Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Karina :
Grausam schönes Meer
Unter Wasser von Tara Menon
Wow - genau deshalb liebe ich das Lesen. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und es hat mich völlig mitgerissen und erst wieder losgelassen, als ich die letzte Seite beendet hatte.
Wir befinden uns im Jahr 2012: Marissa streift durch ein New York, das sich auf einen drohenden Hurrikan vorbereitet.
Überall Warnungen - doch sie ist wie so oft in Gedanken versunken. Gedanken, die sie zurückführen zu ihrer Freundschaft mit Arielle, die am 26. Dezember 2004 in Phuket ihr tragisches Ende findet. Die meisten wissen, welches verheerende Ereignis sich hinter diesem Datum verbirgt. Der fürchterliche Tsunami, der so vielen Menschen das Leben nahm.
So schwer dieses Thema auch ist - es dominiert den Roman nicht. Im Gegenteil: Ein Großteil der Geschichte ist von einer beinahe greifbaren Leichtigkeit getragen. Man spürt die Sonne Thailands auf der Haut, taucht mit Arielle und Marissa ins Meer ein und erlebt ihre Freundschaft in all ihren Facetten - intensiv, lebendig und zutiefst berührend.
Mit 'Unter Wasser' ist Tara Menon ein vielschichtiger Roman gelungen, der große Emotionen einfängt, ohne je überladen zu wirken. Die Balance zwischen Schönheit und Schmerz ist fein abgestimmt und wirkt lange nach.
Wer Geschichte über Freundschaft, das Meer und die Tiefe menschlicher Verbindungen liebt - und auch vor melancholischen Momenten nicht zurückschreckt - sollte dieses Buch unbedingt lesen. Absolute Empfehlung.
Drei schräge Vögel für Leo
Pina fällt aus von Vera Zischke
Ich habe mich riesig gefreut, als der neue Roman von Vera Zischke angekündigt wurde - 'Ava liebt noch' hat mir damals schon so gut gefallen, und auch die sympathische Art der Autorin mag ich sehr.
Und was soll ich sagen: Ich reihe mich definitiv in die begeisterten Stimmen zu 'Pina fällt aus' ein.
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Die Geschichte dürfte vielen bekannt sein: Der autistische Leo lebt mit seiner Mutter Pina in der Hansastraße 20 - in seiner ganz eigenen, gut strukturierten Welt. Die beiden sind ein eingespieltes Team, und Pina weiß genau, was Leo braucht, damit es ihm gut geht. Doch wie so oft bei pflegenden Angehörigen bleibt sie selbst dabei auf der Strecke ... bis es zum großen Knall kommt und Pina plötzlich ausfällt.
Auf einmal sind es die so unterschiedlichen Nachbarn, die einspringen:
Inge, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und eigentlich nur noch auf das Ende wartet.
Zola, wütend, sechzehn und auf der Suche nach sich selbst.
Wojtek, eigenbrötlerisch, verliebt und meist alleine vor seinem PC.
Es läuft nicht alles glatt - ganz im Gegenteil. Aber genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: im echten, manchmal unbeholfenen, aber ehrlichen Zusammenhalt. Und am Ende profitieren alle voneinander.
Und dann ist da noch Sam, der Intensivpfleger - mein heimlicher Lieblingscharakter. ????????
Ein wunderbar geschriebener Roman: unterhaltsam, witzig, schonungslos und ehrlich. Er zeigt, was passieren kann, wenn die Kraft nicht mehr reicht und kein stabiles Netz auffängt. Und er macht auch schmerzhaft klar, dass es eben nicht oft eine "Hansastraße 20" gibt ...
Es gäbe so viele kluge und schöne Zitate, die ich hier teilen können - aber ehrlich: Lest das Buch einfach selbst, es lohnt sich. ????
Familiengeheimnisse
Real Americans von Rachel Khong
Es gab ja schon recht viele Vorschusslorbeeren für diesen #deutschlandliesteinbuch Roman. Aber was soll ich Euch sagen - es ist schon ein echtes Stück Leseglück. ????
'Real Americans' von Rachel Khong ist in drei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen hinweg - voller Sehnsucht, unausgesprochener Wahrheiten und Entscheidungen, die noch lange nachwirken.
