vieles mit Flugzeugen durch die halbe Welt reist, ist es für Kinder spannend zu sehen, was wirklich bei uns in den jeweiligen Jahreszeiten wächst. So lernen sie nebenbei etwas über Umweltschutz und dass man im tiefsten Winter vielleicht nicht unbedingt Erbeeren oder Heidelbeeren braucht.

Gut gefallen haben mir die kleinen Anreize wie der Entdeckereinkauf, bei dem jeder ein Obst oder Gemüse auswählt, das noch nie probiert wurde. Oder das Selbstmachgericht, bei dem verschiedene Komponenten auf dem Tisch stehen und jeder seinen eigenen Teller zusammenstellt. Solche Ideen erinnern daran, dass man sich beim Essen oft unnötig Stress macht und einfache Dinge manchmal die besten sind. Das Buch zeigt auch, dass Süßes wie Pfannkuchen mit Apfelmus oder ein Nachtisch in Ordnung sind, solange man auf Ausgewogenheit achtet.

Beim Teil der Geschichte über Tischregeln war ich zunächst skeptisch, weil ich da eine etwas andere Meinung vertrete. Im Abschnitt „Liebe Eltern“ wird jedoch klar zusammengefasst, dass jede Familie ihre eigenen Regeln hat und weitergibt, was ihr wichtig ist. Diese Zusammenfassung hat die anderen Inhalte gut abgerundet.

Schade finde ich, dass die Informationen zu den verschiedenen Bereichen oft nur angerissen werden. An manchen Stellen war mir zu wenig Information und zu wenig Tiefe. Klar soll das Buch Eltern dazu animieren mit ihren Kindern weiterzuforschen, aber ein paar Links oder Tipps zu weiterführenden Quellen wären hilfreich gewesen, damit man in den Weiten des Internet nicht in der Informationsflut versinkt und auch wirklich aktuelle Infos findet. Das muss nicht einmal im Buch selbst stehen. Ein QR Code würde reichen, um auf eine Seite mit passenden Quellen weiterzuleiten. Als Einstieg, um Kindern gesunde Ernährung näherzubringen, funktioniert das Buch aber trotzdem gut.

Die Illustrationen von Gareth Ryans sind farbenfroh und detailreich, ohne Kinder zu überfordern. Viele Alltagssituationen sind so dargestellt, dass sich Kinder gut wiederfinden können. Die Bilder ergänzen die Geschichte sehr gelungen.

Fazit: Ein freundliches, alltagsnahes Buch, das Kindern Ernährungsthemen verständlich macht und Eltern praktische Denkanstöße gibt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Ein Hauch Magie für "Stolz und Vorurteil"

Stolz, Vorurteil und Hexerei von Melinda Taub

Als absolut bekennender Fan von Jane Austen wird „Stolz und Vorurteil“ wohl für immer einen festen Platz unter meinen Lieblingsbüchern einnehmen. Gerade weil ich den Klassiker schon so oft gelesen habe, greife ich inzwischen immer wieder zu kreativen Neuinterpretationen, die mir ein vertrautes Gefühl geben und gleichzeitig ein wenig frischen Wind in die altbekannte Geschichte bringen.

Dieses Buch hat mir genau das geboten. Ich würde allerdings empfehlen, „Stolz und Vorurteil“ vorher gelesen zu haben, denn ohne das Hintergrundwissen kann die Handlung stellenweise etwas verwirrend wirken. Ich habe die Geschichte wirklich sehr genossen, auch wenn sie an manchen Stellen eine Spur zu sprunghaft geraten ist. Lydia Bennet übernimmt hier die Rolle der Erzählerin und bringt die erwartbare Energie mit: Sie springt munter zwischen Vergangenheit und Gegenwart, als würde sie beim Schreiben kaum stillsitzen können. Die Form eines langen Briefs verleiht dem Ganzen eine intime Note, sodass man fast das Gefühl hat, Lydia würde einem die Ereignisse persönlich bei einer gemütlichen Tasse Tee erzählen.

Dieser Stil passt gut zu ihrem exzentrischen Charakter, doch ich gebe zu, dass ich zwischendurch kurz den roten Faden verloren habe. Umso schöner ist es, dass sich gegen Ende plötzlich alles fügt und die zuvor losen Stränge ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Interessant fand ich, wie Lydia hier etwas mehr Profil bekommt. Sie bleibt impulsiv und lebhaft, aber die Autorin zeigt klarer, was hinter ihrem Verhalten steckt. Lydia denkt gelegentlich über frühere Entscheidungen nach und wirkt insgesamt etwas reflektierter, ohne dass ihr Charakter verfremdet wird. Diese Entwicklung bleibt angenehm subtil und fügt sich gut in die magische Handlung ein, die sie stärker in Verantwortung bringt.

Auch die übrigen Figuren sind durchweg gelungen dargestellt. Natürlich basieren sie auf den unvergesslichen Charakteren, die Jane Austen geschaffen hat, aber Melinda Taub gelingt es, ihnen eine eigene, frische Note zu verleihen. Wickham als Dämon, Kitty als verzauberte Katze, die Ehe von Mr. Collins und Charlotte Lucas als Ergebnis eines Liebeszaubers - diese Ideen klingen verrückt, funktionieren aber erstaunlich gut. Es macht großen Spaß, diese vertrauten Persönlichkeiten in einem magischen Licht zu betrachten.

