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Rezensionen von April1985:

Dämonen, Seelenhandel und eine Tension, die heißer brennt als jeder Spice.

Reap & Sow von Charlotte B. Plumb

Worum geht es?

Eda Shaw ist eine Seelenhändlerin.
Durch einen Pakt an den Dämon Mr Night gebunden, müssen sie und ihre Brüder Menschen finden, die bereit sind, ihre Lebensjahre gegen ihre tiefsten Wünsche einzutauschen. Nur noch zehn Jahre fehlen, dann wäre die Schuld der Familie endlich beglichen.

Die Freiheit scheint zum Greifen nah.
Doch dann fliegen die Geschwister auf. Edas Brüder werden wegen des Paktierens mit Dämonen festgenommen, während Eda fliehen kann.
Um ihre Brüder vor der Hinrichtung zu retten, bleibt ihr nur eine Möglichkeit: Sie muss selbst einen Pakt mit einem Dämon eingehen. Und dieser Dämon ist Kit’rath. Gerissen, gefährlich, unberechenbar.

Meine Gedanken:

Ich habe dieses Buch von der ersten Seite an geliebt.

Dämonen. Seelenhandel. Spiegel, die als Portale in eine Anderswelt führen. Das Spiel mit dem Verbotenen und die Frage, wie weit ein Mensch gehen würde, wenn die Verzweiflung groß genug ist. Genau diese Mischung hat mich sofort fasziniert.
Denn eigentlich wissen die Menschen, dass ein Handel mit einem Dämon niemals ohne Konsequenzen bleibt. Trotzdem lässt sich immer jemand darauf ein. Man weiß, dass etwas falsch ist – und trotzdem kann Verzweiflung uns Menschen zum Narren machen. Genau darauf basiert das Geschäft von Eda und ihren Brüdern. Nicht einmal freiwillig, sondern aufgrund einer Schuld, die sie von ihrem Vater geerbt haben.
Und allein diese Ausgangslage hatte mich schon komplett.

Eda – Wölfin im Schafspelz:

Ich liebe Eda. Mehr muss ich eigentlich gar nicht sagen. Ja, sie trifft fragwürdige Entscheidungen. Ja, bei manchen davon möchte man sie vermutlich kurz schütteln.
Aber ich verzeihe es ihr. Eda ist tough, willensstark und bereit, unglaublich große Opfer zu bringen, um ihre Brüder zu retten. Gleichzeitig ist sie keine makellose Heldin. Sie kennt die dunklen Seiten von Blackbridge und hat selbst lange genug mit ihnen gearbeitet. Und genau deshalb fand ich sie so spannend. Eda ist keine klassische Heldin – und möchte wahrscheinlich auch gar keine sein.

Kit – Dämon mit Allüren:

I am obsessed with this demon!
Ja. Ich bin offiziell ein Kit-Fangirlie. Kit ist einfach kein typischer Klischeedämon. Er ist erfrischend anders, hat Stil und liebt Mode, Musik und Tanz. Und ganz ehrlich? Ich habe ihn dafür gefeiert. Noch besser wird es durch seinen ganz besonderen Sidekick. Da warten einige wirklich unterhaltsame Gespräche. Aber so charmant und exzentrisch Kit auch wirkt: Man darf nie ganz vergessen, was er ist. Ein Dämon.
Und genau diese Mischung aus gefährlich, unberechenbar und gleichzeitig unglaublich unterhaltsam hat bei mir hervorragend funktioniert.

Tension statt Spice:

Die Dynamik zwischen Eda und Kit ist für mich ganz großes Kino. Der Banter. Die Wortgefechte. Diese ständige Spannung.
Ich hatte Herzklopfen. Dabei ist die Geschichte eigentlich gar nicht besonders spicy. Aber braucht es hier überhaupt mehr?
Für mich nicht. Denn die Atmosphäre zwischen den beiden ist feurig heiß, ohne dass ständig etwas passieren muss.
Blicke, Worte und kleine Momente reichen vollkommen. Manchmal ist Tension eben einfach heißer als jede explizite Szene.

Blackbridge:

Und dann diese Welt. Düster. Nebelig. Bedrohlich. Blackbridge ist ein Schmelztiegel aus dunklen Machenschaften, Verrat und Lügen. Dabei sind längst nicht nur die Dämonen das Problem. Teilweise sind die Menschen mindestens genauso schlimm. Jeder scheint nur auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein. Macht, Gier und Reichtum bestimmen vieles – und selbst die Ordenshüter und der Bischof sind davon nicht ausgenommen.
Die Kirche spielt eine tragende Rolle im Kampf gegen alles, was sie als ungläubig oder verboten betrachtet. Und natürlich steckt noch deutlich mehr dahinter.
Ich hatte beim Lesen sofort Bilder im Kopf:
Dunkle, verwinkelte Gassen. Pflastersteine. Düstere Straßenlaternen, die lange Schatten an die Häuser werfen. Viktorianisch anmutende Gebäude neben heruntergekommenen Ladengeschäften. Und über allem thront die Heilige Kirche.
Genau so muss Worldbuilding für mich funktionieren. Nicht einfach nur als Kulisse, sondern so, dass ich das Gefühl habe, selbst durch diese Straßen zu laufen.

Gewichtige Enthüllungen & dunkle Machenschaften:

Auch erzählerisch verliert das Buch für mich kaum Zeit. Die Geschichte wird in einem ziemlich rasanten Tempo erzählt und die ersten Twists lassen nicht lange auf sich warten. Ich war ab den ersten Kapiteln gefesselt. Intrigen, Verrat, Machtspiele und neue Enthüllungen sorgen immer wieder dafür, dass man hinterfragen muss, wem überhaupt zu trauen ist.
Und natürlich wollte ich vor allem wissen, was hinter Mr Night, Kit, der Kirche und Edas Familiengeschichte wirklich steckt.
Ich konnte einfach nicht aufhören, mit Eda und Kit mitzufiebern.

Schreibstil:

Auch sprachlich hat mich Reap & Sow komplett bekommen. Charlotte B. Plumb schreibt sehr einnehmend und gleichzeitig unglaublich bildhaft. Dieses Buch hat mir eine richtige Bilderflut beschert. Ich konnte Blackbridge sehen. Den Nebel. Die Gassen. Die Spiegel. Die dunklen Häuser. Diese ganze Welt fühlte sich für mich lebendig und greifbar an.
Und gerade zusammen mit dem schnellen Tempo hat das dafür gesorgt, dass ich nur so durch die Geschichte geflogen bin.

Was bleibt?

Highlight! Reap & Sow hatte einfach so viele Dinge, die genau mein Beuteschema treffen.
Dämonen. Seelenhandel. Verbotene Magie.
Eine düstere Stadt voller Lügen und Korruption.

Eine toughe, moralisch graue Protagonistin.
Und Kit. Vor allem Kit. ????

Die Chemie zwischen Eda und ihm hat mich komplett bekommen, obwohl das Buch gar nicht viel Spice braucht. Der Banter, die Tension und diese unglaublich dichte Atmosphäre haben vollkommen gereicht.
Dazu kommen rasante Wendungen, ein faszinierendes Worldbuilding und ein Schreibstil, der mir Blackbridge direkt vor Augen gezaubert hat.

Ich war von der ersten Seite an drin – und wollte nicht mehr raus.

???????????????????? / 5
Spice: ???????? / 5
Chemie: ✨✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????????????? / 5

Fünf Eulen für Dämonen, dunkle Pakte, eine Stadt voller Geheimnisse und einen Dämon, bei dem ich offenbar freiwillig jede Vernunft an der Tür abgegeben habe. ????????✨

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Dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Schwester, die besser tot geblieben wäre

And The River Drags Her Down von Jihyun Yun

Worum geht es?

Soojin kennt die Regeln ihrer Magie eigentlich genau: Bringe niemals etwas zurück, das größer ist als deine Handfläche. Doch diese Regel war leichter einzuhalten, bevor ihre Schwester Mirae im Fluss ertrank.

Von Trauer und Einsamkeit überwältigt, nutzt Soojin die Magie ihrer Vorfahren und holt Mirae zurück zu den Lebenden.

Zunächst scheint es tatsächlich wie ein Wunder. Doch Mirae verändert sich. Sie wird rastlos, zunehmend unheimlich und entwickelt einen immer stärkeren Hunger nach Rache. Gleichzeitig wird die kleine Küstenstadt von heftigem Regen und ungewöhnlichen Todesfällen heimgesucht.

Und irgendwann muss sich Soojin fragen: Ist die Schwester, die sie zurückgebracht hat, wirklich noch dieselbe?

Meine Gedanken:

Ich bin ein großer Fan von fernöstlich geprägten Mythen und Geschichten, weil sie für mich einfach immer eine ganz besondere Atmosphäre mitbringen. Und auch hier hat genau das richtig gut funktioniert.

Der Geister- beziehungsweise Wiedergänger-Mythos hat der Geschichte etwas Unheimliches gegeben. Dazu kommen einzelne Szenen, die durchaus für Grusel und auch ein bisschen Ekel sorgen. Gerade diese Mischung aus Trauer, Magie und etwas, das eigentlich nicht mehr in die Welt der Lebenden gehört, mochte ich sehr.