Im ersten Abschnitt begleiten wir Lily Chen, die Tochter chinesischer Einwanderer. Sie wächst zwischen zwei Kulturen auf und merkt früh, dass sie in beiden nie ganz zu Hause ist. Für die Chinesen ist sie zu amerikanisch umd für die Amerikaner zu chinesisch. Erst als sie Matthew kennenlernt, hat sie das Gefühl, wirklich gesehen und geliebt zu werden.
Der zweiten Teil gehört ihrem Sohn Nick. Sein Vater spielt in seinem Leben keine Rolle mehr, und damit fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte. Äußerlich sieht er seinem Vater ähnlich und wirkt kaum chinesisch - doch auch er spürt immer wieder dieses Dazwischen, dieses Gefühl, nirgends ganz hineinzupassen. Und Lilys Schweigen über die Vergangenheit schafft eine Distanz zwischen Mutter und Sohn, die beim Lesen wirklich wehgetan hat.
Im dritten Teil lernen wir schließlich Mai kennen - Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Ihre Geschichte bringt viele der verborgenen Wahrheiten ans Licht. Trotzdem blieb sie für mich die Figur, zu der ich am wenigsten Zugang gefunden habe. Wahrscheinlich weil sie mir einfach nicht sympathisch ist und ich einige ihrer Handlungen nicht gutheißen kann.
Und doch: Gerade diese Familiengeschichte, die von Geheimnissen, Erwartungen und Identität geprägt ist, hat mich gefesselt. Nach und nach setzt sich das große Ganze zusammen - und genau das hat diesen Roman für mich so besonders gemacht.
Ich hatte eine richtig gute Zeit mit diesem Buch und kann es euch sehr empfehlen.
Wenn die Worte fehlten
Moosland von Katrin Zipse
Kleine Info vorneweg: Ich konnte wirklich sofort ganz tief in diesen tollen Roman eintauchen und war richtig traurig als er zu Ende war.
Wir befinden uns im Jahr 1949, in der Nachkriegszeit. Überall herrscht Mangel. Auch in Island fehlen Arbeitskräfte auf den Höfen - und potenzielle Ehefrauen. Viele Frauen sind nach den Krieg mit amerikanischen Soldaten fortgegangen.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde ein Aufruf gestartet: Deutsche Frauen sollten nach Island kommen, um dort ein neues Leben zu beginnen. So machten sich knapp 300 von ihnen auf den Weg - mit Hoffnung im Gepäck, aber auch mit Trauer, Verlust und großen inneren Wunden.
Auch unsere Protagonistin Elsa gehört zu ihnen. Sie ist schwer traumatisiert, voller Hoffnungslosigkeit und zunächst kaum in der Lage zu sprechen. Selbst einfache Worte fallen ihr schwer, und es dauert lange, bis sie ihre eigene Stimme - und gleichzeitig eine fremde Sprache - (wieder)findet.
Besonders mochte ich die Bauernfamilie, bei der Elsa schließlich unterkommt: den ruppigen Bauern und seine Frau, ihre beiden erwachsenen Söhne, eine verschwundene Tochter - und meine absolute Lieblingsfigur, den Knecht Halldór.
Diese Menschen rau, direkt und sehr echt. Genau wie die Natur Islands selbst: wunderschön, aber auch unerbittlich.
An 'Moosland' von Katrin Zipse habe ich vieles geliebt: die bildhaften Naturbeschreibungen, die eingewobenen isländischen Wörter und diesen kleinen sprachlichen Clou rund um die Namen der Isländer (der sich im Laufe der Geschichte entfaltet). Besonders berührt hat mich auch die leise, vorsichtige Annäherung zwischen den Figuren und die sensible Art, wie Elsas Verhalten und Entwicklung beschrieben werden.
Ein kleines bisschen mehr Hintergrund zu ihrem Erlebnis mit Sola hätte ich mir gewünscht - das wird nur angerissen. Außerdem endet die Geschichte für meinen Geschmack etwas abrupt. Ich hätte wirklich gerne noch weitergelesen.
Wie ihr vermutlich schon rauslesen konntet: Mir hat dieses atmosphärische Buch sehr gut gefallen und daher gibt es eine ganz, ganz große Leseempfehlung meinerseits. ????
Was ist Heimat
Trag das Feuer weiter von Leïla Slimani
Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass es sich um den dritten Band handelt. Deshalb habe ich zuvor die beiden ersten Teile, 'Das Land der Anderen' und anschließend 'Schaut, wie wir tanzen' als Hörbuch gehört - und das war genau die richtige Entscheidung.
