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Rezensionen von Bücherfreundin:

Großartige und mit feinem Humor erzählte Familiengeschichte

Schönwald von Philipp Oehmke

Der Piper Verlag hat "Schönwald", den Debütroman von Philipp Oehmke, veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die gut situierte Familie Schönwald. Sie besteht aus Hans-Harald - bis auf seine Frau nennen ihn alle Harry -, seiner Ehefrau Ruth sowie ihren Kindern Christopher, Karolin und Benni.

Der 80-jährige Harry ist pensionierter Oberstaatsanwalt, seine über 70-jährige Frau absolvierte ein Germanistikstudium, verzichtete aber zum Wohle der Familie auf eine eigene Karriere. Das Paar lernte sich auf einem Militärball kennen, ist seit über 50 Jahren verheiratet und lebt in Köln. Christopher ist mit seinen 49 Jahren der Älteste der Geschwister, er lebt seit langem in New York und ist Literaturprofessor an der Columbia Universität. Seine Schwester Karolin ist 2 Jahre jünger. Sie hat Kunstgeschichte studiert und ist dabei, sich in Berlin ihren Lebenstraum zu erfüllen. Benni ist mit seinen 37 Jahren der Nachzügler, hat Jura und Mathematik studiert und lebt mit seiner Frau Emilia, Tochter eines schwerreichen Vaters, und den zwei Kindern in der Uckermark. Er hat nicht den Ehrgeiz seiner Geschwister, dafür verfügt er über eine hohe soziale Kompetenz und eine rasche Auffassungsgabe.
 
Aus Anlass der Eröffnung von Karolins queerem Fachbuchladen trifft sich die Familie in Berlin, um das Ereignis gemeinsam zu feiern. Dabei kommt es zu einem unschönen Zwischenfall, als junge Internet-Aktivisten Farbbeutel gegen die Schaufensterscheiben werfen. Sie protestieren damit gegen die Finanzierung des Geschäfts durch sogenanntes "Nazigold".
 
In Rückblicken wird die Familiengeschichte der Schönwalds aufgeblättert. Alle Familienmitglieder haben ihre Probleme und Geheimnisse, von denen die anderen nichts wissen. Die Unfähigkeit, über Probleme zu kommunizieren, gehört für sie zur Normalität, und besonders Ruth ist der Meinung, dass nicht alles thematisiert werden muss. Nach und nach wird nun so manches Geheimnis aufgedeckt, und bisher Ungesagtes kommt zur Sprache. Wir erfahren nicht nur die Gründe für Christophers berufliche Veränderungen in den USA, auch die lange Zeit verdrängten Geschehnisse während Ruths Aufenthalt mit Karolin in Hamburg werden endlich thematisiert.
Das Buch widmet sich vielen Themen, so geht es neben Kindesmissbrauch und Homosexualität auch um die Trump-Bewegung und Sexismus. 
 
Philipp Oehmke erzählt die Geschichte in sehr schönem und anspruchsvollem Sprachstil. Die vielschichtigen Charaktere beschreibt er sehr authentisch und bildhaft. Ich konnte mich dadurch sehr gut in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten hineinversetzen. Besonders sympathisch waren mir Harry und Benni. Die enge und liebevolle Bindung zwischen Christopher und Benni hat der Autor mit viel Empathie beschrieben, sie hat mich sehr berührt. Der Roman hat mich von Beginn an bis zum überraschenden Ende gefesselt. Ich habe die Geschichte mit sehr viel Freude gelesen, der feine Humor des Autors machte das Buch zu einem äußerst unterhaltsamen Leseerlebnis. 
 
Absolute Empfehlung von mir für diesen großartigen Debütroman, der einmal mehr aufzeigt, wie wichtig Offenheit und Kommunikation innerhalb der Familie sind!

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Meisterhaft erzählt, faszinierend und spannend!

