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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Francesca :

emotional, ehrlich, fast perfekt - 4.5 Sterne

The Iced Caramel Coffee Agreement von Kyra Groh

Kurzmeinung: Deutlich stärker als Band 1: nahbare Charaktere & ehrliche Gefühle. Leider ein zu abruptes Ende, daher 4,5 Sterne

In Band 2 der Lower-Whilby-Reihe begleiten wir Dex - den Bruder von James aus dem ersten Teil und Eleanor, die wir bereits aus Band 1 kennen. Erzählt wird wieder in der Ich-Perspektive aus beiden Sichten, abwechselnd, was mir schon im ersten Band gefallen hat und hier erneut sehr gut funktioniert.

Der Schreibstil ist angenehm eingängig, sodass ich sofort wieder in das Kleinstadt-Setting eintauchen konnte.

Für mich war dieser Band deutlich stärker als der erste. Ich konnte mich viel besser mit den Figuren identifizieren, vor allem emotional haben mich beide deutlich mehr abgeholt. Eleanor fand ich als Charakter besonders spannend, weil sie gleichzeitig vertraut wirkte, aber auch Seiten hatte, die sie unvorhersehbar und interessant gemacht haben. Besonders hervorheben möchte ich Dex. Er war für mich eine sehr greifbare, nahbare Figur mit klaren Werten und einer emotionalen Tiefe, die mich wirklich überrascht hat. Im Vergleich zu James aus Band 1 wirkte sein Charakter deutlich konsistenter. Bei James hatte ich oft das Gefühl, dass er je nach Perspektive unterschiedlich dargestellt wurde, was mich eher irritiert hat. Dex hingegen blieb in sich stimmig und hat mich emotional viel mehr erreicht. Auch seine Hintergrundgeschichte, insbesondere das Familiendrama und seine Karriere als Musiker, bringt zusätzliche Tiefe in die Handlung. Gerade in Dex’ Perspektive gab es viele Momente, in denen ich mich ihm ungewöhnlich nah gefühlt habe. Es war das erste Mal, dass ich mich einem männlichen Protagonisten in dieser Form emotional verbunden gefühlt habe.

Was mich besonders begeistert hat, waren die vielen kleinen, aber bedeutungsvollen Passagen: Sätze, die zum Nachdenken anregen oder Gefühle auf den Punkt bringen. Ein weiterer Punkt, der mir extrem positiv aufgefallen ist, war der Humor. Dieser ist eher subtil und teilweise fast schon unterkühlt oder stumpf gehalten, gerade in den inneren Monologen der Figuren. Viele Aussagen wirken zunächst sehr nüchtern oder beiläufig, treffen dann aber genau dadurch ins Schwarze und sind unglaublich witzig. Ich musste an einigen Stellen wirklich laut auflachen, weil Dinge so trocken und direkt ausgesprochen wurden. Besonders schön fand ich, dass dieser Humor oft in Momenten auftaucht, in denen ich ihn gar nicht erwartet hätte. Für mich ist das definitiv ein großes Herzstück des Romans und hat das Leseerlebnis nochmal deutlich aufgewertet.

Ein weiteres Highlight war für mich die Dynamik zwischen Eleanor und Dex. Ihre Interaktionen wirkten authentisch und haben mich komplett abgeholt. Insgesamt hatte ich stellenweise wirklich ein Fünf-Sterne-Gefühl beim Lesen.

Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte: Das Ende kam mir zu abrupt. Obwohl ich nachvollziehen kann, warum die Handlung diesen Verlauf nimmt, hätte ich mir hier mehr Raum gewünscht. Es war für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt, was zu dem vorherigen Teil des Buches nicht passte. Zusätzlich war das Zeitgefühl im Verlauf der Geschichte manchmal etwas verwirrend. Stellenweise hatte ich das Gefühl, es vergeht deutlich mehr Zeit, als tatsächlich beschrieben wird. Trotz dieser kleinen Schwächen konnte ich die Beziehung und die Entwicklung der Figuren gut nachvollziehen und emotional mitgehen.

Fazit: Ein emotional starker zweiter Band mit tollen Charakteren und einer besonders gelungenen männlichen Perspektive. Kleine Schwächen im pacing und beim Ende verhindern die volle Punktzahl, aber insgesamt ein sehr überzeugender Roman der den ersten Band um einiges übertrifft.

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Gelungener Abschluss - 4,5 Sterne

Kiss of the Broken - Seine Liebe ist ihre Verdammnis von Julia Pauss

Der zweite Band, Kiss of the Broken von Julia Pauss, knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Teils an und schafft es dadurch, einen sehr gelungenen Einstieg zu liefern.

Schreibstil & Lesefluss

Der Schreibstil bleibt angenehm flüssig, atmosphärisch dicht und sehr zugänglich. Man kommt schnell durch, ohne dass dabei die Intensität verloren geht.

Besonders die emotionalen Momente sind eindringlich und bildhaft beschrieben.

Worldbuilding & Atmosphäre

Ein großer Pluspunkt dieses Bandes ist das erweiterte Worldbuilding. Während wir im ersten Teil hauptsächlich die Menschenwelt kennengelernt haben, öffnet sich die Geschichte nun stärker in Richtung Tenebria – dem Reich der Dämonen. Das sorgt für frischen Wind und macht die Welt noch vielschichtiger. Gleichzeitig wird auch die ohnehin schon düstere Atmosphäre noch intensiver. Die Brutalität dieser Welt tritt deutlicher hervor, was stellenweise wirklich unter die Haut geht.

Ein kleiner Kritikpunkt: Die verschiedenen Dämonenarten waren zwar spannend gedacht, aber ich hatte manchmal Schwierigkeiten, mir diese klar vorzustellen.

Charaktere & Dynamik

Die Dynamik zwischen Ren und Scarlet bleibt ein zentraler Bestandteil der Geschichte. Ihre Verbindung ist weiterhin emotional greifbar, und gerade Rens innerer Konflikt – zwischen Wut, Enttäuschung und seinen Gefühlen – wurde sehr gut ausgearbeitet. Allerdings hat sich die Beziehung der beiden im Vergleich zum ersten Band etwas anders angefühlt. Während sie dort fast durchgehend gemeinsam unterwegs waren und man ihre Entwicklung sehr intensiv miterleben konnte, sind sie hier zeitweise getrennt. Dadurch rückt ihre direkte Dynamik etwas in den Hintergrund. Gleichzeitig bekommen Nebenfiguren mehr Raum, was die Welt bereichert, aber eben auch dazu führt, dass der Fokus sich stärker verteilt.