Wenn Tote nicht tot bleiben:

Für mich lag die größte Stärke ganz klar in der Idee hinter Miraes Rückkehr.

Soojin handelt aus Liebe und Verzweiflung. Sie kann ihre Schwester nicht gehen lassen – und genau dadurch setzt sie etwas in Gang, das sie nicht mehr kontrollieren kann. Ich mochte diesen Gedanken sehr: Wie weit würde man gehen, um einen geliebten Menschen zurückzubekommen? Und was passiert, wenn man genau das bekommt, was man sich gewünscht hat – nur eben nicht so, wie man es sich vorgestellt hat?

Gerade die Themen Trauer und Loslassen funktionieren dadurch sehr gut und geben dem Horror etwas Emotionales.

Soojin:

Soojin hat es mir bis zum Ende hin nicht leicht gemacht. Ich konnte bei ihr einfach kaum Entwicklung erkennen. Kein echtes Reflektieren, kein Innehalten, sondern immer wieder impulsive Entscheidungen, die für mich nur schwer nachvollziehbar waren.

Natürlich verstehe ich, dass ihre Trauer sie antreibt und dass sie ihre Schwester um jeden Preis zurückhaben will. Aber irgendwann hätte ich mir gewünscht, dass sie sich ernsthaft mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzt. Stattdessen stolpert sie für meinen Geschmack zu oft von einer fragwürdigen Entscheidung in die nächste. Gerade deshalb war ich umso froher, dass Mark Moon an ihrer Seite war. Ihn mochte ich wirklich total gerne. Er ist ruhig, loyal und bleibt Soojin auch dann zur Seite, wenn sie es ihm nicht leicht macht. Für mich war er der emotionale Gegenpol zu ihrem impulsiven Wesen.

Familienmythen & Wiedergeburt:

Wunderbar fand ich die eingestreuten Geschichten und Familienmythen rund um Wiedergeburt und Auferstehung.Besonders hängen geblieben ist mir die fiktive Erzählung von dem Huhn, das immer wieder zum Leben erweckt wurde, um das Volk zu nähren. Diese Vorstellung fand ich gleichzeitig faszinierend, märchenhaft und ein bisschen unheimlich.

Genau solche kleinen Geschichten geben der Familienmagie für mich zusätzliche Tiefe. Sie wirken nicht wie bloße Erklärungen, sondern wie Überlieferungen, die über Generationen weitergetragen wurden. Und genau das mag ich an solchen Geschichten so sehr: alte Regeln, Familiengeheimnisse und die Frage, was passiert, wenn man Grenzen überschreitet, die besser unangetastet geblieben wären.

Grusel mit angezogener Handbremse:

So sehr mir die Grundidee gefallen hat, ganz gepackt hat mich der Horror allerdings nicht immer. Es gibt definitiv Szenen, die unangenehm, eklig oder richtig schön unheimlich sind. Aber insgesamt war mir Mirae stellenweise einfach "zu nett".Bei einem Wiedergänger, der langsam von Rache zerfressen wird, hätte ich mir noch etwas mehr Bedrohlichkeit gewünscht. Mehr dieses Gefühl: Da ist zwar noch deine Schwester – aber irgendetwas stimmt ganz und gar nicht mit ihr. Genau dieses Unbehagen war zwar vorhanden, hätte für meinen Geschmack aber noch stärker sein dürfen.

Etwas zu vorhersehbar:

Auch die Entwicklung der Schwestern fand ich irgendwann etwas vorhersehbar.Einige Wendungen und Enthüllungen konnte ich relativ früh erahnen. Dadurch hat mich die Geschichte emotional zwar weiterhin erreicht, aber die großen Überraschungsmomente blieben für mich etwas aus. Das fand ich schade, weil die Ausgangsidee wirklich viel Potenzial hat.

Trotzdem wollte ich wissen, wohin Miraes Rache führt und welche Konsequenzen Soojins Entscheidung am Ende haben wird.

Was bleibt?

And the River Drags Her Down hat mir insgesamt wirklich gut gefallen.

Ich mochte die düstere Atmosphäre, die F
Ahnenmagie und besonders die Idee, dass Trauer und Liebe jemanden dazu bringen können, eine Grenze zu überschreiten, die besser unangetastet geblieben wäre.

Soojin selbst hat es mir durch ihre impulsiven Entscheidungen und die fehlende Entwicklung allerdings nicht leicht gemacht. Dafür mochte ich Mark umso mehr.

Der Horror hätte für mich etwas kompromissloser sein dürfen und einige Entwicklungen waren ziemlich vorhersehbar.

Aber gerade die Mischung aus Schwesternschaft, Trauer, Ahnenmagie und Wiedergängern hat für mich gut funktioniert.

Manchmal ist Loslassen vielleicht schmerzhafter als Festhalten – aber eben auch notwendiger.

???????????????? / 5

Vier Eulen für dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Geschichte darüber, dass manche Türen zur Welt der Toten besser geschlossen bleiben. ????????????

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Wenn Träume neu gezeichnet werden müssen

All die Farben, all das Licht von Cora Wucherer

Meine Gedanken:

All die Farben, all das Licht hat mich tief berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es ist eine Geschichte über Familie, über zwei Schwestern, über Krankheit und über Verlust. Den Verlust einer Mutter, den Verlust von Hoffnung und den Verlust von Lebensplänen. Und gleichzeitig ist es ein Buch voller Dinge, die nie ausgesprochen werden.

Denn miteinander zu reden gehört in der Familie Vogl nicht unbedingt zu den größten Stärken. Gerade dadurch entstehen Missverständnisse, Einsamkeit und dieses schmerzhafte Gefühl, dass Menschen sich sehr lieben können und sich trotzdem nicht richtig erreichen.

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten:

Im Mittelpunkt stehen Martha und Juna. Zwei Schwestern, zwei völlig verschiedene Persönlichkeiten und zwei junge Menschen, die beide auf ihre eigene Art versuchen, mit einer Familie umzugehen, die längst aus dem Gleichgewicht geraten ist. Man begleitet beide abwechselnd und bekommt dadurch nicht nur zwei Perspektiven, sondern auch zwei sehr unterschiedliche Wahrheiten. Das hat für mich wunderbar funktioniert. Denn weder Martha noch Juna haben allein recht. Beide sehen nur ihren eigenen Ausschnitt. Und genau darin liegt so viel von der Tragik dieser Geschichte.

Martha – laut, wild und trotzdem unsichtbar:

Martha ist 13 und eigentlich wirkt sie oft viel älter. Sie ist impulsiv, wild und steckt voller Ideen, bei denen ich manchmal lachen musste und manchmal nur den Kopf schütteln konnte. Sie denkt groß, handelt groß und vollbringt Dinge, die für ihr Alter erstaunlich sind. Und trotzdem hat sie ständig das Gefühl, dass niemand sie wirklich sieht.

Denn in ihrer Familie dreht sich vieles um Juna. Um Junas Krankheit, um Junas Zukunft, um Junas Verlust. Martha ist da, aber oft fühlt sie sich wie eine Randfigur im eigenen Leben. Und genau das hat mich bei ihr besonders getroffen. Unter all ihrer Lautstärke liegt nämlich sehr viel Verletzlichkeit.

Juna – Kunst, Angst und eine Zukunft, die plötzlich anders aussieht:

Juna ist 17. Künstlerin durch und durch. Sie malt, sie lebt für Kunst, sie verehrt Lotte Laserstein und träumt davon, selbst an einer Kunstakademie zu studieren. Doch dann verändert ein Termin beim Augenarzt alles. Juna wird erblinden.

Das Usher-Syndrom nimmt von da an unglaublich viel Raum ein. Nicht nur in ihrem Leben, sondern in der gesamten Familie. Plötzlich steht alles unter dem Zeichen dieser Krankheit. Juna hat das Talent, die Aufmerksamkeit und die große Sorge der Familie. Aber eben auch die Diagnose, die ihre gesamte Zukunft infrage stellt. Wie plant man weiter, wenn der größte Traum plötzlich bedroht ist? Wie hält man an etwas fest, wenn man nicht weiß, wie lange man es noch sehen kann? Diese Fragen liegen über ihrer ganzen Geschichte.

Kunst, die verbindet:

Kunst ist in diesem Buch nicht einfach nur Junas Leidenschaft. Sie ist eines der Herzstücke der gesamten Geschichte. Durch Juna wird auch Lotte Laserstein auf eine besondere Art lebendig. Man wandelt ein kleines Stück auf den Spuren der Malerin – bis nach Malmö in Schweden.

Und das hat bei mir tatsächlich etwas ausgelöst: Während des Lesens habe ich angefangen, einige Werke von Laserstein zu googeln, weil ich wissen wollte, welche Bilder Juna so faszinieren. Genau dadurch wurde die Geschichte für mich noch lebendiger.