Besonders gelungen ist die Verbindung aus historischen Fakten und britischer Mythologie. Bekannte Sagengestalten und historische Persönlichkeiten tauchen auf, aber nie als bloße Kopie. Die Autorin gibt ihnen einen eigenen Twist, der die Handlung bereichert und gleichzeitig respektvoll mit dem Ausgangsmaterial umgeht.

Fazit: Trotz kleinerer Verwirrungen bleibt die Geschichte humorvoll, warm und voller verspielter Ideen. Der magische Einschlag verleiht dem vertrauten Klassiker genau das gewisse Extra, nach dem ich gesucht habe. Für mich ist das Buch eine schöne Empfehlung für alle, die Jane Austens Werke lieben und zwischendurch gerne eine frische, fantasievolle Neuinterpretation des Stoffes lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Starke Frauen im rauen Alltag

Treibgut von Freya Jüptner

Das Buch „Treibgut“ von Freya Jüptner hat mich sofort durch sein besonderes Thema überzeugt. Man liest nicht jeden Tag über Frauen in männerdominierten Berufen, und diese Ausgangssituation hat mich gereizt. Die Kapitel wechseln zwischen Femkes und Sonjas Sicht, was einen klaren und nahen Einblick in die Leben der beiden Frauen ermöglicht.

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein, doch jede kämpft mit eigenen Herausforderungen, die realistisch und emotional nachvollziehbar sind.Besonders berührt hat mich Femke. Ich bin zwar keine Fischerin, aber die Belastung pflegender Angehöriger kenne ich gut. Dieser Druck, der sich nicht abstellen lässt, die ständige Sorge, ob man alles schafft und niemand zu kurz kommt, ist in Femkes Perspektive so eindringlich beschrieben, dass ich mehrfach schlucken musste. Einige Kapitel haben mir sogar Tränen in die Augen getrieben.
Sonja hat mir ebenfalls gut gefallen. Obwohl sie Femke viele Jahre nicht gesehen hat, steht sie ihr sofort wieder zur Seite. Sie hilft ihr beim Fischen und unterstützt sie bei der Suche nach einem Pflegeheim für ihren Vater. Gleichzeitig stemmt sie ihr eigenes Leben als Segellehrerin, Anästhesistin und frischverheiratete Frau. Die Freundschaft der beiden Frauen mit ihren Erinnerungen, Erwartungen und Spannungen wirkt sehr realistisch, und die Dynamik zwischen den beiden hat mich immer wieder mitgerissen.
Auch die Nebenfiguren sind stark gezeichnet. Die Zwillinge Bjarne und Anton zeigen sehr deutlich, wie unterschiedlich Geschwister sein können. Ihr Zwiespalt zwischen jugendlicher Unbeschwertheit und familiärer Verantwortung wirkt authentisch und nachvollziehbar. Man spürt, wie sehr sie Femke unterstützen wollen und gleichzeitig selbst noch mitten im Erwachsenwerden stecken. Auch Figuren wie Knuth, die Pflegerinnen von Egon und der Bankberater geben dem Buch eine persönliche Note und zeigen, wie es in einem kleinen Ort zugehen kann, wo jeder jeden kennt. Ich habe mir einige Bilder und Infos zu Freest angesehen und muss sagen, dass ich es mir beim Lesen genau so vorgestellt habe. Freya Jüptner hat die Gegebenheiten sehr treffend beschrieben.
Was mich überrascht hat, ist die Entwicklung der Handlung. Anfangs wirkt „Treibgut“ wie ein Gesellschaftsroman über zwei Frauen in männerdominierten Berufen, über Ungerechtigkeiten, Alltagskämpfe und die Härte des maritimen Lebens. Nach und nach entsteht jedoch eine Krimispannung, die immer dichter wird. Ich habe sogar in Lesepausen oft darüber nachgedacht, welche Entscheidungen Femke und Sonja noch treffen müssen und wohin das alles führen könnte.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Darstellung der Schmuggler. Es wird sehr klar beschrieben, wie sie ihre Opfer auswählen, wie sie Vertrauen aufbauen und wie man langsam in einen Kreislauf gerät, aus dem man kaum wieder herauskommt. Das wirkt beklemmend und ist gleichzeitig hervorragend erzählt.
Im Buch kommen viele Begriffe rund um Schiffe, Motoren und Segeln vor, was bei diesem Thema naheliegt. Trotzdem hatte ich persönlich immer wieder Momente, in denen ich etwas nachschlagen musste, um bestimmte Situationen besser zu verstehen. Das berühmte Kartoffel-Kartoffel-Geräusch habe ich erst nach einer kleinen Google-Recherche verstanden, weil ich mit Motoren nichts zu tun habe. Für mich war das manchmal ein kleiner Stolperstein, auch wenn die Recherche am Ende sogar Spaß gemacht hat. Andere Leser:innen haben damit vermutlich weniger Schwierigkeiten, aber für mich war es ein Grund für vier Sterne. Vielleicht wäre es in zukünftigen Büchern sinnvoll, für Landeier wie mich ein kleines Glossar mit den wichtigsten Begriffen hinten anzuhängen, damit man nicht ständig im Intenet nachschauen muss. Trotz dieser Hürde hat mir „Treibgut“ sehr gut gefallen, weil die Geschichte fesselnd, emotional und atmosphärisch erzählt ist. Den historischen Überblick am Ende des Buches fand ich ganz interessant, weil man noch etwas über die Gegebenheiten und die Geschichte der Gegend lernen konnte.
Fazit: „Treibgut“ ist ein eindringlicher Roman über zwei starke Frauen, ihre Freundschaft, ihre Kämpfe und die Schattenseiten des maritimen Alltags. Die Mischung aus authentischer Arbeitswelt, emotionaler Tiefe und langsam wachsender Spannung funktioniert sehr gut. Für mich sind es vier Sterne, weil mich das Buch berührt und überrascht hat, auch wenn ich bei einigen Begriffen öfter nachschlagen musste.