Die Affäre Alaska Sanders von Joël Dicker

Der Piper Verlag hat "Die Affäre Alaska Sanders", den neuen Erfolgsroman des Schweizer Autors Joël Dicker, veröffentlicht. Das Buch ist nach "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" und "Die Geschichte der Baltimores" der dritte Band der Marcus Goldman-Reihe. Sicherlich ist es hilfreich, die beiden Vorgänger zu kennen, das Buch kann jedoch auch gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

 

Die faszinierende Geschichte beginnt im Jahr 1999. In Mount Pleasant, einem Ort an der amerikanischen Ostküste, findet eine Joggerin in den frühen Morgenstunden am Ufer eines Sees die Leiche einer jungen Frau. Es handelt sich um die 22-jährige Alaska Sanders, die erst vor einem halben Jahr zu ihrem Freund gezogen war und in einer Tankstelle arbeitete. Die zuständige Staatspolizei New Hampshire unter der Leitung von Sergeant Perry Gahalowood überführt innerhalb kurzer Zeit die Schuldigen, und der Fall scheint trotz einer unvorhersehbaren Katastrophe abgeschlossen zu sein.

Die Handlung springt in das Jahr 2010, und wir begegnen dem Autor Marcus Goldman, der die Verfilmung seines Romans "G wie Goldstein" verfolgt. Die Ereignisse um Harry Quebert liegen mittlerweile 2 Jahre zurück, damals arbeitete er eng mit Sergeant Perry Gahalowood zusammen. Perry erhält nach 11 Jahren einen beunruhigenden anonymen Brief. Wurde damals wirklich der Richtige eingesperrt? Gemeinsam mit Marcus rollt er den Fall neu auf, um herauszufinden, was tatsächlich mit Alaska Sanders passierte. 

Das Buch ist in schönem und klugem Sprachstil geschrieben und liest sich sehr flüssig. Bereits die erste Seite ist spannend, die Spannung steigert sich immer weiter und bleibt bis zum Ende auf hohem Niveau. Die Auflösung ist verblüffend und gleichzeitig sehr bewegend. Der Roman ist auf zwei Zeitebenen erzählt, blickt darüber hinaus aber auch auf viele Ereignisse der Vergangenheit zurück. Diese Zeitsprünge sind sehr übersichtlich dargestellt, so dass man der Handlung jederzeit gut folgen kann. Den authentisch und äußerst bildhaft skizzierten Charakteren räumt der Autor breiten Raum ein. 

Die geschickt konstruierte Geschichte ist äußerst spannend und steckt voller Überraschungen. Der Autor hat mich nicht nur einmal auf falsche Fährten geführt, immer wieder gab es raffinierte Wendungen, neue Spuren und Erkenntnisse. Nach und nach wurden alle Geheimnisse aufgedeckt. Ich konnte das spannende Buch kaum aus der Hand legen und fühlte mich von Anfang bis Ende bestens unterhalten.

Absolute Leseempfehlung für diesen meisterhaft erzählten Krimi!

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Hinreißender Debütroman über zwei Freunde

Leonard und Paul von Rónán Hession

Der Debütroman "Leonard and Hungry Paul" des irischen Autors Rónán Hession wurde bereits 2019 in Irland und England veröffentlicht. Damit das erfolgreiche Buch auch in deutscher Übersetzung erscheinen konnte, haben Frauke Meurer & Torsten Woywod eigens einen Verlag gegründet.
 
Leonard, schüchternes Kind schüchterner Eltern, lebt auch mit über dreißig noch bei seiner verwitweten Mutter.

Sie schätzen sich, leben friedlich miteinander und gehen gemeinsam auf Reisen. Beide lieben es, zusammen in Museen zu gehen und Kirchen zu besichtigen. Nachdem seine Mutter überraschend an einem Herzinfarkt verstirbt, muss Leonard sich einem neuen Alltag stellen.
Sein bester und einziger Freund ist Paul, der wie er über dreißig ist, noch bei seinen Eltern lebt und sich dort wohlfühlt. Paul arbeitet aushilfsweise als Briefträger, Leonard verfasst als Ghostwriter Sachbücher und Lexika für Kinder. Beide sind introvertiert, zufrieden mit ihrem Leben, und sie treffen sich regelmäßig, um Gesellschaftsspiele zu spielen. Doch bald gibt es Veränderungen in ihrem Leben, neue Chancen eröffnen sich.
 