Aber Kunst bedeutet hier noch viel mehr. Es geht darum, wie wir gesehen werden, was von uns bleibt und wie etwas weiterleben kann, wenn wir selbst irgendwann nicht mehr da sind. Und auch darum, dass Kunst heilsam sein kann. Sie hält fest, sie verbindet Menschen und sie gibt Gefühlen eine Form, für die manchmal die richtigen Worte fehlen. Gerade in einer Familie, in der so vieles unausgesprochen bleibt, fand ich diesen Gedanken wunderschön.

Was unausgesprochen bleibt:

Was mich besonders berührt hat, war dieses permanente Schweigen zwischen den Figuren. Nicht völlige Sprachlosigkeit, sondern dieses: Man redet, aber nicht über das Eigentliche. Man sagt etwas, aber nicht das, was wirklich wehtut.

Dadurch entsteht eine ganz eigene Spannung. Keine laute, keine dramatische, sondern eine, die sich langsam festsetzt. Weil man als Leser so oft denkt: **Redet doch miteinander. Sagt es euch endlich.** Und gleichzeitig versteht man, warum es ihnen so schwerfällt.

Georg – ein Vater zwischen Überforderung und Liebe:

Auch Georg, der alleinerziehende Vater der beiden, durchläuft für mich eine wichtige Entwicklung. Meist lernen wir ihn nur durch die Augen seiner Töchter kennen. Das macht ihn zunächst schwer greifbar. Denn Martha und Juna sehen natürlich jeweils einen anderen Vater. Einen, der unterschiedlich handelt, unterschiedlich enttäuscht und unterschiedlich liebt.

Dass es schließlich ein Kapitel gibt, das nur ihm gehört, fand ich deshalb besonders stark. Zum ersten Mal bekommt man einen direkteren Blick darauf, was in ihm selbst passiert. Auch er trägt Verlust, auch er ist überfordert, auch er versucht irgendwie, diese Familie zusammenzuhalten. Nicht immer gut. Aber menschlich.

Alex und all die Menschen dazwischen:

Und dann ist da Alex. Jeder braucht einen Alex im Leben. Dieser beste Freund, der unnützes Wissen mit sich herumträgt und trotzdem genau dann die richtigen Worte findet, wenn sie gebraucht werden. Ich mochte ihn unglaublich gern.

Aber auch Sophie, Sam, Daria, Christina und Constantin haben für mich dazu beigetragen, dass sich die Welt rund um Martha und Juna lebendig angefühlt hat. Sie alle sind Teil ihres Lebens. Nicht bloß Staffage, sondern Menschen, die auffangen, begleiten, nerven, helfen oder einfach da sind. Und manchmal ist genau dieses Dasein das Wichtigste überhaupt.

Schreibstil:

Cora Wucherers Schreibstil hat für mich sehr gut zur Geschichte gepasst. Er ist leicht zu lesen und trotzdem voller Gefühl. Ich würde ihn fast als alltagstaugliche Poesie beschreiben. Nie überladen, nie zu künstlich, aber immer wieder mit Sätzen, die hängen bleiben.

Besonders stark fand ich, wie genau sie die Stimmen von Martha und Juna trifft. Beide erzählen anders, beide fühlen anders, beide klingen nach sich selbst. Und obwohl der Roman viele leise Töne anschlägt, gibt er beiden Schwestern sehr starke Stimmen.

Entwicklung:

Sowohl Martha als auch Juna machen im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durch. Nicht plötzlich, nicht geradlinig, sondern mit Rückschritten, Fehlern, Wut und Schmerz. Und auch Georg verändert sich.

Genau das mochte ich so sehr. Niemand ist am Ende einfach „geheilt“. Niemand hat plötzlich alle richtigen Antworten. Aber die Figuren lernen, sich ein kleines Stück besser zu sehen. Und vielleicht auch ein kleines Stück besser zu verstehen.

Was bleibt?

All die Farben, all das Licht ist für mich eine Geschichte über Verlust, ohne nur traurig zu sein. Über Krankheit, ohne sich nur um Krankheit zu drehen. Über Familie, ohne Familie zu verklären. Und über Schwesternschaft, ohne so zu tun, als wäre Nähe immer einfach.

Aber vor allem nehme ich auch die Kunst aus dieser Geschichte mit. Den Gedanken daran, gesehen zu werden, Spuren zu hinterlassen und etwas zu schaffen, das über den Moment hinaus Bestand hat. Und daran, dass Kunst manchmal genau dort eine Verbindung herstellen kann, wo Worte nicht mehr reichen.

Martha und Juna haben mich beide auf ganz unterschiedliche Weise berührt. Die eine laut, die andere stiller, und beide mit sehr viel Schmerz unter der Oberfläche.

Und auch wenn Juna nur eine fiktive Figur ist, wünsche ich ihr nach diesem Buch von Herzen alles erdenklich Gute für ihre Zukunft. Ich wünsche ihr, dass sie ihre Träume verwirklichen kann. Nicht trotz ihrer Krankheit. Sondern mit ihrer Krankheit.

Vielleicht hat mich genau das an dieser Geschichte so bewegt. Dass ein veränderter Lebensplan nicht automatisch das Ende eines Traums bedeuten muss. Manchmal muss der Weg dorthin nur neu gezeichnet werden.

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Ein verfluchter Buchladen, ein viel zu attraktiver Pirat und Sarkasmus ohne Ende.

Cursed for Good - Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen. von Amy Coombe

Worum geht es?

Prinzessin Tandy hat eigentlich genug von ihrem königlichen Alltag. Reisen, Bälle, Eröffnungszeremonien und Kleider, die zwicken – vor allem bleibt dabei viel zu wenig Zeit zum Lesen.

Als sie ausgerechnet dazu verflucht wird, in einem Buchladen zu leben, bis sich ihr wahrer Herzenswunsch erfüllt, klingt das deshalb zunächst eher nach einem Traum als nach einer Strafe.

Endlich Bücher. Ruhe. Zeit zum Lesen. Na ja. Fast. Da wären noch Sasha, eine ziemlich leidgeprüfte Teenagerin mit Drachenflügeln, ein verdächtig attraktiver und bücherstehlender Pirat und Tandys Eltern, die der festen Überzeugung sind, dass natürlich irgendein Prinz den Fluch ihrer Tochter brechen muss. Also schicken sie kurzerhand die Prinzen der umliegenden Reiche vorbei.

Denn was könnte der Herzenswunsch einer Prinzessin schon anderes sein als ein Prinz? Oder vielleicht doch eher ein sexy Pirat?

Meine Gedanken:

Ich liebe und feiere den vor Sarkasmus triefenden Humor dieses Buches.

Tandy mit ihrer spitzen Zunge und dieser herrlich trockenen Art, die absurdesten Situationen einfach festzustellen, hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Überhaupt liest sich Cursed for Good für mich wie ein Comedy-Märchen für Erwachsene.

Die Geschichte weiß ganz genau, welche Klischees sie bedient – und macht daraus einen Teil ihres Charmes.

Da gibt es Sasha, die depressive und vom Leben genervte Teenager-Drakonin. Einen sexy Piraten mit verboten gutem Aussehen, dessen Hemd natürlich einen Tick zu weit offen steht. Und selbstverständlich mehrere Prinzen, deren Kuss der wahren Liebe Tandys Fluch doch bestimmt brechen wird.

Märchenklischees? Absolut. Aber bitte mit ordentlich Sarkasmus serviert.

Vom Humor her musste ich tatsächlich immer wieder an Assistant to the Villain denken – und genau den habe ich ebenfalls gefeiert.

Tandy – Prinzessin wider Willen:

Tandy ist herrlich unkonventionell. Sie ist hilfsbereit, etwas zu gutgläubig und lässt sich dadurch gleich zu Beginn nicht nur verfluchen, sondern fällt anschließend auch noch einem Diebstahl zum Opfer. Dabei passt sie überhaupt nicht in dieses klassische Bild der Prinzessin, die nur darauf wartet, von einem hübschen Prinzen gerettet zu werden. Ganz im Gegenteil. Tandy scheint mit ihrem Fluch eigentlich ziemlich zufrieden zu sein.

Ein Buchladen voller Geschichten, keine königlichen Pflichten und endlich genug Zeit zum Lesen? Ich verstehe ehrlich gesagt vollkommen, warum sie es mit der Fluchbrechung nicht besonders eilig hat. ????

Ein Märchen für große Kinder:

Was ich besonders mochte, ist dieses Gefühl, das die Geschichte vermittelt. Man muss keine Angst haben, dass gleich etwas furchtbar Schlimmes passiert. Man muss keine komplizierten politischen Systeme verstehen oder sich hundert Namen merken. Man kann sich einfach in diese märchenhafte, magische Welt fallen lassen und eine gute Zeit haben. Ein bisschen wie früher als Kind – nur dass die Protagonisten inzwischen ebenfalls erwachsen geworden sind.

Auch die Magie passt perfekt dazu. Sie ist erstaunlich praktisch veranlagt. Putzen? Zauber. Waschen? Zauber. Aufräumen? Natürlich gibt es auch dafür Magie. Warum kompliziert, wenn man einfach zaubern kann?

Genau diese kleinen Details machen die Welt gemütlich und verspielt, ohne dass das Magiesystem irgendwelche großen Erklärungen braucht.