~ Das Buch wurde mir netterweise vom kontrabande Verlag als digitales Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung des Exemplars hat keinen Einfluss auf meine Bewertung oder meine persönliche Meinung zum Buch. ~

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Ein vielversprechender Auftakt

The Flamebearer Trilogy 1: The Witch in the Dead of Night von Charlotte Buckley

Ich war von Anfang an neugierig auf "The Witch in the Dead of Night", weil es genau die Elemente vereint, die ich liebe: Vampire, Hexen und Verschwörungen. Auch das Cover hat sofort mein Interesse geweckt. Dieser Bleiglasfenster-Stil wirkt wunderschön und passt perfekt zur Handlung des Buches.

Im Mittelpunkt steht Finwal Erramun, genannt Finn, die nach einem Vorfall ihr Heimatdorf verlassen muss und in Valnar landet. Dort arbeitet sie zunächst als Dienstmädchen im Schloss des Vampirkönigs Mordric. Als der König sie beim Wirken von Magie in der Bibliothek überrascht, verändert sich ihr Leben schlagartig. Er will sie als magische Beraterin ausbilden lassen, und sein Bruder, Prinz Enhart, übernimmt das Training.
Finn wirkt angenehm realistisch: Sie wird aus ihrem einfachen Leben herausgerissen und genießt den neuen Luxus, die feinen Gewänder und die Aufmerksamkeit des Königs vielleicht ein wenig zu sehr. Ihr Misstrauen am Hof schaltet sie trotz Warnungen aus, was sie manchmal naiv erscheinen lässt. Gleichzeitig macht genau das sie menschlich, denn wer würde nicht ins Schwärmen geraten, wenn sich einem eine solche Welt öffnet?

Besonders spannend fand ich Finns Entwicklung. Sie kann zwar Magie anwenden, doch im Training hat sie oft Angst, ihre Kraft wirklich loszulassen. Trotzdem bleibt sie dran und wächst über sich hinaus. Die Verwandlung von der unsicheren Dienstmagd zur entschlossenen Hexe gehört für mich zu den stärksten Aspekten des Buches.

Bei den angegebenen Tropes Enemies-to-Lovers und Slow Burn war ich allerdings irritiert. Finn beginnt sehr schnell eine Beziehung mit dem König, inklusive deutlicher Annäherungen und Intimität. Von Slow Burn ist dabei definitiv nichts zu spüren. Zwischen Finn und Prinz Enhart entsteht zwar etwas, aber im ersten Band bleibt es eher ein zartes Andeuten. Ich hoffe sehr, dass sich das in den Folgebänden vertieft, denn Enhart wirkt für mich wie das deutlich spannendere Endziel der Romanze. Der König hingegen gibt mir mit seinem Kontrollverhalten gegenüber Finn eher fragwürdige Vibes.

Die Handlung selbst hat mir gut gefallen, weil sie vielseitig ist. Finns persönliche Entwicklung, ihre Beziehungen, die Aufklärung von Morden, alte Prophezeiungen und politische Intrigen greifen ineinander und ergeben eine stimmige Mischung. Einige Stränge bleiben offen, was bei einer Trilogie aber völlig in Ordnung ist. Der Weltenaufbau ist solide, nicht immer bildgewaltig, aber dennoch so klar beschrieben, dass man sich Valnar und seine Umgebung problemlos vorstellen kann. Die Karte im Buch hilft zusätzlich, und ein Glossar braucht es nicht, da Magiesystem und Völker verständlich erklärt werden. Eigentlich kann man gar nicht viel mehr über die Entwicklungen und Wendungen verraten, weil man sonst einige der spannendsten Überraschungen vorwegnehmen würde.

Fazit: Ein atmosphärischer Auftakt mit spannender Charakterentwicklung, einer gelungenen Mischung aus Magie, Intrigen und Romantik sowie einer Welt, die neugierig auf mehr macht. Ich war so überzeugt, dass ich mir direkt die Hardcover-Version vorbestellt habe, denn die Reihe möchte ich unbedingt weiterverfolgen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Eine Reise in die Welt der Andraunen

Im Bann des Erlkönigs von Mina Roth

Von mir bekommt das Buch 3.5 Sterne!

