Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Sorko:
Sag mir, wo die Tiere sind...
Das Wesen des Lebens von Iida Turpeinen
Die Geschichten der Protagonisten über 200 Jahre hinweg sind schon sehr interessant. Vermutlich ist nicht wirklich bekannt, wie schmackhaft die Seekuh war. Das zarte Fleisch und Fett, das wie Wein getrunken wurde, sind bestenfalls durch Hunger und Durst der Schiffbrüchigen begründet. Mich hat das an die Wale heutzutage erinnert.
Essbares Fleisch und Tran, der teilweise auch getrunken werden kann (der allerdings kaum wie Wein schmeckt), gefährden die friedlichen Meerestiere und führen möglicherweise auch zu ihrem Aussterben, was hoffentlich noch vermieden werden kann.
Steller, Furuhjelm, von Nordmann, Hilda Olson, Grönvall – sie alle haben tatsächlich gelebt, ihre Geschichten sind weitgehend wahrheitsgetreu wiedergegeben. Für mich war das ein Anlass, mich etwas näher mit den Leuten zu beschäftigen (und auch mit den Spinnen, wirklich faszinierende Tiere!) Nordmann als Forscher war wohl nicht so bekannt außerhalb seines Fachgebiets, dabei war er sehr vielseitig. Und er entdeckte im Kaukasus eine Tanne, die dann nach ihm benannt wurde. Die kennt wohl jeder, die Nordmann-Tanne.
Viele Arten aus der Vergangenheit existieren nicht mehr. Das Mammut, den Dodo und die Seekuh gibt es nicht mehr. Ein paar Knochen haben die Zeit überdauert. Begabte Restauratoren und Zeichner haben uns eine Vorstellung davon vermittelt, wie die verschwundenen Tiere ausgesehen haben. Nicht für jedes Artensterben ist der Mensch verantwortlich, für einige aber schon. Wenn man es mal mit etwas Abstand betrachtet, halte ich es für gar nicht so unwahrscheinlich, dass auch wir in einer nahen oder fernen Zukunft zu den ausgestorbenen Arten gehören könnten. Altes vergeht, Neues entsteht, das ist natürlich.
Das Buch zeigt die oft mühselige Arbeit der Forscher und Wissenschaftler, die sich mit der Natur befassen, und die ihrem Wissensdurst oft ihr ganzes Leben widmen. Viele Arten wären ohne sie vermutlich auch ausgestorben, aber ohne sie hätte die Nachwelt nichts über diese Arten erfahren. Sie füllen das Archiv des Lebens mit Daten, das ist ihre Bestimmung, und dafür bin ich dankbar!
Wenn die Sonne dann doch untergeht
Reise nach Laredo von Arno Geiger
Karl, der Herrscher, in dessen Reich die Sonne nie unterging, war nirgendwo so richtig zuhause. Dass er rund drei Jahre vor seinem Tod abdankte und alle seine Ämter aufgab, war für die damalige Zeit ungewöhnlich. Er litt schwer unter der Gicht, was sicherlich einer der Gründe war, warum er sich nach Spanien in die abgelegene Gegend um das Kloster Yuste zurückzog.
Wie beschrieben hatte er aber noch zahlreiche Menschen um sich, die für ihn sorgten und ihn pflegten.
Als das Ende naht, hat Karl einen Traum, der vom Autor ausführlich dargestellt wird. Dieser Traum, wie auch sein vermeintlicher Sohn Geronimo, ist Fiktion (wobei natürlich die Möglichkeit besteht, dass der Ex-Kaiser noch einige uneheliche Kinder hatte, von denen wir nichts wissen). Karl begibt sich mit Geronimo auf einen Weg nach Laredo, er möchte dabei erfahren, wer er wirklich ist. Ob die durchaus interessanten Erlebnisse, die Karl in seinem Traum durchlebt, wirklich hilfreich sind für seine Selbstfindung, sei dahingestellt. So ganz überzeugt bin ich nicht.
Eine lesenswerte Geschichte, die Fiktion und historische Fakten verbindet und dem Leser verdeutlicht, dass sehr viel Macht nicht immer mit sehr viel Glück einhergeht.
Nich mehr so stark
Signum von John Ajvide Lindqvist
Den ersten Teil dieser Trilogie konnte ich kaum aus der Hand legen – der zweite Teil fällt dagegen etwas ab, leider. Spannung ist immer noch vorhanden, aber längst nicht mehr so knisternd wie im ersten Band. Julia wirkt sehr unsicher, was ihre Beziehung zu Kim betrifft. Der verhält sich allerdings auch nicht gerade anziehend.
