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Rezensionen von carola1475:

Zweifel und Geheimnisse

Frau Morgenstern und der Abgrund von Marcel Huwyler

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin, und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger leben immer noch im Untergrund, verstecken sich vor ihrem früheren Arbeitgeber, dem Tell-Ministerium, und verdienen ihren Lebensunterhalt mit Auftragsmorden.
Wobei Violetta diesmal im ersten Fall doch Zweifel kommen hinsichtlich einer Liquidation und auch gesundheitliche Zipperlein machen ihr zu schaffen.

Sie hadert mit dem Altwerden. Ihrem Partner Miguel sagt sie aber nichts davon, der ihr seinerseits auch nicht erzählt, was ihm schlaflose Nächte verursacht.
Gemeinsam recherchieren die Beiden pro bono zu einem Mord, dessen Spuren zurück in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts führen. Hierbei glänzt die kreative Frau Morgenstern ausgesprochen bewundernswert wieder durch ihre genaue Beobachtungsgabe und grandiose Schlussfolgerungen, und die irre Geschichte entwickelt sich zum spannenden Krimi.

Wie auch in den Vorgängerbänden um Frau Morgenstern und Miguel Schlunegger ist die Figurenzeichnung bei aller Skurrilität glaubhaft, die Protagonisten sind ausgesprochen menschlich. Marcel Huwyler unterhält mit schwarzem Humor, absurden Einfällen und äußerst bildhaften witzigen Vergleichen und amüsanten, sprachgewandten Wortspielen und -Neuschöpfungen. Die oft spöttischen Sticheleien und schlagfertigen Dialoge zwischen Violetta und Miguel sind einfalls- und geistreich, lustig und machen das Lesen zum großen Vergnügen. Schweizerdeutsche Ausdrücke sorgen für Lokalkolorit und mir unbekannte Wörter verstehe ich in ihrem Zusammenhang.
Dieser fünfte Band ist unabhängig von den Vorgängern lesbar, trotzdem empfehle ich, auch andere Band der Reihe gelesen zu haben, um die Hintergründe und die Entwicklung der beiden sympathischen, doch eigenwilligen Protagonisten besser verstehen und nachvollziehen zu können, vom bisher entgangenen Lesespaß ganz zu schweigen.

Mir hat die Geschichte wieder sehr gut gefallen - bis auf das Ende, das mich mit vielen Fragen und großer Ungeduld auf den nächsten Band warten lässt.
Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

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Unsere letzte Chance

Eine zweite Chance von Anette Schaumlöffel

Nachdem die Erde für Menschen unbewohnbar geworden ist, machen sich zwei sehr unterschiedliche Gruppen mit Raumschiffen auf die ungewisse Suche nach einer neuen Heimat. Von einem der Raumschiffe aus wird eine KI mit Hilfe eines Zeitmoduls in die Vergangenheit geschickt in der Hoffnung, ein Ereignis zu finden, das einen Unterschied gemacht hätte, wenn es anders gelaufen wäre.

Vielleicht können die Menschen ihre zweite Chance nutzen, um den Zusammenbruch der Ökosysteme der Erde zu verhindern.

Die Handlung dieses Zeitreise-Science-Fiction-Romans wird durch häufige Perspektivwechsel mit hohem Tempo sehr schnell spannend und bleibt es bis zum Schluss. Die Geschichte ist fesselnd, komplex und wendungsreich. Wissenschaftliche Aspekte werden verständlich und unterhaltsam erklärt, sei es aus dem Bereich der Mikrobiologie oder der Verhaltensforschung. Auch philosophische Fragen werden erörtert. Gründliche Recherche und die Schreibfertigkeit der Autorin ermöglichen dem Leser scheinbar leichten Zugang zu unterschiedlichsten Themen.
Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet und werden zu glaubhaften authentischen Figuren, die berühren, selbst die Künstlichen Intelligenzen haben erkennbar Persönlichkeit und Eigenart. Anette Schaumlöffels Schreibstil ist klar, lebendig und humorvoll, mit starken Bildern und witzigen Vergleichen machen ihre fantasievollen Einfälle viel Spaß und das Lesen zum spannenden Vergnügen.

Der Optimismus der Autorin vermittelt Hoffnung, Vertrauen in gemeinschaftliches Bemühen und gemeinschaftlichen Einfallsreichtum. Ich wünsche uns allen, dass Anette Schaumlöffel Recht behält.