"Im Bann des Erlkönigs" hat mich schon durch den Titel neugierig gemacht, weil ich die Ballade von Goethe sehr mag und Geschichten rund um den Erlkönig immer einen besonderen Reiz für mich haben. Mina Roth verbindet diese Sage mit Märchengestalten der Gebrüder Grimm und Sagengestalten wie dem Nöck, dem Seligfräulein oder der Wilden Jagd und erschafft eine eigene Welt voller Andraunen, die durch einen Schleier von der Menschenwelt getrennt ist.

Diese Welt wird vom Erlkönig beherrscht, der mit seiner "Wilden Jagd" durch die Nacht reitet und dem alle Andraunen einen Treueschwur leisten müssen. Diese mythologische Grundlage fand ich faszinierend und atmosphärisch stark und genau das hat mich anfangs sehr angesprochen.

Zora als Protagonistin hat mich jedoch oft zwiespältig zurückgelassen. Sie ist sechzehn, nimmt bei Berührung die Gefühle anderer Menschen wahr und hat durch Tarotkarten und eine innere Stimme, die sich als ein drängendes "Sieh hin! Sieh hin!" äußert, eine besondere Wahrnehmung. Dazu lebt bei ihr eine Andraunin, eine Fee, die sie ganz unkreativ Fee nennt und die dringend Hilfe braucht, um den Weg zurück in den Knochenwald zu finden. Zora versteckt ihre Gabe vor anderen Menschen, weil sie Angst hat, für verrückt gehalten zu werden. Diese Ausgangslage fand ich interessant, aber Zoras ständige Nervosität, die sich durch das wiederholte Herumspielen an ihrem Infinity-Armband zeigt, wurde für mich mit der Zeit anstrengend. Anfangs war es nachvollziehbar, später wirkte es eher wie eine Störung.

Ihre Mischung aus Mut und Naivität hat mich ebenfalls beschäftigt. Sie möchte Fee unbedingt helfen und sucht deshalb Kontakt zu Andraunen, die sie normalerweise meidet, aber gleichzeitig handelt sie oft vorschnell und ohne sich über mögliche Folgen klar zu sein. Besonders an der Umbra Academy, einer Schule voller Andraunen mit unterschiedlichen magischen Fähigkeiten, tritt sie manchmal provozierend und vorlaut auf, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr Fragen stellt und sich aktiver darum bemüht, das Machtgefüge und die Regeln dieser Welt zu verstehen. An ihrer Stelle hätte ich versucht, so viele Informationen wie möglich zu bekommen.

Die Situation mit Silas und Kilian zu Beginn hat mich ebenfalls beschäftigt. Durch einen fehlgeleiteten Zauber sind Zora und Silas magisch miteinander verbunden, was dazu führt, dass Zora mit in die Welt der Andraunen muss. Silas, der Fürstensohn der Sitris, und Kilian, sein Leibwächter, gewinnen Zoras Vertrauen erstaunlich schnell, weil der eine hilflos und schön und der andere heiß und schön aussieht. Gleichzeitig misstraut sie Mathea und Viggo, den anderen Fürstenkindern, obwohl diese ihr von Anfang an deutlich machen, dass sie von ihr nichts wollen und nur mit Silas und Kilian Probleme haben. Für mich wirkte es seltsam, dass Zora sich hier so stark auf die Erzählungen von Silas und Kilian verlässt, obwohl die beiden viele Geheimnisse haben und ihr nur das Nötigste erklären. Sie warnen sie ständig vor den anderen Andraunen, geben ihr aber kaum Informationen, die ihr wirklich helfen würden. Das hat mich dazu gebracht, Mathea und Viggo glaubwürdiger zu finden als die drei Hauptfiguren.

Die Romanze zwischen Zora und Kilian hat für mich nicht funktioniert. Ich war froh, dass es kein Liebesdreieck mit Silas gibt, aber die Beziehung zwischen den beiden bleibt sehr blass. Kilian verschweigt viel und Zora verlässt sich zu sehr auf die Gefühle, die sie durch Berührung wahrnimmt. Dadurch entsteht kein echtes Vertrauen und die Entwicklung wirkt sehr künstlich. Ich hatte kaum Momente, in denen ich eine echte Anziehung gespürt hätte.

Mein Lesetempo war ungewöhnlich langsam. Das Buch hat nur 400 Seiten und 48 kurze Kapitel, aber ich habe fast drei Wochen gebraucht, um es zu beenden. Der Einstieg ist stark, man wird sofort mit den Sagengestalten konfrontiert und Zora ist schon in Kapitel vier an der Umbra Academy. Danach verliert die Handlung deutlich an Tempo. Zoras Nachforschungen zum Knochenwald treten lange auf der Stelle und auch im Schulalltag passiert wenig. Ich habe mich oft dabei ertappt, dass ich lese, ohne das Gefühl zu haben, dass sich etwas bewegt. Erst ab Kapitel 25, also nach gut 50 Prozent des Buches, kommt wieder etwas mehr Dynamik in die Geschichte, weil Mathea und Viggo stärker eingebunden werden. Wirklich spannend wird es erst sehr spät, ungefähr ab 80 Prozent, wenn plötzlich viele Ereignisse in kurzer Zeit passieren und die Handlung sich spürbar verdichtet. Der Erlkönig selbst tritt nur zweimal auf, einmal bei der Treueschwur-Zeremonie und einmal am Ende an Zoras Krankenbett. Das fand ich schade, denn der Titel und die Grundidee hätten mehr Präsenz dieser Figur verdient.