Romantik & Emotionen

Die romantischen und körperlichen Szenen sind sehr intensiv und atmosphärisch geschrieben, das kann die Autorin definitiv. Für meinen Geschmack waren es stellenweise jedoch etwas viele dieser Szenen, vor allem in Momenten, in denen sie sich nicht ganz natürlich in die Situation eingefügt haben. Was mir im ersten Band besonders gefallen hat, war die langsame Annäherung. Diese feine Entwicklung tritt hier etwas in den Hintergrund zugunsten von mehr Intensität.

Spannung & Handlung

Im Vergleich zum ersten Band gibt es weniger überraschende Wendungen und große Twists. Das sorgt für ein etwas anderes Lesegefühl: weniger „Wow“-Momente, dafür mehr Fokus auf Entwicklung, Atmosphäre und die Gesamtgeschichte.

Trotzdem bleibt die Spannung erhalten, vor allem durch die Frage, wie sich alles zum Ende hin auflösen wird. Besonders ein neuer Handlungsstrang rund um Scarlet zum Ende hin konnte mich nochmal richtig packen.

Kritikpunkte

Trotz der vielen positiven Aspekte sind mir jedoch auch ein paar kleinere Kritikpunkte aufgefallen. Zum einen lag der Fokus weniger stark auf der zentralen Dynamik zwischen Ren und Scarlet, was für mich einen Teil der emotionalen Intensität aus dem ersten Band etwas abgeschwächt hat. Auch die Anzahl an überraschenden Wendungen war geringer. An manchen Stellen hätte ich mir außerdem mehr Klarheit gewünscht. Besonders das Magiesystem, das hier stärker in den Fokus rückt, wirkte zwar spannend, blieb aber nicht immer vollständig greifbar. Gerade gegen Ende gab es Momente, in denen ich mir eine genauere Erklärung gewünscht hätte, um die Abläufe besser nachvollziehen zu können. Auch die verschiedenen Dämonenarten waren interessant, aber nicht immer leicht vorstellbar, wodurch ein Teil der Atmosphäre etwas an Wirkung verloren hat.

Finale

Das Ende ist für mich ein echtes Highlight. Die Autorin nimmt sich Zeit, die Geschichte sauber abzuschließen, gibt einen Ausblick und lässt die Welt nicht einfach abrupt zurück. Genau so sollte ein Finale sein: rund, durchdacht und befriedigend.

Fazit

Insgesamt ist Kiss of the Broken ein würdiges Finale, das die Geschichte rund abschließt, auch wenn es mich nicht ganz so stark begeistern konnte wie der Auftakt. Für mich sind es daher starke 4,5 Sterne – mit Tendenz nach oben, je nachdem, welche Aspekte man persönlich am meisten gewichtet.

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Starker Anfang, schwache Mitte, starkes Ende

Dire Bound von Sable Sorensen

Direbound ist ein umfangreicher Fantasyroman mit rund 800 Seiten, der durch seinen detailreichen Weltenbau und eine intensive Atmosphäre überzeugt. Besonders positiv fällt auf, dass neben der eigentlichen Handlung auch ein Glossar sowie zusätzliche Informationen zu den verschiedenen Rudeln enthalten sind.

Das erleichtert die Orientierung und verstärkt das Gefühl, in eine komplexe und durchdachte Welt einzutauchen.

Schreibstil & Einstieg

Der Einstieg in die Geschichte ist äußerst gelungen. Bereits das erste Kapitel überzeugt mit einem lockeren, zugänglichen Schreibstil und einem spannenden Beginn, der direkt ins Geschehen zieht. Das erste Kapitel sorgt für einen starken ersten Eindruck und weckt sofort Neugier. Im weiteren Verlauf bleibt der Schreibstil angenehm flüssig, auch wenn es gelegentlich durch sehr verschachtelte Sätze und viele Kommas zu kleinen Lesestolperern kommt. Insgesamt überwiegt jedoch der positive Eindruck deutlich. Auffällig sind zudem die vergleichsweise langen Kapitel mit etwa 20 Seiten, die sich jedoch überraschend angenehm lesen lassen. Trotz ihrer Länge wirken sie weder zu lang noch zu kurz, sondern genau richtig getaktet, sodass man mühelos durch die Geschichte getragen wird.

Atmosphäre & Worldbuilding

Ein großes Plus des Romans ist die dichte und lebendige Atmosphäre. Die Autorinnen nehmen sich viel Zeit für Beschreibungen von Schauplätzen, Kleidung und Figuren, wodurch die Welt sehr greifbar wirkt. Auch Nebenfiguren werden häufig benannt und erhalten zumindest kurze Einordnungen, was die Geschichte authentischer erscheinen lässt. Ein weiterer auffälliger Aspekt ist der teils sehr explizite Umgang mit Gewalt. Einige Szenen sind detailliert und intensiv beschrieben, sodass sie durchaus unangenehm wirken können. Gleichzeitig trägt genau diese Härte zur Authentizität der Welt bei und hebt die Geschichte von anderen Fantasywerken ab. Außerdem ist die Darstellung der unterschiedlichen Rudel und ihrer Eigenheiten gut gelungen.

Handlung & Spannungsverlauf

Der Roman startet stark und bleibt auch über die ersten rund 300 Seiten hinweg spannend und fesselnd. Danach zeigt sich jedoch eine deutliche Schwäche im Mittelteil (ca. Seite 300–500). In diesem Abschnitt verliert die Handlung spürbar an Dynamik, da sich Prüfungs- und Kampfszenen wiederholen und die eigentliche Story kaum voranschreitet. Hinzu kommen teilweise logische Unstimmigkeiten, insbesondere im Umgang mit der Entführung von Meryns Schwester, was das Geschehen stellenweise weniger nachvollziehbar wirken lässt. Gerade dadurch kann das Interesse merklich nachlassen, sodass ein Abbruch ohne äußeren Anstoß durchaus denkbar gewesen wäre.

Ab etwa Seite 500 gewinnt das Buch jedoch deutlich an Stärke zurück. Mysteriöse Elemente treten stärker in den Vordergrund, die Spannung steigt wieder und die Handlung nimmt eine interessante Wendung. Die letzten 250 Seiten sind schließlich äußerst packend und konnten die Geschichte insgesamt deutlich aufwerten.

