Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Amena25:
Zu wenig spannend
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri
Die ehemalige Polizistin Colomba Caselli arbeitet nun als Privatdetektivin. Zusammen mit ihrem Partner Dante Torre ermittelt sie in einem merkwürdigen Fall. Der superreiche Ex-Fußballstar Jesús Martínez wird tot in einer Kryosauna aufgefunden. Ein technischer Defekt ist eher unwahrscheinlich, da Martinez die Geräte selbst entwickelt hat.
Als es weitere Opfer unter den Superreichen gibt und im Netz der Slogan „Tötet die Reichen“ die Runde macht, suchen Caselli und Torre nach jemandem, der auf tödliche Rache aus ist.
Die Welt der Mächtigen und Superreichen, die für ihren Reichtum und ihren Einfluss aber den hohen Preis der allgegenwärtigen Überwachung durch Leibwächter und Technik bezahlen müssen, wirkt etwas futuristisch und dystopisch.
Mit den Hauptfiguren Caselli und Torre wurde ich nicht so recht warm. Dafür ist ihr Verhältnis als ehemalige Lebenspartner und jetzt nur noch berufliche Partner zu befremdlich. Auch wird die Spannung häufig durch ausführliche Reflexionen ausgebremst, die zwar gesellschaftskritisch interessant sind, aber die Handlung nicht vorantreiben.
Durchaus lesenswert, aber für Krimi- und Thrillerfans zu wenig spannend.
Spannender Start in eine neue Reihe
Schlafende Vulkane von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
In einem Reitstall in Reykjavik wird eine junge Frau tot aufgefunden. Sie ist nackt und wurde offenbar vergewaltigt. Für Helga Jónsdóttir ist es die erste Ermittlung, da sie erst kürzlich zum Dezernat für Gewaltverbrechen gewechselt hat. Schnell stellt sich heraus, dass die ermordete Frau einen 10-jährigen Sohn hat, der vor dem Mörder aber vermutlich durch ein kleines Fenster aus dem Haus geflüchtet ist.
Nun fehlt von ihm jede Spur. Helga wird der ehemalige Ermittler Bjarki zur Seite gestellt, der sich in der isländischen Wildnis wie kein anderer auskennt. Auf die noch unsichere Helga wirkt Bjarki wie ein Fels in der Brandung und kann ihr, die trotz ihrer Zweifel einen sehr guten Ermittlerinstinkt und Biss hat, Rückhalt und Stärke vermitteln. Doch noch während die beiden nach dem verschwundenen Jungen suchen, wird eine weitere Frau ermordet aufgefunden. Nach und nach wird klar, dass der Mörder seine Opfer über die sozialen Medien findet und diese alle junge Mütter sind.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven der Beteiligten erzählt, auch der Täter kommt zu Wort. So erkennt man schnell, wie akribisch und skrupellos er seine Taten plant. Die unterschiedlichen Perspektiven lassen die Figuren lebendig wirken, mit allen Ecken und Kanten. Besonders Helga mit ihrer Unsicherheit, aber auch ihrem eisernen Willen, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, wirkt äußerst authentisch. Der etwas mürrische und eher verschlossene Bjarki ist sympathisch, wird im Lauf der Handlung für meinen Geschmack aber etwas zu sehr als Held in Szene gesetzt.
Insgesamt ist ,,Schlafende Vulkane“ ein spannender Start in eine neue Reihe mit interessanten Ermittlerfiguren, dennoch hätte die Handlung etwas straffer gehalten werden können.
Bedrückend
Strandopfer Die Grenzfall Ostsee-Reihe von Frank Goldammer
Die junge deutsche Ermittlerin Lena Schulte wird an die Ostseeküste beordert – ein deutscher Tourist liegt tot am Strand bei Swinemünde. Zunächst wird ein Badeunfall vermutet, doch im Mund des Toten steckt ein großer Bernstein. Kurz darauf wird die zehnjährige Luisa als vermisst gemeldet, die offenbar mit dem Toten frühmorgens beim Baden war.
Wurde sie entführt? Lena Schulte zur Seite gestellt wird der polnische Kommissar Adam Krawczyk. Die Zusammenarbeit mit ihm gestaltet sich zunächst schwierig, da Krawczyk sehr verschlossen wirkt, Lena Schulte dagegen ziemliche Ressentiments den Polen gegenüber hat. Nach und nach erfährt der Leser, dass Lena Schulte in der Region nahe der Grenze zu Polen aufgewachsen ist und keine schönen Erinnerungen an Kindheit und Jugend dort hat.