Während ich gelesen habe, wurde mir immer klarer, dass mich die Welt zwar fasziniert, die Umsetzung aber nicht genug trägt, um mich für die Reihe zu begeistern. Die langsame Mitte, die unausgereifte Figurenentwicklung und die blasse Romanze haben mich so oft aus dem Lesefluss gebracht, dass ich für mich entschieden habe, diese Reihe nicht weiterzulesen, auch wenn Band 2 im Frühjahr 2027 erscheinen soll.

Fazit: "Im Bann des Erlkönigs" hat eine starke Grundidee, eine faszinierende Welt voller Sagengestalten und eine atmosphärische Grundlage, die mich sehr angesprochen hat. Gleichzeitig verliert die Geschichte durch eine lange Phase ohne spürbare Entwicklung, eine oft unüberlegte Protagonistin und eine wenig überzeugende Romanze an Kraft. Für mich ergibt das 3.5 Sterne, aber ich werde die Reihe nicht weiterverfolgen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Katerchaos in Tagebuchformat

Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack! von Franziska Höllbacher

"Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack!" ist ein wunderbar humorvolles Kinderbuch, das komplett in Tagebuchform aus der Sicht des Katers Knutbert erzählt wird. Seine "Katerstrophenberichte" sind nicht nur witzig formuliert, sondern werden durch viele Comicelemente ergänzt, die die kurzen Kapitel auflockern und den Lesefluss spürbar erleichtern.

Immer wieder taucht darin auch die Kategorie "Kratzer am Rande" auf - kleine Infokästen, in denen Knutbert zum Beispiel erklärt, welche Kategorien von Menschen es aus Katzensicht gibt oder warum Katzen selbstverständlich Superhelden sind. Gerade Kinder, die nicht gerne oder lange lesen, können der Handlung dadurch gut folgen und bleiben motiviert.

Die Figuren sind liebevoll und mit einem deutlichen Augenzwinkern dargestellt. Im Mittelpunkt steht natürlich Knutbert, der den Spruch "Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal" sehr ernst nimmt. Er hat keine Besitzer, sondern Angestellte, die er großzügig bei sich wohnen lässt: Alma, die Katzen nicht mag, Carlo, der ständig mit dem Staubsauger nervt, Lena, die immerhin oft etwas Essbares für ihn bereithält, und Franz, der für Knutbert den höchsten Rang der Tauglichen erreicht, weil er gerne krault und ihn regelmäßig als Superhelden zeichnet.

Knutberts Alltag besteht aus Schlafen und Fressen, doch die Ruhe wird immer wieder von der Nachbarin Frau Merlinger gestört, die ständig klingelt und sich über ein Biest beschwert, das angeblich in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt. Umgekippte Mülltonnen, Kratzer am Auto - natürlich wird Knutbert verdächtigt und sogar mit dem Tierheim bedroht. Also macht er sich auf, in seinem Revier nach Informationen über dieses Biest zu suchen.

Dabei helfen ihm seine tierischen Nachbarn: Ingrid, die Schildkröte von Frau Merlinger; Ralf, das Rotkehlchen, dessen lautes Gezwitscher ihn nervt und das er eines Tages definitiv fressen wird; Hektor, der alte Nachbarskater; und Paula, die Blindschleiche, die einfach wie ein Stock herumliegt. Jede Begegnung ist mit viel Witz und Humor beschrieben und bleibt für Kinder gut verständlich. Für Kinder ab neun Jahren ist das Buch ideal - meine Tochter hatte viel Spaß daran. Mein zwölfjähriger Sohn dagegen fand es schon zu kindlich und hat schnell das Interesse verloren.

Besonders schön ist der Abschluss des Buches, denn dort gibt es einen witzigen Selbsttest, mit dem man herausfinden kann, zu welcher Mensch-Kategorie man aus Katzensicht gehört. Das sorgt für ein zusätzliches Schmunzeln und rundet die Geschichte sehr passend ab.

Fazit: "Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack!" überzeugt mit einer charmanten Mischung aus Humor, liebevoll gezeichneten Figuren und einer Erzählweise, die besonders für jüngere Leser leicht zugänglich ist. Die Tagebuchform, die Comicelemente und die "Kratzer am Rande" halten die Geschichte lebendig und sorgen dafür, dass Kinder ab neun Jahren gut abgeholt werden. Durch den Untertitel am Cover ist die Handlung etwas vorhersehbar, was einen halben Stern Abzug gibt, dennoch bleibt es ein rundes, witziges Leseerlebnis.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Holpriger Start und starkes Finale

Dragon Cursed - Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe) von Elise Kova

Die Sonderausgabe von "Dragon Cursed" ist ohne Frage wunderschön gestaltet. Die Drachenschuppenoptik, der Flammenfarbschnitt - das wirkt edel und macht richtig etwas her. Nur der Schuber hat mich gestört. Von außen sieht er zwar gut aus, aber für eine "Deluxe-Ausgabe" fühlt sich die dünne Pappe einfach nicht hochwertig an.

Ein Schutzumschlag im gleichen Design wäre mir ehrlich gesagt lieber gewesen und hätte das Gesamtbild runder gemacht.