Romance & Chemie:

Die Romance entwickelt sich eher langsam und passt dadurch gut zum restlichen Cozy-Gefühl der Geschichte. Das große Feuerwerk ist es nicht – und mit einem von fünf Flammen bleibt der Spice sehr zurückhaltend. Die Chemie zwischen Tandy und dem Piraten hat für mich dafür deutlich besser funktioniert. Da ist dieses spielerische Knistern, die Neckerei und genau die richtige Portion „du gehst mir auf die Nerven, aber leider bist du viel zu attraktiv“. Mit vier von fünf Funken war die Chemie für mich klar spürbar, ohne dass die Romance die ganze Geschichte übernimmt.

Wohlfühlbuch statt großes Abenteuer:

Ich bin ohne große Erwartungen an Cursed for Good herangegangen. Ich wollte Spaß. Ich wollte eine schöne Zeit. Und genau das habe ich bekommen. Für mich ist das ein richtiges Wohlfühlbuch. Ich habe meine Erwartungen an die Geschichte angepasst – und nicht verlangt, dass die Geschichte mir irgendetwas beweisen muss.

Sie möchte kein episches Fantasyabenteuer sein. Sie möchte unterhalten. Zum Schmunzeln bringen. Ein bisschen romantisch sein. Und einem für ein paar Stunden das Gefühl geben, in einem verzauberten Buchladen leben zu dürfen. Und darin ist sie richtig gut.

Ein bisschen weniger hätte gereicht:

Ganz ohne Kritik komme ich allerdings nicht aus. Im zweiten Drittel hat sich die Geschichte für mich etwas gezogen. Da die Handlung insgesamt eher überschaubar ist und das Buch stark von seinen Figuren, dem Humor und dem Setting lebt, gab es Stellen, an denen ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte. Ein bisschen Straffung hätte der Geschichte hier gutgetan.

Das hat meinen Spaß insgesamt aber kaum getrübt. Dafür mochte ich Tandy, den Humor und diese ganze absurde Märchenwelt einfach zu gerne.

Wie klang die Geschichte?

Ich habe Cursed for Good als Hörbuch gehört und hatte damit eine wirklich gute Zeit. Die deutsche Hörbuchfassung wird von Yeşim Meisheit gesprochen.

Für mich war die Geschichte sehr stimmig gelesen. Ich konnte ihr problemlos folgen und habe der Sprecherin einfach gerne zugehört.

Gerade bei einem Buch, das so stark von Tandys trockenem Humor, Sarkasmus und den teilweise völlig absurden Situationen lebt, ist das ziemlich wichtig.

Die Stimme hat für mich gut zu diesem leichten, märchenhaften Ton gepasst und mich angenehm durch die Geschichte getragen.

Was bleibt?

Cursed for Good war genau das Buch, das ich in diesem Moment gebraucht habe.

Ein verfluchter Buchladen. Eine Prinzessin, die eigentlich überhaupt nicht gerettet werden möchte. Eine depressive Drakonin. Mehrere Prinzen, die pflichtbewusst zum Fluchbrechen antreten. Ein viel zu attraktiver Pirat. Und jede Menge trockener Humor.

Im zweiten Drittel hätte die Geschichte für mich etwas schneller sein dürfen, aber das ist am Ende nur ein kleiner Kritikpunkt.

Ich wollte Spaß – und den habe ich bekommen.

Für mich ist Cursed for Good ein wunderbar leichtes Wohlfühlbuch, bei dem man sich einfach zurücklehnen, den Alltag vergessen und für ein paar Stunden wieder in ein Märchen fallen lassen kann. Nur diesmal mit erwachsenen Figuren, Sarkasmus und einem Piraten, dessen Hemd offenbar wirklich keine weiteren Knöpfe gebraucht hätte. ????????‍☠️

Bewertung: ???????????????? / 5
Spice:???? / 5
Chemie: ✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????? / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️????️ / 5

Vier Eulen für ein Comedy-Märchen voller Bücher, Magie, Klischees und genau der richtigen Portion Sarkasmus.

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Bourbon, Small-Town-Vibes und zwei Menschen, zwischen denen es lichterloh brennt.

Bourbon and Lies von Victoria Wilder

Worum geht es?

Im verschlafenen Fiasco, Kentucky, rankt sich ein dunkles Geheimnis um die Familie Foxx: Jede Frau, die sich in einen der drei Brüder verliebt, stirbt.

Für Grant Foxx ist das mehr als nur ein Gerücht. Nachdem seine Geliebte Fiona ermordet wurde, hat er sich aus dem Polizeidienst zurückgezogen und arbeitet nun in der Bourbon-Brennerei seiner Familie.

Er hat sich geschworen, nie wieder zu lieben.

Dann taucht Laney Young auf. Eine Fremde mit einer gefährlichen Vergangenheit, die unter keinen Umständen preisgeben darf, was ihr passiert ist. Grant spürt sofort, dass sie etwas verbirgt und versucht, sie auf Abstand zu halten.

Nur leider funktioniert das überhaupt nicht.

Denn zwischen Grant und Laney knistert es vom ersten Moment an.

Meine Gedanken:

Ah. Ich hab’s geliebt.

Western-Romance-Vibes sind einfach eines meiner Guilty Pleasures und vielleicht bin ich hier auch ein kleines bisschen voreingenommen. Aber Bourbon and Lies war wirklich genau meine Mischung.

Einnehmende Charaktere mit Ecken und Kanten, eine wildromantische Kulisse, Spannung durch den Suspense-Anteil und dieses lodernde Inferno zwischen den Protagonisten – mehr brauche ich manchmal gar nicht.

Dabei fand ich besonders schön, dass sich die Geschichte nicht nur auf die Romance verlässt. Unter der gemütlichen Oberfläche von Fiasco liegt ständig etwas Bedrohliches. Laney ist auf der Flucht, Grant trägt seine eigene tragische Vergangenheit mit sich herum und man weiß die ganze Zeit: Irgendwann wird das alles eskalieren.

Romance zum Wohlfühlen – aber eben nicht ohne Gefahr.

Willkommen in Fiasco, Kentucky:

Ich habe mich in Fiasco unglaublich schnell wohlgefühlt.

Besonders erfrischend fand ich das Setting rund um die Bourbon-Destillerie. Mal keine klassische Ranch, sondern eine Familienbrennerei mit ganz eigenem Flair.

Cowboys sucht man auf der Bourbon Ranch zwar vergeblich und auch Grant trägt keinen Hut – trotzdem hatte die Geschichte für mich genau dieses herrliche Wild-West-Feeling. ????

Dazu kommen die romantischen Ausritte, die Landschaft und versteckte Wasserfälle. Ich habe mich in diesen Szenen regelrecht verloren.

Genau das liebe ich an solchen Geschichten: Wenn ein Setting nicht einfach nur Hintergrund ist, sondern zu einem Ort wird, an dem ich mich selbst gerne für eine Weile verlieren möchte.

Und Fiasco?

Da würde ich definitiv noch einmal vorbeischauen.


Grant & Laney:

Die beiden sind einfach hot zusammen.

Es knistert wirklich von der ersten Begegnung an. Beide haben ihre Päckchen zu tragen und teilen schwere Schicksale. Dadurch wirken ihre Schutzmauern nicht künstlich, sondern nachvollziehbar. Und gerade weil beide eigentlich gute Gründe hätten, sich voneinander fernzuhalten, macht die Anziehung zwischen ihnen umso mehr Spaß.

Laneys Geheimnis steht allerdings lange zwischen ihnen. Sie darf auf keinen Fall preisgeben, was mit ihr passiert ist, weil sie glaubt, damit andere Menschen in Gefahr zu bringen. Und genau hier liegt vielleicht mein einziger wirklicher Kritikpunkt. Ab einem gewissen Punkt konnte ich nicht mehr ganz nachvollziehen, warum Laney sich Grant weiterhin nicht öffnet.

Laney. Bitte. Sag es ihm doch einfach. ????

Aber ganz ehrlich? Bei allem, was die Geschichte für mich sonst richtig gemacht hat, kann ich hier wirklich ein Auge zudrücken. Denn die Chemie zwischen den beiden? Die habe ich von Anfang bis Ende gespürt.


Suspense & Geheimnisse:

Auch der Suspense-Anteil hat mich richtig gut unterhalten.

Durch Laneys Vergangenheit weiß man von Anfang an, dass irgendwann etwas passieren wird. Selbst in den romantischen und gemütlichen Momenten bleibt deshalb dieses unterschwellige Gefühl von Gefahr. Man wartet regelrecht darauf, dass alles aufeinanderprallt. Wann kommt der große Showdown?

Und genau deshalb habe ich bis zuletzt mitgefiebert.

Ich mochte besonders, dass die Spannung die Romance nicht verdrängt. Beides läuft nebeneinander und ergänzt sich richtig gut.

Für mich war das genau die richtige Mischung aus Herzklopfen und Nervenkitzel.


Die Foxx-Familie:

Nicht nur Grant und Laney haben mich für sich eingenommen.

Auch die anderen Figuren rund um die Familie und die Bourbon Ranch habe ich ziemlich schnell ins Herz geschlossen.