Charaktere & Dynamik

Die Figuren wirken lebendig und greifbar, was vor allem daran liegt, dass auch weniger relevante Charaktere nicht einfach als Statisten behandelt werden. Besonders innerhalb der Rudel entstehen interessante Dynamiken, die teilweise auch humorvolle oder warme Momente bieten. Die Beziehung zwischen Meryn und ihrem Love Interest entwickelt sich nachvollziehbar, auch wenn der Einstieg durch eine sehr frühe intime Szene zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirkt. Dennoch gelingt es den Autorinnen, die emotionale Verbindung glaubhaft darzustellen.

Spice-Anteil

Der Roman enthält mehrere spicy Szenen, die grundsätzlich gut geschrieben sind. Allerdings wirkt deren Häufigkeit stellenweise etwas überladen. Weniger Szenen hätten der Handlung vermutlich nicht geschadet, sondern sie sogar gestrafft. Zudem gab es Momente, in denen die bildliche Vorstellung dieser Szenen schwerfiel.

Fazit

Direbound ist ein Fantasyroman mit einem sehr starken Anfang und einem noch stärkeren Ende, der jedoch im Mittelteil spürbar schwächelt. Die intensive Atmosphäre, der detailreiche Weltenbau und die lebendigen Charaktere machen das Buch dennoch zu einem lohnenswerten Leseerlebnis.

Gerade im Hinblick auf die Handlung zeigt sich jedoch deutliches Ausbaupotenzial: Vor allem im Mittelteil verliert die Story an Fokus, wiederholt sich und wirkt stellenweise zu langatmig, was den Lesefluss bremst. Bestimmte Entscheidungen und Entwicklungen erscheinen nicht immer ganz stimmig, was das Eintauchen in die Geschichte stellenweise beeinträchtigt. Selbst im starken letzten Drittel werden einige interessante Motive erst spät eingeführt und können ihr Potenzial daher nicht vollständig entfalten.

Nichtsdestotrotz überzeugt das Buch durch seine Atmosphäre, den fesselnden Schreibstil und die gelungenen Figurenkonstellationen. Besonders das Ende zeigt, welches Potenzial in der Geschichte steckt, und macht Hoffnung, dass der zweite Band genau an dieser Stärke anknüpfen und von Beginn an ein höheres Spannungsniveau halten kann.

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Zerbrechlich, intensiv und doch nicht vollständig - 3,5 Sterne

Und alles zerbricht (Paper Hearts 1) von Maxine Reuker

In Und alles zerbricht begleiten wir Mila auf einer sehr intensiven und persönlichen Reise. Durch verschiedene Umstände gerät sie in eine Essstörung, und als Leser erleben wir diesen Prozess hautnah mit. Das Buch zeigt nicht nur, wie es dazu kommt, sondern auch, wie Mila damit kämpft, wie sie ihren Alltag bewältigt und welche inneren Konflikte sie austrägt.

Besonders diese intime Darstellung ihrer Gedankenwelt ist ein zentrales Element der Geschichte und gleichzeitig ihr größtes Highlight.

Schreibstil & Erzählweise
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Durch die Ich-Perspektive wird Milas innere Zerrissenheit besonders greifbar, was die emotionale Wirkung deutlich verstärkt. Der Einstieg gelingt schnell, und man findet sich rasch in der Geschichte wieder. Auch das Tempo ist über weite Strecken gut gewählt, es passiert kontinuierlich etwas, ohne dass es sich zieht.

Charaktere & Beziehungen
Die Figuren sind vielschichtig und interessant gestaltet. Besonders die enge Verbindung zwischen den beiden Familien und die daraus entstehende Dynamik, inklusive Freundschaft, Verlust und Veränderung, wird überzeugend dargestellt. Das Zerbrechen dieser Verbindungen durch Milas Umzug bringt zusätzliche emotionale Tiefe in die Handlung. Insgesamt wirken die Charaktere authentisch und tragen die Geschichte sehr gut.

Klinikdarstellung & Authentizität
Die Darstellung des Klinikalltags wirkt größtenteils authentisch und nachvollziehbar. Man bekommt einen guten Einblick in die Strukturen und den Umgang mit der Thematik. Dennoch gibt es einzelne Aspekte, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Entwicklungen rund um den Klinikaufenthalt, die kritisch betrachtet werden können und ein etwas unangenehmes Gefühl hinterlassen.

Kritikpunkte – Romantik & Ende
Ein wesentlicher Kritikpunkt liegt in der Entwicklung der romantischen Handlung. Ab etwa drei Viertel des Buches nimmt die Geschichte eine Richtung ein, die nicht ganz stimmig wirkt. Die romantische Plotline entwickelt sich für mein Empfinden zu schnell und rückt zu stark in den Vordergrund. Die Dynamik zwischen den beiden wirkte auf mich nicht ganz greifbar und teilweise wenig authentisch. Auch wenn der Love Interest als Figur viele sehr schöne, beinahe „perfekte“ Eigenschaften mitbringt und sich entsprechend fürsorglich verhält, konnte ich die Beziehung emotional nicht wirklich nachempfinden.
Hinzu kommen Aspekte wie der Altersunterschied sowie bestimmte Hintergründe im Kliniksetting, die für mich ein leicht unangenehmes Gefühl erzeugt haben. Gerade im Zusammenspiel mit der sehr schnell voranschreitenden Entwicklung hat das dazu geführt, dass mich dieser Teil der Geschichte nicht überzeugen konnte. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus weiterhin stärker auf Freundschaft und persönlicher Entwicklung liegt und romantische Aspekte erst in einem Folgeband mehr Raum bekommen.

Auch das Ende wirkt dadurch nicht ganz rund. Zwar ist klar, dass die Geschichte in Band 2 fortgesetzt wird, dennoch hinterlässt der Abschluss des ersten Bandes ein Gefühl von Unvollständigkeit.

Fazit
Und alles zerbricht ist ein emotionales und intensives Buch, das besonders durch seine authentische Darstellung einer Essstörung und die starke Innensicht der Protagonistin überzeugt. Wer sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte, wird hier definitiv fündig, sollte sich aber auch der potenziellen Trigger bewusst sein.

Trotz der gelungenen Figuren und des starken Einstiegs verliert die Geschichte gegen Ende etwas an Balance, insbesondere durch die romantische Entwicklung. Mit einem anderen Schwerpunkt hätte das Buch für mich noch mehr überzeugen können. Insgesamt dennoch eine lesenswerte Geschichte mit viel emotionaler Tiefe.

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Starke Atmosphäre, aber zu viel Distanz zu den Figuren

Les Bouttiers - Wir sind jetzt von Antonia Wesseling

Der Roman „Les Bouttiers - Wir sind jetzt“ hat mich insgesamt gut unterhalten, auch wenn er für mich kein Highlight war.