Er hat andere Sachen im Kopf, seine Rache an dem verhassten Schockdoktor. Aber der im ersten Teil noch so klar denkende und handelnde Hacker macht hier doch Fehler. Es war schon ziemlich fragwürdig, Astrid ein Zimmer im Haus anzubieten, wo doch der entführte Martin Rudbeck in seinem Keller lag. Ihm musste auch klar sein, dass ein junges Mädchen sich das Haus sicher näher ansehen würde, und er war ja nicht immer dort. Dass sie den Doktor dann tatsächlich findet, war zu erwarten. Auch Julia hätte den Gefangenen jederzeit finden können. Die Entführung selbst war recht gut geplant, aber danach folgten riskante Handlungen, die für mich nicht ganz nachvollziehbar waren.
Die Dashcam im Polizeifahrzeug hätte der Kim Ribbing aus Teil 1 nicht übersehen. Und aus dem Nichts kam plötzlich Hilfe von CES. Das war ziemlich unglaubwürdig und passte irgendwie nicht zur bisherigen Story. Ohne CES wäre Kim aus der Sache nicht rausgekommen und wohl im Gefängnis gelandet. Aber wer ist CES, und warum hilft er Kim? Eine KI, wie angedeutet, würde nicht so reagieren. Dahinter kann meiner Ansicht nach nur ein sehr begabter Hacker stecken, dessen Motiv allerdings noch unklar ist.
Sehr sympathisch fand ich Irma, die Julia einen gewissen Halt gibt. Auch Christof Adler und Carmen gefielen mir gut. Johnny hat die Wahrheit gesehen, ist aber der Einzige. Er würde sicher an dieser Tatsache verzweifeln, wenn seine neue Beziehung nicht wäre, die ihn positiv ablenkt. Ich denke allerdings, dass man Manipulationen an einer Filmaufnahme nachweisen kann, wenn Experten das genau untersuchen würden. Doch das soll hier wohl nicht sein.
Ich hoffe, dass der dritte Teil dieser Geschichte wieder etwas stärker ist...
Spannender Schwedenkrimi
Refugium von John Ajvide Lindqvist
Eine spannende Geschichte, ein fesselnder Schreibstil und angenehm kurze Kapitel – das hat mir sehr gefallen. Julia und Kim sind grundverschiedene Charaktere, und ich frage mich, ob das auf Dauer gut gehen kann.
Ein brutales Verbrechen am Anfang, was steckt dahinter? Das wollte ich unbedingt wissen, und weitere Geheimnisse warfen ihre Schatten voraus.
Was verbirgt Kim Ribbing? Er scheint unfassbar reich zu sein, was bei seinen Ermittlungen und den Reisen hilfreich ist. Julia ist als erfolgreiche Autorin auch recht wohlhabend. Durch ihren Ex hat sie Verbindungen zur Polizei, was sich ebenfalls als hilfreich erweist. Julia und Kim arbeiten effektiver als die Behörde, das ist nicht ungefährlich, aber sie kommen dem Kern des Verbrechens schnell näher. Kims Figur wirkte auf mich manchmal wie ein Superheld, obwohl er in seiner Kindheit Schlimmes erlebt hatte. Vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber trotzdem spannend zu lesen. Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen, ich bin gespannt, wie es im nächsten Band weiter geht...
Ist die Welt noch zu retten?
Tachyon 3 von Brandon Q. Morris
Eine spannende Trilogie mit einem runden Abschluss, der Autor schreibt wirklich spannende Geschichten aus der Zukunft. Allerdings muss gesagt werden, dass man diesen dritten und letzten Teil nicht isoliert lesen sollte. Um die manchmal komplexen Zusammenhänge verstehen zu können, sind die Informationen aus den ersten beiden Teilen notwendig.
Alle drei Teile zusammen ergeben eine schlüssige Story, und alle sind sehr gut lesbar. Das ist man als Leser von Brandon Q. Morris gewohnt.
Die Wandlung von Mike Decker ist traurig, aber nachvollziehbar. Die Wandlung von X7 klingt sympathisch, aber man weiß natürlich nicht, ob sie das wirklich ernst meint. Tsai Yini und Monte stehen vor schwierigen Aufgaben, die sie meistern müssen um die Welt zu retten.
Der Leser sollte meiner Ansicht nach nicht versuchen, die Geschichte an der Realität zu messen. Es ist reine Fantasie, und man muss sich darauf einlassen. Dann wird es ein spannendes Erlebnis in einer fernen Zukunft. Wer dieses Genre mag, der sollte diese Trilogie lesen!
Soll ich die Kiste öffnen?
Quanten-Bullshit von Chris Ferrie
Na ja, an neuen Informationen über die Quantenphysik konnte ich dem Text nicht viel entnehmen. Da waren andere Sachbücher gehaltvoller. Infomativ vielleicht die Erkenntnis, dass die Quanten heutzutage für alles mögliche missbraucht werden. Das kann für den Verkauf von manchen Wundermitteln oder Heilmethoden sinnvoll sein, weil keiner so richtig weiß, worum es dabei eigentlich geht.