Da entsteht genau diese Art von Found Family, bei der man nach dem ersten Band eigentlich noch gar nicht wieder gehen möchte.

Die Foxx-Brüder machen neugierig, die Menschen rund um die Farm fühlen sich schnell vertraut an und ich freue mich jetzt schon darauf, noch mehr Zeit mit ihnen zu verbringen.

Fiasco hat mich definitiv noch nicht zum letzten Mal gesehen.

Wie ließ es sich im Original lesen?
Ich habe Bourbon and Lies im englischen Original gelesen und bin damit wunderbar zurechtgekommen.

Victoria Wilders Schreibstil ist erfrischend leicht und herrlich unkompliziert. Man fliegt geradezu durch die Seiten.

Trotzdem gehen dabei für mich keine Details verloren. Die Landschaft, die Destillerie, die Ausritte, die versteckten Wasserfälle und die kleinen Momente zwischen den Figuren konnte ich direkt vor mir sehen.

Gerade wenn du dich bisher vielleicht noch nicht so richtig an englische Romance herangetraut hast, fand ich dieses Buch sprachlich sehr angenehm.

Leicht zu lesen und trotzdem atmosphärisch – genau so mag ich das.

Was bleibt?

Bourbon and Lies war für mich einfach ein richtig gutes Gesamtpaket.

Eine verschlafene Kleinstadt, Western-Flair, eine Bourbon-Destillerie, ein spannender Suspense-Anteil, einnehmende Charaktere mit Ecken und Kanten und zwei Protagonisten, zwischen denen es von Anfang an lichterloh brennt.

Dazu kommt eine Found Family, auf deren Geschichten ich mich jetzt schon freue.

Laneys langes Schweigen hat mich irgendwann ein bisschen genervt, aber ganz ehrlich?

Bei diesem Gesamtpaket drücke ich gerne ein Auge zu.

Ich habe mich in Fiasco wohlgefühlt, Grant und Laney geliebt und bin nur so durch die Seiten geflogen.

???????????????????? / 5
Spice: ???????????????? / 5
Chemie: ✨✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????????????? / 5

Fünf Eulen für Bourbon, Western-Flair, Spannung, Found Family und zwei Menschen, bei denen aus Knistern ziemlich schnell ein kleines Inferno wird. ????????????

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Drachen, Hexenjagd-Vibes und eine Welt, in der Angst zur Waffe wird

Dragon Cursed - Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe) von Elise Kova

Worum geht es?

Vingard ist eine der letzten Bastionen der Menschheit. Drachen gelten als tödliche Bedrohung, denn der Drachenfluch verwandelt Menschen in willenlose Bestien. Mit 18 müssen sich deshalb alle Einwohner einem Tribunal stellen. Durch verschiedene Prüfungen soll herausgefunden werden, ob jemand den Fluch in sich trägt – und wer betroffen ist, wird eliminiert.

Isola hat bereits als Kind einen Drachenangriff überlebt. Seitdem gilt sie als Reinkarnation von Valor, dem großen Retter und Drachentöter. Doch während alle in ihr die Erlöserin sehen, fürchtet Isola selbst, genau das zu sein, was die Kirche vernichten will.

Während des Tribunals wird ausgerechnet Lucan, der Sohn des Vikars, zu einem wichtigen Verbündeten. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?

Meine Gedanken:

Die Welt war für mich ganz klar eine der größten Stärken von Dragon Cursed. Vingard ist grausam, streng und von Angst geprägt. Gesetze und Glaubenssätze bestimmen den Alltag und schon kleine Abweichungen können tödliche Folgen haben. Dazu kommen Drachen, der geheimnisvolle Drachenfluch und eine spannende Sigillenmagie, die aus Ätherlicht geschöpft wird.

Besonders stark fand ich die Rolle der Kirche. Gnadenritter, Inquisitoren und das Tribunal erzeugen eine beklemmende Stimmung. Immer wieder musste ich dabei an historische Hexenjagden denken: Das vermeintlich Böse muss gefunden und ausgelöscht werden, damit die eigene Seite weiterhin als die Gute dastehen kann.

Die letzte Bastion der Menschheit:

Vingard wirkt mittelalterlich angehaucht und gleichzeitig wie eine dystopische Gesellschaft. Es gibt klare Regeln darüber, was geglaubt werden darf, was erlaubt ist und wer darüber entscheidet, was Wahrheit ist.

Wissenschaft und Forschung haben in diesem System kaum Platz. Das bekommt auch Isolas Mutter zu spüren, die Drachen erforscht und dafür einen hohen Preis zahlt.

Und genau hier beginnt die Geschichte Fragen aufzuwerfen, die ich besonders spannend fand:

Warum darf Isola ihre Mutter nicht mehr sehen? Was versucht das Tribunal zu verbergen? Und was steckt wirklich hinter dem Drachenfluch?

Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen sind in dieser Welt allgegenwärtig.

Die Prophezeiung:

Für alle anderen scheint Isolas Rolle längst festzustehen. Sie ist die Retterin. Die Erlöserin Vingards. Die Reinkarnation Valors.

Zumindest ist das die Geschichte, die die Kirche aus ihr gemacht hat.

Für mich fühlte sich Isola deshalb häufig wie eine Marionette des Vikars an. Nach außen ist sie mutig und stark, innerlich dagegen vollkommen zerrissen.

Was, wenn sie gar keine Erlöserin ist? Was, wenn sie selbst verflucht ist?

Dieser Gedanke könnte ihr zum Verhängnis werden. Gleichzeitig spürt man, dass etwas in ihr schlummert, das sie selbst noch nicht vollständig versteht. Gerade diese Unsicherheit hat sie für mich zu einer spannenden Protagonistin gemacht.

Lucan:

Lucan ist der Sohn des Vikars und zunächst schwer einzuschätzen. Man weiß nicht genau, warum er Isola beobachtet, was er wirklich weiß und auf welcher Seite er steht.

Während des Tribunals wird er jedoch zu einem wichtigen Verbündeten. Und schnell wird deutlich, dass hinter ihm mehr steckt, als man anfangs vermutet.

Gerade dieses Misstrauen zwischen den beiden funktioniert gut, weil man auch als Leser nie ganz sicher sein kann, wem in Vingard überhaupt zu trauen ist.

Slow-Burn-Romance:

Die Romance zwischen Isola und Lucan entwickelt sich sehr langsam und nimmt im Vergleich zur Fantasyhandlung nur wenig Raum ein. Für Young Adult fand ich das absolut passend.

Ich mochte, dass sich die Beziehung vorsichtig entwickelt und die eigentliche Handlung nicht überlagert. Gleichzeitig hätte ich mir zwischen den beiden etwas mehr Funkensprühen gewünscht.

Die Romance war für mich stimmig – aber das große Knistern hat noch gefehlt.

Handlungsverlauf & Ende:

Die Handlung ist geprägt von Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen. Allerdings braucht die Geschichte für meinen Geschmack etwas, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt.

Gerade der Einstieg ist ruhiger. Sobald die Deadly Trials beginnen, zieht das Tempo aber deutlich an. Die Prüfungen nehmen einen großen Raum ein und sorgen für einige der spannendsten und nervenaufreibendsten Momente des Buches.

Auch an Twists mangelt es nicht. Einige haben für mich gut funktioniert, andere konnte man als aufmerksamer Leser schon relativ früh erahnen. Deshalb hat mich das Ende nicht völlig überrascht.

Es kam ungefähr so, wie ich es erwartet hatte – natürlich inklusive Cliffhanger.

Wie klang die Geschichte?

Ich habe Dragon Cursed als Hörbuch gehört.

Die Sprecherin hat grundsätzlich eine angenehme Stimmfarbe und ich konnte ihr gut folgen. Gerade für längere Hörsessions war das sehr angenehm.

Ganz überzeugen konnte mich die Interpretation trotzdem nicht. Mir war sie stellenweise etwas zu eintönig.

Gerade weil Vingard so bedrohlich ist und das Tribunal mit so viel Angst, Gefahr und Misstrauen verbunden ist, hätte ich mir mehr Dynamik und stärkere Unterschiede in der Sprechweise gewünscht.

Die düstere Atmosphäre kam dadurch für mich nicht immer so intensiv an, wie sie hätte wirken können.

Angenehm zu hören – aber emotional hätte da für mich noch mehr drinstecken dürfen.

Was bleibt?

Dragon Cursed hat mich vor allem mit seiner Welt bekommen.

Eine letzte Bastion der Menschheit. Drachen als tödliche Bedrohung. Ein Fluch. Eine Kirche, die über Wahrheit und Leben entscheidet. Tribunale, die an Hexenjagden erinnern. Und eine junge Frau, die als Retterin verehrt wird, während sie selbst fürchtet, genau das zu sein, was alle vernichten wollen.

Die Geschichte braucht etwas, bis sie richtig Fahrt aufnimmt, aber spätestens mit den Deadly Trials wird es deutlich spannender. Intrigen, Machtspiele und einige Twists halten die Handlung in Bewegung, auch wenn manche Enthüllungen für mich etwas vorhersehbar waren.

