Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Havers:
Aktuelle politische Themen, spannend aufbereitet
Repair Club: Der Countdown läuft von Charles den Tex
Mit Spionagethrillern ist das so eine Sache. Wenn Könner wie John le Carré und oder Mick Herron am Werk sind, lese ich sie am liebsten in einem Rutsch, wirken sie realitätsfern und simpel konstruiert, fehlt mir meist der lange Atem, um bis zum Ende durchzuhalten. Glücklicherweise vereinen die Repair Club Bände des niederländischen Autors Charles den Tex das Beste aus den beiden Welten der obengenannten Autoren, nämlich den komplexen und kenntnisreichen Plot eines le Carré, garniert mit der beißenden Ironie Herrons, ohne dabei das politische Tagesgeschehen außen vor zu lassen.
Wie bereits im Vorgänger muss sich John Antink, Geheimagent im Ruhestand, auch in „Der Countdown läuft“, Band 2 der Repair Club Reihe, mit einem Ereignis aus seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Bei einem Reparatureinsatz des Clubs kommt ein ihm unbekannter Mann auf ihn zu, zeigt ihm das Foto einer Frauenleiche in einer Wüstenlandschaft und startet gleichzeitig einen Timer mit der Aufforderung, er möge das, was er sieht, reparieren, nämlich den Todesschützen ausfindig machen. Antink war damals dabei, kann sich aber beim besten Willen nur noch undeutlich an die Situation erinnern, hat diese ihn doch damals schwer traumatisiert. Aber wer ist der Unbekannten, der diese Forderung an ihn stellt? Und was ist sein Motiv? Aber die Uhr läuft, und so aktiviert Antink alte Kontakte, um dieses Rätsel innerhalb der ihm zugestandenen Zwei-Wochen-Frist zu lösen.
Ja, natürlich sind die Ereignisse in diesem Thriller fiktional, aber so oder so ähnlich sind mit Sicherheit zahlreiche afghanische Ortskräfte, die die internationalen ISAF Truppen unterstützten, nach Abzug der Truppen zu Tode gekommen oder müssen auch aktuell noch um ihr Leben fürchten, da der Westen, in diesem Fall die Niederlande, sich nicht für deren Schutz verantwortlich fühlten und fühlen.
Ein komplexer, spannender Agententhriller, der tief in der politischen Realität verankert ist, mit einem glaubhaften Plot und einem sympathischen Protagonisten, für den Moral kein Fremdwort ist. Lesen!
Band 3 der Reihe mit dem Titel “Der vergessene Spion“ erscheint Ende 05/2026.
Von der Eierspeis‘ bis zum Ribiselschaumkuchen
Wiener Küche von Susanne Zimmel
Kräftige Rindssuppe mit Frittaten, danach zarter Tafelspitz mit Kren und zum Abschluss Palatschinken mit Marillenmarmelade. Ein klassisches Sonntagsessen, wie es gerne in Wien auf den Tisch kommt.
Ihr liebt Österreich und seine Hauptstadt? Mögt ehrliche, bodenständige Gerichte, gerne auch mit einem unerwarteten Twist? Dann ist die Neuauflage von Susanne Zimmels „Wiener Küche“, genau das, was ihr sucht, denn hier findet ihr Hintergrund-Informationen zur kulinarischen Tradition und Wiener Lebensart und natürlich - wie es sich für ein Kochbuch gehört – auch die Rezepte für die Gerichte, die wir mit der Stadt der Fiaker und des Praters in Verbindung bringen und die die meisten von uns kennen.
Viele davon klassisch, aber auch das eine oder andere in der Rezeptur behutsam und stimmig angepasst.