Der Einstieg ins Buch war für mich ziemlich zäh. Man wird in die Welt von Vingard hineinkatapultiert, ohne wirklich Informationen zu haben. Das ganze System mit Drachen, Äther, Sigillen und Isolas Situation wird nur häppchenweise erklärt, sodass ich anfangs ständig das Gefühl hatte, planlos durch die Seiten zu stolpern. Ein Glossar hätte hier Wunder gewirkt, genauso wie eine klare Übersicht der Hierarchie in Vingard - Gnadenritter, Inquisitoren, Kuratoren, Gilden. So musste ich immer wieder überlegen, wer eigentlich welche Rolle spielt und wie das Machtgefüge aussieht. Auch die Karte hilft nur bedingt, weil man nur die Teile sieht, die auch direkte Handlungsorte im Buch sind. Vom Rest der Welt, wie den zerstörten Städten oder dem Wohnort der Aschegeborenen, bekommt man gar nichts mit. Die anderen Städte sind wohl untergegangen, weil die Drachen die Geißel über das Land gebracht haben - was diese Geißel genau ist, erfährt man aber erst viel später. Insgesamt hat dieser Mangel an Informationen dafür gesorgt, dass ich die ersten hundert Seiten eher durchgebissen habe. Wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich vermutlich vorher aufgegeben.

Mit dem Tribunal kam dann endlich Spannung auf. Die Teilnehmer, auch Supplikanten genannt, sind im Kloster eingeschlossen und müssen Prüfungen bestehen, um zu beweisen, dass sie nicht drachenverflucht sind. Anfangs sind die Aufgaben noch harmlos, später steigert sich das Ganze bis hin zu Folter, um die Supplikanten zu brechen. Parallel dazu erfährt man immer mehr über Isolas Hintergründe und die Strukturen in Vingard. Das letzte Drittel hat mich dann komplett überrascht: Wendungen, die ich absolut nicht vorhergesehen habe, ein plötzliches Tempo, das mich bis spät in die Nacht weiterlesen ließ, und ständig dachte ich mir nur "Was?" - im besten Sinne. Der Cliffhanger am Ende ist fies und effektiv, und ich bin neugierig, wie es in Band 2 weitergeht.

Die Charakterentwicklung fand ich besonders gelungen. Isola wirkt zu Beginn naiv und verplant, voller Selbstzweifel. Später merkt man aber, dass das vor allem daran liegt, dass niemand in ihrer Umgebung ehrlich mit ihr ist. Vieles wurde ihr verheimlicht und so ihre Unsicherheit geschürt. Während des Tribunals wächst sie mental über sich hinaus und lässt sich nicht unterkriegen. Ihre beste Freundin Saipha, ihre Familie und auch Lucan bleiben dagegen etwas blass, was erneut an den fehlenden Informationen über den Alltag der Personen und der Welt liegt. Überraschend positiv fand ich, dass es keine typische Romantasy-Entwicklung gibt. Zwischen Isola und Lucan entsteht zwar etwas, aber eher ein vorsichtiges Herantasten als sofortige Leidenschaft. Das wirkt glaubwürdig, vor allem da Isola Lucan sechs Jahre lang als ihren Feind betrachtet hat und ihm nicht gleich vertraut. Vielleicht entwickelt sich in Band 2 mehr, wenn beide wirklich offen miteinander umgehen.

Fazit: Am Ende bleibt für mich ein gemischtes Fazit: Ein wunderschönes Buch, ein starkes letztes Drittel und eine überzeugende Protagonistin - aber auch viele Lücken in der magischen Welt, die mich zu oft ratlos zurückgelassen haben. Für mich sind das solide 3 Sterne. Band 2 werde ich trotzdem lesen, weil die letzten Kapitel genug Neugier geweckt haben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Akademie voller Geheimnisse

Ashfield Academy - Der Ruf des Wasserspeiers von Sophie Oldenstein

Bevor ich überhaupt angefangen habe zu lesen, hat mich das Cover neugierig gemacht. Die Akademie vor dem Vollmond, die magischen Wirbel, die bedrohlichen Wasserspeier und dazu diese auffällige pinke Farbe. Das wirkt ungewöhnlich und hat sofort dafür gesorgt, dass ich wissen wollte, was hinter dieser Kulisse steckt.

Das Coverdesign ist für mich eindeutig ein Highlight und hat mich direkt dazu gebracht, das Buch aufzuschlagen.

Im Mittelpunkt steht Nicky, die überraschend ein Stipendium für die Ashfield Academy erhält. Sie kommt aus einem einfachen Elternhaus. Ihre Eltern betreiben einen Fish und Chips Imbiss und obwohl sie eine gute Schülerin ist, fragt sie sich ständig, warum ausgerechnet sie für diese elitäre Schule ausgewählt wurde. Diese Unsicherheit zieht sich durch die ersten Kapitel und macht sie sehr greifbar. Man versteht sofort, warum sie sich fehl am Platz fühlt und warum sie auf das freundliche Verhalten von Ben, Reggy und Sunita hereinfällt. Die drei scheinen sie aufzunehmen, doch schnell wird klar, dass ihre Motive nicht unbedingt selbstlos sind.