Die Slow-Burn-Romance fügt sich angenehm ein und nimmt nicht zu viel Raum ein. Für Young Adult fand ich das sehr passend, auch wenn ich mir etwas mehr Funken gewünscht hätte.

Diese Mischung aus Fantasy, Dystopie, Religion, Macht und Angst hat für mich richtig gut funktioniert.

???????????????? / 5
Atmosphäre: ???????????????? / 5
Chemie: ✨✨✨ / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️ / 5

Vier Eulen für eine düstere Drachenfantasy mit Hexenjagd-Vibes, spannenden Trials und einer Welt, in der die größte Gefahr vielleicht nicht nur von den Drachen ausgeht.

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Wie ein Ghibli-Film zwischen Bubble Tea, Sonnengeistern und gesellschaftlicher Schieflage

The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro

Worum geht es?

Rainshadow City ist eine Stadt voller Gegensätze. Während am Kaiserhof Reichtum und Privilegien herrschen, kämpfen viele Menschen außerhalb des Palastes gegen Armut, Korruption und Ungerechtigkeit.

Mittendrin leben Toshiko, Jun und Mei – Wahlgeschwister, die sich selbst zu einer Familie gemacht haben und als Rainshadow Orphans für Gerechtigkeit kämpfen.

Gleichzeitig versucht Theo, der auf illegalem Weg in die Stadt gekommen ist, irgendwie zu überleben, während Haru als Sohn der Kaiserin in einer vollkommen anderen Welt aufwächst und eine besondere Verbindung zu magischen Sonnengeistern entwickelt.

Als Toshiko dem Anführer der Lucky Crows eine geheimnisvolle Drachenperle stiehlt, beginnen sich ihre Geschichten miteinander zu verweben – und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als nur ihr eigenes Überleben. Die Geschichte spielt innerhalb eines eng gefassten Zeitraums und führt die verschiedenen Perspektiven zunehmend zusammen.

Meine Gedanken:

Ein Buch wie ein Ghibli-Film? Bin ich dabei!

Und tatsächlich war genau das für mich die größte Stärke von The Rainshadow Orphans.

Naomi Ishiguro hat eine faszinierende Welt geschaffen, in der sich Alt und Neu miteinander vermischen. Traditionen treffen auf futuristische Technologien, Sonnengeister auf Bots und Kaiserpaläste auf Bubble Tea. Diese Gegensätze funktionieren erstaunlich gut zusammen und geben Rainshadow City einen ganz eigenen Charakter.

Besonders stark fand ich dabei die gesellschaftliche Ebene. Zwischen dem prunkvollen Kaiserhof, den Lucky Crows und den Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen, wird die enorme Kluft zwischen Arm und Reich immer wieder sichtbar. Korruption, politische Ungerechtigkeit und die Frage, wer in einer Gesellschaft überhaupt eine Stimme bekommt, ziehen sich durch die Geschichte. Genau dadurch war die Welt für mich nicht nur hübsche Kulisse, sondern hatte wirklich etwas zu erzählen.

Und ja: Während des Lesens habe ich mir tatsächlich meinen ersten Bubble Tea gegönnt. ???? Wenn ein Buch das schafft, muss die Atmosphäre schon irgendetwas richtig gemacht haben.

Die Rainshadow Orphans:

Auch die kleine Gruppe rund um Toshiko, Jun und Mei mochte ich richtig gerne.

Sie sind nicht durch Blut miteinander verbunden, sondern haben sich gegenseitig als Familie gewählt. Diese Found-Family-Dynamik hat für mich wunderbar funktioniert.

Ich konnte mit ihnen mitfiebern und fand besonders spannend, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge nach und nach annähern. Theo startet zunächst vollkommen außerhalb ihrer Gruppe und trotzdem merkt man immer stärker, dass seine Geschichte mit ihrer verbunden ist.

Dieses langsame Zusammenlaufen der einzelnen Wege hat mir richtig gut gefallen.

Auch Harus Perspektive bringt noch einmal eine ganz andere Seite Rainshadow Citys hinein. Plötzlich betrachtet man dieselbe Welt nicht nur von unten, sondern auch aus der Nähe des Kaiserhofs.

Eine Welt zwischen Tradition und Zukunft:

Für mich bleibt das Worldbuilding ganz klar das Highlight.

Diese Mischung ist ungewöhnlich: futuristische Technik, traditionelle Strukturen, Magie, Geisterwesen und eine Stadt, deren soziale Unterschiede man beinahe an jeder Straßenecke spürt.

Das Buch wird offiziell als Mischung aus japanischer Folklore, Ghibli-artiger Fantasy und Cyberpunk beschrieben – und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen auch. Rainshadow City fühlt sich gleichzeitig alt und futuristisch an. Und gerade dadurch wollte ich immer wieder wissen, was sich hinter der nächsten Ecke dieser Stadt verbirgt.


Ein Einstieg mit etwas Geduld:

Ganz reibungslos war mein Leseerlebnis allerdings nicht.

Gerade am Anfang musste ich erst einmal herausfinden, wer eigentlich wer ist und wie die einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Durch die verschiedenen Perspektiven bekommt man zwar einen breiten Blick auf Rainshadow City, aber bis ich alle Charaktere richtig eingeordnet hatte, brauchte es etwas Zeit und Geduld.

Auch später bringt der Roman einige Längen mit. Es gab Passagen, in denen die Geschichte für mich deutlich langsamer wurde und ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte. Gerade bei einem Buch mit 640 Seiten merkt man solche ruhigeren Abschnitte natürlich umso stärker. Die deutsche Ausgabe umfasst tatsächlich 640 Seiten.

Trotzdem hat mich die Welt immer wieder zurückgeholt. Denn selbst wenn die Handlung zwischendurch etwas durchhängt, wollte ich Rainshadow City nicht verlassen.

Was bleibt?

The Rainshadow Orphans war für mich vor allem eines: eine außergewöhnliche Reise in eine faszinierende Welt.

Die Mischung aus futuristischen Elementen und Tradition, Magie und Technik, Kaiserhof und Untergrund hat mich richtig begeistert.

Dazu kommt eine sympathische Found Family, deren einzelne Geschichten sich immer stärker miteinander verweben, und eine Handlung, die neben all der Fantasy auch gesellschaftskritische Fragen zu Macht, Armut, Korruption und Ungerechtigkeit aufwirft.

Der Einstieg braucht etwas Geduld und auch später gibt es einige Längen.

Aber die Welt? Die ist hängen geblieben. Und manchmal reicht genau das, damit ich wissen möchte, was noch in ihr steckt.

???????????????? / 5

Vier Eulen für eine ungewöhnliche Mischung aus Ghibli-Vibes, Cyberpunk, Found Family und Gesellschaftskritik – mit einer Welt, die für mich eindeutig der Star der Geschichte ist. ????????????

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Eine düstere Reise voller Gefahren

Crown of War and Shadow von J. R. Ward

Worum geht es?

Das Fulcrum beginnt zu zerbrechen und Dämonen dringen immer weiter in die Welt der Sterblichen vor. Mittendrin lebt Sorrel, eine Waise und Ausgestoßene, deren ungewöhnliche Fähigkeiten sie ihr ganzes Leben lang von anderen Menschen getrennt haben. Als sie erfährt, dass ausgerechnet sie auserwählt wurde, die Krone der Königin zurückzubringen und damit vielleicht ihre Welt zu retten, beginnt eine gefährliche Reise durch die Badlands.

Sorrel weiß allerdings selbst nur zu gut, dass sie keine klassische Heldin ist. Deshalb sucht sie Schutz bei Merc, einem gefürchteten und undurchschaubaren Söldner. Sein Preis? Eine Nacht mit ihr. Und genau mit dieser Vereinbarung beginnt eine Reise durch eine Welt voller Dämonen, Geheimnisse und Verrat.

Meine Gedanken:

Ich hatte mich nach dem Klappentext wirklich auf diesen Reihenauftakt gefreut. Die Idee klang spannend und auch die Welt, die J. R. Ward hier erschaffen hat, konnte mich grundsätzlich überzeugen. Düster, gefährlich und kreativ. Überall lauern Bedrohungen und durch das Journey-Trope reist man gemeinsam mit Sorrel und Merc durch diese Welt. Das mochte ich eigentlich sehr, weil man dadurch nicht nur das Reich, sondern gleichzeitig auch die beiden Protagonisten Stück für Stück kennenlernt.

Leider hat genau diese Reise für mich aber auch einige Längen mitgebracht. Ich habe mich mehrmals dabei ertappt, wie meine Gedanken abgeschweift sind und ich mich wieder bewusst in die Geschichte zurückholen musste.

Sorrel & Merc:

Sorrel fand ich grundsätzlich spannend. Sie ist eine Ausgestoßene, gezeichnet von ihrer Vergangenheit und eine Heilerin mit magischen Fähigkeiten. Eigentlich eine Figur, mit der ich sehr gut hätte mitfühlen können. Nur leider zerfließt sie für meinen Geschmack stellenweise fast in ihren eigenen Selbstzweifeln. Natürlich kann ich nachvollziehen, woher diese Unsicherheit kommt, aber irgendwann hätte ich mir einfach etwas mehr Entwicklung und Selbstvertrauen gewünscht.