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Jede Entscheidung beeinflusst auch das Leben anderer

Nur ein einziger Tanz von Hermien Stellmacher

Rike hat gerade einen großen Übersetzungsauftrag abgeschlossen und überlegt, was sie mit der bevorstehenden Freizeit anfangen soll. Sie quält sich mit Selbstzweifeln, seit ihr langjähriger Lebensgefährte sie überraschend für eine 'Auszeit' verlassen hat. Immer noch vermisst die Mittfünfzigerin ihre vor einem Jahr verstorbene Mutter.

Auch deshalb berührt sie der Brief, den sie aus Amsterdam erhält und in dem der ihr unbekannte Hendrik Rhee von seiner großen Liebe Cisca berichtet, das war ihre Mutter Francisca.
Trotz ihrer widerstrebenden Gefühle der alten Heimat gegenüber macht sich Rike auf den Weg nach Amsterdam, um Hendrik zu treffen. Doch Amsterdam tut Rike gut, Hendrik, seine WG-Freunde und auch ihre Zimmer-Vermieterin empfangen sie herzlich und Rike erfährt nicht nur Neues über ihre Mutter, sondern ihr fallen zu ihrer eigenen Überraschung auch immer mehr Details aus ihrer Kindheit wieder ein und sie beginnt, sich mit ihrem Familienleben auseinander zu setzen, wobei ihr Hendriks Erzählungen neue Impulse geben. Rike kann sich mit der Vergangenheit versöhnen, loslassen und ist am Ende der Geschichte selbstsicher und bereit für die Zukunft, was auch immer die bringt.

Erzählt wird aus Rikes und aus Hendriks Perspektive, aus Gegenwart und aus Vergangenheit. Hermien Stellmachers Schreibstil ist klar, lebendig und überrascht mit ungewöhnlichen Einfällen. So gibt es in der Alten-WG einen Flipper-Spielautomaten, der hilft, Entscheidungen zu treffen und Rikes Erinnerungen sind im Kopf in einem Lagerhaus untergebracht, dessen Räume unterschiedlich gut zugänglich sind. Die Autorin ist ihren Figuren sehr zugewandt und macht sie zu glaubwürdigen authentischen Charakteren, deren Geschichte und Emotionen berühren und die mich auch schmunzeln lassen. Amsterdam mit seinen Straßen, Grachten, dem Markt, Restaurants, dem Zoo und auch den Menschen wird beim Lesen lebendig und für mich unbedingt zu einem nächsten Reiseziel.
Im Nachwort erzählt die Autorin die interessante Entstehungsgeschichte des Romans, in den auch Autobiographisches einfließt. So ist auch ihre Familie von Amsterdam nach Deutschland ausgewandert, als Hermien 15 war.
Der Roman berührt und macht Mut und hat mir sehr viel Freude bereitet.

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Gelungener Grimdark-Fantasy-Roman

Legende eines Helden von Manuel Otto Bendrin

Der entthronte Dämonenkönig Seìka nimmt den Kampf gegen die herrschenden Magier auf und benötigt die Unterstützung aller Völker, der Menschen, der Elfen und auch der Zwerge. Sie alle leiden unter der Ausbeutung, den Verboten und Strafaktionen der Magier.
Nach anfänglichem Misstrauen kann sich der menschliche Heerführer Īsarnaro der Argumentation und Ausstrahlung des Dämons nicht entziehen und ist mutig genug, Seìka zu vertrauen.

Dennoch zweifelt und hadert Īsarnaro immer wieder, er will das Richtige tun und hinterfragt ständig seine Entscheidungen und die Konsequenzen. Īsarnaro wird durch den Dämon zum Helden gemacht, Seìka legt den Grundstein für die Legende, er weiß, was für die Menschen wichtig ist.
Das Wesen des Dämons, wie auch der Weltenbau, wird von Manuel Otto Bendrin überzeugend beschrieben, alle Figuren sind komplex, gut ausgearbeitet und glaubhaft, ob menschlicher König, Zwergenältester, Elfen-Hohepriesterin oder vor allem der facettenreiche Dämonenfürst. Es gibt wechselnde Erzählperspektiven und jeder Handlungsstrang treibt die Geschichte voran, es gibt keine Redundanz. Der Schreibstil ist klar, lebendig und bildhaft, auch augenzwinkernd, und die Geschichte um Īsarnaro und Seìka hat mich schnell gepackt und nicht mehr losgelassen. Ich konnte die Zweifel des Heerführers genau so gut verstehen wie die Beweggründe des Dämons. Ein überraschender Twist gegen Ende der Erzählung fügt der Dramatik eine weitere Dimension hinzu.
Manuel Otto Bendrins Phantastikgeschichten sind mir schon in verschiedenen Anthologien aufgefallen, ich freue mich über den gelungenen Debütroman. Er gefällt mir und hat mich bestens unterhalten.