Die merkwürdigen Ereignisse, die Nicky erlebt, sorgen früh für Spannung. Das Klingeln, die fremden Stimmen, der Mitschüler, der sich scheinbar in Luft auflöst, und die Dorfbewohner, die der Akademie misstrauisch gegenüberstehen, schaffen eine Atmosphäre, die zwischen Neugier und Unbehagen pendelt. Gleichzeitig lernt Nicky nach und nach andere Schüler kennen, die der Geschichte Farbe geben. Agatha, die immer schwarz gekleidet ist und selten ein freundliches Wort übrig hat. Pauly, die mit ihrem Rollstuhl, dem roten Blitz unterwegs ist und kein Blatt vor den Mund nimmt. Schuten, der schüchtern ist und trotzdem wichtig für die Gruppe wird. Dazu kommen der jüngere Schüler Pip, der große Hund Padraig und Norville, der Ladenbesitzer, dessen Geschäft immer genau das bereithält, was man gerade braucht. Norville war für mich die interessanteste Figur, weil man nicht sofort erfassen kann, was er genau weiß und die Enthüllungen über ihn am Ende sehr spannend waren. Ich hoffe sehr, dass er im zweiten Band noch eine größere Rolle bekommt.

Die Welt rund um die Akademie ist interessant aufgebaut. Es gibt eine magische Quelle, von der die meisten Schüler nichts wissen. Nur einige von ihnen besitzen magische Fähigkeiten, die allerdings verschwinden, sobald sie erwachsen werden. Die Erwachsenen sind deshalb völlig ahnungslos, was die Vorgänge an der Schule betrifft. Carla York bildet die Ausnahme, da sie über die Quelle Bescheid weiß und als Mentorin für die Stipendiaten dient. Nicky und ihre Freunde müssen also das normale Internatsleben meistern und gleichzeitig im Geheimen herausfinden, was es mit der Magie und den Wasserspeiern auf sich hat. Diese werden bei Regen lebendig und sorgen für die richtige Portion Spannung. Einige Szenen sind gruselig, was genau richtig ist für Leser ab elf Jahren. Das offene Ende passt gut zur Dilogie und macht neugierig auf den zweiten Band, denn es gibt einige Enthüllungen, die man so nicht erwartet.

Trotz vieler gelungener Elemente vergebe ich vier Sterne. Die Akademie selbst bleibt für meinen Geschmack zu oberflächlich beschrieben. Ich hätte mir mehr Details gewünscht, um mich wirklich in Ashfield zurechtzufinden. Auch die Erwachsenen in der Akademie bleiben weitgehend blass, abgesehen vom Koch, der ständig exklusive Gerichte wie Hummercremesuppe und Trüffelrisotto für die reichen Schüler serviert. Der Ort rund um die Akademie wirkt ebenfalls sehr reduziert. Abseits von Norvilles Laden bekommt man kaum ein Gefühl dafür, wie das Dorf aussieht oder wer dort lebt. Es entsteht der Eindruck, als würden dort nur wenige Menschen wohnen, was der Geschichte etwas Atmosphäre nimmt.

Fazit: Das Buch bietet eine spannende Mischung aus Magie, Geheimnissen und glaubwürdigen Figuren, hat aber in der Ausgestaltung der Umgebung noch Potenzial. Die Lust auf Band zwei ist trotzdem da, denn die offenen Fragen und die letzten Enthüllungen machen neugierig auf das, was noch kommt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Charmante Regency-Geschichte

How to Lose a Lord in 10 Days von Sophie Irwin

"How to Lose a Lord in Ten Days" hat mich auf eine angenehm leichte, aber dennoch vielschichtige Reise durch die Regency-Zeit mitgenommen. Erst nach dem Lesen habe ich erfahren, dass es Band 3 der "A Lady’s Guide"-Reihe ist. Normalerweise stört mich so etwas, doch hier war es völlig egal: Die Handlung ist in sich abgeschlossen, und man kann das Buch problemlos genießen, ohne die vorherigen Bände zu kennen.

Sophie Irwin fängt die Regency-Atmosphäre sehr überzeugend ein. Die gesellschaftlichen Strukturen und Hierarchien sind klar spürbar - besonders die Tatsache, dass Frauen kaum eine Wahl haben, wenn es um die Suche nach einem Ehemann geht. Ausbildung, Auftreten, Aussehen: Alles ist darauf ausgerichtet, eine möglichst gute Partie zu machen. Liebe spielt keine Rolle, und einen Antrag abzulehnen ist unmöglich, wenn der Gentleman gesellschaftlich über der eigenen Familie steht. Genau das trifft Miss Lydia Hanworth, eine Kaufmannstochter, die den Antrag des reichen Lord Ashford - Spross eines Dukes - annehmen muss, obwohl sie ihn absolut nicht ausstehen kann.