Und dann ist da Merc. Söldner, gefürchtet, verschlossen, undurchschaubar. Eigentlich genau der Typ Figur, bei dem ich normalerweise sofort aufmerksam werde. Leider hat er sich bei mir mit seiner ersten großen Forderung direkt selbst aus dem Rennen genommen. Was er von Sorrel als Bezahlung für seinen Schutz verlangt, fand ich einfach unpassend. Diese Vereinbarung konnte ich bis zum Schluss nicht wirklich nachvollziehen und sie hat es mir schwer gemacht, Merc später als möglichen Book Boyfriend zu sehen.

Wo war das Knistern?

Das Buch wird ausdrücklich als Slow-Burn-Romantasy beworben und die offizielle Beschreibung stellt die zunehmende Leidenschaft zwischen Sorrel und Merc stark heraus. Genau deshalb habe ich die ganze Zeit auf dieses Gefühl gewartet. Auf Spannung, auf Blicke, auf dieses „Ihr zwei solltet euch wirklich nicht näherkommen.“ Aber? Nichts.

Wo war der Spice? Wo war das Feuer? Wo war überhaupt das Knistern?

Ich habe es einfach nicht gespürt. Dass Slow Burn langsam ist, stört mich überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich liebe es, wenn eine Beziehung sich über viele kleine Momente aufbaut. Aber dafür muss zwischen den Figuren eben trotzdem etwas in der Luft liegen. Hier war für mich leider nicht einmal ein Funke.

Twists & Schreibstil:

Ganz verloren hat mich die Geschichte trotzdem nicht. Es gibt einige gute Wendungen und Momente, die mich wieder stärker aufhorchen ließen. Gerade wenn neue Informationen ans Licht kommen, zeigt sich, wie viel Potenzial eigentlich in dieser Welt steckt.

Und J. R. Wards Schreibstil mochte ich ebenfalls. Herrlich unkompliziert. Man kommt sprachlich gut durch die Geschichte und muss sich nicht durch unnötig komplizierte Formulierungen kämpfen. Das hat gerade bei einem Buch mit so viel eigener Welt und Magie definitiv geholfen.

Was bleibt?

Crown of War and Shadow hatte für mich viele Zutaten, die eigentlich genau mein Beuteschema sind: eine düstere Welt, Dämonen, Magie, eine gefährliche Reise, eine Auserwählte, ein geheimnisvoller Söldner und eine Romance, die sich langsam entwickeln soll.

Die Welt hat für mich funktioniert – die Beziehung leider nicht.

Sorrel und Merc konnten mich beide nicht vollständig für sich einnehmen und vor allem die Vereinbarung zwischen ihnen hat mich bis zuletzt gestört. Dazu kamen einige deutliche Längen. Die guten Twists und der angenehm unkomplizierte Schreibstil haben dafür gesorgt, dass ich die Geschichte trotzdem gerne beendet habe.

Aber das Gefühl, unbedingt wissen zu müssen, wie es weitergeht? Das ist leider ausgeblieben. Deshalb werde ich die Reihe vermutlich nicht weiterverfolgen.

???????????? / 5

Drei Eulen für eine kreative, düstere Welt mit spannenden Ansätzen – bei der mir zwischen all den Gefahren leider das wichtigste Feuer gefehlt hat.

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Die Lerche und ihre zwei Könige

The Sea Spinner von Julie Johnson

Worum geht es?

Nach der Schlacht von Fyremas ist Rhyas Welt aus den Fugen geraten.
Caeldera liegt in Trümmern, Freunde sind verletzt oder tot, und Penn zieht sich immer weiter von ihr zurück, während ihn sein Wunsch nach Rache beherrscht.
Ein Schicksalsschlag führt Rhya schließlich an den geheimnisvollen Water Court.

Dort muss sie lernen, ihre Magie besser zu verstehen — und trifft auf König Soren von Llŷr. Er ist so anders als Penn. Doch je mehr Soren ihr über die Magie und die Verbindung zwischen ihnen zeigt, desto stärker beginnt Rhya zu hinterfragen, was sie wirklich will und welche Rolle sie im kommenden Krieg spielen soll.

Meine Gedanken:

Nachdem ich Penn im ersten Band als ziemlich schwierig empfunden hatte, war ich ehrlich gesagt etwas nervös vor der Fortsetzung. Vor allem davor, wie sich seine Beziehung zu Rhya weiterentwickeln würde.
Und was soll ich sagen?Warum habe ich dieses Buch nicht schon früher zur Hand genommen? Wenn ich am Ende eines Buches sofort nachsehe, wann Band 3 erscheint, sagt das eigentlich schon alles.
Kleiner Spoiler zur Veröffentlichung: erst Februar 2027.

Nein. Mein Herz blutet. Für Rhya. Für Soren. Für Penn. Für meine gebrochene Seele. ????

Band 1 war für mich schon großartig — trotz meiner Probleme mit Penns Verhalten. Band 2 setzt noch einmal einen drauf.

Der Anfang:

Der Einstieg war für mich noch etwas langgezogen.Ich brauchte ein bisschen, bis die Geschichte wieder richtig Fahrt aufgenommen hat. Aber mit Rhyas Reise zum Water Court verändert sich alles. Und dann war es plötzlich da: das Knistern. Das Flirren in der Luft. Der Banter. Die Spannung.
Gänsehaut. Ab diesem Punkt hatte mich das Buch komplett.

Rhya & Soren:

Rhya und Soren haben für Herzklopfen gesorgt.Punkt. Ihre Dynamik funktioniert für mich unglaublich gut. Die Wortgefechte. Die humorvollen Momente. Die Spannung zwischen ihnen. Und diese Szenen, in denen eigentlich gar nicht viel passiert — und trotzdem fühlt sich alles plötzlich viel zu heiß an. Können spicy Szenen auch ohne Körperkontakt entstehen? Definitiv.So hot. ????

Gerade weil vieles über Blicke, Worte und Spannung funktioniert, war die Chemie zwischen den beiden für mich permanent spürbar.

Die Lerche und ihre zwei Könige:

Ich bin eigentlich kein Fan von Liebesdreiecken. Wirklich nicht.
Und trotzdem hat dieses hier für mich funktioniert. Vielleicht gerade deshalb, weil ich es nie wie ein klassisches Love Triangle wahrgenommen habe.

Rhya, Soren und Penn fühlen sich nicht wie drei Figuren in einem künstlich aufgebauten Beziehungskonstrukt an. Jede Verbindung hat ihre eigene Geschichte. Ihre eigene Dynamik. Ihr eigenes Gewicht.

Rhyas Geschichte kennen wir bereits.
Soren lernen wir hier erst richtig kennen — und in ihm steckt so viel mehr, als ich zunächst vermutet hätte. Und Penn?
Der ist natürlich auch noch da. Weniger präsent. Aber trotzdem ständig irgendwie spürbar. Eine tragische Randfigur, deren Sorgen einen fast mit erdrücken. Und genau deshalb macht er es mir nach wie vor nicht leicht.

Soren:

Ach, Soren. Er hat mich komplett überrascht.
Ich mochte seine ruhige, geheimnisvolle Art und vor allem, wie viel mehr hinter ihm steckt, als man zunächst vermutet. Mit jedem Kapitel durfte ich eine neue Seite von ihm kennenlernen. Und je mehr ich erfahren habe, desto mehr wollte ich wissen.
Er ist nicht einfach nur „der zweite König“.
Er ist eine eigene, spannende Figur mit Geschichte, Verantwortung und einer ganz anderen Art, Rhya zu begegnen.
Und genau diese Unterschiede zu Penn machen die Dynamik so interessant.

Krieg & Spannung:

Natürlich besteht The Sea Spinner nicht nur aus Romance. Efnisien ist weiterhin auf dem Vormarsch und hinterlässt Leid und Zerstörung. Gerade im letzten Drittel zieht die Geschichte noch einmal massiv an.
Spannend. Nervenaufreibend. Unberechenbar. Ab diesem Punkt konnte ich das Hörbuch kaum noch stoppen.

Die politischen und magischen Konflikte rücken wieder stärker in den Vordergrund und plötzlich greift vieles ineinander, was zuvor vorbereitet wurde

Und dieses Ende … Ich bin entsetzt. Ich bin zerstört. Ich liebe es. Ich hasse es. Es ist großartig. Und es schreit förmlich nach The Realm Reaper.

Dieses Ende hat mich emotional wirklich auseinandergenommen. Nicht auf die Art, bei der ich denke: „Ja, irgendwann lese ich weiter.“ Sondern: ICH MUSS WISSEN, WIE ES WEITERGEHT. Und jetzt soll ich bis Februar 2027 warten? Unverschämt.

Wie klang die Geschichte?

Ich habe The Sea Spinner als Hörbuch gehört und Rebecca Veil hat mich wieder richtig gut durch diese Welt getragen.
Ihre Stimme ist sanft, einnehmend und passt für mich wunderbar zu Rhya. Gerade in emotionalen oder ruhigeren Szenen mochte ich ihren Ton sehr. Aber auch die Spannung im letzten Drittel funktioniert durch ihre Erzählweise richtig gut.