Bei der Rezeptauswahl folgt die Autorin der klassischen Menü-Einteilung: Frühstück und Jause (knapp gehalten, mit Schwerpunkt Eierspeisen), Suppen (von der Rindssuppe bis zu den verschiedenen Einlagen), Hauptspeisen (vom Kalbstafelspitz bis zum Paprikahendl), Beilagen und Salate (alles über Knödel, Nockerl, Erdäpfel und Fisiolen, aber auch Zwetschken und Marillen) sowie Mehlspeisen und Süßes (Buchteln, Striezel und Strudel). Ergänzt wird dies mit höchst interessanten Informationen zu den kulturhistorischen Hintergründen der Zutaten, detaillierter Warenkunde sowie wunderschön illustrierten Impressionen der Donaumetropole.
Eine kulinarische Reise nach Wien und eine umfangreiche Rezeptsammlung, die keine Wünsche offenlässt. Präsentiert in hochwertiger Ausstattung, die alle Sinne anspricht und in keinem Kochbuch-Regal fehlen sollte.
Ein Kochbuch, das die Zeit überdauern wird
Ich lieb's von Alexander Herrmann
Seit vielen Jahren haben die Kochbücher von Alexander Herrmann ihren festen Platz in unseren Regalen (von ihm haben wir u.a. gelernt, wie man ein Steak auf den Punkt zubereitet).Ob es nun um „Geschmacksgeheimnisse“ oder „Weil’s einfach gesünder ist“, schlussendlich zählt auf dem Teller doch nur, und hier wird mir jede/r Hobbyköchin/Hobbykoch zustimmen, das Ergebnis bei der Frage nach dem Warum: „Weil’s einfach besser ist“.
Die Rezepte des fränkischen Sterne- und Fernsehkochs haben die Zeit überdauert, weil er seinem Credo treu geblieben ist, sich unsinnigen Trends verweigert und uns über die Jahre mit Rezepten versorgt hat, die Emotion, Perfektion und Persönlichkeit in sich vereinen.
„Ich lieb’s“ ist, fast könnte man schon plakativ sagen, die Quintessenz eines Kochlebens, findet man darin doch auch viele seiner „Heimatklassiker“ wieder (teilweise bereits in einem seiner anderen Kochbücher zu finden, was allerdings keinen Makel darstellt), deren Rezepte meist nur noch in Schulkochbüchern zu finden sind: Frikadellen und Frikassee in verschiedenen Variationen, Böfflamot und Oma Hertas Rindsrouladen. Jedes Rezept mit dem Herrmann‘schen Twist ganz gleich ob Zutaten oder Zubereitung, der das Endergebnis auf dem Teller zu etwas Besonderem macht.
Die 120 Lieblingsrezepte und Geschmacksgeheimnisse sind auf 251 Seiten in 7 Kapiteln verteilt und werden durch das alphabetisch geordnete, vierseitige Zutatenregister ergänzt, in dem gleichzeitig auch die dazugehörigen Rezepte zu finden sind: Salate & Tatar, Gemüse-Life-Hacks, Pasta & Risotto, Fisch & Ceviche, Geflügel & Fleisch, Fleischpflanzerl, Klopse & Schnitzel sowie Schokoladig & Süß. Dazu kommen jede Menge Tipps für Geschmacksgeheimnisse und Kitchenhacks, die für die Geling-Garantie sorgen. Bebildert sind die Rezepte mit ansprechenden Fotos, die einem schon allein beim Anschauen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Die Zutaten sind, mit Ausnahme der Fische, in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich, der Zeitaufwand ist bei den meisten Rezepten überschaubar, setzt aber bei einigen ein gewisses Maß an Küchen-/Kocherfahrung voraus.
Ein Kochbuch, das die Zeit überdauern wird. Nachdrücklich sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen empfohlen
Zum passenden Zeitpunkt erschienen
Minnesota von Jo Nesbø
Jo Nesbøs Harry Hole ist Geschichte, sein Nachfolger wird Bob Oz (zumindest darf man das vermuten). Und natürlich wird auch Jo Nesbøs neues Buch als Kriminalroman vermarktet – nichts anderes erwarten die Leser von diesem Autor – aber „Minnesota“ ist mehr.