Die gesamte Familiengeschichte zu kennen, verleiht dem dritten Band noch einmal eine ganz andere Tiefe und ein intensiveres Verständnis für die Figuren.
Leïla Slimani beginnt ihre marrokanisch-französischen Familienchronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die abenteuerlustige und leidenschaftlich Elsässerin Mathilde verliebt sich in den marrokanischen Offizier Amine und folgt ihm in seine Heimat. Dort ist sie die Fremde - konfrontiert mit einer anderen Mentalität, schwierigen Lebensumständen und einem traditionellen Frauenbild, mit dem sie erst umgehen lernen muss. Ich mochte Mathilde sehr: sie ist stark, lebensfroh und unangepasst. Bis zum Ende der Trilogie bleibt sie meine absolute Lieblingsfigur.
Der zweite Band spielt in den 1960er- und 1970er- Jahren. Wir begleiten Aïcha, die Tochter von Mathilde und Amine, nach ihrem Medizinstudium: wie sie lebt, liebt und und sich beruflich Respekt verschafft. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein eindrucksvolles Bild des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Marroko. Aïchas Bruder Selim hingegen zerbricht am Druck seines Vaters und an den Erwartungen, die auf ihm lasten - auch das wird sehr bewegend geschildert.
Im dritten Teil treten Mathilde und Amine leider etwas in den Hintergrund, was ich persönlich schade fand, ohne das es die Qualität des Romans mindert. Nun steht die dritte Generation im Mittelpunkt: Aïchas und Mehdis Töchter Mia und Inès Ringen mit ihren eigenen Herausforderungen. Vieles ähnelt den Konflikten der vorherigen Generationen - und ist doch ganz anders. Auch diese jungen Frauen haben mein Herz erobert. Ebenso Selma, Amines Schwester: Als schönes, aber eingeengtes junges Mädchen geboren, kämpft sie unbeirrbar für ihre Unabhängigkeit. Trotz schwerer Schicksalsschläge bleibt sie aufmüpfig und stark.
Die Trilogie basiert auf der eigenen Familiengeschichte Slimanis, was den Romanen eine besondere Authentizität verleiht. Alles wirkt glaubwürdig und lebendig, die Figuren erscheinen nahbar und echt. Zudem ist die kulturelle Dimension äußerst spannend und bereichernd. Ich habe alle drei Bände sehr genossen.
Hervorragend gesprochen von Wiebke Puls, sensibel und flüssig übersetzt von Amelie Thoma - und großartig geschrieben von Leïla Slimani.
Zwischen Mutterschaft und Kinderwunsch
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt von Dita Zipfel
Wow, was für eine rasante Geschichte. Mein Fazit vorweg: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.
Ein Urlaub, zwei Paare und vier völlig unterschiedliche Charaktere - das ist von Beginn an perfekter Stoff für eine explosive Handlung. Da sind Eva und Felix: Er ist erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst, sie jung, schön und fruchtbar.
Dem gegenüber stehen Linn und Matze: Er ist freundlich, angepasst und Felix' bester Freund, sie unangepasst und unfruchtbar.
Linn steckt mitten in einer Kinderwunschbehandlung, und ich fand es großartig - und wichtig -, so eindrücklich zu erleben, wie belastend und fordernd dieser Prozess für Körper und Seele sein kann.
Während des gemeinsamen Urlaubs wird Linn ständig mit der jungen Zweifachmutter Eva konfrontiert und ist zugleich fasziniert von ihr. Als Evas perfekte Fassade zu bröckeln beginnt und eine überforderte junge Frau zum Vorschein kommt, die alles andere als makellos ist, entwickelt sich zwischen den beiden eine besondere Verbundenheit. Die Männer hingegen nehmen von den emotionalen Spannungen zwischen den Frauen kaum etwas wahr. Sie sind seit jeher beste Freunde, und jeder kennt seinen festen Platz in dieser Beziehung: Felix gibt den Ton an, Matze folgt. In einem Rückblick erfahren wir, dass sich dieses Machtgefüge einst einmal verschoben hatte - ein Aspekt, den ich sehr spannend fand. Insgesamt stehen die beiden Männer jedoch weniger im Mittelpunkt der Geschichte.