Besonders positiv aufgefallen ist mir die Erzählweise. Die Geschichte wird aus der Sicht von drei verschiedenen Figuren erzählt, was mir sehr gut gefallen hat. Dadurch erhält man unterschiedliche Einblicke in die Handlung und vor allem in die Gefühlswelt der Charaktere.

Diese Perspektivwechsel bringen viel Abwechslung in die Geschichte und sorgen dafür, dass man verschiedene Blickwinkel auf die Ereignisse bekommt.

Ein weiterer Punkt, der mir gut gefallen hat, war der Schreibstil des Romans. Dieser ist insgesamt sehr flüssig und angenehm zu lesen beziehungsweise zu hören. Die Sprache ist klar und nachvollziehbar, sodass man der Handlung gut folgen kann. Gleichzeitig nimmt sich die Geschichte zwischendurch auch nicht immer ganz ernst. Es gibt immer wieder kleinere humorvolle Szenen oder Dialoge, die mich zum Schmunzeln gebracht haben und die das Ganze etwas auflockern. Besonders interessant fand ich auch, dass der Stil zum Ende hin teilweise fast poetische Züge annimmt. An einigen Stellen tauchen sogar Reime auf, was ich sehr originell fand

Ein großer Pluspunkt war für mich außerdem die Atmosphäre des Buches. Die Handlung spielt in Paris und bewegt sich stark in der Welt der Mode: Modeimperien, Fashion Weeks und der Konkurrenzkampf zwischen großen Modefirmen stehen im Mittelpunkt. Diese Kulisse fand ich sehr spannend und unterhaltsam. Immer wieder werden französische Wörter eingebaut, was das Gefühl verstärkt, wirklich in dieser Welt zu sein und sich von der Geschichte ein wenig treiben zu lassen. Zusätzlich gibt es im Verlauf des Buches immer wieder eingestreute Kapitel in Form von Pressemitteilungen. Diese Perspektive fand ich ebenfalls sehr spannend, weil sie die Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel zeigen.

Die Handlung selbst hat mich teilweise überrascht. Zu Beginn hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass sich die Geschichte in diese Richtung entwickelt. Insgesamt hat mir der Verlauf der Handlung gefallen, besonders die Themen rund um Mode, Konkurrenz und familiäre Konflikte. Allerdings hatte ich nicht immer einen emotionalen Zugang zu den Figuren. In manchen Situationen konnte ich mich den Charakteren nicht so nahe fühlen, wie ich es mir gewünscht hätte. Interessanterweise hat das bei den Perspektiven unterschiedlich funktioniert: Zu einem der männlichen Erzähler konnte ich die Dynamiken mit anderen Figuren deutlich besser nachvollziehen und habe diese Szenen auch emotional stärker empfunden als bei den anderen.

Zum Ende hin war ich teilweise etwas unsicher, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Besonders im letzten Teil wusste ich zeitweise nicht genau, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Dennoch fand ich das Ende letztlich gelungen, da es neugierig auf den zweiten Band macht. Ein weiterer Punkt, der mir manchmal Schwierigkeiten bereitet hat, war die große Anzahl an Figuren. Einerseits macht das die Welt der Geschichte lebendig, andererseits war es für mich stellenweise etwas überfordernd. Gerade durch die vielen französischen Namen fiel es mir manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Gegen Ende passiert zudem sehr viel mit verschiedenen Figuren gleichzeitig, sodass ich einige Stellen sogar noch einmal lesen musste, um alles richtig zu verstehen.

Fazit

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Besonders die Atmosphäre rund um die Modewelt, Paris und die Fashion Weeks hat mir sehr gefallen. Auch die Handlung in diesem Umfeld fand ich spannend. Trotzdem war es für mich kein besonders starker Auftakt, vor allem weil mir der emotionale Zugang zu den Figuren gefehlt hat. Viele von ihnen blieben für mich etwas auf Distanz. Das Ende macht jedoch neugierig auf den zweiten Band, den ich auf jeden Fall noch lesen möchte.

Insgesamt würde ich dem Buch etwa 3,5 bis 4 Sterne geben – hauptsächlich wegen der Atmosphäre und der Modewelt, weniger wegen der Figuren.

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Ein Thriller ohne Thrill

Tödliches Angebot von Marisa Kashino

Eigentlich wollte ich nach meinem ersten Psychothriller direkt im Genre bleiben, weil mich diese Mischung aus Spannung, Psychologie und düsteren Geheimnissen total gepackt hatte. Also griff ich zu Tödliches Angebot. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht.

Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Ian und Margo.

Die beiden versuchen, schwanger zu werden, und sind gleichzeitig auf der Suche nach einem Haus. Ein Großteil der Geschichte beschäftigt sich mit ihrer Beziehung, ihren familiären Hintergründen und vergangenen Konflikten. Wir erfahren, wie sie sich kennengelernt haben, welche Probleme sie mit sich herumtragen und verfolgen über weite Strecken hauptsächlich ihre Eheprobleme. Als Margo schließlich ein Haus findet, in das sie sich regelrecht verliebt, setzt sie alles daran, es zu bekommen. Sie beginnt, intensiv über die bisherigen Besitzer zu recherchieren. Dabei gibt es Ansätze von Stalker-Motiven und obsessivem Verhalten, doch leider entwickeln diese kaum echte Spannung.

Schreibstil

Den Schreibstil mochte ich tatsächlich. Er ist stellenweise humorvoll und lebt von inneren Gedankengängen, diesen typischen „Gedankenkarussellen“, die gut zu einem Psychothriller passen. Figuren springen in ihren Überlegungen hin und her, stellen sich selbst Fragen, analysieren Situationen, das hat mir gefallen.

Ein interessantes Stilmittel ist außerdem, dass sich Margo gegen Ende direkt an die Leserinnen beziehungsweise Hörerinnen wendet. Dieser Perspektivwechsel und auch die Veränderung ihrer Figur zum Schluss fand ich spannend umgesetzt. Das waren für mich klare Pluspunkte.

Meine Meinung

Die Grundidee fand ich tatsächlich originell. Ein Haus als Auslöser für eine psychologische Abwärtsspirale, das hätte richtig gut werden können. Aber die Umsetzung war für mich leider sehr langatmig.

Bis etwa drei Viertel des Buches habe ich kaum echte Thriller-Elemente wahrgenommen. Stattdessen wirkt die Geschichte über weite Strecken wie ein Beziehungsroman mit leichtem Spannungsansatz. Margos Handlungen bleiben dabei zu harmlos, um wirklichen Nervenkitzel auszulösen. Ich habe darauf gewartet, dass sich früh größere Geheimnisse andeuten, dass moralische Grenzen überschritten werden oder zumindest ein Gefühl entsteht, dass sie mit etwas auffliegen könnte. Dieses Mitfiebern blieb jedoch aus.