Der Autor nimmt uns mit nach Minneapolis, diese Metropole, die aktuell in sämtlichen Medien präsent ist, da einmal mehr Beamte der ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) ihre Waffen nicht stecken lassen konnten und mit ihren schnellen Fingern am Abzug das Leben eines Menschen ausgelöscht haben.
Ihr Name war Renee Nicole Good, und sie tat nichts, was diesen Todesschuss gerechtfertigt hätte. Ähnlich wie 2020 George Floyd, der damals bei einem Einsatz der City Police getötet wurde und an den Jo Nesbø hier erinnert.
Was muss ein Mensch erlebt haben, damit alle Dämme reißen, blind vor Wut Waffen eingesetzt um seine Rache zu bekommen? Kann es daran liegen, dass die Gewalt auch von offiziellen Stellen geduldet und von mächtigen Organisationen gefördert wird?
Diese Frage bestimmt in diesem Kriminalroman über weite Strecken die Handlung, nicht zuletzt durch die drei Akteure, deren Wege sich in der Dunkelheit der Stadt kreuzen: Bob Oz, der alkoholabhängige Detective auf der Suche, der den Unfalltod seiner kleinen Tochter bis heute nicht verkraftet hat und von seiner Frau verlassen wurde. Typ einsamer Wolf, traumatisiert, wütend und vom Dienst suspendiert. Ein Shooter, Typ einsamer Rächer, der seit Jahren sein Unwesen in der Stadt treibt und dessen nächstes Ziel der Bürgermeister ist. Ein Autor auf der Suche nach Oz, der in eine geschundene Stadt kommt, um Recherchearbeit für sein Buch zu betreiben und kaum glauben kann, was er sieht.
Nesbø erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen aus wechselnden Perspektiven und legt nicht nur Stück für Stück die Motivation seiner Protagonisten offen, sondern zeigt uns auch eine Metropole mit all ihren Schattenseiten, die insbesondere, aber nicht nur, in der Nacht zutage treten. Ein düstere Portrait, in dem die Schwärze aus jeder Seite dringt. Sehr gut gelungen und genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen.
Historie light
Lebensbande von Mechtild Borrmann
Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben und Leiden dreier Frauen - Lene, Lieselotte und Nora - teilhaben. Verbindendes Element sind hier die Tagebuch-Aufzeichnungen der ehemaligen Krankenschwester Nora.
Und ja, da Borrmann das Buch für die weibliche Leserschaft geschrieben hat (man schaue sich nur das misslungene Cover an), darf natürlich auch eine zarte Lovestory nicht fehlen.
Im Zentrum stehen jedoch Lene und deren Sohn Leo, der nach Komplikationen bei der Geburt gehandicapt ist, bei Schuleintritt auf den Radar des NS-Regimes gerät und mit dem Stempel „unwertes Leben“ und „Reichsausschusskind“ versehen wird. Und wie mit diesen Kindern verfahren wurde, sollte uns allen bekannt sein. Zusätzlich zur Euthanasie packt die Autorin aber auch noch Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, Einmarsch der Russen, Vergewaltigung, Verschleppung gen Osten in einen Gulag etc. in ihre Geschichte ein.
Allerdings werden die meisten dieser Themen nur en passant und mit abgeschliffenen Kanten angerissen. Das große Mank dieses Romans. Alles sehr oberflächlich, weichgespült und leicht lesbar. Aber wahrscheinlich war das die Intention der Autorin, um Schockeffekte für die Leserschaft zu vermeiden. Was allerdings auffallend ist, im persönlichen Umfeld der Protagonistinnen gab es keine Sympathisanten, keine Mitläufer, keine Funktionsträger, keinerlei Anhänger der NS-Ideologie. Sehr verwunderlich.
Eigentlich reicht es schon, wenn man nur den Klappentext liest, denn der Roman hat kaum mehr als diese Zusammenfassung zu bieten, ist nicht mehr als Historie light, und konnte meine Erwartungen noch nicht einmal in Ansätzen erfüllen. Sehr enttäuschend.