Der Roman lebt vor allem von Eva und Linn. Ich mochte beide Figuren sehr und hatte beim Lesen mehr als einmal einen Kloß im Hals. Die Themen Mutterschaft, gewollte und ungewollte Schwangerschaft sowie das Spannungsfeld zwischen "zu viel" und "zu wenig" Muttersein stehen im Zentrum - ungeschönte, ehrliche und berührend erzählt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.
'Es ist hell und draußen dreht sich die Welt' von Dita Zipfel hat mich wirklich überzeugt. Erwähnen möchte ich auch die Reinigungskraft der Anlage: An ihr zeigt sich eindrucksvoll der Unterschied zwischen bloßem Sich-wichtig-Machen und echter Macht - eine sehr gelungene Idee.
Mein einziger Kritikpunkt betrifft das Ende. Dort geschieht etwas, das ich bis heute nicht ganz einordnen kann; der Zusammenhang zur restlichen Geschichte blieb mir unklar. Trotzdem war der Roman zuvor so stark, dass ich ihn uneingeschränkt empfehlen möchte. Greift zu - es ist ein wirklich lesenswertes Buch.
Sprachlos
Jahre ohne Sprache von Ann Esswein
Viele kluge und zugleich wütende Worte für eine Tat, die sprachlos macht - genau damit konfrontiert uns 'Jahre ohne Sprache' von Ann Esswein. Und plötzlich werden Worte gefunden. Worte, von denen jede*r weiß, wie lebenswichtig sie sind.
Wir begleiten Nao, in einem früheren Leben Natascha, auf ihrem Weg aus einer erdrückende Sprachlosigkeit.
Ihre neu gewählte Familie trägt sie dabei - Menschen, die ein unkonventionelles Leben führen, jenseits von Regeln, Mietverträgen, Geschlechterrollen und Hierarchien. Hier sind alle gleich, und doch verarbeitet jede*r seine Vergangenheit auf so unterschiedliche Art und Weise.
Nao erinnert sich nur an eine Hand. An die Hand, die Dinge mit ihr tat, die sie nicht wollte, die Grenzen überschritt. Und an ihren besten Freund Luki - sowie an die unbegreifliche Entfremdung nach jenem Abend.
Ann Esswein lädt uns tief in Naos Gedankenwelt ein und lässt dabei bewusst Raum für eigene Empfindungen und Interpretationen. In Flashbacks erfahren wir Stück für Stück von dem Leben einer jungen Frau, der über Jahre hinweg die Worte fehlten - einer Frau, die von gesellschaftlichen Mechanismen zum Verstummen gebracht wurde.
Ich konnte und wollte dieses Buch kaum aus der Hand legen.
Ich empfehle euch: Lest diesen ruhigen und zugleich enorm bedeutungsschweren Roman - und lasst ihn auf euch wirken.
Gesehen werden
Half His Age von Jennette McCurdy
Oha - das nenne ich einen unangenehmen Coming-of-Age-Roman.
Man kann sich ja grob vorstellen, in welche Richtung diese Geschichte geht, und auch das Cover gibt einen deutlichen Vorgeschmack auf ihre Kompromisslosigkeit. Genau so fühlt sich das Lesen an: wütend, lustig, traurig und heftig zugleich.
Es zieht einen in diesen atemlosen Lesestrudel, aus dem man einfach nicht mehr herauskommt. Ich habe 'Half His Age' von Jennette McCurdy innerhalb von 24 Stunden verschlungen.
Zum Inhalt selbst gibt es gar nicht so viel zu erzählen: Die 17-jährige Schülerin Waldo entwickelt eine obsessive Fixierung auf ihren Lehrer für kreatives Schreiben, Mr. Korgy. Er weckt in ihr ein Begehren, das sie selbst kaum begreifen kann. Vielleicht ist es seine anfängliche Offenheit, diese beinahe spießige Normalität oder seine vermeintliche Weisheit eines erwachsenen Menschen - all das, was Waldo in ihrem eigenen Umfeld schmerzlich vermisst. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Beziehung zu ihrer Mutter, ein Handlungsstrang, der mich stellenweise sogar noch stärker gefesselt hat als die zentrale Dynamik.