Der Autor erzählt die vollkommen kitschfreie Geschichte, die mich von der ersten Seite an begeistert hat, in ruhigem und brillantem Sprachstil. Der Leser lernt neben Leonard und Paul sowie dessen Eltern auch Pauls Schwester Grace kennen, die sich mitten in den stressigen Vorbereitungen für ihre Hochzeit befindet. Sie liebt ihren Bruder, der zu ihrem Leidwesen nicht daran denkt, aus seinem Kinderzimmer auszuziehen, um endlich ein eigenständiges Leben zu führen.
 
Warmherzig und humorvoll beschreibt Rónán Hession seine Protagonisten. Sie sind sehr speziell, etwas unbeholfen im Umgang mit anderen, in ihren Gewohnheiten fest verankert und wissenschaftlich interessiert. Das Miteinander der Freunde ist geprägt von großem Interesse am anderen, Achtung und Freundlichkeit. Beide sind sehr sympathisch und mir schnell ans Herz gewachsen. Sehr gern habe ich Leonard und Paul begleitet und mitgefiebert, wenn sie vor besonderen Situationen standen. Immer wieder bringt uns der Autor zum Schmunzeln, z.B. beim Anzugkauf, dem Konfekt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum bereits lange abgelaufen ist oder dem Deppenaprostoph.
 
Es hat mir sehr viel Freude bereitet, dieses außergewöhnliche und berührende Buch zu lesen.
Ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Roman des Autors, der hoffentlich bald auch in deutscher Übersetzung zu lesen sein wird. 
Absolute Leseempfehlung von mir für diesen unterhaltsamen, humorvollen und tiefgründigen Roman, den ich mir auch sehr gut als Vorlage für einen Film vorstellen kann.

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Harmonisches Miteinander in der Wohngemeinschaft

Unsere Stimmen bei Nacht von Franziska Fischer

Der Dumont Verlag hat "Unsere Stimmen bei Nacht", den neuen Roman von Franziska Fischer, veröffentlicht.
Gloria und Herbert, Eigentümer einer alten Berliner Villa, haben sich dafür entschieden, vier Räume unterzuvermieten, da ihre Kinder längst erwachsen sind und eigene Wege gehen. Die ersten Mieter sind der Chemieprofessor Gregor und seine Tochter Alissa, es folgt der Student Jay, und als letzte Mieterin wird Lou, die Tanzkurse für Jugendliche gibt und in einem Programmkino arbeitet, in die Wohngemeinschaft aufgenommen.

Gloria bekocht ihre Mieter, Herbert fällt es schwer, sich auf die neue Situation einzustellen. Er betreibt im Erdgeschoss des Hauses ein Antiquariat.

Die Geschichte über die Wohngemeinschaft, in deren Mittelpunkt Lou steht, ist in ruhigem und angenehmem Sprachstil erzählt und liest sich flüssig. Nach und nach lernen wir die Bewohner kennen und erleben ihr Zusammenleben und ihren Alltag.

Ich bin davon ausgegangen, auf sechs vollkommen unterschiedliche Personen mit Ecken und Kanten zu treffen, die sich zusammenraufen und im Alltag ihre kleinen und größeren Meinungsverschiedenheiten haben. Aber das trifft auf die Geschichte absolut nicht zu. Es geht immer freundlich und harmonisch in der Wohngemeinschaft zu, man gibt Mitbewohnern Lebenshilfe und ist stets mit Rat und Tat zur Stelle, kocht und chillt später sogar gemeinsam. Das alles ist sehr warmherzig erzählt, aber in meinen Augen doch eher unrealistisch. Nie kommt es zu Konflikten, nie wird gestritten. Das mag vielen gefallen, mir ging die Geschichte zu sehr in Richtung Wohlfühlroman. Die mir fehlende Spannung kam leider erst kurz vor dem Ende auf und scheint eine Fortsetzung des Buches anzudeuten.

Trotz flachem Spannungsbogen habe ich das Buch der leisen Töne gern gelesen, der Sprachstil hat mir gefallen, die Protagonisten sind sympathisch und bildhaft beschrieben und führen schöne und anregende Gespräche.

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Spannendes und berührendes Buch über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit

Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen von John Ironmonger

Der Fischer Verlag hat "Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen", den neuen Roman von John Ironmonger, veröffentlicht.