Mein größter Kritikpunkt betrifft den Spannungsaufbau. Die entscheidende Dynamik entsteht nahezu ausschließlich durch die Auflösung am Ende, wenn plötzlich alles ans Licht kommt. Der Weg dorthin, also die schrittweise psychologische Entwicklung, das langsame Abrutschen, das bewusste Überschreiten von Grenzen, wird jedoch kaum ausgearbeitet. Statt diesen Prozess mitzuerleben, entsteht ein Bruch: Man begleitet zunächst eine relativ normale Protagonistin, dann folgt ein deutlicher Sprung, und plötzlich steht die Enthüllung im Raum.

Gerade bei einem Psychothriller erwarte ich, diesen inneren Wandel nachvollziehen zu können. Ich möchte verstehen, wie und warum eine Figur in eine Abwärtsspirale gerät. Da dieser Aufbau hier fehlt, wirkt der finale Umschwung zwar überraschend, aber nicht nachvollziebar.

Nach rund 90% des Buches kommt zwar dieser große Switch, doch die "Spannung" konzentriert sich fast ausschließlich auf diese finale Phase. Die letzten Minuten erzeugen keine klassische Spannung, sondern eher einen Überraschungsmoment, verbunden mit einem gewissen Entsetzen. Man ist kurz irritiert und vielleicht etwas vor den Kopf gestoßen, doch echtes Mitreißen oder anhaltender Nervenkitzel stellen sich nicht ein. Letztlich konzentriert sich die gesamte Wirkung auf diese Schlussphase, was für mich zu wenig war, um die zuvor eher ereignisarme Strecke auszugleichen.

Fazit

Ich wollte einen intensiven Psychothriller mit konstantem Spannungsbogen, psychologischer Entwicklung und echtem Mitfiebern. Bekommen habe ich eine sehr langsame Geschichte, in der die entscheidenden Schritte übersprungen werden und "Spannung" erst ganz am Ende entsteht. Für mich bleibt unverständlich, wie man diese Geschichte als wirklich spannend bezeichnen kann.

Tödliches Angebot hat mich insgesamt nicht überzeugen können, weshalb ich keine Lese- oder Hörempfehlung ausspreche. Rein inhaltlich hätte die Geschichte für mich nur einen Stern verdient, doch durch den angenehmen Schreibstil reicht es am Ende dennoch für zwei Sterne.

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Liebe, Lügen und Geheimnisse - 4,5 Sterne

Firewatch von Colin Hadler

Dieses Buch hat mir wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht und zwar auf eine Art, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Es hat meine Erwartungen übertroffen, aber anders als gedacht. Vor allem hat es mich hervorragend unterhalten.

Das Buch wird als Thriller beziehungsweise Suspense-Romance eingeordnet.

Wer hier allerdings von der ersten Seite an knallharte Thriller-Elemente erwartet, sollte seine Erwartungen ein wenig anpassen. Die Romance nimmt einen großen Raum ein deutlich größer, als ich zunächst angenommen hatte. Für mich war das jedoch kein Kritikpunkt, im Gegenteil: Genau dieser starke Romance-Anteil hat mich letztlich überzeugt.

Im Zentrum steht ein ungeklärter Vermisstenfall. Aaron ist verschwunden, und sein bester Freund Robin versucht auf eigene Faust herauszufinden, was mit ihm passiert ist. In der Gegenwart begleiten wir vor allem Robin, während die Vergangenheit sich stark um Aaron und Kian dreht. Diese Struktur – Vergangenheit und Gegenwart – wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Die Vergangenheit aus einer Erzählperspektive, die Gegenwart aus der Ich-Perspektive. Gerade am Anfang fiel es mir etwas schwer, die Perspektiven klar einzuordnen. Ich war zunächst überzeugt, dass Robin selbst der Erzähler der Vergangenheitskapitel sei. Erst als der Erzähler deutlich aus dem Geschehen heraustrat und sogar an Robin appellierte, wurde klar, dass hier anders gearbeitet wird.

Der Autor spielt gezielt mit Unsicherheit und Irritation, ein Stilmittel, das der Spannung definitiv zugutekommt. Diese bewusste Verwirrung passt hervorragend zur Atmosphäre des Buches. Besonders gelungen fand ich die mysteriösen, fast poetisch anmutenden Kapitel, in denen eine unbekannte Person von Dunkelheit, Vergangenheit und Geheimnissen spricht. Diese Einschübe sind leicht verstörend, wirken psychologisch intensiv und lassen einen rätseln: Wer spricht hier? Was bedeutet das? Diese Momente haben die Geschichte spürbar vorangetrieben und für echtes Gänsehaut-Feeling gesorgt.

In der Mitte hatte das Buch kleinere Längen, vor allem weil der Romance-Plot hier sehr präsent ist. Die Beziehung zwischen den Figuren, es handelt sich um eine Gay Romance nimmt viel Raum ein, inklusive "romantischer" Szenen. Wer damit nichts anfangen kann oder einen reinen Thriller erwartet, könnte hier enttäuscht sein. Für mich war diese Entwicklung jedoch stimmig und emotional nachvollziehbar.

Das Ende hat mir dann wieder richtig gut gefallen. Es gibt mehrere Twists: einen konnte ich im Moment der Auflösung erahnen, aber ein weiterer hat mich wirklich überrascht. Das war stark umgesetzt. Lediglich ganz zum Schluss hätte ich mir noch ein zusätzliches Kapitel gewünscht. Das Finale wirkte etwas abrupt, fast zu stark „geschnitten“. Ein kleiner Ausblick hätte dem Ganzen für mich noch das gewisse Extra gegeben.

Trotz des etwas holprigen Einstiegs und kleiner Längen im Mittelteil vergebe ich 4,5 von 5 Sternen. Eine spannungsgeladene Suspense-Romance mit emotionaler Tiefe, überraschenden Wendungen und einer Atmosphäre, die stellenweise richtig unter die Haut geht.

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Interessante Ansätze und starke Dynamik, doch der rote Faden fehlt

Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann

Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann ist eine japanisch inspirierte Romantasy mit einem vielversprechenden Grundkonzept: Verrat, Rache, tödliche Prüfungen und zwei Figuren, die sich hassen; aber zusammenarbeiten müssen. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es in der Umsetzung für mich deutliche Schwächen hatte.