Für mich war das wieder ein Hörbuch, bei dem die Stimme nicht einfach nur Text vorliest, sondern Atmosphäre schafft.

Was bleibt?

Die Lerche und ihre zwei Könige. Rhya. Soren. Penn. Eine Dynamik, von der ich vorher dachte, dass sie mich nerven würde — und die mich stattdessen komplett bekommen hat.

Der Anfang war für mich noch etwas langsam. Aber sobald Rhya den Water Court erreicht, zieht die Geschichte emotional und atmosphärisch enorm an.

Soren hat mein Herz erobert. Penn macht mir weiterhin das Leben schwer. Rhya steht zwischen zwei Welten, zwei Männern und gleichzeitig mitten in einem Krieg, der immer bedrohlicher wird.

Und dann dieses Ende. Mein Herz ist gebrochen — und ich brauche Band 3. Dringend.

???????????????????? / 5
Spice: ???????? / 5
Chemie: ✨✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????????????? / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️????️????️ / 5

Fünf Eulen für Wasser, Feuer, Herzklopfen und ein Ende, das meine Seele genommen und irgendwo zwischen Rhya, Soren und Penn zurückgelassen hat. ????????????

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Romeo und Julia mit Hexen - nur ohne das große Knistern

Death of a Witch von E. V. Woods

Bewertung: ???????????? / 5
Spice: 0 ???? / 5
Chemie: ✨ / 5

Vibes & Themen:
???? Witchy Fantasy · ???? verfeindete Hexenfamilien · ???? gefährliche Wälder · ⚔️ Magic Trials · ???? Romeo-und-Julia-Vibes · ???? verbotene Liebe · ✨ schwindende Magie · ????️ only one Bed · ???? only one Horse

Worum geht es?
Seit 150 Jahren stehen sich die Hexenfamilien Montparsson und Landeville feindlich gegenüber.

Beide geben der jeweils anderen Familie die Schuld daran, dass ihre Magie immer weiter versiegt. Inzwischen geht es längst nicht mehr nur um Macht – ohne neue Magie droht beiden Familien der Tod. Ausgerechnet Iris Montparsson und August Landeville müssen deshalb gemeinsam zum Gallows House reisen und dort um Hilfe bitten. Allein würden sie die gefährlichen Wälder nicht überleben.

Nur wie soll man jemandem vertrauen, dessen Familie man sein ganzes Leben lang als Feind betrachtet hat? Und was passiert, wenn unter all dem Misstrauen plötzlich alte Gefühle wieder auftauchen?

Zwei verfeindete Hexenfamilien, eine gefährliche Reise und eine Fehde, deren Ursprung längst niemand mehr richtig zu kennen scheint.

Meine Gedanken
Ich war wirklich gespannt auf Death of a Witch. Der Klappentext klang vielversprechend und mit witchy Geschichten bekommt man mich normalerweise ziemlich schnell. Dazu die Anlehnung an Romeo und Julia.

Eigentlich genau die Zutaten, die bei mir funktionieren müssten.

Leider ist der Funke dieses Mal nicht übergesprungen. Mein größtes Problem war die Art, wie die Geschichte erzählt wird. Mir hat sprachlich die Atmosphäre gefehlt. Statt richtig in diese düstere Hexenwelt abzutauchen, fühlte sich das Buch für mich oft wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen an.

Ich wollte zwar wissen, was als Nächstes passiert. Aber ich habe es nicht wirklich gefühlt.

Idee ???????????????? | Atmosphäre ????️????️ | Emotionen ???????? | Lesedrang ????????????

Iris & August
Auch zu den Figuren blieb bei mir leider eine gewisse Distanz.

Die Welt hätte Potenzial gehabt.

Die Familiengeschichte hätte Potenzial gehabt.

Und auch Iris und August hätten für mich viel intensiver funktionieren können.

Doch sowohl die Figuren als auch ihre Beziehungen blieben mir zu oberflächlich. Vor allem Iris hat mich zwischendurch wirklich zur Verzweiflung gebracht.

Warum miteinander reden, wenn man stattdessen einfach schweigen kann? ????

Kommunikation ist definitiv nicht ihre Stärke.

Sie hält lange an einer Fehde fest, deren Ursprung kaum jemand noch wirklich kennt, verschweigt wichtige Dinge und trifft Entscheidungen, die ich teilweise überhaupt nicht nachvollziehen konnte.

August konnte mich da etwas mehr für sich gewinnen. Bei ihm habe ich zumindest stellenweise Gefühle gespürt und konnte eine stärkere Verbindung aufbauen.

August hatte für mich mehr emotionale Tiefe – Iris leider vor allem sehr viele unausgesprochene Gedanken.

Iris ????‍????????‍???? | August ???????????? | Kommunikation ???? | Frust ????????????????

Romance & Chemie
Gerade bei einer Geschichte mit Romeo-und-Julia-Anleihen hatte ich auf eine intensive, vielleicht sogar tragische Romance gehofft. Doch genau hier hat mir etwas Entscheidendes gefehlt: das Knistern.

Ich habe die Chemie zwischen Iris und August kaum gespürt. Und ohne dieses Gefühl funktioniert für mich auch die verbotene Liebe nicht richtig. Wenn zwei Menschen eigentlich nicht zusammen sein dürfen, möchte ich dieses:

„Ihr solltet wirklich die Finger voneinander lassen – aber bitte tut es auf gar keinen Fall.“

Hier war ich emotional deutlich distanzierter.

Spice gibt es übrigens keinen.

Die Romance bleibt insgesamt sehr zurückhaltend und dürfte deshalb auch gut für jüngere Leser:innen funktionieren.

Romance ❤️❤️ | Chemie ✨ | Spice 0 ???? | Romeo-&-Julia-Vibes ????????

Geheimnisse & verschenktes Potenzial
Besonders schade fand ich eine Enthüllung in Teil 2 des Buches. Da kommt ein Geheimnis ans Licht, bei dem ich sofort dachte:

Okay. Jetzt wird es interessant.

Das hätte für mich richtig viel Potenzial gehabt. Für die Figuren. Für ihre Beziehung. Für die gesamte Fehde.

Und dann? Wird daraus viel zu wenig gemacht.

Gerade hier hätte ich mir gewünscht, dass Konsequenzen folgen, dass Fragen gestellt werden und dass endlich miteinander gesprochen wird. Stattdessen schweigt Iris weiter und trifft Entscheidungen, die mich eher frustriert als mitgerissen haben.

Da lag für mich so viel ungenutztes Potenzial.

Die Trials
Was für mich deutlich besser funktioniert hat, war der Abschnitt mit den Prüfungen.

Die Magic Trials haben endlich mehr Spannung in die Geschichte gebracht.

Hier hatte ich stärker das Gefühl, wissen zu wollen, wie die Figuren aus den Situationen wieder herauskommen. Die Gefahren und Herausforderungen haben der Handlung das Tempo gegeben, das mir zuvor teilweise gefehlt hatte. Und wahrscheinlich waren sie auch einer der Gründe, warum ich am Ende doch weitergelesen habe.

Trials ⚔️⚔️⚔️⚔️ | Spannung ⚡⚡⚡⚡ | Gefahr ????????????????

Warum habe ich trotzdem weitergelesen?
Trotz meiner Kritik habe ich das Buch nicht abgebrochen. Zum einen wollte ich schon wissen, wie alles ausgeht. Zum anderen wusste ich, dass es ein Einzelband ist. Und manchmal macht genau das einen Unterschied.

Wenn ich weiß, dass ich am Ende einen Abschluss bekomme, halte ich auch mal ein paar Längen mehr aus.

Das Finale wollte ich schließlich noch mitnehmen.

Was bleibt?
Death of a Witch hatte für mich eine richtig interessante Ausgangsidee. Verfeindete Hexenfamilien. Schwindende Magie. Eine gefährliche Reise. Trials. Und eine Liebesgeschichte mit Romeo-und-Julia-Vibes.

Eigentlich genau mein Beuteschema.

Leider haben mich weder Sprache noch Figuren emotional genug erreicht. Die Welt blieb mir zu oberflächlich, zwischen Iris und August fehlte mir die Chemie und einige Entwicklungen hätten für meinen Geschmack deutlich konsequenter verfolgt werden können.

Der Mittelteil mit den Trials war spannender und hat mich schließlich bis zum Ende getragen.

Eine nette, schnell lesbare Witchy Romantasy – aber für mich leider ohne den Zauber, den ich mir davon erhofft hatte.

Jüngeren Leser:innen, die eine unkomplizierte Hexen-Romantasy ohne Spice suchen und etwas Schnelles zum Wegsnacken möchten, könnte die Geschichte aber deutlich besser gefallen.

???????????? / 5
Spice: 0 ???? / 5
Chemie: ✨ / 5

Drei Eulen für eine spannende Grundidee mit Hexen, Fehde und gefährlichen Prüfungen – bei der mir leider Atmosphäre, Tiefe und vor allem das Knistern gefehlt haben. ????????

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