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Mit allen Mitteln

Bleiche Erben von Ernst Kaufmann

Einige Ungereimtheiten am Ort eines Autounfalls irritieren den Salzburger Chefinspektor Ruprecht. Ist der junge Erbe eines örtlichen Chemie-Unternehmens wirklich selbstverschuldet auf der Intensivstation gelandet? Gerade jetzt, da ein großer Schweizer Konzern die kleine Firma mit allen Mitteln übernehmen will?

Ruprecht ist ein intelligenter, selbstsicherer und sehr genau arbeitender Ermittler, der seinem Bauchgefühl vertraut.

Zur gelungenen Figurenzeichnung tragen auch Details aus seinem Privatleben bei und einige seiner Vorlieben, die denen des Autors entsprechen, wie der Klappentext verrät. Zu Ruprechts Umfeld gehören auch glaubwürdig dargestellte Kollegen (von Frieda, der Leiterin des Innendienstes, die den Überblick und alles im Griff hat bis zum hauptsächlich auf seine Karriere bedachten Chef), Freunde und eine Schwester, die als Journalistin Ideen und Informationen zu den Ermittlungen beitragen kann. Ruprechts Gedankengänge und sein Vorgehen sind spannend zu lesen und nachvollziehbar, und auch die Gegner, die rücksichtslos auf mehr Macht und mehr Geld aus sind, werden glaubhaft dargestellt. Verschiedene Erzählperspektiven sorgen für einen spannenden und abwechslungsreichen Handlungsverlauf.

Ernst Kaufmanns Schreibstil ist eloquent, bildhaft und lebendig, es gibt augenzwinkernde Formulierungen genau so wie auch tiefgründige Gedanken des Autors. Gut gefallen haben mir das wohldosierte Salzburger Lokalkolorit und die sporadischen Naturbeschreibungen des Salzkammerguts, aber auch die Schilderung der für Ruprecht ungewohnten Ausstattung der Amsterdamer Einsatzgruppe und die rasante Verfolgungsjagd dort. Den gelegentlichen österreichischem Dialekt in Dialogen konnte ich ohne Probleme verstehen. Es gibt einige wenige kurze Nebengeschichten, die nicht zur Handlung beitragen, aber Nebenfiguren nahbarer machen.
Am Ende des Buch kündigt sich schon ein neuer Fall an und die angehängte Leseprobe macht neugierig auf den dritten Band der Reihe. Ein schönes Extra ist das Kulinarium mit den im Buch erwähnten Gerichten.

Mir hat der spannende, realitätsnahe Krimi gut gefallen und obwohl ich den ersten Teil um Chefinspektor Ruprecht nicht gelesen habe, hatte ich keinerlei Verständnisschwierigkeiten. Das Cover zeigt ein von Ernst Kaufmann gemaltes Frauenbild und hat als erstes meine Aufmerksamkeit geweckt, noch bevor ich den Klappentext gelesen hatte. Ich freue mich, einen für mich neuen Autor entdeckt zu haben und bin gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

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Wie geht’s hier weiter?

Zwergberg von Martin M. Uhland

Zwergberg Memento Mori ist ein Fantasy-Spielbuch, in dem ich mich als Nick Pulmer, 14 Jahre alt, auf der Suche nach meinem jüngeren Bruder Tim mit verschiedenen, oft feindlich gesonnenen Wesen auseinandersetzen muss. Es gilt, Entscheidungen zu treffen und so den Fortgang der Geschichte zu bestimmen.

Ob unterirdische Kuppelwelt, Zwerge, Astläufer oder Orkunkrieger, alles wird nicht nur bildhaft beschrieben, sondern vom Autor selbst auch fantasie- und liebevoll illustriert, so macht das Buch doppelt Spaß, beim Lesen und beim Anschauen.

Neben der spannenden, abwechslungsreichen Abenteuerhandlung voller fantastischer Einfälle werden auch medizinisch-wissenschaftliche Themen angesprochen und Fakten vermittelt, da Tim Autist ist und der Stiefvater im Gentechnikbereich arbeitet, so dass der Protagonist und damit auch der Leser Neues lernen kann und Gelegenheit zu Reflexion und Auseinandersetzung hat.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, locker und glaubwürdig auch aus Nicks jugendlicher Perspektive. Martin M. Uhlands skurrile Ideen überzeugen bis ins Detail und unterhalten bestens, die Verknüpfung von Fantasy und Wissenschaft ist wunderbar gelungen. Zwergberg Memento Mori ist witzig, intelligent konzipiert und ein faszinierendes Lesevergnügen. Ich freue mich auf den zweiten Band der Reihe, Zwerg ahoi!