Die gesamte Geschichte baut darauf auf, dass Lydia diesen Mann loswerden will. Und zwar in zehn Tagen. Was ich besonders erfrischend fand: Sie zieht diesen Plan konsequent durch. Oft werfen Protagonisten solche Vorhaben nach wenigen Kapiteln über den Haufen und verlieben sich Hals über Kopf. Hier nicht. Die Autorin bleibt ihrem roten Faden treu und schneidet ihn nicht bei der Hälfte ab - das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Lydia selbst ist eine wunderbar eigenwillige Figur. Sie hält wenig von den Konventionen ihrer Zeit, liest gerne, macht sich nichts aus Ehemännern und feinen Manieren und möchte vor allem Freiheit. Bei der Hausparty wirft sie ihren Stolz über Bord und präsentiert sich absichtlich als Dummchen mit schrecklichem Geschmack - was zu einigen wirklich lustigen Szenen führt. Gleichzeitig ist sie keine perfekte Cinderella: Fremdsprachen liegen ihr nicht, sie ist stolz, stur und hört oft nur halbe Gespräche, aus denen sie sich eigene Geschichten zusammenreimt. Im Grunde macht sie also genau das, was sie an Lord Ashford kritisiert - voreilige Schlüsse ziehen. Normalerweise mag ich den Missverständnis-Trope gar nicht, aber hier hat er gepasst, weil kein künstliches Liebesdrama entsteht. Stattdessen entstehen komödiantische Momente, die gut zur Geschichte passen.

Manchmal driftet der Humor allerdings etwas ins Lächerliche ab. Ein Beispiel: Lord Ashford klettert an der Hausmauer herunter, bleibt in den Blumen hängen, weil unten Leute auf der Terrasse stehen. Ich denke doch, dass man bemerken würde, wenn ein erwachsener Mann sich krampfhaft an einem Rankgitter festhält und versucht, sich zu verstecken. Auch manche Streiche wirkten etwas zu kindisch - und genau deshalb gibt es von mir einen Stern Abzug.

Lord Ashfords Charakter bleibt lange ein Geheimnis. Sein arrogantes, gefühlskaltes Auftreten und die ständigen Schnupftabak-Momente haben mich anfangs eher genervt, besonders in Situationen, in denen eigentlich eine emotionale Reaktion kommen sollte. Seine Vergangenheit ist tragisch und erklärt vieles, und gleichzeitig merkt man, dass er deshalb Vorurteile gegenüber Frauen hat. Doch ebenso spürt man seine Fürsorge - etwa gegenüber seiner Cousine Lady Phoebe. Die Nebencharaktere sind vielfältig, teils unsympathisch, teils herrlich lustig, und die Geschichte mischt Komödie mit Krimi-Elementen und kleinen dramatischen Wendungen. Zu viel kann man an dieser Stelle nicht verraten, ohne die Handlung zu spoilern - aber die verschiedenen Stränge fügen sich am Ende stimmig zusammen

Das Ende hat mir richtig gut gefallen, weil es nicht das klassische Happily Ever After ist, das man aus solchen Romanen kennt. Stattdessen bleibt es bewusst offener gestaltet und lässt Raum für eigene Gedanken, was für diese Geschichte erstaunlich gut funktioniert.

Fazit: Ein unterhaltsamer Regency-Roman mit klarer Linie, starken Figuren und einer gelungenen Mischung aus Humor, Gesellschaftskritik und leichten Krimi‑Elementen. Manche Streiche waren mir zu albern, doch insgesamt ein charmantes Leseerlebnis.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks

Kleine Meerschweinchen auf großem Abenteuer

Flauschi und Schnuff büxen aus von Ross Montgomery

Das Bilderbuch "Flauschi und Schnuff büxen aus" aus dem Thienemann Verlag ist für mich ein echtes Highlight für Kinder ab vier Jahren. Schon das Cover ist ein farbenfroher Eyecatcher, der sofort Sommer- und Urlaubsstimmung vermittelt. Die gelben Streifen im Hintergrund leuchten intensiv, ohne dabei die beiden Meerschweinchen zu überstrahlen, die wunderbar hervortreten.

Auch Vorsatz und Nachsatz sind liebevoll gestaltet und zeigen Flauschi und Schnuff in verschiedenen Posen, sodass man schon vor der ersten Seite viel zu entdecken hat.

Der gereimte Text von Ross Montgomery liest sich unglaublich flüssig und erzählt eine humorvolle Geschichte, die sofort gute Laune macht. Dazu passen die Illustrationen von Sarah Warburton perfekt. Jede Seite ist lebendig, detailreich und voller Ausdruck - ich hätte nicht gedacht, dass Meerschweinchen so viele unterschiedliche Gesichtsausdrücke haben können. Man geht beim Lesen und Anschauen regelrecht auf Entdeckungsreise, und alles strahlt diese fröhliche, bunte Urlaubsatmosphäre aus.

Besonders beeindruckt hat mich, wie vielfältig die Meerschweinchen gestaltet sind. Farben, Größen, Felllängen - jedes wirkt wie ein kleines Individuum mit eigenem Charakter. Gleichzeitig ergänzen die Illustrationen die Geschichte auf wunderbare Weise. Was der Text nicht erzählt, führen die Bilder weiter, etwa wenn die Tiersitterin bemerkt, dass Flauschi und Schnuff ausgebüxt sind und Vermisstenzettel druckt und aufhängt. Diese kleinen erzählerischen Erweiterungen machen das Buch noch lebendiger.

Insgesamt ist es ein wunderschönes Bilderbuch, an dem alles stimmt und das beim Lesen und Anschauen wirklich gute Laune macht.

Fazit: Ein fröhliches, warmherziges und rundum stimmiges Bilderbuch, das mit Text und Illustrationen gleichermaßen begeistert und kleine wie große Leser:innen sofort mitreißt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von JennifersBooks