In einem Pub des kleinen Fischerortes St. Piran in Cornwall, das wir bereits aus dem Bestseller "Der Wal und das Ende der Welt" kennen, kommt es zwischen dem 20-jährigen Studenten Tom Horsmith und dem 40-jährigen Abgeordneten Monty Causley zu einem hitzigen Streitgespräch über den Klimawandel, den Monty leugnet.

Unter Alkoholeinfluss schließen sie eine folgenschwere Wette auf die Zukunft ab. Tom wettet mit dem Politiker, dass dieser in 50 Jahren bei Flut nicht im Wohnzimmer seines unmittelbar am Meer gelegenen Hauses sitzen kann, sondern ertrinken würde. Diese Wette bestimmt fortan ihr Schicksal, und die beiden Männer werden sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder begegnen.

In brillantem Sprachstil bringt uns John Ironmonger die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels nahe. Die informativen Schilderungen über das Klima, die Naturgewalten, das Abschmelzen der grönländischen Gletscher und das Ansteigen der Meeresspiegel sind hochinteressant. Der Autor erzählt die faszinierende Geschichte in teils größeren Zeitsprüngen und verknüpft sie mit einer berührenden Liebesgeschichte, die das Buch aber nicht dominiert. Der Roman ist spannend, zugleich humorvoll und poetisch. Es geht nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um Freundschaft, Liebe und Trauer. Das überraschende Ende ist stimmig und macht Hoffnung.

Dem Autor ist es gelungen, nicht nur die Charaktere der beiden sehr unterschiedlichen Hauptprotagonisten, sondern auch die sämtlicher Nebenfiguren äußerst authentisch und bildhaft zu zeichnen. Die Entwicklung von Tom und Monty über die Jahrzehnte ist ganz wunderbar beschrieben. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und in ihren Bann gezogen. Die Zeitsprünge haben mir sehr gut gefallen, ebenso die interessanten Einblicke in die politische Medienarbeit und der Ausblick auf das Leben der nächsten Generation. Die Begegnung mit dem Eisbären ist sehr berührend.

Ich habe das großartige Buch, das mich keine Minute gelangweilt hat und bereits jetzt zu meinen diesjährigen Highlights gehört, mit sehr viel Freude gelesen. Es ist ein eindringlicher Appell an uns, es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder und Enkel!
Absolute Leseempfehlung von mir für diesen faszinierenden Roman, der mich noch lange beschäftigen wird!

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Geschichte über einen Neubeginn

Wo du mich findest von Anne Barns

Der Harper Collins Verlag hat "Wo du mich findest" veröffentlicht, den neuen Roman von Anne Barns.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Übersetzerin Sophie, die in einem Büchercafé auf Rügen mit einem Fremden zusammenstößt, der über die Leine ihres Hundes Lotte gestolpert ist. Kaffee ergießt sich aus dem Becher, den Sophie in der Hand hält und hinterlässt einen Fleck auf dem Hemd des Mannes.

Wenige Wochen später, Sophie ist mit ihrem Ehemann Thomas wieder nach Hamburg zurückgekehrt, träumt sie von dem Fremden. Das verwirrt sie, und von nun an ist der Fremde nicht nur in ihren nächtlichen Träumen, sondern auch in ihren Gedanken.
 
Sophie, die innerhalb eines Jahres zwei ihrer wichtigsten Bezugspersonen verloren hat und nun auch von Thomas verlassen wird, entschließt sich, zurück nach Rügen zu fahren, um dort den Mann zu suchen, nach dem sie sich so sehnt ...
 
Der Roman umfasst nur 186 Seiten und ist sehr schnell gelesen. Der Schreibstil ist einfach, das Buch liest sich sehr flüssig. Die Geschichte wird von Sophie in der Ich-Form erzählt und richtet sich mit dem "Du" an den Unbekannten. 
Ich fand die Buchidee sehr interessant, war aber von der in meinen Augen eher nüchternen und oberflächlichen Umsetzung enttäuscht. Ich hätte gern mehr über die Gefühlswelt der Protagonistin erfahren, hier habe ich mehr Tiefgang erwartet. Auch die Beziehungen zum Vater, Tessa und Thomas werden nur kurz angerissen. Das Buch hat mir bis zu Sophies Rückkehr nach Rügen gut gefallen, ab da fand ich die Handlung leider wenig glaubwürdig. Möglicherweise ist es der Kürze des Buches geschuldet, dass vieles an der Oberfläche blieb und es mich trotz schönem Setting und stimmigem Ende in seiner Gesamtheit nicht überzeugen konnte.