Streckenweise humorvoll, allerdings über den ganzen Text hinweg für mich zu viel angestrengte Lustigkeit. Ein wenig zu übertrieben selbstverliebt, aber vielleicht hatte ich auch zu viel erwartet. Ich glaube nicht, dass man mit Quantenphysik sein Leben ruinieren kann, aber mit dem Begriff wird tatsächlich viel Bullshit betrieben. Seriöse Sachbücher zum Thema sind möglicherweise wirklich etwas zu trocken, und reihenweise Formeln mag auch nicht jeder lesen. Insofern ist wohl der Versuch einer etwas „leichteren“ Darstellungsweise schon lobenswert. Und vielleicht sogar hilfreich. Ich werde gleich mal nach meiner Katze sehen...
Wissenschaft und Wahrheit
Im Spiegel des Kosmos von Neil deGrasse Tyson
Mit Galileo würde ich Tyson jetzt nicht gerade vergleichen, aber er versteht es, Wissenschaft verständlich zu erklären. Mehr Objektivität und weniger subjektive Voreingenommenheit, dafür tritt der Autor in diesem Buch ein. Keine neue Erkenntnis, aber vermutlich ist es gut, immer wieder darauf hinzuweisen.
Diese Welt wäre vielleicht ein besserer Ort, wenn wir Fakten vor Emotionen stellen würden. Aber das ist schwer, denn wir Menschen sind nicht alle rational denkende Wissenschaftler, und selbst unter denen gibt es gelegentlich Vorurteile gegen abweichende Meinungen/Theorien/Fakten. Der Mensch ist ein subjektiv denkendes Objekt, der den Vorteil von rationalem Denken und Handeln durchaus versteht, der sich aber trotzdem oft irrational verhält.
Was die Ausführungen mit dem Kosmos zu tun haben, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Es ist mehr ein Loblied auf die Erkenntnisse der Wissenschaft, die ja laut Tyson eindeutig wahr sind. Dann ist ja alles klar: Bevor wir uns ein Vorurteil bilden, müssen wir recherchieren und die Fakten prüfen. So erkennen wir die Wahrheit. Eigentlich wissen wir das ja schon. Neue Erkenntnisse sind das nicht, aber Erinnerungen. Manchmal muss man wohl an etwas erinnert werden, das man möglicherweise auch mal vergessen kann...
Nicht schön, aber spannend!
Ein Fluss so rot und schwarz von Anthony Ryan
Vielleicht hätte ich nicht unmittelbar zuvor „Der Wald“ von Tibor Rode lesen sollen – dieser Thriller von Anthony Ryan setzt meiner Meinung nach nochmal eine Horrorstufe drauf. Auf jeden Fall sehr spannend geschrieben und schwer aus der Hand zu legen, ich war bis zum Ende gefesselt. Eher ungewohnt war das nur wenige Seiten umfassende dünne Buch, da war ich von den umfassenden Trilogien des Autors anderes gewohnt.
Doch von der ersten Seite an baut sich hier Spannung auf, die bis zum Ende anhält.
Sechs Menschen erwachen auf dem Meer in einem Boot, eine weitere Person ist tot. Ihnen fehlt jede Erinnerung an vorheriges Geschehen, alle haben einige Operationsnarben. Diese Erkenntnis lässt Spekulationen zu, hilft aber nicht wirklich weiter. Auch ihre Namen kennen sie nicht, allerdings sind auf ihren Armen Namen tätowiert, die möglicherweise ihre sind.
Das Boot wird ferngesteuert, es gibt keine Möglichkeit, die Steuerung zu übernehmen. Eine mysteriöse Stimme meldet sich an einem Telefon, die ihnen Aufgaben erteilt, die sie übernehmen sollen. Sie erkennen bald, dass sie auf die Themsemündung zufahren und danach London erreichen werden. Ein zerstörtes London, aus dem seltsame Schreie zu hören sind. Was hat das zu bedeuten? Natürlich spekulieren die Protagonisten ein wenig, doch zu starke Versuche, sich an Vergangenes zu erinnern ist mit erheblichen Schmerzen verbunden. Und die Telefonstimme ist für ein besseres Verständnis ihrer Situation auch nicht hilfreich.
Wenn man sich als Leser auf die Geschichte einlässt, spekuliert man natürlich auch mit. Was kann da passiert sein? Warum sind gerade diese Personen auf dem Boot? Warum ist einer schon tot? Es gibt einige vorstellbare Szenarien, das macht es um so spannender, den Akteuren zu folgen.
Ich fand diese Geschichte trotz ihrer Kürze sehr spannend und durchaus gelungen!