Der Einstieg fiel mir sehr leicht. Der Prolog ist spannend, es passiert direkt etwas, und man möchte sofort mehr über die Figuren erfahren. Erzählt wird aus zwei Ich-Perspektiven; aus der von Saya und der von Teno; was grundsätzlich gut funktioniert und einen interessanten Blick auf beide Charaktere ermöglicht.

Besonders begeistert war ich vom Setting. Die japanisch inspirierte Welt wird immer wieder aufgegriffen: Katanas, Tantos, Shuriken, Kimonos, Geishas; all das verleiht der Geschichte ein frisches Flair. Da ich asiatisch inspirierte Mythologie und Fantasy generell sehr spannend finde, hat mich dieser Aspekt sofort abgeholt. Auch das Assassinen-Thema fand ich reizvoll und voller Potenzial.

Leider hatte ich jedoch zunehmend Probleme mit der Handlung und ihrer Logik. Zwar ist klar, dass Saya und Teno sieben tödliche Prüfungen bestehen müssen, um Teil der Schattenarmee des Gottkaisers zu werden; doch was genau diese Prüfungen sind, blieb für mich oft unklar. Viele Aufgaben wurden nur nebenbei erwähnt oder scheinbar übersprungen. Hinzu kamen zahlreiche Zeitsprünge, teilweise über mehrere Wochen, die es mir sehr schwer gemacht haben, den Überblick zu behalten.

Ich hatte während des Lesens ständig Fragen:

Warum sind die Figuren gerade hier?
Was ist das konkrete Ziel dieser Aufgabe?
Wer arbeitet eigentlich für wen?
Warum sind die Assassinen in permanenter Gefahr, obwohl sie dort leben und ausgebildet werden?

Diese Fragen wurden für mich leider nicht zufriedenstellend beantwortet. Auch die Nebencharaktere und ihre Rollen blieben blass und schwer einzuordnen, ebenso der politische Hintergrund der Welt. Ein weiterer Punkt, der mir das Eintauchen erschwert hat, war das Worldbuilding im Fantasy-Bereich. Während die Welt an sich atmosphärisch funktioniert, blieb der eigentliche Magieaspekt sehr vage. Es gibt den Gottkaiser, der offenbar über besondere Fähigkeiten verfügt, außerdem sogenannte Gezeichnete, die verfolgt oder getötet werden, sowie eine Form von Lebensenergie, die eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Doch was diese Magie genau ist, wie sie funktioniert und welche Regeln sie hat, blieb für mich durchgehend unklar.

Viele dieser Elemente wurden zwar eingeführt, aber kaum erklärt. Dadurch wirkte der Fantasy-Aspekt auf mich zu schwammig und unausgereift. Während ich mir die Kämpfe, die Assassinen-Ausbildung und den Umgang mit Waffen sehr gut vorstellen konnte, hatte ich kaum eine Vorstellung davon, wie die übernatürlichen Kräfte dieser Welt eigentlich funktionieren. Für einen Fantasy-Roman blieb dieser Teil für mich überraschend blass.

Was das Buch für mich dennoch getragen hat, war ganz klar die Dynamik zwischen Saya und Teno. Ihre gezwungene Zusammenarbeit, die langsame Annäherung und das gegenseitige Misstrauen waren spannend zu lesen. Auch die romantischen Szenen haben mir insgesamt gut gefallen. Gerade im Hinblick auf Sayas Vergangenheit wird hier sehr respektvoll und reflektiert damit umgegangen Besonders Saya als Figur fand ich gelungen: Ihr Hintergrund wird immer wieder aufgegriffen, und ihre Motivation; der Wunsch nach Rache, ist klar, greifbar und emotional nachvollziehbar.

Gegen Ende wird noch einmal Spannung aufgebaut, die neugierig auf die Fortsetzung macht. Gleichzeitig bleiben aber erneut viele offene Fragen. Zwar passt diese Unwissenheit auch zu den Protagonisten selbst, dennoch bin ich unsicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen möchte.

Fazit:

Empire of Whispers and Shadows überzeugt mit starken Ideen, einem atmosphärischen Setting und interessanten Hauptfiguren. In der Umsetzung hapert es jedoch an Klarheit, Struktur und logischer Nachvollziehbarkeit. Wer über diese Schwächen hinwegsehen kann und vor allem Wert auf Charakterdynamik legt, könnte dennoch Freude an der Geschichte haben.

Gute Ansätze, starke Figuren, aber die Unklarheiten in Handlung und Welt führen bei mir zu einer Bewertung von etwa 3–3,5 Sternen

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Ein Sommercamp voller Herz, Vielfalt

Camp Rainbow - Über mir der Himmel von Alicia Zett

"Camp Rainbow - Über mir der Himmel" war für mich ein echtes Wohlfühlbuch, das mich mit seiner warmen Atmosphäre und den authentischen Figuren begeistert hat. Ich habe es in zwei Etappen gelesen: Die ersten 150 Seiten habe ich in einem Rutsch verschlungen, dann eine kurze Pause eingelegt, ein anderes Buch dazwischengeschoben, und schließlich den Rest innerhalb weniger Tage beendet.

Trotz dieser Unterbrechung ist mir die Geschichte sehr positiv in Erinnerung geblieben; ich freue mich schon auf Band 2!

Stimmige Sprache und Atmosphäre

Der Schreibstil war leicht und flüssig, gleichzeitig aber auch einfühlsam und tiefgründig. Besonders schön fand ich, wie das Gendern und die Verwendung verschiedener Pronomen welche sich perfekt in den Lesefluss eingebettet haben.

Einfühlsamer Einstieg in Malins Welt

Zu Beginn des Buches bekommt man einen guten Einblick in Malins familiäre Situation, ihre Beziehung zu ihrem Vater, ihrer Schwester und auch zu ihrer Mutter wird einfühlsam dargestellt. Diese Einblicke erleichtern den Zugang zu ihrer Gefühlswelt und schaffen eine emotionale Grundlage, ohne zu sehr im Mittelpunkt zu stehen. Im weiteren Verlauf rücken dann aber ganz klar die neuen Bekanntschaften im Camp Rainbow in den Vordergrund. Die Dynamik zwischen Malin und den anderen Jugendlichen im Camp, ihre Freundschaften und das sich entwickelnde Liebesinteresse, bilden das Herzstück der Geschichte und haben mich besonders mitgerissen.