Freunde und Angehörige des Toten und des verschwundenen Mädchens verhalten sich seltsam, alle scheinen etwas zu verbergen. Und bald gibt es eine weitere Leiche mit Bernstein im Rachen. Kann der lukrative Handel mit Bernstein Grund für die Taten sein?
Der Handlung ist spannend und bringt so manche überraschende Wendung. Allerdings ist die Atmosphäre auch sehr düster und bedrückend, also keine locker-flockige Strandlektüre für nebenher.
Eine echte Nervensäge
39 Grad Mord von Jenny Lund Madsen
Wegen ihrer anhaltenden Schreibblockade wird die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix von ihrem Lektor nach Sizilien in eine Villa geschickt. Die Sonne, das Meer, das gute italienische Essen und auch der Wein sollen die störrische und manchmal ziemlich komplizierte Autorin auf andere Gedanken bringen.
Doch kaum in Sizilien angekommen, frönt Hannah zwar ausgiebig dem guten Essen und dem Wein, zu schreiben fällt ihr aber dennoch absolut nichts ein. Sie lernt ein wohlhabendes schwedisches Ehepaar kennen und nach ein paar Gläsern zu viel übernachtet sie in deren Villa. Doch am nächsten Morgen liegt die Ehefrau tot in der Küche, vom Ehemann fehlt jede Spur. Hannah, die ein seltenes Talent hat, sich in missliche Lagen zu manövrieren, greift zur Tatwaffe, einem Fleischhammer, um sich zu wehren, falls der Mörder sich noch im Haus befinden sollte. Das führt natürlich dazu, dass Hannah für die lokale Polizei zur Hauptverdächtigen Nummer 1 wird.
Um ihre Unschuld zu beweisen, macht sich Hannah auf eigene Faust an die Suche nach dem Täter, was sie in ziemlich aberwitzige Situationen bringt.
Der Krimi ist nicht ganz so lustig und unterhaltsam wie der Vorgänger „30 Tage Dunkelheit“ und die Handlung doch ziemlich konstruiert. Zwar ist Hannah auch hier eine echte Nervensäge, trinkt zu oft zu viel, ist völlig beratungsresistent. Und doch imponiert sie mit ihrer Halsstarrigkeit und ihrem Biss, den Fall trotz aller Hindernisse aufklären zu wollen. Und so ganz nebenbei schreibt sich auch der von ihrem Verlag so dringend gewünschte Krimi….
Über Helden und Antihelden
Minnesota von Jo Nesbø
Minnesota, 2016: Ermittler Bob Oz ist seit dem Unfalltod seiner dreijährigen Tochter nicht mehr er selbst. Seine Ehe zerbricht, Kollegen und Freunde ziehen sich zurück, er verfällt mehr und mehr dem Alkohol. Nur die Arbeit als Polizist hält ihn noch auf den Beinen. Als ein Waffenhändler angeschossen wird und die Spuren auf Lobo, einen seit Jahren untergetauchten Killer, hinweisen, verbeißt Bob Oz in den Fall, obwohl er suspendiert wurde.
Der Täter führt offenbar einen Rachefeldzug gegen Drogenbosse, Unterstützer der Waffenlobby usw., doch wie passen diese Taten zu Lobo? Er hinterlässt immer wieder irreführende Spuren, trickst Kameras und die Polizei immer wieder geschickt aus. Als es Hinweise darauf gibt, dass der Täter einen Anschlag auf den Bürgermeister plant, eskaliert die Situation…..
Zu Beginn tat ich mich etwas schwer, sowohl mit dem Ermittler Bob Oz, der mehr als unsympathisch geschildert wird, als auch mit der Handlung, die durch sehr lange Gesprächspassagen nicht so recht in Gang zu kommen schien. Doch allmählich verknüpften sich die Handlungsfäden zu einem komplexen und dadurch immer spannender werdenden Ganzen. Details, die zu Beginn für mich zunächst nebensächlich und langatmig wirkten, wie z.B. die Gespräche bei dem Taxidermisten über das Ausstopfen von Tieren, bekamen allmählich einen tieferen Sinn, sodass ein schlüssiger Handlungszusammenhang entstand. Selbst der Antiheld Bob Oz wächst einem mit der Zeit ans Herz!
David Nathan liest mit ausdrucksstarker und angenehmer Stimme.
Weniger wäre mehr
Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten von Anna Schneider
In der Grenzregion Karwendel herrscht Katstrophenalarm. In Folge heftiger Unwetter gibt es schlimme Überschwemmungen und zahlreiche vermisste Personen.
Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr Team sind bis zur Erschöpfung im Einsatz. Chefinspektor Bernhard Krammer auf der österreichischen Seite macht sich große Sorgen um seine Tochter Alexa.
Nicht nur wegen der Unwettergefahr, sondern auch, weil ihr Nachbar ihr für Krammers Geschmack etwas zu sehr auf die Pelle rückt und in seinen Augen zu viel Dreck am Stecken hat. Doch er möchte natürlich seine Tochter, mit der er erst seit kurzem Kontakt hat, nicht bevormunden.
Während Bernhard Krammer und seine Kollegin Roza ein paar Jugendliche suchen, die sich unvernünftiger Weise auf eine Hüttentour begeben haben, nun aber unerreichbar sind, findet Alexa im Karwendelgebiet in einer Schlucht einen Toten. Bald stellen die Einsatzkräfte fest, dass der Mann nicht ertrunken ist, sondern getötet wurde. Dazu kommen weitere merkwürdige Hinweise wie ein leerstehendes, völlig vermülltes Haus, frische barfüßige Abdrücke im Matsch, ein umgekippter Traktor und ein fahrerloser Jeep. Alexa Jahn nimmt die Ermittlungen auf und gerät dabei mitten in eine abgrundtief böse Geschichte.
Wie immer in den Grenzfall-Geschichten spielt die Natur eine herausragende Rolle. Dieses Mal eben die wilde, unbezähmbare Seite der Natur, der der Mensch ziemlich hilflos ausgeliefert ist. Dies wird auch sehr ausführlich, für meinen Geschmack teilweise zu ausführlich geschildert. Die Handlungsstränge auf beiden Seiten der Grenze werden geschickt miteinander verwoben, was auch Vater und Tochter zusammenführt. Allerdings war mir dieses Mal die Mischung aus Missbrauch, Vergewaltigung, Stalking usw. etwas zu viel. Hier wäre in meinen Augen weniger mehr gewesen.
Lässt mich ratlos zurück
Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict
Ein Serienmörder, der sich selbst als ,,Wolf“ inszeniert, entführt die gefeierte Krimiautorin Katie in eine Art Turmverlies. Dort soll sie moderne Märchen schreiben, in denen Menschen auf grausame Art und Weise schreiben, Nur so kann sie ihren eigenen Tod verhindern oder zumindest hinausschieben.
Was passiert, wenn sie sich weigert, erlebt sie hautnah bei ihrer Kerkernachbarin mit. Also schreibt Katie, und der Wolf setzt ihre Geschichten in die Tat um. Katie versucht verzweifelt, Hinweise für die Polizei in die Geschichten einzubauen. Mit den Ermittlungen wird Detective Inspector Lyla Rondell betraut. Bald muss diese erkennen, dass die Fälle mit dem Verschwinden ihrer besten Freundin Allison vor fünfundzwanzig Jahren zusammenhängen – und dass sie selbst Teil des Plans ist.
Das klingt alles nach einer guten und originellen Idee: moderne Morde nach Art der Gebrüder Grimm. Leider wird die Handlung zunehmend verworren und unübersichtlich. Anstelle eines Thrillers wurde es zunehmende Fantasy. Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr unterhalten und habe nur aus Pflichtgefühl zu Ende gelesen. Was will die Autorin uns sagen? Das ganze Buch lässt mich ziemlich ratlos zurück. Punkten kann da immerhin noch das schöne Cover.
Schwächerer 3. Teil
Düsteres Tal von Ruth Lillegraven
In diesem 3. Teil der Reihe um Clara Lofthus kehrt diese nach jahrelanger Abwesenheit in ihre Heimat zurück.
Nach dem Tod ihres Mannes hat Clara Lofthus sich in Nairobi hat ein neues Leben aufgebaut. Sie leitet eine Schule und lebt mit ihren beiden Söhnen und ihrem Lebensgefährten Axel ein Leben abseits jeglicher Öffentlichkeit.
Doch als sie bei einem Terroranschlag auf die Schule eine Heldentat vollbringt, ist das öffentliche Interesse, vor allem auch in Norwegen, wieder geweckt. In Oslo wird ihr der Posten als Justizministerin angeboten, eine Stelle, in der Clara Lofthus endlich die Macht hätte, die Gesetze umzusetzen, die ihr extrem wichtig sind.
Doch ihre dunkle Vergangenheit holt Clara immer wieder ein. Als dann auch noch die Leiche der früheren Geliebten ihres verstorbenen Mannes auftaucht, begibt sich ein ehrgeiziger Journalist auf Spurensuche. Für seinen Geschmack tauchen im Umfeld von Clara Lofthus zu viele Leichen auf.