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Intensiver und zutiefst berührender Roman

Und morgen ein neuer Tag von Claire Alexander

Der Goldmann Verlag hat den neuen Roman "Und morgen ein neuer Tag" der britischen Autorin Claire Alexander veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 39-jährige Meredith Maggs, die ihr Haus in Glasgow seit 1214 Tagen nicht mehr verlassen hat. Diese Aussage machte mich sofort betroffen, da ich ahnte, dass sich dahinter ein schweres Trauma verbergen muss.

 
Meredith Maggs hat sich gut eingerichtet in ihrer Isolation. Sie lebt in Gesellschaft ihres Katers Fred und arbeitet als Texterin von zu Hause aus. Ihre einzige Besucherin ist ihre beste Freundin Sadie mit ihren Kindern James und Matilda . Meredith kocht und backt gern und vertreibt sich die Zeit mit Lesen und dem Legen komplizierter Puzzles. Lieferdienste sorgen dafür, dass es ihr an nichts mangelt. Einmal wöchentlich kommuniziert sie online mit ihrer Therapeutin Diane. Die Mutter und ihre Schwester Fee hat sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Eines Tages steht Tom McDermott vom Freundesverein Helfende Hände vor ihrer Tür und besucht sie von nun an regelmäßig, um ihr zuzuhören, mit ihr zu reden oder gemeinsam zu essen. Als Meredith in einem Internetforum Celeste kennenlernt und auch ihre Schwester Fee sich wieder bei ihr meldet, wird sie vor neue Herausforderungen gestellt ....
 
Die Handlung springt von der Gegenwart mit den tagebuchartigen Aufzeichnungen über die Dauer von 10 Monaten immer wieder in Merediths Vergangenheit. Nach und nach werden die zurückliegenden Erlebnisse der jungen Frau aufgeblättert, und wir erfahren, wie es zu ihrer ungewöhnlichen Lebenssituation gekommen ist. Die Rückblicke in Merediths schwierige Kindheit sind schockierend und offenbaren das lieblose und egoistische Verhalten der alkoholkranken Mutter, die ihre Töchter vernachlässigte.
 
Das Buch ist in ruhigem und schönem Sprachstil - stellenweise auch mit viel Humor - geschrieben und liest sich sehr flüssig. Nicht nur die sympathische Meredith, auch sämtliche Nebenfiguren sind äußerst authentisch und bildhaft skizziert. 
Merediths hoffnungsvolle Geschichte hat mir sehr gut gefallen, sie hat mich gefesselt, schockiert und zutiefst berührt. Sie ist absolut kitschfrei, warmherzig und mit viel Empathie erzählt. Die Autorin behandelt die Themen Gewalt, Depressionen, Panikattacken und Ängste sehr sensibel und bringt dem Leser die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin nahe. Es ist auch ein Roman über die Kraft der Freundschaft, Liebe zwischen Schwestern, Vergangenheitsbewältigung, Hoffnung und Mut. 
Ich habe Meredith gern auf ihrem Weg begleitet, mit ihr gelitten, mich über ihre Erfolge gefreut und war traurig über ihre Misserfolge.
 
Absolute Leseempfehlung für diesen großartigen Roman, der mich zutiefst berührt hat und noch lange beschäftigen wird!

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Spannender und düsterer Thriller

Wolfskinder von Vera Buck

Der Rowohlt Verlag hat "Wolfskinder" veröffentlicht, das Thrillerdebüt der deutschen Autorin Vera Buck.

Die 26-jährige Smilla ist durch die Entführung ihrer besten Freundin Juli traumatisiert. Vor 10 Jahren verschwand die damals unmittelbar neben ihr schlafende 16-Jährige Juli beim Campen spurlos.