Humorvolle und diverse Charaktere

Die Dialoge haben mich oft zum Schmunzeln gebracht, einige Szenen waren einfach herrlich witzig. Die Autorin hat es geschafft, ernste Themen und Humor gut auszubalancieren. Was mich besonders überzeugt hat, war die Vielfalt der Charaktere im Camp. Unterschiedliche queere Identitäten und Lebensrealitäten wurden ganz selbstverständlich in die Geschichte eingebunden, ohne dass sie übermäßig erklärt oder hervorgehoben wurden. Solche Szenen wirkten authentisch und normalisiert, was ich als sehr gelungen empfand.

Liebenswert und überraschend

Die Handlung nahm im weiteren Verlauf eine Richtung, die ich so nicht erwartet hätte, das fand ich spannend und angenehm unvorhersehbar. Auch wenn die Ereignisse im Camp sich über nur drei Wochen erstrecken, war das Tempo für mich in Ordnung. Die Entwicklung von Gefühlen und Beziehungen wirkte nicht überstürzt, sondern glaubwürdig und sensibel erzählt.

Kleine Kritik, große Empfehlung

Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt nennen müsste, dann wäre es die Entwicklung einer Nebenfigur gegen Ende. Eine Reaktion wirkte für mich nicht ganz nachvollziehbar, vermutlich, um die Handlung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das hat meinen Gesamteindruck aber kaum geschmälert.

Das Setting im Camp, der Verzicht auf Handys, der Fokus auf Freundschaften und persönliche Entwicklung, all das hat in mir den Wunsch geweckt, selbst mal wieder mehr Zeit in der Natur zu verbringen und den Alltag hinter mir zu lassen. Das Buch regt zum Innehalten und Nachdenken an, ohne dabei schwer zu wirken.

Fazit: 4,5 Sterne – mit Tendenz nach oben

Insgesamt hat mir Camp Rainbow – Über mir der Himmel sehr gut gefallen. Aufgrund der Lesepause hat mich der Flow stellenweise verlassen, daher vergebe ich vorerst 4,5 Sterne. Aber ich bin sicher: Bei einem Reread könnte es sich sehr leicht wie ein echtes 5-Sterne-Buch anfühlen.

Wer queere Geschichten mit Herz, Humor und Tiefgang mag, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.

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Zwischen Düften, Kulturen und Schicksalen – eine berührende Reise nach Sansibar

Der Duft der fernen Insel von Christina Rey

Einleitung

Mit Der Duft der fernen Insel legt Christina Rey einen umfangreichen Roman von stolzen 635 Seiten vor. Für mich persönlich war es das erste Mal, ein so langes Buch zu lesen, doch die Reise hat sich durchaus gelohnt. Es handelt sich dabei um den zweiten Band einer Reihe, die jedoch nicht direkt mit dem ersten Teil verbunden ist, sondern vielmehr im gleichen Stil und thematisch ähnlich gestaltet wurde.

Erneut begleiten wir eine Sultanstochter, diesmal die blinde Nunu, und erleben ihre Geschichte über gut ein Jahrzehnt hinweg. Unterstützt wird sie von der jungen englischen Lehrerin Eve, die nach Sansibar kommt, um ihr Lesen und Braille-Schrift beizubringen. Neben ihnen treten zahlreiche Nebenfiguren auf, die die Handlung bereichern und verschiedene Handlungsstränge eröffnen.

Themen

Zentral verknüpft sind die Themen Blindheit, Düfte und die Kunst der Parfümherstellung. Durch Nunus außergewöhnliche Nase wird ein Strang eröffnet, der sich durch den gesamten Roman zieht und in allen drei großen Abschnitten eine Rolle spielt. Gleichzeitig geht es um Politik, Wirtschaft, kulturelle Begegnungen und die Stellung von Frauen im 19. Jahrhundert. Gerade letzteres hat mich stark bewegt: immer wieder werden uns die Grausamkeiten und Leiden vor Augen geführt, die Frauen und Mädchen ertragen mussten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Leben im Palast des Sultans. Wir erleben hautnah, wie das Zusammenleben mit mehreren Frauen im Harem, mit zahlreichen Halbgeschwistern und den ständigen politischen Spannungen funktioniert. Diese Strukturen sind geprägt von Nähe, Rivalität, Abhängigkeit und Machtkämpfen, was der Autorin sehr eindringlich gelingt.

Darüber hinaus zieht sich das Thema Religion wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wir begegnen Figuren, die im Christentum verwurzelt sind, andere wiederum leben im Islam, und auch Voodoo sowie afrikanische Glaubensvorstellungen rund um Ahnen, Natur und Götter haben ihren Platz. Das Buch bietet dadurch einen vielschichtigen Einblick in das religiöse Leben dieser Zeit. Besonders spannend fand ich, dass es nicht nur bei Beschreibungen bleibt, sondern die Figuren selbst immer wieder Fragen aufwerfen: Welcher Glaube ist der richtige? Wer ist der wahre Gott? Kann die Welt so grausam sein, wenn es wirklich einen Gott gibt, der alle Menschen beschützen soll?

Gerade diese Auseinandersetzungen, die sehr menschlich und nachvollziehbar dargestellt sind, haben mir als Atheistin überraschend gut gefallen. Ich habe die vielen verschiedenen Einblicke geschätzt, ohne dass eine Religion moralisch über die andere gestellt wird. Vielmehr zeigt die Autorin, wie sehr Glaubensvorstellungen das Leben prägen, aber auch, wie Figuren lernen müssen, miteinander zu leben, obwohl sie unterschiedliche Überzeugungen haben.

Orte und Atmosphäre

Wir bewegen uns in diesem Buch nicht nur auf Sansibar, sondern erleben auch andere Teile Afrikas und schließlich sogar Europa. Dadurch treffen ganz unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Lebensweisen aufeinander, was die Geschichte unglaublich reich und lebendig wirken lässt. Dieses Zusammenspiel aus Orten und Kulturen hat mir sehr gefallen, weil es das Gefühl verstärkt, wirklich eine weite, facettenreiche Reise zu unternehmen. Erst im Detail merkt man dann, wie sehr auch die Sprachen – Arabisch, Kisuaheli, Französisch und Englisch – miteinander verwoben sind. Das bereichert die Welt zwar, hat mir aber manchmal kleine Schwierigkeiten bereitet, weil einzelne Begriffe oder Anreden ungewohnt waren und ich manches nachgoogeln musste.