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Ein ungewöhnlicher Roman über Zeit und Wirklichkeit

Das vorläufige Ende der Zeit von Berni Mayer

Die Geschichte um die Idee der Zeitreisen und den verlassenen jüdischen Friedhof im polnischen Słubice, der zu Frankfurt an der Oder auf der anderen Flussseite gehört, hat mich von Beginn an gefesselt.

Mi-Ra, Archäologin und Journalistin, Artur, Friedhofswärter in Słubice, und Horatio Beeltz, ein geheimnisvoller älterer Verleger mit familiärer Verbindung zum jüdischen Friedhof, treffen hier aufeinander.

Schnell entsteht eine Diskussion um die Zeit als vierte Dimension. Mi-Ra und Artur leiden an unverarbeiteten Traumata und Horatio hält die beiden für optimal geeignet, um eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen und diese möglicherweise zu verändern. Wird der Versuch gelingen und wie wird die Gegenwart dadurch beeinflusst?

Kenntnisreich und informativ schreibt Berni Mayer über den mehrfach aufgegebenen, verwahrlosten Friedhof, einen Lost Place schlechthin, und seine Geschichte. Auch die gängigen Zeitreise-Theorien und die Idee der Paralleluniversen lässt der Autor seine Figur Horatio Beeltz sowohl dem Leser als auch Mi-Ra und Artur erläutern, wobei Neugier und Faszination immer mehr gefangen nehmen, sowohl die Protagonisten als auch mich.

Berni Mayers Schreibstil ist klar, anschaulich und lakonisch, selbst Fakten werden packend geschildert. Seine Figurenzeichnung ist feinfühlig und glaubwürdig, Nähe entsteht für mich sowohl zu Mi-Ra als auch zu Artur, während Horatios Geheimnisse vorerst nur angedeutet werden. Die Entwicklung der Protagonisten empfinde ich als glaubhaft.
Berni Mayer ist ein ungewöhnlicher, komplexer Roman gelungen, der mich berührt und gut unterhalten hat und der nachwirkt.

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Hochaktueller spannender Politikthriller um Manipulation und Machtmissbrauch

Die Macht der Wölfe von Horst Eckert

Horst Eckerts neuer Politthriller handelt von Machtmenschen, „Wölfe“ nennen sie sich selbst, sie brechen alle Regeln, sind skrupellos und zielen auf die Demontage der Demokratie im Westen, sie manipulieren und gehen auch über Leichen. Sie missbrauchen ihre Macht.

Die Kapitel sind kurz und aus wechselnden Perspektiven geschrieben, so treten nach und nach die beteiligten Figuren auf, deren Rollen sich allmählich erschließen.

Neben neuen Charakteren mischen auch altbekannte wieder mit.
In diesem vierten Fall der Reihe haben Melia, Vincent und die Kollegen es vordergründig mit einem Mord zu tun, bei dem Spuren in rechte Kreise führen. Und auch Vincents Mutter Brigitte bekommt es auf der Dokumenta in Kassel mit Rechten zu tun.
Horst Eckert gelingt es anschaulich, die aggressive Stimmung in der Gesellschaft darzustellen, er zeigt, wie hemmungslos verführt und manipuliert wird, gerade auch durch Medien, die für die Rechten sehr wichtig sind und die sie geschickt für sich zu nutzen wissen. Es gibt ein Netzwerk von Akteuren rund um einen rechtsgerichteten Fernsehsender, dessen Moderator und Meinungsmacher zum Aushängeschild und Chef einer neuen rechten Partei gemacht wird, für die die Zeit reif zu sein scheint. Wird er zu einem der Wölfe werden oder gewinnt doch sein Gewissen?

Horst Eckert schreib klar und nüchtern, seine Figuren werden durch Tat und Wort charakterisiert, mehr ist für den Leser gar nicht nötig, um sich ein Bild vom Politiker, ehemaligen Anwalt oder früheren Verfassungsschützer zu machen.
Die Handlung ist hochaktuell, komplex und spannend bis zum Schluss und hinterlässt bei mir ein Gefühl der Beklemmung. „Die Macht der Wölfe“ zeigt, welchen Gefahren unsere Demokratie ausgesetzt ist.

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Endlich wieder Donnerstag!

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel von Richard Osman

Zum dritten Mal ermittelt der Donnerstagsmordclub in einem ungelösten Mordfall. Wer hat vor 10 Jahren die junge Journalistin Bethany Waites getötet, die einem Fall von Steuerbetrug auf der Spur war? Die Ermittlungen kommen nur langsam voran und entwickeln sich zu einem komplexen Fall mit unerwarteten Wendungen, was Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim um so mehr herausfordert.