Jackson und die Joes
Bad Actors von Mick Herron
Es gibt nur wenige Reihen aus dem Krimi-/Thrillerbereich, deren Bücher ich ein zweites oder drittes Mal in die Hand nehme. Zwei Autoren gibt es aber, die mich zur Wiederholungstäterin machen: Alan Parks mit der im Glasgow der 70er Jahre verortete Harry McCoy-Reihe und Mick Herron, dessen Einzelbände um die abgeschobenen MI5-Agenten ich ausnahmslos mehrfach lese, um im zweiten, dritten oder vierten Durchgang in den beiläufig hingeworfenen Sätzen dessen geistreiche und immer zutreffende Kommentare zur politischen Gegenwart Großbritanniens zu genießen.
Insbesondere dann, wenn man Spionageromane nicht mag, ist es schon allein deshalb einen Versuch wert.
Nun also „Bad Actors“ (Bd. 8), und wer damit gemeint ist, wird sich im Lauf der Handlung herausstellen. Im Haifischbecken tummeln sich die altbekannten Akteure: Ein unfähiger Premier, Geheimdienstchefin Diana Taverner sowie Jackson Lamb und seine Slow Horses. Ergänzt wird dieses Personentableau durch Claude Wheelan (Taverners Vorgänger auf dem Chefposten), den mehr als zwielichtigen Sonderberater und Strippenzieher des Premiers, einen Neuzugang im Slough House sowie der spurlos verschwundenen Schweizerin aus dem politischen Thinktank des Premiers, mit deren Auffinden Wheelan beauftragt wird. Als ein Red-Queen-Alarm ausgelöst wird, der den Kopf der „Königin“ fordert, eskaliert die Situation. Die einzigen, die jetzt noch helfen können, sind Lamb und die Slow Horses. Aber wehe, jemand vergreift sich an ihnen, denn auch wenn es scheint, als ob Lamb nicht viel von ihnen halten würde, sind sie doch seine „Joes“. Und deshalb sollte man sich tunlichst nicht mit Lamb anlegen.
Die Slow Horses-Reihe und so auch „Bad Actor“ lebt von ihren schrägen Charakteren, den bissigen Dialogen, dem schwarzer Humor und den punktgenauen Analysen der britischen Gegenwartspolitik. Das alles sprachlich on top und hervorragen übersetzt von Stefanie Schäfer. Wer allerdings knallharte Action sucht, wird enttäuscht sein, denn die Story ist vielschichtig und verzwickt, entwickelt sich langsam und braucht ihre Zeit, bis sämtliche Informationen in ihrer Komplexität verbunden sind – was übrigens für alle Bände der Reihe gilt, die ich euch uneingeschränkt empfehlen kann.
Als Einstieg ist meiner Meinung dieser Band allerdings meiner Meinung nach nicht geeignet, fehlen doch sehr viele Hintergrundinformationen/Vorgeschichten sowohl zu den Personen als auch zu einschneidenden Geschehnissen aus den Vorgängern.
Hohe Erwartungen...leider nicht erfüllt
Down Cemetery Road von Mick Herron
Als „Die Hard Fan“ der auf das Abstellgleis Slough House verfrachteten „Slow Horses“ habe ich mich sehr auf „Down Cemetery Road“ gefreut, dabei aber leider außer Acht gelassen, dass dies der allererste Roman von Mick Herron war.
Im Vergleich schneidet dieser Reihenauftakt wesentlich schlechter ab, was definitiv dem gesamten Aufbau geschuldet ist.
Und wenn wir schon dabei sind, angeblich ermittelt, so man dem Untertitel Glauben schenken kann, Zoë Boehm in Oxford. Leider ist von der besonderen Atmosphäre dieser alten Universitätsstadt genauso wenig zu spüren wie von der Gegenwart der genannten Ermittlerin, die erstmalig im letzten Viertel des Romans aktiv ins Geschehen eingreift.