Perspektiven und Erzählweise

Der Roman ist in Abschnitte gegliedert, die jeweils bestimmte Figuren stärker in den Vordergrund stellen. So begleiten wir hauptsächlich Eve, Nunu und später auch Fanny. Am Ende kommt noch eine weitere Figur hinzu, die jedoch nur wenige Kapitel umfasst. Auch wenn sich der Fokus verschiebt, bleibt der Erzähler stets allwissend. Das bedeutet, dass wir neben den zentralen Handlungen auch Informationen über andere Orte oder Figuren erhalten. Diese Struktur fand ich grundsätzlich interessant, da sie Abwechslung bietet. Dennoch hatte ich im ersten Teil, besonders während der langen Einführung rund um Eve, Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Erst nach über hundert Seiten stellte sich dieses vertraute Gefühl ein, das ich schon aus Band eins kannte: das Mitfiebern, die Verbundenheit mit den Figuren und die Spannung, welche Konsequenzen ihre Handlungen nach sich ziehen würden.

Schreibstil und Lesefluss

Christina Reys Schreibstil zeichnet sich durch eine sehr bildhafte, detailreiche Sprache aus. Schon im ersten Band gefiel mir, wie ausführlich sie Landschaften, Orte oder auch die Atmosphäre beschreibt. Im zweiten Band hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese Beschreibungen etwas zurückgenommen wurden. Sie tauchen zwar immer noch auf, sind aber situationsbezogener eingebettet und nicht mehr ganz so dominant wie zuvor. Grundsätzlich gefällt mir diese Art des Erzählens sehr, da sie eine intensive Vorstellung der Welt ermöglicht. Allerdings wurde mein Lesefluss durch bestimmte stilistische Mittel gestört. Mehrfach unterbricht der Erzähler die Gegenwart mit Sätzen wie „Später wird Eve erfahren, dass …“ oder „Später erfuhr sie, dass …“. Solche Einschübe nahmen mir die Spannung und wirkten eher hemmend. Hinzu kommt, dass ich durch die Vielzahl an Figuren, Namen und politischen Verwicklungen gelegentlich den Überblick verlor und Passagen mehrfach lesen musste. Hier hätte ich mir ein Glossar gewünscht, um fremde Begriffe, Titel oder Anreden leichter nachschlagen zu können.

Handlung und Struktur

Die Handlung erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt, was dem Roman eine große zeitliche Weite verleiht. Dadurch wirkt die Entwicklung der Figuren authentisch, weil Beziehungen wachsen, Fehler begangen und korrigiert werden und das Leben nicht in wenigen Wochen erzählt, sondern über Jahre hinweg entfaltet wird. Der erste große Abschnitt gehört Eve. Wir begleiten sie von Liverpool bis nach Sansibar, lernen ihre Schülerin Nunu kennen und beobachten, wie sie sich auf die neue Kultur und die ungewohnte Umgebung einlässt. Danach rückt Nunu selbst stärker in den Mittelpunkt. Ihre Entwicklung vom neugierigen, etwas frechen Kind hin zur jungen Frau, die Fehler macht, daraus lernt und ihren eigenen Weg findet, war für mich einer der stärksten Teile des Romans. Im letzten großen Abschnitt begegnen wir Fanny, Eves Begleiterin. Leider verlor ich an diesem Übergang kurz den Anschluss an Eve, da ihre Geschichte kaum weitergeführt wurde, was ich etwas schade fand. Dennoch war es spannend, auch Fannys Perspektive genauer kennenzulernen.

Figuren

Die Figuren sind zahlreich und komplex. Besonders Eve hat mir als Einstieg sehr gefallen: eine junge Frau aus England, die zwischen den Kulturen steht, neugierig und doch unsicher, dabei stets bemüht, Nunu zu fördern. Nunu selbst ist eine außergewöhnliche Figur – blind, aber mit einem feinen Gespür für Düfte, das sie später in die Parfümherstellung führt. Ihre Entwicklung war nachvollziehbar und vielschichtig, nie übertrieben, sondern voller kleiner Rückschritte und Fortschritte, die sie lebendig wirken lassen. Fanny bildet schließlich einen Kontrast: eine Figur, die man anfangs eher im Hintergrund erlebt, die aber in ihrem eigenen Abschnitt an Tiefe gewinnt. Insgesamt gelingt es der Autorin, viele Charaktere lebendig zu gestalten, doch es war für mich stellenweise schwierig, bei all den Namen und Verwandtschaftsverhältnissen den Überblick zu behalten.

Emotionalität

Emotional hat mich das Buch sehr berührt, besonders in den Abschnitten, in denen das Leid der Figuren deutlich wurde. Die Fluchtsequenzen etwa waren voller Spannung, und mehr als einmal fühlte ich mich an den Nervenkitzel aus dem ersten Band erinnert. Gleichzeitig fand ich es schade, dass die Autorin fast ausschließlich negative Höhepunkte setzt. Schöne, positive Momente kamen nur vereinzelt vor, und erst im letzten Abschnitt erlebte ich wirklich rührende Szenen, die mich so bewegt haben, dass ich Tränen vergoss. Diese Stellen wirkten für mich aber zu kurz und kamen zu spät. Ich hätte mir gewünscht, dass das Gleichgewicht zwischen schmerzhaften und schönen Momenten etwas ausgewogener gewesen wäre, denn auch Glück kann eine Handlung vorantreiben und Figuren lebendig machen.

Schluss und Ende

Das Ende empfand ich als sehr abrupt. Nach so vielen Seiten voller Aufbau, Intrigen und Entwicklungen hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte zu schnell abgeschlossen wurde. Neue Figuren wurden eingeführt, die viel Potenzial gehabt hätten, erhielten aber kaum Raum. Besonders bedauerlich war, dass manche liebgewonnenen Charaktere nur noch im Nebensatz Erwähnung fanden, sodass ihre Schicksale nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdient hätten. Zwar gab es einen schönen Ausklang, doch der war für mich zu knapp und hinterließ das Gefühl, dass die Geschichte unausgezählt endete.

Fazit

Der Duft der fernen Insel ist ein groß angelegter Roman, der mich trotz einiger Schwächen beeindruckt hat. Er ist nicht so stark und rund wie der erste Band, doch Christina Rey gelingt es erneut, eine faszinierende Welt voller Figuren, Kulturen und Emotionen zu erschaffen. Besonders die lange Zeitspanne, die wir mit den Figuren verbringen, und die Themen rund um Düfte und Sinneswahrnehmung haben mir sehr gefallen. Kritikpunkte wie der holprige Einstieg, die vielen Namen ohne Glossar, die oft negative Gewichtung der Höhepunkte und das abrupte Ende haben mein Leseerlebnis etwas getrübt. Dennoch war es eine lohnenswerte, intensive Reise, die mich an vielen Stellen berührt hat. Wer sich auf die Länge und den detailreichen Erzählstil einlässt, wird mit einer spannenden, gefühlvollen Geschichte belohnt.

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