Wie gewohnt, geht das muntere Seniorenquartett einfallsreich, versiert und planvoll vor und spannt nicht nur die inzwischen befreundeten Polizisten Chris und Donna sowie den immer hilfsbereiten Bogdan ein, sondern auch eine Reihe anderer Charaktere.
Bis zum Schluss konnte ich mit rätseln, obwohl es nicht die Spannung ist, die die Donnerstagsmordclub-Reihe für mich zum großen Lesevergnügen macht ;)

Richard Osmans Schreibstil ist lebendig, gedankenvoll und unterhält mit trockenem Humor. Über viel Situationskomik, Wortwitz und skurrile Diskussionen der Mitglieder des Donnerstagsmordclub habe ich mich wieder köstlich amüsiert, über manche tiefgründigen Gedanken des Autors nachgedacht. Ein großes Lob geht auch an Sabine Roth, bei deren Übersetzung der britische Humor erhalten bleibt, sie hat hier wieder ganz wunderbar gearbeitet. Der Autor verzichtet im vorliegenden dritten Band darauf, die Senioren erneut ausführlich vorzustellen, was für Neueinsteiger in die Reihe meiner Meinung nach schade ist. Dagegen geht die Figurenzeichnung Donnas, Chris' und Bogdans mehr in die Tiefe und die Charaktere entwickeln sich, inzwischen sind sie mir ebenso ans Herz gewachsen wie das Seniorenquartett.
Ich habe die Vorgängerbücher ebenfalls gelesen und fand beide noch charmanter und warmherziger geschrieben und empfehle unbedingt, zumindest den ersten Teil des Donnerstagsmordclubs zu lesen.

Das Cover greift das Motiv der vorherigen Bände auf, unterscheidet sich durch Details und die Farbgebung und hat einen hohen Wiedererkennungswert, mir gefällt es. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall für den Donnerstagsmordclub, den ich mir natürlich nicht entgehen lassen werde.

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Spannende Geschichte, aber ich hatte mir mehr versprochen

Der Riss von Thilo Winter

Vulkanologin Antonia Rauwolf soll auf der Forschungsstation Neumayer III untersuchen, ob die neu entdeckten fast 100 Vulkane in der Westantarktis aktiv werden und so das Weltklima katastrophal beeinflussen könnten. Und sie will nach ihrem seit Wochen vermissten Bruder suchen, der von einer Expedition nicht zurück kam.

Das Cover mit dem Riss im Eis, den Eisschollen und den Farben Schwarz, Weiß und Rot hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt und mich neugierig gemacht. Besonders gefällt mir, dass „Rot“ symmetrisch verteilt ist, rechts und links vom Riss, etwas Symmetrie im Chaos, das hat was ;)

Durch den eingängigen bildhaften und lebendigen Schreibstil gelingt dem Autor Thilo Winter eine glaubhafte Beschreibung der unwirtlichen gleichförmigen Eiswüste der Antarktis, der globalen Bedeutung der gigantischen Eismassen und auch der Schwierigkeiten, dort als Mensch zu überleben.
Durch den Prolog weiß der Leser mehr als Antonia und auch durch ihre Vermutungen und Andeutungen wird von Beginn an ein Spannungsbogen aufgebaut, dazu tragen auch Perspektivwechsel und Cliffhanger an Kapitelenden bei. Der Autor verknüpft tatsächliche Ereignisse mit einer packenden Geschichte mit hohem Erzähltempo, die sich jedoch immer mehr zu einer Aneinanderreihung von übertriebenen und unglaubwürdigen Actionszenen entwickelt. Besonders im letzten Drittel des Buchs fühlte ich mich von all der Action fast überrollt. Am Ende der Geschichte bleiben Fragen offen. Der Figurenzeichnung mangelt es an Einfühlungsvermögen und Glaubwürdigkeit, sie bleibt oberflächlich und Entwicklungen, so es sie denn gibt, sind nicht nachvollziehbar. Die Protagonistin Antonia ist impulsiv, stur und rücksichtslos, so dass es mir schwer fiel, mit ihr zu fühlen.

Das Nachwort des Wissenschaftsjournalisten Thilo Winter hat mir wiederum gut gefallen, es ist sehr interessant und vermittelt gut recherchierte Informationen und Wissen über die in großen Teilen noch unerforschte, unbedingt schützenswerte Antarktis. Leider spielt im Roman Wissenschaft nicht die erhoffte Rolle, die Verknüpfung mit der Handlung ist meiner Meinung nach nicht überzeugend gelungen, ich hatte mehr erwartet.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

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