Wenn Pflanzen den Menschen verdrängen
Der Wald von Tibor Rode
Es ist schon ein Horrorfilm, der da im Kopfkino abläuft: eine unbesiegbare Pflanze breitet sich ungehindert und sehr schnell aus, sie kann sogar Menschen töten und niemand weiß, wie man sie aufhalten kann. Eine hochentwickelte KI scheint den Weg der Pflanze zu unterstützen. Die Software wurde zwar von Menschen entwickelt, aber sie wuchs über die Intelligenz ihrer Programmierer hinaus und entzieht sich dem Zugriff ihrer Schöpfer.
Das zusammen genommen lässt der Menschheit kaum eine Chance zum Überleben.
Der Autor entwickelt seinen Roman um zwei große Probleme, der sich die Menschheit in Zukunft gegenüber sehen könnten: das die Natur sich gegen die Eingriffe der Menschen wehrt und das künstliche Intelligenz (KI) eines Tages so weit fortgeschritten sein wird, dass sie den Menschen überlegen ist. Natürlich ist die Geschichte reine Fiktion und die Geschehnisse sind überspitzt, trotzdem sollte dieses Buch den Leser auch nachdenklich werden lassen. Könnten diese Entwicklungen tatsächlich real werden? Nein, so wie beschrieben sicherlich nicht. Doch auf andere Weise können Ereignisse eintreten, die uns unsere Grenzen aufzeigen. Klimawandel, furchtbare Unwetter, Erdbeben, Vulkanausbrüche, gefährliche Viren und ähnliches können das Leben auf der Erde bedrohen. Was die KI betrifft bin ich weniger besorgt, aber was weiß ich schon...
Die Geschichte hat mich fasziniert, sie ist sehr spannend geschrieben. Die oft sehr kurzen Kapitel tragen zur Aufrechterhaltung der Spannung bei. Und am Schluss kann sich der Leser fragen, was denn nun mit dem inzwischen vorhanden Wissen geschehen wird, da kommen durchaus mehrere Optionen infrage.
Interessantes Buch, hat mir gut gefallen, aus meiner Sicht eine unbedingte Leseempfehlung!
Geisterjagd im alten Wien
Der Totengräber und der Mord in der Krypta von Oliver Pötzsch
Im alten Wien geschieht Grausiges. Ein Serienmörder hat es auf Kinder abgesehen. Genauer gesagt auf Jungen, nicht auf Mädchen. Die Sagenfigur des schaurigen „Nachtkrapp“ spukt in so manchen Köpfen, vor allem in denen der Kinder, herum. Die Polizei findet kaum etwas heraus, man gibt sich bei den Ermittlungen auch nicht allzu viel Mühe, da es meist arme Straßen- oder Waisenkinder sind, die plötzlich verschwinden.
„...sind halt weggelaufen, irgendwohin, das kommt vor...“ ist das vorherrschende Ermittlungsergebnis. Erst als ein Junge aus einer wohlhabenden Familie verschwindet, muss Oberinspektor Leinkirchner unfreiwillig etwas intensiver nachforschen. Sein Kollege, der Inspektor Leo von Herzfeldt, ermittelt derweil in einem nicht minder mysteriösen anderen Fall. In der Krypta unter dem Stephansdom wird die Leiche eines bekannten Arztes gefunden. Dieser hatte sich zur Aufgabe gemacht, die zahlreichen spiritistischen Zirkel der Stadt zu besuchen und die Betrügereien bei Geisterbeschwörungen aufzudecken. Dadurch machte er sich natürlich zahlreiche Feinde, nicht alle fanden es gut, dass man ihre Illusionen so brutal zerstörte. Auch die bekannte Operndiva Maria Vanotti, die Leo sehr verehrt, ist eine Anhängerin des Spiritismus und veranstaltet Séancen. Hilfreich ist für den Inspektor einmal mehr der Kontakt mit dem Totengräber Augustin Rothmayer, der sich als sehr hilfreich erweist. Und selbst seine Ziehtochter Anna mischt dieses Mal kräftig und nutzbringend mit. Ebenso wie Leos Freundin, Tatortfotografin Julia Wolf, deren Fotos die Ermittler in diesem Fall sehr verwirren...
Wieder mal eine sehr spannende Geschichte um den Inspektor und den Totengräber. Oliver Pötzsch kann das einfach, ich habe jedes Kapitel genossen. Sehr amüsant fand ich das Auftauchen eines wohl vielen bekannten schottischen Touristen. Der liebte nicht nur den Whisky, sondern er war auch tatsächlich ein Anhänger des Spiritismus. Wunderbar eingebaut in diese Geschichte, hat mir gut gefallen! Ich freue mich schon auf den nächsten mörderischen Ausflug ins alte Wien.