In den ersten zwei Bänden hat mich die Hauptfigur Clara Lofthus begeistert. Trotz ihrer Taten war sie mir sympathisch, hat ihr soziales Engagement mich fasziniert. Auch wenn ihr Verhältnis zu ihren Kindern oder auch zu ihrem Mann recht zweifelhafter Natur war, sie ihren Vater verehrt und ihre Mutter hasst, so war gerade diese Widersprüchlichkeit ihres Charakters besonders interessant.
In diesem 3 Teil kommt Clara Lofthus allerdings etwas kurz, sodass vor allem ihre gnadenlose Seite zur Geltung kommt. Mehr Raum bekommen dafür die Perspektiven ihres neuen Lebenspartners und die Sicht des Journalisten, der ihr auf die Schliche kommt.
Deshalb konnte mich dieser Teil leider nicht ganz so überzeugen wie die vorigen beiden.
Packender Krimi mit literarischem Anspruch
Die Farbe des Schattens von Susanne Tägder
Hauptkommissar Arno Groth ist nach der Wende in seine Heimatstadt Wechtershagen in Mecklenburg zurückgekehrt. Trotz seiner ostdeutschen Herkunft wird er von einigen als Wessi und als ,,Aufbauhelfer Ost“ wahrgenommen. Im Januar 1992 langweilt er sich mit aussichtslosen und frustrierenden Ermittlungen, jugendlichen Autodieben und Kioskeinbrüchen, als plötzlich ein Junge verschwindet.
Der elfjährige Matti kehrte vom Einkaufen nicht mehr in die elterliche Wohnung in der Plattenbausiedlung Mönkeberg zurück. Trotz einer großangelegten Suchaktion findet sich zunächst keine Spur des Jungen. Sowohl der Vater als auch der Bruder Mattis wirken verdächtig. Doch dann wird die Leiche des Jungen in einem Keller gefunden und die Spuren weisen auf einen Täter hin, der schon früher Kinder ermordet hat. Parallel zu dieser Handlungsebene begleitet man die Taxifahrerin Ina Paul, die sich vor ihrem äußerst gewalttätigen Mann versteckt. Sie hat vermutlich den Täter gesehen, will aber auf keinen Fall Aufmerksamkeit erregen und meldet sich daher nicht bei der Polizei.
Hauptkommissar Arno Groth ist eine nachdenkliche, zweifelnde Figur. Er kämpft bis zur Erschöpfung für die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Sein eigenes Leben und die Trauer um seine verstorbene Tochter bekommt er allerdings nur schwer in den Griff. Die etwas melancholische und bedrückende Atmosphäre der Nachwendezeit wird authentisch und anschaulich eingefangen.
Ein packender Krimi mit literarischem Anspruch!
Rätselhafte Mordserie
Schwüre, die wir brechen von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson
In ihrem zweiten Fall werden der verwitwete Kommissar Jon Nordh und seine Kollegin Svea Karhuu mit einer grausigen und rätselhaften Mordserie konfrontiert. Der Täter hinterlässt Leichen, die mit einem angenähten Tierkopf und rätselhaften Hieroglyphen zur Schau gestellt werden. Die Inszenierungen erinnern an altägyptische Gottheiten, doch die Hieroglyphen sind zunächst nicht zu entschlüsseln.
Die Angst der Öffentlichkeit wird durch die Sendungen einer True-Crime-Podcasterin, die selbst zum Bekanntenkreis der Opfer gehört, noch besonders angestachelt. Als dann auch noch eine junge Klimaaktivistin verschwindet, geraten Nordh und Karhuu unter Druck. Beide haben zusätzlich mit ihrem Privatleben und ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Jon Nordh hat erst vor einigen Monaten seine Frau bei einem Autounfall verloren und dabei erfahren, dass sie mit seinem besten Freund und Kollegen ein Verhältnis hatte. Auch findet er heraus, dass der Unfall womöglich gar kein Unfall war. Svea Karhuu hat bei einem Undercovereinsatz einen korrupten Kollegen getötet und wird jetzt von dessen rachsüchtigen Freundin verfolgt.
Auch der zweite Fall für das ungleiche Ermittlerduo ist wieder überaus spannend. Beide wirken mit ihren nicht immer vernünftigen Verhaltensweisen menschlich und sympathisch, da sie es auch mit den Regeln nicht immer so ganz genau nehmen. Das wiederum bringt sie immer wieder in prekäre Situationen, die aber deutlich zur Spannungssteigerung beitragen. Gerne mehr von Nordh und Karhuu!