Der Großteil der Handlung kreist um Sarah Tucker, Teilzeit-Restauratorin und Hausfrau, die mit ihrem ereignislosen Leben höchst unzufrieden ist. Das ändert sich, als bei einer Dinner-Einladung das Nachbarhaus explodiert. Einzig das Kleinkind mit den gelben Gummistiefeln überlebt, wird aber in der offiziellen Berichterstattung nicht mehr erwähnt. Ein Umstand, der nicht nur Sarahs Misstrauen weckt, sondern auch dazu führt, dass sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den Verbleib des Kindes herausfinden möchte. Die Behörden geben keine Auskunft, die Nachforschungen des von ihr beauftragten Privatdetektivs führen zu dessen Tod. Und seine Gattin, besagte Zoë Boehm, hat außer flapsigen Bemerkungen auch herzlich wenig zur Klärung beizutragen. Unterstützung erhält Sarah Tucker durch einen vom Tod gezeichneten Ex-Militär, dessen schockierende Informationen Hinweise darauf geben, worum es in diesem Fall eigentlich geht. Und die zahlreichen bösen Buben, die auf der Payroll der Regierung stehen und unmittelbar darauf die Bühne betreten, wollen und sollen mit aller Macht verhindern, dass die Schweinereien der Regierung ans Licht kommen. Auch wenn das die Leben von Unbeteiligten kostet.
Sarah Tucker wirkt unglaubwürdig, ist nervig und agiert planlos, stolpert ohne Sinn und Verstand durch eine Handlung, die sich über weite Strecken im Kreis dreht und mit Nebensächlichkeiten und ständigem Hin und Her künstlich aufgebläht wird. Und das ändert sich auch kaum, als endlich Zoë Boehm, eine zutiefst unsympathische Person, ins Geschehen eingreift. Qualifikation für den Job? Keine. Und der Showdown? Ach ja, da war doch was. Konnte aber auch nicht überzeugen.
Natürlich darf man die Erwartungen bei einem Debüt nicht zu hoch schrauben, wer aber hofft, zumindest ansatzweise eine gut geplottete Story in der Qualität der Slough House-Reihe zu bekommen, wird enttäuscht sein, denn nur in ganz wenigen Passagen blitzt der Herron‘sche Sarkasmus auf, der diese Reihe so lesenswert macht.
Vea Kaiser in Höchstform
Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels von Vea Kaiser
In ihrem neuen Roman „Fabula Rasa“ hat sich Vea Kaiser, die wir aus ihrem mit Augenzwinkern erzählten Romanen Blasmusikpop, Rückwärtswalzer etc. kennen, von einem realen Kriminalfall inspirieren lassen. Und auch hier bietet sie wieder sämtliche Klischees auf, die einem in den Sinn kommen, wenn man sich das Wien der Haute Volée vorstellt, wobei aber auch die Beschreibungen der „normalen“ Gegenden in ihrer Direktheit Kennern der österreichischen Hauptstadt das eine oder andere Schmunzeln entlocken.
Angelika, die alleinerziehende, in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Protagonistin, ist Buchhalterin in einem der ersten Hotels am Platz (es ist zu vermuten, dass es sich um jenes Haus handelt, das durch seine besondere Torte jedem bekannt ist) und kann dreißig Jahre relativ unbehelligt ihr System etablieren, mit dessen Hilfe es ihr gelingt, ihren Arbeitgeber um eine siebenstellige Summe zu erleichtern. Chapeau!
Aber Vea Kaiser belässt es nicht bei der Beschreibung von Angelikas Schummeleien, die eigentlich nur den Rahmen für eine große Erzählung bilden, die neben den Alltagsprobleme ihrer Protagonistin auch gesellschaftlich brisante Themen aufgreift und ausleuchtet. Das alles macht sie so, wie wir aus ihren Vorgängern kennen. Emotional, äußerst sympathisch, gepaart mit dem Wiener Schmäh, der nie besser als hier gepasst hat. Und ja, eigentlich wünscht man Angelika, dass sie davonkommt. Hat wohl aber nicht sein sollen.