McCurdy erfindet mit dieser Geschichte das Rad sicherlich nicht neu, und doch hält sie einen als Leser*in unnachgiebig fest. Vor allem Waldo selbst lässt einen nicht los: Sie ist vielleicht nicht das typische Opfer, aber trotz allem ist sie eine junge Frau, gefangen im misogynen Machtgefälle - die einfach nur gesehen werden möchte und die ihre innere Leere mit überbordendem Massenkonsum kompensiert.
Wie bereits erwähnt: Erzählerisch wird hier nichts revolutionär Neues geboten. Doch der Schreibstil hat mich derart gefesselt, dass ich diesen Roman eine klare Leseempfehlung aussprechen kann.
Fluch und Segen
Das Dreizehnte Kind von Erin A. Craig
'Das dreizehnte Kind' von Erin A. Craig ist schon optisch eine Highlight. Das Cover ist ein echter Hingucker - und das Besondere: Der Einband unter dem Schutzumschlag ist sogar noch schöner. Solche Details liebe ich einfach. ????
Die Protagonistin Hazel hat ein bewegtes Leben. In Armut geboren, als das titelgebende dreizehnte Kind, wird sie mit Missachtung gestraft und wartet Jahr um Jahr sehnsüchtig auf ihren ihr noch gänzlich unbekannten Paten.
Der Pate ist niemand Geringeres als der Gott des Todes. Besonders schön fand ich, dass er nicht diese furchteinflößende Gestalt ist, die man erwarten würde, sondern ein kluger, einfühlsamer Gott, der Hazel mit Respekt begegnet.
Hazel hat als dreizehntes Kind eine besondere Gabe - das Heilen - und diese Gabe ist Fluch und Segen zugleich.
Als der König schwer erkrankt und sie an den Hof gerufen wird, um ihn zu retten, stellt sich ihr Leben völlig auf den Kopf.
Dies ist ein schöner Fantasyroman mit düsteren Elementen und einer tollen Geschichte. Am liebsten mochte ich die anfängliche Erzählung der kleinen Hazel, und wie sehr habe ich mitgefiebert, dass sie endlich aus diesem lieblosen Elternhaus geholt wird. Ihre Entwicklung zur großen Heilerin hätte von mir aus gerne länger erzählt werden können und dafür etwas weniger von dem Leben auf dem königlichen Hof. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Dafür fand ich das Ende wieder ganz großartig.
Ich hatte eine wirklich tolle Lesezeit mit Hazel. Die Geschichte ist durchdacht, die Figuren sind lebendig und interessant und der Schreibstil ist angenehm flüssig.
Ich empfehle dieses Buch allen, die Fantasy mit sanft düsteren Untertönen lieben.
Was damals geschah
Himmelerdenblau von Romy Hausmann
Das war tatsächlich mein erstes Buch von Romy Hausmann - und ich wurde nicht enttäuscht.
Zwar mag ich es bei Thrillern normalerweise etwas härter, doch 'Himmelerdenblau' überzeugt mit einer anderen, dafür umso raffinierteren und durchdachten Geschichte. Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Autorin komplett gepackt.
Die beiden True-Crime-Podcaster Liv und Phil rollen in ihrer Show einen alten Entführungsfall neu auf - und bringen damit mehr ins Rollen, als ihnen lieb ist. Gemeinsam mit Theo, dem mittlerweile dementen Vater der vor Jahren verschwundenen Julie, versuchen sie herauszufinden, was in jener Nacht wirklich geschehen ist.
Lebt Julie noch? Ist sie vielleicht freiwillig verschwunden? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
Der Fall ist spannend aufgebaut, und ich wusste bis zum Schluss nicht, welche Wahrheit sich dahinter verbirgt. Einige Nebenstränge fand ich ebenfalls interessant, doch am meisten berührt hat mich alles rund um Theo und seine Demenzerkrankung.
Romy Hausmann hat diesen Aspekt unglaublich authentisch und feinfühlig umgesetzt - das war sicherlich keine einfach Aufgabe, aber sie ist ihr großartig gelungen.
Man fiebert bis zum Ende mit und hofft, dass Theo das Schicksal seiner Tochter noch in einem halbwegs Moment Zustand aufklären kann. Trotz kleiner Längen gegen Ende ist 'Himmelerdenblau' ein unblutiger, aber durchweg fesselnder Thriller, der sich sehr angenehm lesen lässt.
Mein Fazit: Eine kluge, emotional berührende und spannend erzählte Geschichte - durchaus empfehlenswert.