Seitdem sind immer wieder junge Mädchen rund um den Faunfelsen verschwunden. Smilla, die nach ihrem Studium als Volontärin bei einem Fernsehsender arbeitet, hat die Suche nach ihrer Freundin nie aufgegeben. Im Archiv ihres Arbeitgebers entdeckt sie ein niemals ausgestrahltes brisantes Video, das sie auf die Siedlung Jakobsleiter, die sich hoch in den Bergen befindet, aufmerksam macht. Dort lebt eine Gruppe von Menschen zurückgezogen in einer Art Sekte fernab jeglicher Zivilisation und nach ihren eigenen Regeln. Als die 16-jährige Rebekka aus der Gemeinschaft verschwindet, begibt sich ihr Freund Jesse auf die Suche nach ihr ....

Die Geschichte ist in einfacher und klarer Sprache sehr flüssig und fesselnd erzählt. Die einzelnen Kapitel sind abwechselnd aus der Perspektive mehrerer Personen in der Ich-Form geschrieben. Außer Smilla lernen wir die jungen Jakobsleiter-Bewohner Jesse, Rebekka und Edith kennen sowie die Dorflehrerin Laura. Ich fand es sehr gelungen, dass die Autorin die wichtigsten Personen in der Ich-Form erzählen lässt und dem Leser dadurch Einblicke in deren Gedanken- und Gefühlswelt ermöglicht. Durch die Augen der Kinder erfahren wir, was in der Siedlung Jakobsleiter vor sich geht. 

Ich mochte die geheimnisvolle und bedrohliche Atmosphäre und habe mich von der Autorin bis zur Auflösung auf falsche Fährten führen lassen. Die Beschreibung der Charaktere fand ich sehr bildhaft und authentisch. Die Spannung baut sich gleich zu Beginn auf und bleibt auf hohem Niveau. Es gibt einige Wendungen, Geheimnisse werden aufgedeckt, und sukzessive gelangen wir zur für mich vollkommen überraschenden Auflösung. 

Empfehlung für diesen spannenden und düsteren Thriller!

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Unterhaltsamer Roman über eine außergewöhnliche Frau

Die einzige Frau im Raum von Marie Benedict

Im Rahmen seiner Reihe "Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte" hat der Verlag Kiepenheuer & Witsch den Roman "Die einzige Frau im Raum" veröffentlicht. Das Buch stammt aus der Feder der amerikanischen Autorin Marie Benedict und erzählt die Geschichte der aus Österreich stammenden Schauspielerin Hedy Lamarr, die unter ihrem bürgerlichen Namen Hedwig Maria Kiesler als behütete Tochter eines Bankiers und einer ehemaligen Konzertpianistin in Wien aufgewachsen ist.

Im Mai 1933 spielt die 18-jährige Hedy Kiesler die zukünftige Kaiserin Sisi im berühmten Theater an der Wien. Sie erhält nicht nur frenetischen Beifall, sondern auch die Aufmerksamkeit eines Mannes, der von ihrer Schönheit fasziniert ist und sie von der Premiere an mit Blumen überhäuft. Es handelt sich bei ihrem Verehrer um den 14 Jahre älteren Waffenfabrikanten Friedrich Mandl, der bald um Hedys Hand anhält. Hedys Eltern sind jüdischer Abstammung und hoffen, durch die Eheschließung ihrer Tochter mit Fritz der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen. Hedy und Fritz heiraten, und die junge Frau ordnet sich ihrem Ehemann unter. Sie tritt auf seinen Wunsch hin bereits vor der Hochzeit zum katholischen Glauben über, gibt die Schauspielerei für ihn auf und präsentiert sich fortan bei den häufigen Geschäftsessen als Gastgeberin. Als ihr eifersüchtiger und gewalttätiger Ehemann sie wie eine Gefangene behandelt, schmiedet die verzweifelte Hedy einen Plan ...

Der Roman ist in zwei Teile mit 44 Kapiteln gegliedert. Die Ich-Erzählerin Hedy schildert im ersten Teil des Buches ihr Leben in Österreich als Schauspielerin und Ehefrau. Der zweite Teil spielt zunächst in Paris und London und danach in den USA, wo sie sich als Schauspielerin unter dem Künstlernamen Hedy Lamarr ein neues Leben aufbaut. Ich fand es beeindruckend, mit wieviel Selbstbewusstsein und Geschick Hedy dort mit dem Chef der MGM- Studios verhandelte. Getrieben von Schuldgefühlen widmet sie sich neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin der Entwicklung einer Erfindung, die den Amerikanern helfen soll, die Nazis zu besiegen.

Das Buch ist in einfacher Sprache geschrieben und liest sich flüssig. Es hat mich von Beginn an gefesselt, und ich fand es sehr spannend, neben der Schauspielerin die intelligente und an technischen Dingen interessierte Erfinderin Hedy kennenzulernen. Hedy als Person war mir nicht sympathisch. Sie wirkte auf mich eher oberflächlich und ichbezogen, es fehlte ihr an emotionaler Tiefe. Sie lässt uns teilhaben an ihren Gedanken, ihre Gefühlswelt bleibt uns dagegen leider verschlossen.
Sehr interessant und fesselnd fand ich die Schilderung der politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit.

Leider zieht sich die Handlung des Buches über einen Zeitraum von nur 9 Jahren - ich hätte Hedy gern noch länger begleitet, um mehr über ihre späteren Jahre zu erfahren. Mich hätte auch interessiert, wie das Wiedersehen mit ihrer Mutter verlief und wie sich das Zusammenleben der beiden Frauen gestaltete.

Leseempfehlung für diesen unterhaltsamen Roman über eine außergewöhnliche Frau.

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Berührende Nachkriegsgeschichte

Als Großmutter im Regen tanzte von Trude Teige

Der Roman "Als Großmutter im Regen tanzte" der norwegischen Autorin Trude Teige, der bereits 2015 erschienen ist und lange auf den norwegischen Bestsellerlisten stand, liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor.

Die Ich-Erzählerin Juni ist schwanger und verlässt ihren gewalttätigen Ehemann Jahn.

Sie flieht auf die kleine norwegische Insel, auf der sie einen Großteil ihrer Kindheit verbracht hat. Ihre Mutter Lilla hat das Haus der Großeltern bis zu ihrem Tod bewohnt und ihrer Tochter vererbt. Nun muss Juni sich entscheiden, ob sie Jahns Kind zur Welt bringen möchte. Neben einem Brief, den ihre Großmutter Tekla aus Deutschland geschickt hat, entdeckt sie eine Aufnahme, die sie nie zuvor gesehen hat. Sie zeigt Tekla neben einem deutschen Soldaten. Juni findet heraus, dass ihre Mutter Lilla bereits 9 Monate vor der Hochzeit der Großeltern geboren wurde. Ihre Neugier ist geweckt, und sie begibt sich auf Spurensuche. Dabei ist ihr Georg behilflich, ihr neuer Nachbar und Freund. Gemeinsam reisen sie nach Berlin und Demmin.

Die Geschichte wird in 67 Kapiteln auf zwei Zeitebenen erzählt. Wir begleiten im Hier und Jetzt Juni bei ihren Recherchen. Auf der zweiten Zeitebene steht Junis Großmutter Tekla im Fokus, die sich in den vierziger Jahren in den deutschen Soldaten Otto verliebt. Ihre Beziehung stößt auf Ablehnung und Verachtung. Tekla und Otto reisen nach Deutschland aus, wo Ottos Familie in Demmin ihren Wohnsitz hat. Doch dort haben russische Soldaten den Hof besetzt, und nichts ist mehr wie früher ...

Nach und nach erfahren wir, was Tekla nach dem Zweiten Weltkrieg widerfahren ist. Als Norwegerin, die in einen Deutschen verliebt war, wurde sie als "Deutschenmädchen" verachtet und verlor nach ihrer Heirat die norwegische Staatsbürgerschaft. Die Schilderung der Massensuizide in Demmin hat mich sehr erschüttert, davon hatte ich bisher nie gelesen. Junis Suche nach der Wahrheit ist sehr spannend erzählt, sukzessive werden Teklas traumatische Erlebnisse und ihre Geheimnisse aufgedeckt.

Das gut recherchierte und flüssig zu lesende Buch ist in einfacher und klarer Sprache geschrieben. Teklas Geschichte wird sehr authentisch und berührend geschildert, sie ist mir sehr nahe gegangen. Den Erzählstrang um Juni fand ich dagegen recht unglaubwürdig und vorhersehbar. Außerdem hätte ich gern mehr über den gemeinsamen Lebensweg der Großeltern und Lillas Leben erfahren. 

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